TEST: Yamaha 7.2 AV-Receiver AVENTAGE RX-A820

29.01.2013 (cr/bar/sw)

Yamaha RX-A820 AVENTAGE-7.2-AV-Receiver 

Sehr gutes HDMI-Anschlussangebot

Einmessmikrofon

Das Produkt

Den Einstieg in Yamahas Aventage AV-Receiver Produktpalette markiert der RX-A820 mit einem Kaufpreis von rund EUR 850,--. Der AV-Receiver bringt eine 7-Kanal-Endstufe mit 160 Watt pro Kanal mit (4 Ohm, 1 KHz, 0,9 % THD, 1 Kanal ausgesteuert). Mit dieser Leistung und dem aufwendigen Aventage Chassis-Konzept eignet sich unser Testgerät sehr gut als Einstieg in die Welt hochwertiger Mehrkanal-Komponenten. Die Optik des wahlweise in schwarz oder titan lieferbaren RX-A820 wirkt nobel und zeitlos. Das Frontpanel besteht im oberen Teil aus schwarzem Acryl, im unteren Bereich aus gebürstetem Aluminium. Alle Frontanschlüsse befinden sich hinter einer soliden Klappe, dadurch wirkt die Front sehr aufgeräumt. Auf der Frontblende befinden sich zwei Drehregler, die beide sehr gut in der Hand liegen. Der kleinere der beiden ist für die Eingangswahl zuständig, der größere für die Lautstärke. Der Eingangswahlregler ist angenehm gerastert, der Lautstärkeregler nicht. Beide Regler hinterlassen haptisch einen guten Eindruck. Auf der Gerätefrontblende befinden sich auch vier Knöpfe für vorprogrammierte Macrofunktionen, bei Yamaha "Scene"-Tasten genannt. 

Display

Exakte Passung der Frontblende

Quellwahlregler

Lautstärkedrehregler

Scene-Tasten

Fernbedienung

Wahlweise finden sich die vier Scene-Tasten für BD, TV, Net und Radio auch auf der Fernbedienung. Wenden wir uns wieder dem AV-Receiver zu. Direkt unter dem Punkt Matrix-Display gibt es recht kleine, gleichförmige schwarze Tasten, hauptsächlich für die verschiedenen Hörzonen und den Radio-Tuner. Direkt oberhalb des Lautstärke-Reglers findet sich ein kleiner Knopf für die Aktivierung der Pure-Direct-Funktion. Im Sinne bestmöglichen Klanges wird hier der Signalweg so kurz wie möglich gehalten. Das Display selber bietet einen guten Kontrast und ist tadellos ablesbar. 

Innenleben, Gesamtübersicht

Blech-Kühlkörper, Endstufenlayout

Platinenlayout

Trafo

Der Yamaha weist als Besonderheit einen fünften Standfuß auf der Geräteunterseite auf, dies sorgt für besonders geringe Vibration und bestmögliche akustische Sauberkeit, sagt Yamaha. Auch ohne diesen fünften Standfuß würde der RX-A820 sehr solide erscheinen. Nirgendwo scheinen Verarbeitungsmängel durch, und man muß sich auch nicht scheuen, den AV-Receiver aufzuschrauben. Normale Endverbraucher sollten dies allerdings keinesfalls tun, denn dann erlöscht sofort die Herstellergarantie. Damit sie sich trotzdem einen Überblick vom Innenleben verschaffen können, bieten wir wie üblich verschiedene Bilder an. Um höchstmögliche Audio-Qualität zu garantieren, verbaut Yamaha 192 kHz, 24 Bit DA-Converter für alle Kanäle. Für exzellente Klangqualität setzt Yamaha selektierte Bauteile ein. Eine spezielle Schaltung hilft überdies, Zeitlauffehler, Jitter genannt, zu eliminieren. 

