TEST: Philips Bügel-Kopfhörer Fidelio L1 - Premium-Klang für 280 EUR? 

19. Juni 2012 (cr/sw)

Sehr hochwertig - Fidelio L1 für knapp 280 EUR

Klappbar für den Transport

Einführung

Für exakt 279,99 bietet Philips mit dem Fidelio L1 einen Premium-Bügelkopfhörer für den mobilen Einsatz an. Kennzeichen sind Lautsprecher-Treiber aus Neodym mit speziellen Bassöffnungen. Die hochwertigen Ohrmuscheln bestehen aus Aluminium, was einer präzisen Akustik zuträglich sein soll. Der Kopfhörer arbeitet nach dem halboffenen Prinzip, der Frequenzgang wurde so angepasst, dass sich der L1 auch für klassische Musik oder für Jazz-Musik bestens eignet. Das mit Nylongewebe beschichtete Kabel besteht aus sauerstofffreiem Kupfer. Der Kopfhörer ist auf die Zusammenarbeit mit dem iPhone vorbereitet und verfügt über eine Kabel-Fernbedienung und ein eingebautes Mikrophon. Der Hörer weist einen Frequenzgang von 12 bis 25.000 Hz auf und erreicht einen maximalen Schalldruck von 105 dB @ 1 mW. Die maximale Eingangsleistung liegt bei 200 mW. Die Impedanz beträgt 26 Ohm. Weniger als 0,1 % beträgt der Gesamtklirrfaktor. 

Verarbeitung

Sehr präziser, hochwertiger Justage-Mechanismus

Exzellente Detailverarbeitung, tolle Materialqualität

Ohrmuscheln

Elegante Optik

Leder-Bügelband, Ansicht von oben

Vergoldeter Miniklinkenstecker

Kabelenden aus Aluminium, verschiedene Verlängerungen im Lieferumfang

Vergoldeter 6,25 mm Adapter im Lieferumfang

Der Fidelio L1 besteht aus hochwertigen Materialien, unter anderem aus Leder und Aluminium. Das Kabel mit vergoldetem Anschlussstecker ist mit Nylongewebe beschichtet und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Verschiedene Verlängerungen werden von Philips mitgeliefert, ebenso ein vergoldeter 6,25 mm Adapter. Der Bügel ist oben mit Leder bezogen und unten üppig mit bezogenem Schaumstoff bestückt, so sitzt er bequem auf dem Kopf. Der eigentliche Bügel besteht aus Aluminium, die Alu-Platten, aus denen die Kabel heraus geführt werden, sind verschraubt. Die Übergänge Bügel-Inlay - Alu-Platte sind auf einer Seite nicht ganz perfekt. Die Ohrmuscheln machen einen sehr edlen Eindruck und sitzen bequem. Die Klappgelenke zum "Falten" der Ohrmuscheln arbeiten  leichtgängig und exakt. 

Zusammenarbeit mit dem iPhone 4s

Kabelfernbedienung

Die maximal mögliche Lautstärke liegt nicht immens hoch, man kann problemlos das maximal Mögliche hören - der Fidelio L1 ist eher unterfordert. Er agiert souverän und verzerrungsfrei. Die in die Kabelfernbedienung eingebaute Lautstärkeregelung arbeitet exakt und nahezu ohne Verzögerungen. Drückt man den Knopf in der Mitte der Fernbedienung einmal, pausiert die Wiedergabe, drückt man dann erneut, wird die Wiedergabe an identischer Stelle fortgesetzt. Drückt man zweimal kurz, findet ein Titelsprung nach vorn statt. Drückt man den mittleren Knopf lang, fadet sich die Musik aus und die Sprachsteuerung des iPhones wird aktiv. Natürlich kann man auch telefonieren, wenn man den L1 auf dem Kopf hat. Ein eingehendes Gespräch wird sofort signalisiert, die Musik blendet sich aus und man hört den Klingelton. Das Gespräch wird dann durch Drücken auf die mittlere Taste der Fernbedienung angenommen. Sowohl der mit dem Philips Telefonierende als auch die Person am anderen Ende der Leitung sind mit der Gesprächsqualität sehr zufrieden. Stimmen sind sehr gut verständlich, klingen natürlich und rauscharm. 

