TEST: 5.0-Lautsprecherset Jamo S 506 HCS 3 plus Jamo SUB 260
16. April 2012 (sw/cr)

Jamo S 506 HCS3 5.0

Jamo Sub 260
Einführung
Wer ein schickes und preislich fair kalkuliertes Mehrkanal-Lautsprecherset
sucht, wird bei Jamo fündig: Das S 506 HCS 3 zu einem Straßenpreis von 499 EUR
besteht aus zwei schlanken Standlautsprechern mit Doppelbass, einem
querformatigen Center und zwei kompakten Regalboxen für den Surroundbereich.
Wer zusätzlich einen aktiven Subwoofer für einen noch vehementeren Bassbereich
anschließen möchte, findet im Produktprogramm von Jamo viele Alternativen,
beispielsweise den SUB 260 für 400 EUR.
Wir haben uns das Set genau angeschaut und vor allem angehört.
Verarbeitung und Technik

Frontlautsprecher mit Gitter

Offen

Hochtöner eines Front-LS

Tieftöner

Rückseite

Standfüße S 506

Frequenzweiche S 506

Bassreflexöffnung

Bi-Amping Anschlüsse

Center-Lautsprecher

Front-Detailaufnahme

Hochtöner im Center

Tieftöner im S 500

Detailverarbeitung

LS-Gitter Aufnahme

LS-Gitter aus Kunststoff mit Stoffbespannung

Rückseite des S 500 Centers

Wandhalterung

Bassreflexöffnung

LS-Anschlüsse am Center

S 502 Surround-Lautsprecher

S 502 seitlich

Schallwand

Rückseite

Bassreflexöffnung

Frequenzweiche der S 502

Detailansichrt Anschlüsse S 502

Gruppenbild mit Subwoofer
Fürs investierte Geld kann man mit der Verarbeitung zufrieden sein - die
Standlautsprecher vorn sind recht schlank und nicht allzu hoch (Abmessungen:
1000 x 195 x 301 mm, H x B x T) und weisen in der von uns getesteten Version
eine graphitfarbene Schallwand und einen mattschwarz folierten Boxenkorpus auf.
Die Spaltmaße beim Übergang von Schallwand zum Korpus sind gering und relativ
gleichmäßig. Die Ecken des Gehäuses sind etwas spitz, weisen aber keine
Verarbeitungsmängel auf. Gut - die S 506 hat Bi-Amping-Terminals in
ordentlicher Qualität. Die Zweiwege-Bassreflex-Box weist einen 25 mm Hochtöner
und zwei 165 mm Woofer für eine ansprechende Basswiedergabe auf. Daher ist es
für kleinere Räume und beim überwiegenden Hören von Musik gar nicht
notwendig, zusätzlich einen aktiven Subwoofer anzuschließen. Wenn doch noch
mehr Bass gefordert ist, kann man sich den preisgünstigen und sehr
leistungsfähigen Jamo Aktivsubwoofer SUB 260 für 400 EUR
mit dazukaufen. Es gibt auch noch den kleineren SUB 210 - aber der SUB 260
hat sich so gut im Testbetrieb geschlagen, dass wir fast zu diesem Bassisten
raten würden. Kurzzeitig sind die schlanken Säulen mit bis zu 180 Watt
belastbar, die langzeitig mögliche Maximalbelastung liegt bei 130 Watt. Somit
ist es ohne Schwierigkeiten machbar, auch mittelgroße Hörräume, einen
entsprechend leistungsstarken AV-Receiver als Zuspieler vorausgesetzt, zu
beschallen. Die Empfindlichkeit der S 506 (2,8 V/1 m) gibt Jamo mit 89 dB an.
Die Impedanz beträgt 6 Ohm, der Frequenzbereich, der wiedergegeben wird, reicht
von 45 - 20.000 Hz. Die Standbox wiegt pro Stück 14,4 kg. Der Center hört auf
den Namen S 500 CEN, was wir über die Verarbeitung der S 506 gesagt haben,
trifft auch auf den Center zu - Bi-Amping-Terminals hat der S 500 CEN nicht,
aber diese werden bei einem Center auch kaum benötigt. Auch der Center ist eine
Zweiwege-Bassreflexkonstruktion mit 2 x 102 mm Tiefmitteltönern und einem 25 mm
Hochtöner, die maximale kurzzeitige Belastbarkeit liegt bei 140, die
langfristig mögliche Belastbarkeit bei 100 Watt. Der Frequenzgang des 6
Ohm-Lautsprechers reicht von 75 bis 20.000 Hz, die Empfindlichkeit liegt bei 87
dB. Prinzipiell gibt es den 4,9 kg wiegenden Center wie die anderen Lautsprecher
in HG Black, Black Ash Wenge und Dark Apple, Jamo weist aber ausdrücklich
darauf hin, dass es nicht in jedem Land alle 3 Farben gibt. Der Center ist mit
seinen Abmessungen von 134 mm (Höhe) x 400 mm (Breite) x 207 mm (Tiefe)
problemlos unterzubringen. Die Regallautsprecher für die Surroundbeschallung
heißen S 502 und sind wie die anderen Bestandteile des Systems auch
Zweiwege-Bassreflex-Lautsprecher. Die kurzzeitige maximale Belastbarkeit: 80
