TEST: Regallautsprecher Magnat Vector 203 - Tadellose Leistung zum fairen Kaufpreis?
25.11.2011 (sw/cr)

Magnat Vector 203 mit elegantem Metallgitter

Magnat Vector 203 ohne Frontgitter
Einführung
Für Marktpreise um die 240 EUR gibt es die optisch attraktiv gehaltene
Regalbox Magnat Vector 203. Von den beiden aus der Serie erhältlichen
Regallautsprechern ist der Vector 203 der größere, lieferbar ist der
Schallwandler wahlweise in schwarzer oder moccafarbener Ausführung. Die
2-Wege-Bassreflexbox weist eine Impedanz von 4 bis 8 Ohm auf und ist mit 25 mm
Hochtöner mit Teteron-Kunstseidemembran und 170 mm Tieftöner mit beschichteter
Papiermembran bestückt. Als Belastungswerte werden 90 Watt (RMS) und 160 Watt
(maximal) angegeben. Der Frequenzbereich geht von 32 bis 55.000 Hz - damit zeigt
sich der Lautsprecher auch Medien wie der Blu-ray-Audio, der SACD oder der
DVD-Audio gegenüber offen. Der Wirkungsgrad liegt bei 91 dB, die empfohlene
Mindest-Verstärkerleistung liegt laut Hersteller bei 20 Watt. Die 7 kg wiegende
Box misst (BxHxT) 200 x 365 x 300 mm. Das MDF-Gehäuse ist stabil sowie
resonanzarm aufgebaut.
Verarbeitung

Oberflächen-Finish

Ordentliche, aber nicht perfekte Detailverarbeitung.
Sichtbarer Versatz beim Materialübergang, keine vollkommen gleichen Spaltmaße