Klang 

Hier haben wir den L1 zu Beginn mit der aktuellen Mayday 2012 Compilation "gefüttert" - und direkt  bei "Perfect Machine" der Members Of Mayday" überrascht uns der Philips-Kopfhörer: Ungemein dicht, fesselnd gibt er den sich langsam aufbauenden Anfang des Tracks wieder. Jeder Effekt, der hinzu kommt, wird vom Fidelio Headphone sorgfältig eingearbeitet, so dass der Zuhörende jedes Detail im Aufbau mitbekommt. Der Bass hat Tiefgang und ist angenehm natürlich und straff. Tempowechsel werden impulstreu umgesetzt. Auch bei "Seven" von Nicky Romero zieht er den Zuhörenden sofort in seinen Bann. Trotz des relativ hohen Gewichts sitzt der L1 sehr bequem, so kann man das Bass-Feuerwerk, das der Song bietet, bequem erleben. Hohe Pegel können auf Dauer für die Ohren schädlich sein - selbst dann, wenn sie so souverän übertragen werden wie vom L1. Verschiedene akustische Ebenen differenziert der Bügelkopfhörer gekonnt auseinander und schafft es gleichzeitig, ein homogenes Ganzes zu präsentieren. Bei "Lionheart" von Afrojack das identische Bild - toll modelliert der Philips die elektronischen Effekte heraus, baut sie mit Sorgfalt auf und entführt den Zuhörer in einen atmosphärisch sehr dichten virtuellen Raum. Der Aufbau erscheint wiederum sehr glaubwürdig und transparent. Der kräftige Bass kommt hervorragend zum Ausdruck und hat Kontur sowie Substanz. 

Auch mit Heavy Metal - "Wish I Had An Angel" von Nightwish - geht der Kopfhörer sehr gut um und stellt die E-Gitarre sauber und nachdrücklich dar. Die beiden Stimmen - weiblich und männlich - werden akkurat herausgearbeitet, sie sind jederzeit, auch bei höherem Pegel, von den Instrumenten klar zu differenzieren. Der Rhythmus des Stücks kommt durch die impulstreue Präsentation des L1 besonders gut heraus.  Der sensible Beginn von "The Howling" (Within Temptation" und der dann folgende Dynamiksprung bereiten dem Fidelio-Headphone keine Schwierigkeiten. Die gewollte Aggressivität in der weiblichen Stimme wird sehr gut heraus gestellt. Das Drückende, nach vorn Strebende bei den instrumentalen Elementen arbeitet der Philips-Kopfhörer ebenfalls prima heraus. Er fordert den Hörer, führt ihn tief in die musikalischen Zusammenhänge ein und begnügt sich nicht mit oberflächlicher Harmonie. 

Bei "You Win Again" von den Bee Gees brilliert der L1 einmal mehr mit seiner ungemein räumlichen, dichten Wiedergabe - es wird Zeit für einen Quer-Check. Der Sony Studio-Referenzmonitorkopfhörer MDR-Z1000 ist bei uns in der Redaktion dafür bekannt, wie ungemein fesselnd und intensiv er aufspielt, dabei aber gleichzeitig neutral bleibt. Der Philips viel günstiger und zudem für den mobilen Einsatz bestimmt. Der Sony gehört an die hochwertige HiFi-Anlage, und es ist kaum verwunderlich, dass der Sony noch etwas dynamischer und sensibler agiert. Die Unterschiede aber sind keinesfalls enorm. Der 100 EUR teurere AKG Q 701 aus der Quincy Jones Referenz-Reihe ist ebenfalls ein Heim-HiFi-Kopfhörer und spielt absolut neutral. Im Vergleich zum Philips etwas schlanker und nüchterner, aber sehr präzise. Der B&W In-Ear-Kopfhörer C5 ist ein exzellenter, sehr lebendig und räumlich aufspielender Ohrhörer für rund 180 EUR. Er ist toll verarbeitet und sieht modern sowie schick aus - wer In-Ear-Kopfhörer mag, liegt hier goldrichtig. Der beyerdynamic Tesla-Kopfhörer T 5 P ist nicht mehr und nicht weniger als die Spitze portablen Muskgenusses - mit 890 EUR aber auch exorbitant teuer. Wer zu Hause die edle High-End-Anlage stehen hat und auch unterwegs auf allerhöchstem Niveau hören möchte, kann hier investieren, auch in Anbetracht der sehr guten Verarbeitung wird der stolze Besitzer lange Freude am Tesla-Kopfhörer haben. 

Zurück zum Klang des Fidelio L1. "It Sounds LIke A Melody" heißt ein Alphaville-Hit aus den 80er Jahren. Das leicht Scharfe, Überspitzte in der Aufnahme macht der L1 beinahe vergessen, es kommt nur noch in harmlosen Ansätzen heraus. Gleichzeitig aber spielt der Kopfhörer nicht matt oder undetailliert, sondern "bügelt" so gekonnt die Schwächen der Aufnahme aus, dass man sich über einen spritzigen, fundierten und vielschichtigen Klang freuen kann. Die Stimme des Sängers wird mit Charisma heraus gearbeitet. Das Gleiche können wir beim One-Hit-Wonder "You Spin Me Round" von Dead Or Alive feststellen. Der Bass vereint Härte und Präzision, die Dynamik ist hervorragend. Man "geht" richtig mit, so dicht ist die Wiedergabe des L1. Die Detaillierung auch von Einzelheiten im Hintergrund gelingt ausgesprochen überzeugend. 

