TEST: Standlautsprecher Nubert nuVero 10 - Design-Meisterwerk mit kultivierter Akustik

25. Februar 2010 (sw/cr)

Einführung

Die nuVero-Serie, ihres Zeichens Ausgängeschild der schwäbischen Lautsprecher-Manufaktur Nubert, erhält in zweiterlei Weise kompakten Zuwachs. Als kleine Regalbox kommt die für 545 EUR/Stück erhältliche nuVero 3 neu dazu, als kompakter, schlanker Standlautsprecher ergänzt die pro Stück 1225 EUR kostende nuVero 10 das attraktive Sortiment. Letztgenanntes Modell hat sich in anthrazitfarbener Ausführung (wahlweise lieferbar: Perlweiß oder Mokka) in der Redaktion eingefunden, um seine Qualitäten optisch und vor allem akustisch nachhaltig unter Beweis zu stellen. Der Schallwandler arbeitet nach dem 3-Wege-Prinzip – allerdings ohne den typischen Nachteil von konventionellen 3-Wege-Konstruktionen, die durch nicht stimmige Signallaufzeiten die Impulstreue und die Homogenität des Klangbildes negativ beeinflussen. Daher wurde von den versierten Entwicklern eine komplett neue Frequenzweiche mit 47 selektierten Bauteilen konstruiert, die die Gruppenlaufzeiten im Mitteltonbereich deutlich herabsetzt. Weiteres spezielles Merkmal ist der aufwändige Hochtöner mit 26 mm Seidenkalotte. Die beiden Mitteltöner und der Hochtöner sind in d’Apollito-Anordnung auf der Schallwand montiert. Der 15 cm Tieftöner zeichnet sich durch enormen Hub und extreme Verzerrungsarmut aus. Als echte nuVero-Standbox bringt die nuVero 10 natürlich auch drei Klangwahlschalter mit, die sich auf der Rückseite des Lautsprechers befinden. Mit dem ersten Schalter lässt sich der Hochtonbereich neutral wiedergeben, anheben oder absenken. Mit dem zweiten Schalter kann man die Mittenwiedergabe neutral oder prägnant gestalten. Der dritte Schalter der 24 kg wiegenden Konstruktion ist der Bassschalter, hier kann der Basspegel bei wandnaher Aufstellung abgesenkt werden. Was die nuVero 10 leistet, haben wir überprüft. 

Video: Die Nubert nuVero 10 im Überblick

 

Anmerkung: Normalerweise befinden sich anthrazitfarbene Gitterbolzen im Lieferumfang und nicht die in unserem Video gezeigten weißen, die für die perlweiße nuVero-Version bestimmt sind.

Verarbeitung und Technik 

Massiver Sockel

Einpassung der Chassis

Die nuVero 10 ruht auf einem höchst stabilen Fundament in Form von aus schwerem Metall bestehenden Füßen. Sie sorgen dafür, dass der Lautsprecher auf jedem Untergrund optimal steht, und passen bezüglich ihrer optischen Gestaltung perfekt zum Gesamteindruck. Die Gehäuseverarbeitung weiß zu begeistern: Geringe Spaltmaße, sehr hochwertige Materialien - bei der nuVero-Serie wurde aus dem Vollen geschöpft. Gleichzeitig hat Nubert bewusst einen altertümlich-konservativer Eindruck vermieden, daher werden alle nuVero-Lautsprecher nicht im klassischen Echtholzfurnier angeboten, und auch nicht in Schleiflack-Ausführung. 

Schallwand 1

Schallwand 2

Schallwand in schickem Metallic-Glanz

Terminals

Die hochglänzend ausgeführte, an den Ecken wie ein Segel vorstehende gewölbte und massive Schallwand wird von einem Korpus mit Nextel-Beschichtung in interessantem Kontrast ergänzt. Wie wir es von Nubert gewohnt sind, ist die Einpassung der Chassis hervorragend. Alles ist robust verschraubt, aber optisch bewusst schlicht gehalten. Die Lautsprecherabdeckgitter sind präzise geformt und bestehen aus hochwertigem Metall. Die rückwärtigen Bi-Amping-Terminals sind leichtgängig und solide ausgeführt. In unmittelbarer Umgebung finden sich die drei Kunststoff-Kippschalter zur Wahl unterschiedlicher Klangcharakteristika. 

