INFO: 3D-Bilddarstellung - Trends und Stand der Technik auf der IFA 2011
09.09.2011 (cr)
Die IFA 2011 ist seit letztem Mittwoch vorbei - was ist uns von der 50.
Ausgabe, also der Jubiläums-IFA, in bleibender Erinnerung geblieben? Schauen
wir doch mal in unsere Leser-Mails und forschen wir nach Fragen, die uns auch
privat immer wieder gestellt werden: Wie ist die Entwicklung von 3D zu sehen?
Lohnt sich jetzt der Kauf eines 3D-TVs? Schließlich soll 3D ohne Brille kommen,
und darauf wartet offensichtlich (beinahe) jeder. Und Toshiba hat bereits jetzt
eine Antwort: Keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität - wohl ab Dezember
2011. Ein gut gefülltes Konto sollte man schon haben wenn man sich ihn leisten
möchte:
Hier ist unser Messe-Star, der Toshiba 55ZL2G LCD-LED-TV im 55 Zoll-Format, der 3D-Genuss komplett ohne Brille ermöglicht.
Die verbaute Technologie ist eine andere, als auf der CES in Las Vegas vor
einiger Zeit präsentierte. Kernstück ist eine Flüssigkristallschicht, die dem
eigentlich bildgebenden Panel vorgelagert ist. Diese zusätzliche Schicht dient
zur Linsenbildung, um Glassfree 3D zu ermöglichen. Die Maßnahmen, um einen
sehr guten Effekt zu erreichen, umfassen neben der Quad HD Auflösung (3480 x
2160 Pixel) auch zwei Prozessoren mit je 7 Kernen – sozusagen „Dual Cevo“.
Es gibt insgesamt 5 Betrachtungszonen, pro Betrachtungszone sind 9 Views möglich.
Wegen der 9 Views : Es entsprechen 1 Pixel im normalen Bild 9 Pixel im 3D-Bild.
So bleiben von den 3840 Pixel horizontaler Auflösung noch 3840:3 = 1280 Pixel
übrig, von den 2160 Pixeln vertikaler Auflösung noch 720 Pixel, so dass die
Gesamt-3D-Auflösung pro View bei 1280 x 720 Pixel (für die komplette Anzahl
von 9 Views) und somit bei HD ready liegt. Vorbei sind damit die Zeiten, in
denen Glassfree 3D als großen Nachteil die geringe Auflösung ins Feld führen
musste. Beim ersten Kennen lernen konnte der ZL2G deutlich machen, wie groß
die Fortschritte bei der Wiedergabe sind, und es ist davon auszugehen, dass bis
zum Marktstart im Dezember noch eifrig weiter optimiert wird. Bei den großen
Schritten, den die Technologie in kurzer Zeit zurücklegt, kann man sich sicher
sein, dass Toshiba in der verbleibenden Zeit bis zur Markteinführung noch
einiges tun wird. Der 3D Effekt ist natürlich besser, wenn man nicht zu weit
vom TV entfernt ist, dies aber liegt am zugrunde liegenden Arbeitsprinzip und
ist nicht Toshiba anzulasten. Verblüffend plastisch wirkt das Bild, lediglich
die Gesamtbildschärfe liegt erwartungsgemäß noch nicht auf Topniveau.
Bildruckler sind vereinzelt noch zu sehen, dafür erscheint uns der Kontrast
gut, die Farben wirken natürlich. Der Betrachter sieht enorme Fortschritte auch
dann, wenn er leicht den Blickwinkel verändert – das neue Glassfree 3D kommt
im Vergleich mit früheren Glassfree-Modellen, wie z.B. auf der CES 2010 in
Tokio präsentiert, viel besser zurecht, der 3D Effekt reißt nicht sofort ab,
kleinere Bewegungen können daher ohne bildqualitative Verluste kompensiert
werden.
