SPECIAL: Schulung im JKP Level 1+2 Training

18.12.2012 (th/phk)

26. Januar 2012: AREA DVD und White Light Consultations, kurz WLC, geben bekannt, ab nun partnerschaftlich zusammen zu arbeiten und folgend in der Berichterstattung von AREA DVD den "Display Basic Check" zu nutzen. Einige Zeit ist seit diesem Bericht vergangen, der "Display Basic Check" ist inzwischen fester Bestandteil der Testberichte auf AREA DVD und die Redakteure haben die angekündigte Schulung durchlaufen. Diese Schulung, JKP Level 1 + 2, möchten wir im folgenden vorstellen.

WLC, unter der Geschäftsführung von Marcel Gonska, hat sich im Lauf der Jahre einen Ruf als ausgesprochen kompetente Firma im Bereich der Produktentwicklung und -Optimierung aufgebaut. Neben Tätigkeiten hinter den Kulissen der Unterhaltungselektronik-Branche ist WLC allerdings auch greifbar und präsent in Form von Schulungen und Workshops. Als europäischer Repräsentant der Joe Kane Productions offeriert WLC Händlern, Firmenmitarbeitern, aber auch interessierten Hobbyisten Einführungen und Vertiefungen im Bereich der Bildtechnik und -Kalibrierung. 

Joe Kane, Vorreiter und Kämpfer für eine authentische Bildqualität in der gesamten Medienkette, von der Produktion bis zur Betrachtung beim Endkunden, hat ein zweistufiges Training entwickelt, JKP Level 1 und JKP Level 2. Inhalt des Kurses Level 1 ist die Vermittlung von umfangreichem Wissen rund um das Thema Bild und in Level 2 wird dieses Wissen zum einen vertieft, zum anderen aber vor allem praktisch angewendet. Der Teilnehmer erhält sämtliches Rüstzeug an die Hand um selbstständig ein optimales Bild einzurichten, welches im Rahmen des individuell gegebenen Kontextes die Wiedergabequalität so nah an die originale in der Produktion heranrückt.

Unser Partner - WLC

JKP Level 1 Training

Ziel dieses Trainings ist die Vermittlung von umfangreichem wie tiefem Wissen rund um das Thema Bild. Der Lehrgang ist ambitioniert, richtet sich aber dennoch auch an den unbedarften und gibt derart die Möglichkeit sich in ein neues Themengebiet profund einzuarbeiten. Aufgezeigt wird dies durch den Aufbau des Kurses:

- Grundlagen des menschlichen Sehens
- Forschung der CIE
- TV und Video - Damals und Heute
- It's all about the Art: Produktion, Standards, der Markt
- Video-Quellen
- Video-Signale
- Display-Technologien
- Fragen und Antworten
- Abschluss-Test

Grundlagen des menschlichen Sehens

Vom vollen Farbspektrum sehen wir Menschen nur einen Teil

Was wir Menschen sehen ist Licht unterschiedlicher Wellenlänge, allerdings nur einen bestimmten Auszug des existenten Spektrums von 380 nm bis 780 nm. Bereiche unterhalb von 380 nm werden ultraviolett genannt und solche oberhalb von 780 nm infrarot. Weiß als "Lichtfarbe" gibt es nicht, sondern stellt die Summe sämtlicher Farben dar. In Folge dessen, dass weißes Licht Anteile sämtlicher anderen Farben beinhaltet, ihre Summe erst Weiß hervorbringt, spricht man von einem additiven Farbsystem. Dieses additive Farbsystem besteht aus drei Primärfarben: Rot, Grün und Blau - durch mischen dieser drei Grundfarben lässt sich jede andere Farbe beschreiben. Werden zwei der Grundfarben in gleichem Verhältnis gemischt, ergeben sich die drei Sekundärfarben Gelb, Cyan und Magenta.

Das menschliche Auge erfasst Licht nicht als ganzes, sondern durch zusammenfügen einzelner Aspekte. Unsere menschliche Farbwahrnehmung erfolgt durch die Differenzierung der Rot-, Grün- und Blauanteile im Licht, registriert durch 6 Millionen Zapfen im Auge. Für das Sehen bei Nacht existieren im Auge zusätzlich 120 Millionen Stäbchen, welche besonders helligkeitsempfindlich sind und am Tag keine Rolle spielen.

