TEST: Quadral Ascent 90 - Ausgewachsene Schallwandler für 599 EUR/Stück
28. Juni.2012 (phk/sw)

Einführung
Mit den Ascent 90 finden sich nach dem 5.1-Test
die größten Vertreter der aktuellen Ascent Classic-Serie von Quadral bei uns
in der Redaktion ein. Die Standlautsprecher messen knapp über einen Meter Höhe
und bringen etwa 22,5 kg auf die Waage. Die 3-Wege Bassreflex-Lautsprecher
bieten eine Nenn-/Musikbelastbarkeit von 160/220 Watt und einen Wirkungsgrad von
89 dB. Für satte Bässe sorgen zwei 180mm Titanium-Polypropylen-Tieftöner,
für Mitten ist eine 135mm Kalotte selbigen Materials zuständig und in den
Höhen sorgt schließlich eine 25mm Alu-Kalotte für Prägnanz und Klarheit. Der
Übertragungsbereich ist mit 38 - 46000 Hz angegeben. Auch für die Ascent 90 gibt
es die für Quadral üblichen 5 Jahre Garantie. Zu haben ist der ausgewachsene
Schallwandler für 599 EUR pro Stück.
Verarbeitung

Front ohne LS-Gitter

Quadral-Emblem

Chassis-Bestückung

Hochtöner

Ausgebaut

Mitteltöner

Tieftöner

mit kräftigem Magneten

Blick auf die Frequenzweiche

Bassreflexrohr

Anschlüsse Rückseite

Lautsprecher-Standfüße

Schallwand und Gehäuse
Die Quadral Ascent Lautsprecher wirken recht klassisch, mit der
geschwungenen Seitenwand wurde ihnen aber ein optisch schicker Touch verliehen.
Die Schallwand präsentiert sich in schwarzem Hochglanz mit sehr gut
eingefassten Lautsprecher-Chassis. Der Staubfang bzw. die Lautsprechergitter
sind magnetisch befestigt. Auch offen machen die Ascent 90 eine gute Figur und
wer die Lautsprecher bar zeigen möchte, muss nicht mit den sonst häufig zu
findenden Gitter-Befestigungen leben. Das Gehäuse ist mattschwarz foliert, die
Ascent-Serie ist auch in Kirsch mit Schallwand in Graphit zu haben. Die
Folierung wirkt mit glatten Kantenübergängen sehr sauber, die Spaltmaße
zwischen Schallwand und Gehäuse sind gleichbleibend gering. Die Bassreflexrohre
sind ebenfalls sauber eingepasst und die Lautsprecher-Schraubanschlüsse auf der
Rückseite wirken hochwertig. Die Ascent 90 ruht auf gut dimensionierten
Standfüßen, die für hohe Standfestigkeit unten gummiert sind. Die genauen
Abmessungen betragen 1051 x 254 x 355 mm (BxHxT).
Testequipment
Klang
Unsere Überprüfung der akustischen Performance der Ascent 90
beginnt mit Vivaldis Vier Jahreszeiten. Die Ascent 90 beginnt schwungvoll,
lebendig und vor allem eines - sauber! Die Violinklänge werden klar, aber
angenehm wiedergegeben. Kein blecherner Touch, spielerisch und frisch gelingen
die schnellen Wechsel. Die Tieftöner packen druckvoll und kräftig zu, ist mal
etwas mehr Volumen gefragt. Dabei bleibt die Ascent 90 sehr präzise und
trocken, die Frequenzbereiche bleiben klar getrennt, die beiden 180mm Tieftöner
greifen nicht über. Die Lebendigkeit der Kulisse wird durch die ausgezeichnete
Grobdynamik positiv beeinflusst, aber auch feinere musikalische Differenzen
gehen nicht unter sondern werden weitgehend erfasst. Der Klang löst sich gut
vom Lautsprecher und eine saubere Instrumententrennung gelingt, wenn auch die
Breite und Tiefe der Bühne nicht ganz so ausgeprägt erscheint. Hervorragend
präsentiert die Ascent 90 die lebendigen Violinkaskaden im Allegro Danza
Pastorale des Violinkonzertes in E-Dur op.8 Nr. 1 flink und schnell wird
hier mit ausgezeichneter Transparenz agiert. Als die etwas tieferen Streicher
eingreifen wird das Klangbild keinesfalls in seiner Harmonie gestört sondern
verschmilzt zu einem homogenen Ganzen.
Brian Ferrys It's all over Now Baby Blue beginnt mit herrlich
tief gehenden Bass-Schlägen. Die Ascent 90 nimmt dies dankend an und gibt sich
keine Blöße. Die Tieftöner spielen enorm tief herunter, und das mit Kraft und
Nachdruck. Gleichzeitig überzeugt sie mit klaren, durchhörbaren Mitten und
einem angenehmen Hochtonbereich. Die Stimme Brian Ferrys wird für diese
Preisklasse überdurchschnittlich erfasst, charakteristisch und natürlich wird
sie an den Hörer getragen. Zudem stimmt die konzertale Anordnung der
Instrumente. Hier wird wirklich tadellose Harmonie der verschiedenen
Frequenzbereiche geboten, präzise und genau greifen die Tieftöner zu und
tragen nicht zu dick auf. Erstaunlich, wie feindynamisch die Ascent zu Werke
geht. Sehr detailreich und raffiniert, dabei lebendig und musikalisch lädt die
Ascent 90 sofort zum Fußwippen ein. Dazu gefallen die Ascent 90 auch sehr durch
ihre ausgeprägte Räumlichkeit, hier wirkt nichts flach oder eindimensional,