Hier geht es zu den detaillierten technischen Daten: http://de.yamaha.com/de/products/audio-visual/av-receivers-amps/rx-a820_g/?mode=model

vTuner

Wiedergabe einer Internet Radio-Station

Server- und PC-Übersicht

Wiedergabe eines Titels

Multimediale Leistungsmerkmale werden bei AV-Receivern immer wichtiger. Daher kann auch der RX-A820 mit zahlreichen multimedialen Features aufwarten. Beginnen wir mit Apple Airplay. Prinzip des Systems ist es, dass iTunes Mediatheken vom Apple iOS-Device oder vom iTunes Programm auf dem PC / Notebook drahtlos zum AV-Receiver gestreamt werden können. Dies funktioniert beim RX-A820 völlig problemlos und überdies reaktionsschnell. Auch die Klangqualität bei der Wiedergabe verschiedener Musikstücke vom iphone weiß zu überzeugen. Ebenfalls ist der Yamaha in der Lage, Musik von PCs oder Homeservern zu streamen, die sich im gleichen Netzwerk befinden. Mit den gängigen Formaten MP3, MP4, AAC und FLAC kommt der RX-A820 zurecht. Allerdings gibt es eine Ausnahme, FLAC-Dateien werden nur bis 96 kHz, 24 Bit wiedergegeben. 192 kHz, 24 Bit FLAC-Dateien gibt der RX-A820 nicht wieder. Dieses Feature ist allerdings mittlerweile beinahe eine Selbstverständlichkeit. Auch, wenn man einen USB-Stick anschließt, werden keine 192 kHz, 24 Bit FLAC-Dateien wiedergegeben. Natürlich fehlt auch eine Internet-Radio-Funktion nicht. Sie basiert auf der kostenlosen v-Tuner Plattform, die Bedienung ist einfach, Streams werden schnell geladen und in ansehlicher Klangqualität wiedergegeben. Zu Aussetzern kommt es nur sehr selten. Beim letzten Firmware-Update kam noch die Napster-Funktion hinzu, wer diesen online-basierten Musikdienst nutzen möchte, muss allerdings Gebühren bezahlen. Nicht integriert zum momentanen Zeitpunkt ist der beliebte Internet-Musikservice Spotify, auf den beispielsweise Denon und Onkyo setzen. 

Der RX-A820 wird sofort von der App erkannt

Übersicht über die aktuelle Quelle, DSP-Programm und Lautstärke

DSP-Programme mit jeweils eigenem Bild

Quellübersicht

AirPlay-Wiedergabe

vTuner-Internetradio, hier die Darstellung über die App

Ton-Optionen

Weitere Parameter stehen bereit, sich auch über die App steuern zu lassen 

HDMI-Ausgänge aktivieren oder deaktivieren, Firmware-Angabe

"Fernzugriff": Steuerung des Menüs des AVRs über das Smartphone mit direkter GUI Anzeige

Musikwiedergabe vom Server, dargestellt von der App auf dem Screen des Smartphones

Wiedergabeliste

Es ist auch möglich, den RX-A820 mittels einer App für Android oder Apple-Geräte zu steuern. Wir beginnen mit der iOS-App. Bei unseren Testläufen wurde der Yamaha RX-A820 direkt erkannt, und es konnte losgehen. Die App bietet eine nahezu komplette Steuerungsmöglichkeit, man kann mit dem Smartphone den Yamaha-AV-Receiver komfortabel bedienen. Sogar die Yamaha-typischen DSP-Programme kann man mit der App anwählen (Hall in Munich, Hall in Vienna, Chamber, Cellar Club, The Roxy Theatre, The Bottom Line, Sports, Action Game, Roleplaying Game, Music Video, Standard, Spectacle, Sci-Fi, Adventure, Drama, Mono Movie). Besonders liebevoll gemacht: Jedes DSP-Programm hat ein eigenes kleines Bildsymbol. Natürlich kann man die DSP’s, nach Musik und Filmprogrammen unterteilt, auch direkt über die Fernbedienung anwählen. Über das graphische Benutzerinterface GUI ist es auch möglich, die DSP’s in einzelnen Parametern zu verändern, um sie dem Hörgeschmack und dem Hörraum anzupassen. Je nach DSP-Programm kann die Anzahl der Parameter unterschiedlich sein. Wenden wir uns wieder der App für Apple-Endgeräte zu. Diese bietet selbstverständlich auch die Auswahl des Eingangs und der Hörzone, graphisch ebenso animiert, an. Auch auf die Szene-Modie kann man per App direkt zugreifen. Unter dem Punkt Optionen finden sich u.a. eine Klangregelung und die Steuerung der beiden HDMI-Ausgänge. Ebenfalls bekommt der Anwender darüber Auskunft, ob die Firmware noch aktuell ist. Sehr interessant ist der Punkt Fernzugriff, zu dem man kommt, wenn man im Optionsmenü herunterscrollt. Dann kann man mit dem Smartphone das gesamte Bildschirmmenü incl. virtuellem Navigationskreuz steuern. Wie unterscheidet sich die Version für Android-Geräte ? Die Bedienung ist nahezu identisch, auch die Optik der App ist nahezu gleich. Nur für Android.Geräte gibt es Yamaha Music Play, man kann über die App die Musikdateien, die auf dem Android Smartphone gespeichert sind, über den Yamaha RX-A820 wiedergeben. Dieses Feature ist nicht von der Installation der App abhängig. Insgesamt werden aus multimedialer Sicht, gute, aber keine überdurchschnittlichen Ergebnisse erreicht. 

