TEST: music hall AV2.1 - günstiges Multitalent mit herausragendem Klang
18. Juli 2011 (th)


Einführung
Stereo-Equipment von hervorragender Qualität zu fairen Preisen anzubieten – dies
ist das Ziel von Music Hall. Die Firma wurde im April 1985 mit Sitz im
US-Bundesstaat New York gegründet. Aktuell beinhaltet das Sortiment CD-Spieler,
Verstärker, Plattenspieler und A/D-Wandler. Eine der neuesten Zugänge stellt der
DVD-Receiver AV2.1 dar. Es handelt sich hierbei um einen mid-sized
Vollverstärker inklusive integriertem DVD-/CD-Laufwerk sowie USB- und
SD-Schnittstelle. Der AV2.1 möchte Kunden ansprechen, die durchaus zuweilen
einen Film von DVD betrachten, aber nicht willens sind ein umfangreiches
Heimkino zu installieren, ihren Fokus auf das Hören von Musik in gehobener
Qualität gerichtet haben. Der Preis von 399 EUR macht neugierig.

Die Frontplatte besteht aus gebürstetem Aluminium

Die Lade fährt zügig aus und ist in Anbetracht der Preisklasse sehr stabil

Die Bedienknöpfe sind sauber eingepasst

Das Display gefällt mit klarer wie gut ablesbarer Darstellung

Die Fernbedienung überzeugt
Verarbeitung
Der 5,8kg wiegende music hall AV21erweckt beim ersten Erblicken nicht den
Eindruck einer derart niedrigen Preiskategorie anzugehören. Die Frontblende
besteht aus Aluminium und hinterlässt einen guten haptischen Eindruck. Die
Kanten sind sauber gerundet und Passungen wie Spaltmaße sind akkurat. Der
optisch ansprechend blau umrandete Lautstärke-Drehregler liegt gut in der Hand,
läuft klar gerastert und weist gemessen am Klassenstandard kein Spiel auf. Der
Power-Knopf hat einen sehr angenehmen Druckpunkt, wohingegen dieser bei den
anderen Tasten etwas zu hart ausfällt. Gemein ist sämtlichen Bedienelementen die
vorbildliche Fertigung. Das Display ist passgenau in die Front integriert und
bietet eine vorbildliche Ablesbarkeit in reinem Weiß. Die Laufwerkslade fügt
sich gut in die Front ein, zeigt aber beim Ein- und Ausfahren, dass für 399 EUR
nicht gezaubert werden kann – die Festigkeit, Steifigkeit und Fahrverhalten
liegt auf dem üblichen Niveau ähnlich teurer Player. Der Gehäusekorpus bietet
sehr sauber gefaltete und entgratete Blechkanten sowie eine hohe Steifigkeit.
Das Anschlussfeld bietet sämtlichen Kabeln einen festen Sitz, die
Lautsprecherterminals sind geeignet für Bananen-Stecker und die hochkant
angeordnete HDMI-Buchse bietet den cleveren Vorteil, dass die Hebelkräfte auf
den HDMI-Stecker weniger schädlich wirken. Der innere Aufbau besticht durch den
großen Trafo und die üppige Kühlung der Leistungstransistoren. Anordnung, Aufbau
und Güte des Einbaus der einzelnen Komponenten besticht durch klassen-unübliche
Qualität wie auch die Verkabelung einen aufgeräumten Eindruck hinterlässt. Das
Laufwerk kann seine OEM-Herkunft nicht verhehlen, was in Anbetracht des
Gerätepreises kein Nachteil darstellt. Die Fernbedienung liegt passabel in den
Hand, bietet klare Druckpunkte und hat in unserem Test eine ausreichende
Reichweite geboten. Eine etwas klarer strukturierte Anordnung der Tasten wäre
wünschenswert, wohingegen eine Beleuchtung in dieser Preisklasse nicht zu
erwarten ist.

Das Display ist akkurat eingelassen

Der Lautstärkeregler liegt angenehm in der Hand und bietet quasi kein Spiel

geschliffenes Aluminium, was in dieser Preisklasse selten anzutreffen ist

Auch auf der Rückseite weiß die Verarbeitung zu überzeugen, was ...

... mitunter an dem stabilen und relativ steifen Korpus liegt.

Ecken und Kanten sind sehr sauber gefertigt

Spaltmaße und Passungen überzeugen

Das Innere hinterlässt einen ordentlichen und durchdachten Eindruck

üppig dimensionierte Kühlkörper

Die Aufbringung der einzelnen Elkos und Kondensatoren erfolgte in guter Qualität

Der innere Aufbau ist klar gegliedert und weist gemessen an der Preisklasse
überdurchschnittlich viele Bauteile auf

Anschlüsse
Der music hall AV2.1 hinterlässt bei Betrachtung der Anschlusssektion einen
zwiespältigen Eindruck: Auf der einen Seite ist die Zahl der Anschlüsse üppig
bemessen und erlaubt es einen kleinen, klassisch-analogen Gerätepark zu
verbinden, zu verwalten, die Bilder auf den Fernseher zu bringen. Auf der
anderen Seite ist das Einsatzpotential des AV2.1 als Schaltzentrale in einer
HD-orientierten Umgebung durch den fehlenden HDMI-Eingang begrenzt. Dieser
Aspekt wird allerdings umgehend durch abermaligen Blick auf den Kaufpreis von
399 EUR relativiert.

