TEST: Harman Kardon AE - erstklassiger Ohrhörer für 150 EUR

31.07.2012 (cr/sw)

Bietet der Harman Kardon AE wirklich "beautiful Sound", wie außen auf der Packung versprochen?

Rückseite der Kabelfernbedienung

Einführung

Harman Kardon möchte mit dem AE genannten In-Ear-Hörer den Markt bereichern. Für den nicht unerheblichen Preis von rund 150 EUR trifft der aufwändig konstruierte Hörer auf sehr starke Konkurrenz. Mit besonders hochwertiger Verarbeitung, perfektem Sitz und druckvoller Basswiedergabe möchte sich der edle AE aber auch in diesem nicht einfachen Konkurrenzumfeld behaupten. 

Technische Daten


- Hochleistungsgehäuse aus legimiertem Metall zur Reduktion störender Resonanzen 
- Überragende akustische Dämpfung für einen erweiterten Bassbereich 
- 9 mm Premium Membransystem
- Frequenzgang: 16 Hz-20kHz
- Comply foam Ohrpassstücke im Lieferumfang (passend für alle Größen)
- In-Ear-Kopfhörer 
- Farbe: stahlsilber / mattschwarz
- Apple-Dreitasten-Fernbedienung (MFi)
- Premium-Transportetui
- 3-Silikonpad-Größen für optimale Passform
- Kabel (1,2 m)
- Austauschbare Kopfbügel in S und L für perfekten Sitz

Verarbeitung, Technik, Funktionalität

Hochwertige Materialien, exzellenter Sitz im Ohr

Ohne Ohrstöpsel

Saubere Verarbeitung auch im Detail

Stecker, vergoldet

Kabelfernbedienung

Transportbox

Die Harman Kardon Ohrhörer werden in einer attraktiven Transportbox ausgeliefert, im Liederumfang befinden sich auch Ohrstöpsel in drei unterschiedlichen Größen für optimale Passform. Die Ohrhörer selber weisen ein extravagantes Design auf. Hinter den Ohrstöpseln befindet sich ein annähernd rechteckiger Aufsatz – das Gehäuse aus speziellem Metall hat die Aufgabe, störende Resonanzen zu reduzieren. Für einen erweiterten Bassbereich soll die überragende akustische Dämpfung sorgen. Der Harman Kardon AE weist einen Frequenzgang 16 Hz bis 20 kHz auf und bringt ein solide befestigtes 1,2 Meter langes Kabel mit. Für Apple-Devices vorgesehen ist die Dreitastenfernbedienung. In der Praxis ist die Fernbedienung etwas zu nah am Kopf platziert, was die Bedienung etwas erschwert. Der Tastendruckpunkt ist präzise, man kann die Lautstärke erhöhen oder absenken und den Titel durch einmaliges Drücken der mittleren Taste abspielen, drückt man nochmals, pausiert die Wiedergabe. Drückt man die mittlere Taste zweimal kurz, findet ein Titelsprung nach vorn statt. Drückt man die mittlere Taste lang, wird beim iPhone 4S Siri gestartet. Die Buchse des In-Ear-Kopfhörers sitzt ausgesprochen fest im iPhone.

Klang

Bei „Feel It“ (Pulsemaster DJ Team featuring Mike Van Doorn) legt sich der HK-Hörer gleich richtig “ins Zeug”. Besonders imposant ist der Bassbereich. Vorausgesetzt, der Ohrhörer ist richtig im Gehörgang verankert – was aufgrund der drei verschiedenen Orhstöpselgrößen, die sich im Lieferumfang befinden, kein Problem darstellt -, wird ein regelrechtes Bass-Inferno offeriert, das den Liebhaber einer kräftigen, nachdrücklichen Wiedergabe aufs Äußerste freuen dürfte. Wer eher sensibel und zurückhaltend veranlagt ist, wird allerdings von der Harman-Basswelle schlichtweg überrollt. Die Stimme arbeitet der noble Ohrhörer aber trotzdem sehr gut heraus, die Räumlichkeit wirkt echt und nicht aufgesetzt. Auch bei „Welcome To St. Tropez“ kann der Harman Kardon AE auftrumpfen. Satt, massiv, präzise – die Basswiedergabe überragt nahezu alles, was wir bislang in dieser Preisliga gehört haben – und wir haben in diesen Preisregionen schon absolute „Superstars“ in der Redaktion gehabt. Doch, was Tiefgang, Schwärze und Struktur angeht, legt der HK-Hörer nochmals eine Schippe oben drauf. 

Vor allem, wie gut er in Verbindung mit dem akustisch nicht allzu üppig mit Talenten gesegneten iPhone 4S klingt, hat uns überrascht. Plötzlich wird Dynamik freigesetzt und nicht nur ein fades Lüftchen. Die Stimmen erfasst der AE auch bei diesem Stück ausgezeichnet, und verschiedene Klangebenen werden sauber unterschieden. „Mi Café“ von Picco mit dem typisch lateinamerikanischen Anfang wird sehr frisch und schwungvoll übertrage. Man wundert sich, wie es der Harman Kardon AE hinbekommt, so viel Atmosphäre zum Zuhörer zu tragen. Als der Song dann „housig“ wird, lässt es der AE nicht an Engagement fehlen und beamt sich in die Nähe des teureren Sony XBA-4, der aber noch etwas höhere Pegel packt. Es geht auch schneller – von der Mayday 2012 Compilation kommt als „Klassiker“ Outside World von Sunbeam. Hier wird schon der Beginn rauscharm und mit sehr guter Räumlichkeit präsentiert, was die Neugierde auf das, was nach dem Intro kommt, nochmals verstärkt. Die Spannung, die der Aufbau während des Intros in sich trägt, kommt exzellent heraus, der harte Bass, der kurz daraufhin einsetzt, ebenfalls. Hier ist ein Spaßmacher erster Güte entstanden, gerade wer gern Trance, House oder auch Black hört, wird hier einen Ohrhörer finden, der für deutlich verstärkten Adrenalinausstoß sorgt. 

