Test Acoustic Research Sub-/Sat-System Phantom 5 

14.04.2003 (cr)

Wir danken unserem Kooperationspartner HiFi-Regler für das Bereitstellen der Hörräume und des Testequipments

Der Traum vieler designorientierter, aber zugleich klanglich verwöhnter Mehrkanal-Liebhaber ist ein kompakt bauendes, gefällig gestyltes Subwoofer-/Satelliten-System, das aber so komplett klingt, dass ein großes LS-System in sehr vielen Fällen überhaupt nicht vermisst wird. Einige der von uns getesteten Sub-/Sat-Offerten kamen diesem Traum schon deutlich näher, ob eine noch geringere Distanz zwischen Sub-Sat und Lautsprechern der Kategorie "ausgewachsen und soundstark" möglich ist, soll der Test des Acoustic Research Phantom 5 klären helfen. 

Eine berechtige Frage ist nun zunächst, weshalb sich ausgerechnet dieses System besonders gut für den anspruchsvollen Hörer eignen soll. Ausführliche Antwort gibt nachher unserer Klangtest, schon jetzt aber wollen wir einige Gründe nennen, die schon gleich nach dem Lesen des Datenblatts und dem Auspacken des Testmusters für das Phantom 5 sprechen: So ist der aktive Subwoofer bezüglich seiner Gehäuseabmessungen ebenso großzügig ausgefallen wie die fünf identischen Satelliten, hier hat man kein "Schmalspur-Miniatur"-System vor sich, sondern ein ansprechend dimensioniertes Sub-/Sat-System, dessen Satelliten schon eher an kleine Regalboxen erinnern und dessen Subwoofer nicht aussieht wie ein Kandidat, der schon bei moderaten Pegeln im 20 Quadratmeter-Hörraum eher durch Dröhngeräusche als durch Basskraft auf sich aufmerksam macht. Man hat den Eindruck, ein ausgewachsenes, hochwertiges Set eingekauft zu haben, dies wird auch durch die sehr gute Verarbeitung aller Komponenten unterstützt. Der nach dem Frontfire-Prinzip (Direkt- bzw. frontabstrahlend) arbeitende Subwoofer sieht zwar sehr schlicht und wenig auffällig aus, meistens aber verschwindet das "Bassist" sowieso in einer Raumecke (was bei einem Frontfire-Sub auch möglich ist, dieser ist von der Aufstellung her weniger anspruchsvoll als ein nach unten abstrahlender Downfire-Subwoofer), außerdem ist die Verarbeitungsgüte auch beim Sub trotz nüchterner Optik einwandfrei. 

Die Leistungsdaten lesen sich gut: Die fünf Satelliten bringen eine Belastbarkeit von 70 Watt (RMS, maximal 120 Watt) mit, im aktiven Subwoofer sorgt eine kraftvolle Endstufe (150 Watt RMS, maximal 250 Watt) für die nötige Unterstützung im tieffrequenten Bereich. Der Subwoofer bringt eine Ein-/Ausschalt-Automatik mit, selbstverständlich kann wahlweise auch manuell ein- und ausgeschaltet werden. Einen Phasenregler gibt es ebenso wie einen Regler für die Übernahmefrequenz und die Lautstärke, alles ist griffgünstig und qualitativ überzeugend ausgeführt. Erfreulicherweise gibt es für den Anschluss des Lautsprecherkabels an allen Komponenten solide Schraubverschlüsse, die Exemplare an den Satelliten sind besonders hochwertig ausgeführt. Apropos Satelliten: Mittels des  unten am Lautsprecher integrierten Fußes, der für die Bodenmontage (optional ist ein solider Standfuß lieferbar) oder aber für die Installation an der Wand ausgelegt ist, lässt sich die Satellitenbox sehr flexibel justieren und ausrichten. Die gesamte Mimik macht einen durchdachten und langlebigen Eindruck.

