TEST: 9-Kanal-AV-Receiver Pioneer SC-LX75 - audiovisueller Könner mit zukunftsweisenden Bedienmöglichkeiten

26. August 2011 (cr/phk)

SC-LX75 für 1899 EUR

Anschlussvielfalt

Bekannte Fernbedienung

Einführung

Brandneu auf dem AV-Receiver-Markt ist der Pioneer SC-LX75 für 1899 EUR (UVP). Das im neuen, modern-schlichten Pioneer-Design gehaltene Gerät bringt nicht nur ein THX Select 2 Plus und ein Air Studio Zertifikat mit, sondern darüber hinaus, erstmalig bei Pioneer, neun eingebaute Direct Energy HD Endstufen mit satten 180 Watt Leistung pro Stück (1 kHz, 8 Ohm). Typisch für Pioneer kommen digitale ICEPower Endstufeneinheiten mit hoher Effizienz zum Einsatz. Dazu kommen zum Aufbau eines 9.2 Setups auch zwei Vorverstärkerausgänge zum Anschluss externer aktiver Subwoofer. Neu ist der DAC Filter mit drei einstellbaren Charakteristiken (Slow, soft and warm/Sharp , solid and tight/Short, quick and forward). Der mit 32 Bit-DACs ausgestattete AVR ist Apple Air Play kompatibel und kann über das iPhone/den iPod Touch sowie mittels Android-Smartphones mit der modernen iControl AV2 App gesteuert werden. Der neue Surrounddecoder dts Neo:X ist genauso mit an Bord wie Neural THX als weiterer Surroundaufpolierer. Advanced MCACC kann an bis zu 3 Hörposionen exakt einmessen und ein präzises Equalizing vornehmen. Bis zu drei Hörzonen (Audio und Video) unterstützt der SC-LX75, zudem ist der DLNA 1.5 zertifiziert, verfügt über einen Win7 Streaming-Client und kann Musik von PCs und Servern im gleichen Netzwerk streamen. Ein hochwertiger Videokonverter nimmt analoge und digitale SD-Signale entgegen und transformiert sie auf 1080p. 

Video-Overview

 

Verarbeitung

Solides Finish

Alu-Frontblende

Oberflächenqualität

Fuss

Standbyschalter

Hochwertiger Eingangswahl-Regler

Die geöffnete Frontklappe gibt den Blick auf weitere Bedienelemente frei

Der SC-LX75 tritt für einen großen AVR optisch relativ schlank auf. Die Zeit der Panzerschrank-Optik ist passé, nun ist schlichte, zeitlose Noblesse Trumpf. Die großen, griffsympathischen Drehregler für Quellwahl und Lautstärke liegen hervorragend in der Hand. Der Quellwahlregler ist gerastert, der Lautstärkedrehregler leider nicht – hier würde eine Rasterung dem edlen Gesamteindruck gut bekommen. Das Display löst ordentlich auf, ist aber nur einzeilig. Auf der Frontblende befindet sich eine Klappe, unter der weniger oft benötigte Bedienelemente zu finden sind, sie ist sauber eingepasst, fällt allerdings etwas schnell nach unten. Hier wäre eine höher wertige Dämpfung angebracht. Die Geräterückseite ist solide verarbeitet und weist keine Schwächen auf. Unter dem Gerät sorgen große Standfüße für guten Halt. Die mitgelieferte Fernbedienung ist aus qualitativer Sicht gut. Im Inneren zeigt sich der SC-LX75 als hochwertig aufgebauter kleiner Bolide mit tadelloser Baugruppen-Qualität. Die Verkabelung ist ordentlich, der Aufbau des Chassis wirkt sehr vertrauenswürdig. 

