TEST: JBL Regallautsprecher Studio 530- Extravaganz in Design und Klang?
13.01.2012 (sw/cr)

Design mit einer geschickten Mischung aus professioneller
Optik und consumertauglicher Eleganz - die JBL Studio 530, in schwarzer
oder kirschefarbener Version für 749 EUR/Paar lieferbar

Bi-Wiring-Lautsprecheranschlussterminals, vergoldet

25 mm Hochtöner mit Hornvorsatz

230 mm Tieftöner mit PolyPlas-Konus
Einführung
Für einen Paarpreis von 749 EUR hat JBL die Regalbox Studio 530
in schwarzer oder kirschefarbener Ausführung im Angebot, die mit einem 25 mm
Hochtöner mit Hornvorsatz und einem 130 mm Tieftöner ausgestattet ist. Die 7,7
kg wiegende Konstruktion weist eine Nominalimpedanz von 6 Ohm auf und eine
Empfindlichkeit von 86 dB (2,83 V @ 1 Meter). Als maximale Verstärkerleistung
pro Lautsprecher gibt JBL 125 Watt an. Mit Abmessungen von 467 mm (Höhe) x 214
mm (Breite) x 222 mm (Tiefe) kann man den Lautsprecher noch problemlos
aufstellen, gleichzeitig aber stellt er eine vollwertige klangliche Lösung dar
und ist aufgrund extrem geringem Gehäusevolumens nicht zwingend auf den
zusätzlichen Support eines aktiven Subwoofers angewiesen.
Verarbeitung

Detailverarbeitung nicht ganz perfekt, zu sehen auch die
Aufnahmevertiefungen für das LS-Gitter und ein Teil des solide verschraubten
Chassis