Im Gegensatz zu Licht selber ist die Farbigkeit von sämtlichen Objekten anders zu betrachten. Objekte in unserem Blickfeld reflektieren Licht und tragen durch ihre spezielle Eigenschaften zu unserem Eindruck bei. Je nach Material werden nur ausgewählte Lichtfrequenzen reflektiert und andere werden absorbiert, ein Gegenstand entzieht dem vollem Lichtspektrum Anteile und erhält so seine Charakteristik. Dieses "Abziehen" bedingt ein zweites Farbsystem, das Subtraktive mit den Primärfarben Gelb, Cyan und Magenta.

Der Mensch, immer noch mehr mit seiner biologischen Evolution verbunden als oft angenommen, empfindet Sonnenlicht, Tageslicht bei Mittag, als Referenz. Tageslicht ohne Bewölkung, bei Mittag, weist das größte mögliche Spektrum auf, da der senkrechte Sonnenstand bedingt, dass das Licht die Atmosphäre ohne Absorption und Ablenkung durchdringt. Seinerzeit war die CRT-Technik nicht im Stande genug Light-Output beim „Sonnen-Weiß“ zu generieren. Folglich wurde der D65-Weißpunkt so weit verschoben, dass zum einen noch kein Blaustich wahr genommen wird und zum anderen ein nutzbarer Light-Output realisiert werden konnte. Unterschiedliche aktive, emittierende Lichtquellen weisen differenzierende Lichtspektren auf.

Forschung der CIE

CIE Farbdiagramm von 1931

Die Abkürzung CIE steht für "Commission Internationale de l'Éclairage", Internationale Beleuchtungskommission, welche Grundlagenarbeit im Bereich der systematischen Farbbeschreibung leistete. Im Jahr 1931 wurde ein theoretisches Koordinaten-System vorgestellt, welches Farbe objektiv beurteilter machen sollte und heute noch unter dem Namen CIE 1931 Diagramm bekannt ist. Das Diagramm ähnelt einem Segel öder einer Schuhsohle, deren äußerer Rand Wellenlängen, sprich Farbtöne aufzeigt und das Innere Farbsättigungen bis hin zu Weiß. Diese Darstellung erlaubt eine Beschreibung mittels x/y-Koordinaten bei einer definierten Helligkeit.

Warum bei einer definierten Helligkeit?

Die Beschreibung einer Farbe erfolgt aus den Komponenten Farbton, -Sättigung und Helligkeit. Das CIE 1931 Diagramm als zweidimensionale Darstellung unterschlägt also die dritte Komponente, die Helligkeit, die Z-Achse; Bei einer kompletten Beschreibung des Farbspektrums handelt es sich folglich um ein dreidimensionales Modell. In der Praxis ist eine derartige Betrachtung jedoch nicht hilfreich, zu komplex und es ist Usus den zweidimensionalen Auszug an definierten Helligkeitsstufen zu verwenden.

Innerhalb des Diagramms befindet sich ein weißer Bereich, welcher durch die Plancksche Kurve beschrieben wird und die Farbtemperatur wider spiegelt. Im Additiven Farbsystem stellt weiß die Summe aller Farben, die Summe der Primärfarben dar, gibt so den Mischungsgrad an und kann recht unterschiedlich erscheinen - mal bläulich, mal grünlich, etc. Die Farbtemperatur wird in der Einheit Kelvin angegeben und für den TV- wie Videobereich wurde der Punkt D65 = 6500 Kelvin mit den Koordinaten x = 0.3127 / y = 0.3290 als Referenzweiß definiert. Die Abweichung eines Weißtons vom Referenzweiß wird ∆E bezeichnet (DeltaE ist generell die Bezeichnung für eine Abweichung eines Farbortes gegenüber dem Referenzfarbort, er bezieht sich nicht nur auf Weiß – er betrifft alle Farben wie z.B. die primären für ihren Farbraum). Auf der Z-Achse, in der Helligkeit, stellt D65 eine Grautreppe von Schwarz bis hin zu Weiß dar. Für eine Farbauthentische Reproduktion sollte auf der gesamten Z-Achse ∆E so gering wie möglich ausfallen, da Weiß die Summe aller Farben repräsentiert.

