TEST: Smartphone HTC Velocity - mit LTE, Dual-Core-CPU und 8 MP Kamera
15.06.2012 (cr/sw)


Das HTC Velocity, erstes Vodfaphone-gebrandetes LTE-Smartphone,
das LTE um die Frequenzbereiche 800 und 2600 MHz unterstützt

LTE-Empfang - im Test wurden auch komplexe Seiten innerhalb
weniger Sekunden geladen
Das HTC Velocity, ohne Vertrag ab rund 490 EUR erhältlich, ist
das erste Smartphone in Deutschland, das LTE unterstützt - allerdings ist ein
Vodaphone-Vertrag mit entsprechender LTE-Option, für 10 EUR pro Monat zubuchbar,
Voraussetzung für das Nutzen des neuen Features. Hier
finden Sie Auskunft darüber, ob bei Ihnen regional bereits LTE-Empfang
verfügbar ist. Da LTE nicht nur als Daten-Turbo für Smartphones und Tablets,
sondern auch als schneller Home-Ersatz für DSL in Regionen, in denen kein
DSL-Support gegeben ist, gedacht war und ist, findet man LTE oftmals dort, wo
man es nicht vermutet. Fernab vom LTE-Feature präsentiert sich das Velocity als
modernes Smartphone mit zahlreichen zeitgemäßen Merkmalen, lässt aber Top
High-Tech-Features missen. Es läuft unter Android 2.3.7 und nicht unter Android
ICS. Es begnügt es sich mit einem qHD-Super LCD-Display mit 960x540 Pixeln, die
Diagonale beträgt 11,43 mm, was 4,5 Zoll entspricht. Auch der Chipsatz ist zwar
flott, nicht aber rekordverdächtig im Zeitalter der Quadcore-Smartphones wie
dem HTC One X oder dem Samsung Galaxy S3 GT-I9300
aber keine Sondermeldung mehr Wert: Der 1,5 GHz Dual-Core Prozessor sorgt in der
Praxis allerdings auch beim Multitasking oder bei aufwändigen Games bzw. beim
Betrachten von Movies für hohe Zufriedenheit. Ruckeler z.B. bei Games erlaubt
sich das HTC Velocity praktisch nie. Tippt man eine Anwendung an, z.B. die
Kamera, so wird sie sofort ohne nennenswerte Verzögerung geöffnet. Das HTC
bietet im Auslieferungszustand gut 13 GB verfügbaren Speicher und ist mittels
microSD-Karten erweiterbar. Im Testbetrieb klappte die Erweiterung um eine
Transcend 32 GB microSD-Karte problemlos. Das Velocity tritt, wie von HTC in
dieser Liga gewohnt, mit 1 GB RAM an. Nicht unsere Zustimmung findet die
Anschlussbestückung. Der 3,5 mm Kopfhörerausgang ist obligatorisch, aber
anstatt wie andere Mitwettbewerber einen microHDMI-Anschluss zu verbauen,
benötigt man bei HTC einen entsprechenden Adapter von microUSB auf HDMI. Der
"Werks-Adapter" von HTC ist sehr teuer, Drittanbieter offerieren
entsprechende Kabel für rund 12 EUR. Dann kann man auch MHL nutzen, wenn man
beispielsweise über einen MHL-tauglichen Fernseher oder AV-Receiver verfügt,
so sind Inhalte des mobilen Gerätes schnell verfügbar. Das Velocity
verfügt über eine 8 MP Kamera, laut HTC "mit dem besten F2.2 Objektiv der
Smartphone-Klasse". Videos können in 1080p aufgezeichnet werden (mit 30
Frames per Second, im 720p-Betrieb wird mit 60 Frames aufgezeichnet). Mit 163
Gramm ist das Smartphone relativ schwer, was auch mit der LTE-Technik
zusammenhängt. Extrem dick ist es trotz LTE nicht, mit 11 mm kann man es zwar
nicht gerade als "ultraslim" bezeichnen, aber in der Hosentasche
verschwindet es relativ problemlos. Das Velocity ist 129 mm hoch und 67 mm
breit.
LTE