Frontanschlüsse

HDMI-Anschlüsse

7.2 Pre-Out

Komponenten-Videoanschlüsse, Netzwerkanschluss, Phono-Eingang

Wie sieht es mit den Anschlussmöglichkeiten für Peripheriegeräte aus ? Beginnen wir mit der Rückseite. Mit insgesamt sieben HDMI-Eingängen und zwei HDMI-Ausgängen ist der AV-Receiver ausgesprochen gut bestückt. Es finden sich auch eine Netzwerk-Buchse und eine RS232-Schnittstelle auf der Rückseite, auch einen speziellen Phono-Eingang gibt es für Nostalgie-Freunde. Analoge Video-Signale nimmt der Yamaha über zwei Komponenten-Video-Eingänge und vier FBASS-Eingänge entgegen. Es gibt zwei FBASS-Ausgänge und einen Komponenten-Video-Ausgang. Weiter finden sich zwei optische und zwei coaxiale Digitaleingänge auf der Rückseite. Vier Cinch-Stereo-Analog-Eingänge und zwei Cinch-Stereo-Analog-Ausgänge plus Zone2-Audio-Ausgang befinden sich ebenfalls dort. Natürlich fehlen die Anschlüsse für die integrierten Radio-Tuner auch nicht. Mit an Bord ist auch ein 7.2 Vorverstärker-Ausgang. Der Yamaha hat einen 12 Volt Trigger-Ausgang und preisklassenübliche Lautsprecher-Kabel-Schraubterminals. Wenden wir uns den Anschlüssen auf der Gerätefront zu. Hier gibt es einen 6,25 mm Kopfhörerausgang, 1 USB-Schnittstelle, 1 analoger FBAS-Audio-Eingang, 1 HDMI-Schnittstelle und der Anschluss für das mitgelieferte Messmikrofon. Insgesamt kann man mit der Anschlussbestückung durchaus zufrieden sein. 

Der Yamaha möchte nicht nur aus akustischer Sicht überzeugen, sondern auch als Video-Schaltzentrale dienen. Der RX-A820 ist in der Lage, eingehende Video-Signale sogar bis auf 4K hochzurechnen. Einen Video-Equalizer haben wir nicht gefunden, dafür soll das Video-Processing mit besonders hochwertigem De-Interlacing aufwarten können. Die gefürchteten Treppenstufen werden durch das Edge-Adaptive De-Interlacing praktisch vermieden – ob dies in der Praxis zutrifft, werden wir später nachprüfen. 