Die CIE hat stetig weiter gearbeitet und versucht die theoretische Beschreibung unter Berücksichtigung der menschlichen Natur weiter zu optimieren. Das menschliche Auge ist in diversen Bereich kaum in der Lage die Farbsättigung zu differenzieren. Besonders ausgeprägt ist diese Schwäche in der Wahrnehmung im grünen Spektrum. Dies bedenkend wurde das CIE 1976 Diagramm kreiert, welches unsere non-lineare Rezeption berücksichtigt und dem zur Folge einen kleinen Grünbereich aufweist. Analog zum Vorgänger wird ebenfalls ein Koordinatensystem verwendet, allerdings mit der Achsen-Beschriftung u’ und v’.

TV und Video - Damals und Heute

Bei der Entwicklung des Farbfernsehens machten sich die Ingenieure die Grundlagen der CIE zu nutze, wollten sie doch ein möglichst realitätsnahes Bild erschaffen. Vorreiter war die NTSC, das US-amerikanische National Television System Committee, im Jahre 1953 mit der Definition des Farbraums NTSC 1953, dessen Ziel die Abdeckung der Körperfarben war. Leicht missverständlich steht Körperfarbe in diesem Kontext nicht für die Hautfarbe von Menschen, sondern für die konkrete Farbgebung sämtlicher in der Natur existenten Körper, sprich Gebilde wie Wesen.

Zu der damaligen Zeit gab es als Display-Technik lediglich CRT mit Phosphor, allerdings in einer Qualität, die die Wiedergabe des Farbraums NTSC 1953 nicht möglich machte. Fast jeder Hersteller verwendete eigene Phosphor-Typen und letztlich wurden durch die Beschränkungen in der Technik kleinere Farbräume reproduziert. Erst im Jahre 1969 definierte die EBU, European Broadcasting Union, einen Farbraum für das PAL-System, der standardisiert war. Im Jahre 1979 kam der Farbraum SMPTE-C der Society of Motion Picture and Television Engineers hinzu. Ähnlich dem EBU-Farbraum steht der der SMPTE für das aktuelle NTSC-System, das C im Namen repräsentiert die Firma Conrac, Lieferant des zwischenzeitlichen Standard-Phophors.

Ein dritter Farbraum wurde mit der Entwicklung von HDTV definiert. Dieser ähnelt dem der EBU sehr, bis auf den grünen Bereich. Diese Abweichung war den Phosphor-Eigenschaften bei 60Hz-Bildwiederhohlrate im Gegensatz zu 50Hz geschuldet: Grün durfte nicht zu lange nachleuchten. Als Besonderheit ist anzumerken, dass mit dem HDTV-Farbraum erstmals ein internationaler zur Produktion von Video definiert wurde.

Allen drei Farbräumen ist gemein, dass sie sich durch Koordinaten beschreiben lassen. Sowohl Primär- als Sekundärfarben sind jeweils fix und Abweichungen schuldigen eine verzerrte Farbdarstellung. Sämtliche Farbräume stammen aus einer Zeit, als Phosphor die Grundlage der Reproduktion wie auch gleichzeitig ihre Limitierung war. Moderne TV-Displays sind in der Lage den größeren NTSC 1953 Farbraum und noch mehr darzustellen, sollten dennoch auf die jeweils verwendete Norm eingestellt werden. Anderweitig weicht das reproduzierte teils massiv vom Signaleingang, dem Produzierten, ab, da sowohl in der Produktion als auch bei Sendeanstalten nach wie vor die Eigenschaften von Phosphor-basierten Betrachtungs-Geräten als Referenz dient. Erst mit Einführung von UHDTV wird es neue, erweiterte und standardisierte Farbräume geben.

Besonders merklich wird dieser Umstand bei der Helligkeit. Als analoges Gerät generiert ein Röhren-Monitor, CRT, eine elektrische Eingangsspannung in einen Light-Output an der Frontscheibe. Das Verhältnis von Eingangsspannung zu Light-Output, eine Transferfunktion, nennt sich Gamma und ist nicht linear, zeigt sich im Diagramm anhand einer Kurve. Die üblichen Werte des Display-Gamma eines CRTs liegen bei 2.3 bis 2.5 und werden produktionsseitig berücksichtigt, respektive kompensiert. Der internationale Gamma-Standard ist daher mit 2.4 auch für jegliche andere Art von Display-Technologie definiert.

