TEST: Klipsch Synergy 5.1-Set (F-10, C-10, B-20 und SW-350) - Optimaler Gegenwert für 749 EUR?

15.11.2011 (cr/sw)

Einführung

Für schlappe 749 EUR (UVP 1600 EUR) hat man die Chance auf ein US-amerikanisches Surroundschnäppchen: Für diesen Preis kann man das Klipsch Synergy 5.1 Ensemble erwerben, das aus den Front-Standlautsprechern F-10, dem recht kleinen Center C-10, den beiden Bookshelf-Rears B-20 und dem aktiven Subwoofer SW-350 besteht. Die 18,1 kg wiegende F-10 verträgt kurzzeitige Spitzen von bis zu 400 Watt, langzeitig können 100 Watt (nach RMS) auf den Lautsprecher maximal belastend einwirken. Mit 93,5 dB (2,83 V @ 1 m) ist der Lautsprecher zudem sehr effektiv arbeitend. Der 2,54 cm Hochtöner wird um ein Klipsch-typisches Tractix-Horn ergänzt, hinzu kommt ein 16,5 cm Woofer bei diesem Zweiwege-Standlautsprecher. Die Bassreflexöffnung strahlt nach vorn ab, was die wandnahe Aufstellung begünstigt. Der Lautsprecher ist wie alle anderen Komponenten auch 8-Ohm-kompatibel. Mit 91,4 cm Höhe, 34,3 cm Tiefe und 20,3 cm Breite kann man die Box noch gut stellen. Der kleine C-10 Center misst lediglich 40,6 cm in der Breite, 15,2 cm in der Höhe und 13,3 cm in der Tiefe. Er wiegt 3,6 kg und arbeitet nach dem geschlossenen Prinzip. Bestückt ist er mit einem Hochtontreiber (1,9 cm) mit Tractix-Horn und 2 x 10,2 cm Woofern. Der Center ist magnetisch geschirmt. Die Empfindlichkeit ist identisch wie bei der F-10, was bei einer geschlossenen Konstruktion etwas verwunderlich erscheint. 50 Watt nach RMS werden dauerhaft verkraftet, 200 Watt kurzzeitig. Die B-20 Bookshelf-Lautsprecher für den Surroundbereich sind dauerhaft mit maximal 75 Watt (Schild hinten auf dem Lautsprecher, im Netz stehen 85 Watt) belastbar und die kurzzeitige Belastbarkeit liegt bei 340 Watt. Die 5 kg wiegenden Regallautsprecher sind 31,8 cm hoch, 20,3 cm tief und 17,8 cm tief. Der Wirkungsgrad liegt hier bei 92,5 dB, die Bassreflexöffnung strahlt nach hinten ab. Ein 1,9 cm Hochtöner mit Hornvorsatz wird flankiert von einem 13,3 cm Tieftöner. Der SW-350 Aktivsubwoofer verfügt über eine Endstufe mit 350 Watt Musikleistung und 150 Watt Sinusleistung. Der Verstärker ist digital (Class D) und versorgt einen 20 cm Treiber. Der Subwoofer ist als Downfire mit nach vorn abstrahlender Bassreflexöffnung konstruiert und wiegt 12,2 kg. Er ist 31,8 cm breit, 39,4 cm hoch und 43,2 cm tief. Er verfügt über Lautstärkeregler, Phasenregler (0 oder 180 Grad), regelbaren Tiefpassfilter und An/Abschaltautomatik. Wie auch bei den F-10 sitzen unterm Sub integrierte Standfüße. 

B-20

C-10

F-10

SW-350

Verarbeitung und Technik

B-20:

B-20 von hinten. Einfache Anschlussterminals, das Anschlussterminal ist verschraubt

B-20: Aufnahmezapfen fürs LS-Gitter, aus Kunststoff

B-20: Das Bassreflexrohr ist hinten untergebracht, direkt an der Wand sollte man die Box nicht aufstellen

Typisch Klipsch - Hochtöner mit Hornvorsatz für guten Wirkungsgrad

Ausgebaut

Im Detail von hinten

Einfaches Innenleben bei der B-20

B-20: Solide verschraubter Tieftöner

Tieftöner ausgebaut

Von unten aus betrachtet

Folierte Oberfläche. Die Folie ist recht ordentlich verlegt. Die Synergy-Lautsprecher gibt es nur in schwarzer Ausführung

Scharfe Kanten vorn und hinten - das muss auch in dieser Preisklasse nicht sein

 

C-10:

Center: Lautsprecherkabelanschlüsse

Vorn; Aufnahmezapfen fürs Gitter

Schriftzug

Auch der Center hat einen Hochtöner mit Hornvorsatz

Detailaufnahme

Das Gehäuse des Centers besteht aus Kunststoff

Robust verschraubter Tieftöner beim C-10

F-10:

Bi-Wiring-Terminal

Bassreflexöffnung vorn

Hochtöner - wie könnte es anders sein, mit Hornvorsatz

Ausgebauter Hochtöner mit Hornvorsatz von hinten

Im Detail

Tieftöner ausgebaut

Anschlüsse

Von unten

Membran-Material des Tieftöners

Die F-10 ruht auf einem integrierten Sockel

Standfuß

Oberflächen-Finish

Verarbeitung im Detail

Material-Mix

SW-350:

Rückseite

Bedienelemente in der Übersicht - das Terminal ist stabil verschraubt

Subwoofer: Hochpegeleingänge 

Cinch-Anschlüsse

An-/Ausschaltautomatik, Phasenumschalter

Sauber verarbeitete Regler für Lautstärke und Tiefpassfilter

Downfire-Subwoofer

Basschassis ausgebaut

Anderer Blickwinkel

Finish im Detail

Standfuß beim Subwoofer

Bassreflexöffnung

Class D-Endstufe im Inneren. Ordentliche Verarbeitung

Detailaufnahme

Im Detail

Das Synergy-Set ist robust verarbeitet und ausschließlich in Schwarz lieferbar. Die Oberfläche der Lautsprecher ist foliert - mit Ausnahme von Center und Subwoofer im Kunststoff-Vinyl-Gehäuse. Hier müssen wir bemängeln, dass der Center nicht aus dem gleichen Material (foliertes MDF) wie Rears und Fronts besteht, was im Sinne einer einheitlichen Akustik nicht eben förderlich ist. Die Folierung ist im wesentlichen ordentlich, als störend empfinden wir aber die scharfen Kanten hinten und vorn. Die Lautsprecherkabelanschluss-Terminals sind einfach, aber gut zu bedienen, bei den F-10 gibt es sogar Bi-Amping-Anschlüsse. Sehr gut gefällt uns, dass Subwoofer und Frontlautsprecher auf soliden Standfüßen ruhen, die direkt integriert sind. Das Innenleben der Lautsprecher zeigt einen einfachen und preiswerten Aufbau der Frequenzweichen und solide Massenware bei den Chassis. Der aktive Subwoofer ist innen prima verarbeitet und verfügt über eine verlustarm arbeitende Class D-Digitalendstufe. An Regelmöglichkeiten am Subwoofer finden sich: Lautstärke, Tiefpassfilter, Phasenumkehrschalter, An- und Abschaltautomatik. Es gibt 2 Cinch Niederpegeleingänge und Schraubterminals als Hochpegeleingänge. Die Lautsprecherschutzgitter bestehen aus Stoff und sind faltenfrei bezogen. 

Testequipment
Klang

Bezüglich der Pegelfestigkeit erwartet man selbst von günstigen Klipsch-Komponenten viel – und das Synergy-Set enttäuscht nicht – bis auf eine Komponente, was man dieser aber aufgrund der kompakten Abmessungen nicht wirklich vorwerfen kann. Der kleine C-10 Center ist dann bei höherem Pegel doch am Ende und macht durch Gehäusegeräusche sowie Verzerrungen auf sich aufmerksam. Hier hilft es, den Center im Setup des AV-Receivers mit geringerem Grundpegel einzupegeln – dann ist er zwar im Verhältnis zu den anderen Boxen etwas zu leise und somit im strengen Sinne nicht korrekt eingestellt, dann aber können Subwoofer, Fronts und Rears zeigen, wie gut sie mit hohen Pegel umgehen können. Der Bassdruck ist für die Preisklasse tadellos, zudem ist der SW-350 auch relativ schnell und „hinkt“ somit im Bassbereich nicht unschön hinterher. 

