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TEST: Ultrasone In-Ear-Hörer IQ - Klangwunder mit Hybrid-Treibersystem?

06.02.2013 (cr/sw)

Hochleistungs-In-Ear-Hörer: Ultrasone IQ für 649 EUR

Hybrid-Treiber-Konstruktion

Unser Partner für hochauflösende Audiodateien aus dem Internet: 

Das Produkt

Zugegeben, 649 EUR sind als Kaufpreis für einen In-Ear-Hörer als durchaus happig zu bezeichnen. Aber bevor Kritik laut wird, ist es sinnvoll, sich zunächst mit dem Gegenwert genau auseinander zu setzen – und dieser Gegenwert hat es im Falle des in Handarbeit in Deutschland hergestellten Ultrasone IQ tatsächlich in sich. 

Schon die exklusive Verpackung weckt Erwartungen, die in der Praxis nicht enttäuscht werden, ebenso hervorzuheben ist der großzügige Lieferumfang. So gibt es für perfekte Passform zwei Sätze besonders hochwertiger ComplyFoam-Ohrstücke (Comply Foam-Ohrpassstücke dehnen sich im Ohr auf angenehme Art und Weise aus und sorgen somit für perfekten sowie komfortablen Halt) in den Größen M und L. Herkömmliche Silikon-Ohrstücke sind in den Gröen S/M/L/M lang/L lang enthalten. Des Weiteren findet sich ein abnehmbares Kabel mit Mikro und Fernbedienung – durch das Vorhandensein dieser beiden Komponenten ist auch die Verwendung am Smartphone vollwertig möglich. Das 1,2 Meter lange Kabel mit transparenter Ummantelung erscheint enorm hochwertig, es ist zudem hochgradig flexibel. Hinzu kommen ein ebenfalls 1,2 Meter messendes Nackenkabel sowie eine aus edler, echtem schwarzen Leder bestehende, solide Transportbox. Praktisches Detail fürs schnelle Verstauen ist hier der Magnetverschluss. Mitgeliefert werden auch ein Flugadapter und ein OMTP Adapter. Für einen Pack bestehend aus 3 Comply Foam-Ohrstücken bezahlt man auf dem freien Markt schon mindestens 16 EUR (!). 

Explosionszeichnung - gut zu erkenne ist die aufwändige Hybdridtechnik

Edles Design, sich perfekt dem Gehörgang anpassende Ohrpolster

CompyFoam-Ohrelement

Hochwertiges Gehäuse aus Metalldruckguss

Auch das Kabel unterstreicht den noblen Anspruch

Kabelfernbedienung


Doch noch viel interessanter sind die anderen Merkmale. So besteht das Gehäuse der 10 Gramm wiegenden In-Ears aus besonders hochwertigem Metalldruckguss. Für beste Klangqualität sorgt die 2-Wege-Hybrid-Technologie: Ein Hochleistungs-Balanced Armature (BA) Treiber und ein 8 mm dynamischer Treiber. Die Balanced Armature-Technologie wird z.B. auch von Sony in der XBA-IN-Ear-Kopfhörerbaureihe eingesetzt und weist einen besonders hohen Wirkungsgrad auf. Dieser entsteht dadurch, dass die Belastung auf die Membran wegfällt. Im Zentrum der BA-Technologie steht ein Permanentmagnet, in dessen Magnetfeld ein beweglich gelagertes ankerförmiges Objekt zentral untergebracht wird – daher der Name „Balanced Armature“, was nichts anderes als „ausbalancierter Anker“ heißt. Ausbalanciert oder ausgewogen deshalb, weil es im Zentrum des magnetischen Feldes keine Kräfte auf den Anker einwirken. Fließt Strom durch die Spulen des ankerförmige Objekts, wird der Anker magnetisch und bewegt sich leicht in die eine oder die andere Richtung – er ist ja beweglich gelagert. Membran nebst Antrieb sitzen am Anker und produzieren nun Schallwellen. Erforderlich für reibungsloses Funktionieren des BA-Treibers ist eine Membran mit hoher Steifigkeit, die hohe Rückstellkräfte entwickeln kann, damit der vom Permanentmagneten angezogene Anker nicht einfach dort hängen bleibt, sondern ausbalanciert im Zentrum bleibt. Diese steife Membrankonstruktion setzt zwar die Effizienz herunter – trotzdem aber ist der Wirkungsgrad so hoch, dass kein anderes bislang gebräuchliches Prinzip aus weniger Strom mehr Schalldruck zu erzeugen. 