Um der Attraktivität der JKP-Schulung keinen Abbruch zu bereiten, wird für einen kurzen Augenblick der folgende Kursinhalt nur benannt.

Einer sehr interessanten, tief gehenden wie aufschlussreichen Vorstellung der CRT-Technik und deren Entwicklung folgt ein umfassender Überblick über die Signaltechniken SDTV, NTSC, PAL, HDTV, Interlace vs. Progressive und die verschiedenen Bildformate.

It's all about the Art: Produktion, Standards, der Markt

Definierte System-Standards machten es der Programm-Produktions-Seite möglich, eine konstante, vergleichbare Qualität zu bieten. Dem Zuschauer wurde es unnötig gemacht, je nach Sender und Material sein Gerät neu einzustellen - zumindest in der Theorie.

Typisches Setup bei der Postproduktion

In der Post-Produktion ist es üblich, Räume in definierten Grau-Tönen zu halten, so dass eine konstante, neutrale Lichtreflektion erfolgt. In Verbindung mit Referenzmonitoren kann der Bearbeitende das Bild im Rahmen der Standards frei, rein nach künstlerischen Aspekten gestalten, ohne unkalkulierbare technische Einflüsse. Um Ermüdung der Augen in langen Bildbearbeitung-Sessions vorzubeugen, empfiehlt es sich den Referenzmonitor mit einem Hintergrundlicht zu versehen, welches, gefiltert und auf D65 abgestimmt, maximal 10% der Helligkeit des Monitors abgeben sollte.

Lange Zeit waren Film-Abtaster in der Auflösung beschränkt, 4K-Scanning für 35mm Filme wurde erst vor kurzer Zeit überschritten. Heutzutage sind Geräte mit einer Auflösung bis zu 8K auf dem Markt, für Spezialanwendungen ist auch noch leistungsfähigere Hardware erhältlich. Das im Profibereich übliche 4K-Format hat eine horizontale Auflösung von 4096 Bildpunkten, die vertikale variiert in Abhängigkeit des gewünschten Zielbildformats. Die Abtastung von Filmen, der Filmtransfer, auch Tele- bzw. Datacine genannt, spielt nach wie vor eine große Rolle, da etliche Regisseure nach wie vor analogen 35mm Film digitalen Kameras vorziehen. Für die Auswertung in TV, HDTV und im Endkonsumenten-Markt wird das gescannte Material nach der Wandlung auf 1080p-Auflösung herunterskaliert, eine Farbkorrektur vorgenommen und im Signalformat Y/Cr/Cb gespeichert. Wird eine Farbkorrektur bereits in der Kamera vorgenommen, so erfolgt diese häufig in RGB und soll sicherstellen, dass das Bild auf den Standard-Farbraum beschränkt ist.

Für SDTV wird der Farbraum ITU-R BT.601 und für HDTV ITU-R BT.709 verwendet.

Die Produktion von Bewegtbild-Material ist eine Form von Massenkommunikation. Wenige Filmproduzenten und Fernsehanstalten erstellen Content für eine sehr große Zielgruppe. Die Schaffung von technischen Standards sowohl auf Seiten der Produktion, der Speicherung, der Verbreitung als auch auf Seiten der Reproduktion soll eine durchgängige Qualität des transportierten Inhalts wie auch künstlerischer Intentionen gewährleisten. Es ist folglich von einem System zu sprechen, in dem auch Aspekte von Kosten auf allen Seiten zu betrachten sind. Letztendlich darf die breite Masse durch überzogene Standards und Anforderungen nicht finanziell kompromittiert werden.

Standards dienen nicht nur der Qualitätssicherung, sondern helfen auch Workflows zu definieren, Vergleichbarkeit zu erlangen und so Kosten zu begrenzen.

Eine generelle Vergleichbarkeit wird erlangt durch die Verwendung einer Vielzahl immer wieder kehrender, identischer Testbilder. Dieses sehr umfassende Themengebiet, mit den Besonderheiten, den speziellen Aspekten, der Verwendung, der Entstehung und der Intention von Testbildern nimmt in der JKP Schulung Level 1 einen prominenten Platz ein. Es wird die Grundlage des handwerklichen Rüstzeuges gelegt.

