Schicker Auftritt: Yamaha 7.2 AV-Receiver RX-V771 für 650 EUR.
Die Leistung fällt mit 7 x 160 Watt (4 Ohm, 1 kHz, 0,9 % Klirrfaktor)
großzügig aus
Sehr gute Anschlussauswahl mit rückseitig fünf
HDMI-Eingängen und zwei HDMI-Ausgängen
Mitgelieferte Fernbedienung mit recht vielen Tasten
Einführung
Für 650 EUR (UVP) ist der Yamaha RX-V771 neu auf dem hart umkämpften
AV-Receiver-Markt der 500 bis 700 EUR-Liga. Er kokettiert mit 7 x 160 Watt
starken Endstufen, diskretem Verstärkeraufbau, Netzwerkfunktionen (Internet
Radio mit vTuner, Napster-Zugang, Streaming von Musikdateien von PCs und Servern im
gleichen Netzwerk), USB-Konnektivität (Direktanschluss von iPod und iPhone mit
Steuerung über die RX-V771-Fernbedienung, USB-Medien wie Sticks etc.) sowie
insgesamt sechs HDMI-Eingängen (einer auf der Front) und zwei HDMI-Ausgängen.
Alle HDMI-Terminals entsprechen selbstverständlich dem Standard 1.4. Das neue,
sehr aufgeräumte Graphical User Interface sorgt für eine leichte
Bedienbarkeit. Dieser sind auch die Yamaha-typischen Scene-Tasten zuträglich.
Wem die mitgelieferte Fernbedienung zu viele Tasten hat, der verwendet einfach
seinen iPod Touch oder sein iPhone als Fernbedienung, die entsprechende App
"Yamaha AV Control" kann man kostenlos im App Store von Apple
herunterladen. Voraussetzung ist allerdings, dass iPod Touch/iPhone und Yamaha
AVR im gleichen Netzwerk eingeloggt sind. YPAO als automatisches
Lautsprechereinmesssystem mit EQ-Funktion unterstützt Multipoint-Einmessungen
an bis zu 8 Hörpositionen. Yamaha setzt zudem auf eine Low Jitter PLL Schaltung
für eine optimale Klangqualität. Die intelligente Endstufenzuweisung
unterstützt Front Bi-Amping, Front Presence (Yamaha-eigene Technologie,
ähnlich wie bei Dolby Pro Logic IIz werden oberhalb der normalen
Frontlautsprecher zwei Front-Effektlautsprecher montiert), Surround Back oder
Zone 2 Lautsprecher. der RX-V771 ist auch mit Yamaha Silent Cinema ausstaffiert,
hier genügt der Anschluss eines normalen Stereokopfhörers an die 6,25 mm
Kopfhörerbuchse, und man kann Surround-Sound auch mittels Kopfhörer genießen.
Natürlich dürfen die für Yamaha typischen DSP-Programme nicht fehlen. Diese
sind HD Audio-kompatibel, es finden sich 17 DSP-Programme an Bord für Musik und
Film. Ein echtes Luxusgerät zum Mittelklasse-Preis ist
hier entstanden - wir schildern unsere umfangreichen Eindrücke im folgenden Test.
Video - Überblick
Verarbeitung
Griffgünstiger Lautstärkedrehregler, gute Materialqualität,
leider keine Rasterung
Eingangswahlregler
Kleine Stufe in der Frontblende aus seitlicher Sicht. Sehr
gute Passungen, schöne Optik
Bedienelemente auf der Frontblende mit tadelloser Verarbeitung
- typisch sind die vier Scene-Tasten, hinter denen sich vorprogrammierter Macros
für verschiedene Funktionsabläufe befinden
Sehr gute Detailqualität
Display mit Punktmatrixauflösung und sehr guter Ablesbarkeit
Innenleben im Überblick - die Verkabelung ist recht
übersichtlich
Platinenlayout
Kühlkörper
Trafo
Mitgeliefertes Messmikrophon
Optisch punktet das gefällige Design für den RX-V771 - doch
man kann durchaus auch genauer hinschauen, die Passungen, z.B. der Frontblende,
sind genau, die Spaltmaße gering. Input-Regler und Lautstärke-Drehregler
liegen gut in der Hand. Die Rückseite ist ordentlich verarbeitet, weist aber
preisklassentypisch keine Material- oder Verarbeitungs-Highlights auf. Die
soliden Standfüße unter dem Gerät sorgen für sicheren Stand und eine
Verringerung störender Vibrationen. Die mitgelieferte Fernbedienung geht aus
qualitativer Sicht in Ordnung. Das Innenleben ist aufgeräumter als bei
früheren Yamaha AVR-Modellen und bietet kaum noch Anlass zur Kritik. Das
Gerätedisplay ist sehr gut ablesbar und löst recht fein auf.