Bei "Wonderful Life" von Hurts modelliert er den Anfang des Songs mit viel Feingefühl heraus und beweist bei der Darstellung der Stimme aufs Neue, dass er sich darauf versteht, vokale Elemente gekonnt in den virtuellen Raum zu stellen, gleichzeitig eine hervorragende Balance zwischen vokalen und instrumentalen Elementen zu offerieren und eine dynamische, schwungvolle Wiedergabe in den Mittelpunkt der akustischen Bemühungen zu stellen. Mit dem Black-Hit "I Like" von Keri Hilson hat der Kopfhörer ebenfalls keinerlei Schwierigkeiten - im Gegenteil. Er legt sich richtig "ins Zeug", um die abgehackten, harten Bässe richtig heraus zu arbeiten. Gleichzeitig fokussiert der L1 gekonnt die Stimme und stellt hier auch charakteristische Details korrekt heraus. 

"Geboren, um zu Leben" - der schöne Titel von Unheilig beinhaltet neben der faszinierenden Stimme des Grafen auch tolle Piano-Parts, genau richtig für den Fidelio L1: Er vereint alle Elemente dieses Songs zu einem einheitlichen Ganzen, das unter die Haut geht: Die teils mächtigen Dynamiksprünge werden impulstreu übertragen - so kann mit jede Sekunde "mitfühlen". Auch wenn Schlagwerk, Stimme und Piano sowie Streicher parallel aktiv sind, schafft es der Philips-Kopfhörer, auch bei deutlich gehobenem Pegel Struktur in die Gesamtdarbietung zu bringen. Er erweist sich hier, wie auch bei den anderen Stücken, als angenehm bezüglich der Gesamtakustik, und als pegelfest.  

"Music Of The Night" in der Interpretation von Paul Potts klingt sehr emotional und mitreißend, wenn man diesen Titel über den Fidelio L1 genießen kann. Der Aufbau des Stücks ist sehr gut nachvollziehbar, kleine instrumentale Einzelheiten, selbst in den hinteren musikalischen Ebenen, kommen plastisch heraus. Im Zentrum von allem steht die Stimme Paul Potts - ohne dass deshalb andere, instrumentale Feinheiten vernachlässigt werden, was man sehr schön am ausgezeichnet ausbalancierten Klavier und den räumlich fein auflösenden Streichern hören kann. Auch "L'Attesa" von Andrea Bocelli kommt mit viel Klarheit und fein dosierter Dynamik sowie Räumlichkeit heraus. Erneut schafft es der L1, das Klavier mit viel Gefühl darzustellen. Der Bass ist nachdrücklich, stellt sich aber zu keiner Zeit in den Vordergrund. Als Andrea dann die Stimme mit Schwung erhebt, gefällt uns, wie dreidimensional, beinahe greifbar sie erklingt. 

Fazit

Der Philips Fidelio L1 beweist, dass man den Namen Philips beim Aufzählen sehr guter Kopfhörer-Hersteller keinesfalls vergessen darf. Besonders gefällt die atmosphärisch ungemein dichte Spielweise, die den Hörer beinahe bedingungslos fesselt. Es ist  - auch in Anbetracht des Kaufpreises - beinahe schon sensationell, wie tief der L1 den Zuhörer ins Geschehen integriert. Er trumpft mit seiner hervorragenden Natürlichkeit, seiner ungefilterten, direkten Spielweise auf und stellt eine direkte Bindung Hörer-Musik her, ein distanziertes Gefühl, dass man sich irgendwo außerhalb des Geschehens wähnt, gibt es mit dem ausgezeichnete verarbeiteten Fidelio-Kopfhörer nicht. Mit seiner räumlich präzisen, mitreißenden Klangcharakteristik eignet er sich bestens für alle Arten von Musik, von Klassik über Rock bis Electro. Für die gebotene Leistung ist der Fidelio L1 sogar als preiswert einzustufen. 

Bildschöner, edler Kopfhörer mit fesselnder, räumlich erstklassiger Akustik

Kopfhörer Oberklasse
Test 19.06.2012

 

+ Spielt enorm ausdrucksstark
+ Tolle Räumlichkeit
+ Straffer Bass mit tollem Tiefgang
+ Feine Auflösung bei Mitten und Höhen
+ Exzellente Verarbeitung
+ Tadelloser Tragekomfort trotz relativ hohem Gewicht, bedingt durch aufwändige Technik
+ Für die Leistung günstiger Kaufpreis

- Kann durch die sehr intensive Darstellung etwas fordernd sein

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 19.06.2012

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD 1998-2013