VERGLEICH: Apple iPhone 4S/Samsung Nexus/HTC One X + Sensation/Motorola RAZR

16.05.2012 (cr/phk)

Smartphones zwischen rund 350 EUR (Samsung Galaxy Nexus) und 849 EUR (Apple iPhone 4S mit 64 GB Speicher) im Vergleich

Eine häufig gestellte Frage lautet - welches Top-Smartphone soll ich mir kaufen? Daher sind jetzt fünf Kandidaten angetreten, um mit ihren Vorzügen zu kokettieren - allerdings traten in unseren umfangreichen Praxistests zu den Geräten auch negative Seiten an den Tag.  

iPhone 4S mit tollem Angebot und sehr gutem App Store

Im einzelnen haben wir das Apple iPhone 4S (849 EUR mit 64 GB, 739 EUR mit 32 GB, 629 EUR mit 16 GB), das Samsung Galaxy Nexus GT-i9250 (Marktpreis um die 350 EUR), das HTC One X (Marktpreis um die 560 EUR) sowie das Motorola RAZR XT910 (Marktpreis um 360 EUR) im langen Praxistest untersucht. Ergänzt wird das Sortiment vom 2011er Modell HTC Sensation (immer noch rund 370 EUR kostend), um zu schauen, was die neueren Modelle besser können. 

Sauber verarbeitet: HTC One X mit Quad Core-Chipsatz

Beim Verarbeitungs-Check setzt sich wie erwartet das iPhone 4S hervorragend in Szene, es wirkt einfach nach wie vor sehr hochwertig. Die Optik erscheint uns aber ebenso antiquiert wie das kleine Display (3,5 Zoll). Das sehr elegante, dünne Motorola ist ein echter Hingucker und durch die Kevlar-verstärkte Rückseite ebenfalls sehr hochwertig - wie beim iPhone 4S ist der Akku auch fest verbaut. Das HTC One X ist ausgezeichnet verarbeitet (Unibody-Gehäuse) und kann gut mithalten. Auch beim One X ist leider der Akku fest eingebaut. Den Stromlieferanten von Samsung Galaxy Nexus und HTC Sensation kann man wechseln - was das Finish und die Materialgüte angeht, fallen aber beide Smartphones ab. Besonders das Nexus mit der leicht billig wirkenden Rückseite kann hier nicht viele Punkte sammeln. 

Schick und dünn ist das Motorola RAZR mit Dual Core-Prozessor

Schon mit Schnellboot-Funktion - das HTC Sensation mit 2 x 1,2 GHz Prozessor

Kommen wir zum Booten, die HTCs haben beide eine praktische Schnell-Boot-Funktion und hängen den Rest somit ab. Das iPhone braucht relativ lange, aber nicht so lang wie das RAZR. Das Nexus ist auch kein Ausbund an Schnelligkeit, bootet aber fixer als iPhone und Motorola. 

Nichts wirklich Gutes gibt es von den Akku-Laufzeiten zu berichten. Bei starker Benutzung schafft kein Kandidat mehr als 1 Tag. Besonders wechselhaft zeigt sich das iPhone 4S, manchmal ist schon nach 3,5 bis 4 Stunden Ende, wenn man permanent im Internet surft, manchmal aber schafft es auch fast einen Tag. Das HTC Sensation bringt ebenso wie das One X knapp einen Tag zustande. Das RAZR und das Nexus laufen am längsten mit einer Ladung, bei beiden sind gut ein Tag drin. Ehrlich gesprochen aber sind die Differenzen so gering, dass die Akkuleistung im wesentlichen durch das Nutzungsverhalten bestimmt sein dürfte.

 

Das Galaxy Nexus ist preiswert, hat ein großes Display und ist sehr zuverlässig

Ein sehr wichtiges Kapitel ist das Thema Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit. Und auch, wenn uns manch einer Voreingenommenheit vorwerfen dürfte: Von insgesamt 4 iPhone 4S in der Redaktion zeigen drei erhebliche Schwankungen bei der Betriebsstabilität. Auszüge aus der Liste: Ruckeln beim Multitasking, starke Erhitzung, plötzliches Ende der WLAN-Verbindung trotz gutem Empfang, Probleme beim Wechsel 3G/Edge (Dauert endlos lang), Probleme mit der häufiger nicht funktionierenden Lautstärke-Regelung. Mit den anderen Kandidaten gibt es auch Schwierigkeiten - die Empfangssensitivität könnte höher liegen, beim Nexus scheint das WLAN-Modul nicht besonders leistungsstark zu sein - dafür erzielt es durch die Bank sehr gute 3G-Leistungen. En Top WLAN-Modul und ein sehr guter 3G-Empfang zeichnen das HTC One X aus, und nur knapp dahinter folgt das RAZR. Immer noch gut, aber beim 3G-Empfang nicht so stark ist das Sensation, das auch nicht so zuverlässig ist wie das One: Hier hatten wir ab und zu einen Neustart, wenn auch relativ selten. Mit aktuellem Android und allen Updates ist auch das RAZR zuverlässig, ebenso wie das Nexus, das im Alltag keinen Ärger bereitet. Nur die schlecht funktionierende Face Detection als Teil von Android Ice Cream Sandwich zur Entriegelung ist nicht besonders empfehlenswert, öfters wird das Gesicht nicht erkannt oder das Restlicht reicht für den Sensor nicht aus.  Die Sprachqualität ist bei allen hier vorgestellten Smartphones gut, besonders überzeugt haben uns One X und Nexus. 

