Test: DVD-RW/+RW-Recorder Sony RDR-HX900
28.10.2004 Test: Karsten Serck

Seit August 2004 bietet Sony auch in Deutschland DVD-Recorder mit
integrierter Festplatte an. Die beiden Modelle unterscheiden sich lediglich
durch die Festplattengröße und den Preis. Der hier getestete RDR-HX900 ist mit
einer 160 GB-Festplatte ausgestattet und kostet rund 900 EUR. Für den RDR-HX1000
mit einer 250 GB-HDD muss man rund 1300 EUR bezahlen. Beide Modelle sind
Sony-Geräte der alten Schule. Solide verarbeitet und mit einem zeitlos
eleganten Design versehen, zeigen die beiden knapp 6 kg schweren DVD-Recorder,
dass es zum Glück auch noch Alternativen zum drögen Slim Line-Einerlei gibt.
Der Sony unterstützt die Aufnahme auf DVD-RW und +RW sowie den einmal
beschreibbaren Formaten DVD-R und +R. Über seinen YUV-Ausgang können DVDs auch
in Progressive Scan wiedergegeben werden. Bei der DV-Buchse handelt es sich
ausschließlich um einen digitalen Eingang. Zwar dürfte diese höchstens für
Videofilmer bedeutend sein, ein "DV-Out" sollte in dieser Preisklasse
aber doch keine Kostenfrage sein. Die Time Slip-Funktion ermöglicht die
gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe auf DVD oder Festplatte. Bei der Aufnahme
wird automatisch der Titel der Sendung aus Videotextseiten ausgelesen, so dass
man die eigenen Aufnahmen im Klartext auseinanderhalten kann.
Neben DVDs kann der Sony VCDs, SVCDs und MP3-Dateien von CD-R
oder CD-RW abspielen.

Anschlüsse
Neben zwei SCART-Buchsen hat der Sony noch jeweils einen Eingang und Ausgang S-Video mit Composite, S-Video und Stereo sowie das
Gleiche als Eingang auf der Vorderseite. Der Digital-Ton wird sowohl optisch als
auch koaxial ausgegeben. Der Recorder ist in
der Lage, über den SCART-Eingang nicht nur Composite und S-Video, sondern
auch RGB-Signale aufzunehmen. NTSC wird bei der Aufnahme aber nicht
unterstützt. Dafür kann über den SCART-Eingang auch die gesamte Timer-Steuerung über ein externes Gerät wie z.B. einen SAT-Receiver erfolgen.
Aktiviert man die "SYNCHRO REC"-Funktion, startet der DVD-Recorder
automatisch mit der Aufnahme, sobald dieses Gerät Videosignale an den DVD-Recorder
sendet.

Nachfolgend die Anschlüsse noch einmal im Überblick:
Eingänge:
- 1 x SCART mit Composite, S-Video, RGB
- 1 x Composite, S-Video, Stereo (Front)
- 1 x Composite, S-Video, Stereo (Rückseite)
- 1 x DV-IN (Front)
Ausgänge:
- 1 SCART mit RGB, Composite, S-Video
- 1 x S-Video mit Composite, S-Video, Stereo
- 1 x Digital Audio (optisch)
- 1 x Digital Audio (koaxial)
- 1 x YUV
Features
- Kopier- und Editier-Möglichkeiten: Der Sony ermöglicht es, Aufnahmen
von der Festplatte auf eine DVD zu überspielen. Dabei lässt sich die
Qualität dieser Aufnahme in fünf Stufen anpassen. Die Flexibilität ist
dabei allerdings etwas eingeschränkt, da ein Qualitätsmodus zwischen dem
SP-Modus (max. 120 min.) und dem LP-Modus (max. 180 min.) fehlt und daher
gerade bei Spielfilmen mit Überlänge meist direkt in den schlechteren
LP-Modus gewechselt werden muss. Mit der Funktion "A-B löschen"
lassen sich einzelne Ausschnitte wie z.B. Werbung aus einer Aufnahme
herausschneiden. Ist die Aufnahme insgesamt etwas zu lang, besteht
allerdings keine Möglichkeit, diese komplett in mehrere Titel zu
unterteilen, um sie einzeln auf DVD zu überspielen. Als "Workaround"
bietet sich hier lediglich an, die Aufnahme direkt in zwei einzelnen Titeln
vorzunehmen.
- Timer-Programmierung: Der Sony erlaubt die Timer-Programmierung sowohl mit
Eingabe von "Showview"-Nummern als auch direkter Eingabe der
Timer-Daten. Nutzt man für die Aufnahme die VPS-Funktion, so läuft
allerdings selbst im Standby-Betrieb der Lüfter des Recorders dauerhaft. Im
normalen Spielbetrieb fällt das Lüftergeräusch zwar kaum auf, da es vom
Fernsehton übertönt wird. Stellt man den Recorder aber z.B. im Schlafzimmer
auf, so dürfte der Schlaf durch das Lüftergeräusch durchaus behindert
werden.
- Video-Equalizer: Für die Aufnahme lassen sich Kontrast, Helligkeit, Farbe
anpassen, sowie eine dreistufige Rauschunterdrückung aktivieren. Bei der
Wiedergabe ist die Rauschunterdrückung noch detaillierter nutzbar. Hier gibt
es neben der getrennten Rauschunterdrückung für Flächen- und Farbrauschen
noch die Möglichkeit zur Unterdrückung von Blockartefakten sowie eine
digitale Bildverbesserung der Konturen in mehreren Stufen. Und gerade die
Rauschunterdrückung sorgt dafür, dass selbst Aufnahmen von schwachen
TV-Signalen noch sehr gut aussehen, ohne dass starke Nebeneffekte auftreten.
Zudem gelingt es dem eingebauten Kabel-Tuner, selbst durch Interferenzen
gestörte Signale sauber darzustellen.
Bedienung

