SPECIAL: GamesCom 2012 Highlights

24.08.2012 (mk)

Auch in diesem Jahr lud vom 15. bis zum 19. August die Gamescom auf dem Kölner Messegelände dazu ein, das Warten auf die im Herbst erscheinenden Spiele etwas zu verkürzen. Obgleich große Spielepublisher wie THQ, Nintendo, Microsoft und Sega sich dieses Jahr abgemeldet hatten, gab es auf dem mittlerweile 140.000m² großen Messegelände dennoch über 300 Spiele zu betrachten und zum großen Teil auch anzuspielen. Nachdem unser Kollege Lars Mette diese Woche bereits mit einem Videobericht einige Impressionen von der Messe gezeigt hat, wollen wir hier den Schwerpunkt mehr auf ein paar Aussteller und ihre Games legen, mit genauerem Blick auf einige der anspielbaren Demos.

Was sich in den vorigen Jahren bereits andeutete, sah man auf der diesjährigen Gamescom wieder: der Fortsetzungstrend. Statt neue Spieleformate zu zeigen, berufen sich große Publisher, bis auf wenige Ausnahmen, auf ihre altbekannten Franchises, bei denen der Erfolg quasi schon garantiert ist. Betrat man Halle 7, wo sich Giganten wie Sony, Ubisoft, Konami, Capcom oder Square Enix aufhielten, so bekam man gleich mehrere Franchise-Fortsetzungen zu sehen, u.a. Splinter Cell: Blacklist, Hitman: Absolution, Metal Gear Rising: Revengeance, Pro Evolution Soccer 2013, der vierzehnte Teil der Final-Fantasy-Saga, welcher diesmal ein Online-MMO darstellt, oder God of War: Ascension. Der mittlerweile vierte Ableger der erfolgreichen Saga aus dem Hause Sony Santa Monica erhält nun einen Mehrspieler-Modus, bei dem zwei Teams, bestehend aus mehreren Figuren der griechischen Mythologie, versuchen, möglichst schnell an eine mächtige Waffe zu gelangen, mit der der Hauptgegner (in der Demo war es einer der aus den vorigen Spielen bekannten Titanen) anschließend besiegt werden kann. Laune machte dieser Modus auf der Messe in jedem Falle, allerdings bleibt abzuwarten, ob er nicht nach einer gewissen Spielzeit zu monoton wird. Etwas weiter außen am Stand von Sony war selbstverständlich auch die Playstation Vita vertreten. Anzuspielen war hier der Handheld-Ableger der Assassin’s Creed-Reihe „Liberations“, mit dem die Vita erneut ihren starken Grafikkern zeigen konnte. Sony stellte hier auch einige Demos für das Augmented-Reality-Feature der Vita aus. Hier werden Kärtchen auf eine Oberfläche gelegt, welche mithilfe der Kamera der Vita auf dem Display anschließend animierte Häuser oder andere Gegenstände darstellen. Für sich betrachtet ein nettes Gimmick, jedoch waren die Demos hierfür eher Spielzeug anstatt richtigen Games. Die Frage ist also hierbei, wie dieses Feature in echte Games eingebettet werden kann. Sonys neue Exklusivtitel Beyond: Two Souls und The Last Of Us waren natürlich ebenfalls anwesend, wenn auch nur mit Trailersichtungen, statt einer Gameplay-Demo.

Teil des Sony-Stands

Ein paar Meter weiter begegnete man dem kleinen, aber feinen Stand von Valve bzw. Steam, der dazugehörigen Spieleplattform. Hier wurden nur Independent-Spiele ausgestellt, u.a. Toki Tori 2, Awesomenauts (eine Art „DotA in 2D“), oder das deutsche Tiny & Big in Grandpa’s Leftovers, bei dem man die Spielwelt mit seinen Werkzeugen zerschneiden kann, um Rätsel zu lösen und am Ende die Unterhose seines Großvaters zu finden. Da es sich hier um Indie Games handelt, sind die Berater bei den Spielen meist die Entwickler der Spiele selbst, was immer zu einem netten Plausch einlädt und den Charme des kleinen Standes ausmacht.

Ein "echter" Hitman

Dahinter geht es aber mit den AAA-Titeln weiter, jedoch mit keiner Fortsetzung. Neben Hitman stellten die Square Enix London Studios, britische Tochterfirma des japanischen Spieleentwicklers Square Enix (Final Fantasy), ihren jetzt erhältlichen Titel Sleeping Dogs vor, in dem ein Undercover-Cop namens Wei Chen in Hongkong bei den Triaden eingeschleust wird, um in der Stadt wieder etwas Ruhe walten zu lassen. Die Demo bestand im Wesentlichen aus einer kurzen Verfolgungsjagd eines Verdächtigen zu Fuß durch die Stadt, um ihn dann am Schluss in einem Faustkampf zur Strecke zu bringen. Während man sich sichtlich an anderen Spielen aus dem Genre, wie Grand Theft Auto inspirieren ließ, ist das Setting von Hongkong noch unverbraucht und so machte das Spiel Lust auf mehr. An diesem Punkt sei noch die „Nvidia 3D Vision Surround“ zu erwähnen, mit der Sleeping Dogs am PC präsentiert wurde. In der Mitte steht immer noch ein Bildschirm mit dem normalen Spielscreen, aber man sieht auf zwei Monitoren rechts und links jetzt auch das, was im Spiel rechts und links von der Spielfigur zu sehen ist. Dieses Feature ist in gewisser Weise erstaunlich, ob sich das aber durchsetzen wird, ist hier wieder die Frage.

