TEST: Kompaktlautsprecher Nubert nuVero 3: High-Tech-Schallwandler mit zweitem Hochtöner

07. Juli 2011 (sw/cr)

nuVero 3 für 545 EUR/Stück

Zweiter Hochtöner auf der Rückseite

Drei Kippschalter sorgen für Individualisierungsmöglichkeiten

Einführung

Dass Nuberts nuVero-Baureihe High-Tech, Klangkultur und Verarbeitung auf hohem Level miteinander vereint, ist nichts Neues – aus vielen Testreihen wissen wir um die überdurchschnittlichen Qualitäten der feinen Schallwandler von der Ostalb. Mit der seit einiger Zeit erhältlichen nuVero 3 erweitert Nubert das Produktportfolio nun nach unten und offeriert für 545 EUR/Stück einen hoch entwickelten Regallautsprecher, der als Besonderheit einen rückseitig angebrachten, zuschaltbaren zweiten Hochtöner mitbringt. Wie bei allen nuVero-Komponenten üblich, ist auch die Zweiwege-Bassreflexbox nuVero 3 in den drei Farben Anthrazit, Perlweiß und Mocca erhältlich. 

Video: Die Nubert nuVero 3 im Überblick

 

Verarbeitung und Technik 

Anschlussterminal unter der Box

Boxenunterseite komplett

Hochwertige Oberflächenqualität

Gelungenes Design, auch im Detail

Spezielle Gestaltung der Schallwand

Füße

Wie gewohnt tritt die bei uns in perlweißer Ausführung zum Test erschienene, neun Kilo wiegende nuVero 3 mit hochwertigem Finish an. Das elegante nuVero-Design kommt auch im kompakten Format sehr gut zum Ausdruck. Die Schallwand in hochglänzendem Finish beherbergt den gleichen Hochtöner, der auch beim Topmodell nuVero 14 seinen Dienst verrichtet. Mit 26 mm Gewebekalotte ausgestattet, ist besonders das Rundstrahlverhalten zu loben – es ist so ausgeprägt, dass Nubert selber schreibt, dass man eine solche Charakteristik sonst nur mit kleineren 19 mm Kalotten erreichen kann. Im Vergleich zu einem kleineren Durchmesser kokettiert der 26 mm Hochtöner mit ausgezeichnetem Wirkungsgrad und hervorragenden Belastungswerten. Folgen in der Hörpraxis –ein erstklassiges Auflösungsvermögen und eine nicht zu enge Ausbreitung, so kommen auch Hörer, die außerhalb der Mittenachse sitzen, die volle Dosis Hörvergnügen serviert. 

Das Chassis ist solide mit der Schallwand verschraubt, das gilt auch für den Tiefmitteltöner, mit 15 cm Durchmesser und extra langem Hub. Maximalauslenkungen im Bereich von satten 3 cm sind getrost als enorm zu bezeichnen – diese konstruktive Höchstleistung ist auch der ultraleichten und gleichzeitig enorm festen Sandwich-Membran aus dreischichtigem Gemisch (Glasfaser-Zellstoff-Glasfaser) zu verdanken. Praxisfolgen sind ein beachtlicher Tiefgang und eine enorme Pegelfreude, beides typische Vorzüge nahezu aller Nubert-Produkte. Die Chassis überzeugen auch dann, wenn man sie ausbaut und genauer betrachtet, durch üppig dimensionierte Magnete und einen robusten Korb. Die Innenverkabelung ist sauber, die Gehäusewände sind massiv. 

Während die Schallwand aus hochglänzendem Material ist, ist der Korpus mit samtigem, mattem Nextel beschichtet, was für einen interessanten Materialkontrast sorgt. Im Korpus verbirgt sich eine aus selektierten Bauteilen bestehende Frequenzweiche, die aus 30 Bauteilen besteht. Wie gewohnt, setzt Nubert auch bei der nuVero 3 auf langzeitstabile Folienkondensatoren und setzt zusätzlich eine Schutzschaltung ein, die bei Überlastung von Chassis und/oder Weiche eingreift und sich nach getaner Arbeit selbstständig zurückstellt. 

Rückwärtig platziert sind auch drei Schalter, die der Veränderung beziehungsweise Anpassung der Klangcharakteristik dienlich sind. Mit dem Höhenschalter sind die drei Varianten neutral/sanft/brillant anwählbar. Hört man zum Beispiel in einem akustisch sehr lebendigen Raum, ist die Schalterposition „sanft“ anzuraten, da dann der Klang im Hochtonbereich sehr angenehm bleibt, trotz nicht idealer Raumbedingungen. Letzten Endes entscheidet aber auch der oersönliche Geschmack des Hörers. Der zweite Schalter ist für die Zu- oder Abschaltung des zusätzlichen rückseitigen Hochtöners zuständig. Bei Zuschaltung ergibt sich eine erweiterte Räumlichkeit, während bei Abschaltung die Präzision steigt. 