Watt, als kurzzeitige Leistungsspitze werden bis zu 130 Watt verkraftet. Der
Frequenzgang der 6-Ohm-Box reicht von 80 bis 20.000 Hz. Die Bestückung der pro
Stück 2,6 kg wiegenden Regalbox umfasst einen 25 mm Hochtöner und einen 102 mm
Tief-/Mitteltöner. Der Regallautsprecher misst (H x B x T) 240 x 134 x 202 mm.
Die Empfindlichkeit liegt bei 86 dB. Auch die kompakten Rears sind ordentlich
verarbeitet, die Folierung weist keine Mängel auf. Bei allen
Lautsprechern wirken die Abdeckgitter aus Stoff nicht allzu hochwertig, die
Zapfen zur Befestigung an der Schallwand sind aus Kunststoff. Die Gitter sitzen
aber gut und der Stoffbezug wirft keine Falten.
Testequipment
Klang
Das Jamo-Set kann gerade in Verbindung mit dem SUB 260
bei Tiestos "Back In Your Head" (auf der Blu-ray Elements Of Life -
Copenhagen, Disc 2, Track 3, DTS-HD Master Audio) voll überzeugen. Im Setup des
AV-Receivers kann man ruhig Fronts und aktiven Subwoofer für die Basswiedergabe
aktivieren, dann arbeiten die Front-LS und der SUB 260
parallel. Schon ohne den "Beistand" vom SUB 260
ist der Bass ordentlich - zu loben ist die prima Präzision, hier wird eine
bessere Leistung offeriert als beim schon guten Jamo S 426 HCS 3,
2010 von uns getestet und mit 399 EUR Straßenpreis günstiger - die 100 EUR
Mehrpreis ist das Jamo S 506 HCS 3 aber auf jeden Fall Wert. Nimmt man die 400
EUR für den SUB 260 noch mit dazu, kommt man
auf schmale 900 EUR, und das recht neutral und dynamisch aufspielende Jamo-Set
bekommt illustere Konkurrenz: Das kürzlich getestete Magnat Vector 5.1-Set (Vector 205/Center 213/203 + Betasub 25 A).
Das Magnat-Set klingt noch eine Idee harmonischer, dafür sind die Jamo-Boxen
frischer ausgelegt und treten etwas aggressiver an. Der erstklassige Jamo-Woofer
schlägt den Magnat Betasub 25A bei der Kickbasswiedergabe - was allerdings auch
nicht verwunderlich ist, da der Jamo-Bassist bezüglich des Einzelpreises auch
rund 50 EUR über dem Betasub 25A liegt. Auch das Teufel 5.1 LS-System LT 3 Power Edition Set L
liegt mit damals 999 EUR in preislicher Nähe zum Jamo-Ensemble. Im
Grundtonbereich wirkt das S 506 HCS 3 eine Spur voller, dafür ist das
Teufel-System feindynamisch besser. Bei beiden Systemen liefert der aktive
Subwoofer eine exzellente Performance ab.
Zurück zu den Testreihen - auch bei "In The Dark"
(Track 4) weiß das Jamo-Ensemble zu gefallen, der Kickbass des kompakten
aktiven Subwoofer ist wiederum hart und kraftvoll, aber auch die Zusammenarbeit
des recht kleinformatigen Centers mit den beiden schlanken Standlautsprechern
funktioniert sehr gut. Natürlich kann man nicht die Homogenität wie bei einem
Set mit drei identischen, am besten querformatigen Frontlautsprechern erwarten,
aber wir sind doch sehr zufrieden, wie gut sich der überraschend
leistungsstarke kleine Center einfügt. Die zwei Regallautsprecher im
Rearbereich verbreiten eine ehrliche, direkte Räumlichkeit und fühlen sich in
Hörräumen zwischen rund 12 und knapp 25 Quadratmetern wohl - wie auch das
gesamte Set. Der Wirkungsgrad ist nicht überdurchschnittlich gut - man sollte,
obwohl die Jamo-Lautsprecher allesamt nach dem Bassreflexprinzip arbeiten, daher
keinen zu schwachbrüstigen AV-Receiver verwenden. Modelle der Liga ab rund 500
EUR dürften die Anforderungen des S 506 HCS 3 aber problemlos erfüllen.
Bei der BD "A New Day" (Dolby TrueHD) von Celine Dion
haben wir uns "The Power Of Love" angehört - und hier müssen wir
feststellen, dass man schon wahrnimmt, dass der Center relativ kompakt ist:
Celines Stimme gibt der S 500 CEN im Rahmen seiner Möglichkeiten zwar sehr gut
wieder, aber es fehlt etwas virtuelle Bühnen-Größe. Der SUB 260
zeigt wieder deutlich seine Vorzüge: Kraftvoll, ausdrucksstark, sauber
gestaffelt - zudem integriert er sich ausgezeichnet zwischen die beiden neutral
und lebendig aufspielenden Fronts. Die Stimm-/Instrumentaltrennung ist tadellos,
erst die hinteren instrumentalen Ebenen können nicht mehr ganz sauber