Programmierbare Funktionen

Optionen für die Operation "Triple Click"

Konfigurierbare Lautstärkeeinstellungen

Präzise Einstellmöglichkeiten

Dass sich der IQ am Smartphones und Tablets sehr gut macht, steht außer Frage – und um noch mehr „Service“ zu bieten, gibt es eine für Android-Devices vorgesehene App – Apple iOS-Nutzer hingegen können aktuell keine Ultrasone-App herunterladen. Die App bietet verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten für die Multifunktionstaste der Kabelfernbedienung und ist zu verschiedenen Musicplayern für Android Smartphones (z.B. WinAmp, Android Player etc.) kompatibel. 

Mitgeliefert wird auch ein Mikrofon, so dass man den IQ auch als Freisprecheinrichtung nutzen kann. In der Praxis funktionierte alles tadellos - sofort wird der Anruf signalisiert und angenommen. Die Sprachqualität ist gut, man hört nur leichtes Rauschen. Stimmen werden natürlich wiedergegeben. Man kann mit völlig normaler Stimme frei sprechen, und der Gesprächspartner versteht einen trotzdem ausgezeichnet.

Alle Daten:

  • Treiber: 2-Wege-Hybrid-Technologie: Hochleistungs-Balanced Armature-Treiber plus 8 mm dynamischer Treiber

  • Frequenzgang 17 Hz bis 21 kHz 

  • Impedanz 20 Ohm

  • Empfindlichkeit (@ 1 kHz, 01, V) 106 dB

  • Maximale Ausgangsleistung (SPL) 119 dB

  • Gewicht 10 Gramm

  • Innenohrpolster 2 Paar ComplyFoam TX-100 (M/L), 5 Paar Silikon (S/M/L/M lang/L lang)

  • Kabel mit Fernbedienung

  • 1 abnehmbares Kabel mit Mikrophon

  • 1 abnehmbares Nackenkabel

  • Echtleder-Transportbox mit Magnetverschluss

  • 1 Flug-Adapter und ein OMTP-Adapter

Klang

Akustisch erwartet man von einem In-Ear-Hörer dieser Preisklasse natürlich eine Performance, die nicht nur aufhorchen lässt, sondern einen in klanglichen Welten entführt, die man von guten Studio-Kopfhörern her kenn. Wir haben gleich mit Diana Kralls "Stop This World", vorliegend als 96 kHz/24-Bit FLAC-Stereo-Datei, den Anfang gemacht: Bestechend ist die direkte, ungefilterte Darstellung. Dianas Stimme ertönt, als würde sie live im Zimmer auftreten: Klar umrissen, extrem sauber gestaffelt und sehr charismatisch. Hervorragend arbeitet der IQ auch das Piano ein: Die Anschlagdynamik, die Temperatur und die gesamte Dynamik kommen absolut stimmig heraus. Das Schlagwerk fügt sich mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks dazu. Faszinierend ist, wie echt die gebotene Räumlichkeit erscheint. Alles leicht Enge, Oberflächliche, Teil der Wiedergabe auch sehr guter und hochwertiger In-Ears, fehlt hier. Hinzu kommt auch der exzellente Tragekomfort. Wir raten zum Einsatz der CompyFoam-Ohrstücke, die sich perfekt dem Gehärgang anpassen und auch dann, wenn der Hörer einmal kurz Bewegungsdrang verspürt, nicht direkt aus dem Ohr fallen. Gleichzeitig aber sitzt der In-Ear nie unangenehm straff - eingeengt ist man daher in keiner Situation. Auch, wenn man über längere Zeit hört, ist der Sitz im Gehörgang überragend. Noch griffgünstig untergebracht ist die Kabelfernbedienung, die sich dann, wenn man ein Android-Smartphone als Quelle benutzt und die dazugehörige App herunter geladen hat, entsprechend konfigurieren lässt, was recht gut in der Praxis funktioniert. Wir haben diese Funktion mit einem Samsung Galaxy SIII mini GT-I I8190 getestet. Man muss allerdings hinzugfügen, dass selbst gute oder auch sehr gute Smartphones, die im Preisniveau noch deutlich über dem S3 mini liegen, hinsichtlich der D/A-Wandlung und der gesamten, dem Kopfhörerausgang vorgeschalteten Elektronik nicht das Niveau erreichen können, welches der IQ offeriert. Natürlich - auch am Apple iPhone 5 32 GB klingt der Ohrhörer ausgezeichnet, und das iPhone 5 hat gegenüber dem Vorgänger Apple iPhone 4S aus akustischer Sicht deutliche Fortschritte gemacht. Aber die Möglichkeiten des IQ werden nicht voll ausgeschöpft. Eine tolle Möglichkeit, den IQ auch unterwegs, z.B. am Flughafen oder Abends im Hotelzimmer, trefflich zur Geltung zu bringen, ist der Einsatz des Audioquest Dragonfly. Dieser kompakte D/A-Wandler für den USB-Anschluss ist nicht größer als ein USB-Stick, mit 249 EUR preislich recht fair kalkuliert, und nativ kann die "Libelle" bis zu 96 kHz/24-Bit Audio-Dateien wiedergeben. Schließt man den Dragonfly an das Notebook an, so wird dessen aus qualitativer Sicht meist äußerst bescheidene Soundkarte umgangen, und die "Libelle" übernimmt die Kontrolle. Schließt man anschließend den IQ an, so kann man sich sehr viel besser ein akustisches Bild von den außergewöhnlichen Fähigkeiten dieses In-Ear-Hörers machen. 