Anschlüsse
Fronteingang inklusive HDMI
Vergoldeter Kopfhörerausgang, 6,25 mm, inklusive
Möglichkeit, Yamaha Silent Cinema zu nutzen (Surround-Sound über Kopfhörer
mit normalem Stereokopfhörer), Direktanschluss für iPhone/iPod, YPAO Mic
Anschlussübersicht
2 HDM-Ausgänge (nicht simultan zu nutzen), 5 Eingänge (auf
der Rückseite)
Menüs und Konfiguration
Der RX-V771 bietet ein neues, von den größeren Yamaha-Modellen
her bekanntes OSD mit einfacher Bedienbarkeit und gelungener Optik. Durch
Drücken der Taste "On Screen" kommt man ins Menü, innerhalb recht
kurzer Zeit sind alle relevanten Einstellungen erledigt.
Eingangswahl - sehr praktisch und übersichtlich durch
entsprechende Symbole
Wahl des gewünschten DSP-Programms über OSD mit Icon zur
Verdeutlichung
Wahl eines DSP-Programms
Automatisches Setup - Einstellungen zu Beginn
Manuelles Setup - deutsch
Bestimmung der Lautsprechergröße
Time Alignment in 5 cm Schritten
Manuelles Lautsprechersetup, hier in englischer Sprache -
grafisch schön gelöst
Hier kann man sich zwischen verschiedenen EQ-Kurven
entscheiden
Wählbare EQ-Kurven
Kopieren von Daten in den manuellen EQ
Testton
Signalinformation über das gerade anliegende Quellsignal
Scene-Programme, dahinter verbergen sich vorprogrammierte
Makros
Klangeinstellungen, hier auf englisch
Videoeinstellungen, einen Video-EQ haben wir nicht gefunden.
Wandler zwischen analogen Videosignalen, zudem gibt es
Processing bis 1080p mit Ausgabe über HDMI
Netzwerkeinstellungen
Multi Zone - mit dem Party Mode kann das identische Signal in
allen Hörzonen ausgestrahlt werden
Funktionsmenü
Wechsel zur Menüsprache Deutsch
HDMI-Einstellmöglichkeiten
Steuerung über iPhone/iPod Touch App
Man kann im Apple AppStore umsonst die Yamaha AV Control
Applikation herunterladen. Wichtig zur Nutzung ist allerdings, dass sich der
iPod Touch oder das iPhone im gleichen Netzwerk befinden wie der RX-V771. Der
AV-Receiver wurde sofort erkannt, und die Verwendung der App konnte beginnen.
Dank der sehr guten Übersichtlichkeit ist es ein Leichtes, den AV-Receiver
mittels der App zu bedienen.
