Test: DVD-RW/HDD-Recorder Pioneer DVR-420
07.12.2004 Test: Karsten Serck

Der
DVR-420 ist der preiswerteste Pioneer-DVD-Recorder mit integrierter Festplatte.
Die 80 GB-Festplatte des 749 EUR (UVP) teuren DVD-Recorders erlaubt je nach
Qualitätsstufe Aufnahmen von minimal 17 Stunden bis zu maximal 102 Stunden.
Der Recorder zeichnet auf DVD-R und DVD-RW-Medien auf. Im Gegensatz zum gerade von vielen No Name-Recordern verwendeten
+RW-Format unterstützt DVD-RW den Kopierschutz
CPRM, der die Möglichkeit gibt, auch zum einmaligen Kopieren freigegebene
Sendungen aufzunehmen. Das ist zwar noch etwas Zukunftsmusik, da offiziell noch kein
TV-Sender CPRM einsetzt, aber auf jeden Fall ist man mit dem DVD-RW-Format für alle Eventualitäten gewappnet.
Der Recorder bietet bei Aufnahmen auf DVD-RW sehr umfangreiche Editiermöglichkeiten und das Erstellen von Playlists, sofern
man die Aufnahmen im "Video Recording Format" vornimmt. Alternativ
gibt es auch noch den Aufnahmemodus "Video Format", der zu normalen DVD-Playern kompatible
Discs erstellt.
Anschlüsse
Neben zwei SCART-Buchsen hat der Pioneer noch einen Ausgang S-Video mit Composite, S-Video und Stereo sowie das
Gleiche als Eingang auf der Vorderseite. Der Digital-Ton wird optisch ausgegeben. Einen YUV-Komponentenausgang
gibt es nicht und somit auch keine Progressive Scan-Wiedergabe. Dafür ist der Recorder in
der Lage, über die SCART-Buchse AV2 nicht nur Composite und S-Video, sondern
auch RGB-Signale aufzunehmen. Über diesen Eingang kann auch die gesamte Timer-Steuerung über ein externes Gerät wie z.B. einen SAT-Receiver erfolgen. Sobald dieses Gerät Videosignale an den DVD-Recorder sendet, startet der DVD-Recorder bei aktiviertem "Auto Start Recording" automatisch mit der Aufnahme.
Auf eine DV-Schnittstelle wurde beim DVR-420 verzichtet. Wer diese unbedingt
haben möchte, hat als Alternative den rund 100 EUR teureren DVR-520 zur
Auswahl, der über einen DV-In/Out für Überspielungen in beide Richtungen
verfügt.

Nachfolgend die Anschlüsse noch einmal im Überblick:
Eingänge:
- 1 x SCART mit Composite, S-Video, RGB (AV 2/INPUT1) (mit Aufnahmesteuerung über externe Geräte "Auto Start Recording")
- 1 x Composite, S-Video, Stereo (Front)
- 1 x Control in für Pioneer-System-Steuerung
Ausgänge:
- 1 SCART mit RGB, Composite, S-Video (AV 1)
- 1 x S-Video mit Composite, S-Video, Stereo
- 1 x Digital Audio (optisch)
Features
-
Time-Shift: Sowohl bei HDD- als auch DVD-Aufnahmen gibt es die Möglichkeit, bereits mit dem
Betrachten einer Aufnahme zu beginnen, während diese im Hintergrund noch
weiterläuft. Bedingung hierfür ist bei DVD-Aufnahmen die Verwendung des DVD-VR-Mode sowie mindestens 2x-Rohlinge,
damit das Laufwerk parallel lesen und weiterschreiben kann.

- NTSC-Aufnahme: Neben PAL/SECAM kann der DVR-420 auch in NTSC und PAL60 aufnehmen. Hierfür muss man das Gerät im Setup unter "Eingangssignalwahl" auf "525 System" umstellen, denn ansonsten bleibt der Bildschirm bei Anschluss eines NTSC-Signals schwarz. Im DVD-Video-Modus sollte außerdem beachtet werden, dass sich PAL und NTSC-Aufnahmen auf einer DVD nicht kombinieren lassen, da dies im DVD-Standard nicht vorgesehen ist. Sobald eine NTSC-Aufzeichnung
fertiggestellt wurde, kann man den Recorder wieder auf den "625"-Modus für PAL umstellen, da er dann bei der Wiedergabe automatisch das Bild in NTSC oder wahlweise auch PAL 60 wiedergibt.