der Zuhörer wird zum Teil der Kulisse.
Die tolle Räumlichkeit stellt die Ascent 90 beim Crockett's
Theme vom Jan Hammer Profect feat. TQ unter Beweis. Aber nicht nur dass, der
Kickbass kommt enorm tief und präzise. Bis in die Magengrube schaffen es die
Quadral-Lautsprecher, und das bei moderaterem Pegel. Die Stimme wirkt nicht ganz
so gut wie bei Brian Ferry. Charakteristik und Authentizität sind zwar gegeben,
der Bühnenaufbau wirkt aber mit etwas tief unten liegender Stimme nicht ganz
korrekt. Mitten- und Hochtonbereich wirkt transparent und sehr gut
ausdetailliert, aggressive Höhen können wir selbst bei hoher Lautstärke nicht
feststellen. Dafür machen die Ascent 90 viel mit, pegelfest und souverän
spielen die Schallwandler. Im nächsten Track kommt der trockene, präzise Bass
nach etwa 30 Sekunden noch einmal voll zur Geltung. Die Ascent 90 entwickeln
eine exzellente Dynamik auch bei niedrigen Lautstärken und animiert zu
bewusstem Musikgenuss. Im Hochtonbereich schaffen die Quadral eine überragende
Detailtreue und Strahlkraft, die ausgezeichnete Räumlichkeit wird weiter
unterstützt,
Noch etwas schneller wird es mit DJ Quicksilvers "I have a
Dream". Sofort zeigt sich die ausgezeichnete Loslösung von den
Lautsprecherkomponenten, sowohl die männliche als auch weibliche Vokalstimme
steht zentral vor dem Hörer. Die Bässe wirken hier bezüglich der Präzision
ein wenig zurückgenommen, dies ist aber auf die etwas schwächere
Aufnahmequalität zurückzuführen und natürlich auch dadurch, dass Orhan Terzi
ein wenig dicker aufträgt. Tief und druckvoll kommt der Kickbass aber immer
noch an, auch im Hinblick auf das Volumen braucht sich die Ascent 90 keinesfalls
verstecken. Bei extrem hohen Pegeln wird der Super-Audio-Hochtöner schon ein
wenig spitzer, wirklich störend aggressiv aber nie. Grundsätzlich besitzen die
Vertreter der Ascent Serie über eine sehr angenehme Auslegung und werden nicht
anstrengend.
Bei unserem letzten Test-Musikstück dürfen sich die Quadral Ascent 90
an "The Poet and the Pendulum" vom Dark Passion Play Album von Nightwish
versuchen. Schon in den ersten atmosphärischen Sekunden zeichnen sich die
Schallwandler durch ihre tolle Räumlichkeit und eine dichte Atmosphäre aus.
Als nach etwa anderthalb Minuten das eigentliche Lied beginnt, begeistert eine
ausgezeichnete Grobdynamik. Mit viel Kraft packen die Ascent 90 zu und spielen
sehr tief herunter. Die hohe Geschwindigkeit sorgt für eine sehr lebendige
Performance. Trotz des komplexen akustischen Geschehens bleiben die Instrumente
differenzierbar und die verschiedenen Bühnenebenen gestaffelt. Die Stimme
bleibt sauber und steht etwas vor den Heavy-lastigen Tiraden. Dass die Ascent
auch die sanften Klänge beherrschen, zeigt sich wiederum bei etwa 5 Minuten.
Sehr angenehme Violinklänge mit toller Ausarbeitung akustischer Finessen
überzeugen. In den folgenden Minuten steigert sich die Geschwindigkeit wieder,
bis die Instrumente bei etwa 8 Minuten mit schnell gespielten Sequenzen zu einer
sehr komplexen und dichten akustischen Kulisse kulminiert. Die Ascent 90
behalten aber ihre gute Instrumentaltrennung und den sauberen Bühnenaufbau bei,
auch die Stimme verliert nicht an Authentizität. Ausgezeichnete Grobdynamik,
Sinn fürs Detail und eine harmonische Auslegung überzeugen.
Konkurrenzvergleich
-
Klipsch Reference RF-62 MkII:
Die massiven Vertreter der amerikanischen Lautsprecherschmiede Klipsch sind
für etwa 50 EUR günstiger pro Stück zu haben. Sie können wohl als noch
pegelfester gelten und haben grundsätzlich eine etwas direktere Auslegung,
gerade im Hochtonbereich. Hier strahlen die Quadral zwar ebenso klar und
transparent, wirken aber etwas weicher und dadurch angenehmer. Zudem sind
die Klipsch echte Grobdynamiker, während die Ascent 90 zusätzlich fein
ausdetaillieren und viel Finesse zeigen. Mit einem Wirkungsgrad von 97 dB
sind die Klipsch etwas weniger anspruchsvoll.
-
Magnat Vector 207: In
der Auslegung ähneln sich die Magnat und Quadral Standlautsprecher sehr
stark. Beide Schallwandler bieten eine eher angenehme und harmonische
Präsentation. Akustisch liegen die Ascent 90 besonders bezüglich der
Feindynamik und dem gebotenen Detailreichtum vorne. Verarbeitet sind beide
Lautsprecherpaare sehr gut, die Quadral wirken aber durch die Schallwand in
Hochglanzschwarz hochwertiger. Die Vector 207 ist jedoch schon deutlich
günstiger zum Stückpreis von 299 EUR UVP zu haben.
Fazit