Geräteauswahl
Sehr übersichtliche Darstellung des aktuell gewählten
Eingangs
Sehr schön grafisch gelöst - die verschiedenen,
Yamaha-typischen DSP-Programme können ebenfalls über die App angewählt werden
Eingangswahl inklusive Napster und vTuner-Zugang
Auch die Scene-Funktionen kann man über die App steuern
Ton-Einstellungen
Weitere Klang-Einstelloptionen
Wahl der Hörzone
Netzwerk
Bezüglich Internet Radio ist vTuner integriert, auch das
kostenpflichtige Napster (Account erforderlich, individuelle Musikauswahl)
wählen. Wir haben die vTuner-Funktion schon getestet. Leider sind die Zeiten,
die bis zum Buffern eines Senders vergehen, stellenweise etwas lang. Die
Klangqualität der Sender ist natürlich abhängig von der Datenrate, in der
gesendet wird. Bei Sendern, die in nicht zu niedriger Bitrate zur Verfügung
stehen, ist die Klangqualität sehr gut, und mittels des Music Enhancers kann
man die Güte noch weiter anheben, so dass der Sound recht lebendig und
räumlich erscheint.
vTuner Internet Radio
Basismenü
Musikrichtungen
Division "Techno", anwählbare Sender
Wiedergabe von Mix Radio Trance
Ohne Probleme hat der RX-V771 unsere Server erkannt. Der
AV-Receiver streamt nur Musikdateien. Erfolg hatten wir mit den Formaten FLAC
(verlustfreie Komprimierung) und MP3. Der Music Enhancer hilft auch hier matten
MP3-Files auf die Sprünge und bringt mehr Homogenität und Dynamik ins
Klangbild. Aussetzer gab es keine, die Bedienung der übersichtlichen
Benutzeroberfläche ist einfach.
Server- und PC-Übersicht
Ordner "Test-Files"
Inhalt des Ordners "testmp3"
Wiedergabe eines Titels
An den RX-V771 können iPod Touch oder iPhone direkt
angeschlossen werden, man braucht nur ein entsprechend geeignetes USB-Kabel mit
Apple-Systemanschluss auf der anderen Seite. Das iPad wird nicht erkannt, hier
erscheint im Gerätedisplay der Schriftzug "No Device". Das Handling
von iPod Touch und iPod ist sehr einfach, über die Klangqualität kann man sich
wahrhaftig nicht beschweren, der Sound bei aktiviertem Enhancer ist klar
und frisch.
iPhone, Musikplayer-Betrieb - Übersicht
Wiedergabelisten
Musikvideo-Übersicht
Klang
Akustisch geht der Yamaha RX-V771 den Weg einer tonal neutralen,
sehr klaren Wiedergabe. Er spielt weder samtig noch hart, sondern bietet stets
eine für diese Preisklasse sehr gute Durchhörbarkeit. Diese authentische
Auslegung ist besonders für den reifen, erfahrenen Hörer hochinteressant, muss
er doch nicht Unsummen an Geld für einen AV-Receiver ausgeben, der in seiner
Auslegung dem HiFi-Ideal sehr nahe kommt. Dass ausgerechnet eine DSP-Maschine
wie der 771 diese Klientel durch die neutrale Grundeinstellung mit bedient, mag
überraschend sein, aber aus Sicht Yamahas absolut logisch. Damit man den
Charakter der DSPs überhaupt richtig beurteilen kann, ist es natürlich von
Nöten, dass der AVR dann, wenn kein DSP aktiv ist, neutral und unverfälscht
aufspielen muss und kaum Eigenklang entwickelt darf. Die DSPs greifen sehr
behutsam in den Signalweg ein und nehmen, gerade bei den Cinema DSPs, dem Klang
kaum Brillanz. Die Räumlichkeit gerade im Detail kommt noch eine Spur
intensiver zum Zuhörer - gerade die DSPs Adventure, Spectacle und Sci-Fi
scheinen wie üblich sehr gut gelungen zu sein. Bei den Musik-DSPs wird sehr
deutlich, dass Yamaha diese Programme nicht einfach am PC erstellt, sondern real
existierende Räumlichkeiten akustisch vermessen hat. Die Ergebnisse sind
Grundlage für die DSPs. Damit dürfte aber auch klar sein, dass sich ein
akustischer Benefit nur dann einstellt, wenn das gerade gespielte Material zum
DSP passt. HipHop und das Kammermusik-DSP sind dann eben eine Mischung, die
wenig zufrieden stellende Ergebnisse mit sich bringt. Nutzt man aber das DSP in
seiner eigentlichen Bestimmung, und dazu ist es schließlich da, kann man mit
den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Sehr zufrieden sein kann man auch mit
YPAO, das zuverlässig arbeitet und sehr sensibel in den Signalweg eingreift.
