TEST: LG Optimus G -  Allrounder der Spitzenklasse?

19.06.2013 (Ulf Schneider)

13-Megapixel-Kamera, LTE-Unterstützung, 2-GB-Arbeitsspeicher und Luxus-Touchscreen - die Koreaner ziehen mit den anderen Smartphone-Manufakturen gleich und präsentieren – erst spät – hierzulande ihr neues Android-Flaggschiff.

Das Smartphone kommt einem nicht ohne Grund irgendwie bekannt vor, basiert es doch auf dem Googles Nexus 4, das hierzulande ab November allerdings nur in geringer Stückzahl ausgeliefert wurde. Und das Beste dabei: Gegenüber dem Google-Spezialisten wurde die Ausstattung nochmals aufgestockt. Dass auch Erinnerungen an Samsung-Modellen wachwerden, hat einen guten Grund, denn es ist ein offenes Geheimnis, dass nicht wenige koreanische Ingenieure und Designer wie bei einem Tennisspiel zwischen LG und Samsung die Seiten wechseln, um bessere Positionen zu bekommen. Übrigens: In Korea und den USA gibt es das Optimus G bereits seit über sieben Monaten.

Design & Display

4,7 Zoll TFT-Display mit IPS-Plus Technologie

Okay, optisch kann man seit dem globalen Siegeszug des iPhones keine Revolution mehr auslösen. Auch LGs aktuelles Flaggschiff basiert auf bewährte Design-Zutaten: Klavierlack in wahlweise schwarz oder weiß, ein Display, der die Frontseite optimal ausreizt, abgerundete Ecken sowohl die Verbannung der wenigen physischen Tasten auf die Seitenflächen. Auffallend sind alleine die dezenten Chrom-Umrandung sowie die vordere und hintere Glasoberflächen, die aus stabilen Gorilla Glas 2 bestehen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auf der Rückseite außerdem eine feine Musterung unterhalb der Glasschicht. Das optische Gesamtpaket ist dadurch zwar kein Eyecatcher, sammelt aber Pluspunkte durch eine gehörige Portion Noblesse, was auch an der lupenreinen Verarbeitungsqualität liegt. Metall wurde oberflächlich nicht verbaut, doch das Hartplastik ist hochwertig und Spaltmaße ist nicht zu erkennen – hier gibt es nix zu mäkeln.

Ist Super-AMOLED von Samsung das Maß aller Dinge? Dass auch andere Display-Technologien auftrumpfen können, beweist eindrucksvoll dieser 4,7 Zoll-Vertreter, der grundsätzlich auf der bewährten TFT-Bauweise basiert. Allerdings kitzeln die Macher dank IPS-Plus- und „Zero Gap Touch“-Technologie ein beeindruckendes Seherlebnis heraus. Ein Trick: Der Displayaufbau kommt ohne Folien und Luftschicht aus, da die Glasabdeckung direkt auf der TFT-Anzeige liegt. Das ist zwar grundsätzlich nichts Neues, denn auch einige BlackBerry-Modelle setzen bereits auf dieses Verfahren, doch das Ergebnis beeindruckt durch eine plastische, farbintensive und brillante Darstellung, die einem hochwertigen AMOLED-Vertreter absolut ebenbürtig ist – absolute Spitzenklasse! Und das, obwohl die Auflösung „nur“ bei 768 x 1280 Pixel liegt, also kein FullHD geboten wird. Doch mal ehrlich: Ab einer gewissen Auflösung wird die Pixeldichte für den Otto-Normal-Verbraucher beim Smartphone ohnehin nicht mehr wichtig.

Ein weiterer Effekt dieser Technik soll eine reflexionsarme Darstellung im Freien sein, wobei man dafür allerdings die automatische Lichthelligkeit deaktivieren sollte, da ansonsten die Leuchtkraft bei Tageslicht zu gering sein kann. 

