TEST: Heco 3-Wege-Standlautsprecher Celan GT 702
04.10.2011 (cr/sw)
EDV-Supplier: www.notebooksbilliger.de

Einführung
Die Heco Celan GT 702 ist die Fortsetzung einer Erfolgsstory – die „Celan“ Lautsprecherbaureihe verstand es schon immer, hochwertige Technik mit bodenständigen Preisen zu verbinden. Mit einem Stückpreis von 799 EUR (UVP) nimmt die Story zumindest, was die Preisgestaltung angeht, auch bei der auf der IFA der Öffentlichkeit präsentierten GT 702 ihren Lauf. Die Dreiwege-Bassreflexbox soll laut Heco noch mehr Dynamik, Transparenz und Detailfreude offerieren. Mit Belastungswerten von 220 Watt (langfristig) und satten 350 Watt (kurzzeitig) sowie einem Wirkungsgrad von 92 dB verspricht die Box in der Theorie einiges, was wir im folgenden Test natürlich genauer überprüft haben.
Verarbeitung und Technik

Anschlussterminal

Solide Verschraubung, Möglichkeit zur Anhebung des
Hochtonbereiches um 2 dB per anderem Anschluss am Terminal

Aufnahme fürs Abdeckgitter

Alu-umrandete Bassreflexöffnungen auf der Rückseite

Stabil verschraubter Tieftöner

Gerundete Ecken

Sehr gute Oberflächenqualität

Stabiler Sockel in der Gesamtübersicht

Anstatt Spikes können auch Gumminoppen angebracht werden, die
auf sensiblem Untergrund für akkuraten Stand sorgen

Hervorragendes Finish, auch im Detail
Die Celan GT wurde in nahezu allen Details überarbeitet und optimiert. So kommt ein neu entwickelter Hochtöner zum Einsatz – mit 30 mm Polyfiber Compund Dome, Aluminium-Frontplatte mit Wave Control Horn und Doppelmagnetsystem. Hört sich komplex an, diese Aneinanderreihung von Begriffen, daher im Klartext: Der neue Hochtöner verspricht höhere Belastungswerte, einen nochmals verbesserte Anbindung an den Mitteltonbereich, mehr Transparenz, Strahlkraft und Lebendigkeit bei gleichzeitig optimierter Räumlichkeit. Störende Einflüsse werden weiter minimiert. Der Mitteltöner bringt die für Heco-Schallwandler typische Kraftpapiermembran mit, die Staubschutzkalotte besteht ebenfalls aus Papier. Weitere Kennzeichen sind die beschichtete Gewebesicke und die 25 mm Schwingspule für hohe Belastbarkeit. Vorteil der Kraftpapiermembran sind das enorm geringe Gewicht und gleichzeitig die sehr hohe Materialsteifigkeit, was wiederum zu ausgezeichneter Impulstreue und hoher Belastbarkeit führt. Auch der Tieftöner kommt mit Papiermembran , großer Staubschutzkalotte, Langhubsicke und in diesem Falle 32 mm Schwingspule – der Bassbereich verlangt hier nach höherem Materialeinsatz nicht nur bezüglich der Stärke der Magnete, sondern auch bei der Schwingspule, da diese deutlich höheren Belastungen ausgesetzt ist: Im Bassbereich wird am meisten Leistung umgesetzt. Für optimale Steifigkeit und Langzeitstabilität sind die Körbe von Mittel- und Tieftöner aus Aluminium-Druckguss hergestellt. Der Anwender blickt hinten auf zwei in Alu eingefasste Bassreflexöffnungen, man kann hinten an den Terminals wählen, ob man eine Hochtonpegelanpassung um + 2dB vornehmen oder lieber die lineare Einstellung verwenden möchte. Natürlich ist der Lautsprecher Bi-wiring/Bi-amping-fähig.
Lieferbar in Piano Black, Piano White und Piano Expresso, kommt der Lautsprecher mit sehr gut umgesetzter Hochglanzlackierung, die eine hohe Tiefe mit einwandfreier Oberflächenqualität verbindet. Die Box ruht auf einem stabilen Sockel, unter dem Spikes/Distanzhalter moniert werden können (höhenverstellbare Spikes oder wahlweise Gummi-Spikes), damit der Lautsprecher auf jedem Untergrund optimal steht und auch nichts verkratzt (Gummi-Spikes). Die Chassis sind mit einem massiven Aluminiumring versehen und sind solide verschraubt. Das Gehäuse besteht aus MDF und weist eine interessante Formgebung auf, die Form verjüngt sich nach hinten. Die Verarbeitung der Gehäuseecken ist makellos – man denkt, betrachtet man die gesamte Verarbeitung der Celan GT, es mit einer deutlich teureren Konstruktion zu tun zu haben.

