TEST: Phonar Veritas p6 NEXT - Harmonisch, kraftvoll, pegelfest?

11. September 2012 (sw/cr/phk)

Einführung

Der Standlautsprecher Veritas p6 NEXT basiert auf den musikalischen Tugenden der p4 NEXT, ist aber ebenfalls stark an die Credo Reference angelehnt. Der Schallwandler der nördlichsten HiFi-Manufaktur Deutschlands ist um 5 Grad nach hinten geneigt, um stehenden Wellen im Gehäuseinneren entgegen wirkt. Als Lautsprecherchassis kommen ScanSpeak für den Hochtöner und Peerless zum Einsatz. Die Veritas p6 NEXT wird im Phonar Werk in Tarp zusammengesetzt - ist also weitgehend "Made in Germany". Weitgehend, da die Gehäuse in China gefertigt werden. Montage und Endkontrolle erfolgt aber in Tarp. Die Phonar sind in matt Schwarz und matt Silber für 999 EUR/Stück. In Hochglanz legt man nochmal 100 EUR drauf, dafür ist sie neben Schwarz auch in Weiß, Kirschbaum und Nussbaum Furnier zu haben.

Übrigens: Das hier getestete Produkt Phonar Veritas p6 NEXT steht im Studio unseres Shop-Partners HIFI-REGLER zum Probehören bereit. Natürlich können dazu auf Wunsch auch andere Konfigurationen zusammengestellt werden.

Verarbeitung und Technik

Veritas p6 NEXT in Hochglanz weiß

ScanSpeak-Gewebekalotten-Hochtöner

Im ausgebauten Zustand

Mitteltöner

Ausgebaut

Tieftöner

Im ausgebauten Zustand

Standfuß

Rückseite

Untere Bassreflexöffnung

Frequenzweiche

Bi-Wiring-Anschlüsse

Gehäuse und Schallwand

Die Neigung ist klar zu sehen

Die Phonar präsentiert sich beim heutigen Test in Hochglanz Weiß und stechen besonders durch die nach hinten geneigte Form ins Auge. Dies hat aber nicht nur optische Vorteile, sondern macht aus akustischer Sicht Sinn. Stehenden Wellen im Inneren des Gehäuses wird aktiv entgegen gewirkt. Die Veritas p6 NEXT steht auf einem Sechskant-Fuß und damit stabil auf jeglichem Untergrund. Die Chassis und auch die Bassreflexrohre auf der Rückseite sind sauber eingepasst, an einzelnen Stellen kann der Materialübergang aber nicht ganz bündig erscheinen. Das Gehäuse selbst wirkt beinahe wie aus einem Guss, wenn auch die Kanten an der Rückseite noch etwas gerundeter sein könnten. Die Lautsprecher-Schraubanschlüsse auf der Rückseite wirken hochwertig und bieten problemlosen Anschluss für Bananenstecker. An der Frontseite sind die Noppen für das Lautsprechergitter beinahe zu übersehen, sie sind geschickt in die Befestigungsschrauben der Chassis integriert.

Die Zweieinhalb-Wege Konstruktion ist mit einem 27mm Gewebekalottenhochtöner der dänischen Marke ScanSpeak ausgestattet, 130mm Tiefmittel- und 160mm Tieftöner stammen aus dem Hause Peerless. Der Wirkungsgrad ist mit 87 dB angegeben, der angeschlossene Verstärker sollte also schon ein wenig Kraft mitbringen. Über den Bi-Wiring-Terminals auf der Rückseite lässt sich der Hochtonpegel mit einem Steckanschluss noch justieren. Der Lautsprecher misst 1000 x 200 x 320mm (HxBxT) und wiegt 25kg.

Testequipment
Klang

Bei Diana Kralls „Stop This World“ lernen wir mehrere Dinge: Zum einen, dass der Denon AVR-3313 auch FLACs in 96 kHz/24-Bit gekonnt managt, zum anderen, dass die Phonar-Lautsprecher eine richtige Gänsehaut-Atmosphäre erzeugen können, obwohl sie für eine solche Leistung eigentlich relativ preiswert sind. Und mit klassischer Musik wie Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur, erster Satz, Allegro, gehen die Phonar-Lautsprecher ebenfalls sehr gekonnt um: Die Violinen sind sehr schön durchhörbar, gleichzeitig aber trotz guter Transparenz nicht zu spitz, was dazu führt, dass man sehr gern auch längere Hörsessions einlegen kann.

Club-Hymnen liegen den Phonar ohne Zweifel: Bei Joao Lucas&Marcelos Clubhit „Eu Quero Tchu Eu Quero Tcha“ wird im Bassbereich immenser Druck aufgebaut, der aber nie übertrieben oder künstlich, sondern natürlich und satt erscheint. An den kräftigen Bassbereich fügt sich der Mitteltonbereich nahtlos an, mit einer lebendigen Stimmwiedergabe und einer authentischen Räumlichkeit. Zusammen mit dem uns wohl bekannten, im Stereobetrieb sehr potenten Denon AVR-3313 wird hier eine verlockende Mischung aus Nachdruck, Harmonie, Dynamik und Räumlichkeit offeriert. Auch bei „Fiesta“ (Francesco Diaz&Young Rebels) von der diesjährigen Ministry Of Sound Sommer-Compilation gibt es dank der Phonar „Druck im Club“: Besonders gut gefällt uns die Mischung aus Bassdruck und hoher Gefälligkeit bei der Gesamtwiedergabe. Selten haben wir in dieser Preisklasse hohe Pegel so entspannt hören können. Der Lautsprecher schafft eine Kombination aus Lässigkeit und mitreißender Darstellung, die uns verblüfft.