Wir „beamen“ uns zurück in die 80er Jahre, in denen bedeutende Künstler ihrer Karriere starteten - so auch a-Ha, zu deren ersten Superhits „Take On Me“ gehörte. Wir hörten die Extended Version dieses Stücks, und auch hier geht der Harman Kardon AE forsch heran. Das etwas Spitze im Klangbild liegt hier an der Aufnahme, der recht neutral aufspielender Ohrhörer betont diese Komponente keinesfalls unschön über. Gut kommen die Vocals heraus, die Trennung von Stimmen und Instrumenten gefällt ebenso wie der klar erkennbare Aufbau. „Always“, einer der letzten großen Hits von Erasure, liegt dem AE ebenfalls. Der Bass mag manchem etwas zu vehement erscheinen, wer aber eine kraftvolle, lebendige Auslegung schätzt, wird hier beinahe wunschlos glücklich. Die Stimmen sind allzeit gut verständlich, nur bei sehr hohem Pegel merkt man, dass die zugrunde liegende Aufnahme alles andere als perfekt ist: Dann mischt sich ein leichtes Zischen bei der vokalen Präsentation ins Klangbild, was dem erfahrenen Hörer direkt auffällt. „Love Pains“ von Liza Minelli war ein absoluter Hit für den Disco-Fox in den Tanzschulen der 90er Jahre, und wer dieses Stück heute mit dem Harman Kardon In-Ear hört, wird den Esprit längst vergangener Tage wieder aufleben lassen: Mit sehr gelungener vokaler Darstellung und tadelloser Dynamik legt der Ohrhörer erneut eine gelungene Vorstellung auf den virtuellen Parkett. Man ist geneigt, umgehend das Tanzbein zu schwingen, wenn man ein spontaner und tanzfreudiger Mensch ist. Die Trennung der Stimmen von den Instrumenten ist außergewöhnlich gut gelungen. 

Und selbst Andrea Bocellis „Tu Ci Sei“ stellt den HK-Hörer nicht vor große Schwierigkeiten: Die faszinierende Stimme des Sängers kommt in überraschend vielen Details heraus, und auch der instrumentale, langsame Aufbau wird gut erkannt. Sicher, man darf nicht erwarten, dass Einzelheiten, die sich im akustischen Hintergrund abspielen, komplett heraus geschält werden. So könnten die Streicher noch eine Idee facettenreicher ertönen – aber dies sind Faktoren, die selbst von Ohrhörern gehobener Preisklassen, zu denen der Harman Kardon zweifelsohne gehört, nicht berücksichtigt werden. Hier lohnt sich der hochwertige Studiokopfhörer für zu Hause, er modelliert solche Dinge plastisch heraus. 

Konkurrenzvergleich

  • Creative Aurvana In-Ear 3: Praktisch gleich teuer, ist der Creative-Hörer ein sehr harter Konkurrent. Pegelfest, bassstark, edel verarbeitet - der Aurvana gefällt ausgezeichnet. Nur fehlt für den Betrieb zusammen mit dem iPhone eine Kabelfernbedienung. Der Harman Ohrhörer sitzt zudem noch eine Idee besser.

  • Klipsch Image S4i: Für deutlich weniger Geld bietet der Klipsch Ohrhörer sehr viel Spaß - einen kräftigen Bassbereich und tolle Dynamik. Was die Trennung von Stimmen und Instrumenten sowie die Räumlichkeit angeht, macht der Harman Kardon seinen Mehrpreis allerdings deutlich. 

  • Sony XBA-4: Der teurere Sony bleibt das Maß aller Dinge bei den In-Ear-Kopfhörern - dass der doppelt so teuer ist, macht er überall klar: Der Bass hat mehr Struktur, die Höhen sind detaillierter, die Räumlichkeit noch authentischer. Diese Leistung möchte aber auch bezahlt werden.

  • B&W C5: der ausgewogene B&W leistet sich nach wie vor keine Schwäche. Er hat einen tollen Bassbereich, der aber nicht ganz so kraftvoll ist wie beim Harman Kardon. Für Hörer, die eher neutral hören möchten, ist dies aber Vor- und nicht Nachteil. Der B&W ist überragend verarbeitet und bietet viele Innovationen. 

Fazit

Souverän, kraftvoll, fesselnd - all dies passt auf den Sound des Harman Kardon AE. Der extravagant gestaltete Ohrhörer ist erstklassig verarbeitet und macht durch seinen druckvollen, dabei aber nie oberflächlichen Klang auf sich aufmerksam. Er eignet sich weniger für sensible Naturen - aber wer eine lebendige, mitreißende Musikwiedergabe schätzt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. In Anbetracht der Performance ist der Kaufpreis als sehr fair einzuordnen. Nicht perfekt platziert ist die einwandfrei funktionierende Kabelfernbedienung für Apple iOS-Devices. 

Harman Kardons "Bassmeister": Edel verpackte Klangstärke sorgt für starken Stand im Konkurrenzumfeld

Kopfhörer In-Ear Oberklasse
Test 31. Juli 2012

+ Hoher Spaßfaktor
+ Ausgezeichnete Grobdynamik
+ Pegelfestigkeit
+ Kaum Verzerrungen
+ Lebendiger, kraftvoller Sound
+ Tragekomfort
+ Gute Sprachverständlichkeit

- Fernbedienung nicht perfekt platziert
- Nicht optimal für akustisch sensible Hörer

Test: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 31.07.2012

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