Hochtöner- ausgebaut

Ansicht von hinten

Detail

Exklusiv für die Celan GT entwickelt

Ausgebauter Mitteltöner

Magnet

Anschlüsse

Stabiler Korb

Ausgebauter Tieftöner

Anschluss

Magnet

Blick von unten

Bassreflexrohre von innen aus gesehen
Testequipment
Klang

Der neu entwickelte Hochtöner gefällt
Man kann die Celan GT als ausgesprochen gelungene Weiterentwicklung bezeichnen – sie ist in der Lage, in vielen klanglichen Disziplinen nochmals zuzulegen. Das ist allerdings auch nötig, denn die Konkurrenz schläft bekanntermaßen nicht und verbessert ihre Produkte auch stetig. Die Celan GT 702 konnte bei der Räumlichkeit insgesamt und bei der Räumlichkeit im Hochtonbereich im Besonderen nochmals zulegen. Überhaupt ist der neu entwickelte Hochtöner ein klanglicher Volltreffer – er klingt samtig, detailliert aber sehr gut, schafft ein luftiges Raumgefühl und hat einen hohen Wirkungsgrad. Ferner ist er sehr belastbar und produziert auch bei enormem Pegel keine Artefakte. Durch die weiter verbesserte Gehäusekonstruktion lassen sich ebenfalls akustische Fortschritte erzielen. Der Lautsprecher ist bei hoher Hörlautstärke noch resistenter gegen Vibrationen, Gehäusegeräusche kennt die Celan GT nicht. Nur darf man den schönen Schallwandler nicht direkt an der Wand aufstellen, ca. 50 cm Mindestabstand sollte man aufgrund der beiden rückseitig untergebrachten Bassreflexöffnungen schon einkalkulieren. Apropos Bassreflexöffnungen: Bassreflex-basierte Lautsprecher bieten theoretisch einen hohen Wirkungsgrad und eine satte Basswiedergabe – allerdings kann es, gerade bei erhöhtem Pegel, zu sogenannten Strömungsgeräuschen an den Bassreflexrohröffnungen kommen, die sich unschön auf das Klangbild auswirken. Ob derartige Strömungsgeräusche auftreten, hängt davon ab, wie gut das Bassreflexrohr hinsichtlich Form und Querschnitt konstruiert ist. Hier haben die Heco-Entwickler offensichtlich ganze Arbeit geleistet, denn die Celan GT bietet einen kraftvollen, tief nach unten gehenden Bassbereich, störende Strömungsgeräusche aber sind selbst bei massivem Basseinsatz nicht zu hören. Im Vergleich zur Vorgängerbaureihe konnte auch der Tiefgang optimiert werden, selbst die kleinere GT 702 (darüber rangiert die GT 902) kann sich zumindest im Musikbetrieb ohne aktiven Subwoofer als Supporter schon sehr gut behaupten. Besonders beeindruckend ist der Strukturgewinn im Bassbereich. Vielleicht spielt die Celan GT 702 nicht mehr ganz so üppig, dafür wirkt der Bass durch die bessere Strukturierung glaubwürdiger und weniger vordergründig. Der Übergang vom Bass- in den Mitteltonbereich war schon beim Vorläufer nicht zu beanstanden, der homogene und in sich schlüssige Klang war schon bei der Celan XT ein herausragendes Kennzeichen. Die XT klang insgesamt etwas „voller“, dafür kann die GT bei den Themen Präzision und Detaillierung zulegen. Leicht warm und damit sehr angenehm klingt auch die GT noch – gleichzeitig