Automatisches oder manuelles Lautsprechersetup

Manuelles Setup mit grafikunterstützter Führung

Konfiguration

Testtongenerator

Verschiedene EQ-Programme plus parametrischer EQ für den Anwender. Im Modus "Direkt" findet keine EQ-Bearbeitung statt

Start der Messung

Hauptprüfung der Lautsprecher

Mehrpunkt-Messung an bis zu 8 Positionen möglich

Verkabelung nach Messung

LS-Größe nach Messung

Pegelangleich nach Messung

Wichtig: Messergebnis speichern


Zunächst allerdings stellt sich die Frage: Wie rasch ist der Yamaha betriebsbereit ? Hier müssen wir mit leichter Kritik beginnen, einen Einrichtungsassistenten für das Festlegen elementarer Grundparameter weißt der RX-A820 nicht auf. Die Fernbedienung ist ausgesprochen leicht bzgl. des Gewichtes und weist ein sehr gut positioniertes Navigationskreuz auf. Auch die Direktanwahl der wichtigsten Quellen gestaltet sich sehr einfach. Mittels der Scene-Tasten kann man aneinandergereihte Funktionsketten in Form eines Macro-Befehls starten. Nicht überzeugen können die recht kleinen und zu zahlreichen Tasten im unteren Drittel der Fernbedienung. Zudem ist die Fernbedienung nicht beleuchtet. Arbeitswinkel und Reichweite sind befriedigend. Hat man die grundlegende Struktur der Bildschirm Benutzeroberfläche einmal begriffen, geht die Bedienung recht einfach von der Hand. Elementar wichtig bei der Bedienung ist die Anpassung des verwendeten Lautsprechersystems. Hier bietet sich Yamaha’s automatisches Einmess- und RoomEQ-System YPAO an. Dieses misst an bis zu acht Hörpositionen ein. Wichtig ist, dass zum Zeitpunkt der Messung absolute Ruhe im Hörraum herrschen sollte. Der RX-A820 setzt das konventionelle Einmess-Mikrofon ein, während die beiden größten Aventage-Modelle über ein neu entwickeltes Einmess-Mikrofon verfügen. Wie unsere Messergebnisse zeigen, kann man allerdings auch mit den Daten, die das normale Mikrofon liefert, sehr zufrieden sein. Es zeigt sich erneut, dass YPAO derzeit zu den besten Einmess-Systemen auf dem Markt gehört. Nach beendeter und gespeicherter Messung, hat der Anwender die Auswahl zwischen 3 YPAO- Kurven linear, Front oder natürlich Wählt man die Option direkt, wird YPAO umgangen. Wer lieber selber Hand anlegt, wird mit dem RX-A820 ebenfalls große Freude haben. Yamaha spendiert dem AV-Receiver einen Lautsprecher-selektiven parametrischen Equalizer. An verschiedenen Frequenzpunkten können Q-Faktor und Verstärkung im Sinne optimaler Raumakustik angepasst werden. Wer möchte, kann natürlich auch die Lautstärke-Basisparameter einstellen. Die Einstellung der Entfernung jedes einzelnen Lautsprechers vom Hörplatz funktioniert in 5 cm Schritten, der Pegelangleich in 0,5 dB-Schritten. 

Optionsmenü mit direktem Knopf auf der Fernbedienung

Das Testequipment
Klang

96 kHz, 24 Bit Stereo, Diana Krall – Stop this world, Stereo CD-Qualität – Paul Kalkbrenner / Berlin Calling - Altes Kamuffel, Stereo CD-Qualität – Leona Lewis / Trouble – Glassheart (Direct Mode): Im 2-Kanal-Betrieb wählten wir bewusst den Pure-Direct-Modus, um den Klang möglichst unverfälscht mit kürzestem Signal-Weg zu hören. Die Ergebnisse in Verbindung mit unseren Quadral Chromium Style 52 Standlautsprechern und dem QUBE10 Subwoofer waren beeindruckend. Der Yamaha spielt ausgesprochen kraftvoll auf und schafft es, den Klang tadellos von den Lautsprechern zu lösen. Im Vergleich zum großen RX-A3020 können wir hinsichtlich der klanglichen Auslegung Unterschiede ausmachen. Der 3020 spielt analytischer, nüchterner und detailreicher, während der 820 emotionaler, etwas spektakulärer und mit subjektiv größerer Weitläufigkeit unsere Testmusikstücke wiedergibt. Er ist bzgl. seiner klanglichen Ausrichtung näher an Yamahas Mittelklassemodellen. Bei diesen wurde 2012 eine akustische Neuausrichtung vorgenommen, purer Spaß am Hören und erlebte Emotionalität sollten im Mittelpunkt stehen. Wie die Tests der entsprechenden Modelle belegen, ist dies auch gelungen. Ausgesprochen gut gelingt dem RX-A820 die Wiedergabe der Stimme von Diana Krall. Hier merkt man einen deutlichen Unterschied zu den Mittelklassemodellen. Der RX-A820 stellt die Stimme vielschichtiger und charismatischer dar. Auch die gesamte räumliche Darstellung weist mehr Facetten auf. Den Aufbau des „Alten Karmuffels“ präsentiert der Yamaha kraftvoll und mit einer Vielzahl klanglicher Details. Leona Lewis beeindruckende Stimme arbeitet der AV-Receiver ebenfalls mit Sorgfalt heraus. 