Innerer Aufbau

Elkos

Im Detail

HDMI-/Videoboard

Trafo

Anschlüsse

6 HDMI Eingänge hinten

2 Subwoofer-Pre-Outs

Komponenten-Video-Anschlüsse

Lautsprecherkabelanschlüsse

Hinten finden sich 6 HDMI 1.4a Eingänge und 2 HDMI 1.4a Ausgänge. Des Weiteren gibt es einen DC Output für den Wireless Lan Konvertert. Eine Netzwerkschnittstelle sowie ein Adapter Port sind ebenfalls vorhanden. Eine RS232 Schnittstelle dient der Integration des AVRs in Haussteuerungsyysteme. Antennenanschlüsse für FM und AM sind auch zu finden. Es gibt zwei IR-Eingänge und einen IR-Ausgang, hinzu kommen zwei 12 V Trigger und Control in/out. Drei optische und 2 koaxiale Digitaleingänge werden von einem optischen digitalen Ausgang ergänzt. Für die 2. Und die 3. Hörzone sind FBAS Videoausgang und 2-Kanal-Audioausgang vorhanden. Ein Phonoeigang und ein CD-Eingang liegen in Cinch-Stereo-Form vor, zudem gibt es mit DVD, TV/Sat und DVR/BDR drei AV-Eingänge mit Cinchbeschaltung. Ein FBAS Monitorausgang und bei DVR/BDR ein AV-Ausgang sind ebenfalls vorhanden. Komponenten-Video-Eingänge finden sich zwei, hinzu kommt ein Ausgang. Die Lautsprecherkabel-Anschlüsse entsprechen dem guten Durchschnitt. Vorn offeriert der SC-LX75 den Anschluss fürs Messmikrophon, einen USB-Port (5 V, 2,11 A), einen weiteren HDMI-Eingang sowie eine 6,25 mm vergoldete Kopfhörerbuchse. 

Bedienung

Grundmenü

Manuelles Lautsprecher-Setup

HDMI-Setup

 

AV Navigator-Grundmenü-Leiste

Interaktive Anleitung

Gute Anleitung

MCACC-Datentransfer auf den PC

Grafische Darstellung auf dem PC-Monitor

Die Menüs sind vom Vorgänger her bekannt, grafisch gut gelöst und trotz des reichhaltigen Funktionsumfanges relativ übersichtlich. Nicht so gut gefällt uns, dass die Funktionen „Audio Parameter“ und „Video Parameter“ nur mittels des Gerätedisplays genutzt werden können. Hier wäre eine On Screen Präsentation wünschenswert. Die Fernbedienung kennen wir schon vom SC-LX73, sie liegt gut in der Hand, das Navigationskreuz lässt sich prima bedienen. Man kann für den SC-LX75 auch die Fernbedienung des SC-LX73 verwenden, hier hat Pioneer auch den werksseitig programmierten IR-Code nicht verändert. 

Neu: Der SC-LX75 wird mit der Software „AV Navigator“ ausgeliefert, die auf dem PC installiert wird (problemlos, überprüft mit Win7 Home Premium). Der AV-Navigator hilft bei allen Bedienfragen und ist untergliedert in das Wiring Navi (hilft beim Verkabeln), die interaktive Bedienungsanleitung (leicht verständlich, alle relevanten Punkte enthalten), das Glossary, die MCACC Applikation (hier kann man MCACC-Datensätze vom Receiver zum PC transportieren), die Möglichkeit zum Software-Update, Basis-Einstellungen (Settings) sowie die wichtige Funktion „Detection“ hier wird der AV-Receiver im Netzwerk erkannt. Wir halten die Interaktionsmöglichkeiten, die sich durch den AV Navigator auftun, für momentan konkurrenzlos, Pioneer hat hier einen durch die Bank gelungenen Schritt in die interaktive Zukunft unternommen, der bei uns auf viel Beifall trifft. Es macht einfach Spaß, durch die zahlreichen Hilfen mit dem SC-LX75 umzugehen und das Gerät täglich besser kennen zu lernen. 

