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TEST: HTC One - neuer Smartphone-Musterschüler?

25.04.2013 (Ulf Schneider)

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Die Taiwaner von HTC zeigten auf dem vergangenen GSM Mobile World Congress in Barcelona das HTC One als einzige Neuheit – doch das mit besonders breiter Brust. Ob der Android-Vertreter mit dem schlichten Namen den zahlreichen Lobeshymnen gerecht wird, offenbart der Praxistext. HTC durchlebte eine typisch asiatische Mobiltelefon-Karriere in Europa. Angefangen als günstiger No-Name-Produzent für Vodafone & Co, hat sich HTC mittlerweile längst als eigenständige TK-Manufaktur etabliert, die in der Vergangenheit nicht gerade als preisaggressiv galt. Mit einem UVP von satten 679 Euro erreicht das neue Flaggschiff nun sogar iPhone-Niveau, doch das One liefert zahlreiche Argumente, die diesen Preis rechtfertigen. Übrigens: Das HTC One gibt es bei notebooksbilliger.de für 629 EUR (ohne Vertrag) in schwarz und zum gleichen Preis auch bei notebooksbilliger.de in silbern. 

Erhältlich in silbern...

...und in schwarz

Design und Display

Formschön auch von hinten

Der Premium-Anspruch fängt bereits beim Materialeinsatz und Design an. Wie fast schon obligatorisch bei HTC hält ein Unibody aus Aluminium (Schwarz oder Silber) alles zusammen. Da es keinen Speicherkarten-Slot gibt und der Akkublock fest verbaut ist, wirkt das nahtlose HTC One wie aus einem Guss. Der microSIM-Karten-Slot wird zudem wie beim iPhone via Spezialwerkzeug herausgeschoben, sodass sich etwaige Apple-Umsteiger schnell heimisch fühlen dürften. Sicherlich kann man über den fest verbauten Akkublock diskutieren, fest steht aber, dass das One mit sind seinem hochwertigen Unibody-Look eine gehörige Portion Noblesse versprüht und sich optisch klar vom Smartphone-Allerlei abgrenzt. Das liegt auch an den auffällig großen Stereolautsprechern, die links und rechts vom Display positioniert sind. Das ist nicht nur ein Designmerkmal, es birgt auch klare Vorteile, doch dazu später mehr.

Saubere Detailverarbeitung und dank FullHD Display keine sichtbaren Pixel

Ein 4,7 Zoll großes Display mit Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Bildpunkte) stellt zumindest für den deutschen Markt eine neue technische Messlatte dar, denn die Pixeldichte ist rund 40 Prozent höher als das Retina-Display des iPhone 5. Allerdings ist dies kein HTC-Alleinstellungsmerkmal,, das neue Samsung Galaxy S4 und das Sony Xperia Z sind weitere Kandidaten mit FullHD-Display. Durch das geringfügig kleinere HTC-Display (beide Mitwettbewerber haben 5 Zoll Diagonale) ist die Pixeldichte beim One minimal höher. Das ist schon ein Wort, wobei sich die Qualität auch in den Rubriken Brillanz und Farbsättigung weiter fortsetzt, wobei aber AMOLED-Displays noch mehr „Wumms“ bei der Farbdarstellung aufweisen. Löblich ist ferner, dass sich das Display auch noch bei Tageslicht vernünftig ablesen lässt. Der Touchscreen wird übrigens sehr wirksam gegen Druckstellen geschützt, was die ohne schon perfekte Verarbeitungsqualität unterstreicht. Kleiner Nachteil - das formschöne Smartphone ist weder gegen Wasser noch gegen Staub geschützt. Hier bietet die Konkurrenz von Sony und Motorola mehr. 

Ausstattung

Natürlich ist auch LTE an Bord, ferner NFC

Um es auf den Punkt zu bringen: Das HTC One ist einer DER absoluten Datenprofis, die derzeit erhältlich sind: Bluetooth 4.0, schnelles HSPA+, W-LAN, NFC, DLNA, LTE sowie ein Infrarot-Sender – der Taiwaner funkt auf wirklich allen Kanälen auf hohem Niveau.  Dabei stellt sich die berechtigte Frage, wieso HTC Infrarot wieder auf vom Friedhof der drahtlosen Verbindungen ans Tageslicht geholt hat? Der Sender ist im Ein-/Ausschalter integriert und verwandelt im Verbund mit der App „Sense TV“ das HTC One in eine lernfähige Fernbedienung samt interaktives TV-Programm. So erlernt das HTC One nicht nur die Kontrolle vom Fernseher oder Receiver, sondern stimmt das Fernsehprogramm auch nach den Vorgaben des Anwenders ab, sodass dieser beispielsweise Benachrichtigungen erhält, sobald eine Lieblingssendung bevorsteht. Grundsätzlich wird hier das Rad zwar nicht neu erfunden, doch in einem Smartphone integriert, ist das eine echte Innovation.

