TEST: Klipsch Gallery G-17 Air - Drahtloses AirPlay-Soundsystem mit problemlosem Setup

28.03.2012 (phk/sw)

Einführung

Das Klipsch Gallery G-17 Air ist ein drahtloses Sound-System mit Apple AirPlay-Technologie. Via WLAN eingebunden können Musiktitel vom iPhone/iPod und iPad mit iOS 4.2+ zum Gerät gestreamed und mit dem G-17 wiedergegeben werden. Mit dem integrierten USB-Anschluss sind weitere Digitalverbindungen und das Aufladen der meisten gängigen Apple-Geräte möglich. Am 3,5mm Analogeingang können weitere Player angeschlossen werden, ein Dock für iPod/iPhone/iPad gibt es aber nicht. Das Klipsch G-17 steckt in einem im Spritzgussverfahren gefertigten Gehäuse und kommt in hochglänzendem Klavierlack schwarz sehr elegant daher. Durch die eher klassische optische Aufmachung passt es in jedes Wohnambiente, wirkt aber besonders gut in moderner Umgebung. Das G-17 ist von einem Team aus Designern und Akustikingenieuren mit der Maxime entwickelt worden, sich mit eleganter optischer Erscheinung und gleichzeitig hoher akustischer Performance von anderen Kompaktsystemen abzuheben. Der Preis liegt bei 549,90 EUR UVP.

Verarbeitung, Anschlüsse und Technik

Klipsch Gallery G17 Air mit Lautsprechergitter

Bedienelemente seitlich

Bassreflexöffnung

IR-Empfänger vorne

Tractrix-Hornhochtöner

Tiefmitteltöner

Rückseite

Standfuß Rückseite

Anschlüsse

Frontansicht

Fernbedienung

Das Klipsch Galler G-17 kommt in schlicht elegantem hochglanzschwarzen Klavierlackdesign daher. Die Oberfläche wurde in zwölf einzelnen Schritten veredelt und wirkt tatsächlich sehr hochwertig und tief sitzend. Die Schallwand ist beidseitig nach außen gewölbt. Das Gehäuse wurde im Spritzgussverfahren gefertigt, an der linken und rechten Ecke der Nut tritt ein kleiner Spalt auf. Sowohl Hoch- wie Tieftöner sind sehr sauber in der Schallwand eingepasst. Die stationären Bedienelemente rechts sind beleuchtet und weisen einen ordentlichen Druckpunkt auf. Die rückseitigen Eingänge sitzen ebenfalls fest. Der Standfuß ist aus gedunkeltem, gehärtetem Glas, der für ausgezeichnete Standfestigkeit sorgt. Montiert man das Gerät vom Fuß ab, kann es dank der integrierten Wandhalter auch einfach an der Wand aufgehängt werden. Links sitzt die Bassreflexöffnung, so dass die Aufhängung an der Wand oder eine wandnahe Aufstellung unproblematisch ist. Wem das G-17 offen nicht gefällt, kann das mitgelieferte rahmenlose und akustisch neutrale Lautsprechergitter "überwerfen". Um die Schallwand befestigungsfrei zu halten, wird das Gitter magnetisch angebracht.

Die beiden Treiber werden von separaten digitalen Verstärkern gespeist. 2 x 10 Watt für die hohen, 2 x 20 Watt für die niedrigen Frequenzen. Die Treiber selbst umfassen zwei Stereo Tractrix Hornhochtöner, die mit ultraleichten Aluminiummembranen bestückt sind. Die 6,35 cm Tieftöner bestehen aus leichten, aber sehr straffen Membranen die für geregelte maximale Auslenkung ausgelegt sind. Auf der Rückseite befinden sich noch ein USB-Port für den direkten Anschluss von Apple-Geräten, die auch geladen werden. Am 3,5mm Analogeingang können jegliche weitere Audiowiedergabegeräte angeschlossen werden. Die Fernbedienung ist im Scheckkarten-Format ausgeführt und eher von einfacher Natur. Die ebenfalls in Hochglanzschwarz ausgeführte Oberfläche ist schnell von Fingerabdrücken gezeichnet, der Tastendruckpunkt ist eher mäßig.

Klang und Funktionalität

Bevor man mit dem Klipsch G-17 Air Musik genießen kann, ist ein kurzes Setup notwendig. Dies kann entweder am PC, oder mit der "Klipsch Air" App mit dem iPhone erledigt werden. Die App führt den Anwender Schritt für Schritt durch den Installationsprozess und gibt sehr genaue Anweisungen, so dass bei der Installation kaum etwas schief gehen kann. Einziger Nachteil: Die App ist lediglich in englischer Sprache verfügbar.