Das Klipsch Set erfreut ansonsten mit sehr guter Grobdynamik und ordentlicher Räumlichkeit. Damit bietet es sich an, kraftvolle Dancefloor-Hymnen wie „Russia Privjet“ von Basshunter in Dolby PLII Music zu genießen. Mit Nachdruck wirft das Synergy-Set Effekte in den Hörraum und bringt den Kickbass prima zur Geltung. Der Tiefgang ist gut, aber nicht überragend – hier sieht man, dass man fürs investierte Geld natürlich keine multifunktionale Allzweckwaffe erwarten kann. Trotzdem – für die Preisliga kann man auch am Tiefgang nicht wirklich herummeckern, denn die sonst bei günstigeren Systemen oft mitgelieferten Miniatur-Subwoofer stellt der Klipsch-Bassist klar in den Schatten. Überhaupt – wer vor hatte, sich wegen dem WAF (Woman Acceptance Factor) ein kleines Sub/Sat-Set zu kaufen, sollte sich vor dem Kauf einer solchen Lösung lieber das Klipsch-Set anhören – danach stellt sich der Hörer die Frage, nach Herbert Grönemeyer: „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Antwort im Jahre 2011: „Wenn er den Mut hat, seine Ohren siegen zu lassen und das Klipsch Synergy-Set kauft und sich nicht um das Gemecker schert, warum er die superhübschen Miniböxchen mit Tischhupensound nicht gekauft hat“. Auch beim 2010er Mix des Klassikers „Das Boot“, performed by Manolo Fernandez vs. U96, tritt das Klipsch-Ensemble souverän auf: Hart, kraftvol, grobdynamisch ausgezeichnet, mit gekonnter Front-/Surroundbalance. Dass die Mitten getreu dem typischen US-amerikanischen Badewannencharakter nicht als so bedeutend angesehen werden, nimmt der echte Mann hier in Kauf – denn große Pegel haben schon immer eine faszinierende Wirkung auf das männliche Geschlecht ausgeübt, und diese kann man preisgünstig mit dem Klipsch-Set realisieren. Enorme Detailtreue kann man nicht erwarten, aber der kultivierte und sensible Hörer steht beim Synergy-Set auch bestimmt nicht im Fokus auf der Suche nach Kaufinteressenten. 

Im Stereobetrieb punkten die beiden F-10 und der Subwoofer im 2.1 Einsatz mit enormem Nachdruck, guter Räumlichkeit und, wie wir schon oben feststellen konnten, mit untadeliger Pegelfestigkeit. Beim 90er Jahre Eurodance-Hit „Hold On“ von Loft ist der Bass hart und erstaunlich trocken, gleichzeitig ist der Tiefgang prima. Stimmen allerdings erscheinen minimal hohl und stehen etwas im Hintergrund. Das ist angesichts der Preisklasse aber zu verzeihen. Bei „L’Attesa“ von Andrea Bocelli ist die Stimmwiedergabe gar nicht mal schlecht, dass vokale Details etwas ungelenk und nicht so fließend wie bei teureren Lautsprechersets ankommen, ist nicht verwunderlich. Die Räumlichkeit hingegen ist auch hier gut und die Trennung von vokalen sowie instrumentalen Anteilen ist gelungen. 
Schon erwartet hatten wir, dass dem Synergy-Ensemble auch die DTS-HD Master Audio-Tonspur von „Back In Your Head“ (Tiesto, Elements Of Life, Copenhagen, Disc 2, Track 3) liegt: Der harte Kickbass und sogar der von der Frequenz darunter liegende Subbass werden ausgezeichnet wiedergegeben. Die Aggressivität in der Stimme der Sängerin kommt tadellos heraus. Das Klipsch-Set baut Effekte schnell auf, erst bei hohem Pegel neigen manche Effektanteile etwas zum Dröhnen. Die Trennung von Stimme und Instrumenten ist gut, wenngleich bei sehr hohem Pegel nicht mehr zur Gänze gegeben. Sehr druckvoll kommt auch „Silence“ (auf der selben Disc) zur Geltung. Der Subwoofer bietet fürs kleine Geld eine wirklich überzeugende Performance – es geht kaum noch mehr. Das gilt auch in Bezug des hervorragenden Wirkungsgrades des Sets. So muss man keinen teuren Amp mit immensen Leistungsreserven verwenden, sondern kann auch zu günstigeren Modellen der 400 bis 600 EUR Liga greifen. 

Etwas schrill erscheinen uns die begeisterten Beifallsbekundungen des Publikums beim Intro zum Within Temptation Konzert „Black Symphony“ in DTS 96/24 (Blu-ray). Erstaunlich gut – das hätten wir dem Set gar nicht zugetraut – wird der komplexe Choralgesang über alle Kanäle übertragen. Der Subwoofer ist wiederum in seinem Element und erzeugt ein sehr schönes Fundament, nur ein paar subtile extrem tiefe Frequenzanteile werden nicht dargestellt. Der Aufbau des faszinierenden Intros bleibt jederzeit gut nachvollziehbar, so dass das Hören für ein so preisgünstiges Lautsprecherset wirklich überraschend viel Spaß macht und überraschend wenig Abstriche verlangt. Die Instrumente kommen ordentlich heraus, natürlich darf man nicht erwarten, dass jede Nuance auf dem akustischen Silbertablett präsentiert wird – aber das Gebotene ist fürs Geld richtig gut. Als dann das eigentliche Konzert beginnt, managt das Klipsch-System den enormen Dynamiksprung richtig gut und stellt eine üppige Räumlichkeit sicher, die nur etwas unter den zurück versetzten Mitten leidet. 

