TEST: On-Ear-Kopfhörer Yamaha HPH-PRO300
13.12.2012 (cr/sw)

HPH-PRO300 - lieferbar in Schwarz, Weiß oder Blau
Einführung
Für rund 200 EUR kann man Yamahas On-Ear-Kopfhörer HPH-PRO300 erwerben -
wahlweise in Schwarz, Weiß oder, wie unser Testsample, in Blau. Das 1,2 Meter
lange Kabel des optisch sehr attraktiven Hörers ist mit einer Fernbedienung
nebst Mikrofon aufgewertet - so kann man Apple Devices wie iPod und iPad im
Musikbetrieb komfortabel verwenden, beim iPhone kann man auch noch mit
aufgesetztem Kopfhörer telefonieren. Neben dem 3,5 mm Miniklinkenanschluss, der
vergoldet ist, befindet sich auch ein ebenfalls vergoldeter 6,25 mm
Anschluss-Adapter im Lieferumfang. Das gepolsterte Kopfband soll für
ansprechenden Tragekomfort sorgen. Der dynamische, geschlossene Kopfhörer ist
mit leistungsstarken Neodym-Magneten versehen, die Treibereinheit misst 40 mm.
Die Impedanz gibt Yamaha mit 53 Ohm bei 1 kHz an, der Frequenzgang reicht von 20
Hz bis 20 kHz. Das Gewicht komplett mit Kabel beträgt 200 Gramm.
Verarbeitung

Charakteristisches Merkmal: Große Yamaha-Logos außen auf den
Ohrmuscheln

Gut gepolsterter Bügel

Klappmechanismus

Tadellose Detailverarbeitung

Mitgeliefertes Transport-Case
Die Optik des Yamaha HPH-PRO300 gefällt sehr gut und sorgt für
hohen Wiedererkennungswert. Die lackartige, bei unserem Test-Kopfhörer in Blau
gehaltene Oberfläche lässt den HPH-PRO300 wertig erscheinen. Auffällig ist
das in Silber eingearbeitete Yamaha-Logo außen auf beiden Ohrmuscheln. Der
Kopfhörer sitzt gut und lässt sich präzise dank des soliden
Verstellmechanismus auf die jeweilige Kopfgröße anpassen. Das Band zur
Justierung ist aus Metall, auch die Gelenke zum Einklappen des Hörers sind aus
Metall. Der Einklapp-Mechanismus erscheint filigran, es zeigten sich im
Testbetrieb aber keine Probleme. Das gut gepolsterte Kopfband sorgt für
bequemen Halt. Die Ohrmuscheln sind ebenfalls tadellos gepolstert, zudem
isolieren sie Außengeräusche relativ gut. Das Kabel ist zugentlastet, die
Fernbedienung ist etwas nah am Ohr. Nach kurzer Eingewöhnung aber klappt die
Bedienung
Fernbedienung

Problemlos funktioniert das Entgegennehmen eines eingehenden
Anrufs. Durch Druck auf die zentrale Taste mit dme Yamaha-Logo auf der
Fernbedienung wird er entgegen genommen. Die Sprachqualität ist gut, nur
minimal blechern und dumpf. Erfreulicherweise tritt Rauschen praktisch gar nicht
auf. Der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung nimmt die Qualitäten des
HPH-PRO300 in identischer Ausprägung wahr wie der mittels des integrierten
Mikrofons im HPH-PRO300 Sprechende. Im Spielbetrieb mit iPhone (funktioniert
auch mit dem Apple iPhone 5) reagieren die
Lautstärke-Regeltasten außen an der Fernbedienung schnell und sensibel, so
dass rasch der gewünschte Pegel eingestellt ist. Durch Druck auf den
Yamaha-Button wird pausiert bzw. wieder in den Spielbetrieb geschaltet. Drückt
man die Taste mit dem Yamaha-Logo lang, aktiviert sich die Sprachsteuerung des
iPhones.
Klang