- Aufnahmen auf DVD-RW im VR-Mode lassen sich sehr einfach editieren, indem man Titel teilt und kombiniert. Auf diesem Wege lässt sich z.B.
Werbung herausschneiden. Alternativ bietet die DVD-RW auch noch sogenannte Playlists: Hierbei wird die Original-Aufnahme nicht angetastet, sondern nur Marken angelegt, die dem Player
signalisieren, was er abspielen soll. So lässt sich die Quellaufnahme auch nachträglich
verwenden.

-
Disc History verschafft einen Überblick auf die Speicherausnutzung der
einzelnen DVD-Aufnahmen. Diese wird für die letzten 30 DVDs, die im Recorder verwendet wurden, abgespeichert.
- Timer-Programmierung: Pioneer bietet gleich drei Möglichkeiten zur Aufnahme-Programmierung. Neben
ShowView und einer genauen Eingabe der Zeit und des Senders steht noch der "Easy Timer" zur Auswahl. Hier kann man ganz schnell über die Cursor-Tasten die Daten eingeben - ein nahezu idiotensicheres Verfahren für alle, die selbst mit ShowView noch überfordert sind oder keine Lust haben, immer nach den Zahlen zu suchen. Der eingebaute Timer bietet Platz für bis zu 32 Programme, womit sich auch Aufnahmen bei längerer Abwesenheit vorprogrammieren lassen.
- Video-Equalizer: Parameter wie Rauschunterdrückung, Detailschärfe, Weißpegel, Schwarzpegel und Schwarzwert IRE-Level lassen sich
für jede Eingangsquelle optimieren.
-
Multimedia-Formate, die der DVR-5100H wiedergeben kann: VCD, SVCD, MP3, WMA und JPG-Bilder
auf CD oder CD-RW: Das Abspielen von Musikdateien von DVD ist nicht möglich.
-
1,5x View Scan: Während normalerweise beim Vorspulen einer DVD kein zu hören
ist, ermöglicht der "1,5x View Scan" das Abspielen einer DVD mit 1.5x
Geschwindigkeit inklusive Ton, wodurch sich die Möglichkeit des langsamen
Vorspulens ergibt, ohne etwas zu verpassen.
-
Manuelle Aufnahme-Aussteuerung: Der Audio-Eingangspegel lässt sich für alle Line in-Eingänge in 3dB-Schritten von -6 dB bis +6 dB einstellen.
-
"Commercial Skip" ermöglicht über Fernbedienung einen Zeitsprung um
jeweils 30 Sekunden.
-
Kopieren HDD <> DVD: Der Pioneer bietet die Möglichkeit, Aufnahmen in beide
Richtungen zu überspielen, zumindest dann, wenn es sich um selbst angefertigte Aufnahmen handelt.
Dabei steht sogar eine höhere Geschwindigkeit bei der Überspielung zur
Verfügung. Die Überspielung von Festplatte auf DVD-R ist je nach
Aufnahme-Qualitätsstufe mit maximal 48x möglich. Beim Überspielen kann auch eine andere Qualitätsstufe verwenden als die des Originals, was die Möglichkeit gibt, Aufnahmen in der höchsten Qualitätsstufe zunächst auf HDD anzufertigen und dann gezielt in der bestmöglichen Qualität auf die DVD zu überspielen.
Eine optionale Automatik stellt dabei die Qualitätsstufe so ein, dass diese den auf der DVD verfügbaren Platz optimal
ausnutzt. "One Touch Copy" gibt sogar die Möglichkeit, den Recorder per Druck auf eine Taste dazu veranlassen, den momentan laufenden Titel
einer DVD sofort zu überspielen. "Disc Backup" ermöglicht es, eine 1:1-Kopie einer DVD zu erstellen, indem der Inhalt zunächst auf die Festplatte und anschließend auf einem DVD-R- oder DVD-RW-Rohling gesichert wird.
Bedienung

Die Menüs des Pioneer sind vorbildlich gelungen. Nur wenige
DVD-Recorder bieten solch optisch ansprechende und gleichzeitig ergonomische
Menüs. Die meisten Grundeinstellungen lassen sich über ein zentrales Menü
festlegen. Falls man nicht genau weiter weiß, werden kleine Hilfe-Texte im
Display angezeigt, die die Bedeutung einzelner Funktionen knapp und prägnant
erläutern.
Der ausgewählte Titel wird als animierte Titelvorschau angezeigt, die nach
ein paar Sekunden automatisch mit Ton anläuft. Nach dem gleichen Prinzip
funktioniert auch der Photo Viewer, der die auf einer CD abgespeicherten
Bilddateien als Vorschaubilder anzeigt und so selbst Such durch größere
Bildarchive einfach macht.