Neuer Speed-Maßstab dank LTE?
Besonders interessant ist natürlich das LTE-Feature. LTE um die
beiden Frequenzbänder 800 MHz und 2600 MHz werden unterstützt. Erst das HTC
One XL (Vorsicht - es handelt sich hier nicht um ein um die LTE-Option
ergänztes One X, vielmehr arbeitet im One XL ein anderer Chipsatz - anstatt
nVidia Quadcore CPU ein Dual-Core Snapdragon 4) supportet neben LTE 800 und 2600
alle drei hierzulande verfügbaren Frequenzen, also auch 1800 MHz. Das Samsung
Galaxy S2 LTE i9210 unterstützt alle drei Frequenzbänder. Fürs Velocity wird
der maximale Download-Speed mit 100 Mbit/s und der maximale Upload-Speed mit 50
Mbit/s angegeben. Neben LTE wird 3G/HSPA mit bis zu 14,4 Mbit/s für den
Download und bis zu 5,76 Mbit/s für den Upload offeriert. Natürlich ist für
die Einbindung im Heimnetzwerk auch WLAN IEE 802.11 b/g/n mit dabei. Das
Datenübertragungsangebot wird von Bluetooth 3.0 ergänzt.
Ladezeiten:
Vergleich WLAN-n in Kombination mit DSL 6000, HTC im WLAN-Netz
eingebunden:
Vergleich 3G UMTS/HSPA 3,6 Mbit/s:

HTC Watch lässt sich auch direkt über einen der
verschiedenen Startbildschirme anwählen

HTC Watch

Darstellung von Internetseiten
Im direkten Vergleich merkt man - es steckt tatsächlich jede
Menge Daten-Power im Velocity. Mit 4G gelangen in diesem Umfeld die schnellsten
Download-Geschwindigkeiten. Überragend auch das Laden von YouTube-Videos in HD:
Bei einem 3,46 Minuten langen Video gelang schon nach 5 Sekunden die Wiedergabe,
das Buffern ging so schnell, dass bis zum Ende ein unterbrechungsfreie
Wiedergabe gewährleistet war. Auch Filmtrailer in HD sind in wenigen Sekunden
geladen, und dank des sehr guten Displays kann eine farblich neutrale,
kontrastreiche und dynamische Wiedergabe beim HD-Trailer zu "Avatar"
umgesetzt werden. Die leistungsstarke Prozessoreinheit sowie die gute
Grafiklösung in Verbindung mit dem blitzschnellen LTE beschwert
praktisch ruckelfreie Bewegungsabläufe. Nur ab und zu werden Kanten weich
gezeichnet und Artefaktemuster sind zu sehen. Diese Eindrücke bestätigten sich
auch beim Trailer zu Transformers 2 - mobiler Filmspass der Extraklasse, selbst
wenn die Auflösung hinter aktuellen Hightech-Smartphones, die 1280 x 720 Pixel
bieten, hinterher hinkt. In der Praxis fällt dies aber kaum auf. Dank der
4,5 Zoll Diagonale präsentiert sich das Velocity als idealere Movie-Master für
zwischendurch und ist auch idealer Partner für den HTC Watch Cloud-Service,
hier kann man sich gegen Gebühr ein mittlerweile ordentliches Angebot an Filmen
herunter laden. Der Service ist bereits vorinstalliert. Man kann sich kostenlos
auch qualitativ tadellose Trailer wie zu Battle Los Angeles anschauen - die
Ladezeiten sind kurz, das Bild ist recht scharf und stabil. Prima schlägt sich
übrigens der eingebaute Lautsprecher - der Klang ist recht klar und mit der
SRS-Verbesserrung finden sich sogar Anflüge von Räumlichkeit. Nur, wer es mit
dem Pegel übertreibt, erhält Verzerrungen. Richtig Laune macht das Betrachten
und Hören von Filmen, wenn man den gut im Ohr sitzenden mitgelieferten
Ohrhörer verwendet - denn dann ist die Option "HTC 5.1 Raumklang"
verfügbar. Dann passen Bild und Klang sehr gut zueinander - Die Räumlichkeit
wirkt echt, der Zuhörer wähnt sich mitten im Zentrum des Geschehens. Music
Score, Stimmen und Effekte werden prima unterschieden.
Zurück zum Thema LTE. Was uns interessiert hat: Da man im
LTE-Netz nicht telefonieren kann, eine stets gleichzeitig vorhandene Einbuchung
im 4G- und im 3G-Netz den 1620 mAh-Akku blitzschnell leer saugen würde (auch so
hält er bei regem Betrieb nur rund einen Tag, 1,5 Tage sind maximal bei weniger
intensiver Nutzung drin), agiert das Velocity mit dem
Circuit-Switched-Fallback-Verfahren. Wenn man gerade LTE nutzt und
beispielsweise im Internet surft und ein Anruf stattfindet, bekommt das
Smartphone den Anruf gemeldet und bucht sich flott aus dem 4G-Netz aus, um im
herkömmlichen Netz den Anruf entgegen zu nehmen. Was kompliziert klingt,
funktionierte bei uns in der Praxis sehr gut und mit kaum merklichen
Verzögerungen. Übringens - für den Versand von SMS ist über 4G nicht
möglich.
Weitere Features