Die Pegelfestigkeit bei dieser C lub-Hymne hat auch uns als erfahrene Tester positiv überrascht: Auch im großen Hörraum um die 30 Quadratmeter ist noch eine leistungsstarke Beschallung gegeben. Natürlich darf der verwendete Verstärker nicht zu schwächlich sein, der Wirkungsgrad der Veritas ist gut, aber nicht erstklassig – aber wenn man einen Verstärker der Mittelklasse oder einen AV-Receiver der 800 bis 1000 EUR-Liga einsetzt, muss man kaum Kompromisse eingehen. Besonders gut harmoniert die Phonar mit dem homogen, lebendig und geschliffen-dynamisch aufspielenden Denon AVR-3313. Club-Klappe, die Dritte: „Infintiy 2012 – mixed by DJ Antoine + Mad Mark“ gibt viel Entfaltungsfreiheit für Bass- und Effekt-Könner. Bei der Maxiversion baut die Veritas bereits den Beginn viel versprechend auf und fügt impulstreu einen Effekt zum anderen hinzu. Tempowechsel werden problemlos gemeistert. Der typische Refrain kommt ausdrucksstark zur Geltung. Die Vocals haben Fundament und Struktur, sie fügen sich fließend und mit korrekter Balance ins akustische Gesamtbild ein.

Bei sehr schnellen Tracks wie dem Trance-Klassiker „Outside World“ von Sunbeam, auf der 2012er Mayday-Made-In-Germany-Compilation abgelegt, zeigen die Phonar-Boxen ebenfalls Flagge und bringen den Rhythmus mit unbestechlicher Impulstreue zum Ausdruck. Der Bass ist ungemein kraftvoll und besitzt ein sehr gutes Volumen. Er schiebt mächtig an und lässt richtiges Diskotheken-Feeling aufkommen. Die Gruppenlaufzeiten der Konstruktion mit speziell geneigter Schallwand sind exzellent, der Bass „hinkt“ dem Rest nicht hinterher.

Wir gehen im Zeitstrahl noch weiter zurück und enden im Jahr 1985/86, als „Sometimes“ von Erasure hoch im Kurs lag: Und auch heute noch übt dieser Song durchaus Faszination auf die solcher Musik zugetane Zuhörerschaft aus, wenn Musik-Talente wie die Phonar Veritas die Wiedergabe übernehmen. Stimmen ertönen mit Verve, die schwungvolle Gesamtatmosphäre des Stücks wird voll erkannt und die gediegene Räumlichkeit ermöglicht ent- und gespanntes Zuhören, bei der Veritas, in der wohl die akustische Wahrheit liegen soll, beileibe kein Widerspruch. Auch beim Moti Special Partyklassiker „Don’t Be So Shy“ beweist der Schallwandler Feten-Qualitäten: Pegelstark, nachdrücklich, nie oberflächlich. Stimme und Instrumente können auch bei hohen Lautstärken noch sauber differenziert werden.

Insgesamt präsentiert sich die Veritas P6 Next als spielfreudiger Lautsprecher, der mit Verve, aber gleichzeitig einem ordentlichen Maß an Fingerspitzenfühl seinen Aufgaben nachtgeht. Der Bassbereich bringt natürliche Fülle und sauber dosierten Nachdruck mit. Die Box ist ungemein räumlich und bringt horizontal wie auch vertikal einen erstaunlich breiten Abstrahlwinkel zustande. Auch dann, wenn man nicht im perfekten Sweet Spot sitzt, ist die Akustisch homogen und gleichmäßig. Der Wirkungsgrad ist prinzipiell schon in Ordnung, man sollte der Veritas aber schon eine ordentliche Portion an Verstärkerleistung einschenken, um ihre Qualitäten auch voll genießen zu können. 

Fazit

Die Phonar Veritas P6 Next beweist, wie gut Produkte weniger bekannter Hersteller sind – ohne Probleme stellt sich die Phonar der Elite in der 1000 EUR (Stückpreis) Klasse und mischt dank harmonischer, kraftvoller Auslegung und sehr guter Impulstreue ganz vorne mit. Der 2,5 Wege-Lautsprecher ist ausgezeichnet verarbeitet und gleich in vier Farben und zwei Holzfurnieren erhältlich. Das Finish und die Materialanmutung stehen absolut im Einklang mit der für diese Preisliga überragenden Akustik – viel mehr kann man zum fairen Kaufpreis kaum noch erwarten.

Erstklassige akustische Harmonie, gepaart mit immenser Basskraft und hervorragender Pegelfestigkeit

Stereo-Standlautsprecher Mittelklasse
Test 11. September 2012

+ Pegelfest
+ Räumlich exzellent
+ Sehr harmonisch
+ Basskraft und Tiefgang
+ Auch feine Strukturen werden sauber wiedergegeben
+ Saubere Verarbeitung und edle Optik
+ In sechs Farben lieferbar
+ Fairer Kaufpreis

- Braucht ordentlich Verstärkerleistung

Text: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Bilder: Sven Wunderlich
11. September 2012

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