TEST: Jamo Aktivsubwoofer SUB 660 - Mittelklasse-Kracher für 650 EUR?

12.03.2012 (sw/cr)

Klassische Würfelform: Jamo SUB 660 für 650 EUR. Der aktive Subwoofer arbeitet nach dem Frontfire-Prinzip und strahlt demnach nach vorn ab

Mit Gitter, rechts erkennbar oben der Pegelregler

Einführung

Für 650 EUR ist der würfelförmige (419 x 400 x 418 mm) Jamo Aktiv-Bassreflexsubwoofer SUB 660 erhältlich. Der nach vorn abstrahlende Bassist verfügt über ein 305 mm messendes Chassis, das von einer 660 Watt starken Endstufe befeuert wird. Der 22,2 kg wiegende Subwoofer verfügt über Regler für Übernahmefrequenz, Lautstärke und Phase. Die Übernahmefrequenz ist von 40 bis 200 Hz einstellbar. Es finden sich gleich zwei Line-In- sowie Line-Out-Cinch-Anschlüsse auf der Rückseite. Lieferbar ist der kraftvolle Bass-Experte in den Farbversionen Black Ash, Dark Apple und Wenge. 

Verarbeitung

Anschlussterminal - mit drei soliden Drehreglern für Übernahmefrequenz, Phase und Boundary Gain Compension sowie Cinch-Terminals, Kaltgeräte-Netzkabelanschluss und Netzschalter. Der Pegelregler befindet sich auf der Front

Ansicht von schräg hinten

Sauberes Finish und gute Materialqualität

Aufnahme fürs Schutzgitter

30,5 cm Basstreiber

Oberflächenstruktur

Gehäuseunterseite im Detail

Aufbau der Endstufe

Fest verschraubte Platine

Im Detail

Etwas zu viel Kontaktmasse

Detailaufnahme

Innenleben

Der aktive Subwoofer arbeitet nach dem geschlossenen Prinzip und ist akkurat verarbeitet, als Beispiele dafür können das fest verschraubte und solide rückseitige Anschlussterminal, die gerundeten Gehäuseecken oder das einwandfreie Oberflächen-Finish aufgeführt werden. Das Bass-Chassis auf der Vorderseite sitzt ebenfalls fest. Das Innenleben weiß auch zu überzeugen - nur leider finden sich etwas große Mengen an Kontaktflüssigkeit. Die Basisplatine ist fest verschraubt, die Verkabelung ist übersichtlich. Die Endstufe mobilisiert 660 Watt Spitzenleistung, das reicht auch für die Beschallung größerer Lokalitäten.  Der Frequenzgang reicht von 24 bis 200 Hz, von 40 bis 200 Hz ist die Übernahmefrequenz einstellbar. Das Chassis garantiert durch effektive Kühlung der Schwingspule hohe Dauerleistungsfähigkeit, auch die Endstufe arbeitet dank des digitalen Funktionsprinzips sehr effektiv - Verlustwärme tritt beinahe keine auf. Für bestmögliche Reinheit bei der Basswiedergabe ist der SUB 660 mit einer Boundary Gain Compension ausgestattet - so wird die aktuelle Aufstellung im Raum berücksichtigt, um an diesem Ort eine gelungene Basswiedergabe zu garantieren. 