Wer die nuVero 3 in einer Surroundanlage als Rears einsetzt, kann so einfach die Klangeigenschaften eines Dipols genießen, gerade bei der Filmtonwiedergabe je nach Quellmaterial und Hörraumbeschaffenheit durchaus eine Erwägung Wert. Der dritte Schalter beschäftigt sich mit der Basswiedergabe. In Schalterstellung „Neutral“ hat die nuVero 3 eine für Ihre Baugröße üppig dimensionierte Tiefbass-Wiedergabe. (48 Hz /-3dB). In Schalterstellung „Reduziert“ wird der Frequenzbereich unterhalb 80 Hz definiert ausgekoppelt und in eine Phasenlage gebracht, die eine hervorragende Anpassung an etwaige im System enthaltene Subwoofer ergibt. (Übernahmefrequenz 60 Hz / -6dB) Weil damit bei hohen Lautstärken die großen Membran-Auslenkungen reduziert werden, steigt die Musikbelastbarkeit der nuVero 3 in dieser Schalterstellung deutlich. In Verbindung mit einem kräftigen Verstärker und einem oder zwei Subwoofern ist sie dann, - trotz ihres relativ geringen Wirkungsgrades von etwa 83 dB - auch für große Räume geeignet. 
So überzeugt der Lautsprecher von der Ostalb mit technisch aufwändigen Details, diese hochwertige Technik wird optisch sehr ansprechend umgesetzt. Man sieht dies auch an Details wie den unten auf dem Boxenboden untergebrachten Anschlussterminals, die mit leichtgängigen und hochwertig verarbeiteten Schraubverschlüssen positiv auffallen. Auch das solide Abdeckgitter aus Metall fügt sich nahtlos in unsere Eindrücke ein. 

Hochtöner

ausgebaut

Magnet

Im Detail

Solide Verarbeitung

Magnet

Daten

  • Dipol-/Direkt-Rearspeaker / 2-Wege-Bassreflexsystem
  • Bestückung: 2x Hochton-Seidengewebekalotte 26 mm, 1x Ultra-Longstroke-Tieftöner 150 mm mit Glasfaser-Sandwichmembran, Großes Bi-Wiring-Terminal
  • Impedanz: 4 Ohm
  • Belastbarkeit: 150/210 W (Nenn/Musik)
  • Absicherung: Hoch-, Tieftöner und Weiche gegen Überlastung geschützt
  • Frequenzgang: Frei aufgestellt 48 – 25 000 Hz ± 3 dB
  • Wirkungsgrad: 83 dB/1w/1m
  • Abmessungen: 31 x 20,3 x 28/30 cm H x B x T (ohne/mit Gitter), Breite Klangsegel: 20,3 cm / Breite Korpus: 17,2 cm
  • Ausführungen: Anthrazit – Front Metallic/Korpus samtig-mattes Nextel®, Perlweiß – Front Metallic/Korpus samtig-mattes Nextel®, Mocca – Front Metallic/Korpus samtig-mattes Nextel®
  • Gewicht: 9 kg
  • Verpackung: 55 x 41 x 46 cm (paarweise verpackt)
  • Preis pro Stück: 545 EUR
Testequipment
Klang

Räumlich und pegelfest

SACD

Wolfgang Amadeus Mozart, Klarinettenkonzert Köchelverzeichnis 622:

Dass auch kleine Lautsprecher komplett und erwachsen klingen können, beweist uns die nuVero 3 auf sehr hohem Level. Wem eine fein dosierte, weitläufige Räumlichkeit wichtig ist, der kann den rückseitigen Hochtöner auch bei Verwendung der Box für den HiFi Stereo-Betrieb zuschalten. Trotzdem bleibt die Ortungsmöglichkeit in beinahe vollem Umfang erhalten. Die Streicher klingen brillant, gleichzeitig aber sehr angenehm und bieten für die Preisklasse eine tolle Durchhörbarkeit. Überrascht hat uns der breite Abstrahlwinkel: Wer denkt, genau im Zentrum des Stereo-Dreiecks sitzen zu müssen, um die akustischen Genüsse zur Gänze erleben zu können, liegt hier falsch – auch wer etwas außerhalb der idealen Achse sitzt, bekommt noch einen detailreichen und authentischen Sound serviert. Eines sollte man allerdings bedenken: Der Wirkungsgrad der Konstruktion liegt nicht immens hoch, daher sollte man darauf achten, einen kraftvollen Verstärker einzusetzen, der die nuVero 3 angemessen „befeuern“ kann. Dann freut man sich über eine feinfühlige instrumentale Wiedergabe, auch die Klarinette mit ihrer sehr speziellen Klangcharakteristik kommt ausgezeichnet heraus. 