Überzeugt der HPH-PRO300 akustisch?
Beim Jennifer Lopez-Hit "Dance Again" zeigt der HPH-PRO300 gleich
viele Talente: Er liefert einen soliden, impulstreuen Bass und eine
ausgezeichnete Stimmwiedergabe. Die gesamte akustische Auslegung wird besonders
durch die hohe Souveränität gekennzeichnet. Der On-Ear-Hörer legt diese auch
bei gehobenem Pegel praktisch nicht ab, der Klang bleibt satt und lebendig. Das
Gefühl virtueller Räumlichkeit wird in glaubwürdigem, nicht überzeichnetem
Umfang generiert. Der Rhythmus des Stückes kommt stets exakt heraus, die
Grobdynamik überzeugt ebenfalls. Auch beim Opening Track "Aurora" von
DJ Klubbingman (aus der Compilation "Welcome to the Club") brilliert
der HPH-PRO300: Klar, facettenreich, rauscharm wird das Intro übertragen. Der
Aufbau des Titels mit Rhythmuswechseln und verschiedenen elektronischen Effekten
kommt deutlich heraus. Die Stimme besitzt klar nachvollziehbare Konturen, der
Yamaha agiert kräftig und nachdrücklich, allerdings ohne jeden störenden
aggressiven Einfluss. Auch "Broadway" (2k12 Radio Edit, DJ Antoine vs.
Mad Mark) erfreut durch exakt den Punkt treffenden Bass und natürliche
Räumlichkeit. Der Yamaha agiert für seine Preisklasse ungemein präzise, er
schafft es, diese Präzision mit einer mitreißenden Wiedergabe geschickt zu
verbinden - das gelingt vielen anderen Hörern nicht. Entweder sie lassen zwar
Spielraum für Freude am Hören, dann aber gehen Details gern unter, die dem analytisch
Gesinnten fehlen, oder aber der Kopfhörer seziert exakt, dann aber bleibt gern
der Hörspaß auf der Strecke. Der Klang ist dann etwas nüchtern und wenig
emotional. Der HPH-PRO300 verbindet hier beide Welten praktisch nahtlos.
Und auch bei anderen Musikstilen punktet der attraktive On-Ear-Hörer, so bei
"Final Countdown" von Europe: Das Intro gefällt mit sehr schöner
räumlicher Wirkung, als dann der Rhythmus einsetzt, werden die E-Gitarren
fetzig wiedergegeben. Die Stimme des Sängers hat viel Ausdruckskraft und wird
in den Fokus gestellt, ohne die instrumentalen Elemente zu sehr in den
Hintergrund zu drängen. Bestechend ist, wie gut der Yamaha-Hörer die
verschiedenen Basselemente auseinander zu differenzieren weiß und das
Schlagwerk nicht einfach als oberflächliches Ganzes darstellt. Wir bleiben in
den 80er Jahren und wechseln ins SynthPop-Metier: "Sometimes" war ein
Super-Hit für Erasure, auch heute auf 80er Jahre-Partys wird der Song des
englischen Duos noch gern gespielt. Die Stimme Andy Bells kommt erneut sehr gut
heraus - wir sind "platt", wie gut der Yamaha Stimmen wiedergibt, wir
werden ihm aber weiter "auf den Zahn" fühlen, ob sich diese
Feststellung auch bei anderen Titeln und Musikrichtungen bewahrheitet. Wir
beschließen unseren Ausflug in die 80er Jahre mit dem One Hit Wonder "Living
In A Box" von der gleichnamigen Band. Auch hier steht die Stimme wieder
klar definiert im virtuellen Raum, die gesamte Wiedergabe beeindruckt durch
Nachdruck und Souveränität. Insgesamt, das gefällt, ist der HPH-PRO300
ungemein konsequent ausgelegt - man holt sich sozusagen einen kleinen Profi ans
Ohr, der alle ihm gestellten Aufgaben, sofern sie in seinen Bereich fallen,
stets zur vollen Zufriedenheit erledigt.
Und auch "L'Attesa" von Andrea Bocelli erfreut unser Ohr - dass der
Yamaha eine in seiner Preisklasse besonders überzeugende Stimmwiedergabe