Weiche aus seitlicher Sicht

Und von oben aus gesehen

Im Detail

Bass-Chassis im Querschnitt

Mitteltöner

Mitteltöner 2

Hochtöner

Im Detail

Das Innere der nuVero 10 macht Bezug nehmend auf die Hochwertigkeit ebenfalls einen exzellenten Eindruck. Die Frequenzweiche besteht aus sehr guten Bauteilen – zu nennen wären beispielsweise die Folienkondensatoren, die auch aus langfristiger Perspektive zuverlässig ihren Dienst verrichten. Übrigens – droht Überlastung, werden die selbst rückstellenden Schutzsicherungen aktiv, die Chassis und Frequenzweiche durch ihren Einsatz schützen. Die Chassis mit hochsoliden Körben und dicken, leistungsstarken Magneten garantieren ebenfalls eine außerordentliche Leistungsfähigkeit. 

Das Gehäuse ist massiv verarbeitet, was Verwindungen unterdrückt. Durch die spezielle Bauform werden Resonanzen und stehende Wellen im Gehäuseinneren verhindert. Technisch wurden viele interessante Ideen in der nuVero 10 umgesetzt. Dass der Hochtöner mit 26 mm einen für diese Preisklasse vergleichsweise großen Durchmesser aufweist, begründet Nubert damit, dass normale 19 mm Bauteile nicht so hoch wie erwünscht belastbar wären. Die Seidenkalotte garantiert ein breites Abstrahlverhalten und damit eine großartige Räumlichkeit und Auflösung im Hochtonbereich. 

Für eine perfekte Ankoppplung an den Mitteltonbereich sorgt die ausgeklügelte Bedämpfung des angekoppelten Innengehäuses hinter der Kalottenmembran . Der Mitteltöner ist gleich in doppelter Ausführung vorhanden, die beiden Mitteltöner schließen den Hochtöner in d‘Apollito-Anordnung ein. Der Durchmesser der aus Glasfaser bestehenden Membran wurde klein gewählt, um den Abstrahlwinkel breit zu halten. Mit Hilfe des breiten Korbrandes realisiert Nubert optimale Strömungsbedingungen zwischen Lautsprecherschallwand und angekoppeltem Mitteltönergehäuse. 

Die nuVero 10 ist eine recht schlanke, vom Gehäusevolumen her nicht zu große Box – das macht eine tief nach unten reichende Basswiedergabe zu einer Hürde, die im Sinne einer kompletten Wiedergabecharakteristik aber genommen werden muss. Gerade bei dem Anspruch, den sich Nubert mit der nuVero-Serie auf die Fahnen geschrieben hat, gibt es keine Kompromisse. Daher musste ein Langhubchassis her, das fehlende Membranfläche durch Hub kompensiert. Dies klingt einfach, ist es aber nicht, denn schließlich muss die Membranbewegung stets akkurat verlaufen, um eine exzellente Wiedergabe zu ermöglichen. Der 15 cm Longstroke-Woofer, der mit immensem Entwicklungslaufwand seinen Weg in den Schallwandler gefunden hat, weist eine Sandwich-Membran (Sandwich wegen der zwischen zwei Glasfaserschichten „eingeklemmten“ Zellstoffeinlage) auf und ist für die beeindruckende untere Grenzfrequenz von 35 Hz zuständig. 

Die aufwändige Technik an Bord schlägt sich in hervorragenden Belastbarkeitswerten nieder: 280 Watt Nenn- und satte 370 Watt Musikbelastbarkeit (kurzzeitig) setzen in dieser Boxen-Größenklasse zweifelsohne Maßstäbe. Der Wirkungsgrad fällt mit 84 dB (1 W, 1 m) nicht übermäßig gut aus. Dies liegt auch daran, dass man versucht hat, die Bassqualitäten der nuVero 10 in die Nähe der größeren nuVero 11 zu rücken. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Nubert den Gesamtwirkungsgrad der nuVero 10 um ca. 1 dB reduziert. Man benötigt also schon einen kräftigen Verstärker, um das Potential der nuVero 10 auch auszunutzen und um unschönes Clipping zu vermeiden. Die 4 Ohm-Box wiegt 24 kh und weist mit Füßen eine Höhe von 97,5 cm auf. Die Breite liegt bei 20,3 cm, mit Gitter ist die Box 34 cm tief. Der Frequenzgang (Bassschalter normal) geht von 35 bis 25000 Hz bei -/+ 3 dB. 

Gesamtnote Verarbeitung und Technik in Relation zur Preisklasse: Hervorragend - perfekt.