Standards erlauben es auch in komplexen Ketten, bei der Produktion wie beim Konsumieren im heimischen Wohnzimmer, Signale auszutauschen. In der analogen Welt wird ein Helligkeits-, also ein Luminanz-Signal (Y) mit 1 Volt übertragen. Bei 0 Volt liegt Schwarz an und bei 0,7 Volt Weiß, der Bereich darüber bleibt für "Super-Weiß" und Toleranzzwecke. Im digitalen 8-bit Video-System können an 256 Punkten Amplituden gesampelt werden. Bei der Verwendung für Video ist Schwarz bei 16 und Weiß bei 235 definiert, die Bereiche darunter und darüber dienen Unter-Schwarz und Über-Weiß. Grundsätzlich dominiert die Helligkeitsinformation (Y) ein Video-Signal und die Farbdifferenz-, sprich die Chrominanz-Informationen (Cr/Cb), werden hinzugefügt.

Rot, Grün und Blau bilden die Grundfarben des additiven Farbsystems

Rot, Grün und Blau, die Primärfarben sind die Grundlagen des Farbsystems und werden häufig von Kameras separat aufgezeichnet. Diese Form der Speicherung inklusive folgender Bearbeitung ist ungemein Datenintensiv. Die Ableitung eines Helligkeits- und zweier Farbdifferenz-Signale aus RGB, Y/Cr/Cb, stellt eine komplexe Form der Kompression dar. Je nach Zielsystem, SD oder HD, gelten dabei unterschiedliche Formeln. Trotz Normierung dieser Vorgänge, Wandlungen und Beziehungen ist hier nach wie vor eine häufige Fehlerquelle technischer Geräte zu finden. 

Moderne, aktuelle Fernseher mit den Display-Technologien LCD, Plasma oder OLED sind in der Lage wesentlich höher gesättigte Farben darzustellen als es die beiden angewandten Farbräume BT.601 und BT.709 vorsehen. Hersteller von Displays werben sehr gerne mit dieser Fähigkeit, verschweigen aber dem Kunden gegenüber mitunter, dass ein Mapping des eingehenden Videosignals auf die Fähigkeiten des TVs (oder Beamer) einer Verfälschung gleich kommt - der Konsument sieht trotz geltender Standards nicht das originale Signal. Ziel dieser Vorgehensweise ist in der Regel die höhere Auffälligkeit im Verkaufsraum und der bessere Wortlaut im Marketing.

An dieser Stelle kann der Teilnehmer dieses Kurses nun das angelernte Wissen in der Realität nutzen, um das Display auf Norm zu kalibrieren. Mitunter passieren den Herstellern allerdings auch Fehler oder es wird aus diversen Gründen nicht die optimale Lösung in der Serienproduktion umgesetzt, so dass die resultierenden Bilder ebenfalls jenseits der Normen und Standards liegen, was nun das Tätigkeitsfeld für Firmen wie WLC öffnet.

Video-Quellen

Als Video-Quelle steht heute eine breite Anzahl an Optionen bereit, vom Broadcast-Service über Speichermedien bis hin zu Multimedialen Quellen wie PCs. Aktuell vollzieht sich international ein Wandel bei den Broadcast-Service-Anbietern hin zum DVB, Digital Video Broadcast, in Europa und DTV, Digital Television, in den USA. Diese unterschiedliche Terminologie beschreibt grundsätzlich jedoch das selbe. In den USA ist die ATSC, das Advanced Television System Committee, und in Europa die EBU, die European Broadcasting Union, mit der Standardisierung beauftragt. Grundlegende Unterschiede weisen primär die SD-Auflösungen (480p/i in den USA vs. 576p/i in Europa) und die Bildwiederholraten (59.94 Herz in den USA vs. 50 Hz in Europa) auf.

Video-Signale

Unter Video-Processing ist mehr zu verstehen als bloß die Wandlung von einer zur anderen Auflösung. Unter Video-Processing werden Vorgänge wie Farbraum-Konvertierung, Videosignal-Umwandlung, Erkennung von Frame-Rates, A/D-Wandlung, Dekodierung und vieles mehr zusammen gefasst. Nahezu ständig ist sowohl in einem Quell- wie in einem Wiedergabegerät irgendeine Form von Video-Processing im Gange. Ziel einer Wiedergabekette sollte es sein, das Processing auf die Fähigkeiten des Displays zu optimieren.