Die Optik und die Verarbeitung stimmen also - wie sieht es mit dem Klang aus? Bei unseren Mehrkanal-Musik-Testbeispielen konnte das AR Phantom rundherum bestens gefallen. Mit hoher Ausgewogenheit und einer sehr guten Detailwiedergabe bringen die noblen Lautsprecher Tugenden mit, die für ein Subwoofer-/Satelliten-System, auch für eines sehr gehobener Preisklassen, nicht selbstverständlich sind. Gerade bei Live-Konzerten verarbeitete das Phantom die ankommenden Signale zu einer eindrucksvoll dichten, klaren und frischen Gesamtwiedergabe, die Beifallsbekundungen des Publikums beispielsweise wurden mit einem tadellosen Volumen und hoher Natürlichkeit wiedergegeben. Aber auch die Musik an sich brachte das Lautsprecher-"Team" auf hohem Level zur Geltung. Bei Roy Orbisons "Pretty Woman" überzeugte die gebotene Lebendigkeit auf der ganzen Linie, nicht eine zu schleppende, wenig impulsive und somit eher langweilige Wiedergabe, sondern eine spontane Darbietung voller Esprit und Brillanz ertönte in unserem Testraum. Mit diesen Leistungen kann sich das AR-System sicherlich in Bezug auf alle bislang getesteten Subwoofer-/Satellitensysteme eine Spitzenposition sichern, selbst das exzellente Infinity Modulus, laut UVP allerdings auch günstiger zu haben, kommt hier nicht ganz mit. 

Bei unseren Filmton-Testläufen begeisterte die extrem hohe Belastbarkeit aller Komponenten. Selbst bei wirklich schon fast kinotauglich zu nennenden Pegeln gaben sich Satelliten und der Subwoofer keine Blöße. Mit einer bis zu höchsten Lautstärken präzisen, kompletten Darstellung konnte das Phantom-System gefallen, der kraftvoll antretende Subwoofer konnte zudem mit einem hervorragenden Tiefgang aufwarten. Hier zahlt sich eben aus, dass AR diesem Sub-/Sat-Set keine "Miniaturausgabe", sondern einen vollwertigen Basslautsprecher mit entsprechend dimensioniertem Gehäuse und entsprechend leistungsstarker Endstufe mitgab. Außerdem ist der aktive Sub von der Konstruktion her gelungen, dies dokumentiert das praktisch völlige Fehlen von Strömungsgeräuschen und Verwindungserscheinungen des Gehäuses. Durch das Frontfire-Prinzip ist der aktive Woofer einfach zu platzieren, den Filmgenuss schmälernde Resonanzen und Dröhngeräusche sind bei einigermaßen fachgerechter Aufstellung und Einpegelung nicht herauszuhören. Durch seine Leistungsstärke sind die Einsatzgebiete des AR-Ensembles vielfältig. Selbst in einem Hörraum, der knapp über 25 Quadratmeter misst, wirkt das Phantom nicht unterdimensioniert. Für den Betrieb mit sehr preisgünstigen AV-Receivern der Einsteigerklasse allerdings ist das Acoustic Research-System zu schade, trotz des guten Wirkungsgerades und des breiten Spektrums der empfohlenen Verstärkerleistung. Aber: Es geht ja nicht um die angegebenen Leistungsdaten (da würden auch die beispielsweise 5 x 70 Watt manches Einsteiger-AV-Receivers problemlos ausreichen), sondern um die Performance des Gerätes insgesamt, die Qualität der verwendeten Baugruppen, die Güte des Klanges. Und hier ist ein AV-Receiver höherer Preisklassen eindeutig die bessere Wahl zum AR-System. Dann kann man auch die sehr dynamische, vielschichtige Surround-Klangkulisse, die durch ihre präzise und zugleich voluminöse Effektdarstellung für Freude sorgt, vollauf genießen. Ebenfalls fällt die klare und sehr gut akzentuierte Hochtonwiedergabe der gesamten Klangkulisse auf, so dass man bilanzieren kann: Dynamik, Brillanz und Antrittskraft des Phantom sind so gut, dass in vielen Fällen ein größeren LS-System nicht ernsthaft vermisst werden würde. Ein gewichtigeres Kompliment kann man einem Sub-/Sat-System kaum machen. Dass die Gehäuse der Satelliten ein stimmiges Volumen aufweisen, kommt auch der natürlichen Stimmwiedergabe zu Gute (Center ist baugleich mit den vier anderen Satelliten). Hier kapituliert die Centerbox nicht schon bei jeder tieferen Männerstimme bzw. bei jedem etwas voluminöseren Effekt, der von vorne aus der Mitte kommt. 