Testequipment
Klang

Exzellenter Hochtonbereich

CD “Crockett’s Theme” – Jan Hammer Project Featuring TQ: Hier stellt die nuVero 10 unter Beweis, dass eine basskräftige Box mit tollem Tiefgang nicht automatisch ein enormes Gehäusevolumen mitbringen muss. Voraussetzung für den problemlos möglichen lauten Genuss bassintensiver Musik ist allerdings ein Verstärker/Receiver mit ordentlichen Leistungsreserven. Ist diese Voraussetzung gegeben, gibt es für die nuVero 10 kein Halten mehr. Volumen, Präzision und Tiefgang sind überdurchschnittlich gut. Tempowechsel und Dynamiksprünge werden impulstreu mitgemacht. Der breite Abstrahlwinkel sorgt für realistische Räumlichkeit. Der Klang löst sich prima vom Lautsprecher. Insgesamt ist die nuVero 10 nah an der nuVero 11 dran – die nuVero 11 hat etwas mehr Druck im tieffrequenten Bereich und löst in den oberen Mitten noch eine Idee feiner auf. Der Tiefgang ist etwas ausgeprägter, aber dies wird nur der Hörer mit viel Erfahrung bemerken. 

CD, Brian Ferry, „Frantic“, track 1, „It’s all over now Baby Blue“: Das exzellente tieffrequente Fundament zeichnet die nuVero 10 hier wieder aus. Die Gitarre kommt mit genauen Konturen zum Zuhörer. Die Auflösung ist über den gesamten Frequenzbereich hoch – der Hochtöner beeindruckt besonders, in dem er eine breite, fein aufgelöste Räumlichkeit bereithält. Auch die Mundharmonika mit ihren Dynamikunterschieden kommt sehr schön heraus. Die Stimme von Ferry ist sehr gut eingearbeitet und steht nicht unnatürlich im Vordergrund. 

CD, Andrea Bocelli „Andrea“, Titel 2, „L’Attesa“: Fein, charismatisch, emotional – die Stimme des berühmten blinden Sängers scheint sich direkt vor dem Zuhörer aufzubauen. Sie löst sich komplett vom Lautsprecher und verteilt sich harmonisch dosiert. Der Tiefgang ist beeindruckend, doch auch der Nachdruck des Basses beweist die Klasse der nuVero 10. Erst bei sehr hohem Pegel erscheint der Hochtonbereich minimal angestrengt, hier bleibt die große nuVero 14 noch länger stabil und untermauert den Ruf als eine der pegelfestesten und faszinierendsten Lautsprecher des gesamten Marktes. Die Übergänge zwischen Hoch- und Mitteltonbereich sowie Mittel- und Tieftönbereich sind fließend, ohne jede „Ecken und Kanten“. Die Signallaufzeiten sind nahezu perfekt, so „hinkt“ kein Frequenzbereich hinterher. Tonal der Neutralität verpflichtet, nimmt in akustisch hellhörigeren Räumen der Bass eine im Vergleich zum Rest etwas dominantere Rolle ein. Hier hilft es, den Bassschalter in die Position zu bringen, in der der Bass etwas zurückgenommen ist. 

CD, Bon Jovi – Crossroad, Track 2, „Keep the Faith“: Genau auf den Punkt bringt die nuVero 10 diesen Hit – der Bass direkt zu Beginn des Songs begeistert durch Tiefgang ebenso wie durch die trockene Charakteristik. . Die Stimme wird genau mit dem richtigen nachdrücklichen Unterton wiedergegeben. Da die Aufnahmequalität der CD im Hochtonbereich nicht eben vorbildlich ist, sollte man es aber mit dem Pegel nicht übertreiben – dann wirkt das Gebotene etwas schrill. Hilfe bringt der Hochtonwahlschalter, diesen kann man auf „absenken“ stellen, dann wird die Wiedergabe sanfter und verträglicher. 

Blu-ray-Audio, LPCM 2.0, 192 kHz/24-Bit, 2L – The Nordic Sound, Wolfgang Amadeus Mozart, Sonate für 2 Pianos, Allegro: Hier passt die Vorgehensweise der nuVero 10 bestens zur virtuosen Musik. Auch kleine dynamische Unterschiede werden mit hoher Treffsicherheit herausgearbeitet. Die Anschlagdynamik kommt tadellos heraus. Dabei wird eine überragende Räumlichkeit an den Tag gelegt. Der frische Hochtonbereich und die harmonisch erscheinenden Mitten stellen zusammen mit dem präzisen Bass eine enorme akustische Qualität sicher. Die Vorteile größerer nuVero-Modelle kann man gerade bei solchem Quellmaterial mit der Lupe suchen, denn noch leistungsfähigere Basstreiber und ein größeres Lautsprechergehäuse ist kaum vonnöten, es sei denn, man hört in Räumlichkeiten, die deutlich über 35 Quadratmeter groß sind. 

