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TEST: Heco 3-Wege-Standbox Victa Prime 702 - Preisbrecher für 299 EUR/Stück?

05.03.2013 (cr/sw)

Stattliche Erscheinung für 299 EUR Stückpreis: Die Heco Victa Prime 702 ist 1052 mm hoch und die größte Standbox der Serie

Auch ohne Stoff-Abdeckgitter sieht der Schallwandler schick aus. RMS-Belastbarkeit von 170 und maximale Belastbarkeit von satten 300 Watt

Hochwertige Details: Sockel in Kontrastfarbe, Bi-Wiring-Terminals

Unser Partner für hochauflösende Audiodateien aus dem Internet

Das Produkt

Heco hat ein Herz für Musikfreunde, deren Portemonnaie sich nicht so prall gefüllt zeigt: Die Serie "Victa Prime" offeriert hochwertige Technik zum schmal kalkulierten Preis. Bei uns hat sich zwecks Test die größte Standbox namens Victa Prime 702 eingefunden. Wahlweise sind die Victa Prime-Lautsprecher in Esche Schwarz Dekor, Esche Expresso Dekor oder wie bei uns im Test in Esche Cognac Dekor lieferbar. In unserem Falle ist die Folierung gut aufgebracht, nur die Eckenverarbeitung zeigt etwas die Preisklasse. Insgesamt aber kann man bezüglich der gesamten Verarbeitung kein schlechtes Wort über die Victa Prime 702 verlieren. Die Box für empfohlene Verstärkerleistungen von 30 bis 300 Watt (wobei wir 30 Watt trotz der 91 dB Wirkungsgrad für doch etwas zu wenig halten, wir würden 50 Watt als untere Grenze festlegen) hat sogar einen eleganten und in Kontrastfarbe gehaltenen Sockel unter dem Gehäuseboden. Der Schallwandler ist eine 3-Wege-Bassreflexkonstruktion, um die 2 x 170 mm Tieftöner und um den 170 mm Mitteltöner ist ein attraktiver Ring in matter Alu-Optik drapiert, in diesen sind auch die Befestigungsschrauben der Chassis eingelassen. Der 25 mm Hochtöner ist ebenfalls von einer Platte in Aluminium-Optik umgeben. 

Hochwertige Anschlussterminals - hervorragend für die günstige Preisklasse

Detailverarbeitung - etwas störend wirken nur die dicken Plastik-Umrandungen, in die das Stoffgitter gesteckt wird. Um die Chassis ist ein Rahmen in matter Metalloptik gespannt

Doppelte Bassreflexöffung

Stoffgitter mit ordentlicher Detailverarbeitung

Der Mitteltöner sitzt oben, der Hochtöner darunter. Die Gehäusekanten sind etwas spitz, was bei preisgünstigen Lautsprechern durchaus häufig zu finden ist

Ausgebautes Chassis

Von unten

Hochtöner im ausgebauten Zustand

25 mm Hochtöner eingebaut

Der Hochtöner verfügt über eine Kunstseidenkalotte und ist dank der Ferrofluidkühlung hoch belastbar. Das kräftige Magnetsystem und die Frontplatte mit kurzem Hornansatz verbessern den Wirkungsgrad und steigern die Gesamtperformance. Tief- und Mitteltöner kommen mit stabilem Metallkorb. Baut man die Chassis aus, kann man festhalten, dass es erstaunlich ist, welche Qualität Heco hier für kleines Geld realisiert. Die Frequenzweiche ist für die Preisklasse mit ordentlichen Bauteile bestückt, wenngleich hier natürlich klar sein dürfte, dass Audio-Gourmets sich besser höherer Preisklassen bedienen. Highlight ist das für diese Liga außerordentlich hochwertige Bi-Wiriung-/Bi-Amping-Anschlussterminal mit robusten, vergoldeten und gekapselten Schraubklemmen. 