Andrea Bocelli, Vivere Live in Tuscany – Romanza / A Te (Modus Straight, PCM 5.1): Dass der Yamaha gerade für Erlebnishörer eine gute Wahl darstellt, verdeutlicht er auch bei den beiden Stücken von Andrea Bocelli. Der Bühnencharakter der Aufnahme kommt authentisch heraus. Jederzeit ist Andrea auf der virtuellen Bühne exakt auszumachen. Die Stimme vermittelt gekonnt Emotionalität. Der RX-A820 arbeitet die Instrumente trotz Fokussierung der vokalen Komponente fließend und mit sauberen Konturen ein. Vergleichen wir mit verschiedenen Konkurrenten. Der Onkyo TX-NR616 ist mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von EUR 699,-- und einem Marktpreis von nur noch lediglich EUR 450,-- ein Tipp für Preis- / Leistungsbewusste. Er klingt allerdings nicht so emotional wie der teurere Yamaha, zudem agiert er im oberen Mitteltonbereich mit etwas mehr Schärfe. Der Yamaha ist hier harmonischer ausgelegt. Seinen Mehrpreis rechtfertigt der Yamaha durch die höherliegende Pegelfestigkeit ebenfalls. Das Einmess-System des RX-A820 überzeugt überdies mit besserer Präzision. Insgesamt aber setzt sich der Onkyo für seinen geringen Kaufpreis tadellos in Szene. Der Pioneer SC2022 kommt auf einen Kaufpreis von rund EUR 1.000,-- und ist somit etwas kostspieliger als unser Testkandidat. Grobdynamisch ist er eine Macht und auch bei der Pegelfestigkeit erzielt er von den bislang genannten AV-Receivern die besten Ergebnisse. Der RX-A820 kontert mit feinerer räumlicher Verteilung und mehr akustischer Gesamtharmonie. Aus dem Hause Denon gilt der AVR-2113 auf dem Markt kaum noch EUR 500,-- kostend als besonders ausgereifter AV-Receiver. Er klingt sehr angenehm, räumlich und harmonisch. Wer flüchtig hinhört, denkt, einen deutlich teureren AV-Receiver vor sich zu haben. Der erfahrene Hörer, der länger zuhört, erkennt aber, dass der akustisch ähnlich ausgelegte RX-A820 mehr Details, gerade aus HD-Tonspuren, herausholt. Überdies bietet er im Hochtonbereich etwas mehr Transparenz. Greift man zum Denon AVR-3313, ist man mit EUR 1.299 UVP dabei – also mit einem im Vergleich zu unserem Testgerät deutlich höheren Preis. Für sehr versierte Hörer ist der Denon 3313 aber nicht nur aufgrund seiner reichhaltigen Ausstattung, eine besonders empfehlenswerte Wahl. Er offeriert im Front- und im Surroundbereich eine sehr ansprechende, feine Auflösung, einen gleichermaßen wie klaren, runden Bass und eine erstklassige Stimmwiedergabe. Allerdings benötigt der Anwender auch ein entsprechend kostspieliges Lautsprechersystem, um diese Vorteile in der Praxis ausnutzen zu können. Der Yamaha kommt mit preiswerteren Lautsprechern auch überraschend gut zurecht, wenngleich auch er keine Scheu vor edlen Boxensets zeigt. 