Störende Einflüsse werden deutlich vermindert, ohne dass der Hochtonbereich
matt und oberflächlich wirkt. Auch das maximale Detaillierungsvermögen leidet
kaum, so dass wir die Qualität der Integration als hoch nahezu ohne
Einschränkungen einstufen können.
In unseren Testreihen konnten wir bei der Blu-ray Audio "2L
- the Nordic Sound" (DTS-HD Master Audio) hervorragende Ergebnisse notieren
- hier raten wir dazu, kein DSP zu verwenden. Die Wiedergabe des Allegros von
Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur war so gut, dass wir spontan
auf einen mindestens 1000 EUR teuren AVR getippt haben. Vor allem der
Detailreichtum hat uns enorm überrascht. Da der Yamaha im Hochtonbereich eine
sehr gute Klarheit bietet, deren Prägnanz manchem Anwender bei gehobenem Pegel
unter Umständen etwas zuviel werden dürfte, haben wir den RX-V771 mit
Lautsprechern mit harmonisierendem und räumlich weitläufig aufspielendem
Bändchenhochtöner kombiniert (Quadral Chromium Style
5.1-Surroundset + Chromium Style 100),
das hat ein gleichermaßen gefälliges wie klares Klangbild zur Folge. Beim
Violinenkonzert überzeugen die Streicher durch Schwung und Charme, die
Räumlichkeit und die Front-Surround-Balance sind ausgezeichnet.
Der Kickbass bei DJ Tiestos "Back In Your Head"
(Elements Of Life - Copenhagen, Disc 2, DTS-HD Master Audio) wird bezüglich der
Präzision ein hervorragendes Ergebnis präsentiert - das Timing ist für die
Preisklasse vorbildlich. Auch schafft es der Yamaha, die Basselemente sauber
auseinander zu differenzieren. "Druck im Club" macht der Yamaha aber
nur bedingt, er ist etwas zu zurückhaltend. Bei den Stücken "Melodramma"
und "Romanza" in PCM 5.1 von Andrea Bocelli (BD Vivere - Live in
Tuscany) hingegen ist der sensible Yamaha voll in seinem Element. Schon das
Intro, in dem Andrea zum Zuhörer spricht, gibt der 771 sehr gut wieder. Die
Hintergrundgeräusche - zwitschernde Vögel und das Läuten von Kirchenglocken -
wirken sehr plastisch und nehmen der Stimme keine Präsenz. Als dann das Konzert
beginnt, werden die Beifallsbekundungen des Publikums lebendig besonders von den
Rears wiedergegeben. Die Stimme des blinden Sängers kommt - wie wir es nach
unseren bisherigen Eindrücken schon erwartet haben - erstaunlich detailreich
und mit akkurater Struktur zum Hörer. Dabei wird die Stimme auch bei höherer
Lautstärke tadellos von den instrumentalen Anteilen getrennt.
Im
Stereobetrieb dürfte der RX-V771 Klassikliebhaber ebenfalls absolut begeistern
- der Yamaha entpuppt sich als "Klassik-Liebhaber" unter den AVRs der
Preisklasse zwischen 500 und 700 EUR. Hier haben wir, ebenfalls von Wolfgang
Amadeus Mozart, das Klarinettenkonzert, Köchelverzeichnis 467, angehört und
den "Pure Direct" Modus, der selbst das Gerätedisplay zwecks
Minimierung von Störeinflüssen ausschaltet, verwendet. Die Folge - ein sehr
präziser, sehr feiner Klang, tonal enthält sich der Yamaha hier erst recht
irgendwelchen speziellen Statements. Die sehr sensible räumliche Ausbreitung
ist ebenfalls ein großer Vorzug.