Saubere Detailverarbeitung beim Unibody-Gerät HTC One X

Das HTC One X ist extrem schnell

Kommen wir zum Thema Schnelligkeit - und hier ist es kein Wunder, dass das Quad-Core-getriebene HTC One X an der Spitze im Speed-Ranking steht. Dank schlankem "Google Pur"-Konzept geht aber auch das Nexus verdammt gut und ist kaum aus dem Takt zu bringen. Beim Laden komplexer Internetinhalte sind beide Kandidaten ausgesprochen flott unterwegs, und Multitasking-Jobs erledigen beide mit Bravour. Bei ausgefuchsten Games aber beispielsweise setzt sich das One X doch merklich ab und agiert noch flüssiger, Ruckler gibt es hier wirklich nur noch sehr selten. Aber auch die anderen drei sind schnelle Smartphones, viel nehmen sich iPhone, Sensation und RAZR nicht. 

Google pur - mit ICS 4.04. agiert das Nexus auch ziemlich flott

Vieles ist sehr gut am Apple-Betriebssystem, aktuell iOS 5.1.1, aber manches könnte noch verbessert werden

Die Display-Größe von 4,65 Zoll (Nexus) beziehungsweise 4,7 Zoll (One X) macht es schon deutlich - diese beiden Smartphones wollen sich auch als mobile Movie- und Gaming-Maschinen verstanden wissen. Dadurch, dass beide Smartphones enorm flach sind (nur das ultradünne RAZR ist noch flacher), passen sie aber doch in Jackett- oder Hosentasche. Auch das Gewicht fällt nicht besonders extrem aus. Herausragende Bediensicherheit bei der Einhand-Bedienung aber ist nicht gegeben, wenn die bedienende Person relativ kleine Hände hat. Die Display-Qualität ist in beiden Fällen ohne Einschränkung erstklassig. Beide Displays treten mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel an, was dem HD ready-Standard entspricht. Dadurch ist die Pixeldichte so hoch, dass man einzelne Pixel auch auf den großen 4,65 bzw. 4,7 Zoll beim besten Willen nicht mehr erkennen kann. Da die Schriften bei ICS (beide XXL-Smartphones laufen unter Android ICS) auch etwas feiner wirken als bei früheren Android-Betriebssystemversionen, kommen die Vorzüge der Top-Displays sehr gut heraus. Im einzelnen stellt das One X Farben etwas neutraler dar, das Nexus wirkt poppiger, der Schwarzwert des Samsung ist sensationell und der beste im Testfeld. Damit erringt das Nexus auch Platz eins als "Movie-Maschine" für die mobile Filmwiedergabe. Die Displays der anderen Smartphones sind auch sehr gut, dadurch, dass das iPhone nur 3,5 Zoll Diagonale hat, aber trotzdem eine dafür hohe Auflösung mitbringt (960 x 640 Bildpunkte) mitbringt, sieht man auch eine Spur von einzelnen Pixel. Hand aufs Herz, auch die Pixeldichte (960 x 540 qHD Auflösung) von RAZR und Sensation ist absolut ausreichend - die Displays halten immer noch gut mit. Was die Touch-Funktion angeht, stehen iPhone 4S und HTC One X an der Spitze, dicht gefolgt vom Rest der Teilnehmer. Ärgerliche Verzögerungen treten kaum auf, nur manchmal bei nicht funktionierenden Entriegelungsprozessen spricht der Screen nicht direkt an.

One X mit sehr guter Kamera, 32 GB Speicher, leider nicht erweiterbar durch microSD-Karten

Wenig überzeugend: Das hierzulande angebotene Samsung Galaxy Nexus verfügt meist über 16 GB Speicher und ist nicht erweiterbar. Das ist grenzwertig, hier lernt man die Vorzüge von Cloud-basierten Diensten vermutlich schnell kennen. Das One X ist auch nicht erweiterbar, bringt standardmäßig aber wenigstens 32 GB mit. Das RAZR verfügt über 8 oder 16 GB und ist um bis zu 32 GB per microSD erweiterbar. Das Sensation ist mittels microSD um bis zu 32 GB erweiterbar, bringt aber nur 1 GB Speicher intern mit. Das iPhone 4S gibt es mit 16, 32 und 64 GB - aber zu Apple-typisch gesalzenen Preisen.

RAZR mit Android 2.3.6. Die Kamera agiert im Still Imaging Einsatz tadellos.