Batteriefachdeckel aus Aluminium

Rückseite

Rückseite offen - der Akku ist herausnehmbar, zudem kann man
eine microSD-Karte als Speichererweitung einlegen

Kopfhöreranschluss

Micro USB-Anschluss

Laut-/Leiser-Taste

Softkeys
Das Smartphone ist sehr sauber verarbeitet, die hochglänzend
weiße Oberfläche sieht bei unserem Testmodell beinahe aus wie Keramik. Der
schicke Akkufackdeckel ist aus Alu, aber leider etwas kratzempfindlich. Von
ordentlicher Qualität sind die mitgelieferten, ebenfalls weißen Ohrhörer, und
das auch in weiß gehaltene Ladegerät. Eine microSD-Speicherkarte befindet sich
nicht im Lieferumfang.

Sharing von Musik/Foto/Video-Dateien mit anderen Geräten im
Heimnetzwerk

Tastatur im Hochformat

Tastatur im Querformat

Bekannte Android 2.3 Menüstrukturen

Schnellstart für vier Applikationen

Wer eifrig im Google Play Store aktiv ist, verfügt über
viele verschiedene Apps für jeden Einsatzzweck

Android 2.3.7 und HTC Sense 3.5 - das ist der aktuelle Status
Die Android 2.3.7 Benutzeroberfläche, über die HTC Sense in
der Version 3.5 gelegt wurde, ist bestens bekannt, ICS präsentiert sich aber
als noch minimal schneller und praktischer. Wir hoffen auf ein Update, welches
laut verschiedenen Meldungen auch kommen soll. Systemabstürze oder sonstige
Unzulänglichkeiten sucht man beim Velocity vergeblich. Gut, aber nicht
überdurchschnittlich ist die Gesprächsqualität beim Telefonieren, auch in
wenig empfangsstarken Gebieten ermöglicht das HTC noch eine stabile Verbindung.
Die Sprachqualität erscheint uns minimal blechern, der Gesprächspartner ist
aber immer gut verständlich. Nicht zufrieden sind wir mit der
Freisprecheinrichtung - hier sind Verzerrungen zu hören. Das
Touchscreen-Display erweist sich aus sehr reaktionsschnell und lässt sich
sensibel bedienen. Mit der Tastatur kommt man bereits im Hochformat gut klar,
angenehm und gut dosiert ist das Vibrations-Feedback der Tasten. Im Querformat
lassen sich Mails sehr schnell verfassen. Praktisch ist ein Schnellzugang vom
Startbildschirm direkt zu Telefon, Mail, Kamera und Nachrichten (SMS/MMS).
Hierzu zieht man die gewünschte Applikation einfach unten in den Ring hinein.
Viel zu lang dauert bei unserem Velocity ein kompletter Neustart
(Herunterfahren + wieder Hochfahren), knapp 2 Minuten sind sehr üppig bemessen
- die Schnellstart-Funktion bringt hier offensichtlich nicht viel.