Foto

Ein weitere große Besonderheit sind die UltraPixel-Kameras. Die setzten sich aus einer Frontkamera mit 2,2 Megapixeln und einer Hauptkamera auf der Rückseite mit 4,1 Megapixeln zusammen, wobei beide in Full HD filmen. Das ist kein Rechtschreibfehler, vielmehr folgen die Entwickler nicht mehr dem Megapixel-Wahn, sondern setzen stattdessen auf Schnelligkeit und Qualitätsfaktoren wie Sensorgröße, Linsen und Filter. So verfügt das One über einen Bildchip mit weniger, aber dafür größeren Pixeln auf dem Sensor. Der gewünschte Effekt: Weniger Bildrauschen und höhere Lichtempfindlichkeit. Die Rechnung ging auch auf, denn selbst bei düsterem Kneipenlicht und bei größeren Distanzen liefert der Knipser erstaunliche Schnappschüsse, die jedem Fotoalbum gehen stehen. In Kombination mit dem Hochleistungsprozessor beherrschen die Kameras außerdem eine ganze Klaviatur an Möglichkeiten: 360°-Panorama-Aufnahmen, Superzeitlupen, HDR-Videos, Zeitraffer und sogar das Entfernen von Objekten. Eine absolute Besonderheit ist außerdem HTC Zoe. Mit dieser Option lassen sich auf Knopfdruck hochauflösende Fotos und Videos archivieren, die später automatisch zu Tagesclips komponiert werden. Hinterlegt mit Musik nach Wahl entstehen so lebendige Erinnerungen.

Dass überdies alles an Bord ist, was mittlerweile zum inoffiziellen Android-Standard gehört, muss an dieser Stelle wohl nicht mehr erwähnt werden. Und sollte dennoch etwas fehlen: Google Play liefert alle erdenklichen Software-Pflaster. Noch ein paar Worte zum Speicherplatz: Es gibt derzeit nur eine 32 GB Version, wobei dem Nutzer ab Werk rund 26 GB zur freien Verfügung stehen. Die in den USA bereits erhältliche Version mit 64 GB (ca. 769 Euro) soll zu einem derzeit noch unbestimmten Zeitpunkt auch in Deutschland erhältlich sein. 

Handhabung

Android ist Android? Von wegen! HTC hat mit Sense 5.0 eine brandneue Nutzeroberfläche übergestülpt, die optisch nicht mehr viel mit dem bekannten Google-Look zu tun hat. Das liegt vor allem am genialen „BlinkFeed“ im Startmenü. Ähnlich wie bei der populären App „Flipboard“ stellt sich der Nutzer nach eigenen Vorlieben Nachrichten- und Themenkanale zusammen, in deren Aktualisierungen der Nutzer dann hin und her blättern kann. Meldet man sich mit einem Sozialen Netzwerk wie Facebook an, werden dessen Aktualisierungen ebenfalls in BlinkFeed integriert. Da dieser Dienst optisch mit vielen Fotos und einer Umklapp-Darstellung in Szene gesetzt wird, ist BlinkFeed eine absolute Bereicherung für den Nutzwert dieses Smartphones, zumal man dadurch auch umgehend eigene Kommentare posten kann, ohne vorher eine App öffnen zu müssen. Und das Beste: Per Sense 5.0 Update sollen in naher Zukunft auch ältere HTC-Geräte diese Funktion beherrschen.