Netzwerk und Multimedia

iTunes-Audiosteuerung von entfernten Lautsprechern zulassen - dieser Punkt muss in iTunes aktiviert werden

SC-LX75 kann ausgewählt werden

Regelung der Lautstärke bei AirPlay

Multimedial zeigt sich der SC-LX75 aufgeschlossen. Mittels des mitgelieferten kleinen Konverters kann der AV-Receiver auch in ein Drahtlosnetzwerk eingebunden werden. Man nimmt einfach das mitgelieferte Netzwerkkabel und verbindet damit Konverter und AVR. Das Modul hat sogar WPS für besonders einfache Einbindung mit an Bord und wird über ein seperates Netzteil gespeist. Ein iPod oder ein iPhone können direkt am USB-Port vorn mittels eines USB-Kabels anschlossen werden. Die Steuerung erfolgt dann über die Fernbedienung des SC-LX75. Des Weiteren sind verschiedene Apps kostenlos erhältlich, die sich auch für die Nutzung zusammen mit dem SC-LX75 eignen. Eine beinahe komplette Steuerung des AVRs ist mit der iControl AV2 möglich. Das Programm funktioniert auch mit dem iPad, dann hat man eine besonders attraktive grafische Darstellung. 

Auch im Android Market gibt es iControl AV2 für Android-basierte Smartphones. In unserem Test wurde der SC-LX75 direkt erkannt und der Steuerungsprozess konnte beginnen. Integriert ist auch Apple AirPlay. Auf einfachem Wege können die Tracks aus iTunes über den SC-LX75 wiedergegeben werden. Zu tun ist nur folgendes: Natürlich muss der Pioneer im Netzwerk integriert sein, zudem braucht man iTunes auf dem PC oder Notebook. Im Programm iTunes geht man dann auf „Bearbeiten“, in diesem Menü auf „Einstellungen“ und hier wählt man die Karteikarte „Geräte“ und setzt einen Haken bei „iTunes-Audiosteuerung von entfernten Lautsprechern aus zulassen“. Dann kann man unten rechts im Screen bei der Auswahl angeschlossener Lautsprecher den SC-LX75 auswählen, und der Spaß kann losgehen. 

Internet Radio - alle Sender eines Genres (Dance)

Internet Radio, Wiedergabe eines Streams

Funktionsübersicht

Track-Übersicht

Der Pioneer ist ebenfalls in der Lage, Musikdateien (MP3, FLAC, WMA, LPCM) zu streamen, die auf Servern oder PCs abgelegt sind, die sich im gleichen Netzwerk befinden. Integriert ist auch eine auf vTuner basierende Internet Radio Funktion, die sich durch übersichtliche Menüs und kurze Bufferzeiten ausgezeichnet. Optional ist noch der Bluetooth-Adapter AS-BT200 lieferbar. 

Testequipment
Klang

Übertrifft der SC-LX75 aus akustischer Sicht seine Vorgänger?

MCACC: MCACC arbeitet sehr präzise und ist nach unseren Erfahrungen das derzeit beste Einmesssystem mit Room EQ-Funktion. Der Einmessvorgang wird nach Anschluss des Mikrophones gestartet und dauert einige Zeit, da MCACC auch stehende Wellen korrigiert und sich ausführlich den Gruppenlaufzeiten annimmt. Dafür aber begeistern die Ergebnisse: Präzise und klar ist der Klang, MCACC „schneidet“ nicht einfach zwecks einer Zwangs-Harmonisierung alle Lautsprechersysteme auf einen durchschnittlichen, akustisch faden Level zusammen, sondern arbeitet punktgenau und greift nur da ein, wo wirklich Bedarf besteht. Zu loben sind auch die 6 Speicherplätze, man kann zwischen den Speicherplätzen auch Daten hin- und herkopieren. 