Gelungene Optik

Solide verschraubte Chassis

Die Verarbeitung und die Materialübergänge im Detail

Gradliniges Design

Vergoldete Bi-Wiring-Anschlüsse

Anschlussterminals im Detail

Direkt auf der Rückseite des Anschlussterminals sitzt die
Frequenzweiche

Im Detail

Hochtöner

Ausgebaut

Kunstseide-Kalotte

Leistungsstarker Magnet

Anschluss

Tieftöner mit 170 mm Papiermembran

Ausgebauter Tieftöner

Anschluss
Die Magnat Vector 203 ist in Anbetracht ihrer günstigen
Preisklasse gut verarbeitet. Man kann nicht den enormen Standard höherer
Magnat-Baureihen erwarten (z.B. die Magnat Quantum 803),
aber das Gebotene geht in Ordnung. Unterschiede finden sich in den nicht
perfekten Spaltmaßen und kleineren Kanten bei Materialübergängen. So etwas
kommt bei den Quantum-Boxen nicht vor. Die Folierung des MDF-Gehäuses ist
akkurat und weist keine großen Unregelmäßigkeiten auf. Die beiden Chassis
sind solide mit der Schallwand verschraubt und präzise eingepasst. Unter dem
Lautsprecher befinden sich vier einfach gehaltene Gumminoppen als Füße, so
steht der Lautsprecher auch auf dem Sideboard stabil sowie rutschfest und
verursacht keine Kratzer. Sehr gut gefällt uns das solide und auch formschöne
Lautsprecher-Schutzgitter aus Metall, das ist in diesen günstigen Preisklassen
nicht selbstverständlich. Die Innenverarbeitung ist ordentlich und weist keine
groben Mängel auf. Die direkt auf der Rückseite der Anschlussterminals
sitzende Frequenzweiche ist einfach und übersichtlich gehalten.
Testequipment
Klang
Für vergleichsweise kleines Geld bieten die Vector eine saubere
Leistung - beginnen wir mit einer Charakterisierung. Insgesamt ist die Box
relativ neutral abgestimmt, allerdings etwas hell im oberen Mitteltonbereich.
Stimmen werden mit guter Verständlichkeit wiedergegeben, ganz gleich, ob es
sich um weibliche oder männliche Stimmen handelt. Nur minimal belegt
präsentieren sich vokale Anteile, was in dieser preisgünstigen Leistungsklasse
aber an der Tagesordnung liegt. Die Vector 203 wird bei sehr hohen Pegeln etwas
aggressiv und spitz - die Pegelfestigkeit ist gut und für die Preisliga
vollkommen ausreichend. Ordentlich, wenngleich nicht sensationell ist der
Wirkungsgrad, lieber nimmt man einen relativ kräftigen Verstärker, dann klingt
die Box auch hörbar souveräner und angenehmer. Durch die Bassreflexöffnung
hinten sind die Lautsprecher für eine wandnahe Aufstellung nicht ausgelegt,
hier sollte man schon 40 oder 50 cm Abstand einhalten. Ausgezeichnet gefällt
uns der überraschend präzise Bass. Der Tiefgang ist für eine so kompakte
Konstruktion tadellos, zudem kommt der Bass sauber und mit korrektem Timing zum
Zuhörer.
Er ist weder zu "fett" noch zu zurückhaltend, so dass
man bilanzierend festhalten kann, dass die Magnat-Entwickler hier prima Arbeit
geleistet haben. Die Anbindung des Basses an den Mitteltonbereich ist recht gut
gelungen, teurere Konstruktionen bieten aber noch fließendere und feinere
Übergänge. Kaum etwas auszusetzen gibt es am beinahe nahtlosen Übergang
Mittel- zu Hochtonbereich. Der Hochtonbereich offeriert eine ordentliche
Durchhörbarkeit. Die Räumlichkeit ist insgesamt gut, aber in sich nicht
perfekt homogen, ab den oberen Mitten bildet sich der akustische Korpus
hinsichtlich seiner räumlichen Ausprägung etwas zurück. Sehr gut ist es um
die Grobdynamik bestellt, auch größere Dynamiksprünge werden präzise
übertragen. Feindynamisch können wir auch kaum Negatives ausmachen, für die
Preisliga wird hier Beachtliches geboten.
Zu den einzelnen Höreindrücken: Bei "L'Attesa" von
Andrea Bocelli begeistert uns die für die Preisliga wirklich außerordentlich
gute Detailtreue - hier dürfte es derzeit nicht viel Vergleichbares geben. Nur
minimal belegt ist die Stimme Andreas - aber Konturen, Charisma und Struktur
können bilanzierend sehr gut gefallen. Der Bass ist ausgezeichnet vom Timing
her und überdeckt nicht die Stimme durch überzogene Dominanz - vielmehr
gliedert er sich ausgezeichnet ins tonale Gesamtgefüge ein. Gerade im Bass- und
unteren Mitteltonbereich entfaltet der kompakte Regallautsprecher eine gelungene
und authentisch wirkende Räumlichkeit. Bei Bryan Ferrys "It's All Over Now,
Baby Blue" (SACD) gefällt uns der Lautsprecher nicht so gut wie beim
Bocelli-Stück. Hier ist das Hi-Hat des Schlagwerks etwas zu aggressiv und
dominiert Bryans Stimme zu stark, die dadurch etwas aus dem Fokus rutscht. Der
Rhythmus wird ansonsten schwungvoll übertragen, die E-Gitarreneinsätze zeigen
etwas zu viel Schärfe.
Mit guter Durchzeichnung punkten die Magnat Vector bei der
Goldfrapp-Version des Depeche Mode Hits "Halo": Die Stimme des
Sängers hat eine erstaunliche Tiefe, der eine faszinierende Bedrohlichkeit
ausstrahlende Aufbau wird mit klarer Nachvollziehbarkeit präsentiert. Der Bass
ist für diese Leistungsliga satt und tief, die Trennung von Stimmen und
Instrumenten ist tadellos. Leicht scharf wird der Klang erst bei sehr hohem
Pegel. Gespannt waren wir auf den Beginn von Antonio Vivaldis "Vier
Jahreszeiten" - und hier gibt sich die Vector 203 kultiviert und überzeugt
mit prima Detailarbeit und einer erstaunlich gekonnten Präsentation der
Streicher-Soli. Orchestrale Einsätze kommen mit Verve und Spielfreude heraus,
die Impulstreue ist zu loben. Wir machen einen harten musikalischen Break - und
wechseln in die 90er Jahre des letzten Jahrtausends zum Techno-/Dance-Klassiker
"I Have A Dream" von DJ Quicksilver: Hier entfalten die Vector 203
eine löbliche Gesamtdynamik und geben den harten Kickbass akkurat wieder. Die
Kontrolle und das Timing im Bassbereich sind für diese Preisliga ausgezeichnet.
Aber auch die Räumlichkeit ist gut. Man sollte die beiden Regalboxen aber
leicht auf den Hörer hin anwinkeln. Bei "Bellisima" von DJ
Quicksilver offeriert die Vector 203 wiederum eine gute Durchhörbarkeit und
eine schnelle Reaktion beim Wechseln des Tempos. Hinzukommende Effekte werden
flott und glaubwürdig eingearbeitet.
Konkurrenzvergleich
-
Teufel Ultima 20:
Die sehr pegelfeste Ultima 20 ist nochmals preiswerter und klingt insgesamt
etwas voller. Dafür leistet die Vector 203 im feindynamischen Bereich
mehr.
-
Heco Music Colors 100:
Schick und elegant sowie farbenfroh - modische, junge Menschen zieht die
Music Colors sofort in ihren Bann. Sie klingt frisch und lebendig, ist aber
nicht so pegelfest und im Bassbereich ebenfalls der Vector 203
unterlegen.
-
Nubert nuBox 101:
Neutral und lebendig klingend, ist die annähernd preisgleiche Nubert nuBox
101 ein harter Konkurrent, die mit homogenem Raumgefühl und toller
Pegelfestigkeit punkten kann. Die Magnat detailliert dafür noch eine Idee
besser - was wirklich überrascht, denn dieses Können war Magnat-Boxen
früher nicht eigen.
Fazit

Die Magnat Vector 203 ist für die Preisklasse gut verarbeitet
und offeriert tadellose klangliche Leistungen. Sie klingt grob- wie auch
feindynamisch überzeugend, bietet einen präzisen, straffen und doch
zupackenden Bass, eine prima Stimm- und Instrumentaltrennung und gerade im Bass-
und unteren Mitteltonbereich eine überzeugende Räumlichkeit. Insgesamt ist der
Regallautsprecher eine flexibel einzusetzende, moderne und attraktive Box zum
sehr fairen Preis.
Attraktiver und tadellose klingender Regallautsprecher zum
sehr fairen Kaufpreis

Regallautsprecher untere Mittelklasse
Test 25. November 2011
+ Moderne und gefällige Optik
+ Lebendiger Klang
+ Grob- und Feindynamik überzeugend
+ Für die Preisliga gute Verarbeitung
- Bei hohem Pegel etwas spitz
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25.11.2011
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