Testequipment
Klang

Bei der Tiesto-BD "Copenhagen - Elements Of Life" (DTS-HS Master Audio 5.1) setzt sich der Jamo SUB 660 mit einer für diese Preisklasse grandiosen Vorstellung in Szene. Er liefert auch bei sehr hohen Lautstärken einen enorm präzisen, harten und tiefen Bass, der auch subtilere Strukturen tadellos erfasst: Bei "Back In Your Head" wird vom SUB 660 nicht nur der harte Kickbass mit enormer, exakter Wucht  in den Hörraum getragen, sondern auch der darunter liegende tiefere, drückende Bass kommt ausgezeichnet heraus. Ist der Subwoofer richtig eingepegelt, fügt er sich ohne Probleme zwischen zwei Standlautsprecher vorn ein. Er offeriert eine so gute Leistung, dass sich selbst anspruchsvolle Anwender fragen dürften: Wieso sollte man noch mehr Geld in einen aktiven Subwoofer investieren?. Auch bei "In The Dark" (Tiesto featuring Christian Burns) und bei "Sweet Things (Tiesto featuring Charlotte Martin) erspielt sich der SUB 660 unsere unsere Gunst. Vor allem die authentische, nie künstlich wirkende, sehr präzise und ausdrucksstarke Wiedergabe des Basses ist hervorragend, Anschlagen oder gar dauerhaftes Durchschlagen kennt der SUB 660 nicht. Die eingebaute Hochleistungsendstufe liefert so viel Leistung, dass die meisten Anwender schon im Single-Woofer-Betrieb ohne zweiten SUB 660 die Fähigkeiten kaum im Praxisbetrieb ausreizen dürften. Der aktive Subwoofer ist immer ruhig, auch was das sehr solide verarbeitete Gehäuse angeht: Bei "Love Comes Again" bietet der aktive Bassist eine sehr klare und glaubwürdige Herausarbeitung auch kleiner Bassstrukturen und tieffrequenter Elemente. Die Basswiedergabe ist trocken und druckvoll, das doch relativ große Chassis entpuppt sich als erstaunlich schnell. 

Verglichen mit Kontrahenten, erarbeitet sich der SUB 660 eine glänzende Positionierung in seiner Preisrange. Der kleinere SUB 260 für 400 EUR  ist nicht ganz so präzise und bei sehr hohen Pegeln zeigt sich auch, dass die Endstufe des SUB 660 deutlich mehr Leistung bereit stellt. Auch in größeren Hörräumen kann der SUB 660 seine Vorzüge sehr gut ausspielen. Nehmen wir den Nubert nuLine AW-1300 DSP als unser "Masterpiece" zum Vergleich, fällt neben den exzellenten Raum-Anpassungsmöglichkeiten mittels des Nubert-DSPs auch die nochmals höhere Präzision bei komplexen Bassstrukturen auf - aber richtig "böse" abfallen tut der im Vergleich preiswerte Jamo-Woofer nicht, was beweist, was für ein gelungenes Gesamtkonzept hier zugrunde liegt.  Vergleichen wir mit dem Canton Chrono Sub 80, so ist festzustellen, dass der Canton-Woofer enorm harmonisch klingt und zudem hervorragend verarbeitet ist, bezüglich Pegelfestigkeit und Bassdynamik aber kann sich der SUB 660 klar absetzen. Zu welcher Performance der SUB 660 fähig ist, stellt er auch bei "Within Temptation - Black Symphony" unter Beweis. Hier beginnt das Live-Konzert mit einem eindrucksvollen Intro, mit Choralgesang, kraftvollen, tiefen, aber auch subtilen Bässen und sich stetig ändernden Hintergrund. Nach kurzer "bassloser" Zeit kommt der erste tief nach unten reichende Bassschlag, und der SUB 660 ist sofort zur Stelle und bietet einen enormen Tiefgang. Mit Wucht und Volumen wird der Bass auch noch im 30 Quadratmeter messenden Hörraum präsentiert, zudem fügt sich der SUB 660 stimmig in die Front-Klangkulisse ein. Er schafft es, die Atmosphäre des Intros entscheidend mit zu bestimmen, in dem er aus tieffrequenter Sicht den musikalischen Spannungsbogen bis zum Konzertbeginn fein mitzeichnet. Verschiedene, parallel stattfindende tieffrequente Ereignisse werden tadellos auseinander differenziert, gleichzeitig aber homogen zu einem Ganzen miteinander verbunden. 