Für 599 EUR pro Stück erhält man mit den Quadral Ascent 90
erwachsene Schallwandler zum günstigen Kaufpreis. Fasziniert hat vor allem, wie
feindynamisch und detailliert die Standlautsprecher aus dieser Preisklasse zu
Werke gehen. Zueigen ist ihnen eine sehr harmonische Auslegung mit Stärken in
allen Frequenzbereichen. Der Super-Audio-Hochtöner besitzt hohe Strahlkraft
und leuchtet die oberen Bereiche tadellos aus. Die Mitten sind sehr präsent,
drängen sich aber nicht in den Vordergrund. Im Tieftonbereich sind Kraft und
Nachdruck, falls verlangt, sofort präzise zur Stelle. Die Grobdynamik bleibt
natürlich nicht außen vor, die Ascent 90 wirken stets musikalisch und
lebendig. Ausgewogen und harmonisch halten die Schallwandler auch hohe Pegel
stand und werden nur bei übermäßiger Lautstärke etwas spitzer. Die
Verarbeitung ist solide, die klassische Optik sorgt für zeitloses Gefallen.
Erwachsene Schallwandler mit exzellenter Grob- wie
Feindynamik zum fairen Preis

Stereo-Lautsprecher Mittelklasse
Test Juni 2012
+ Feindynamisch sehr gut
+ Solide Pegelfestigkeit
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Kraft und Nachdruck
+ Präzise und schnell
- Keine Bi-Ampingterminals
Text: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28.06.2012
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