aber steigt die Durchhörbarkeit in allen Frequenzbereichen. Der Klang löst sich sehr schön vom Lautsprecher, ideale Hörraumgröße sind knapp 15 bis rund 35 Quadratmeter, was die Einsatzmöglichkeiten der Celan GT 702 sehr flexibel gestaltet. Wir hatten das Thema Wirkungsgrad vorhin bereits angesprochen: Auch hier können wir Positives berichten, der Wirkungsgrad liegt relativ hoch. Im Sinne bestmöglicher klanglicher Ausbeute raten wir aber trotzdem, einen leistungsfähigen Verstärker als „treibende Kraft“ einzusetzen.
Höreindrücke im einzelnen: Gleich zu Beginn muss die Celan GT 702 bei
Icarus - The Flight von Flutlicht mit aller Macht behaupten. Das bass- und
effektreiche Trance-Stück wird ausgezeichnet wiedergegeben. Der beim Vorgänger
enthaltene warme Einschlag wurde, wie man hier gut heraushören kann, deutlich
verringert, die Celan ist schneller und neutraler geworden. Der Bass ist nicht
mehr so voluminös, dafür findet sich keine Teigigkeit mehr, schnell und sehr
präzise, mit der nötigen Härte, kommt der Bass zum Zuhörer. Auch bei "Celebrate"
von Zhi-Vago weiß die Box zu begeistern. Der Bass ist hart und trifft
punktgenau beim Zuhörer ein. Der Tiefgang ist ebenfalls sehr gut. Die Stimme
wird charismatisch wiedergegeben und sehr gut eingearbeitet. Beim
Trance-Klassiker "Komodo (Save a Soul)" von Mauro Picotto zeigt sich
die Celan GT 702 erneut von ihrer besten Seite. Der Aufbau des Tracks ist klar
nachvollziehbar, der Bass ist erneut hart und treffsicher. Das Group Delay ist
ausgezeichnet, denn keine Frequenz hinkt hinterher. Die Räumlichkeit ist sehr
gut, allerdings sollte man die Lautsprecher schon nach Lehre des klassischen
Stereodreiecks aufbauen und sich entsprechend platzieren. Dann kann man eine
sich frei entfaltende, echt wirkende Räumlichkeit genießen. Bei "Unfinished
Sympathy" von Massive Attack ist der Bass sehr kraftvoll, wuchtig und tief
- weil es so auch auf der Tonspur vorgesehen ist. Die Stimme wird auch bei
diesem Beispiel exzellent eingearbeitet - sie steht im frontalen Fokus, ohne
dass aber andere Anteile mit wenig Sorgfalt behandelt werden. Nicht ganz so gut
kommt die Celan GT 702 mit "Upside & Down" von Thumb zurecht - das
Ergebnis erscheint bei hohem Pegel im oberen Mitteltonbereich und im
Hochtonbereich etwas schrill und undifferenziert. Darunter leidet die
Durchhörbarkeit der E-Gitarre, das Ganze ist zwar aggressiv abgemischt, aber es
sollte eigentlich nicht das Differenzierungsvermögen leiden. Ganz anders beim
Goldfrapp-Remix des düsteren Depeche Mode Hits "Halo": Mit Charisma
ertönt die Stimme von David Gahan, das düster-mystische des Songs wird sehr
plastisch herausgestellt - was sich auch in der gelungenen Einbindung der
Frauenstimme manifestiert. Der Basseinsatz kommt spontan und bringt viel
Ausdruckskraft mit. Gespannt waren wir auf die Vorstellung bei Bryan Ferrys
"It's All Over Now, Baby Blue": Der Anfang ist gleich verheißungsvoll