Die Lautsprecher-Terminals sind nach entfernen der Schutzkappe geeignet für
Bananas

Abgesehen von HDMI-Signalen lässt sich fast alles an den AV2.1 anschließen


Rückseite:
- 1x Coaxialer Digitaleingang SPDIF
- 1x Optischer Digitaleingang TOSLINK
- 1x YUV-Videoeingang, 1x YUV-Videoausgang
- 1x Scart-RGB-Eingang2x S-Video Y/C – Videoeingang, 1x Y/C-Ausgang
- 2x Video-FBAS-Eingang, 1x FBAS-Ausgang
- 2x Analog-Audio 2ch-Chincheingang, 1x Rec-Out
- 1x HDMI-Ausgang
- 1x Sub-Pre-Out
- 1x FM/AM-Antenneneingang


Die USB-Frontbuchse ermöglicht einen schnellen und unkomplizierten Anschluss

Der Karten-Slot lässt sich verriegeln

Vorderseite:
- 1x USB
- 1x SD/MMC/MC
- 1x 2ch analog Chinch-Eingang
- 1x FBAS-Videoeingang
Technik, Ausstattung und Bedienung

Music halls AV2.1 besticht mit einer üppigen Ausstattung, die dem normalen,
audio-orientierten Nutzer ohne Nerd-Tendenzen in aller Regel ausreichen wird.
Das DVD-/CD-Laufwerk liest dem Namen gemäß DVDs und CDs. Über den HDMI-Ausgang
können Bildsignale in den Auflösungen 480/576p, 720p und 1080i ausgegeben
werden. Per USB- und SD-Kartenanschluss lassen sich mp3-Dateien abspielen,
andere Formate werden hingegen nicht unterstützt. Die Navigation innerhalb eines
USB-Sticks ging uns innerhalb des Tests dank klarer Ordnerstruktur leicht von
der Hand. Die graphischen Onscreen Menüs für Setup und Navigation entsprechen
optisch nicht dem Stand der aktuellen Entwicklung, sind allerdings klar
strukturiert, leicht verständlich und gut im Handling. Im Setup vermissen wir
ein Lautsprecher-Management, welches in Anbetracht des Namens zu erwarten wäre.
In Anbetracht der gebotenen Leistung von 2x 60W bei einer Leistungsaufnahme von
200W, ist der AV2.1 in der Lage auch größere Lautsprecher adäquat zu befeuern;
Der Subwoofer bekommt unterstützenden Charakter in den tiefsten Lagen. Wer ein
reines Sub-/Sat-System betreiben möchte, ist auf die
Hochpegel-(Lautsprecher)-Ein- und Ausgänge inklusive Frequenzfilterung durch den
Subwoofer angewiesen. Diese Auslegung mag verschieden zu interpretieren sein,
erspart allerdings die aufwändige wie teure Implementierung eines
Bassmanagements. Die Bedienung des music halls geht mit der beiliegenden
Fernbedienung leicht von der Hand und wird nach einer kurzen Orientierung
niemanden vor Hindernisse stellen. Die Tiefe der Setup-Menüs ist ausreichend für
eine praxisgerechte Einrichtung, allerdings für den Laien noch zu verstehen.