Glassfree bei Philips
Auch andere Firmen möchten auf den Glassfree-Zug aufspringen,
so auch Philips. So weit, dass man ein beinahe serienreifes Modell präsentieren
kann, waren die Niederländer allerdings noch nicht. Hier war ein Panel in eine
Wand eingelassen, rund um das Panel sah man nichts. Und auch technisch erschien
uns die Philips Technologie zumindest im auf der IFA gezeigten Prototypenstadium
noch nicht so ausgereift. Beim gezeigten Glassfree 3D handelt es sich um einen
52 Zoll 16:9 Flatscreen mit 4k Panel und 9 Sektoren - verblüffende
Ähnlichkeiten. Das Bild zeigt eine gute 3D Intensität, sichtbar allerdings
sind auch Schärfedefizite. Leichte Kopfbewegungen führen nicht gleich zu einem
Abriss des 3D Effekts, gut zu sehen bei Clash of the Titans. Gute Farben,
Bildzittern hält sich in Grenzen - aber plastischer und tiefer erscheint noch
das Bild des Toshiba, der zudem mehr Schärfe und mehr Bildruhe offeriert. Hier
kann man nur gratulieren.
Klar dürfte sein, dass das Thema Glassfree zwar die
Diskussionen beherrscht, zumindest vorerst aufgrund der Preisstruktur aber nur
ein kleiner Kreis potentieller Interessenten angesprochen wird. Daher sollte man
auch die anderen 3D-Techniken nicht außer acht lassen. Interessanterweise ist
das Thema 4k Panel plus Polarisationsbrillen-Technologie im
Consumer-Flachbildschirmmarkt kein großes Thema gewesen. Auch bei Beamern wurde
4k nicht stark thematisiert - hier muss man in die USA auf die dort gerade in
Indianapolis stattfindende CEDIA schauen: Dort präsentiert Sony gerade einen
neuen 4k Beamer fürs große Heimkino (für Bilddiagonalen bis 5 Meter
ausgelegt), der sogar über einen eingebauten Scaler verfügt, was sehr wichtig
ist - natives 4k Material ist aktuell Mangelware. Übrigens - alle aktuellen
Onkyo AVRs ab dem 7.2 AV-Receiver TX-NR609 können
dank des eingebauten Marvell Qdeo-Videochips auf 4k hochskalieren. Der in den
USA präsentierte Sony-Beamer ist auch 3D-fähig, arbeitet aber mit
Shutterbrillen und nicht mit Polarisationsbrillen.
Sony VPL-VW95ES (5500 EUR)
Aufgrund der eher für den normalen Consumer gedachten
Ausrichtung der IFA hat Sony den Beamer auf der auf professionelle
Heimkino-Installationen fokussierten CEDIA vorgestellt. Auf der IFA hat Sony
dafür zwei kleinere SXRD-Beamer mit der Möglichkeit, 2D in 3D Signale zu
konvertieren, gezeigt - besonders interessant war der VPL-HW30ES für einen
fairen Preis von 3000 EUR, denn hier handelt es sich um ein komplett neues Modell, das seit
Juni im Handel ist. Der ebenfalls präsentierte VPL-VW95ES ist eine
Weiterentwicklung des 2010er Modells VPL-VW90ES. Und es scheint, dass die
Weiterentwicklung gelungen ist - auch wenn wir im Rahmen der IFA keine genauen
Feststellungen treffen können (Kette und Raum sind uns nicht intensiver
bekannt), so scheint sich doch die Bildhelligkeit, beim VPL-VW90 bei größeren
Diagonalen noch ein Problem, zum Positiven entwickelt zu haben. Auf einer 3
Meter breiten Cinemascope-Leinwand waren die ersten, kleinen Bildeindrücke
durchweg positiv.
Auch Panasonic drängt nun in den 3D-Beamer-Markt - gerade in
günstigeren Preisklassen scheinen viele Hersteller die 3D-Beamer als
Alternative für Flachbildschirmen mit großen Bilddiagonalen zu sehen. Der
PT-AE5000E wird auch von uns getestet und kommt auf 3199 EUR UVP. Beim ersten
Kennenlernen war das Bild sehr angenehm, aber etwas dunkel. Ab und zu war
leichtes Zittern bei Bewegungsabläufen zu sehen, doch Potential steckt im
Panasonic - dies zeigt nicht zuletzt die Kino-mäßige Farbwiedergabe.
Epson gibt Gas: Der EH-TW9000W ist das Topmodell der 3D
Beamer-Range, die 5 Modelle umfasst.
Epson steigt ebenfalls ins 3D-Business ein - mit gleich 5 (!)
Modellen, die sich auf zwei Serien aufteilen: Die Modelle EH-TW5900, EH-TW6000 und EH-TW6000W mit 0,61 Zoll C2-Fine-Chip auf der einen Seite und EH-TW9000 sowie EH-TW9000W mit 0,74 Zoll C2-Fine-Chip auf der anderen Seite.