Die Menüs des Sony sind sehr schlicht gestaltet. Recht elegant wirken die
kurzen Animationen, mit denen sich das Menü einblendet und auch den Wechsel
zwischen verschiedenen Funktionen vornimmt. Allerdings sind die Menüs so farb-
und kontrastarm, als ob neuerdings für On Screen-Menüs in Farbe Zollabgaben
erhoben würden. Die graue Schrift auf grauem Hintergrund lässt sich zwar
durchaus ablesen, wirkt auf Dauer aber doch etwas zu düster. Auch die Menüs,
die für finalisierte DVDs erstellt werden, bieten nur das gleiche dröge Design
der On Screen-Menüs des Sony.

Die lange Fernbedienung ist robust verarbeitet und bietet trotz vieler
kleiner Tasten eine übersichtliche Struktur. Viele Knöpfe für
Aufnahmefunktionen verschwinden unter einer Klappe. Das ist zwar sinnvoll, um zu
verhindern, dass man versehentlich etwas aufnimmt, wird bei vielen Aufnahmen
jedoch schnell störend. Die meisten Funktionen
erreicht man über die "Tool"-Taste, welche ein Kontextmenü mit
unterschiedlichen Optionen öffnet.
Bild
Als Testmaterial wurden Testsequenzen der "Digital Video Essentials"
(PAL), Sport-Überspielungen von professionellen Satelliten-Feeds in
Broadcast-Qualität mit einer Bitrate von 14 Mbps sowie Live-Bilder des
Einkaufssenders "HSE24" via Astra von einem analogen Satelliten-Receiver
PACE MSS1000 über SCART in den verschiedenen Qualitätsstufen aufgenommen, um möglichst
perfektes Quell-Material zur Verfügung zu haben, welches die Qualität von
normalem analogen Kabelfernsehen oder digitalem Sat- und Kabel-TV weitaus
übertrifft. Zudem wurde die Qualität von Aufnahmen über den eingebauten
analogen TV-Tuner überprüft.
Aufzeichnungsmodi (DVD):
| Format | Aufnahmedauer | Bitrate | Auflösung | Ton |
| HQ | ca. 60 min. | ca. 9.3 Mbps | 720 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| HSP | ca. 90 min. | ca. 5.5 Mbps | 720 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| SP | ca. 120 min. | ca. 4.2 Mbps | 720 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| LP | ca. 180 min. | ca. 2.6 Mbps | 352 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| EP | ca. 240 min. | ca. 1.9 Mbps | 352 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps | | SLP | ca.
360 min. | ca. 1.2 Mbps | 352 x 288 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
Der Ton wird in allen Aufnahmestufen in Dolby Digital 2.0 mit einer Bitrate von
256 kbps aufgezeichnet. Eine unkomprimierte PCM-Stereo-Aufnahmemöglichkeit ist
nicht vorhanden.
Für Aufnahmen auf DVD bietet der Sony RDR-HX900 insgesamt sechs verschiedene
Qualitätsstufen an. Die Abstufungen sind recht grob gewählt, etwas mehr wäre besser, da z.B. ein Aufnahmemodus für Filme mit Überlänge von rund
140 Minuten fehlt. Dafür bietet der Recorder für Festplattenaufnahmen sogar
noch den Modus "HQ+", der mit einer Videobitrate von 15 Mbps Aufnahmen
über DVD-Niveau ermöglicht. Von praktischem Nutzen dürfte das allerdings in
erster Linie für Spezialisten sein, die sich mit weniger als