Carl Orff, Carmina Burana, O Fortuna, Fortune Plango Vulnera:

Der Choral zum Anfang klingt intensive und überzeugt durch saubere räumliche Staffelung. Die nuVero 3 ist in der Lage, auch in hinteren akustischen Ebenen noch Details zu erfassen. Ideal eignet sich dieser kompakte Lautsprecher für Hörräume zwischen rund 12 und knapp 25 Quadratmeter, diese Feststellung bezieht sich auf den Stereo-Einsatz und nicht auf den Einsatz als Rear-Lautsprecher in Surround-Konstellationen. Im Stereobetrieb weiß sie beim Start der Carmina Burana durch ihre tonale Neutralität zu überzeugen: Sie gibt das Signal Nubert-typisch rein wieder, sie reagiert sehr schnell auch auf kleine Impulse und hat keine Probleme, die vielfältigen Instrumente eines großen Orchesters sensibel zu erkennen. Die Männerstimmen bei „Fortune Plango Vulnera“ wird charismatisch dargestellt, die tragende, leicht schwer erscheinende instrumentale Begleitung kommt mit sehr guter Balance hinzu. Der Einsatz des Orchesters erfolgt unvermittelt, sehr dynamisch und mit hervorragender räumlicher Ausleuchtung. 

Acoustic Triangle, Trois Poèmes de Stéphane Mallarmé (Maurice Ravel): 1. Soupir, 2 Placet Futile, 3. Surgi De La Croupe Et Du Bond:

Die sehr gut aufgenommene SACD stellt hohe Anforderungen an die Wiedergabekette, daher darf man nicht erwarten, dass die musikalischen Konturen von den doch preislich recht zurückhaltend kalkulierten nuVero 3 sehr ansprechend wiedergegeben werden können. Wir wissen, dass die große nuVero 14 hier Hervorragendes leistet, und schauen darauf hin nochmals in die Spezifikation der nuVero 3: Wie oben schon festgestellt, arbeitet in beiden Lautsprechern der gleiche Hochtöner, so kann man die fein dosierte räumliche Weite auch bei der nuVero 3 genießen. Im Mitteltonbereich allerdings geht die kleine nuVero nicht so strukturiert und filigran wie die nuVero 14 ans Werk, hier weisen die LS ganz abgesehen vom anderen Gehäuse auch unterschiedliche konstruktive Details und Grundeigenschaften auf. Was die nuVero 3 leistet, ist aber gerade unter Berücksichtigung des preislichen Rahmens erstklassig. Besonders zeigt sich das bei den Pianoparts, die kleine Box tut sich nicht schwer damit, die Anschlagdynamik des Klaviers sehr ansehnlich herauszuarbeiten. Das Saxophon ist ausgezeichnet durchzeichnet, die nuVero 3 versagt auch bei sehr engagiertem Spiel nicht, sondern setzt in ihrer Preisliga feindynamische Akzente. 

Bryan Ferry, Frantic – Track 2, „Cruel“:

Die Stimme Bryans fokussiert die nuVero 3 inmitten des Hörraums – es ist faszinierend, wie gut der kleine Lautsprecher die vokalen Elemente von den Chassis lost. Das leicht Gezwungene, Begrenzte, das vielen kompakten Schallwandlern eigen ist, tritt hier praktisch gar nicht in Erscheinung. Frisch und mit Verve präsentiert die schmucke Box auch die instrumentalen Anteile. Der Rhythmus kommt allzeit klar heraus, das E-Gitarren-Solo bringt Kraft und einen fetzigen Antritt mit. 