Die gewohnten Sprachj-Voreinstellungen finden sich auch bei music hall

Eine Anpassung der Bildsignalausgabe auf das eigene TV-Gerät ist möglich

Zusatzfunktionen der DVD werden unterstützt


Per HDMI stehen verschiedene Auflösungen zur Wahl

So gewünscht lässt sich der digitale Ton auch auf anderem Wege ausgeben

Testequipment
Klang
Der erste Kontakt der Redaktion von AREA DVD mit einem Verstärker von music
hall hat interessantes wie überraschendes zu tage gefördert. Amerikanischen
Audio-Produkten wird sehr häufig ein Hang zu einer ausgeprägten Mittenabsenkung
und einer deutlich betonten Basswiedergabe nachgesagt. Dies können wir im Fall
music hall AV2.1 nicht bestätigen – Tonal spielt das kleine Multitalent
weitestgehend neutral mit minimaler Reduktion des oberen Grundtonbereichs und
lediglich leicht betontem Bass. Dies befördert einen vermeintlich warmen
Einschlag, welcher sich bei Beachtung des Mittel- wie Hochtonbereichs sofort
wieder verflüchtig. Dank der neutralen wie präsenten Spielweise bieten
Instrumente und Stimmen ihren Charakter. Der Bass bietet ein solides Fundament
für das restliche Musikgeschehen, ist kraftvoll, schnell im Antritt und
kaschiert mit seiner leichten Betonung, dass der AV2.1 nicht in die aller
tiefsten Lagen hinabreicht. Stimmen werden ausgesprochen authentisch dargeboten
und sind mit der überwiegenden Anzahl ihrer speziellen wie kleinen Eigenschaften
zu hören – gemessen an der Preisklasse ist hier von einer sensationellen
Leistung zu sprechen: Sowohl weibliche wie auch männliche Stimmen erklingen auf
einem Niveau, derart ausgestaltet und natürlich, wie es unsere Redaktion in
dieser Geräteklasse noch nicht genießen durfte. Zu dieser famosen
Stimmdarstellung gesellt sich eine ebenso beeindruckende Hochtonwiedergabe, die
klar, deutlich, flüssig ungemein viele Details in den Raum trägt ohne spitz oder
aggressiv zu werden. In Verbindung mit der sehr schön aufgebauten Bühne, welche
Tiefe wie Breite bietet, auf der musikalische Geschehnisse klar umrissen wie
positioniert sind, entsteht ein sehr einhüllendes, sehr authentisches Klangbild.
Dieser Eindruck wird zusätzlich von den dynamischen Eigenschaften gestützt: der
music hall AV2.1 beherrscht den Spagat zwischen schnellen, heftigen
grobdynamischen Antritt und Beachtung wie Herausarbeitung kleiner Schwankungen
und Ereignisse. Dynamisch findet unser Testproband den exakt richtigen Weg um
der musikalischen Konserve Leben einzuhauchen. Dies zumindest, so lange keine
brachialen Pegel jenseits der Schmerzgrenze gefordert oder extrem lastkritische
Fullrange-Lautsprecher betrieben werden. Die Konstruktion wie der optische
Auftritt legen die Vermutung nahe, dass der AV2.1 sich nicht mit einer
ausgewachsenen Endstufe anlegen kann und will – der Hinweis soll
sicherheitshalber dennoch gebracht werden.
Video
Music hall’s AV2.1 will keine Video-High-End Maschine sein, sondern dem
Musikgourmet die Option an die Hand geben, dass Bild der eingelegten Opern-DVD
ebenfalls genießen zu können. Diese Ausrichtung wird deutlich am
Ausstattungs-Umfang der Videosektion: Es lassen sich sämtliche relevanten
Betriebsparameter praxisgerecht einstellen, wohingegen ein aufwändiger Video-EQ
fehlt.
Das per HDMI ausgegebene Bild gefällt mit einer natürlichen Farbgebung. Die
Abstufung einzelner Nuancen innerhalb einer Farbe gelingt dem Amerikaner gut,
was ein differenziertes Bild auf den Schirm bringt. Diesen Eindruck unterstützt
die kontrastreiche Spielweise, welche dem Bild eine ansehnliche Dynamik
vermittelt. Auf der großen Leinwand wird der grundsätzlich plastische Eindruck
durch das mittelmäßige Scaling- und DeInterlacing leicht getrübt, was auf einem
TV-Schirm üblicher Größe hingegen kaum mehr auffällt. Gefallen hat uns die
Herausarbeitung von Details und der scharfe Gesamteindruck. Im Vergleich zu
aktuellen stand-alone Blu-ray-Playern spielt der music hall AV2.1 DVDs auf
Augenhöhe mit der zweiten Garde, was einer souveränen Leistung entspricht.


Fazit
Nicht jeder kann oder will sich ein ausgewachsenen Heimkino
aufbauen und einen üppigen Gerätepark in den Raum stellen. Solche Menschen
möchte music hall mit dem AV2.1 ansprechen. Das Gerät im Midi-Format ist optisch
schick und bietet zahlreiche Funktionen, die den meisten Anwendern im Alltag
ausreichen werden. Die Verarbeitung ist sehr gut, die Funktionalität gefällt und
die Bedienung ist leicht verständlich. Videoseitig bietet der AV2.1 die Option
in gefälliger Weise auf TVs auch DVDs zu betrachten. Die Schokoladenseite des
kleinen Amerikaners stellt die akustische Performance dar, welche mit einem
grundsätzlich neutralen, transparenten und frischen Klang gepaart mit einem
tendenziell kräftigen Bass der Preisklasse enteilt. Interessenten einer kleinen,
kompakten wie klanglich begeisternden All-in-One-Lösung inkl. DVD-Funktionalität
bietet sich hier eine sehr interessante Offerte für gerade einmal 399 EUR.
Preisgünstiges Multitalent mit herausragendem Klang

Komplettsysteme 2.1 Einsteigerklasse
Datum: 18. Juli 2011
+ guter, kräftiger, dynamischer Klang
+ ordentliche Leistungsreserven
+ einfache Bedienung
+ Verarbeitung
- DeInterlacing und Scaling nicht State-of-the-Art
- Laufwerk könnte beim Einlesen von DVDs etwas leiser sein
Test: Thomas Hermsen
18. Juli 2011
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