Wie sieht es bei der Wiedergabe von Filmton aus? Wir haben uns die Eröffnungsschlacht von Episode III (Star Wars Blu-ray, DTS-HD Master 5.1) angehört. Hier gibt der Subwoofer den zu Beginn durchs Bild gleitenden Sternzerstörer kraftvoll wieder und beginnt erst bei hohem Pegel zu rumpeln – zudem schlägt dann das Chassis an. Die Fluggeräusche der Raumschiffe und der Jäger von Obi-Wan und Anakin werden ebenso schneidend und dynamisch wiedergegeben wie die Laserschüsse. Der Music Score wirkt energiegeladen, Stimmen sind gut eingearbeitet und auch gut verständlich – wenngleich man keine großartige Ausprägung stimmtypischer Charakteristika erwarten darf. Die Räumlichkeit kann auch bei diesem Filmbeispiel überzeugen. Selbst beim Zusammenspiel mit unserem 2000 EUR AVR Yamaha RX-A3010 schlägt sich das Set wacker und stellt die Eröffnungsschlacht bilanzierend effektgeladen und nachdrücklich dar. Den legendären Beginn von Episode IV haben wir uns gleich darauf angehört, hier wird das Raumschiff mit Prinzessin Leia an Bord von Darth Vader und seinen Mannen gnadenlos gejagt. Der haushoch überlegende, hochmoderne Sternzerstörer des Imperiums hat Leias Schiff auch bald eingeholt und „schluckt“ es schlichtweg. Den mächtigen Dynamiksprung, untermalt durch die bedrohliche Musik, zu Beginn arbeitet das Synergy-Set sehr gut heraus. Effekte werden gut über die Kanäle verteilt, Explosionen haben Nachdruck und eine weite räumliche Ausbreitung. Nur die Stimme von R2D2 erscheint uns etwas zu sehr im Hintergrund und etwas unterrepräsentiert. Es fehlt auch beim aufgeregten Herumtippeln des Übersetzungs-Droiden etwas an Klarheit. Als hingegen Leias Schiff unfreiwillig eingedockt wird, ist das Geräusch beim Anlegen ausgesprochen realistisch und kräftig. 

Konkurrenzvergleich
  • Teufel 5.1 Columa 200: Noch günstiger, neutral sowie angenehm klingend und sehr schick - das Columa 200 ist für 549 EUR ein Top-Angebot. Wer es aber richtig "krachen" lassen möchte und auf Cowboy-Optik steht, kommt am grobdynamisch exzellenten und enorm pegelfesten Synergy-Set nicht vorbei. 
  • 5 x Nubert nuBox 101 plus aktiver Subwoofer nuBox AW-441: Kompakt und leistungsstark, also sehr gut für den kleineren Hörraum geeignet - so lautet das Kurzprofil für dieses schmucke Nubert-Set für rund 1000 EUR Kaufpreis. Für Preis-/Leistungsliebhaber mit Faible für große Standboxen und viel Pegel ist das Klipsch-Set aber eine sehr interessante und günstigere Alternative. 
  • Quadral Argentum New 5.1 Surroundset: Leicht unterzubringen, dynamisch, detailreich aufspielend, sauber verarbeitet, mit hochwertigen konstruktiven Merkmalen: Das hier beschrieben Argentum New Set zieht viele Register, ist mit rund 1450 EUR aber auch in einer anderen Preisliga beheimatet. Bedenkt man, wie günstig das Synergy-Set ist, so erstaunt, wie gut es mithält und bei der Pegelfestigkeit sogar vorbeizieht. 
Fazit

Das Klipsch Synergy-Set ist für 749 EUR ein richtiges Schnäppchen. Mit hoher Pegelfestigkeit, hohem Wirkungsgrad, sehr guter Grobdynamik, ordentlicher Räumlichkeit und nachdrücklichem Bassbereich zeigt es viele Stärken. Die Verarbeitung ist nicht opulent, sondern einfach - aber robust. Nur die scharfen Ecken hinten an den Lautsprechern stören wirklich. 

Preiswertes, robustes Lautsprecher-System mit ausgezeichneter Grobdynamik, nachdrücklichem Bass und sehr gutem Wirkungsgrad

5.1 Lautsprecherset untere Mittelklasse
Test 15. November 2011

+ Hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis 
+ Aktiver Subwoofer mit überdurchschnittlicher Performance
+ Pegelfest
+ Grobdynamisch überzeugend
+ Tadellose Räumlichkeit
+ Hoher Wirkungsgrad

- scharfe Kanten hinten an den Boxen
- Mitten etwas unterrepräsentiert

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15.11.2011

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