2L the Nordic Sound, Marianne Thorsen / Trondheim Solistene / Mozart: Violin Concerto in D major – Allegro (Modus Straight, DTS-HD Master Audio): Für Klassik-Liebhaber ist der RX-A820 eine vergleichsweise preiswerte Möglichkeit, klassische Musik in ansprechender Qualität zu hören. Eines wollen wir allerdings gleich vorausschicken. Gerade bei Stücken wie dem o.g. zeigt sich, der Mehrwert teurer Oberklasse AV-Receiver. Sie holen gerade in den hinteren Reihen des Orchesters noch mehr instrumentale Präsenz heraus und stellen gleichzeitig bei instrumentalen Soli den speziellen Charakter des jeweiligen Instruments noch plastischer heraus. Mit sauber ausbalancierter Front – Surroundklangkulisse sowie lebendigem, gleichzeitig angenehmem Hochtonbereich kann man mit den Ergebnissen des RX-A820 allerdings ausgesprochen zufrieden sein. Setzt das komplette Orchester ein, stellt er impulstreu ein beachtliches Maß an Kraft zur Verfügung. 

Tiesto Copenhagen / Elements of Life World Tour – DEADMAU5 / Not exactly – TIESTO FT.JES – Everything (Modus Straight, DTS-HD Master Audio))
Bei den beiden Stücken von der Tiesto Blu-ray muss uns der RX- A820 beweisen, dass seine Endstufen auch mit hohen Pegeln souverän umgehen können. Die Erwartung kann der Yamaha in der Praxis ohne Abstriche erfüllen. In Hörräumen bis knapp über 30 qm setzt er bass- und effektstarke Trance- und Vocaltrancemusik beeindruckend um. Der Bassanteil, den der Yamaha zum aktiven Subwoofer liefert, ist präzise und räumlich akkurat gestaffelt. Wird kein aktiver Subwoofer eingesetzt, reicht die Leistung der Endstufen auch aus, um große Standlautsprecher entsprechend anzutreiben. Der Yamaha schafft eine in sich schlüssige Frontklangkulisse, es entstehen praktisch keine klanglichen Löcher zwischen den Frontlautsprechern und dem Center. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten gelingt dem RX-A820 ausgezeichnet. Er schafft es zudem vokale Elemente sehr gut vom Center zu lösen.

DSP-Parameter am Beispiel des Movie DSPs "Sci-Fi"

Yamahas DSP-Programme: Schon beinahe legendär sind Yamahas DSP (Digital Sound Processing)- Programme. Schon seit mehreren Jahrzehnten betreibt Yamaha intensiv DSP-Forschung. Die Besonderheit der Yamaha DSP-Programme ist, dass sie auf exakt vermessenen tatsächlich existierenden Räumen basieren. Es handelt sich somit nicht um Fantasiekonstrukte aus dem PC. Dies heißt aber auch in der Praxis, dass das Quellmaterial auch zum angewählten DSP passen muß. Popmusik z.B. mit einem DSP für Orchestermusik wiederzugeben, ist demnach kein Ohrenschmaus. Zur besseren Orientierung des Anwenders sind die unterschiedlichen DSP-Programme in die Hauptgruppen Musik und Kino unterteilt. Yamahas aufwändiges DSP-Processing greift nie grob verbiegend in den Signalweg ein. Vielmehr wird subtil optimiert: Dort etwas mehr Weitläufigkeit, hier etwas mehr Stimmpräsenz. Ebenfalls hervorzuheben ist die volle Kompatibilität zu aktuellen HD-Tonformaten. Dies heißt, dass hochauflösende HD-Formate ohne Einschränkung bei der Auflösung nachbearbeitet werden können. Versierte Anwender finden überdies im GUI noch die Möglichkeit die DSP’s individuell anzupassen. Es gibt einige DSP’s, die uns besonders gut gefallen. Für Freunde der Serien/Filmreihen „Star Trek“ und „Star Wars“ ist das auf Weitläufigkeit ausgelegte Sci-Fi –Movie-DSP-Programm sehr empfehlenswert. Viele Western und Abendteuerfilme klingen mit dem DSP-Adventure atmosphärisch besonders dicht. Für große klassische Konzerte ist besonders „Hall in Vienna“ exzellent geeignet. Hinter diesem Programm verbirgt sich nichts anderes, als ein akustisches Abbild des weltberühmten Saals des Wiener Musikvereins – nicht umsonst gilt dieser als einer der akustisch besten Konzertsäle der Welt. 