Die Fernbedienung ist ziemlich übersichtlich gestaltet. Trotz ihrer recht
üppigen Abmessungen liegt die Fernbedienung gut in der Hand. Die Anordnung der
einzelnen Tasten ist sehr übersichtlich und ermöglicht eine intuitive
Steuerung des Recorders.
Zum DVD-Standard kompatible DVDs im Video-Format erzeugt der Pioneer-Recorder
inklusive DVD-Menüs. Hierbei hat man sogar die Möglichkeit, sich ein Design
aus sechs verschiedenen Varianten auszusuchen, die teils etwas verspielt, aber
überwiegend recht anspruchsvoll aussehen.
Gegenüber der vorherigen DVD-Recorder-Generation fällt bei der Bedienung
auf, dass auch der DVR-420 wesentlich schneller geworden ist und kaum noch die
leichte Trägheit hat, die DVD-Recorder in der Bedienung häufiger aufweisen.
Insbesondere die Lade- und Reaktionszeiten des Laufwerks haben sich verbessert.
Lediglich beim Stoppen einer Aufnahme benötigt der Recorder systembedingt noch
einige Sekunden, um das Inhaltsverzeichnis zu aktualisieren.

Bild
Wie bereits von anderen Pioneer-DVD-Recordern gewohnt, bietet auch der DVR-420 wieder sehr genaue Einstellmöglichkeiten für die
gewünschte Kompressionsrate, die sich in 32 Stufen sehr fein einstellen lässt
und somit eine zielgenaue Kompression für eine gewünschte Aufnahmedauer
ermöglicht. Nachdem man im Setup die manuelle Anpassung der Kompression
aktiviert hat, steht diese Funktion für Aufnahmen im DVD-VR-Modus und dem
DVD-Video-Modus zur Verfügung.
Als Testmaterial wurden Testsequenzen der "Digital Video Essentials"
(PAL), Sport-Überspielungen von professionellen Satelliten-Feeds in
Broadcast-Qualität mit einer Bitrate von 14 Mbps sowie Live-Bilder des
Einkaufssenders "HSE24" via Astra von einem analogen Satelliten-Receiver
über SCART in den verschiedenen Qualitätsstufen aufgenommen, um möglichst
perfektes Quell-Material zur Verfügung zu haben, welches die Qualität von
normalem analogen Kabelfernsehen oder digitalem Sat- und Kabel-TV weitaus
übertrifft. Zudem wurde die Qualität von Aufnahmen über den eingebauten
analogen TV-Tuner überprüft.
Wie praktisch alle DVD-Recorder arbeitet auch der Pioneer mit kleinen Tricks,
um selbst bei niedrigen Bitraten noch ein passables Bild aufnehmen zu können.
Dazu gehört auch die Reduzierung der Auflösung von der bei den höheren Aufnahmestufen noch uneingeschränkten PAL-Auflösung von 720 x 576 Pixel. So wird z.B. ab dem
Longplay-Modus die Auflösung auf 352 x 576 Pixel reduziert, ab "MN 6"
mit einer Bitrate von 2.19 Mbps sogar noch einmal deutlicher auf 352 x 288
Pixel, was VCD-Auflösung entspricht.
Aufzeichnungsmodi:
| Format | Aufnahmedauer
(DVD) | Bitrate | Auflösung | Ton |
| Fine
(MN 32) | ca. 60 min. | ca. 9 Mbps | 720 x 576 | PCM Stereo |
| MN 26 | ca. 90 min. | ca. 7.6 Mbps | 720 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| SP
(MN 21) | ca. 120 min. | ca. 5.2 Mbps | 720 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| MN 19 | ca. 140 min. | ca. 4.8 Mbps | 720 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| MN 15 | ca. 180 min. | ca. 3.2 Mbps | 352 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| LP (MN
9) | ca. 240 min. | ca. 2.5 Mbps | 352 x 576 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
| MN 5 | ca. 300 min. | ca. 1.9 Mbps | 352 x 288 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps | | EP (MN1) | ca.
360 min. | ca. 1.5 Mbps | 352 x 288 | Dolby Digital 2.0, 256 kbps |
Der Ton wird in den meisten Aufnahmestufen in Dolby Digital 2.0 mit einer Bitrate von
256 kbps aufgezeichnet. In der höchsten Stufe "Fine" (MN 32) wird der
Ton hingegen nicht komprimiert, sondern in PCM Stereo aufgezeichnet.