Sämtlichen Modellen gemein ist Epsons neue 3LCD Technologie. Die Lichtdurchlässigkeit der LCD-Panels wurde ebenso wie die Bildwiederholfrequenz von 240Hz auf 480Hz erhöht.
Um ein Flimmern auf der Leinwand zu vermeiden, wird jedes Vollbild zweimal auf die Leinwand geworfen, was im Falle einer 60p 3D Wiedergabe eine Frequenz von 240Hz bedingt: 60 progressive Bilder mal zwei wegen Verdoppelung mal zwei wegen unterschiedlichen Bildern für rechtes und linkes Auge.
Ein LCD-Panel baut sich Zeile für Zeile von oben links nach unten rechts auf, was im Kontext der 3D-Wiedergabe eine Latenz in Kombination mit den aktiven Shutterbrillen mit sich bringt, die zu Crosstalk, zu Geisterbildern führen kann.
Epson setzt an dieser Stelle an und verdoppelt abermals die Frequenz, auf nun 480Hz. Da sich die Geschwindigkeit der Panels per se nicht erhöht hat, werden sie nun anders angesteuert: Epson zerlegt jedes Vollbild in zwei, einmal die gerade und einmal die ungeraden Zeilen. Auf diesem hohen Frequenzniveau sind Interlace-/Halbbildeffekte für das Auge nicht mehr wahrnehmbar, der effektive Aufbau des Bildes in der Zeitachse allerdings schneller und dichter getaktet. Die Zeit des Übersprechens zweier unterschiedlicher Bilder verringert sich merklich und die dadurch notwendige Black-Out-Zeit der Shutterbrille kann verringert werden.
Macht sich diese Technologie positiv in der Praxis bemerkbar? Zumindest wenn wir
nach der IFA Demonstration urteilen, geht das Ghosting merklich zurück,
während die Helligkeit gesteigert wird. Die Demoleinwand hatte 160 Zoll
Diagonale. Wir halten den Einstieg von Epson in die 3D Beamer-Welt für gelungen
und freuen uns über erste Testgeräte. Die Preise aller fünf neuen Epson
3D Beamer:
EH-TW5900: ca. 1.150 EUR
EH-TW6000: ca. 1.500 EUR
EH-TW6000W: ca. 1.800 EUR
EH-TW9000: ca. 2.900 EUR
EH-TW9000W: ca. 3.200 EUR
Hier sieht man deutlich, dass Epson den 3D-Beamer sehr wohl als
Alternative zum Flachbildschirm sieht, mit dieser Preisstruktur wird auch der
"normale" User mit konventionellen Investitionsvorstellungen massiv
angesprochen.
Wer noch günstiger 3D realisieren möchte, sollte sich mal bei Optoma
umschauen - der HD ready Beamer mit 1280 x 720 Pixeln Auflösung hört auf den Namen GT750 und wird ab diesem Monat für 699 EUR angeboten. Er integriert zum ersten Mal die volle 3D Unterstützung der preisgekrönten 3D-XL Switch-Box in einen Projektor der Einstiegsklasse.
Der GT750 projiziert plastische 3D Bilder, egal ob vom Fernsehsignal oder Videospiel, und sorgt so für ein packendes 3D Erlebnis. Kompatibel mit dem Rundfunksignal für Sky 3D, 3D Blu-ray Playern und 3D Spielkonsolen wie der Sony® PS3 und Microsoft Xbox®, sorgt die integrierte 3D-XL Technologie für die perfekte Verbindung zwischen der 3D-Quelle und dem GT750.