auseinander differenziert werden in Bezug auf die vokale Präsentation. Bei
"Because You Loved Me" wird der effektreiche Beginn sehr gekonnt
dargestellt - auch die beiden kleinen Regallautsprecher leisten sich keinen
Ausrutscher und sorgen für eine lebhafte Wiedergabe. In großen Räumen, wenn
die beiden S 502 recht weit entfern voneinander aufgestellt werden, könnte die
Räumlichkeit dann als etwas dünn wahrgenommen werden. Für die oben
angegebenen Raumgrößen aber tritt kaum ein Problem auf.
Auch im Filmtonbetrieb können wir keinen Durchhänger
feststellen. Ab Filmbeginn gibt das Ensemble bei "Stirb Langsam 4.0" (BD,
DTS-HD Master Audio) richtig Gas - für den Filmtonbetrieb würden wir dem
zukünftigen Besitzer den SUB 260
besonders ans Herz legen. Die Zusammenarbeit mit den S 506 als Frontlautsprecher
funktioniert sehr ansprechend. Die Filmmusik und die verschiedenen Effekte
werden mit guter atmosphärischer Dichte zum Zuhörer getragen. Der Dialog
zwischen Matthew Farrell und der Mitarbeiterin Gabriels zu Beginn wirkt
authentisch, auch das Tippen auf der PC-Tastatur. Der sich musikalisch
aufbauende Spannungsbogen kommt prima heraus. Die erste große Explosion wird
nachdrücklich und sauber strukturiert übertragen. Nur kurz schlägt der Sub
an. Als Gabriels bis an die Zähne bewaffnene Killer die Wohnung von Matthew
Farrell ins Visier nehmen, kann letzterer von Glück reden, dass der abgebrühte
Cop John McLane gerade "zu Besuch" ist: Das erbarmungslose Gefecht,
das folgt, zeigt viele Arten von Effekten: Nachdrückliche Schusswechsel, die
Explosion des Feuerlöschers, das Wechseln des Magazins von McLanes
Handfeuerwaffe als kleiner Effekt, die Dialoge - und nicht zuletzt den Music
Score. Das Jamo-Set arbeitet die schnellen Effektkombinationen dynamisch heraus,
der SUB 260 sorgt bei den MP-Salven für
ein stabiles Fundament.
Bei "Batman - The Dark Knight" (Dolby True HD, BD, ab
Filmbeginn) wird schon der erste Bassschlag sehr gut erfasst. Es baut sich eine
unglaubliche Spannung auf, als die Schergen des Jokers zum Überfall auf das
Bankgebäude rüsten. Der Music Score kommt mit ordentlicher Detaillierung
heraus (hier merkt der anspruchsvolle Surround-Liebhaber natürlich, dass noch
mehr geht, aber hier muss man die Preisklasse berücksichtigen) und auch die
zerspringende Scheibe wird mit guter Transparenz und prima Räumlichkeit
wiedergegeben. Das Durchladen der Waffen ist tadellos hörbar, auch die
quietschenden Reifen des alten Minivans werden ansprechend wiedergegeben. Die
Dialoge der Gangster hinter ihren Masken gibt der kleine Center korrekt wieder,
das leicht Dumpfe lässt erkennen, dass die Männer Masken tragen. Die Schüsse
in der Schalterhalle wirken gefährlich, grell und dynamisch - hier können wir
absolut keine Kritik üben, gerade wenn man bedenkt, wie niedrig der
Straßenpreis des Sets ist. Als sich dann der erboste Bank-Filialleiter mit
seiner Pumpgun ins turbulente Geschehen einmischt, donnern dessen Schüsse
kraftvoll durch die weitläufige Schalterhalle, in der die Kunden und
Angestellten Schreie der Verzweiflung ausstoßen. Die Stimme des Filialleiters
kommt gut heraus und lässt nur im Detail etwas vokales Charisma missen.
Im Stereobetrieb fährt man schon in 2.0 gut, aber in 2.1 wirkt
das Ergebnis natürlich noch voller, kräftiger und intensiver. Der SUB 260
kann somit auch für die Stereowiedergabe empfohlen werden. Bei "Live And
Let Die" in instrumentaler Form, gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra,
zeigt sich, dass S 506 und der SUB 260
zusammen eine glaubwürdige Bühne aufbauen, die auch von ihrem soliden, stets
spürbaren, aber nie unschön übertriebenem Fundament lebt. Auch langsamere
Parts kommen gut heraus - die dynamischen Unterschiede werden mit tadelloser
Impulstreue herausgearbeitet. Natürlich darf man weder beim
Auflösungsvermögen noch bei der Feindynamik Spitzenwerte erwarten - aber es
zeigt sich auch bei "The Man With The Golden Gun", dass das Gebotene,
zieht man die Preisklasse mit ins Kalkül, als wirklich gut gelten darf.
Fazit