Joe Kane hat in seinem Training unzählige Varianten des Video-Processing anschaulich mittels technischer Schaltbilder und den dazugehörigen Detailinformationen aufbereitet. Manches ist für den Laien im Alltag weder von Interesse noch von Belang, anderes macht Vorgänge wie eine Normwandlung von unkomprimiertem RGB-Video zu NTSC oder PAL begreiflich.

Display-Technologien

Einzelne LCD-TFTs

Vereinfachter schematischer Aufbau eines LCD-Projektors

LCD, D-ILA bzw. LCOS und DLP heißen die drei gängigsten Technologien, die in der Projektionstechnik ihren Einsatz finden. LCD-Projektions-Systeme sind in der Regel 3-Panel-LCD-Systeme. Das weiße Licht eines Leuchtmittels wird über prismenähnliche Strukturen in Rot, Grün und Blau separiert und an die jeweiligen LCD-Panels weitergeleitet, die ein rotes, grünes und blaues Videobild erzeugen. Die drei einzelnen Bilder werden dann gebündelt und deckungsgleich auf die Leinwand geworfen. Die Videobilder entstehen - sehr einfach ausgedrückt - beim Durchscheinen der einzelnen Lichtkanäle durch das LCD-Panel, daher nennt man die LCD-Technologie auch durchscheinende oder transmissive Display-Technologie. 

DLP hingegen ist eine reflexive Display-Technologie, die von Texas Instruments entwickelt wurde. Durch das Kippen von Mikrospiegeln, sogenannte DMDs (Digital Micromirror Device) wird das Licht in Richtung Leinwand reflektiert oder absorbiert. Man unterscheidet grundsätzlich 1-Chip und 3-Chip DLP-Systeme. Bein 1-Chip DLP-Systemen wird Farbe durch ein rotierendes Farbrad erzeugt, das viele durchsichtige RBG-Filtersegmente aufweist. Bei 3-Chip-Systemen ist nicht nur ein DMD, sondern eines für jede Primärfarbe, also insgesamt 3 DMDs, integriert. Dadurch wird höherer Light-Output und eine höhere Farbtiefe erzielt, außerdem der Regenbogeneffekt ausgelöscht. Der Regenbogeneffekt tritt ausschließlich bei 1-Chip-DLP Systemen, bedingt durch das extrem schnell rotierende Farbrad, auf. Dafür empfindliche Personen sehen farbige Blitze in Rot, Grün oder Blau auf dem produzierten Videobild. Da bei 3-Chip-DLPs kein Farbrad mehr notwendig ist, tritt der RBE nicht auf.

Eine Kombination aus transmissiver und reflexiver Display-Technologie ist D-ILA. Das Licht wird wieder in die primären Anteile Rot, Grün und Blau zerlegt und zu einem "Polarisierten Beam Splitter" geleitet, an dem das Licht polarisiert und an eines der drei D-ILA-Panels geleitet wird.

Im TV-Bereich kommt zur zuvor beschriebenen LCD-Technik noch die Plasma-Technologie hinzu, sie zählt zu den selbstleuchtenden Display-Technologien. Jeder Sub-Pixel ist eine Plasma-Zelle, die rotes, grünes oder blaues Phosphor enthält. In jeder Plasmazelle ist ein Gasgemisch zwischen zwei Dünn-Film-Elektroden eingesperrt, dass sich ab einem bestimmten Punkt des Spannungsaufbaus entlädt und bei der Entladung UV-Licht produziert. Das UV-Licht lässt die Phosphorschicht für einen Moment aufleuchten, durch schnelles An- und Abschalten werden dann verschiedene Luminanz-Pegel produziert. Bei der Schwarzdarstellung bleibt die Zelle einfach inaktiv, was zum ausgezeichneten Schwarzwert von Plasma-Displays führt.

So unterschiedlich die Technologien auch sein mögen, jede davon setzt sich eines zum Ziel: Das Display oder die Leinwand zu emulieren, auf der das ursprüngliche Material geschaffen wird - und das ist im Regelfall auch heutzutagen noch ein CRT-Monitor.