Basismenü Advanced MCACC

Während des Einmessvorgangs arbeitet MCACC viele Parameter ab

Analyse der Gruppenlaufzeiten

EQ Professional - hier können versierte Anwender auch selber aktiv werden

MCACC-Ergebnisse

EQ-Kalibrierung

Gruppenlaufzeiten vor Bearbeitung

Gruppenlaufzeiten nach Bearbeitung

Ab Werk misst der SC-LX75 nur eine Hörposition ein. Mittels einer etwas umständlichen Prozedur können aber noch 2 weitere Hörpositionen eingemessen werden, und das geht folgendermaßen: Zuerst Advanced MCACC im Hauptmenü anwählen, hier muss dann das manuelle MCACC ausgewählt werden, und unter dem Punkt „EQ Professional“ wird der die Option Stand-Wave auf Multi-Position gesetzt, danach kann das Mikrophon an einer zweiten sowie dritten Hörposition aufgestellt und der Vorgang gestartet werden. Versierte Anwender können im Advanced MCACC-Menü unter "Manual MCACC" auch viele Parameter selber justieren, die grafische Aufbereitung ist sehr gut, zudem kann, wie schon beschrieben, auch ein Datentransfer zum PC ermöglicht werden.

Im Neural THX Surroundaufpolierer-Modus in Verbindung mit aktiviertem Sound Retriever für die klangliche Verbesserung stark datenreduzierter Formate erzielt der SC-LX75 hervorragende Leistungen. Nach der aufwändigen Einmessung (allerdings nur an einer Position, um möglichst exakte Ergebnisse, die genau auf diese eine Hörposition zugeschnitten sind, zu bekommen) fiel uns ohnehin der präzise, genau auf den Punkt kommende Klang auf. Selbst dann, wenn datenreduzierte Tracks (MP3) von unserem Server wiedergegeben werden, fällt auf, wie dynamisch der Pioneer auch kleine Differenzen wiedergibt. Er hat nach wie vor, wie auch die Vorgänger, jede Menge Kraft, aber bei Pioneer arbeitet man sich langsam auch, was die Sensibilität im Umgang mit dem Material angeht, an die Klassenspitze vor: Der SC-LX75 ist ein gleichermaßen kultivierter wie antrittsstarker, kraftvoll agierender AV-Receiver. Und der „Sound Retriever“ arbeitet exzellent – er schiebt nicht vordergründig an, was schnell zu einem überzogenen, Dynamik vorgaukelnden Klangbild führt, sondern optimiert zielsicher im Detail: Bässe haben mehr Struktur und Tiefgang, die Mitten wirken nicht mehr so blass und weisen mehr Facetten auf, der Hochtonbereich streift seine eintönige Müdigkeit ab und wird merklich brillanter – ohne dass das Ergebnis aggressiv oder scharf erscheint. Auch Internet Radio Sender, die rasch gebuffert werden, klingen prima, hier, das ist klar, variiert das Ergebnis natürlich von Station zu Station. Wie schon erwähnt, überzeugt uns Neural THX mit sehr ausgewogener Front-/Surroundbalance und angenehmer Tonalität . Kaum etwas wird verbogen, im direkten Hörvergleich erscheint selbst das sonst so harmonische Dolby PLII Music nicht ganz so gut. Der SC-LX75 hat auch den neuesten Decoder von dts, Neo:X, mit an Bord – wie schlägt sich dieser im Music-Modus? Vorzug von dts Neo:X ist nicht nur der Support z.B. auch von 11.2 Lautsprecher-Konstellationen, sondern auch, dass modernste Algorithmen zum Einsatz kommen. Neo:X klingt sehr klar und bringt eine sehr lebendige, dynamische Darstellung zustande. Das subjektive Hörgefühl ist ähnlich wie bei Neural THX auf sehr hohem, durch die gute Durchhörbarkeit und die geschlossene Klangkulisse geprägten Niveau. 