Das Jamo S 506 HCS 3 entpuppt sich gerade dann, wenn man für eine
basskräftige Unterstützung den SUB 260
"mit ins Boot" holt, als außerordentlich leistungsfreudig und Freude
bringend. Die Pegelfestigkeit aller Komponenten ist ausgezeichnet, und die
relativ neutrale Auslegung der Lautsprecher sorgt dafür, dass kein
Quellmaterial durch die Jamo-Schallwandler unpassend "verbogen" wird.
Die Wiedergabe ist frisch und dynamisch, trotzdem aber nicht zu schrill oder
aggressiv. Der Center ist relativ klein, er zeigt somit am ehesten die Grenzen
des S 506 HCS 3 auf, mehr als die ebenfalls kompakten Rears, die aber im
Testbetrieb durch die ausgesprochen gelungene Einbindung positiv auffielen. Die
Verarbeitung ist gut, zudem sieht das Ensemble recht attraktiv aus - für den
ambitionierten Ein- oder Aufsteiger ist das Jamo-Set somit sehr
empfehlenswert.
Preislich fair kalkuliertes, attraktives Mehrkanal-Set mit
ausgewogenem Leistungsprofil

Mehrkanal-Lautsprechersysteme Einsteigerklasse
Test 16. April 2012
+ Recht neutral abgestimmt
+ Mit SUB 260 zusammen überragende
Basswiedergabe
+ Dynamisch aufspielend
+ Für die Preisklasse gute Detaillierung
+ Relativ geringer Platzbedarf
- Center relativ klein
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
16. April 2012
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