Start des Airplay Setups mit der iOS-App

Sehr genaue Instruktionen

führen problemlos zum Ziel

Abschuss und Voraussetzungen für die korrekte Funktion

Sogar das Vorgehen nach dem WiFi Setup wird erklärt

Wer das Setup mit dem PC durchführen möchte, findet im Lieferumfang das Faltblatt "G-17 Air Quick Wireless Network Setup Guide". Auch diese Anleitung liegt ausschließlich in englischer Sprache vor. Die einzelnen Schritte zur Installation lauten wie folgt:

Zunächst trennt man den PC vom Internet und schließt die Stromzufuhr am G-17 an. Rechts unten am G-17 ist der "Wireless Button"  integriert, der zunächst Rot anzeigt und dann sehr schnell Blau blinkt. Sobald das Gerät nur noch etwa 1x in der Sekunde blinkt, drückt und hält man den Wireless Button, bis die LED lila leuchtet und lässt los. Für etwa dreißig Sekunden blinkt der Button nun wieder sehr schnell lila, danach wieder nur etwa 1x in der Sekunde. Ist dies der Fall, sucht man am PC nach Drahtlos-Verbindungen. Hier sollte "Klipsch G17 Air Setup" als Verbindung auftauchen. Beim Verbinden hört die LED zu blinken auf und leuchtet kontinuierlich. Nun öffnet man den Browser und gibt in der Adresszeile "http://192.168.1.12" ein, die IP-Adresse des Klipsch G-17 im eigenen Netzwerk. Nun kann man zur Identifikation des Gerätes einen Namen vergeben, der eigentlich wichtige Schritt ist aber das Netzwerk-Setup. Unter Airplay Wireless LAN Settings wählt man sein eigenes Netzwerk aus, setzt in einem zweiten Feld das Passwort und bestätigt mit OK. Nun blinkt die Wireless LED einmal blau, wird für zwei Sekunden rot und das Gerät startet sich neu. Die LED blinkt dann noch einmal flink blau und leuchtet dann - bei erfolgreicher Verbindung mit dem eigenen Netzwerk - kontinuierlich blau. Nun kann man den PC ebenfalls wieder mit dem Heimnetzwerk verbinden, das Setup ist abgeschlossen.

Nach Abschluss der Installation erkannte unser iTunes am PC und am iPhone sofort das Klipsch G-17 und es konnte als externer Lautsprecher angewählt werden. Nach einer kurzen Verbindungsdauer gibt das Gerät kompromisslos das Musikstück wieder. Wir starten mit elektronischer Musik durch, bei der sich das Klipsch bereits nach den ersten Klängen sehr wohl zu fühlen scheint. Recht schnell und direkt beginnt "Deep Down" von Josh Gabriel. Überraschend gut gefällt uns auch die Stimmwiedergabe, die Mitten wirken zwar insgesamt ein wenig zurückgenommen, die feminine Vokalstimme kommt aber recht charakteristisch und klar rüber. Im Tieftonbereich sind wir vom Volumen des kompakten Gerätes positiv beeindruckt. Die Präzision steht nicht unbedingt im Vordergrund, recht dick aufgetragen und rund kommt der Kickbass, dafür aber satt und kräftig. Als nach etwa 4 Minuten dynamische, atmosphärische Synthi-Klänge hinzukommen zeigt das G-17 flottes Ansprechverhalten, hier sind die zurückgenommenen Mitten aber dann doch zu spüren. Im Gegenzug zeigt das G-17 im Hochtonbereich Stärke. Klare, prägnante Höhen sind aus den Tractrix-Hornlautsprechern zu vernehmen. Klar, hier läuft nicht das brillianteste, detailreichste Schauspiel, aber doch klare und trotz der Hörner nicht zu spitze Höhen, die auch bei hohem Pegel gefallen. Beim Cosmic Gate Remix von John O'Callaghans "Find yourself" setzt sich die kräftige, runde Basswiedergabe fort. Man kann dem G-17 schon ordentliche Pegel zumuten, zu laut sollte man aber auch nicht aufdrehen. Die Tieftöner schlagen bei den starken Kickbässen dann schnell durch und es kommt zu Verzerrungen. Die Stimmwiedergabe können wir wieder als recht ordentlich vermerken, wenn diverse Charakteristika nicht herausgehört werden können. Durch die tolle Dynamik wirkt das Stück aber wieder sehr mitreißend. Ebenso bei Gaias (Armin v. Buuren) Tuvan, das Klipsch erfüllt mit außergewöhnlicher Räumlichkeit und sehr solidem Pegel die Redaktionsräume. Zwar werden auch hier in den Mitten wieder ein paar Schwächen deutlich, sie sind einfach zu stark in den Hintergrund gerückt und werden vom starken Hoch- und Tieftonbereich einfach übertönt, trotzdem bleibt der Gesamteindruck überaus positiv. 