Normale CDs in Stereo (Modus Direct) kommen sehr gut zur Geltung. Die Wiedergabe des Tiesto-Mixes des Goldfrapp-Hits „Rocket“ überzeugt durch Fundament und Präzision. Der Tiefgang des Pioneer ist exzellent, er spielt ungemein präzise und bietet im Punkt Detailfreude sehr viel mehr als frühere Modelle, auch der Vorgänger SC-LX73 wird hier in den Schatten gestellt: Kleine dynamische Differenzen, z.B. in der Stimme der Sängerin, oder das Timing der sich zum Bass gesellenden kleinen Synthesizer-Effekte wurden nochmals verbessert. Sicherlich muss man genau hinhören, schließlich war bereits der SC-LX73 ein sehr talentierter AV-Receiver. Wer sich die Mühe macht und entsprechende Hörerfahrung mitbringt, wird aber begeistert sein – wobei das Mehr an Präzision auf verschiedene Faktoren zurückzuführen sein dürfte: Die wiederum verbesserte ICE Power Digitalendstufe scheint ihr Arbeitsprinzip völlig zu vergessen, denn der Antritt ist nochmals geschmeidiger und analogen Endstufeneinheiten ähnlicher geworden. Gerade im sensiblen Hochtonbereich wird der Raum sorgfältiger ausgeleuchtet, das ganze Geschehen mit mehr Finesse ins tonale Gesamtbild integriert. Der Klang löst sich auch noch eine Idee besser von den Lautsprechern als beim Vorgänger. Tonal agiert der SC-LX75 neutral und bleibt enorm souverän bei hohen Pegeln – das kennen wir allerdings bereits von Pioneer. Auch im Stereobetrieb profitiert man vom weiter optimierten MCACC, zwar gleichen sich die MCACC-Menüs SC-LX73 – SC-LX75 in vielen Punkten, was vor allem die Bass-Präzision angeht, kann der MCACC-optimierte SC-LX75 gegenüber einem MCACC-optimierten SC-LX73 nochmals zulegen. 

Bei der hervorragenden aufgenommenen Blu-ray Audio „2L – The Nordic Sound“ kann der SC-LX75 beim in DTS-HD Master Audio vorliegenden Stück von Wolfgang Amadeus Mozart „Violinenkonzert in D-Dur, Allegro“ erneut mit seiner im Vergleich zu früheren Modellen gesteigerten Feindynamik punkten. Die Violine besitzt mehr Strahlkraft und breitet sich räumlich feiner aus. Die Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzspektren Hochton-/Mittelton-/ und Bassbereich sind fließender, der SC-LX75 offenbart uns ein sehr gleichmäßiges, in sich geschlossenes Klangbild, dies ist in allen Konstellationen ab 5.1 hörbar. 

Für diese Blu-ray Audio braucht man sie bestimmt nicht – aber trotzdem fährt der SC-LX75 verschiedene DSP-Programme auf. Action, Drama, Sci-Fi, Mono Film, Entertainment Show, Expanded, TV Surround, TVAdvanced Game, Sports, Classical, Rock/Pop, Unplugged sowie die beiden Front Stage Surround Modi Focus und Wide stehen zur Verfügung. Die beiden letzteren Programme sind für virtuellen Surroundklang nur aus Frontlautsprechern gedacht. Über die Taste „Audio Parameter“ auf der Fernbedienung kann der Anwender während des Betriebs weitere Justagen vornehmen. Hier sind einstellbar: Auswahl des MCACC-Memorys/Speicherplätze 1 bis 6 (das hat den Vorteil, dass man z.B. für Musik, TV-Shows und Filmwiedergabe jeweils ein eigenes MCACC-Setup erstellen kann), Delay, DFilter mit verschiedenen Charakteristiken (z.B. Short, Slow, Sharp), Duale Hörkanäle, Fixed PCM an/aus, LFE-Pegel. SACD Gain, HDMI-Tonzuweisung und A. Delay.

