TEST: Klipsch Regallautsprecher Reference RB-61 II
17.01.2012 (sw/cr)

RB-61 MkII für 350 EUR/Stück - hier ohne Gitter

Mit Grill - die RB-61 II ist langzeitig mit 100 Watt RMS
belastbar und verkraftet als kurzzeitigen Peak 400 Watt
Einführung
Für einen Paarpreis von 700 EUR ist bei Klipsch die Regalbox
Reference RB-61 II in schwarzer oder kirschefarbener Ausführung erhältlich.
Die Bassreflex-Box ist mit einem 2,54 cm Titan-Hochtöner mit Hornvorsatz sowie
mit einem 16,5 cm Tieftöner ausgestattet. Die pro Stück 8 kg wiegende Konstruktion weist eine Nominalimpedanz von
8 Ohm auf und eine laut Herstellerangaben hervorragende Empfindlichkeit von 95 dB (2,83 V @ 1 Meter). Mit Abmessungen von
391 mm (Höhe) x 216 mm (Breite) x 312 mm (Tiefe, mit Grill) kann man die RB-61
II noch als relativ kompakt bezeichnen. Der Frequenzgang recht von 45 Hz bis 24
kHz (bei +/- 3 dB).
Verarbeitung

Typische Klipsch Reference-Optik - die Vorgängerserie sah
beinahe genauso aus

Gut sitzende Lautsprechergitter mit Kunststoffgerüst, auf
dieses ist faltenfrei Stoff aufgezogen

Boxenkorpus foliert, keine hochglänzenden Oberflächen -
daher auch keine erhöhte Staubempfindlichkeit, aber eine eher robuste und nicht
allzu schicke Optik