Die Victa Prime 702 ist magnetisch geschirmt und verfügt über ein MDF-Gehäuse mit Innenverstrebung sowie über einen mehrschichtigen Aufbau. Diese Merkmale kommen der Gehäusestabilität und der akustischen Reinheit zu Gute. Die massive Bodenplatte besteht ebenfalls aus MDF. Heco-typisch hochwertig ist auch die Bassreflex-Konstruktion mit 2 verschraubten und präzise sitzenden Öffnungen. Mit im Lieferumfang enthalten sind auch höhenverstellbare Metall-Spikes und Gummi-Spikes. 

Testequipment
Klang

Fürs Geld schlägt sich die Box in allen Testreihen ausgezeichnet. Der Klang ist zwar nicht enorm brillant, aber gefällig: Auch ältere Aufnahmen wie z.B. "The Sun Always Shine" von a-ha klingen ausgewogen und tadellos ausbalanciert, was zur Folge hat, dass man gern hört: Störende aggressive, schrille Einflüsse sind auf ein Minimum beschränkt. Nicht der richtige Partner, das muss allerdings klargestellt werden, ist die Victa Prime für Freude enormer Hochton-Dynamik und hoher Brillanz. Das ist in dieser Preisklasse auch schwer zu bewerkstelligen. Diana Kralls "Stop This World" als 96 kHz FLAC-Datei gibt die Victa Prime 702 ordentlich wieder, der Bass hat Substanz und ist gut strukturiert. Dianas Stimme wird Prime eingearbeitet, im Detail fehlt es etwas am Schliff, was die vokalen Konturen zeigen. Für 299 EUR/Stück werden aber tadellose Leistungen serviert. Besonders erfreut auch hier, dass die Heco homogen und ausgewogen aufspielt und durch keine störenden Eigenarten nervt. Der Wirkungsgrad ist gut, aber nicht sensationell - zu leistungsschwache Einsteiger-Verstärker der 200 EUR-Preisklasse würden wir nicht unbedingt einsetzen. 

Die "Dronning Fjellrose" der Akustik-Jazzer des Hoff Ensembles in 192 kHz FLAC klingt ebenfalls harmonisch und mit sehr guter Räumlichkeit. Der Stimme fehlt es etwas an Feindynamik, das Piano überzeugt mit exakter Temperatur und daraus resultierendem stimmigen Klang. Das Schlagwerk ist ebenfalls auf erstaunlichem Niveau eingebunden, und das Ganze löst sich recht überzeugend von den Chassis. "Money, Money, Money" in der Interpretation von Nils Landgren (FLAC 96 kHz, "Funky Abba") klingt relaxed und überzeugt erneut durch die gute räumliche Abbildung. Für die Preisklasse ist das Differenzierungsvermögen im Bassbereich richtig gut, der Bass "poltert" nicht durch den Hörraum, sondern präsentiert sich ausgewogen und nicht zu massiv. Selbst bei "El Bajel Que No Recela" von Patricia Petibon (entnommen vom Album "Nouveau Monde") in 96 kHz FLAC blamiert sich die preiswerte Konstruktion nicht. Der Klang mit leicht warmem Einschlag passt sehr gut zum Inhalt, die Trennung von Stimme und Instrumenten ist gelungen. Natürlich darf man nicht erwarten, dass die Heco die Komplexität der weiblichen Gesangsstimme in allen Einzelheiten erkennt - aber für den Anwender mit normalem bis leicht gehobenem Anspruch ist die Leistung rundherum überzeugend. 

