TEST: Stereo-Hybridvollverstärker Pathos Ethos für 3800 EUR
09.09.2011 (cr/phk)
Testsamples vom deutschen Pathos-Vertrieb High
Fidelity Studio


Einleitung
Edles, modernes italienisches Design, in den konstruktiven
Grundzügen klassische, konservative, aber hochwertige Technik: Die Synthese
daraus ergibt den am Markt noch recht frischen Hybdrid-Vollverstärker Pathos
Ethos, für 3800 EUR in Deutschland erhältlich. Wir haben das edle Gerät genau überprüft, um festzustellen,
ob es sich um eine lohnende Investition für den versierten Stereohörer
handelt.
Verarbeitung, Anschlüsse und Technik

Ausgefeiltes und extravagantes Design, wenig Bedienelemente.
Der obere Knopf rechts vom Lautstärkedrehregler ist für die Eingangswahl, der
Knopf darunter schaltet den Verstärker an und aus

Zweizeiliges, grün leuchtendes Gerätedisplay mit guter
Auflösung

Seitliche Kühlrippen mit Pathos-Schriftzug - wenn man von
oben schaut

Röhre der Vorstufe - selektierte Bauteile aus Russland

Ansicht von oben

Aufwändiger Innenaufbau - sehr sauberes Layout, man merkt die
Preisklasse. Der Trafo verbirgt sich unter der Abschirmplatte, in die Löcher
für die beiden Röhren der Vorstufensektion eingearbeitet sind

Blick direkt von oben aufs Innenleben.

Finish im Detail

Platinenlayout - übersichtlich, hochwertig bestückt. Hier
Stabilisierungs- und Steuerelektronik - das "Gehirn" des Pathos

Der Aufbau zeugt von Liebe zum Detail. Sauber und hochwertig
ummantelte Kabel

Sicherungen

im Detail

silbern lackierte Holzfernbedienung mit sechs Tasten ohne
Beschriftung - hier wäre etwas weniger "Style" mehr
Mit extravagantem Design kann der Pathos Vollverstärker Ethos, für 3800 EUR
erhältlich, aufwarten. Und er ist keinesfalls ein Blender, ebenso wie die
bereits von uns gestestete Pathos Classic One MkIII Verstärker
erfreut er mit opulenter Materialwahl. Die Fernbedienung besteht beim Ethos
übrigens aus silbern lackiertem Holz - das ist jedoch das einzige Bauteil,
welches aus dem Naturstoff gefertigt ist, der Rest ist kühles, edles
Metall.

Cinch-Anschlussfeld - die FBAS Videoanschlüsse ermöglichen
die Einbindung des Ethos in ein Überwachungssystem. Insgesamt gibt es fünf
Cincheingänge, plus 1 x Pre-Out, Subwooferausgang, 4 x FBAS-Video +
Monitor-Ausgang

XLR-Anschlüsse, optische Anschlusssektion: 1 x SPDIF digital
koaxial, 1 x USB A, 1 x USB B-Anschluss

Sehr hochwertiger, große und leichtgängige
Lautsprecherkabelanschlüsse, problemlos für Bananenstecker und große
Kabelquerschnitte geeignet

Anschlussfeld
Der Verstärker hat eine Röhrenvorstufe und Transistorendstufen, er arbeitet
nach dem Class AB-Prinzip. Sehr schön ist das gut auflösendes Display auf der
Frontblende, sowie die in 0,5 dB-Schritten sehr präzise agierende
Lautstärkeregelung. Noch nachgeliefert wird gegen Ende 2011 ein Digitalboard für rund 700 EUR,
dann ist der rückwärtig untergebrachte USB-Anschluss (es gibt einen USB-A und
einen USB-B-Anschluss) nicht nur Fassade, sondern funktioniert tatsächlich.
Man kann dann z.B. Musik vom Notebook abspielen. Die Anschlusssektion ist auch
mit XLR-Buchsen bestückt (im Inneren sieht man durch die Ausführung der
Eingangsstufe als Differenzverstärker mit 2 gleichwertigen Inputs auch den zu
den XLR-Eingängen passenden vollsymmetrischen Aufbau), und der erstaunte
Betrachter findet darüber hinaus noch FBAS Ein- und Ausgänge in Cinch-Form.
Was man damit im HD-Zeitalter erreichen möchte - Pathos sieht einen ganz
anderen Einsatzzweck vor: Man kann Kinderzimmer, Diele oder den Garten
einfach überwachen und den Pathos als Tool einsetzen. Sehr gut gefallen uns die
edlen Lautsprecherkabel-Schraubterminals, groß und leichtgängig. Der
Hybridverstärker leistet pro Kanal 100 Watt RMS an 8 Ohm und 200 Watt an 4 Ohm.
An Bord sind 96 kHz/24-Bit D/A-Wandler. Die Röhren in der Vorstufe sind
selektiert und stammen aus russischer Produktion. Die hochwertigen, nach
klassischem Muster aufgebauten Schaltungen und Relais zeigen sich auch hartem
Einsatz gegenüber entspannt - man merkt, dass bei Pathos auf Langzeitqualität
und Langzeitstabilität geachtet wird, für moderne Geräte typische
Billig-IC-Bauteile finden sich nicht.
Klang