CD

The Best of James Bond: Duran Duran, A View To A Kill:

Punktgenau tritt der Bass in Erscheinung, auch die kraftvolle, harte Wiedergabe hat uns – trotz großer Erfahrungen mit Nubert-Produkten – enorm überrascht: Was diese kleinen Schallwandler an Bassenergie freisetzen, ist sensationell. Es gibt manche kleine Standbox, die sich hier hinten anstellen muss. Der Tiefgang ist im Verhältnis zur Gehäusegröße erstklassig. Auch die Pegelfestigkeit ist auf einem Level, der nur Erstaunen hervorruft: Ohne Anzeichen großer Anstrengung schwingen sich die nuVero 3 zu Lautstärken auf, die auch versierte Hörer sehr zufrieden stellen dürften. Die Stimme des Sängers ist stets mit der richtigen Gewichtung zu hören, sie schiebt sich nicht mehr als nötig in den Vordergrund, so dass auch für die instrumentale Begleitung noch mehr als genug Raum zur akustischen Entfaltung gegeben ist. 

So8os (So Eighties), Volume 4, CD 1, Track 2: Alphaville, It Sounds Like A Melody: 

Schwungvoll und sehr direkt, so kann man die Wiedergabequalitäten in aller Kürze beschreiben. Der sehr lebendige Rhythmus verteilt sich weiträumig rund um den Hörer, der sich inmitten des atmosphärisch dichten Klangbildes wähnen darf. Das Zuschalten des Hochtöners auf der Rückseite schraubt das Maß an Raumlichkeit weiter nach oben, ohne aber dass sich das Klangbild unnatürlich „verbiegt“.

RMX – Superstars Remixed by Superstars, Track 6: Goldfrapp „Rocket“, remixed by Tiesto:

Bei diesem Track vollbringt die nuVero 3 ihre Meisterleistung: Die enorme Bassgewalt des Titels wird in einer Art und Weise dargestellt, dass man immer wieder verblüfft nachschauen möchte, ob nicht doch in Wahrheit zwei Standlautsprecher für die Wiedergabe zuständig sind. Basskraft, Volumen, Tiefgang, Präzision – ganz gleich, welcher Parameter beleuchtet wird, die nuVero3 liefert überalle ohne Einschränkungen Spitzenleistungen ab und kann diese auch, wenn gewünscht, in clubtauglicher Lautstärke präsentieren. Grob- und Feindynamik untermauern das exzellente Niveau, die klaren vokalen Konturen und die überragende Räumlichkeit vervollständigen einen Hörgenuss, der in dieser Preisklasse sehr, sehr selten anzutreffen ist. 

Konkurrenzvergleich
  • Nubert nuVero 4: Mit einem geringfügig höheren Preis, größeren Abmessungen, besserem Wirkungsgrad, anderem Bassschalter, etwas höheren Belastungswerten und ohne zweiten Hochtöner tritt die konventionellere nuVero 4 an. In der Hörpraxis kann auch sie sehr gut gefallen, impulstreu, kräftig und tonal neutral. Das Besondere des zweiten Hochtöners - das Freisetzen zusätzlicher Räumlichkeit - fehlt der nuVero 4. Unserer Meinung nach stellt hier die kleinere Box das faszinierendere Produkt dar. 
  • Magnat Quantum 1003: Die Quantum gefällt mit nobler optischer Erscheinung und fairem Preis. Sie klingt frisch, lebendig, detailreich und neutral. Der Kick im Bassbereich, welchen die nuVero 3 bietet, fehlt allerdings. 
  • Aurum 370: Die Seidigkeit und die Räumlichkeit des verbauten Bändchenhochtöners sind bestechend. Der Hochtonbereich ist enorm angenehm und wirkt auch bei höheren Lautstärken nie belastend. Bei Tiefgang und Pegefestigkeit zieht die nuVero 3 vorbei. 
Fazit

Die kleine Regalbox sorgt in vielerlei Hinsicht für Überraschungen: Der kraftvolle Bassbereich mit ausgezeichnetem Tiefgang wäre zu nennen oder der brillante, räumlich dichte Hochtonbereich, die erstklassige Pegelfestigkeit oder die akustische Neutralität. Durch den zweiten rückseitigen Hochtöner erweitern sich Einsatz- und Individualisierungsmöglichkeiten. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig, die verwendeten Bauteile überzeugen aus qualitativer Sicht zur Gänze. 

Die nuVero 3 vereint Basskraft, akustische Harmonie und herausragende Impulstreue zum sehr fairen Preis

Stereo-Kompaktlautsprecher obere Mittelklasse
Test 07. Juli 2011

+ Für die Preis- und Größenklasse Maßstäbe setzender Bassbereich
+ Enorm pegelfest
+ Tolle Räumlichkeit
+ Zweiter Hochtöner zuschaltbar
+ Kippschalter für Klangcharakteristik
+ Erstklassige Verarbeitung
+ Schöne lieferbare Farben

- Wirkungsgrad verlangt nach kraftvollem Verstärker

Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
07. Juli 2011

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