Im Filmtonbetrieb durfte der SC-LX75 seine Fähigkeiten bei der Blu-ray „Stirb Langsam 4.0“ (Tonspur englisch, DTS-HD Master Audio) unter Beweis stellen. Direkt ab Filmbeginn begeistert erneut die Detaillierung, das Tippen auf der PC-Tastatur, kleinere Effekte im Hintergrund und der sich durch den Music Score langsam steigernde Spannungsbogen kommen sehr gut heraus. Die Stimmwiedergabe gefällt durch ein gesteigertes Maß an Konturenschärfe und fügt vokale Elemente noch besser ins Gesamtgefüge ein. Stimmen erscheinen genau richtig ausbalanciert und sind weder zu stark im Vordergrund noch zu deutlich im Hintergrund. Mit Wucht, Präzision und Struktur gibt der SC-LX75 die erste große Explosion im Haus des Hackers wieder. Die effektgewaltige Sequenz in der Wohnung von Matthew Farrell enthüllt die Qualitäten des Pioneer als bester Kino-Entertainer. Die MP-Salven donnern dynamisch durch die arg mitgenommene Wohnung, zersplitternde Glasscherben stieben mit Nachdruck in alle Richtungen davon, auch kleine Effekte kommen gut heraus, so der Wechsel des Magazins an McLanes Waffe. Das ganze akustische Erlebnis wird als ungemein räumlich und natürlich wahrgenommen, man kommt sich wirklich vor, als wäre man mitten im Geschehen. Als ein Schuss die auf einem Board aufgestellte Figur von Matthew trifft, ist das Umkippen der Figur trotz der vielen Effekte gut heraus zu hören. Die kurz darauf folgende Explosion der Wohnung von Farrell überzeugt durch enormen Nachdruck und viel räumlicher Tiefe sowie Weite. 

Auch bei herkömmlichen Dolby Digital-Tonspuren entfacht der Pioneer ein richtiges Entertainment-Feuerwerk, schon der THX-Trailer im Vorfeld zu „Star Wars Episode III“ brilliert durch Tiefgang im Bassbereich, durch Nachdruck insgesamt und durch die gesteigerte Detailfreude. Als dann der Film mit dem Durchflug des Sternzerstörers startet, entfacht der SC-LX75 bei der Raumschlacht einen atmosphärisch dichten Klang mit weitläufiger Ausbreitung über alle Kanäle. Explosionen haben nicht nur Wucht, sondern überzeugen darüber hinaus durch Facettenreichtum. Der Music Score wird sehr emotional eingebunden. 

Insgesamt begeistert uns der SC-LX75 akustisch durchweg: Mit Maßstäbe setzender Pegelfestigkeit, die derzeit von keinem anderen Konkurrenten in der Liga bis 2000 EUR erreicht wird, neu hinzugekommender exzellenter Feindynamik, tonaler Neutralität, überragender Grobdynamik ind einer erstklassigen Räumlichkeit, sowohl was die räumliche Weite, als auch das die räumliche Tiefe angeht. Kurz gesagt, Pioneer hat es geschafft, Gutes noch besser zu machen, der SC-LX75 präsentiert sich als kleines akustisches Meisterwerk. 