Auch im Stereobetrieb scheinen keine Schwächen durch. Natürlich darf der Hörer selbst bei einem Sub-/Sat-Systen dieser Baugröße mit durchaus größer dimensionierten Satelliten keine absoluten klanglichen Wunder erwarten. Wer in sehr guter Qualität Musik in Stereo genießen möchte, für den sind nach wie vor ausgewachsene, hochwertige Standlautsprecher die beste Wahl. Auch ein noch so gut konstruierter Satelliten-LS kann hier nicht mitkommen. Aber in der Kategorie der Subwoofer-/Satellitensysteme leistet das AR-Angebot Ausgezeichnetes. Vor allem auffällig sind die guten Ergebnisse in Bezug auf die Plastizität, eine Disziplin, in der viele Satelliten und Subwoofer nicht überzeugen können. Zu wenig strukturiert und zu stumpf wirkt das Klangbild, da erlebt man mit dem Phanton schon eine ganz andere Dimension: Klar und mit brauchbarer räumlicher Tiefe ertönen vor allem hochwertig aufgenommene CDs, die Feinfühligkeit beim Herausarbeiten kleiner musikalischer Details überrascht. Wir schlossen zum Vergleich andere Subwoofer-/Satellitensysteme an, die im Preis nicht unter dem Straßenpreis des AR lagen, und diese stellten manche Details einfach gar nicht dar, sie versanken im Einheitsbrei der zu wenig differenzierten Wiedergabe. Eine überzeugende Leistung lieferte auch im Stereobetrieb der Subwoofer ab, dessen nie überbetonter, jedoch immer kraftvoll-bestimmter Einsatz der musikalischen Gesamtdarbietung das nötige Fundament mit auf den Weg gab.

Fazit

Wer keinen Platz für ein großes 5.1 Lautsprechersystem hat, trotzdem bezüglich der gebotenen Dynamik, Präzision und Brillant aber beinahe die Werte eines großvolumigen Ensembles erreichen möchte, sollte sich dem AR Phantom 5 näher befassen. Erfreulicherweise kommt noch als Pluspunkt hinzu, dass die unverbindliche Preisempfehlung von 1999 EUR, die manches Budget bereits zu stark belasten würde, in der Praxis teilweise sehr deutlich unterboten wird. So bekommt man ein ausgezeichnetes, sehr ausgewogen agierendes Sub-/Sat-System zu einem sehr fairen, interessanten Preis. Die Einsatzmöglichkeiten des Phanton-Sets sind mannigfaltig, denn weder im Filmtoneinsatz noch im Mehrkanal-Musikbetrieb leisten sich die hochwertigen Lautsprecher Einbrüche. Besonders hervorzuheben sind die exzellente Pegelfestigkeit und die überragende Brillanz im Hochtonbereich. Gerade, was letzteres betrifft, erreicht das AR-Set die bislang besten Werte aller von uns getesteten Sub-/Sat-Ensembles. Sogar das ebenfalls überragende Infinity Modulus muss sich bezüglich der Brillanz im Hochtonbereich geschlagen geben, das Phantom klingt nochmals um Nuancen glanzvoller, ohne jemals aggressive Zwischentöne bei höheren Pegeln anzuschlagen. Hervorragend schneidet im Vergleich immer noch unser "Liebling" von KEF, das KHT-2005, ab. Zwar kann es natürlich, da es auch in einer ganz anderen (geht man von den UVPs aus!) preislichen Liga spielt, nicht mit der gebotenen Klarheit und Frische des AR mithalten, die Unterschiede fallen aber nicht so groß aus, wie man in Anbetracht der Unterschiede bei den UVPs erwarten könnte. Es bleibt somit weiterhin festzuhalten, dass das KEF für seine UVP noch immer exzellente Werte bietet. Wer aber ein Phantom zu einem günstigen Preis "abstauben" kann, macht jedoch tatsächlich ein besonders gutes Geschäft, denn mit dem Aktivsubwoofer Phantom Sub 12D erhält man einen aktiven Bassisten von überdurchschnittlich guter Qualität. Bedenkt man, wie sich mancher, auch bei teureren Sub-/Systemen mitgelieferter Subwoofer gerade bei höheren und hohen Pegeln herumquält und seine Leistung mehr schlecht als recht abgibt, dann ist die Performance des Sub 12D wie aus einer anderen Welt. Mit einem für diese Preisliga erstklassigen Tiefgang, einer im Musikbetrieb erstaunlichen Präzision und einer untadeligen Pegelfestigkeit hat der Woofer eigentlich nur den ebenfalls hervorragenden Infinity-Woofer aus der Modulus-Package zu fürchten. Der Modulus-Woofer bietet auch ein sehr gutes Volumen und eine tadellose Präzision, muss sich aber dem AR bezüglich des möglichen Tiefgangs und der maximal möglichen Pegel ebenso knapp geschlagen geben wie in der Gesamthomogenität. Die Stereoqualitäten des Acoustic Research-Angebots passen ebenfalls ins Gesamtbild. Mit ordentlicher Plastizität und einer erfreulich räumlichen, gut akzentuierten Wiedergabecharakteristik knüpft das Phantom nahtlos an die anderen hervorragenden Leistungen an. Den weit überdurchschnittlichen Gesamteindruck vervollständigt die sehr hochwertige Verarbeitung aller Komponenten.

