TEST: Canton Standlautsprecher GLE 496 - Optimale Leistung fürs Geld?
09.11.2012 (cr/sw)
Einführung
Ein Lautsprecher muss auch wie ein Lautsprecher aussehen -und preislich fair
sein. Diese Wünsche äußern viele Musikliebhaber, die eine klassische
Stereo-Box mit solider Technik suchen. Canton kommt derartigen Wünschen gerne
nach: Für 449 EUR pro Stück ist die mit einer Nennbelastbarkeit von 150 und
einer Musikbelastbarkeit von 320 Watt angegebene Canton GLE 496 erhältlich.
Lieferbar in Esche-Dekor schwarz, Nussbaum Dekor, Mocca Weiß, Silber Dekor und
Weiß Dekor, ist die Auswahl an Farben recht groß. Geeignet ist der
Lautsprecher für Impedanzen von 4 bis 8 Ohm.
Video
Verarbeitung und Technik
Anschlussterminals
Im Detail - hier die Materialübergänge und die
Aufnahmepunkte fürs Schutzgitter
Bassreflexöffnung hinten
Metall-Haltebolzen des LS-Abdeckgitters
Hochtöner
Hochtöner ausgebaut
Aluminium-Mitteltöner
Mitteltöner ausgebaut
Tieftöner
Tieftöner ausgebaut
Standfüße
Rückseite
Die GLE 496 kommt in klassisch-schlichter Formgebung daher. Spielereien bei
der Optik sucht man hier vergeblich, wer eine im besten Sinne traditionelle
Lautsprecherbox möchte, liegt hier genau richtig. Die GLE 496 ist mit einer
Höhe von 106, einer Breite von 21 und einer Tiefe von 31 cm durchaus als
stattlich zu bezeichnen. Die Folierung, in unserem Falle in Esche Dekor schwarz,
ist ordentlich. Allerdings sind die Gehäuseecken etwas spitz. Vorn schützt ein
ordentlich mit Stoff bespanntes Lautsprechergitter die Chassis. Selbige machen
für die Preisklasse einen hochwertigen Eindruck, dies wird deutlich, nachdem
wir die solide Verschraubung gelöst und sie herausgenommen haben zwecks
genauerer Betrachtung. Dem Standard der Preisklasse entspricht die
Frequenzweiche. Bestückt ist die GLE 496 mit zwei 200 mm messenden
Alu-Tieftönern mit Wave-Sicke, einem 180 mm Mitteltöner, ebenfalls aus
Aluminium, mit Wave-Sicke und einem 25 mm Gewebe-Hochtöner. Den
Übertragungsbereich gibt Canton mit 20 Hz bis 30 kHz an. Die
Übergangsfrequenzten betragen 300 und 3200 Hz. Der Wirkungsgrad fällt auf dem
Papier mit 90,5 dB (1 W, 1 m) gut aus. Die 19,2 kg wiegende Konstruktion hat
kein Bi-Wiring-Terminal - die großen Schraubverschlüsse des Single Wiring
Terminals nehmen problemlos auch Bananenstecker entgegen. Unter dem Lautsprecher
sorgen vier solide Standfüße für guten Halt und einen Hauch optischer
Noblesse.
Bei "Talismanic" von der zweiten CD des ATB-Albums "Future
Memories" bietet die GLE 496 einen lebendigen Klang, der von einer hohen
Neutralität geprägt wird. Der Wirkungsgrad erweist sich als durchschnittlich,
trotz Bassreflex-Austrittsöffnung hinten. Dadurch, dass die Öffnung auf der
Boxenrückseite untergebracht ist, sollte man die GLE 496 nicht direkt an die
Wand stellen. Der gut durchhörbare Hochtonbereich, die tadellose
Pegelfestigkeit und die authentische räumliche Ausbreitung sorgen dafür, dass
die GLE 496 einen bleibenden positiven Eindruck hinterlässt. Kleine
Dynamikunterschiede bei den Effektgefügen stellt sie prima heraus.
Ihre präzise Basswiedergabe stellen die GLE 496 beim Club Mix von "Fire
Wire" (Cosmic Gate) unter Beweis. Der Bass drückt oder schiebt allerdings
nicht so, wie wir dies bei manch anderer Konstruktion erlebt haben. Canton legt
hier offensichtlich besonderen Wert auf Impulstreue und Präzision, erst danach
kommen Volumen und Nachdruck. Der Aufbau der verschiedenen Effekte kommt gut
heraus. Die natürliche, neutrale Gesamt-Charakteristik der GLE 496 wird auch
bei diesem Test-Beispiel deutlich. Mehrere parallel stattfindende akustische
Ereignisse kann die Canton-Box ohne Schwierigkeiten parallel verarbeiten.