 Audioquest Dragonfly

Abba meets Funk - die Top-Hits der Kult-Band hat "Funker Nils Landgren akustisch wunderbar aufbereitet. Uns liegt die "Dancing Queen" in 96 kHz/24-Bit vor und wir sind erneut begeistert, wie intensiv die akustische Atmosphäre ist, die der IQ schafft. Wie präzise das Schlagzeug aufspielt, wie sauber Stimme und Instrumente selbst bei deutlich gehobenem Pegel (Vorsicht: Bei längerem Hören mit hohem Pegel sind Schädigungen des Gehörs die Folge - daher lieber die schon bei Gesundheits-unschädlichen Lautstärken tolle Räumlichkeit und bestechende Detailwiedergabe des IQ genießen!) dargestellt werden. Bedingt durch den enormen Wirkungsgrad der BA-Treiber muss man nicht einmal die Quelle besonders weit hochregeln, um eine durchaus satte Lautstärke zu erhalten. Auch die Funk-Version von "Take A Chance On Me" wird zu einem akustischen Erlebnis. Die Höhen sind kristallklar, vielleicht für manchen sensiblen Anwender schon zu frisch. Aber - dadurch, dass der IQ nie verzerrt oder unsauber spielt, kann man diese sehr lebendige, fein aufgebaute Hochdarstellung trotzdem genießen. Der runde Bass gliedert sich unten hervorragend ein. Er bietet ein sehr räumliches Fundament, ohne dass die Präzision leidet oder sich die tieffrequente Wiedergabe zu stark in den Vordergrund schiebt. Immer wahrt der IQ die akustische Balance und sorgt somit auch beim Hörer mit "hi-fidelem" Anspruch für pure Freude. Zusammen mit der Power des Dragonfly ist hier ein für den versierten Hörer beinahe unwiderstehliches Gespann am Start, das durch höchste Authentizität und pure Spielfreude beeindruckt. Mit Songs von "Bad Religion", eine der dienstältesten Punk-Bands der Welt (seit 1980) kommt der IQ ebenfalls bestens zurecht. Wir hörten Titel vom 16. Studioalbum "True North", so z.B. "Past Is Dead": Die E-Gitarre im Intro hört sich so an, als würde der Gitarrist direkt im Raum vor dem Zuhörer in die Saiten greifen. Als dann nach dem langsameren Intro ein deutlicher Dynamiksprung stattfindet und sich die Musiker "so richtig ins Zeug" legen, punktet der IQ wieder mit seinem direkten Spiel. Er lässt keine Distanz zwischen Zuhörer und Song zu - so fühlt man sich inmitten des Stücks, vom Klang umgeben, vom Klang durchdrungen. Dem IQ geht jede Art von Oberflächlichkeit ab - erleben heißt hier die Maxime, und nicht, sich einfach mit Musik "berieseln" zu lassen. Toll auch wieder der Bassbereich - extrem schnell, extrem sauber, extrem klar. Auch bei "Crisis Time" werden "Punk-Rocker" sehr angetan, mit welcher enormen Dynamik und mit welchem Vorwärtsdrang der Titel wiedergegeben wird. Die Trennung verschiedener instrumentaler Elemente gelingt trotz des Tempos stets erstklassig. Den schnellen Rhythmus stellt der IQ ohne irgendwelche Probleme dar - seine enorme Schnelligkeit ist auch hier sein Trumpf. 