Panoramaaufnahme bei Tageslicht, Sonnenschein, leichte
Bewölkung

Nahaufnahme bei Tageslicht

Macroaufnahme, gedämpftes Licht in einer Hotelbar

Geringer Restlichteinfall, mit Blitz

Geringer Restlichteinfall, ohne Blitz

Szene-Modi

Videobetrieb: Auflösungen
Überragend sind die Leistungen des Velocity, wenn es um die
eingebaute Kamera geht. Selbst dann, wenn man nur relativ geringes Restlicht
hat, kann man dank der hohen Lichtempfindlichkeit noch Bilder ohne Blitz
schießen. Natürlich ist dann mehr Bildrauschen und ein Abflachen der Farben
feststellbar, aber für ein Smartphone sind die Ergebnisse tatsächlich sehr
gut. In einer Hotelbar mit gedämpftem Kunstlicht erzielt das Velocity
erstklassige Werte. Sehr zu loben ist auch der LED-Doppelblitz, den man auch als
Fotolicht einsetzen kann. Nicht nur aus unmittelbarer Nähe zum Objekt erzielt
er einen wirkungsvolle und gleichmäßige Aufhellung, auch, wenn man z.B. in
einen kompletten Raum hinein fotografiert, sind die Ergebnisse hervorragend.
Fotografiert man bei Tageslicht, so stellt fas Velocity in den meisten Fällen
sehr schnell scharf, selbst im Macrobereich. Zu nah sollte man aber nicht an das
Objekt heran gehen, dann weigert sich das Smartphone, noch eine Fokussierung
vorzunehmen. Panoramaaufnahmen bei Tageslicht gelingen hervorragend, mit klarer
Farben und sehr gutem Kontrast. 1080p-Videos sehen scharf und, hält man das
Smartphone während der Aufnahme ruhig, erstaunlich stabil aus. Farben wirken
natürlich und bezüglich der Sättigung absolut stimmig. Bildrauschen tritt nur
dann sichtbar auf, wenn man mit schwachem externem Lichteinfall filmt. Die
gefilmten Objekte sind aber immer noch zu erkennen, sogar die Farbabschwächung
hält sich in Grenzen. Das HTC verfügt über verschiedene zuschaltbare
Szene-Modi im Still Imaging-Betrieb: Automatisch, Porträt, Landschaft,
Mehrfachaufnahme, Panorama, Hintergrundbeleuchtung, Weiße Tafel, Nahaufnahme
und Geringes Licht.. Im Still Imaging-Betrieb sind als Effekte Verzerrung,
Vignette, Schärfentiefe, Punkte, Klassisch, Klassisch warm, Klassisch Kühl,
Graustufen, Sepia, Negativ, Solarisieren, Posterisieren und Aqua verfügbar. Im
Videobetrieb gibt es an Effekten Graustufen, Sepia, Negativ, Solarisieren,
Posterisieren und Aqua.
Konkurrenzvergleich
-
Apple iPhone 4S:
Das iPhone weiß nach wie vor mit sehr guter Kamera, tollem, intuitiven
Bedienkonzept, reichhaltigem App-Angebot und hochwertigem Finish zu
überzeugen. Im Direktvergleich kokettiert das HTC mit der LTE-Option,
praktisch ebenbürtiger Kamera und nochmals höherer Arbeitsgeschwindigkeit.
Es ist auch sehr gut verarbeitet, kommt aber an die zeitlose Noblesse des
iPhones nicht ganz heran.
-
Samsung Galaxy Nexus:
Mit größerem Display und höherer Auflösung, in Kombination mit Android
ICS und geringem Marktpreis von rund 400 EUR, stellt das Nexus eine sehr
verlockende Alternative da. Zum Ausstattungumfang gehört auch NFC. Das
Nexus ist nicht besonders wertig verarbeitet, die Akkulaufzeit ist etwas
länger. Das Display ist nochmals eine Idee besser, die Kamera hat gegen die
des Velocity hingegen keine Chance.
-
HTC One X: Das One X
hat einen blitzschnellen Quadcore-Prozessor und das größere sowie feiner
auflösende Display. Es ist für rund 500 EUR erhältlich und somit
praktisch gleich teuer. Für denjenigen, der kein LTE braucht bzw. noch
keinen Provider hat, der LTE entsprechend unterstützt, ist es sehr
empfehlenswert.
Fazit

Das HTC Velocity ist dank LTE bei Dowloads und Uploads extrem
schnell - vorausgesetzt, man verfügt über einen Vertrag mit entsprechender
Option und wohnt in einem Gebiet, in dem LTE bereits unterstützt wird. In der
Praxis funktioniert LTE sowie das Umschalten fürs Telefonieren ins 3G-Netz
erstaunlich problemlos. Auch die Abmessungen des Velocity halten sich in
Grenzen, es ist zwar nicht ultradünn, aber auch nicht so dick, wie mancher es
vielleicht befürchtet hätte. Die Akkulaufzeit ist noch akzeptabel, aber nicht
sensationell. Das Display mit qHD-Auflösung sowie der Dual-Core-Prozessor
unterstreichen die tadellose Gesamtperformance. Überzeugt hat uns, dass der
Akku herausnehmbar und somit leicht auszutauschen ist. Das HTC Velocity ist
ferner mittels microSD-Karten erweiterbar. Ein Navigationssystem ist bereits
vorinstalliert, über Google Play kann man das schmucke weiße Smartphone
schnell mittels entsprechender Apps erweitern und personalisieren.
Überzeugendes LTE-Smartphone mit sauberer Verarbeitung und
hoher Performance

Smartphones Oberklasse
Test 15. Juni 2012
+ LTE für extrem schnelle Down- und Uploads
+ Leistungsfähiger Prozessor
+ Sehr gutes Display
+ Tadellose Verarbeitung
+ Leichtes Handling
+ Hervorragende Kamera
- Läuft nur unter Android 2.3.7
- LTE nicht überall verfügbar
Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15.06.2012
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