Bassreflexrohr

Oberflächenfinish - in traditioneller Optik

Etwas scharfkantig

Gut verarbeitete Anschlussterminals

Übersichtlich aufgebaute Frequenzweiche - der innere Aufbau
gefällt

Im Detail

Ausgebauter Tieftöner von unten - der Magnet ist üppig
dimensioniert

Tieftöner aus seitlicher Sicht. Der Lautsprecherkorb ist
gegossen

Tieftöner mit 130 mm Durchmesser
Die Studio 530 sieht interessant aus und stellt eine Mischung
aus professioneller Optik und überraschend hoch angesiedelter optischer
Wohnzimmertauglichkeit dar. Die Verarbeitung zeugt vom typischen JBL-Stil: Der
Schallwandler ist durchaus robust, bietet aber im Detail Verbesserungspotential.
So sind die Ecken etwas spitz und unten nicht perfekt gearbeitet. Die Folierung
ist insgesamt relativ gut gelungen, die Art der Folie zeigt eine klassische
Struktur, "trendiger Schnickschnack" wie eine hochglänzende
Oberfläche findet man hier nicht. Dafür ist die Studio 530 auch nicht so
staub- und kratzempfindlich. An den Bi-Amping-Terminals gibt es wenig
auszusetzen, und der innere Aufbau ist übersichtlich und zeigt keine
qualitativen Schwächen.
Klang
Akustisch machen die JBL Studio 530 deutlich, dass nicht nur die
Optik Anleihen im Profi-Bereich nimmt - auch die Pegelfestigkeit passt gut
dorthin: Bei "Russia Privjet" von Basshunter oder dem Disco Cell Club
Remix des Techno-Klassikers "Das Boot" von U96 wird eine
Bassstärke an den Tag gelegt, die in bester JBL-Tradition Dynamik mit Nachdruck
verbindet. Der Tiefgang erreicht für eine so kompakte Box ausgezeichnete Werte,
und im Kickbassbereich legen die beiden Studio 530 ein ausgezeichnetes Tempo und
eine präzise Härte an den Tag. Die leichte Anwinklung auf den Hörer hilft bei
einer kompletten Wahrnehmung - der Hochtonbereich ist sehr dynamisch und
lebendig ausgelegt, manchem, eher sensiblen Anwender dürfte die nachdrückliche
Ausbreitung aber etwas zu viel sein. Für zurückhaltende Naturen ist die JBL
ohnehin weniger geeignet - sie zeigt gern, was sie kann und giert nach hohem
Pegel. Dann geht es auch bei "Remember me" von A.I.D.A ausgezeichnet
voran, der Effektaufbau wird im stimmig dimensionierten virtuellen Raum sauber
erledigt. Wie man an der Musikauswahl bereits merken kann, ist die Studio 530
ein Lautsprecher, der gefordert werden möchte - daher eignet sich auch
"Master Passion Greed" von Nightwish sehr gut, um die exzellenten
grobdynamischen Fähigkeiten herauszustellen. Der rasante Rhythmus stellt die
JBL-Konstruktion vor keinerlei Probleme, im Gegenteil: Impulstreu, zackig,
nachdrücklich kommt er optimal zum Ausdruck. Auch die E-Gitarre erscheint
fetzig und mit dem richtigen aggressiven Touch. Die Gesangsstimme kann sogar bei
enormer Lautstärke noch akkurat vom Rest differenziert werden. Ganz
hervorragend klingt der 80er Jahre Hit "Take my Breath away" von
Berlin, bekannt geworden durch den Film "Top Gun" - wir hätten der
JBL-Box gar keine so sensible Wiedergabe zugetraut. Sicher - es gibt
Konkurrenten, die agieren mit mehr Gefühl, aber durch die tolle Dynamik und den
erstklassigen Bassbereich verleiht die Wiedergabe durch die Studio 530 dem Song
einen rauen Charme, der auch fesseln kann. Der Tiefgang ist erneut überragend,
auch ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer steht genug Bassdruck zur Verfügung,
auch das Volumen wirft kaum den Wunsch nach Mehr auf. "L'attesa" von
Andrea Bocelli wird sehr intensiv wiedergegeben, mit hervorragender
Räumlichkeit und tollem Volumen. Mancher Musikliebhaber aber würde sich im
Bassbereich etwas mehr Zurückhaltung und im Mitteltonbereich noch etwas mehr
detaillierte Ausprägung wünschen. Wer Musik hören als Erlebnis auffasst und
nicht aufs letzte Detail hören möchte, findet in der Studio 530 aber durchaus
einen sehr guten Partner, der eben auch bei dieser Art von Musik zeigt, dass er
ein echter Selbstdarsteller ist. Fest steht, dass der Reiz bei gehobener
Lautstärke nochmals deutlich steigt. Eines möchten wir im Übrigen nicht
verheimlichen: Trotz Hornvorsatz vor dem Hochtöner, was dem Wirkungsgrad
zuträglich ist, braucht die Studio 530 Leistung und entfaltet ihre volle
Wirkung keinesfalls an einem Einsteiger-Verstärker. Insgesamt können wir
der Studio 530 ein überragendes Zeugnis ausstellen - sie macht einfach Spaß
und bringt durch die dynamische, kraftvolle Art jeden Tag Hörfreude. Der
klassische HiFi-Hörer wird zwar etwas Struktur und Prägnanz im
Mitteltonbereich vermissen und wünscht sich etwas mehr Zurückhaltung, wer aber
mit "Hören" auch gleich die beiden Worte "spontane Freude"
verbindet, liegt hier genau richtig.
Konkurrenzvergleich
-
Nubert nuVero 4:
Optisch und klanglich gänzlich anders, spielt die nuVero 4 die Rolle des
kultivierten Universalisten überzeugend. Die Verarbeitung wirkt
hochwertiger, die Optik ist unauffälliger. Was Grobdynamik und
Pegelfestigkeit angeht, zieht die Studio 530 allerdings davon - was diese
Regalbox hier stemmt, ist schlichtweg beängstigend. Detailreicher, feiner
und geschliffener aber spielt die nuVero 4 auf.
-
Magnat Quantum 803:
Auch dieser Lautsprecher spricht einen völlig anderen Kundenkreis an. Schon
die sehr edle Optik macht darauf aufmerksam, dass der reife, an das
klassische HiFi-Ideal gewohnte Hörer hier eher im Fokus steht.
Feindynamisch sehr schön aufspielend, eignet sich die wunderschöne Box
eher für Klassik oder Jazz. Dazu passt auch der transparente
Hochtonbereich.
-
Klipsch Reference RB-81:
Noch aus der alten Reference-Serie stammend, wendet sich die RB-81 an einen
ganz ähnlichen Kundenkreis. Auch hier wird ein Hochtöner mit Hornvorsatz
verbaut. Der Wirkungsgrad der RB-81 ist aber besser als der der Studio 530.
Dafür agiert die JBL im Hochtonbereich noch eine Idee spontaner und stellt
im Bassbereich etwas mehr Präzision zur Verfügung. Pegelfest sind beide
Konstruktionen ohne Einschränkungen.
-
Teufel Ultima 20: Wie
schlägt sich ein echtes Sonderangebot im Vergleich zur JBL? Die Antwort -
gar nicht schlecht. Homogen und klar klingend, stellt die Ultima 20 nach wie
vor ein ebenso günstiges wie überzeugendes Angebot dar. Bei Pegel,
Raumwirkung, Bassdruck und Strahlkraft im Hochtonbereich macht die Studio
530 aber den Preisklassenunterschied deutlich.
Fazit

Die JBL Studio 530 stellt eine echte Bereicherung des
Regallautsprecher-Marktes dar - endlich hat JBL in Deutschland wieder eine
leistungsfähige Lautsprecherserie auf dem Markt, die optisch geschickt eine
Brücke aus Profi- und Consumer-Design schlägt und bei Grobdynamik und
Pegelfestigkeit Klassenmaßstäbe setzt. Die robuste Verarbeitung zeigt, typisch
für U.S.-Schallwandler, im Detail leichte Schwächen, die allerdings die
wenigsten der potentiellen Käufer ernsthaft stören dürften. Räumlichkeit,
Bassdruck und Volumen sind überragend, die Studio 530 braucht aber auch
Verstärkerleistung, um sich voll entfalten zu können.
Enorm pegelfeste und dynamische Regalbox mit einem Design,
das an professionelle JBL-Produkte erinnert

Regallautsprecher Mittelklasse
Test 13. Januar 2012
+ Extrem dynamisch
+ Überragende Pegelfestigkeit
+ Nachdrücklich und kraftvoll aufspielend
+ Für die Gehäusegröße toller Tiefgang
+ Interessantes Design
+ Sehr gute Verarbeitung innen
- Benötigt kraftvollen Verstärker
Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 13.01.2012
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