Weiterer positiver Aspekt ist die schnelle Gangart beim Umgang mit dem One. Wartezeiten treten eigentlich nie auf und auch das kinetische Scrolling und der Multitouch-Zoom gehen butterweich und flink von der Hand – Schulnote 1 dafür. Obwohl das HTC One viele Features beherrscht, wirkt die Menüführung aufgeräumt, denn viele Apps wurden thematisch passend in Untermenüs gebündelt – kennt man ja schon vom iPhone. Auch der Start aus dem Lockscreen ist gut gelöst, denn mit einem Fingerzug nach oben stehen dem Nutzer gleich mehre Funktionen, wie SMS oder Kamera direkt zur Verfügung. Abgerundet wird der runde Bedienungskomfort durch eine geräumige Qwertz-Tastatur, die durch eine intelligente Eingabehilfe gut unterstützt wird. 

Technik

So viel Multimedia-Luxus braucht natürlich das entsprechende Prozessor-Rückgrat. Und auch hier lautete die Devise klotzen statt kleckern. Der Qualcomm Snapdragon 600 Chip mit vier Rechenkernen à 1,7 Gigahertz und ein üppig gepolsterter 2 GB-Arbeitsspeicher ist für alle Aufgaben gerüstet, sodass Multitasking und das Zocken von aufwändigen 3D-Spielen kein Problem darstellt. Stellt sich nur die Frage, wie der Akkublock mit so viel Multimedia-Ballast umgeht? Nun, der 2300 mAh Lithium-Polymer-Akku vollbringt sicherlich keine Wunder, sorgt aber bei einer moderaten Nutzungsintensität immerhin für eine Rufbereitschaft von drei bis maximal vier Tagen – ohne längere Internet-, Gaming- oder Navigationssessions, versteht sich. Dieses Ergebnis ist mehr als solide. 

Beats Audio ist mit an Bord

Fast schon ein Spektakel ist hingegen der auditive Auftritt der üppigen Stereolautsprecher. Statt dünnen Bässen und Verzerrungen bei höherer Lautstärke spielt das Duett dank eigenem Verstärker so souverän und dezibelstark auf, dass das HTC One zu den ganz wenigen Smartphones auf dem Markt gehören, die als Stand-Alone-Musikanlage für unterwegs taugen. Schade nur, dass die vorinstallierten Klingeltöne allesamt recht öde sind. Der Freisprecher leistet zudem ebenfalls einen sehr guten Job und verdient daher diese Bezeichnung voll und ganz.

Da die Musiktechnik Beats Audio wieder an Bord ist, kommt auch über einen entsprechenden Kopfhörer ein satter Sound rüber, wobei das beigelegte Headset bereits qualitativ hochwertig ist. Um die Sprachqualität zu tunen griffen die Macher ebenfalls tief in die technische Trickkiste. Mittels dualer HDR-Mikrofone und Sense-Voice-Stimmverstärker werden laute Umgebungsgeräusche analysiert und die Stimme dynamisch verstärkt. Das klappt in der Praxis recht gut, wobei es aber Smartphones mit einer noch natürlicheren Stimmwiedergabe gibt. Rauschen oder andere störende Nebengeräusche werden aber auf alle Fälle wirksam eliminiert. 

Fazit


Selten fiel es dem Tester so schwer, das Smartphone wieder in den Karton zu stecken, denn das HTC One hat ohne Zweifel das gewisse Etwas. Dabei geht es nicht allein um noch mehr Power oder noch mehr Pixeldichte, sondern um die cleveren Details, mit denen sich der Taiwaner klar vom Android-Allerlei abgrenzt. Insbesondere BlinkFeed dürfte schnell Nachahmer ins Leben rufen, denn es folgt einem wichtigen Smartphone-Trend: integrierte Lösungen, die kein Aufrufen einer App mehr notwendig machen. Auch sonst fügt sich beim HTC One alles auf so hohem Niveau angenehm harmonisch zusammen, dass aktuelle HTC-Kollegen fast schon antiquiert wirken. Das Urteil ist demnach eindeutig: Eines der derzeit besten Android-Smartphone auf dem Markt!

Exzellente Verarbeitung trifft auf innovative Ausstattung und pure Leistung

Smartphones Luxusklasse
Test 24. April 2013

+ extrem hochwertig verarbeitet
+ schnelle Datenverbindungen
+ innovative Features und hochmodernes HTC Sense 5.0
+ Schnelle Quadcore-CPU und großer Arbeitsspeicher
+ brillantes FullHD-Display
+ Beats Audio sorgt für erstklassige Klangeigenschaften

- Weder gegen Staub noch gegen Wasser geschützt
- Keine externe Speichererweiterung möglich

Test: Ulf Schneider
Redaktion: Carsten Rampacher
25.04.2013