Bei der Nature One Compilation "Das dreizehnte Land"
bleibt der 771 seinem zuvor gezeigten Charakter treu. Im Bassbereich hat er
einen tollen Tiefgang und eine sehr gute Präzision, aber er ist nicht der
Meister, wenn es um Wucht, Nachdruck und Volumen geht. Er präsentiert sich
schlanker als mancher Kollege, holt dafür aber viel Struktur auch aus komplexen
Bassgebilden. Er liefert im Hochtonbereich eine Vorstellung, die von Frische und
Brillanz durchwirkt ist, ab, der Mitteltonbereich ist lebendig und gut
gestaffelt. Die Pegelfestigkeit ist ausgezeichnet, auch im
Multichannel-Stereo-Modus geht der RX-V771 mit hohen Pegeln souverän um. Wer
lieber einen Surround-Aufpolierer einsetzt, der für Musik geeignet ist, dem
wird die Entscheidung relativ leicht gemacht: Das etwas indifferente DTS Neo:6
mit leicht halliger Charakteristik hat gegenüber dem direkter und kraftvoller
aufspielenden Dolby PLII Music keine Chance. Das merkt man nicht nur bei
Techno- und Trance-Musik, sondern auch deutlich bei Klassik: Hören wir Vivaldis
"Vier Jahreszeiten", klingt der Frühling mit PLII Music viel
homogener, es kommt kaum zur Beimischung störender Hallanteile und der Klang
wirkt direkter und nicht so indifferent.
Der DSP-Modus "Spectacle" passt hervorragend zur BD
"Stirb Langsam 4.0" und dem darauf enthaltenen DTS-HD Master
Audio-Soundtrack, dann kommen die Effekte direkt zu Beginn des Films (Explosion
im Haus des Hackers) sehr gut heraus. Aber - auch mit diesem DSP wird der
RX-V771 keine donnernde Effektmaschine, sondern bietet andere Reize. So ist die
Explosion zwar nicht enorm wuchtig, dafür aber sehr gut durchhörbar -
sozusagen "Krach mit Kultur". Stimmen werden stets sehr gut
eingearbeitet, was man direkt zu Filmbeginn beim Telefonat zwischen Matthew
Farrell und Mai Linh merkt, kleine vokale Einzelheiten kommen gut heraus. Im
fünften Kapitel, als Gabriels Killerkommando Matthew Farrell in seiner Wohnung
eliminieren möchte, kommt der erfahrene Cop John McLane dazwischen, was
zu einem effektgeladenen Feuergefecht führt. Die Ortungsmöglichkeit selbst
für kleine Effekte, die der Yamaha offeriert, ist hervorragend, die MP-Salven
aber haben wir schon kraftvoller gehört. Es fehlt etwas an Punch im oberen
Bassbereich, dafür sind die Dialoge von McLane und Farrell tadellos
eingearbeitet, sie wirken weder zurückversetzt noch zu stark im
Vordergrund. Die Explosion des Feuerlöschers zeigt sich wiederum mit sehr guter
Struktur. Bei "Indiana Jones und das Königreich des
Kristallschädels" kann sich der Yamaha in den Szenen, die sich in der
weitläufigen Halle auf der AREA 51 abspielen, durch seinen sehr guten
Detailreichtum hervortun. Als Indy das Schießpulver in der Halle verteilt, um
den Weg zum gesuchten, stark magnetischen Material zu finden, sind auch kleinste
Geräusche tadellos eingearbeitet. Die Fahrgeräusche bei der Jagd durch die
Halle klingen authentisch und haben viel Struktur - allerdings bietet bei den
Faustschlägen und den Explosionen mancher Kontrahent mehr Pfeffer und
Nachdruck. Der Yamaha entfaltet eine überzeugende Räumlichkeit, ist dabei
allerdings auf den Support eines hochwertigen Lautsprecher-Sets angewiesen.