Broadcast-Qualität nicht zufrieden geben. Denn auch im HQ-Modus mit
"nur" rund 9 Mbps ist das aufgenommene Bild qualitativ auf dem Niveau
des Originals. Lediglich minimale winzige Artefakte lassen sich am Rande von
scharfen Konturen feststellen. Auch in den Qualitätsstufen mit HSP und SP
bleibt die gleiche Qualität nahezu erhalten. Die genannten kleinen Artefakte
sind hier allerdings schon etwas deutlicher zu erkennen. Dies sollte man dem
Recorder allerdings nicht ganz stark anlasten, denn die Bildschärfe der
Aufnahmen ist enorm hoch und damit auch die Anfälligkeit zur Darstellung dieser
Artefakte.
Eine Veränderung der Bildqualität ergibt sich beim Herunterschalten in den
LP-Modus, da hier die Auflösung auf 352 x 576 Pixel reduziert wird.
Entsprechend wird das Bild unschärfer. Dadurch nehmen die kleinen Artefakte
trotz einer Video-Bitrate von nur noch 2.6 Mbps deutlich ab und die Qualität
ist mit sehr gutem S-VHS-Niveau zu vergleichen. Im EP-Modus wird Blockrauschen
stärker bemerkbar und der SLP-Modus mit der noch einmal auf 352 x 288 Pixel
reduzierten Auflösung und gerade einmal 1.2 Mbps ist wie bei praktisch allen
DVD-Recordern nur noch auf VHS-Niveau. Wichtiger ist da allerdings die Qualität
in den oberen Qualitätsstufen, welche eine hohe Bildschärfe bieten, die nicht
einmal von vielen handelsüblichen DVDs erreicht wird.
Fazit
Von außen sieht der Sony RDR-HX900 aus wie eine kleine Schatztruhe und in
der Tat bietet das Innere auch wertvolle Technik in sehr guter Qualität. Die
Aufnahmen sind enorm detailscharf und dank des Video-Equalizers mit
Rauschunterdrückung lassen sich auch verrauschte TV-Signale in ordentlicher
Qualität aufnehmen. Die Fernbedienung ist trotz vieler Funktionen insgesamt
recht einfach zu benutzen und dank der automatischen Benennung der Aufnahmen
anhand von Videotextinformationen erhält man eine einfache Klartext-Übersicht
über seine eigenen Aufnahmen. Ganz ohne Handicaps ist der Recorder aber leider
nicht. So stört z.B. der ständig laufende Lüfter bei VPS-Aufnahmen und die
Anzahl der Aufnahme-Qualitätsstufen erscheint zu gering.

Preis-/Leistung:      
Pro:
-
Verwendung von Titellisten aus Videotextseiten
-
Progressive Scan-Wiedergabe
-
Guter Video-Equalizer mit vielen Parametern
-
RGB-Aufnahme
Contra:
- Permanent laufender Lüfter bei Nutzung des VPS-Timers
- Wenige Qualitätsstufen für DVD-Überspielungen
- Kontrastarme On Screen-Menüs
- Keine Titelaufteilung von HDD-Aufnahmen möglich
- Keine NTSC-Aufnahme
- Kein DV-Out
Technische Daten:
|
Aufnahme |
|
|
DVD+R, DVD+RW |
•/• |
|
DVD-R, DVD-RW, DVD-RAM |
•/•/– |
|
Wiedergabe |
|
|
DVD+R, DVD+RW |
•/• |
|
DVD-R/DVD-RW (VR-/Video)/DVD-RAM |
•/•/•/– |
|
VCD/SVCD/MP3/JPEG |
•/•/•/– |
|
Progressive Scan PAL/NTSC |
•/• |
|
Eingänge |
|
|
Scart/Hosiden/Cinch/DV (Camcorder) |
•/•/•/• |
|
Ausgänge |
|
|
Scart/Hosiden/Cinch/DV (Camcorder) |
•/•/•/– |
|
Komponenten (YUV) |
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