Filmton: James Bond 007 – Ein Quantum Trost – Ab Filmbeginn: Hier konnten wir feststellen, dass das Yamaha DSP-Programm Adventure für eine räumlich dichte, sehr homogene Gesamtwiedergabe sorgt. Wir starten ab Filmbeginn, gleich von der ersten Sekunde geht es „richtig zur Sache“. Eine spektakuläre Verfolgungsjagd auf einer engen italienischen Küstenstraße mit tückischen Kurven und starkem Lastverkehr bildet die Kulisse. 007 wird von Gangstern in Alfa Romeo 159 Limousinen gejagt. Er holt alles aus seinem Aston Martin heraus – das Hochdrehen des Motors arbeitet der RX-A820 impulstreu heraus. Das laute Hupen der entgegenkommenden Lastwagen halt durch alle Lautsprecher des Surroundsystems. Die Schüsse aus den automatischen Waffen der Killer wirken hart und kraftvoll. Auch bei großem Pegel gibt der Yamaha die aus massiven Effekten bestehende Szenerie souverän wieder. Dabei vergisst er auch nicht, den Filmsoundtrack ansprechend einzuarbeiten. Das kurze Gespräch der Carabinieri über die zu treffenden Maßnahmen aufgrund der Verfolgungsjagd gibt der AV-Receiver ebenfalls mit dem richtigen Maß an vokaler Dynamik wieder. Als der Landrover der Carabinieri kurze Zeit später ein Gebäude rammt und anschließend in die Tiefe fliegt, kommt dieser Effekt mit präzisem Timing und enormem Nachdruck heraus. Szenenwechsel – nun befinden wir uns im zweiten Kapitel – beim Verhör ins Sienna stellt sich heraus, dass der RX-A820 die Stimmen aller Beteiligten sauber und klar wiedergibt. Zu loben ist, dass der AV-Receiver die speziellen räumlichen Bedingungen in einem alten Gewölbe klanglich präzise zur Geltung bringt, ein leichter Hall ist aus den Stimmen herauszuhören. Kleine Effekte behandelt der RX-A820 mit Sorgfalt und arbeitet sie schnell und flüssig ins tonale Gesamtgefüge ein. Im Kapitel, dass auf Haiti spielt, geht James Bond in ein heruntergekommenes Hotel, um dort zu ermitteln. Kenner der Filmserie um den britischen Agenten ahnen schon, dass die nächste Action-Szene naht. Als 007 das Zimmer inspiziert, wird er von hinten mit einem Messer angefallen. Auf diese Attacke folgt ein ausgedehntes Gefecht. Ganz gleich ob harte Schläge oder splitterndes Glas, der RX-A820 bringt in jeden dieser Effekte Dynamik und Struktur. Der AV-Receiver fühlt sich auch bei der Wiedergabe von Filmton einer kräftigen und raumfüllenden Wiedergabe verpflichtet. Im Focus seiner Darstellung liegt klar der Erlebnisfaktor fürs Auditorium. Er verbindet all diese Parameter miteinander, ohne die tatsächliche akustische Realität auszublenden, d.h. er spielt nie übertrieben auf, sondern erzielt immer ein realistisches Gesamtergebnis. 

Die Videoverarbeitung

Möchte man SD-Material hoch konvertieren, muss man den Videomodus auf "Verarbeitung" stellen