Meister feinfühliger Räumlichkeit
Klanglich begeistert uns der Ethos: Er
spielt bei Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" sensibel und äußerst
angenehm auf, bietet einen vollen, aber nie vordergründigen Klang, er schafft
den Spagat, ein sehr gutes Volumen zu offerieren, das aber trotzdem natürlich
erscheint. Voll punkten kann der noble Italiener, gefertigt in der Nähe von
Venedig, mit seiner Darstellung der Streicher: Mit sehr guter Dynamik -
erstaunlich für eine Röhrenvorstufe - und einem leicht warmen, räumlich sehr
dichten Hochtonbereich ist die Wiedergabe gleichermaßen kultiviert wie
mitreißend. Details hinterer musikalischer Ebenen werden mit hoher Sicherheit
vom Ethos eingesammelt und lebendig präsentiert. Der Ethos kann aber auch
richtig zupacken, so beim Tiesto-Remix des Goldfrapp-Hits "Rocket":
Pegelfest, mit Nachdruck im Bassbereich und mächtigem Vorwärtsdrang, liefert
er eine höchst beeindruckende Vorstellung ab. Sehr gut harmoniert der
Vollverstärker mit nuVero-Lautsprechern aus dem Hause Nubert: Schon die kleine Standbox Nubert nuVero 10
ist ein sehr guter Spielpartner. Wer es wissen will, greift zur nuVero
11 oder zur nuVero14
und kann mit enormen Pegeln und exzellentem Tiefgang ein Musik-Festival der
Extraklasse feiern. Mit den nuVero-Lautsprechern, die natürlich und authentisch
aufspielen, kommt der Ethos hervorragend zurecht - eine Kombination, an die man
zwar vielleicht spontan nicht denken würde, aber sie erweist sich in der
Hörpraxis als stimmig.
Der Ethos entpuppt sich als Geräte für Genießer, das
mit fließenden Übergängen, hervorragender Harmonie und einer überragenden
Räumlichkeit aufwarten kann. Er kommt - was durchaus erwähnenswert für
einen Hybriden ist - mit jeder Art von Material sehr gut zurecht, wobei
Klassisches ihm ausgesprochen liegt. Dies merkt man auch bei Felix Mendelssohn
Bartholdys Konzert-Ouvertüre "Die Hebriden" - hier baut er feinfühlig
die Klangkulisse auf und meistert auch kleine dynamische Differenzen souverän.
Dies gelingt auch beim Auftakt zu Carl Orffs legendärer "Carmina Burana"
- wie gekonnt der Pathos den Choralgesang herausarbeitet, zeugt von hohem
akustischem Niveau. Plötzlich dann ein gewaltiger Dynamiksprung: Mit Wucht und
Verve wirft sich der Verstärker förmlich hinein, nach einer minimalen
"Bedenkzeit". Die vielen Ebenen stellt er deutlich heraus und
beschränkt sich nicht auf vordergründige Einfältigkeit.
Hervorragender Einsatz des Verstärkerboliden bei "L'Attesa" von
Andrea Bocelli: Die Stimme des begnadeten Sängers hat Schmelz, Finesse und
Kontur. Der Pathos bietet hier eine begeisternde Klangkultur, die vom
gleichermaßen tief nach unten reichenden wie strukturierten Bassbereich stimmig
ergänzt wird. Der Hochtonbereich kommt mit Gefühl und Weitläufigkeit heraus,
streng analytische Hörer vermissen vielleicht etwas Brillanz in der letzten
Ausprägung, wir erfreuen uns aber eher an der großartigen Harmonie - hier kann
man problemlos mit hohem Pegel auch längere Zeit hören. Zur Pegelfestigkeit
des Probanden können wir folgendes festhalten: Der Pathos bleibt lange
souverän und erzielt im rund 30 Quadratmeter messenden Hörraum Pegel, die auch
den konzerterfahrenen Hörer zufrieden stellen dürften. Schön aber auch, dass
bei den in der Praxis deutlich häufiger vorkommenden Pegeln, die sich rund um
die viel zitierte "Zimmerlautstärke" bewegen, bereits ein voller, den
Hörer umschmeichelnder Sound offeriert wird. Bei "Un Nuovo Giorno"
(ebenfalls auf der CD "Andrea") merkt man erneut, wie sorgsam sich der
Ethos dem Material annimmt: Kleine instrumentale Details werden präzise im Raum
platziert, dynamische Differenzen kommen plastisch heraus. Die erstklassige
Räumlichkeit verlangt bei der akustischen Zusammenarbeit nach Lautsprechern,
die ebenfalls weitläufig aufspielen und die akustischen Elemente passend von
der Schallwand lösen können. Filigranität ist bei der Wiedergabe der
"Trios Poèmes de Stéphane Mallarmé gefragt: Bei "Soupir" und
"Placet Futile" sowie bei "Surgi De la Croupe Et Du Blond"
(abgelegt auf der SACD "Acoustic Triangle) bringt der Verstärker leichte,
harmonisierende Wärme ins virtuose Pianospiel und stellt das Saxophon akustisch
frei klingend mitten in den Hörraum. Wie feinfühlig Instrumente nebeneinander
mit der exakten Balance im Hinblick aufs Gesamtklangbild herauskommen, das ist
auch für erfahrene Hörer überraschend.
Der "italienische Gentleman" kann aber auch anders, wie er beim
Tiesto-Remix des Goldfrapp-Hits "Rocket" beweist: Dann entfaltet er
eine Grobdynamik, die für Freude beim Hörer sorgt, gepaart mit einem
überragenden Volumen, auch Verdienst der Röhren in der Vorstufe, die überdies