Dadurch, dass der 771 alles andere als ein effekthaschender und vordergründig
aufspielender AVR ist, muss man diesen Eigenschaften bei der Wahl des
Lautsprechersets Rechnung tragen: Die ins Auge gefassten Schallwandler sollten
in der Lage sein, mit Räumlichkeit und mit sauberer Detaillierung zu punkten.
Bei "Casino Royale" baut der RX-V771 den Soundtrack sehr gut und
lebendig auf. Der durch die Musik verdeutlichte Spannungsbogen kommt in
ausgeprägter Form zum Auditorium. Man kann den Film durch ein entsprechendes
DSP "würzen" - "Adventure" mit sehr hoher Weitläufigkeit
oder "Spectacle" mit im Detail intensivierter Effektwiedergabe bieten
sich hier an. Wir haben uns die Madagaskar-Sequenz mit "Spectacle"
angehört und waren sehr angetan. Der Yamaha wird zwar auch dann kein Wunder an
Nachdruck und offensichtlich zur Schau gestellter Kraft, doch die Strukturen
aller Arten von Effekten sind noch etwas prägnanter
herausgearbeitet.
Insgesamt weiß der Yamaha schon durch seine beinahe
HiFi-gemäße Abstimmung zu überzeugen. Er verschafft sich auf anderem Wege
Respekt - und zwar durch seine enorme Neutralität und seine sehr gute
Detailtreue. Somit stellt er eine sehr verlockende Alternative für den
klanglichen Analytiker dar - nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es
schwierig sein dürfte, in dieser Preisklasse einen tonal ähnlich authentisch
aufspielenden AVR zu finden.
Videosektion
Bei Videomaterial wird Durchschnittliches geboten. Die Umwandlung eines 576i
Signals in ein 1080p Signal bei der Avec Professional Test DVD konnte nicht
in letzter Konsequenz überzeugen. Bei den schwarzen und weißen
Schriften, die in verschiedenen Geschwindigkeiten vor verschieden farbigem
Hintergrund durchlaufen, sind die langsameren Schriften gut erkennbar, der Lauf
ist recht ruhig und stabil. Bei der schnellsten Schrift jedoch mischen sich
sichtbare Nachzieher und Flimmern ins Bild - das haben wir schon besser gesehen.
Bei den sich drehenden Siemenssternen (einer im Zentrum, vier in den
Bildschirmecken) ist die Leistung deutlich besser, die Sterne laufen ruhig, die
Segmente der kleinen Sterne aber sind nicht besonders scharf. Farbrauschen hält
sich im vertretbaren Rahmen. Das bewegte Stadtbild von Esslingen flimmert
minimal, die Farben wirken sehr realistisch und auch der Kontrast ist gut. Die
Struktur der Rasenflächen wird prima wiedergegeben. Bei den Dachziegeln der
Häuser sind Flimmereffekte bei den Kameraschwenks zu sehen, diese bleiben aber
im Rahmen. Bei Filmmaterial (Star Wars Episode II ab Beginn) sind die Leistungen
gut, liegen aber nicht über dem Durchschnitt- Das Gelb der Laufschrift zu
Beginn wirkt sehr authentisch, der Lauf der Schrift könnte aber noch ruhiger
und der Gesamtbildstand noch stabiler sein. Zudem ziehen sich bei den nach
hinten durchlaufenden Schriftteilen leichte Linien quer durch die Schrift. Als
der Sternzerstörer durchs Bild gleitet, sichtbar wird, gefällt die prima
Bildschärefe, aber das leichte Zittern verhindert noch bessere Zensuren. Als
die Raumjäger von Obi-Wan nach unten in die Schlacht abkippen, ist die
Plastizität sehr gut, zudem sind die Ebenen bis weit nach unten
durchmodelliert. Die Gesichter von Obi-Wan und Anakin in ihren Raumgleitern sind
prima detailliert, die Farben wirken natürlich. Einzelheiten an den
Raumfluggeräten sind gut erkennbar.