- und auch die Fortsetzung: Lebendig, mit Kraft und Verve, erfolgt die
Wiedergabe. Ferrys Stimme löst sich sauber von den Chassis und sorgt für
richtigen Bühnencharakter. Die Mundharmonika als wichtiges Stilmittel des Songs
kommt ausgezeichnet heraus. Die Detaillierung ist prima und nimmt erst in
Richtung der hinteren Ebenen etwas ab. Wie die attraktiven Heco-Schallwandler
mit emotional tief gehender Musik klar kommen, mussten sie uns bei "L'Attesa"
von Andrea Bocelli präsentieren. Mit Feingefühl und feiner Räumlichkeit kann
der instrumentale Anfang überzeugen. Andreas Stimme, die sich kurz darauf
"zuschaltet", hat das richtige Volumen und eine nachvollziehbare
Struktur. Die Stimmausprägung ist natürlich, keine nasalen oder zischenden
Elemente stören die Reinheit der Wiedergabe. Erhebt der begnadete Sänger die
Stimme in Richtung höherer Frequenzen, geht dem Lautsprecher,
preisklassentypisch, aber etwas die scharfe Fokussierung verloren - die
Stimmanteile verteilen sich zwar gut im Raum, wirken aber nicht mehr so präzise
zielgerichtet.
Im Konkurrenzvergleich kann sich die Box gut behaupten. Wer weniger Platz zur
Verfügung hat, kann sich alternativ die Magnat Quantum 803,
einen kultivierten, edlen Regallautsprecher für 499 EUR/Stück kaufen und
bekommt fürs Geld eine ebenfalls exzellente Verarbeitung und einen sehr feinen,
differenzierten Klang. Massive Kraftausbrüche und überbordende Grobdynamik
überlässt die Quantum 803 lieber anderen Boxen. Das Vorgängermodell war bei
uns als Heco Celan XT 901 im Test.
Sie klang voluminöser, seidiger, wärmer - die GT ist neutraler, präziser und
holt mehr Details heraus. Auch das Group Delay wurde optimiert. Für
Preis-/Leistungsfreunde ist auch die4 Quadral Argentum 390
für 459 EUR (Stück) eine Empfehlung, allerdings kann sie bei den Themen
Tiefgang und Pegelfestigkeit nicht mit der Celan GT mithalten.
Fazit

Die Celan GT 702 hinterlässt schon gleich nach dem Auspacken
einen sehr gediegenen Eindruck. Die Verarbeitung ist überragend, auch Details
wie der stabile Sockel, die Einfassung der Chassis oder auch das
Anschlussterminal können begeistern. Klanglich agiert der Lautsprecher
angenehm, präzise und räumlich. Der Wirkungsgrad ist tadellos, die
Bassreflexöffnungen verursachen praktisch keine Strömungsgeräusche. Durch die
harmonische und in sich schlüssige akustische Auslegung kann man mit der Celan
GT 702 nahezu alle Musik-Stilrichtungen in sehr guter Qualität anhören.
Optisch sehr attraktiver, bestens verarbeiteter
Standlautsprecher mit harmonischem und hochwertigen Klang für einen günstigen
Kaufpreis

Standlautsprecher Mittelklasse
Test 04. Oktober 2011
+ Räumlich ausgezeichnet
+ Sehr angenehmer Klang
+ Gute Pegelfestigkeit
+ Hochwertige Optik
+ Fairer Kaufpreis
- Lautsprecherchassis-Abdeckungen aus Stoff wirken etwas billig
Text: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 04.10.2011
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