Wir werden den Optoma testen und ein Urteil fällen, ob sich 3D in der
Einsteigerliga lohnt. Auf jeden Fall begrüßen wir, dass sich auf dem
Beamer-Markt einiges tut. Die Verkäufe waren 2011 auch bislang nicht
berauschend, was vermutlich auch an der geringen Anzahl verfügbarer 3D Modelle
lag, so dass viele potentielle Interessenten noch abgewartet haben. Die wenigen
verfügbaren Geräte waren zudem zu einem beträchtlichen Teil auch relativ
kostspielig und schwer zu bekommen. Nur JVC hat ein Herz für den Consumer
gehabt - hier gab es preislich faire Geräte (X3, X7 und X9), die ein tolles
Bild machen und auch verfügbar waren. Und nun überlässt JVC das
Geschäft natürlich nicht der Konkurrenz, sondern stellt ebenfalls die nächste
Generation an 3D-Beamern vor - Patrick Schappert, Geschäftsführer der
renommierten Großbild-Spezialisten GROBI, hat im hier eingebetteten Video
gleich viele Informationen. Das kleinste der neuen Modelle heißt X30 (3000 EUR)
und kommt mit deutlich verbesserter Bildhelligkeit und neuer 3D-Brille
(wiederaufladbare Akkus). Ebenfalls neu sind X70R (7000 EUR) und X90R (10.000
EUR), diese größeren Modelle können zudem eine Wandlung von 2D auf 3D
konvertiert werden. Neues Feature ist eine simulierte 4k Darstellung. Als Chip
kommt aber nach wie vor ein 2k Bauteil zum Einsatz. Hier das Video (an dieser
Stelle herzlichen Dank an Patrick):
Auch Mitsubishi war auf der IFA vertreten und konnte mit
innovativen Neuerungen aufwarten. Nicht nur, dass erstmnals ein neues, auf
Lasertechnologie basierendes 3D Home Cinema Display dem europäischen IFA 34 cm
Tiefe bei 75 Zoll - das ist eine vertretbare Tiefe. Ein Laser dient als
Lichtquelle, der Laser projiziert Licht auf einen DLP-Chip. Das Gerät arbeitet
enorm energieeffizient - er verbraucht nur die Hälfte des Stroms aktueller
vergleichbar großer TVs. 2012 im August/September könnte in Deutschland bei
entsprechender Publikums-Resonanz die Markteinführung eines 82 Zoll Gerätes
erfolgen.
Laser-TV
Bei den Projektoren gibt es einen komplett neu entwickelten
DLP-Beamer (HC7800, leise mit 22 bis 23 dB) mit Lens Shift (!), der über eine
neue Anti-Ghosting-Schaltung und einen Frame Rate Converter verfügt. Ein
intelligenter 2D/3D-Konverter bereitet 2D Filmmaterial in 3D auf. Neu hinzu
kommt auch eine Highspeed-Shutterbrille für besonders helle und brillante
Bilder. Lieferbar ist er in schwarz und weiß. Ebenfalls wurde der HC9000
Advanced präsentiert, eine Weiterentwicklung des HC9000. Kennzeichen sind das
aktive Shutter-Verfahren und 240 Hz-Technologie. Als neue Features gibt es eine
intelligente 3D-Zwischenbildberechnung und ein überarbeitetes, verbessertes
Colour Management. Mitsubishi zeigt auch preiswerte "3D ready" Beamer,
die sich aber weniger zum Filme anschauen, sondern eher für Bars etc. eignen
und rund 700 bis 800 EUR kosten. Man kann hier auch keinen BDP, sondern nur
einen PC anschließen.
3D Beamer werden Marktanteile erobern - die 3D Flachbildschirme
aber stellen prozentual den größten Anteil, das hat uns die IFA durch eine
Vielzahl neuer Geräte und Vorführungen vor Augen geführt. Mehr und mehr
Hersteller steigen in den 3D-Markt ein, zudem tobt ein Wettkampf zwischen der
Polarisationsbrillen-Technologie und der Aktiv-Shutterbrillen-Technologie.
Vorteile haben beide Techniken. So wird bei der Polarisationsbrillen-Technik das
für die 3D-Darstellung erforderliche getrennte Bild für das linke und das
rechte Auge simultan, also ohne zeitlichen Versatz, produziert. Dadurch ergibt
sich eine sehr angenehme Darstellung mit wenig Flimmern. Darin liegt
gleichzeitig aber auch ein Nachteil. Da die gezeigten 3D TVs FullHD Panels mit
1920 x 1080 Pixeln Gesamtauflösung haben, ist es nicht möglich, für das linke
und das rechte Auge ein FullHD Bild zu produzieren. Also liegt man bei
Polarisationsbrillen-basierten 3D-Flachbildschirmen auflösungstechnisch auf der
halben FullHD-Auflösung. Es ist aus diesem Grund wichtig, einen größeren
Betrachtungsabstand einzunehmen, dann fällt die Pixelstruktur nicht so ins
Auge. Großer Vorzug für größere Familien und für Anwender, die gern mit
Freunden in 3D Inhalte betrachten möchten: Die passiven Polarisationsbrillen
sind sehr preiswert, schon ab Werk sind viele dabei (manche Anbieter packen
gleich sieben Brillen mit dazu), es gibt des Weiteren keine
Kompatibilitätsprobleme (wenngleich die Vertreter von Firmen, die Geräte mit
aktiven Shutterbrillen anbieten, sich zu einem Konsortium für die
Standarisierung von Shutterbrillen zusammen getan haben, dazu gehören
Panasonic, Samsung, Sony, Philips, Sharp, Toshiba und TCL) und die leichten
Brillen sind sehr bequem zu tragen - sie verlangen auch nicht nach Batterien,
weil kein Sync zwischen passiver Brille und TV statt findet. Das Blickwinkelproblem
gibt es kaum bei Polarisationsbrillen-basiertem 3D, man kann auch von
weitere Distanz und aus größerem Winkel 3D genießen. Vor allem LG setzt durch
die Bank auf diese Technik. Die Vorführungen bei den Südkoreanern gefielen uns
sehr gut, dort gibt es sogar Polarisationsbrillen-Aufsätze, interessant für
Brillenträger: Sie müssen nur auf die bestehende Brille aufgeclipst
werden.