Wir bleiben bei Musik der schnelleren Gangart, begeben uns aber mit Blind Guardian eher ins Gebiet der Metaller. Auch hier bietet das G-17 ein dynamisches und schwungvolles Ergebnis. Bei "Time stands still at the Iron Hill" wird sich der ein oder andere im Tieftonbereich mit den vielen Double-Bass Einlagen etwas mehr Struktur wünschen. Der Stimme von Hansi Kürsch fehlt es bei diesem wie auch beim folgenden Nightfall etwas an Volumen, die Charakteristik des Sängers aus Meerbusch lässt sich aber klar ausmachen. Die E-Gitarre gerät manchmal etwas in den Hintergrund, insgesamt bietet das Klipsch Soundsystem wieder eine sehr räumliche und lebendige Performance. Nach diesen Tiraden lassen wir es etwas langsamer angehen und liefern dem Klipsch G-17 Joe Cockers "N'oubliez jamais". Hier überrascht uns das G-17 mit voller Breitseite und liefert ein, für ein derart kompaktes System, überdurchschnittlich gutes akustisches Ergebnis ab. Unsere erste Vermutung, dass es sich bei den langsamen Rock-Klängen etwas schwerer tut, wird völlig zerschlagen. Klar ist immernoch eine leichte Unterrepräsentation der Mitten zu spüren, die Stimme des Alt-Rockers wird aber erstaunlich sauber erfasst. Auch die Piano-Klänge in "Have a little Faith in me" kommen gut heraus. Unser größter Kritikpunkt hier ist, dass der Tieftonbereich zu dick aufträgt, das ist aber insgesamt betrachtet leicht zu verschmerzen. Wir schließen den Klang-Check mit Bad Religion und Green Day ab. Bei "The Gray Race" agiert das G-17 wieder sehr flott, trotz der dichten Kulisse bleiben einzelne Instrumente differenzierbar. Untenrum klingt es wieder recht voluminös und teilweise etwas dick, dies stört uns hier aber kaum. Die vorher festgestellten Tugenden - mitreißend und lebendig - kommen wieder voll zur Geltung und laden zum Mitgehen ein. Selbst das musikalisch etwas anspruchsvollere "Boulevard of Broken Dreams" bringt das Klipsch sehr gut rüber, auch hier ist es aber untenrum etwas zu dick. Ein kleiner Equalizer zum individuellen Fein-Tuning würde uns hier nicht mißfallen. Der Stimme hingegen fehlt es, wie bei den meisten vorherigen Tracks, etwas an Volumen und Fülle.

Das Klipsch versucht gar nicht erst, als klassisch audiophiles Produkt rüberzukommen und lässt feine Details außen vor, dafür begeistert es mit guter Grobdynamik und lebendiger Musikalität. Tief- und Hochtonbereich überzeugen, die Mitten sind gut, gelingen aber nicht in identischem Maße. Mit anderen Worten: Es ist eindeutig ein Klipsch-Produkt - und das ist keinesfalls etwas schlechtes. Andere versuchen auf Gedeih und Verderb etwas Feindynamik aus günstigen Chassis zu pressen und gehen dabei auf Kosten der Lebendigkeit und Spielfreude, Klipsch setzt auf ein musikfreudiges und grobdynamisches Erleben und wird damit einen Großteil der Hörer begeistern.

Fazit

Bis ein WLAN-fähiges AirPlay-Gerät einmal mit dem eigenen Heimnetzwerk verbunden und korrekt konfiguriert wurde kann man schon einmal etwas Zeit - und vielleicht sogar Nerven - verlieren. Nicht so beim Klipsch Gallery G17 Air. Einschalten - App starten und Instruktionen befolgen - fertig. Die Installation und erste Inbetriebnahme funktioniert tatsächlich so einfach. Wer das Gerät lieber mit dem PC einrichten möchte wird ebensowenig vor Probleme gestellt. In gerade einmal sechs Schritten ist das Gerät betriebsbereit. Einziger Wermutstropfen, die Installationsanleitungen liegen ausschließlich in englischer Sprache vor. Die einfache Konfiguration ist beim G17 Voraussetzung, ein Dock für iPod/iPhone/iPad gibt es nämlich nicht. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, die hochglanzschwarze Oberfläche sitzt tief und wirkt hochwertig. Auch Chassis, Bedienelemente und Anschlüsse sind solide eingepasst. Akustisch überzeugt das Gerät besonders im Tiefton- und Hochtonbereich und wird so den bewährten Klipsch-Tugenden absolut gerecht. Feindynamik, Raffinesse und Details sind bei Kompaktanlagen ohnehin eher eine Seltenheit und so versucht das Klipsch G17 Air gar nicht zu sein, was es nicht ist. Dafür wird der geneigte Käufer mit einer lebendigen, grobdynamischen und musikalischen Klangkulisse belohnt, die bei vielen Genres überzeugen kann und Freude an der Musik vermittelt. Die überzeugenden Argumente lässt sich das Klipsch Gallery G17 aber auch bezahlen, 549,90 EUR werden für das AirPlay-fähige Soundsystem fällig.

Frust beim AirPlay-Setup gibt es mit dem Klipsch G17 Air nicht, dafür Freude an der Musik und schicke Optik

iPad/iPod/iPhone-Soundstation Oberklasse
Test 28. März 2012

+ sehr schicke Optik
+ Schritt-für-Schritt Instruktionen beim Setup
+ Verarbeitungsqualität
+ Dynamische, lebendige Akustik

- App + BDA nur in englischer Sprache

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 28.03.2012

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