Was die Leistungen im Still Imaging- und Videobetrieb der eingebauten Kameras angeht, setzt sich das iPhone 4S eindrucksvoll in Szene, gerade die Videoaufnahmen sind scharf, farbecht und kontraststark. Bewegungen laufen flüssig ab. Nur knapp dahinter läuft das One X ein, auch hier stehen Top-Leistungen im Vordergrund. Beide Smartphones haben auch einen gute Fotoleuchte - aber manchmal braucht man sie auch nicht, in der angehenden Dämmerung kann man getrost ohne Leuchte drehen. Im Still Imaging Betrieb erbringen beide Smartphones nahezu identisch gute Leistungen, rauscharm, detailreich, mit tollem Kontrast und hoher Bildschärfe. Macroaufnahmen sehen beim iPhone 4S beinahe am besten vom ganzen Testfeld aus. Das Motorola macht zwar sehr gute Still Images, die nur minimal blass erscheinen, aber nur durchschnittliche 1080p Videos. Das Sensation hält noch gut mit, auch bei Videos - sie ruckeln zwar mehr als bei den neueren Mitstreitern, sind aber scharf und recht farbecht. Die Still Images sind etwas farbschwach, aber bilanzierend ausgewogen und rauschen kaum. Keine Maßstäbe setzt das Nexus. Während die 1080p-Videos noch recht gut aussehen und sogar das Motorola auf Distanz halten, sind die Still Images die mit Abstand schlechtesten in diesem Umfeld. Bildrauschen ist oftmals zu sehen, die Schärfe ist nicht die beste und Macroaufnahmen sind nicht besonders beeindruckend. 

Die Audio-Leistungen sind mit den mitgelieferten Kopfhörern bei keinem Smartphone berauschend. Es empfiehlt sich, für höherwertigen Musikgenuss Ohr- oder Kopfhörer von Zubehöranbietern zu erstehen. Diese gibt es oftmals auch mit Fernbedienungen für Apple iPOs und Android. Klipsch beispielsweise hat für beide Betriebssysteme  hervorragende In-Ears im Programm (Klipsch Image S4A, Klipsch Image S4i). Alle Smartphones verfügen über verschiedene Audio-Einstellmöglichkeiten, DSPs und/oder grafische EQs gehören mit dazu. Bluetooth Audio-Streaming funktioniert mit allen Kandidaten relativ reibungslos, je nach Equipment kann es vereinzelt - wie immer - zu Störungen oder Aussetzern kommen. 

Für das Apple iPhone stehen 2 Dinge: Das enorm hohe Preisniveau und das extrem üppige Zubehör- und App-Angebot. Zwar hat Android mächtig aufgeholt, aber noch nicht überholt. Auch bei Clouding und Sprachsteuerung (Siri) liegt Apple sehr gut im Rennen, auch wenn manch einer die Siri-Kommunikation über Server in den USA nicht besonders schätzt. Aber mutig war der Schritt von Apple mit Siri allemal. Der App Store ist so groß, dass man praktisch für alle Anwendungen und Wünsche etwas findet, oft sogar mehrere Apps. So gut sortiert und so gut strukturiert ist der Google Play Store nicht, wenngleich enorme Fortschritte erkennbar sind. Nicht zu vergessen ist aber noch eines: Auch wenn manch einer motzt über die hohen Apple iPhone-Kaufpreise - es ist auch kein anderes Telefon aus dem Test-Umfeld auch nur annähernd so wertstabil. 

Fazit: Alle hier angetretenen Smartphones können durchaus empfohlen werden. Das HTC Sensation hält noch sehr gut mit, wer es besitzt, braucht keinesfalls zwingend ein Upgrade auf ein neueres Modell. Neukauf lohnt sich aber nicht mehr, da im Verhältnis zu teuer. Absolutes Top-Schnäppchen ist das hochmoderne Samsung Nexus GT-I9250 mit 4,65 Zoll-Display und NFC sowie Android ICS. Für nur rund 350 bis 360 EUR bekommt man kaum ein besseres Smartphone, das zudem sehr zuverlässig ist und ein Referenz-Display aufweist. Das HTC One X ist in allen Bereichen erstklassig, diese Leistung lässt sich HTC aber auch honorieren. Das Apple iPhone beeindruckt mit tollem App- und Zubehörangebot, ist mustergültig verarbeitet und sehr kompakt - nicht jeder möchte ein Smartphone mit XXL-Display mit sich herumtragen. Leider ist das iPhone 4S nicht ganz so zuverlässig, wie wir es erwarten. Das Apple-Smartphone ist sehr teuer, aber auch ungemein wertstabil. Das Motorola RAZR mit toller Optik, extrem flachem Gehäuse und tadelloser Zuverlässigkeit beweist: Motorola is back -und enorm stark unterwegs. Das RAZR  ist auch massiv im Preis gesunken, allerdings nicht so deutlich wie das Nexus. Motorola und HTC Sensation treten noch nicht mit Android ICS an, das ist ein kleiner Nachteil. 


Text: Carsten Rampacher
Datum: 16.05.2012

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