Die sehr ausführliche Darstellung und Erläuterung der verschiedenen Display-Technologien schließt den ersten Tag und damit das JKP Level 1 Trainingsmodul. Ganz abgeschlossen ist das Training aber noch nicht. Innerhalb von sechs Wochen ist die Abgabe des Abschluss-Tests fällig, bei dem der Kursteilnehmer das Erlernte anwenden und auf verschiedene Fragestellungen applizieren muss. Ein Blick in das knapp 70-seitige Trainings-Handbuch ist dabei aber erlaubt.

JKP Level 2 Training

Von der Theorie zur Praxis

Nachdem der erste Schulungstag beinahe ausschließlich Theorie und Verständnis dieser komplexen Materie gewidmet ist, gilt das Level 2 Training der praktischen Anwendung und Vorgehensweise bei der Messung von Display-Parametern sowie ordnungsgerechte Einstellung/Kalibration eines Displays oder Projektors.

Als Werkzeuge sind hier zum einen eine hochwertige Mess-Sensorik und zum anderen eine leistungsfähige und flexible Software notwendig, die gemessene Daten entsprechend verarbeiten und in Diagrammen optisch sichtbar machen kann.

SpectraCal C6 Mess-Sensor

Für Mess-Sensorik mit maximaler Genauigkeit ist der finanzielle Aufwand enorm. So setzt die White Light Consultations ausschließlich extrem hochwertige - und teure - Geräte ein, um dem professionellen Einsatz kompromisslos gerecht zu werden. Für den etwas weniger anspruchsvollen Anwender sind diese jedoch in der Regel unerreichbar, aber auch nicht unbedingt notwendig. Es gibt durchaus Mess-Sensoren, die recht zuverlässige Messwerte zum moderaten Preis bieten. Das generelle Problem bei günstigen Mess-Sensoren sind dunkle Bildinhalte, hier liefern konventionelle Tristimulus-Sensoren keine verlässlichen Messwerte. Wir gehen den Mittelweg, bei unserem Display Basic Check von AREA DVD kommt der Spectracal C6 zum Einsatz. Der C6 ist noch erschwinglich und bietet für unseren Anspruch eine ausreichend hohe Genauigkeit bei der Messung von LCD-TVs, Plasmas und Projektoren.

Mit der CalMan Software gibt uns SpectraCal ein hervorragendes Werkzeug an die Hand. Mit CalMan werden die gemessenen Werte des Sensors erst sichtbar gemacht und können entsprechend interpretiert werden. Ein großer Vorteil für uns liegt darin besonders in der totalen Individualisierbarkeit der Benutzeroberfläche der CalMan Software. In Zusammenarbeit mit WLC konnten wir so einen "Workflow" zurecht schneidern, der die wichtigsten Parameter für eine saubere Bildpräsentation in aller Ausführlichkeit darstellt, dabei aber gleichzeitig den weniger versierten Anwender nicht überfordert.

Entsprechend geeignete Testbilder sind notwendig

Was natürlich noch fehlt sind entsprechende Testbilder, mit denen der TV/Projektor während der Messung gefüttert werden muss. Hier kommt bei AREA DVD die Digital Video Essentials HD Basics Blu-ray zum Einsatz. WLC arbeitet hingegen mit einem Bildgenerator, der automatisch die nötigen Testbilder am Bildwiedergabegerät anliefert und somit die Messung weitestgehend automatisiert.

Diese Werkzeuge zu verstehen und richtig anzuwenden, darum geht es im JKP Level 2 Training. Messen - einstellen - messen - nachjustieren - messen - etc., um dann irgendwann zu einem optimalen oder zumindest bestmöglichem, im Sinne von nahe am Ideal, Ergebnis zu kommen. Anhand verschiedener Beispiele wird der Mess- und Kalibrationsvorgang praktisch angewendet, der Kursteilnehmer darf also selbst Hand an das vorhandene Equipment anlegen und wird so am schnellsten mit den Werkzeugen vertraut gemacht.

So neigen sich zwei hochinteressante und spannende Tage mit dem WLC-Team dem Ende zu. Wer sich den genauen Vorgang einer Messung noch einmal ansehen möchte, kann dies in unserer Vorstellung des Display Basic Checks am Beispiel des Toshiba 55ZL1G gerne tun, der Link dazu hier: SPECIAL: AREA DVD und WLC stellen den "Display Basic Check" für alle kommenden LCD/Plasma-Tests vor.

Special: Thomas Hermsen, Philipp Kind
Datum: 18.12.2012

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD 1998-2013