Beim 80er Jahre-Chartstürmer "The Sun Always Shine On TV" von a-Ha
haben wir uns das Extended Mix angehört - der Bass wird auch hier wieder
punktgenau getroffen. Störendes Nachschwingen oder auch Durchschlagen ist
selbst bei erhöhter Lautstärke nicht zu vernehmen Sehr gut trennt die GLE auch
die Stimm- von den Instrumental-Anteilen. Die gesamte Darbietung erscheint
frisch und lebendig, der Fokus liegt hier in der Verwirklichung klassischer
HiFi-Ideale. Somit wird die Canton auch klanglich ihrer klassischen Optik
gerecht: Die Präzision ist in allen Frequenzbereichen gut, sie wird weder
schrill noch aggressiv, arbeitet souverän, dickt nirgendwo auf und sollte
leicht angewinkelt auf den Zuhörer eingesetzt wird. Die Räumlichkeit könnte
eine Idee üppiger ausfallen - könnte, muss aber nicht, denn wer den
analytisch-natürlichen Sound liebt, mag kein Übertreiben, sondern einfach
echte, direkte Akustik - und diese bietet die GLE 496 auf jeden Fall.
Richtig gut gefällt uns die Canton bei "It's All Over Now, Baby
Blue" von Bryan Ferry. Der Bass wird wiederum exakt und vom Timing her
stimmig übertragen, hat bei diesem Titel aber auch durchaus ein ordentliches
Fundament. Die Stimme Bryans kommt prima heraus, und das Mundharmonika-Solo
erscheint in sich schlüssig. Der Rhythmus wird von der GLE 496 sehr gut
erfasst, die Struktur ist stets nachvollziehbar. Die Frische und die
Lebendigkeit des Klangs charakterisieren die GLE 496 erneut - diese Auslegung
harmoniert gerade mit Ferrys Stil, den er auf dem Album "Frantic"
verfolgt, ausgezeichnet.
Die rein instrumental vorliegende Titelmelodie des 007-Films "Man Lebt
Nur Zweimal", gespielt vom Royal Philharmonic Orchestra, erfreut durch die
vielschichtige, von den Gruppenlaufzeiten her absolut stimmige Wiedergabe durch
die GLE 496. Kleine Details werden sehr schön herausgearbeitet. Die
verschiedenen Instrumente kommen mit klar erkennbaren Umrissen heraus, gerade
das Hören mit höherem Pegel macht richtig Freude: Die Canton löst den Klang
ausgezeichnet von den Lautsprecher-Chassis und bietet eine realistische
räumliche Weite und Tiefe.
Bei "L'Attesa" von Andrea Bocelli beweisen uns die beiden GLE 496,
dass auch ein Lautsprecher mit einem Stückpreis von weniger als 450 EUR eine
Stimmwiedergabe realisieren kann, die den Vergleich mit deutlich teureren
Konkurrenzprodukten nicht fürchten muss: Kleine dynamische Unterschiede kommen
klar heraus, die Stimme steht gekonnt im Fokus, ohne dass die instrumentale
Präsenz als zu schwach bezeichnet werden könnte. Die Streicher sind tadellos
durchhörbar, die räumliche Ausbreitung im Hochtonbereich ist gut.
Bei Bedrich Smetanas legendärer "Moldau" bestätigt die GLE 496,
was wir eigentlich schon zuvor wussten: Für ihre Preisklasse spielt sie
besonders detailverliebt und natürlich auf. Dadurch ist die Canton-Box in der
Lage, diese bezüglich akkurater Wiedergabe sehr anspruchsvolle Symphonie
gekonnt wiederzugeben. Das ist in diesen Preisklassen alles andere als
selbstverständlich - oft kommt das komplex aufgebaute, mit teils feinen,
teils deutlichen dynamischen Differenzen versehene Meisterwerk nur sehr
unvollkommen zum Ausdruck. Zwar merkt man auch der GLE 460 bei genauem Hinhören
und entsprechender Hörerfahrung die Preisklasse an - sie verbirgt diese jedoch
deutlich geschickter und formt das Fließende, Melancholische der Symphonie
erstaunlich sauber nach.
Konkurrenzvergleich
Magnat Vector 207: Unser
Preis-/Leistungstipp - die optisch ebenfalls konservative, aber nicht
unattraktive und sauber verarbeitete Vector 207 beeindruckt mit tadellosem
Sound. Man merkt nur bei sehr hohem Pegel, dass sie etwas spitz wird.
Nubert nuLine 264: Die deutlich
teurere Nubert rechtfertigt ihren Preis durch edles Finish, tolle
Räumlichkeit, hervorragende Basskraft trotz schmaler Bauform, enorme
Pegelfestigkeit und gesteigerte Souveränität. Für ihren Kaufpreis aber
hält die GLE 496 sehr gut mit.
Reference RF-62 MkII: Die
Klipsch ist etwas teurer und kann die Canton bei Basswucht und Tiefgang auf
die Plätze zwingen. Die GLE 496 spielt dafür natürlicher und
detaillierter auf.
Fazit
Die Canton GLE 496 verkörpert Canton-Engineering in bester Tradition. Sie
ist sauber verarbeitet, für die Preisklasse mit tadellosen Baugruppen
ausgestattet und klingt präzise und natürlich. Der Wirkungsgrad ist
ordentlich, man sollte aber schon einen Verstärker mit entsprechenden Reserven
anschließen. Die hohe Pegelfestigkeit der Canton kann dann auch am besten
ausgenutzt werden.
Die Canton GLE 496 präsentiert sich als optisch klassischer
Standlautsprecher mit präzisem, natürlichen Klang
Standlautsprecher bis 500 EUR/Stück
Test 09. November 2012