Ubisoft war mit verschiedenen Titeln vertreten

Der absolute Publikumsliebling war dieses Jahr jedoch Ubisoft. Gegenüber von Hitman und Sleeping Dogs befand sich die Showbühne des französischen Publishers, umgeben von Assassin’s Creed III und Far Cry 3, bei denen schon am Pressetag zeitweise drei Stunden Wartezeit vorherrschten, am ersten Besuchertag sogar fünf Stunden. Um uns diese Unannehmlichkeit zu ersparen, mussten wir also direkt zum nächsten Spiel übergehen. Nintendo war zwar nicht anwesend, Ubisoft hatte aber dennoch die Wii U im Gepäck und präsentierte ZombiU, selbstverständlich mit dem umstrittenen Tablet-Controller, auf dem verschiedene Gameplay-Mechaniken angewendet werden sollen. Bei ZombiU bedeutet dies, dass z.B. das Inventar, Gegenstände, die man an anderen Zombies findet, oder bei keiner besonderen Interaktion die Karte der Umgebung auf dem Bildschirm angezeigt wird. Positiv aufgefallen ist hierbei, dass es keineswegs unhandlich war, ein ganzes Tablet in der Hand zu halten, im Gegensatz zu einem normalen Gamepad. Die Knöpfe und Sticks waren alle gut zu erreichen und der Controller war nicht zu schwer. Was den Einstieg in die Wii U etwas erschweren könnte, ist aber, dass man beim Spielen oft den Blick vom Fernseher abwenden und auf den Tablet-Controller richten muss, was für eingesessene Gamer sehr ungewohnt sein wird.

Nach ZombiU sind die Zombie-Fans wohl zu Capcom gewandert, dort gab es nämlich, neben Lost Planet 3, auch Resident Evil 6 anzutesten. Bei diesem Ableger der Reihe scheint man weiter auf reine Actionfreunde abzuzielen und orientiert sich weniger am Horror. Capcom hatte jedoch auch das neue DmC: Devil May Cry zu bieten, welches mit einem ansprechenden Kampfsystem und grafisch gut präsentierter Umgebung beeindruckte.
Ein weiteres neues Format, welches nach der Messe als eines der Highlights bezeichnet wurde, war Dishonored – Die Maske des Zorns , veröffentlich von Bethesda Softworks, bekannt für ihre hochgelobten Elder-Scrolls-Spiele und seit 2008 auch Fallout 3, entwickelt von den Arkane Studios. Dishonored, angesiedelt in einer Industriestadt namens Dunwall, spielt man in der First-Person-Perspektive, der Fokus liegt hierbei darauf, verschiedene Missionen zu erfüllen, in denen man andere Gegner eliminieren muss, häufig ohne erkannt zu werden. Der Schwerpunkt bei der Erfüllung der Missionen sind die übernatürlichen Kräfte, die die Spielfigur besitzt und mit Mana eingesetzt werden können, wie beispielsweise Teleportieren, oder andere Personen kurzzeitig zu steuern. Gleich neben Dishonored stellte Bethesda die BFG Edition von Doom aus, eine aufgebesserte Version der Doom-Spiele, inklusive mehrerer bisher unveröffentlichter Levels und 3D-Fähigkeit. Am Gameplay wurde hier jedoch kaum etwas verändert.

Sehr gut besucht war selbstverständlich wieder die Electronic-Arts-Abteilung. Viele freuen sich auf das nächste FIFA und auch das neue Need For Speed: Most Wanted wird schon erwartet. Die meisten Besucher zog es bei EA aber zu Crysis 3, welches auf dem PC wieder zum Grafik-Benchmark werden soll. Hier galt leider das Gleiche wie oben bei Ubisoft erwähnt. Viele Gäste verhinderten ein Anspielen ohne großen Zeitverlust, das gleiche Bild sah man beim hocherwarteten Call of Duty: Black Ops II von Activision.

Auch die Rollenspiel-Abteilung war dieses Jahr stark besetzt. Zum einen waren mehrere Free-2-Play-Titel ausgestellt, von denen vor allem Neverwinter beeindruckte und eventuell eine Alternative zu Guild Wars bieten könnte. Allerdings stürmten die meisten RPG-Fans zur Blizzard-Abteilung. Hier standen zum einen viele PCs zur Verfügung, an denen sich die Messegäste mit Starcraft II oder der neuesten Veröffentlichung, Diablo III, vergnügen konnten. Das Highlight hier war aber der Trailer zum neuen Add-On für das World-of-Warcraft-Universum Mists of Pandaria. Wie schon im Trailer zu Wrath of the Lich King trumpft Blizzard hier mit episch animierten Sequenzen in großartiger Qualität auf und lässt Fans der Serie das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Lego-Thrall bei Blizzard

Dies war also ein kleiner Einblick in die bekanntesten Games, die auf der Gamescom ausgestellt waren, und somit in die andere Seite der Unterhaltungselektronik. Auch wenn wir nur einen kleinen Teil der Games abdecken konnten, hat es sich im gesamten auf jeden Fall gelohnt und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, wenn die Gamescom wieder zum Kölner Messegelände einlädt.

Text: Michael Kind
24. August 2012

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