Auch mit anderen Musikstücken in 44 kHz (CD-Qualität) beweist die Victa Prime, dass sie ohne Frage das investierte Geld Wert ist: Beim Para X Remix des DJ Clubbingman&Savon-Hits "Aurora" zeigt sie einen nicht zu dicken, jedoch kraftvollen Bass und einen Tiefgang, der deutlich über dem in der Preisliga gängigen Niveau angesiedelt ist. Dynamische Unterschiede werden gut berücksichtigt, höhere Lautstärken verdaut der Lautsprecher klaglos - ehe dann der Bass leicht durchschlägt, steht meist schon der aufgebrachte Nachbar vor der Tür, um mahnend um Mäßigung bei den Pegeln zu bitten. Ans Limit bringt die Victa Prime der harte, klare Bass zu Beginn des Lykke Li-Hits "I Follow Rivers". Wer hier zu laut hört, der wird mit hörbaren Verzerrungen bestraft. Für gehobene Lautstärken aber reicht das Gebotene locker aus, und die Stimm- und Instrumentaltrennung erweist sich erneut als gelungen. Die Heco-Konstruktion beweist, dass attraktive Optik und gefälliger Klang nicht nur vom Lautsprecher-Direktvertreiber möglich sind - sie bringt all diese Eigenschaften mit und empfiehlt sich so für den Stereo-Aufsteiger mit geringem Budget. Und auch das 2012er Accuphase-Mix des Trance-Klassikers "Outside World" von Sunbeam stellt unter Beweis, dass man die Victa Prime durchaus als akustisches Universaltalent ansehen kann, das nahezu jede Gangart mitmacht und nie die harmonische klangliche Auslegung ablegt. Der Bass schwingt nicht nach und ist  hart sowie druckvoll - das war früher bei preiswerten Lautsprecher beileibe nicht so. Oft waren die weichen Chassis mit Kickbassimpulsen hoffnungslos überfordert und schlugen rasch durch. Von Präzision war damals auch nichts zu hören - ganz im Gegensatz zur Victa Prime, die sich hier nichts zu Schulden kommen lässt. 

Konkurrenzvergleich:

  • Magnat Vector 207: Vom anderen Audiovox-Brand kommt die gleich teure, aber anders ausgelegt Vector 207. Sie klingt heller, hat im Hochtonbereich mehr Dynamik, agiert aber nicht so harmonisch und homogen. Zudem ist der Tiefgang nicht ganz so ausgeprägt. Für Freude des klassischen HiFi-Ideals dürfte die Magnat erste Wahl sein, für Genusshörer die Heco. 
  • Quadral Argentum 371: Teurer und optisch nicht so schick - die Zeichen scheinen für die Argentum 371 nicht gut zu stehen. Mit überragender Pegelfestigkeit, enormer Grobdynamik und hoher Souveränität rechtfertigt sie ihren Mehrpreis aber voll und ganz.
  • Teufel T400 Mk2: Schick und schlank sowie preislich fair - die T400 Mk2 erweist sich als harter Konkurrent. Für die Teufel spricht ebenfalls der angenehme Klang, pegelfest ist sie obendrein. Allerdings ist der Wirkungsgrad geringer als bei der Heco. 
Fazit

Die Heco Victa Prime 702 ist preiswert, sauber verarbeitet und durch die harmonische akustische Auslegung für nahezu alle musikalischen Aufgaben sehr gut gerüstet. Sie ist überdies pegelfest und in drei gut ausgewählten Farben (klassisches Schwarz plus 2 Trend-Farbtöne) lieferbar. Fürs Geld macht sie schon optisch mit sogar teilweise liebevollen Details viel her - und der dadurch geweckten Erwartungshaltung wird die Pulheimer Box auch akustisch vollauf gerecht. 

Sehr empfehlenswert für preisbewusste Stereo-Aufsteiger: Die Victa Prime 702 klingt harmonisch und ist ausgezeichnet verarbeitet

Standlautsprecher untere Mittelklasse
Test 05. März 2013

+ Harmonischer und sehr gefälliger Klang
+ Sehr guter Tiefgang
+ Prime Pegelfestigkeit
+ Tadellose Material- und Verarbeitungsgüte für die Preisklasse
+ Günstiger Kaufpreis

- Leicht bedeckter Hochtonbereich

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05.03.2013

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