hinaus auch für einen leicht vollen, warmen Einschlag verantwortlich sind.
Stimmen werden sauber fokussiert und in das räumlich weite Klangbild präzise
integriert. Nie passiert es dem Ethos, dass der falsch gewichtet und sich vokale
Elemente hinter instrumentalen Parts verstecken. Effekte werden sauber aufgebaut
und mit Nachdruck, aber auch mit Feingefühl präsentiert. Der diesmal von
Goldfrapp gemixte Track "Halo", eigentlich von den
Synthesizer-/Elektro-Pop-Legenden von Depeche Mode, kommt auf dem italienischen
Edelverstärker hervorragend zur Geltung. Schon der düster-subtile, mit
massivem Bass hinterlegte Anfang wirkt sehr echt - feine Konturen, kurze
Effekte, all dies verdichtet der Pathos-Verstärker zu einer finster-imposanten
Klangkulisse, die durch ihre Bedrohlichkeit und ihre Mystik Faszination hervor
ruft - der Ethos ist für Gänsehaut-Feeling verantwortlich. Der Tiefgang ist
ausgezeichnet, die Stimmen, ganz gleich ob die männlichen oder die weiblichen,
sind facettenreich und mit genauer - aber nicht unpassend scharfer - Kontur
versehen.
Die Version von "Insomnia", die mit Glockengeläut beginnt und auf
der CD "The Best of Faithless" abgelegt ist, baut der Pathos
erwartungsgemäß akkurat auf, addiert sich im Hintergrund ein Effekt hinzu,
wird dieser umgehend berücksichtigt. Der Verstärker ist zwar nicht ein
Musterbeispiel für enorme Schnelligkeit bei diesem Musikbeispiel, sein
weitläufiges Raumgefühl und der kräftige, den Hörer einhüllende Bass
sorgen aber für viel Hörfreude. Der Rhythmus des Songs wird sauber in den
Mittelpunkt gestellt, während sich die ergänzenden Effekte subtil und frei im
Hörraum verteilen. Sehr schön plastisch werden akustische Anteile
präsentiert, sie lösen sich ausgezeichnet von den Lautsprechern. Die
Fähigkeit, eine vielschichtige Bühne aufzubauen, ist eine der großen
Qualitäten des Italieners: Er verliert nie den Überblick, sondern modelliert
bis weit in den Raum "clean" durch - er mischt keine Ebenen und
vergisst kaum Details. Der Klassiker "Lucifer" vom Alan Parsons
Project liegt dem Pathos nicht ganz so sehr - hier wirkt die Wiedergabe etwas
farb- und emotionslos. Er baut die Struktur des Songs zwar akkurat auf, hält
den Grundrhythmus aber etwas zu sehr im Hintergrund. Zudem wirkt Beat etwas
langsam - hier haben wir ein Stück gefunden, das sich nicht perfekt zur
Wiedergabe mit dem edlen Hybridverstärker eignet. Anders wieder bei "You
Spin Me Round" von Dead or Alive. Hier hat der Beat Punch, der Ethos macht
Druck und schafft selbst bei der nur durchschnittlichen Aufnahme eine
weitläufige Wiedergabe. Der etwas schrille, spitze Unterton, der dieser
Aufnahme eigen ist und zudem zu einer Überhöhung des oberen Mittelton-/unteren
Hochtonbereiches führt, wird durch die leicht warme Auslegung des italienischen
Hybridverstärkers wirkungsvoll abgeschwächt. Bei hohen Pegeln ist diese etwas
unangenehme Charakteristik zwar noch zu hören, hält sich aber noch im
Rahmen.Bei "It's All Over Now, Baby Blue", abgelegt auf der Bryan
Ferry-SACD "Frantic", begeistert der volle, kräftige Klang des Pathos
Ethos aufs Neue. Der bodenständige, solide gemachte Song kommt
authentisch-dicht zum Ausdruck, die Mundharmonika-Parts erscheinen uns besonders
gut gelungen.
Verglichen mit dem Pathos Classic One MkIII Verstärker,
mit 2200 EUR UVP deutlich günstiger, macht der Ethos seinen Mehrpreis mit
besserer Feindynamik und deutlich höheren Leistungsreserven gekonnt deutlich.
Zudem stellt er noch räumlicher dar - gerade auch, was die räumliche Tiefe
angeht. Schon vor längerer Zeit machten wir Bekanntschaft mit einem anderen
begeisternden Italiener - dem Audio Analogue
Maestro Settanta. Der Vollverstärker ist in revidierter Version nach wie
vor erhältlich und liefert 2 x 125 Watt an vier Ohm. Auch bei diesem Gerät
begeistern der tolle innere Aufbau und die schöne Optik. Im detail aber ist die
Verarbeitung des Ethos sichtbar besser, zudem schlägt der Ethos erneut beim
Thema Räumlichkeit zu - schon der Settanta ist sehr gut, der Ethos aber
entfaltet noch mehr Tiefenstaffelung, zudem löst er den Klang noch besser vom
Lautsprecher. Es lohnt auch ein Vergleich mit dem klassisch aufgebauten
Röhrenverstärker Magnat RV2 - für gerade einem
1999 EUR stellt der Magnat für denjenigen, der den warmen, höchst harmonischen
Klang eines Voll-Röhrenverstärkers schätzt, eine echte Okkasion dar.
Natürlich - der Pathos Ethos ist dynamischer und pegelfester, aber auch
deutlich kostspieliger. Wer also eine in beinahe jeder Beziehung überragende
Wiedergabe erzielen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen und den Italiener
erstehen.
Fazit