Blu-ray, Celine Dion, A New Day, Track 4, Because You loved me: Die Stimme Celines kommt fein heraus – so fein, dass man sogar den Lufthauch vernehmen kann, wenn sie ins Mikrophon singt. Die Stimm- und Instrumentaltrennung ist ausgezeichnet, die Background-Sänger sind hervorragend eingebunden. Die Grobdynamik ist sehr gut, setzt aber bei diesem Beispiel keine Maßstäbe. Der Klang ist von harmonischer Räumlichkeit durchzogen

Charakteristik der nuVero 10 sowie Konkurrenzvergleich

Die kleine Standbox empfiehlt sich für vielfältige Aufgaben. So kann sie in einer kleineren, hochwertigen Surroundanlage ebenso eingesetzt werden wie als Stereo-Lautsprecherpaar im Wohn- oder Musikzimmer. Durch ihre verschiedenen Schalterstellungen wird es möglich, spezielle räumliche Gegebenheiten oder Präferenzen des Hörers zu berücksichtigen. Ist alles in Grundstellung, tritt die nuVero 10 als neutral und frisch aufspielende Box auf, die durch ihr enormes Auflösungsvermögen punktet und einen für diese Abmessungen überragenden Tiefgang offeriert. Wer zwei kompakte Standlautsprecher sucht, die sich auch ohne den zusätzlichen Support durch einen aktiven Subwoofer sehr gut machen, liegt hier genau richtig. Die nahtlosen, sanften Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen ist ebenfalls ein wichtiges Merkmal der nuVero 10. Einen sehr hartnäckigen Konkurrenten findet sie in der preislich erstaunlich günstigen Quadral Chromium Style 100. Durch den Bändchenhochtöner offeriert die Hannoveraner Konstruktion eine tolle Räumlichkeit im Hochtonbereich und klingt sehr samtig. Diese Brillanz und Klarheit, die die Seidenkalotte der nuVero 10 auszeichnet, kann aber nicht erreicht werden. Der Bassbereich punktet auch bei der Quadral ohne Zweifel – Kraft, Volumen und eine sehr hohe Präzision werden erreicht. Die nuVero 10 rechtfertigt den höheren Kaufpreis mit noch mehr Tiefgang und Staffelung. Bilanzierend verdienen sich beide Lautsprecher eine große Empfehlung in ihrer jeweiligen Preisklasse. Für schlanke 995 EUR/Stück kann man sich eine Box ins Haus holen, deren Erscheinung im krassen Gegensatz zum Preis steht: Die Stereo-Standlautsprecher Klipsch Classic RF-7. Das Pegelmonster schlägt grobdynamisch unerbittlich zu und macht deutlich, wer hier die Rolle des Cowboys auf dem Parkett der Musikwiedergabe spielen möchte. Die Verarbeitung ist routiniert, Noblesse darf keine erwartet werden. Wer maximalen Pegel fahren und dabei auf eine überragende Detaillierung verzichten möchte, sollte zuschlagen. Hausintern bietet sich die nuVero 11 als Vergleichskandidat an. Etwas mehr Tiefgang, etwas größere Abmessungen und etwas mehr Pegelfestigkeit veranschlagen einen Aufpreis von 120 EUR pro Lautsprecher – das ist fair. Unbedingt brauchen tut man die nuVero 11 aber nicht, es sei denn, der Hörraum ist relativ groß. 

Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Hervorragend – perfekt. 

Fazit


Die kleine, feine Standbox rundet die nuVero-Reihe gekonnt ab. Der Premiumanspruch wird bei der nuVero 10 in vielen Details und vor allem auch akustisch deutlich. Die überragende Verarbeitung, innovative technische Lösungen und das Filterwerk zur akustischen Anpassung verdienen sich ein Sonderlob. Für das Gehäusevolumen ist der Tiefgang sensationell, die Pegelfestigkeit kann getrost als überdurchschnittlich bezeichnet werden. Die Feindynamik ist herausragend und schneidet beim Vergleich aller klanglichen Parameter noch besser ab als die zwar sehr gute, aber nicht weit überragende Grobdynamik. Die feine, charismatische Stimmwiedergabe und die tolle Loslösung des Klangs vom Lautsprecher sind weitere „Zutaten“, die für die hervorragende Zensur, die wir diesem „schwäbischen Rezept zum kultivierten Klang“ erteilen, Verantwortung tragen. 

Edler, kultiviert und fein aufspielender Standlautsprecher mit kompakten Abmessungen, erstklassigem Tiefgang und innovativer Technik

Stereo-Standlautsprecher obere Mittelklasse
Test 25. Februar 2011

+ Tolle Feindynamik
+ Exzellenter Tiefgang
+ Tonal neutral und frisch
+ Innovative technische Lösungen
+ Hohe Pegelfestigkeit
+ Fürs Leistungsprofil kompakte Abmessungen
+ Hervorragende Verarbeitung
+ Drei zeitgemäße lieferbare Farben 

- Wirkungsgrad verlangt nach kraftvollem Verstärker

Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
25. Februar 2011

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