Videosektion

Wie sehen die Qualitäten des Pioneer als Video-Prozessor aus? Wir legten die Star Wars Episode II DVD ein und ließen den SC-LX75 eine Upconversion von 576i auf 1080p durchführen. Im Vergleich zum Vorgänger steht die gelbe Laufschrift deutlich stabiler, es ist weniger Rauschen vorhanden und das Gelb erscheint authentischer. Sehr praktisch ist die Vorstellung „PDP“ (steht für „Plasma Panel Display“, zu finden bei den Video-Parametern) für unseren Panasonic TX-P50GT30. Das Bild wirkt tief und überzeugt mit sehr gutem Schwarzwert. Der Pioneer holt zudem viele Sterne in die unendlichen Weiten des Alls. Als dann der Sternzerstörer durchs Bild gleitet, sind wir beeindruckt: Auf einen Schlag ist Pioneer in der Top-Liga der AV-Receiver in ihrer Ausprägung als Videoschaltzentrale gelandet.Der Zerstörer weist scharfe Konturen auf, nach sehr kurzer Zeit rastet der De-Interlacer gleich ein. Auch der Flügel, der im Schatten liegt, wird exakt detailliert – da waren die Vorgänger sichtbar schlechter. Hervorragend ist das Panorama, welches der SC-LX75 beim Abkippen der scharf und exakt durchzeichneten Raumjäger bereit stellt, bis in die tiefsten Bildebenen sind alle gezeigten Objekte klar und mit feiner räumlicher Differenzierung zu erkennen. Ein Sprung nach vorn gelang auch bei der Darstellung von Hautfarben. Die Gesichter von Obi-Wan und Anakin wirken ungemein realistisch, auch kleine Hautnuancen und die Poren kommen ausgezeichnet heraus. 

Und wie kommt der SC-LX75 s mit Videomaterial zurecht, welches auf der AVEC Professional Test DVD enthalten ist und von 576i auf 1080p hochkonvertiert wird? Hier unsere Ergebnisse. Die in verschiedenen Geschwindigkeiten durchlaufenden Schriften werden gut, aber nicht sensationell dargestellt. Es ist etwas Bildrauschen vorhanden, die Farbtrennung könnte noch besser ausfallen. Die vier Siemenssterne in den Bildschirmecken und den einen großen zentrierten Siemensstern gibt der SC-LX75 gut wieder, nur leichtes Farbrauschen ist da, die einzelnen Segmente können auch bei den kleinen Sternen gut auseinander differenziert werden. Das Pendel mit rotblauem Innenleben, das über die stehende schwarze Linie in unterschiedlichen Geschwindigkeiten schwingt, wird recht scharf und nur mit geringer Neigung zu Nachziehern wiedergegeben. Mit guter Bildschärfe erscheint das bewegte Stadbild von Esslingen, die einzelnen Dachziegel auf den Hausdächern werden sehr gut präsentiert, es kommt nur zu geringem Flimmern. Etwas Rauschen mischt sich in die ansonsten relativ ruhigen Kamerafahrten. Die Farben wirken authentisch. 

Konkurrenzvergleich

Der SC-LX75 schneidet hervorragend auch im Vergleich zur starken Konkurrenz ab. Der Vorgänger Pioneer SC-LX73 kann nicht ganz mithalten, so ist die Videosektion schlechter, die multimedialen Möglichkeiten sind beim SC-LX73 auf ein Minimum reduziert, während der SC-LX75 voll auftrumpfen kann. Klanglich ist der „Neue“ feindynamisch besser, geschmeidiger und nochmals pegelfester geworden. Ein harter Kontrahent ist der Denon AVR-4311. Er klingt etwas runder, aber nicht unpräziser als der SC-LX75, hat ebenfalls AirPlay mit an Bord und ist blendend verarbeitet. Ganz so pegelfest ist der schicke Denon aber nicht, zudem ist er teurer. Der preisgünstigere Onkyo TX-NR1009 hat auch schon neun Endstufen und sehr viele Decoder, darunter auch Audyssey DSX, eingebaut. Er ist sogar THX Ultra 2 Plus lizenziert und klingt enorm angenehm, seidig und doch klar. Die Videosektion ist fürs Geld ausgezeichnet. Der Pioneer ist pegelfester, dynamischer und bietet das bessere Einmesssystem, kostet aber auch mehr Geld und hat nicht so viele vorinstallierte Internetplattformen wie der TX-NR1009, der damit für Preis-/Leistungsorientiere und Videoprozessor-Suchende erste Wahl ist, während sich der akustische Kenner zwischen dem harmonischen Denon und dem enorm antrittsstarken, glasklar darstellenden Pioneer entscheidet. 