LG setzt auf die Polarisationstechnik für das Erzeugen eines
realistischen 3D-Effekts
LG kann bei den aktuellen Cinema 3D-Modellen eine deutliche
Steigerung des 3D-Effekts erzielen. Das Bild erscheint deutlich differenzierter
als bei den ersten Modellen, hintere Bildebenen weisen mehr Schärfe auf, die
Gesamtbildschärfe ist gestiegen und das Bild ist farbechter sowie heller
geworden. Toshiba offeriert im Produktprogramm beides - 3D mit aktiver
Shutterbrille und 3D mit Polarisationsbrille. Die Polarisationsbrillen-TVs
wurden natürlich in Berlin ebenfalls präsentiert, zudem ist der 42VL863G mit 3D Polarisations-Technologie
gerade bei uns im Test. Auch hier konnten wir positive Eindrücke gewinnen: Zwar
machen sich die angesprochenen negativen Aspekte der Polarisations-Technologie
im Praxisbetrieb schon bemerkbar, die Vorteile sind dafür aber ebenso klar
ersichtlich. Crosstalk bzw. Ghosting fällt kaum bis gar nicht auf und das
ruhige Bild verspricht langes und ausgiebiges Filmvergnügen. Der Detail- und
Schärfeverlust wird cinephilen Anwendern wohl ein Dorn im Auge sein, diese kann
Toshiba aber ebenfalls - mit Geräten aus anderen Serien, die mit aktiver
Shutter-Technologie arbeiten - bedienen. Auch Philips offeriert unter dem Namen
"Easy 3D" für Mittelklasse-Modelle wie den 2199 EUR kostenden
50-Zoll-Cinemascope LED Backlight-LCD 21:9 Gold - in kryptischer Bezeichnung
50PFL7956K - Polarisationsbrillen-3D.
Passive Philips-Brille
Philips 21:9 Gold
Die Ergebnisse des Gold, der gerade bei uns im Test ist, können
sich ebenfalls sehen lassen, das Bild erscheint ruhig im 3D-Betrieb, und die
Intensität der 3D-Effekte ist tadellos. Wir sind hier gespannt auf das
endgültige Testergebnis. Philips bietet mit dem Full LED Backlight-/3D-TV Cinema 21:9 Platinum
auch ein 3D-Gerät, das mit aktiven Shutterbrillen arbeitet an. Der Philips
21:9 Platinum beeindruckt nach wie vor mit dem dynamischen, klaren Bild bei der
Darstellung von nativem 3D-Material. Die Shutterbrillen-Technik wirft ihren
Auflösungsvorteil in die Waagschale. Hier wird mit geringem Zeitversatz - darum
wird die aktive Shutterbrille benötigt, weil sie für Sekundenbruchteile das
eine Auge abdunkelt - ein FullHD Bild fürs rechte und fürs linke Auge
produziert. Helligkeitsverluste gibt es mittlerweile bei Flachbildschirmen kaum
noch - das ist eher bei Beamern und bei richtig großen Bilddiagonalen ab 2
Meter aufwärts noch partiell ein Problem. Hier hat die aktive
Shutterbrillen-Technik große Fortschritte gemacht, auch bei der Authentizität
der Farbwiedergabe. Farbverfälschungen kommen kaum noch in großem Umfang vor.