Im Filmtonbetrieb liefert der SUB 660 bei "Batman - The Dark Knight" wiederum eine erstklassige Vorstellung. Bereits der erste Bassschlag nach wenigen Sekunden wird mit Nachdruck, der bis in die Magengrube des Auditoriums geht, wiedergegeben. Als dann die Scheibe herausgesprengt wird, schlägt der Sub nicht durch, sondern sorgt für puren Nachdruck - in der durchaus bezahlbaren Preisklasse, in der der SUB 660 zu Hause ist, eine überragende Leistung. Der Music Score wirkt durch die Mitarbeit des SUB 660 sehr imposant und gibt die herrschende Spannung sehr gut wieder. Auch als es in der großen Schalterhalle der Bank zu einem Schusswechsel zwischen den Gangstern und dem erbosten Filialleiter kommt, sorgt der Jamo-Subwoofer für den nötigen Nachdruck: Gerade die nachdrücklichen Schüsse aus der Pumpgun haben viel Kraft und entfalten enorme Dynamik. Kleinere Effekte wie z.B. Faustschläge werden auch akkurat vom SUB 660 erfasst. Die Arbeiten an der Tresortür werden ebenfalls tiefffrequent sehr stimmig untermalt. Als am Ende der Sequenz in der Bank der Schulbus durch die Wand bricht, wird auch dieser große Effekt mit Dynamik, Tiefgang und Struktur wiedergebeben - hier schlägt das Chassis nur bei sehr hohem Pegel kurz an. 

Nun musste der SUB 660 beweisen,  ob er auch bei "Stirb Langsam 4.0" zu meisterlicher Form aufläuft - und es geht gleich mit Verve und Kraft los, noch nicht einmal ein kurzes Flattern leistet sich der SUB 660, er agiert impulstreu und souverän. Auch kleine Bassgebilde werden erfasst und natürlich übertragen. Nur ganz selten ist leichtes Durchschlagen bei den tiefen Bassschlägen des Music Scores heraus zu hören, die sich aber auch erst bei sehr hoher Gesamtlautstärke zutragen. Die erste große Explosion  in der Wohnung des Hackers managt der SUB 660 überdurchschnittlich gut, nicht nur mit viel Nachdruck, sondern auch klaren Strukturen. Im 5. Kapitel nehmen die Schergen Gabriels die Wohnung von Matthew Farrell ins Visier ihrer automatischen Waffen. Es kommt zu einer erbitterten Auseinandersetzung mit dem wie gewohnt zu allem entschlossenen Einzelkämpfer John McLane, der zwar nur mit einer bescheiden anmutenden Waffe, dafür aber mit viel Cleverness ausgerüstet ist: - Die Schusswechsel sind tonal korrekt und entfalten viel tieffrequente Dynamik. Zudem wird einer der Ganoven durchs Fenster gesprengt, nachdem McLane mit gezieltem Schuss einen Feuerlöscher zur Explosion gebracht hat. Diese Explosion bereitet dem SUB 660 überraschend wenig Schwierigkeiten, ebenso wie die MP-Salven ist die Übertragung von Impulstreue und klar erkennbarer Struktur geprägt. Die massive Explosion am Ende des Kapitels, die in der Wohnung von Matthew Farrell stattfindet, kommt hervorragend, der Jamo SUB 660 ist daher auch für anspruchsvolle Filmliebhaber eine sehr gute Wahl.  

Fazit

Der Jamo SUB 660 begeisterte uns im Testbetrieb: Nicht nur, dass er extrem leistungsfähig ist und bei Pegeln noch zulegt, bei denen viele andere Woofer schon die weiße Fahne hissen, auch agiert er authentisch und präzise. Dass Bässe unnatürlich aufgedickt werden, kommt beim SUB 660 nicht vor, er schwingt auch nicht unschön nach. Das Gehäuse verhält sich ebenfalls vorbildlich ruhig und enthält sich störender Geräusche. Insgesamt bietet Jamo für einen sehr fairen Preis einen rundherum überzeugenden aktiven Subwoofer an, den man für den Filmton- und Musikbetrieb nur empfehlen kann. 

Hervorragend: Der Jamo SUB 660 spielt authentisch, kraftvoll und sehr dynamisch

Aktiver Subwoofer Mittelklasse
Test 12. März 2012

+ Sehr pegelfest
+ Impulstreu
+ Enormer Tiefgang
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Beschallt problemlos Räume bis knapp 40 Quadratmeter

- Bis auf Boundary Gain Compension keine DSP-Funktionen

Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 12.03.2012

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