Konkurrenzvergleich
Es herrscht enormer Leistungsdruck in der Preisliga, in der der RX-V771
beheimatet ist. Jeder der Hersteller versucht, einen eigenen Weg zu gehen. Der
RX-V771 versucht sich mit Erfolg als neutrale AV-Maschine, die in der
Grundauslegung dem klassischen HiFi-Ideal nahe kommt: Dynamisch, praktisch frei
von interpretatorischen Einflüssen und mit prima Detailarbeit. Die Konkurrenz
besetzt andere Felder: Als enormer Dynamiker für den Filmtonbetrieb empfiehlt
sich der Pioneer VSX-921, der überdies
hinaus mit seinen tollen iPod/iPad-Apps auftrumpfen kann. Die Videosektion ist
etwas besser als beim RX-V771, der dafür mit seinen DSP-Programmen Punkte
sammelt. Gerade bei der neutralen Basisauslegung des 771 machen diese Programme
Sinn, denn man kann die Nuancen, die sich, je nach Programm verändern, auch
wirklich heraushören. Mit samtiger, schöner Auskleidung des Hochtonbereichs
und einem fließenden Sound mit hervorragenden Übergängen tut sich der Onkyo
TX-NR609 hervor, der auch mit seiner edlen, schnörkellosen Optik
überzeugen kann. Mittlerweile gibt es auch eine iPod/iPhone-App für den 609.
Der Denon AVR-1912 zeigt es deutlich - auch in
diesem Preissegment ist Denon zu einer absoluten Spitzenkraft geworden. Der 1912
betätigt sich Denon-typisch als Harmoniespender, bietet aber gleichzeitig eine
sehr gute Durchhörkeit und ist sehr pegelfest. Punkte verliert der Denon bei
der schmal ausgestatteten Videosektion. Der Vorgänger war hier besser
bestückt.
Fazit
Der Yamaha RX-V771 besticht durch seine sehr gute Ausstattung, die kaum
Wünsche offen lässt. Die Netzwerksektion ist tadellos bestückt, man kann beim
Thema Internet Radio zwischen der kostenlosen vTuner Applikation und Napster
wählen. Streamen kann der RX-V771 auch, allerdings nur Musikdateien. Das
funktioniert tadellos, mittels dem Music Enhancer lässt sich zudem die
Qualität datenreduzierter Musikdateiformate effektiv verbessern. Der Klang des
wie üblich mit umfangreichen DSP-Programmen bestückten RX-V771 ist in der
Grundeinstellung ohne DSP-Einsatz von lebendiger Neutralität geprägt. Der
Yamaha präsentiert sich als eine authentische Wiedergabemaschine, die mit
präzisem Bass, klarer Ausgestaltung der Mitten und frischem Hochtonbereich
gerade für Verfechter des HiFi-Ideals eine große Kaufempfehlung darstellt. Es
gibt Konkurrenten, die im Bassbereich mehr Nachdruck und mehr Volumen besitzen,
aber dies macht der Yamaha durch die sehr exakte Wiedergabe und den
ausgezeichneten Tiefgang Wett. Der Hochtonbereich bietet viel Brillanz, was aber
bei qualitativ weniger guten Quellen dazu führt, dass man mit dem Pegelregler
im Sinne akustischer Harmonie etwas vorsichtiger umgehen sollte. Das GUI
gefällt uns sehr gut. Insgesamt ist die Bedienbarkeit einfach, erst
recht, wenn man über ein iPhone oder einen iPod Touch verfügt und sich die
grafisch sehr schöne, leicht verständliche App herunterlädt. Die
Videosektion setzt keine neuen Standards.
Sauber abgestimmter, preislich sehr interessanter AV-Receiver
mit ausgezeichneter DSP-Sektion
AV-Receiver Mittelklasse
Test 14. Juli 2011
+ Neutraler und dynamischer Klang
+ Sehr gute DSPs
+ Tolle Stereo-Performance
+ Tadelloses Einmesssystem
+ Insgesamt durchdachtes Bedienkonzept
+ Gute Verarbeitung
+ Fairer Preis