Nach wie vor Thema aber ist Ghosting - unschöne Geisterbilder. Sehr gut im
Griff hat Panasonic das Ghosting, was man an den Vorführungen auf der IFA sehen
konnte, wir kennen diesen Vorzug der auch farblich sehr echt darstellenden,
selbst im 3D-Betrieb ziemlich genau den korrekten Weißpunkt treffenden
Panasonic-Plasmas aus den Tests (z.B. TX-P42VT30E,
TX-P50GT30E). Gerade dadurch, dass
Plasma-Panels ein blitzschnelles Reaktionsvermögen aufweisen und keine
technisch bedingte Trägheit wie LCDs haben (das Verhalten der Kristalle lässt
sich zwar beeinflussen, wie die immer kürzen Panelreaktionszeiten zeigen, aber
nie zu 100 % wegdiskutieren), eignen sie sich auch für 3D Gaming ausgezeichnet.
Panasonic offeriert auch 3D LCDs wie den
TX-L32DT30E, die auch in kleineren Bilddiagonalen verfügbar sind und
mittlerweile an der Spitze der jeweiligen Liga mitspielen.
Polarisationsbrillen-basierte TVs bietet Panasonic nicht an.
Auch 3D Gaming funktioniert auf den reaktionsschnellen
Panasonic Plasmas perfekt
Samsung setzt ebenfalls voll auf aktive Shutterbrillen. Die
Ergebnisse stimmen, wie der von uns getestete und auch auf der IFA gezeigte Samsung
UE46D8090 mit Full LED Backlit zeigt. Die 3D-Bildqualität steht in Schärfe
und Detail den zweidimensionalen Bildinhalten in nichts nach, klar sind immer
noch geringe Helligkeitsverluste zu erkennen und wer genau hinsieht, erkennt
auch noch stellenweise Geisterbilder. Dennoch wirkt das Bildgeschehen in 3D
mittlerweile relativ ruhig, angenehm und kontraststark, auch Farbverfälschungen
sind nicht mehr so leicht auszumachen. Die Wandlung von 2D in 3D gelingt der
aktuellen Generation ebenfalls noch besser als den 2010er Modellen, mit verstärktem
Tiefeneindruck und ruhigem Bildverhalten gefällt qualitativ hochwertiges
Bildmaterial auch dem anspruchsvolleren Betrachter. Leichte Ghosting in hinteren
Bildebenen ist noch ab und zu zu sehen, hinzu kommt leichtes Bildzittern im
hochfrequenten Bildbereich. Farblich ist Samsung nach wie vor der Verfechter
einer ab Werk sehr intensiven und kräftig gesättigten Wiedergabe.
Bei Sony stand alles im Zeichen der Einführung des "Sony
Entertainment Networks" - 3D geriet da beinahe etwas ins Hintertreffen,
doch das neue Glanzstück, die Fernseher der HX925-Serie, können nicht nur bereits auf die Dienste Music Unlimited und Video Unlimited
der neuen Sony Plattform zugreifen, sondern offerieren auch ein tolles 3D-Bild
mit sehr hoher Tiefenwirkung. Sony setzt ausschließlich auf aktive
Shutterbrillen. Im Herbst wird für 5.299 EUR eine zusätzliche 65-Zoll-Variante
der HX925 Serie auf den Markt kommen. Technologisches Kernstück der Serie ist der X-Reality PRO Bildprozessor, welcher bewegte Bilder gleich welcher Quelle verbessern soll. Der Chip X-Reality mindert im ersten Schritt Pixel-Artefakte und Rauschen, analysiert folgend die Bilder in den Eigenschaften Strukturen, Konturen, Kontraste und Farben und wendet abschließend Verbesserungsmaßnahmen an. X-Reality PRO setzt nach diesem Prozess auf der Zeitachse ein und gleicht zusätzlich die gewonnen Analyse-Informationen mit einer Datenbank ab, die tausende Bild-, Bewegungs- und Szenenmuster enthält. Sony vergleicht diesen Vorgang in den Presseunterlagen mit dem der Programmautomatik in einer Kamera.