Auflösungen

Der Yamaha rechnet die DVD von Star Wars (Episode III) in sehr ansprechender Qualität von 576i auf 1080p hoch. Die gelbe Laufschrift zu Filmbeginn bewegt sich ruhig und scharf von vorne nach hinten. Wellenmuster innerhalb der Buchstaben sind kaum zu beobachten, das Bild rauscht nur gering. Die gelbe Farbgebung der Lettern kommt gut heraus, allerdings bleichen sie zu den Rändern hin sichtbar aus. Das Schwarz des Alls erscheint tief und satt, überdies holt der Yamaha eine Vielzahl an Sternen auf den Bildschirm. Als kurz darauf der Sternzerstörer quer durch den Bildschirm fliegt, rastet der De-Interlacer nach kurzer „Bedenkzeit“ ein und präsentiert ein scharfes Bild mit überraschend sauber gezogenen diagonalen Linien. Die gefürchteten „Treppenstufen“ sind lediglich in harmloser Form ab und zu sichtbar. Die beiden Raumjäger, die den Sternzerstörer in schnellem Flug passieren, werden mit tadelloser Bewegungsschärfe und hoher Bewegungsstabilität abgebildet. Die verschiedenen Explosionen im Verlauf der Raumschlacht kommen mit sauberen Farbübergängen zur Geltung. Die Gesichter von Obi Wan und Anakin zeigen viele Details, die Hautfarbe wird naturgetreu erfasst. 

AVEC – Professional Test DVD: Die in verschiedenen Geschwindigkeiten durchlaufenden schwarzen und weißen Schriften vor weißem, rotem und blauem Hintergrund gibt der Yamaha in guter Qualität wieder. Aufgrund von leichtem Zittern und Nachzieheffekten reicht es nicht für eine noch bessere Bewertung. Der große magentafarbene Siemensstern im Bildzentrum und die vier kleinen magentafarben Siemenssterne in den Bildschirmecken stellt der Yamaha ausgezeichnet dar. Die Farbreinheit liegt hoch, der Lauf der Sterne ist ruhig und „Treppenstufen“ sind kaum sichtbar. Nächstes Testbild: Ein Pendel mit rot-blauem Innenleben, dass in unterschiedlichen Geschwindigkeiten über eine stehende schwarze Linie schwingt. Auch hier leistet sich der Yamaha kaum eine Schwäche. Es finden sich lediglich geringe Nachzieheffekte, die Pendelspitze weist wiederum kaum „Treppenstufen“ auf. Im rechten Bildbereich zittert die schwarze Linie leicht, wenn das Pendel darüber schwingt. Beim bewegten Stadtbild von Esslingen gefällt der Yamaha mit sehr guter Bildschärfe und natürlicher Farbwiedergabe. Die Grünflächen erscheinen dadurch detailreich und realistisch. In den Ziegeln der Hausdächer ist Flimmern nur in geringem Ausmaß sichtbar. Die Kamerafahrten verlaufen ruhig und praktisch ruckelfrei.

Das Fazit

Der Yamaha RX-A820 überzeugt in den Basisdisziplinen Ton und Bild praktisch ohne Einschränkung. Die kräftigen Endstufen liefern einen gleichermaßen gefälligen wie dynamischen Klang. Das Hochkonvertieren von Video und Filmmaterial gelingt dem Yamaha überragend und deutlich besser als den Vorgängermodellen. Weitere Punkte sammelt der Yamaha mit seiner soliden Verarbeitung, der edlen Optik und der reichhaltigen Ausstattung mit HDMI-Anschlüssen. Das Einmess-System gehört überdies zu den besten seiner Art. Kritik einstecken muss die Multimedia-Abteilung. Spotify ist nicht mit an Bord und 192 kHz, 24 Bit –Dateien spielt der Yamaha weder vom Server noch vom USB-Stick ab. Die Fernbedienung weist zu viele zu kleine Tasten auf, was die Bedienung unnötig erschwert. Ein Erstinstallationsassistent fehlt. Insgesamt profiliert sich der Yamaha jedoch als leistungsfähige AV-Schaltzentrale für den versierten Mehrkanalaufsteiger. 

Harmonisch und räumlich klingender AV-Receiver mit ausgezeichneter Videosektion

AV-Receiver Mittelklasse
Test 29. Januar 2013

+ Räumlicher, angenehmer Klang
+ Sehr gute Fein- und Grobdynamik
+ Pegelfestigkeit
+ HDMI-Anschlüsse
+ Video-Processing
+ Verarbeitungsqualität

- Keine 192 kHz/24-Bit FLAC-Wiedergabe und kein Spotify
- Bedienkonzept wirkt nicht mehr ganz frisch

Test: Carsten Rampacher, Barbara Rampacher, Sven Wunderlich
Datum: 29.01.2013

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