Ausstattung

Schlankes Outfit

Erwartungsgemäß wird bei dieser Preisklasse die volle Breitseite geboten, sodass man sich über Standards wie Google Navigation nicht mehr unterhalten muss. Apropos Google: Der Android-Erfinder hat offensichtlich dafür gesorgt, dass die Facebook-App ab Werk verbannt wird, denn auch bei diesem Funker steht als vorinstalliertes Soziales Netzwerk allein Google+ zur Auswahl. 

Sei es drum…Richtig stark ist die Präsenz bei den Datenkanälen, denn hier sind alle Kanäle besetzt, inklusive LTE, NFC und HSPA+ mit bis zu 42 Mbit/s im Download – nur die gute alte Infrarot-Schnittstelle für spezielle Aufgaben fehlt.

Darüber hinaus sind einige hilfreiche Anwendungen vorinstalliert. So kümmert sich Polaris Office für das Anzeigen und bearbeiten von Office-Dokumente, während der Quick Translator alle erdenklichen Sprachen beliebig übersetzt. Hierzu sind allerdings zuvor entsprechende Downloads notwendig. Dank der App „Notebook“, lassen sich ferner mit Notizen mit Bildern anschaulich in Szene setzen. Dass auch ein UKW-Radio zum Ausstattungsprogramm dazu gehört, ist durchaus erwähnenswert, denn das ist nach wie vor nicht Android-Standard.

Außenaufnahme der integrierten Kamera

Innenaufnahme

Durch die opulente 13-Megapixel-Auflösung spielt sich auch der Knipser mit FullHD-Camcorder in den Vordergrund, zumal dieser einige Tricks beherrscht. So kann man den Auslöser auch per Sprachkommandos aktivieren, was auch sehr sinnvoll ist, da es dafür keinen physischen Knopf gibt – auch das scheint sich leider immer mehr bei Smartphones durchzusetzen. Durch die Funktion Time Catch knipst die Kamera außerdem bereits vor dem Auslösen fünf Aufnahmen. Das ist zwar beileibe keine Innovation mehr, aber dennoch im Alltag durchaus nützlich, um Schnappschüsse zu optimieren. Erwähnenswert ist zu guter Letzt außerdem noch der Smart Shutter, durch den wackelige Fotos vermieden werden sollen. Und wie gut schlägt sich der technische Einsatz im Alltag? Nun, das LG Optimus G lässt sicherlich ein Großteil der Kamera-Mobiltelefone hinter sich, kann aber in dieser Disziplin mit Vorzeige-Geräten wie das HTC One oder iPhone 5 nicht mithalten. Dafür schwächelt es vor allem bei widrigen Lichtverhältnissen zu sehr, denn in puncto Schärfe bis zum Rand nimmt es die Kamera dann nicht mehr so genau. Auch ein dezenter Blaustich und blasse Farben lassen sich nicht wegdiskutieren. 

Eine Idee wurde frech von Samsung übernommen: Durch den intelligenten Bildschirm, wird das Display erst dann abgeblendet, wenn der Nutzer nicht mehr draufblickt. Das funktioniert im Praxistest einwandfrei.

Beim Speicherplatz-Management fällt zwar das Fehlen des microSD-Karten-Slots negativ auf, doch die Kombi aus internen, rund 25 GB sowie einer optionalen Cloud dürften die meisten Besitzer voll zufriedenstellen.

Handhabung

Detailaufnahme

Software neuester Stand: Das aktuelle Android 4.1.2 wird von LGs Benutzeroberfläche Optimus UI unterstützt. Das bewährte Tandem ist ein Garant dafür, dass der Nutzer das Smartphone nach eigenem Gusto personalisieren kann. Hierfür stehen insgesamt sieben Startbildschirme zur Verfügung, die sich mit einer ganzen Armee von Widgets füllen lassen – nur bei Facebook ist dafür zunächst Handarbeit notwendig.

Neben den bekannten Bedienungskonzepten ergänzten die Macher das UI mit ein paar nützlichen Extras. So lassen sich per Quick-Memo-Funktion schnell und unkompliziert Notizen auf dem Bildschirm notieren und speichern. Ebenfalls im auffallend großem Pull-Down-Menü hat befindet sich außerdem einige sogenannte QSlide Apps, wie beispielsweise einem Web-Browser. Der Clou: Einmal draufgeklickt, öffnet sich diese als Bild-im-Bild-Anzeige, wodurch echtes Multitasking möglich ist. Auch hier stand Samsung als Ideengeber ganz offensichtlich Pate.