Wenden wir uns "Klassischem" zu und hören die 96 kHz-FLAC-Datei von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nr. 4 in D-Dur, Köchelverzeichnis 218, gespielt von Marianne Thorsen und den Trondheim Solistene. Die Aufnahme des sehr renommierten Labels 2L glänzt durch extrem hoch liegende Durchhörbarkeit und überragende Detailtreue. Wie schlägt sich der IQ hier? Bekannt ist uns durchaus das Problem, dass Streicher, wenn man mittels In-Ears hört, gern eine Idee zu aggressiv erscheinen und gleichzeitig Details verloren gehen. Der IQ stellt den Hochtonbereich, wie bereits oben erwähnt, zwar auch sehr brillant dar, vermeidet aber geschickt einen schrillen, unnatürlichen Unterton. So steigt der angenehme Faktor beim Hören deutlich, und selbst die Passagen, die sich weit oben im Frequenzspektrum abspielen, sind komfortabel anzuhören. Die orchestralen Einsätze managt der IQ souverän, mit Kraft und Räumlichkeit schaltet sich die große Gruppe von Musikern zu. 

Eher ruhig geht es bei "Dronning Fjellrose" der norwegischen Acoustic Jazzer des Hoff Ensembles zu. Dem Album "Queit Winter Nights" entnommen, bietet der IQ hier höchsten Jazz-Genuss. Obwohl die 192 kHz der Datei vom Dragonfly auf die maximal nativ zu verarbeitenden 96 kHz herunter gerechnet werden, bekommt es der Hörer mit einem ungeheuer charismatischen, feinen Musikgenuss zu tun, der dafür sorgt, dass man alles rund herum vergisst und sich ausschließlich dem Hören widmet. Gerade Stimme und Piano glänzen mit sensibler, filigraner Einarbeitung. Bei "Tufsa Danser" stellt der IQ eine kultivierte, Noblesse ausstrahlende Klarheit bei Trompete, Piano und weiblicher Gesangsstimme in den Mittelpunkt. Die gebotene Räumlichkeit wirkt immer in echter, glaubwürdiger und dadurch angenehmer Art und Weise auf den Hörer. Sie löst sich präzise ausbalanciert und sorgt für ein gelöstes Hören, das aber gleichzeitig für Offenheit beim Zuhörer hinsichtlich feiner Details sorgt. 

Fazit

Insgesamt, so ziehen wir Resümee, kann man sich der Faszination des IQ kaum entziehen. Zwar muss erst der enorme Preis verdaut werden - dann aber treten nur noch "Wohlfühlfaktoren" ein. Das Thema "neue In-Ears anschaffen" kann man langfristig komplett vergessen. Die in perfekter Fertigungsqualität in Deutschland hergestellten In-Ears sorgen hinsichtlich Verarbeitung und Akustik für ein solch hohes Maß an Begeisterung, dass man sich kaum entscheiden kann - soll man die formschönen, edlen In-ears einfach in die Hand nehmen und betrachten, oder gleich hören? Wer raten zu kurzer optischer Betrachung und anschließend stattfindendem Hörgenuss. Dadurch, dass es sich um einen für den mobilen Einsatz ausgelegten Ohrhörer handelt, kann man den IQ, am besten von einem hochwertigen USB-D/A-Wandler gespeist, im Flugzeug oder auch im Hotelzimmer zusammen mit dem Notebook zum Einsatz bringen. Akustisch lässt er den Zuhörer zum Zentrum für die Wiedergabe werden. Hier hört man nicht nur, hier wird man Teil vom gerade gespielten Stück. Es lohnt sich, dem IQ hochwertiges HiRes-Quellmaterial zukommen zu lassen - eine zutiefst charismatische, detailreiche, räumliche und lebendige Wiedergabe ist ihn ohnehin eigen, und seien Talente kann er bei entsprechendem musikalischem Material am besten zeigen. 

In-Ears in Bestform: Der Ultrasone IQ setzt neue Maßstäbe bei Klarheit, Feindynamik, Wirkungsgrad und Räumlichkeit

In-Ear-Kopfhörer Luxusklasse
Test 07. Februar 2013

+ Feindynamik sensationell
+ Räumlichkeit auf Referenz-Level
+ Pegelfest
+ Herausragender Wirkungsgrad
+ Exzellenter Tragekomfort
+ Brillante Hochtonwiedergabe
+ Maßstäbe setzende Verarbeitung

- Kostspielig

Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Datum: 07.02.2013

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