Ganz gleich, ob von vorn oder von hinten - der Pathos erweist
sich als Gesamtkunstwert mit hohem emotionalem Reiz
Der Ethos Pathos sieht exklusiv und avantgardistisch aus - die hohe Material-
und Fertigungsqualität sind bei einem Kleinserienhersteller überdies hinaus
nicht selbstverständlich. Das saubere Layout im Geräteinneren ist sehr zu
loben, auch hier merkt man die Preis- und Qualitätsklasse deutlich. Akustisch
erweist sich der noble Italiener als harmonischer, kraftvoll, aber gleichzeitig
feinsinnig auftretender Charmeur, der dem anspruchsvollen Musikliebhaber auch
über Jahre viel Freude bereiten dürfte. Kombiniert mit einer leistungsfähigen
Box, die im Idealfall neutral aufspielen sollte, um die gepflegte
Klangcharakteristik des Pathos komplett zu reproduzieren, hat der versierte
Stereohörer eine exzellente Kette, die sich für die Wiedergabe vieler
Musikrichtungen hervorragend eignet. Dabei darf es auch ruhig einmal lauter
werden - die Pegelfestigkeit des standfesten Italieners ist ausgezeichnet,
gleichzeitig aber wird schon bei niedrigen Pegeln ein voller, räumlich
fundierter Klang offeriert.
Avantgardistischer Hybridverstärker mit harmonischem Klang
und großartiger räumlicher Abbildung

Stereoverstärker Oberklasse
Test 09. September 2011
+ Räumlich erstklassiger Klang
+ Feindynamisch hervorragend
+ Harmonisch und homogen aufspielend
+ Sehr gute Pegelfestigkeit
+ Exklusives Design
+ Exzellenter innerer Aufbau
- Hoher Aufpreis für Digitalplatine
- Tasten an der Fernbedienung ohne Beschriftung
Text: Carsten Rampacher
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 09.09.2011
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