gar nicht mal schlecht - die Detailverarbeitung ist ordentlich

Bassreflexöffnung vorn

Einfache, aber praxisgerechte Bi-Wiring-Terminals

Ausgebauter Hochtöner

Ausgebauter Tieftöner

Cerametallic-Membran

Seitliche Perspektive

Frequenzweiche
Die RB-61 II ist im typischen Stil der Klipsch Reference-Serie
gehalten und sieht wie ein klassischer Regallautsprecher aus. Design-Spielereien
gibt es keine, die Form ist klar der Funktion untergeordnet. Der Boxenkorpus ist
foliert, die Schallwand ist sauber eingepasst und besteht aus Kunststoff. Die
Klipsch gibt sich kantig, Rundungen an den Gehäuseecken sucht man vergebens.
Die Detailverarbeitung bei unserem Testmuster ist aber gar nicht schlecht.
Opulenz bei der Materialwahl darf man nicht suchen - man findet sie nicht. Die
RB-61 II überzeugt eher durch ihr robustes und problemloses Wesen. Die beiden
Chassis sind auf hohe Belastbarkeit und hohen Wirkungsgrad konstruiert, an der
Frequenzweiche gibt es hinsichtlich des Aufbaus nichts auszusetzen. Rückwärtig
finden sich Bi-Wiriung-Terminals, die in keiner Hinsicht, weder positiv noch
negativ, Besonderheiten aufweisen. Die Lautsprecher-Gitter sind eine
stoffbezogene Kunststoff-Konstruktion, auch hier können wir weder eklatante
Schwächen noch besondere Stärken festhalten.
Testequipment
Klang
Beim Disco Cell Club
Remix des Techno-Klassikers "Das Boot" von U96 zeigt die Klipsch,
dass sie nach wie vor die Tugenden beherrscht, die Fans der Marke von den
Produkten erwarten: Kräftig und nachdrücklich schiebt der Lautsprecher die
verschiedenen akustischen Effekte durch den Hörraum. Dabei ist das Spektrum der
theoretisch einzusetzenden Verstärker groß - dies liegt im ausgezeichneten
Wirkungsgrad begründet. Auch, wenn man keinen "Wattriesen" sein eigen
nennt, kann es durchaus mit Nachdruck voran gehen. Derjenige aber, der einen
kräftigen Verstärker einsetzt, wird auch hochzufrieden sein, denn mit
Leichtigkeit erklimmt die RB-61 Pegelregionen, in denen andere Schallwandler
dieser Größe längst aufgegeben haben. Der Tiefgang ist gut, aber
erwartungsgemäß nicht sensationell. Hier bringt die Klipsch lieber, dies merkt
man auch bei "Russia Privjet" von Basshunter, Härte im
Kickbassbereich, impulstreu vorgetragen, ins Spiel. Überragend schlägt sich
der Regallautsprecher bei "Over the Hills and far away" von Nightwish:
Die E-Gitarre kommt fetzig und lebendig heraus, der Bass ist herausragend - erst
bei sehr hohem Pegel schlägt das Chassis an und das Gehäuse beginnt, zu
dröhnen. Dies sind aber Lautstärken, die andere Boxen dieser Kategorie erst
gar nicht erreichen. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist selbst bei
stark gehobener Lautstärke noch beinahe in vollem Umfang gegeben. Der Bass ist
hart und kräftig, der Hochtonbereich hält durchaus etwas Aggressivität bereit
- hier bei diesem Song aber nicht fehl am Platze. Beim 80er Jahre Kult-Hit
"Cold Days, Hot Nights" von Moti Special bleibt die Klipsch ihrer
Auslegung absolut treu und liefert eine weit überdurchschnittliche Grobdynamik.
Im Vergleich zu früheren Modellen werden aber auch kleinere dynamische
Unterschiede gut herausgearbeitet. Überhaupt ist die RB-61 II keinesfalls ein
lediglich oberflächlich agierender Lautsprecher. Sie offeriert ein ordentliches
Detaillierungsvermögen, und auch der Mitteltonbereich zeigt im Gegensatz zu
früheren Klipsch-Modellen mehr Kontur, Substanz und Prägnanz. Leicht ist die
altbekannte "Badewanne" zwar noch vorhanden, aber in hörbar
geringerem Umfang. Auch "Left to my own Devices" erklingt fundiert,
lebendig und mit prima erkennbarer Struktur. Der Bass im Grundbeat gelingt der
RB-61 II hervorragend: Punktgenau, hart, kräftig. Das schafft mancher teurere
Standlautsprecher nicht. Die Stimme präsentiert sich gut eingearbeitet, wirkt
aber minimal unterbetont, weil der Bassbereich enorm Gas gibt. Das dürfte
streng analytische Hörer oder zurückhaltende Naturen etwas stören. Die RB-61
II möchte schon unter Beweis stellen, was sie kann, und geht bei diesem
Vorhaben wenig zimperlich mit empfindsamen Naturen um. Mit sensibleren Stücken
wie "L'Attesa" von Andrea Bocelli aber kommt der Regallautsprecher
deutlich besser klar als erwartet. Die Stimme Andreas wird sauber von den
instrumentalen Anteilen getrennt, und auch leisere Passagen stellt die RB-61 II
mit korrekter Ausformung dar. Sie spielt weniger gelangweilt bei solchem
Material, als dies bei früheren Baureihen der Fall war. Natürlich kann sie
auch bei "L'Attesa" ihre Auslegung als Dynamikerin nicht verleugnen -
aber das ist auch nicht nötig, denn die schwungvolle Wiedergabe kann sich auch
bei diesem Stück sehen lassen.
Konkurrenzvergleich
-
JBL Regallautsprecher Studio
530: Beide Lautsprecher bedienen ähnliche Kundenkreise und sind auch
preislich direkte Konkurrenten. Unterschiede finden sich im Detail. Der Bass
der Klipsch ist noch eine Idee härter, dafür sind räumliche Ausbreitung
im Hochton- und Bassbereich bei der JBL etwas besser, ebenso der Tiefgang
der Studio 530. Die Klipsch kontert mit spürbar besserem Wirkungsgrad.
Grobdynamisch nehmen sich die beiden Lautsprecher wenig, die Klipsch tritt
noch eine Idee spontaner und aggressiver an. Der Mitteltonbereich beider
Lautsprecher zeigt zwar noch im Ansatz die für US-amerikanische
Schallwandler typische "Badewanne" auf - aber nicht mehr in dem
Maße wie früher. Auch wenn aus feindynamischer Sicht andere Boxen in
diesen Preis- und Leistungsregionen die Benchmark setzen - schlecht ist die
Leistung sowohl von Klipsch als auch von JBL beileibe nicht. Optisch beweist
die Studio 530 mit der extravaganten Optik den Mut zum eigenen Stil, die
Klipsch sieht klassisch und konventionell aus.
-
Nubert nuVero 4:
Optisch und klanglich gänzlich anders als die beiden US-Boxen, spielt die nuVero 4 die Rolle des
kultivierten Universalisten überzeugend. Die Verarbeitung wirkt
hochwertiger, die Optik ist unauffälliger. Was Grobdynamik und
Pegelfestigkeit angeht, ziehen RB-61 II und Studio 530 allerdings davon -
die beiden US-Lautsprecher schieben gnadenlos an und erreichen spielerisch
enorme Lautstärken - und man muss sagen, dass schon die nuVero 4 sehr
pegelfest für einen Regallautsprecher ist . Die schwäbische Konstruktion
spielt detailreicher, feiner
und geschliffener auf und ist innen wie außen besser verarbeitet.
-
Magnat Quantum 803:
Auch dieser Lautsprecher spricht einen völlig anderen Kundenkreis an. Schon
die sehr edle Optik macht darauf aufmerksam, dass der reife, an das
klassische HiFi-Ideal gewohnte Hörer hier eher im Fokus steht.
Feindynamisch sehr schön aufspielend, eignet sich die wunderschöne Box
eher für Klassik oder Jazz. Dazu passt auch der transparente
Hochtonbereich.
-
Teufel Ultima 20: Wie
schlägt sich ein echtes Sonderangebot im Vergleich zur US-Konkurrenz von
Klipsch ? Die Antwort - prima. Homogen und klar klingend, stellt die Ultima 20 nach wie
vor ein ebenso günstiges wie überzeugendes Angebot dar. Bei Pegelfestigkeit,
Dynamik, Bassdruck und Frische im Hochtonbereich macht die RB-61 II aber den Preisklassenunterschied deutlich.
Fazit