Da solche Features viel Rechenpower verlangen, überrascht es nicht, dass das Arbeitstempo überaus flott ist. Auch bei Ausflügen ins Internet wird der Surfer durch butterweiches Zoomen per Fingerspreizen und zügigem, kinetischem Scrolling verwöhnt. Abgerundet wird das insgesamt sehr runde Bedienungskonzept durch eine geräumige, digitale Qwertz-Tastatur, die durch eine intelligente Eingabehilfe unterstützt wird – ein starker Auftritt!

Technik

Das technische Herz ist ein alter Bekannter, der unter anderem auch Sonys aktuelles Flaggschiff zur Höchstform antreibt. Der Qualcomm-Prozessor Snapdragon S4 Pro in der Version APQ8064 arbeitet mit vier Kernen und einer Taktung von 1,5 GHz. Damit es so richtig flutscht gibt es obendrein noch satte 2 GB Arbeitsspeicher! Diese CPU-Power steht auch einem aktuellen Notebook gut zu Gesicht, was im Falle des Hybrid-Gerätes Asus PadFone 2 sogar der Fall ist. Entsprechend wenig Gedanken müssen sich Nutzer über die Performance machen, zumal sich der Grafikprozessor Adreno 320 bei anspruchsvollen 3D-Games dazu schaltet und derzeit ohnehin keine App diese Ressourcen voll ausschöpft - das nennt man ganz klar zukunftssicher!

Offenbar scheinen aber der Prozessor und das Luxus-Display viel Strom zu saugen, denn das Kapitel Akkuleistung ist leider ein trauriges. So lag die Rufbereitschaft im mehreren Testzyklus bei gerade einmal 2,5 Tagen, und dass ohne größeren Multimedia-Exzessen. Mit anderen Worten: Über das Wochenende gehört das Netzteil zum festen Reisegepäck dazu.

Tonal gibt es Licht, aber vor allem Schatten. Der integrierte Lautsprecher liefert einen lauten und recht klaren, luftigen Sound, hat aber mit einer kultivierten Basskultur nix am Hut. Als Freisprecher taugt er durchaus was, wobei ab einer gewissen Lautstärke Stimmen blechern hallen und mitunter sogar verzerrt werden. Telefonieren ist auch ein mittelprächtiges Klangerlebnis, da es Stimmen an Natürlichkeit und Präsenz mangelt - das ist leider immer noch eine Volkskrankheit bei Mobiltelefonen. Der Klang über den Kopfhörer ist hingegen einwandfrei, zumal der In-Ear-Kopfhörer sehr hochwertig ist. 

Fazit

Das LG Optimus G hat sicherlich nicht ganz die Innovationskraft eines Samsung Galaxy S4 oder HTC One, präsentiert sich aber ähnlich wie das Sony Xperia Z (dessen CPU es auch nutzt) als ein Spitzenklasse-Allrounder. Nur bei der Akkuleistung hakt es ein eindeutig, was für Vielnutzer, die es gewohnt sind, stets über Nacht aufzuladen, allerdings kein größeres Manko darstellen sollte. Die freuen sich vielmehr über die starke Prozessor-Leistung, dem Top-Display und einwandfreiem Bedienkomfort. Ohne Zweifel daher das bislang beste Smartphone aus dem Hause LG, dessen Online-Preis bereits auf rund 460 Euro gerutscht ist. 

Exzellentes Allround-Smartphone mit Top-Display und hoher Prozessorleistung

Smartphones Oberklasse
Test 19. Juni 2013


+ CPU Power
+ Bedienkomfort
+ Gutes Display
+ 2 GB Arbeitsspeicher
+ Solide Kamera
+ LTE fähig

- Tägliches Laden nötig
- kein microSD-Slot

Test: Ulf Schneider
Redaktion: Philipp Kind
Datum: 19.06.2013

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