Erwähnenswerte Besonderheit stellt die volle HbbTV-Integration dar wie auch die Implementierung eines freien Internetbrowsers, was bis dato eine Seltenheit bei Fernsehern ist. Dem Preis angemessen ist die Beilage zweier aktiver Shutterbrillen und einer
Skype-Kamera. Andere von uns bereits getestete Sony 3D TVs des 2011er Jahrgangs
zeigen authentische Farben und eine ansehnliche Bildstabilität. Im Vergleich zu
den 2010er Modellen ist erwähnenswert, dass im 3D-Betrieb die Kontrastdynamik
merklich gesteigert werden konnte - und auch die Gesamthelligkeit. Die gerade
bei Sony-TVs kritische Blickwinkelabhängigkeit wurde reduziert, kleinere
Kopfbewegungen werden besser weggesteckt.
Auch weitere Hersteller zeigten Shutterbrillen-basierte 3D-TVs,
so z.B. Grundig. Das Unternehmen präsentierte im Rahmen der IFA ein neues Chassis, auf dem die "Vision 8 Sports" TVs sowie die Fine Arts Serie basiert. Hier alles Grundig stattet ab sofort seine TV-Serien „Fine Arts“ und „Vision 8 Sports-TVs“ von 32 Zoll bis 55 Zoll mit der neuen, eigenentwickelten TV-Plattform Digi TP aus. Moderne Lösungen für das vernetzte Zuhause stehen bei dem Premium-TV-Chassis im Vordergrund.
Ab 40 Zoll sind die neuen Modelle alle 3D-fähig, auch die Wandlung von 2D-Signalen in 3D-Signale wird beherrscht - und zwar gar nicht schlecht, wie erste kurze "Sehproben" zeigen: es ist ein guter 3D-Effekt sichtbar, die Differenzierung der unterschiedlichen Bildebenen steigt merklich. Es ist zwar Ghosting vorhanden, dieses aber hält sich im Rahmen. Farbverfälschungen gibt es nur in geringem Ausmaß, und auch die Bildhelligkeit nimmt nicht rapide ab.
55 FLE 9170 aus der Fine Arts-Serie: Neues Chassis, gutes 3D
2D zu 3D Wandlung - diese gelingt dem 46 VLE 8160 recht
ansehnlich
Auch Chonghong steigt in den 3D-Markt ein. Ende diesen/Anfang nächsten Jahres will Changhong ein 3D-fähiges Plasma-Gerät in 42 Zoll auf den Markt
bringen. Bereits auf der IFA wird das 50 Zoll-Gerät P50890S vorgestellt, das mit aktiver Shutterbrillen-Technologie arbeitet und eine Auflösung von 1365 x 768 Bildpunkten aufweist. Integriert ist außerdem ein Kombi-Tuner für DVB-C und DVB-T, zudem zählen drei HDMI-Anschlüsse und zwei USB-Eingänge u.a. zur Anschluss-Ausstattung. Auch die PVR-Funktionalität gehört zur Grundausstattung.
Changhong 3D-Plasma
Fazit
Insgesamt zeigen sich sichtbare Fortschritte bezüglich des
Themas 3D - in vielerlei Hinsicht. Besonders erwähnenswert der Step von
Toshiba: Ein großer, visuell erstaunlich starker Glassfree-LCD-TV mit FullLED
Backlit wurde präsentiert. Sicher, mit 8000 EUR ist der 55ZL2 kostspielig -
aber nicht zu teuer, wenn man den gigantischen technologischen Aufwand mit ins
Kalkül zieht. Sehr begrüßen können wir auch die deutliche Vergrößerung des
Angebots an bezahlbaren 3D Beamern. Die Produktoffensive von Epson, die neuen
Modelle von JVC, Sony und Panasonic sowie der preisgünstige Einstieg dank
Optoma sind hier zu nennen. Auch bei Beamern steigt die Güte bei der
3D-Wiedergabe merklich, zumindest nach unseren ersten Eindrücken ist die
Bildhelligkeit in verschiedenen Fällen deutlich verbessert worden. Bei
lachbildschirmen entbrennt mehr und mehr ein "Kampf" zwischen
Polarisationsbrillen-3D und Shutterbrillen-3D, hier muss man sagen, dass beide
Systeme ihre Vorteile haben. Bei aller Euphorie darf man auch nicht vergessen:
Es sind nach wie vor zahlreiche Nachteile bei allen 3D-Techniken vorhanden.
Allerdings auch ein - völlig anders gearteter - Vorteil: Dadurch, dass 3D-Tvs
vollgestopft sind mit High-Tech für eine gekonnte 3D-Wiedergabe, ist das Bild
im technisch weniger anspruchsvollen 2D-Einsatz oft bemerkenswert gut.