Dynamik, Präzision und Brillanz: AR präsentiert Sub-/Sat-Sound der Extraklasse

Oberklasse
Test 14.03.2003
Preis-/Leistungsverhältnis
Pro:
  • Extrem hohe Pegelfestigkeit

  • Sehr kraftvoll agierender, einfach aufzustellender aktiver Subwoofer

  • Satelliten mit ausgezeichnet akzentuierter, nie zu aggressiver Hochtonwiedergabe

  • Sehr gute Eignung für Musik- und Filmtonbetrieb

  • Frische Stimmwiedergabe

  • Erstaunlich komplette Stereowiedergabe

  • Hervorragende Verarbeitung

  • Flexible Aufstellungsmöglichkeiten

Contra:
  • Bezieht man die Tatsache mit ein, dass der Straßenpreis sehr deutlich niedriger liegt als die UVP, ersteht man mit dem Phantom ein erstklassiges Sub-/Sat-System ohne Mängel

 

Technische Daten
  • Phantom 505: 2-Wege-Lautsprecher, Belastbarkeit RMS/max. 70/120 Watt, Impedanz 6 Ohm, Frequenzgang 38 bis 35.000 Hz, Übergangsfrequenz 3500 Hz, empfohlene Verstärkerleistung 30 bis 120 Watt, Wirkungsgrad (1 W/1 m) 90 dB, Maße (B x H x T in mm ohne Fuß): 95 x 235 x 200, Gewicht 2,3 kg, Gehäusefarbe Aluminium silber. Hochtöner: 25 mm plasmabeschichtete Titan-Kalotte, Tieftöner: 80 mm Karbonmembran. Verstellbarer Fuß-/Wandhalter, Boxenständer als Sonderzubehör lieferbar.
  • Phantom Sub 12D: Aktiver Subwoofer mit Digitalverstärker, Bassreflex-Prinzip, Frontfire, 300 mm Chassis, Ausgangsleistung RMS/max. 150/250 Watt, Frequenzbereich 20 bis 200 Hz, Übernahmefrequenz regelbar 50 bis 150 Hz. Netzschalter On/Off/Auto, Maße (B x H x T in mm) 250 x430 x 430, Gewicht 20 kg, Gehäuseausführung silber.
  • Preis komplett (5 x Phantom 505 plus Subwoofer Phantom Sub D12): 1999 EUR (UVP)

 

Test: Carsten Rampacher

14. April 2003

Das Acoustic Research Phantom 5 und viele andere Subwoofer-/Satellitensysteme finden Sie bei HIFI-REGLER