aufweist, wird bei diesem emotionalen Stück sehr gut unter Beweis gestellt. Die
Stimme ertönt erstaunlich facettenreich, die Streicher sind gut heraus zu
hören, wirken aber nie aggressiv oder schrill. Der Bass agiert auch hier
impulstreu und mit realistischer räumlicher Ausbreitung.
Nun stellt sich die Frage - es gibt noch deutlich teurere Hörer, auch für
den mobilen Einsatz. Was können diese tatsächlich mehr als der für sein Geld
durch die Bank erstklassige Yamaha? Die Antwort: Noch etwas mehr Tiefgang ganz
unten im Frequenzspektrum, noch mehr Details in den hinteren akustischen Ebenen
und noch mehr Klarheit und Brillanz im Hochtonbereich. Aber wir müssen
feststellen: Nicht nur in seiner Preisklasse begeistert uns der HPH-PRO300, auch
mit teureren Alternativen kann er konkurrieren, so ausgewogen und leistungsstark
präsentiert er sich. Das erste Allegro des "Frühlings" aus Antonio
Vivaldis Vier Jahreszeiten stellt klar, dass der HPH-PRO300 für Liebhaber
klassischer Musik ebenfalls eine empfehlenswerte Alternative darstellt. Die
Streicher klingen luftig, das gesamte Allegro überzeugt durch präzise Umrisse
und sehr gelungen übermittelte Spielfreude.
Konkurrenzvergleich
- Beyerdynamic Kopfhörer Custom One
Pro: Der innovative Kopfhörer aus dem Hause Beyerdynamic ist ebenfalls
gut verarbeitet und punktet mit kraftvollem Bass, der zudem räumlich und
recht impulstreu dargeboten wird. Die verschiedenen
Konfigurationsmöglichkeiten sind gerade für den noch jugendlichen Hörer
ein Pluspunkt. Der Yamaha detailliert aber besser und offeriert eine
besonders gelungene Stimmwiedergabe. Der Bass ist noch eine Idee straffer
beim HPH-PRO300
- Philips Fidelio M1: Edel
verarbeitet und mit sehr hohem Tragekomfort geht der Fidelio M1 aus dem
Hause Philips ins Rennen um die Gunst beim Käufer. Er spielt natürlich und
lebendig, und er lässt es nicht an nötiger Sensibilität fehlen. Für
zurückhaltende Naturen ist der M1 bestens geeignet, er ist insgesamt eher
schlank ausgelegt und neigt nicht dazu, "dick aufzutragen".
- Harman Kardon AE: Für manchen
Anwender kommt für den mobilen Einsatz auch ein Ohrhörer in Frage - und
hier ist uns ganz besonders der Harman Kardon AE in letzter Zeit
aufgefallen. Exzellent verarbeitet, mit einem Schuss optischer Extravaganz,
beweist er auch bei den akustischen Qualitäten große Klasse: Der Bass ist
impulstreu und nachdrücklich, das Raumgefühl ist hervorragend, und auch
die Pegelfestigkeit verblüfft.
Fazit

Der Yamaha HPH-PRO300 präsentiert sich als optisch sehr
schicker, sauber verarbeiteter und für den Transport zusammenklappbarer
On-Ear-Kopfhörer, der mit ungemein souveränem Klang begeistert. Pegelfest ist
der HPH-300 auch, und durch seine ausgewogene Abstimmung zeigt er sich allen
Musikstilen gegenüber offen. Die dargebotene Räumlichkeit erscheint immer
authentisch, der Bass gefällt durch seine hohe Impulstreue. Insgesamt offeriert
der HPH-PRO300 ein Maß an Qualität, das auch in deutlich höheren Preisklassen
nicht an der Tagesordnung liegt.
Erstklassiger, optisch attraktiver On-Ear-Kopfhörer, der
durch seine enorme akustische Souveränität begeistert

Kopfhörer bis 200 EUR
Test 13. Dezember
+ Enorm souveräner Klang
+ Pegelfest
+ Hohe Impulstreue
+ Ausgezeichnete Verarbeitung
Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Datum: 13.12.2012
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