Fazit

Pioneer präsentiert mit dem SC-LX75 einen enorm leistungsstarken, optisch schönen AV-Receiver mit hochmodernem Bedienkonzept. Dank des interaktiven AV Navigators sind alle Fragen zu Einstellung und Betrieb des Neunkanal-Receivers schnell und umfassend geklärt. Die multimedialen Eigenschaften sind exzellent, AirPlay ist mit an Bord, ebenso ein DLNA 1.5 Zertifikat. Es gibt zudem vTuner Internet Radio und Apps für Apple und Android-basierte Geräte. Nur eine Streamingmöglichkeit für Videos und Fotos vermissen wir. Verbessert wurde die Leistungsfähigkeit des Videprozessors. Gerade bei der Upconversion von Filmmaterial sind deutliche Fortschritte auszumachen, die dafür sorgen, dass der SC-LX75 nun zu den Klassenbesten aufschließen kann. Klanglich brilliert der Pioneer mit enormer Pegelfestigkeit, toller Grob- und Feindynamik, feiner Räumlichkeit und tonaler Neutralität. 

Der Pioneer SC-LX75 brilliert durch viele moderne Leistungsmerkmale, doch diese werden vom erstklassigen Klang und der überragenden Upconversion von Filmmaterial noch in den Schatten gestellt

AV-Receiver Oberklasse 
Test 26. August 2011

+ Pegelfestigkeit setzt Klassenmaßstäbe
+ Überragende Räumlichkeit
+ Überzeugende Grob- und Feindynamik
+ dts Neo:X mit an Bord
+ AV Navigator
+ Hervorragende Upconversion von Filmmaterial
+ Solide Verarbeitung und elegante Optik
+ AirPlay integriert


- Kein Streaming von Video- und Fotodateien

Daten: 
• 9 x 180 Watt (1kHz, 8 Ohm)
• Direct Energy HD Verstärker
• 32bit DAC (Hi-bit 32/48kHz)
• AIR Studios zertifiziert
• THX Select2 Plus zertifiziert
• Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio
• Advanced MCACC (auto. Raumklang Kalibrierung)
• Full Band Phase Control
• PQLS (2ch., Multi & Bitstream)
• Advanced Sound Retriever (2ch. & Multi)
• Advanced Sound Retriever Air
(für Bluetooth streaming)
• HDMI ver. 1.4a
(unterstützt 3D und Audio Return Channel)
• HDMI Repeater (7 Eingänge / 2 Ausgänge)
• Kuro Video Processing
1080p/24fps Video Scaler mit Frame Conversion
& Full Video Adjust, Deep Colour, x.v.Colour,
A/D Converter, Stream Smoother
• DLNA 1.5 / Win7 Streaming Client
• 192kHz/24bit Wiedergabe von
LPCM, WAV, FLAC-Dateien
• Apple AirPlay kompatibel
• Internetradio (vTuner)
• i/P Control
• iControlAV2 (kostenlose App für Apple iOS)
• AirJam
(kostenlose Home Party App für Bluetooth)
• AV Navigator (interaktive Bedienungsanleitung &
Konfigurationsassistent)
• GUI (grafische Benutzeroberfläche)
• Lernfähige & beleuchtete Infrarotfernbedienung
• RF-Control mit optionaler Funkfernbedienung
CU-RF100
• iPod, iPhone & iPad Unterstützung mit
Ladefunktion
• WLAN mit AS-WL300
• Bluetooth ready
(mit optionalem Adapter AS-BT200)
• Multi Zone (3 Zonen Audio & Video)
• Front USB + HDMI
• 11.2 Pre Out Vorverstärkerausgänge
• 2 x Subwoofer Pre Out
• Front in Aluminium

Test: Carsten Rampacher
Bilder + Video: Philipp Kind
26. August  2011

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