Unabhängig von den Aufnahmequellen erreicht die
Qualität der Aufnahmen selbst in der höchsten Qualitätsstufe noch nicht ganz
das Niveau des Originals. Die Ursache hierfür liegt aber nicht im Encoding,
sondern scheinbar vielmehr in der Verarbeitung der Eingangssignale. Bei
gewöhnlichen DVDs aus dem Handel, die man auf dem Pioneer abspielt, tritt
dieser Effekt nicht auf, lediglich bei Eigenaufnahmen. Sowohl das Bild des
TV-Tuners als auch das der externen Eingänge wirkt leicht weichgezeichnet. Hier
hilft aber zum Glück der eingebaute Video-Equalizer weiter, der auch die
Möglichkeit gibt, die Detailzeichnung zu erhöhen und so diesen Effekt
weitgehend auszugleichen. Der TV-Tuner weist eine gute Empfindlichkeit auf und kann selbst
schwache und durch Interferenzen gestörte Signale aus dem Kabelnetz ohne
Rauschen und Störungen darstellen. So sind selbst mit einem einfachen
Kabelanschluss sehr saubere DVD-Aufnahmen möglich.
Der Encoder produziert selbst bei niedrigen Bitraten unter 5 Mbps saubere
Bilder mit nur sehr wenigen Artefakten. Auffälligere Veränderungen ergeben
sich erst durch die Reduzierung der Auflösung auf 352 x 576 Pixel, aber selbst
unter diesen Umständen bleibt die Qualität noch lange über dem Niveau
einer VHS-Aufnahme. Selbst Aufnahmen mit dynamischen Bildinhalten sind auch
noch im Modus MN 15 (ca. 3.2 Mbps) mit einer maximalen Aufnahmedauer von drei Stunden noch gut
anzusehen. Der Longplay-Modus und alles, was danach kommt, sollte hingegen in
erster Linie für Aufnahmen in Abwesenheit verwendet werden, die nicht dauerhaft
archiviert werden müssen. Das Blockrauschen ist zwar selbst bei den niedrigsten
Bitraten erstaunlich gering, dafür wird das Bild aber mit zunehmender Bitrate
immer schwammiger. Geht es hingegen um möglichst hochwertige Aufnahmen mit rund
zwei Stunden Laufzeit, so hat man es weitaus einfacher. Ab dem SP-Modus erreicht der Recorder sein höchstes
Qualitätsniveau. Weitere Erhöhungen der Bitrate machen sich nur bei sehr
dynamischen Bildinhalten noch als Verbesserung bemerkbar. In der Praxis bekommt man Aufnahmen von zwei Stunden Dauer in sehr
guter Qualität, selbst bei Spielfilm-Überlänge von 140 Minuten muss man aber
praktisch keine Kompromisse machen.
Für Aufnahmen auf der integrierten Festplatte besitzt man zwar etwas
größere Freiheiten bei der Auswahl des Kompressionsmodus, da hier nicht nur
4.7 GB sondern immerhin 80 GB zur Verfügung stehen. Doch auch diese sind
schneller verbraucht als man denkt, denn mit einem Festplattenrecorder gewöhnt
man sich sehr schnell an, mehr aufzunehmen, als man anschauen kann, so dass es
recht schnell passieren kann, dass die Kapazität der Festplatte zuneige geht.
Wer keine großen Kompromisse in der Bildqualität machen und zugleich
möglichst lange aufnehmen will, sollte den SP-Modus (MN21) oder eventuell MN20
oder MN21 zunächst als Grundeinstellung wählen. Damit kommt man auf
Aufnahmezeiten von 34 Stunden, womit sich schon sehr gut haushalten lässt.
Fazit
Der DVR-420 ist der kleinste DVD-Recorder von Pioneer mit integrierter
Festplatte, bietet ansonsten aber die nahezu identische Ausstattung der
größeren Recorder-Modelle. Die Aufnahmequalität ist sehr gut, die Bilder
könnten allerdings durchaus noch ein klein wenig mehr Schärfe zeigen. Großer
Pluspunkt des DVR-420 wie aller anderen Pioneer-DVD-Recorder ist wieder einmal
das hervorragende und intuitive Bedienkonzept. Aufgrund der optisch sehr
ansprechend gestalteten Menüs bekommt man im Umgang mit dem DVR-420 niemals
Langeweile.

Preis-/Leistung:      
Pro:
Contra:
Downloads:
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