Die Reference RB-61 II ist optisch und akustisch "typisch
Klipsch" geblieben - was wir durchaus begrüßen, denn kompakte
Regallautsprecher mit massenkompatibler Allerweltsabstimmung gibt es viele. Wer
viel Nachdruck und viel Dynamik schätzt, liegt hier richtig - zusammen mit JBL
ist Klipsch einer der wenigen Anbieter, der noch richtig forsch agierende
Lautsprecher offeriert, die auch Pegel mitgehen, bei denen ein Großteil der
Konkurrenten schon längst die "weiße Fahne" hissen. Die Verarbeitung
ist, auch wie gewohnt, robust und langlebig, die Optik konventionell. Bei
Parametern wie Mitteltonwiedergabe und Feindynamik konnte die RB-61 II im
Vergleich zur Vorgängergeneration merklich zulegen.
Die Klipsch Reference RB-61 II liefert das, was der
Klipsch-Fan erwartet: Tolle Grobdynamik, nachdrücklichen Bass - aber das Ganze
wird mit guter Feindynamik und sehr guter Räumlichkeit kombiniert

Regallautsprecher Mittelklasse
Test 17. Januar 2012
+ Impulstreuer Bass
+ Enorm pegelfest
+ Exzellente Grobdynamik
+ Sehr guter Wirkungsgrad
+ Ordentliches Finish innen
- Recht langweiliges Design
Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 17.01.2012
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