Lange Zeit war es ruhig um Harman Kardon und Fans der Marke haben sehnsüchtig
auf neue, zeitgemäße AV-Verstärker gewartet. Der amerikanische Konzern hat die
Bitten seiner "Fanboys" erhört und eine Linie neuer AV-Receiver eingeführt, aus der
wir uns den AVR 460 im Test näher betrachten wollen. Nominell wartet der 999,- €
kostende AV-Amp mit einer Leistung von gerade einmal 7x60 Watt auf, was in
Anbetracht Harmans vergangener Angaben wohl sehr viel eher der Wahrheit
entspricht als die deutlich höheren Werte der Konkurrenz. Harman Kardon hat den
sicheren Weg gewählt und die essentiellen Eigenschaften eines AV-Verstärkers
fortentwickelt, anstatt auf einen Schlag alles erstmalig zu implementieren,
weshalb die Ausstattung mager erscheint: Neben einem HDMI-Signale bearbeitendem
Videoprozessor von Faroudja finden sich lediglich vier HDMI1.4a Eingänge sowie
ein Ausgang. Front-High, PLIIz oder ein zweiter Subwoofer wird nicht unterstützt
genauso wie man eine Netzwerkschnittstelle vergeblich sucht und der
USB-Anschluss ausschließlich Firmware-Updates dient. Wir möchte eruieren, ob der
Harman Kardon dennoch sein Geld wert ist.
Video-Übersicht
Verarbeitung
Frontansicht in der typischen Optik des Hauses
Fronteingänge mit Abdeckung
Beleuchteter Lautstärkedrehregler
Display mit Punktmatrixauflösung
Fuß
Von unten
Der Harman Kardon AVR460 greift die Formen- und Designsprache aktueller
Produkte des Hauses auf und bietet optisch derart einen hohen
Wiedererkennungswert. Die zweigeteilte Front besteht in der unteren Hälfte aus
Kunststoff, welcher eine gute Haptik bietet und gebürstetes Aluminium gekonnt
imitiert. Der obere Teil besteht aus schwarz hinterlegtem, Tiefenwirkung
bietendem transparenten Kunststoff, was in der hier gewählten Zusammenstellung
einen nobleren Eindruck erweckt als die Materialauswahl vermuten lässt. Die
Rundung der Gehäuseecken verleiht dem Gerät eine ungewohnte Leichtigkeit und
kaschiert gekonnt die wahre Größe. Die Einpassung der beiden
Frontplattenelemente am Übergang zum Korpus könnte etwas Feinschliff im Detail
vertragen, so dass Spaltmaße geringer ausfallen und die Materialecken bündiger
liegen würden. Die geschickt platzierten Bedienelemente sind optisch unauffällig
und bieten einen klaren Druckpunkt. Der Drehregler verweigert sich klassischer
Design-Konventionen und ist in interessanter Weise illuminiert, ordentlich
gerastert und mit klassenüblichen Spiel integriert. Der Gehäusedeckel besteht
aus steifen Blech, dessen Faltungen minimale Grate aufweisen und ist fest mit
dem Chassis verschraubt. Die Gerätefüße, unorthodox geformt, bieten einen
rutschfesten Stand. Die Rückseite bietet einen klaren und äußerst
praxisgerechten Aufbau, so dass die diversen Kabel einfach und übersichtlich
angeschlossen werden können. Die Buchsen für die Signalkabel sitzen äußerst fest
im Korpus, wohingegen bei den Lautsprecherterminals leichtes Spiel herrscht. Der
innere Aufbau gefällt mit seiner Übersicht, sauberen Verkabelung und
durchdachten Luftwegen: In unserem Test war der Lüfter selbst nach längeren
Volllastsessions nicht einmal zu hören. Die Verarbeitungsqualität der einzelnen
Baugruppen und Platinen gefällt ebenso wie die Güte deren Zusammenbaus. Die
große Fernbedienung liegt gut in der Hand, rutscht dank entsprechender
Beschichtung der Rückseite nicht und besticht durch die vorbildliche
Beleuchtung. Die Tastenanordnung ist logisch und die Druckpunkte sind gut
definiert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Harman Kardon AVR 460 eine
stattliche Erscheinung in eigener, design-orienterter Verpackung darstellt. Die
Verarbeitung liegt im Inneren auf einem sehr guten Niveau, außen hingegen sollte
man nicht zu sehr aufs Detail achten. Gesamtnote: Sehr gut.
Innenaufbau
Elkos
Platinenlayout
Weitere Blick aufs Platinenlayout
Ansicht aus seitlicher Perspektive
Fernbedienung
Anschlüsse
Übersicht
Maßstäbe setzt die Anschlusssektion nicht - es sind zu wenig
HDMI-Terminals für die Preisklasse vorhanden
Kaltgeräte-Netzsteckeranschluss
A-Bus für Multiroom nach Art des Hauses Harman Kardon
Lautsprecherkabel-Anschlussterminals
Rückseite:
4x HDMI Eingang, 1x HDMI Ausgang (HDMI 1.4)
2x YUV Komponenten Eingang, 1x Ausgang
3x FBAS Composite Eingang, 1x Record Ausgang, 1x Zone2 Ausgang
2x koaxialer Digitaleing S/PDIF, 1x Ausgang
3x optischer Digitaleingang TOSLINK
5x analoger Stereo-Chinch Eingang, 2x Record Ausgang
1x 7.1 Mehrkanal analog Eingang
1x 7.1 Mehrkanal analog Vorverstärkerausgang (Pre-Out)
1x Bridge Anschluss
1x A-BUS IR Out Ausgang
1x IR Carrier Out Ausgang
1x IR Eingang
1x Remote Eingang, 1x Ausgang
1x Antenne 75 Ohm Anschluss, 1x Antennen AM Loop Anschluss
Die Anschlussbestückung lässt erkennen, dass Harman Kardon den Fokus nicht
auf multimediale, vernetzte Funktionen gesetzt hat: Kein Medien-tauglicher
USB-Eingang, kein Netzwerkanschluss. Die Anzahl klassischer Anschlüsse liegt
lediglich auf dem Niveau aktueller Einsteiger-Geräte und lässt das Verwalten
eines größere Geräteparks schwer werden und den Anschluss eines Plattenspielers
unmöglich. Der Verzicht auf einen zweiten HDMI-Ausgang bei lediglich vier
Eingängen ist der Klasse nicht angemessen, wohingegen die verwendete Variante
1.4 mit einhergehender 3D-Fähigkeit etwas milder stimmt. Eingedenk des Preises
ist diese Rubrik lediglich mit einem "befriedigend" zu bewerten.
Konfiguration, Setup, Menü und Bedienung
Neu entwickeltes GUI
Wie bei aktuellen AV-Komponenten üblich lässt sich eine vollständige
Konfiguration nur am Bildschirm über das Setup-Menü durchführen. An dieser
Stelle tritt die erste große wie positive Überraschung zu Tage: Harman Kardon
hat das antiquierte On Screen Display (OSD, oder auch Graphic User Interface GUI
genannt), einer kompletten Neugestaltung unterzogen. Nach Drücken der Setup-Taste
erscheint ein hochauflösender, übersichtlich wie erklärend gestalteter
Startbildschirm. Das Design orientiert sich an bekannten wie gelobten
Konkurrenten und fasst deren spezifische Vorzüge gekonnt zusammen. Die Gliederung ist sinnvoll
und durchdacht, die Bedienung weißt sehr gute, praxisgerechte Ansätze auf, hakt
aber noch im Detail . Die Geschwindigkeit der Navigation ist in Ordnung, die
Reaktionszeit auf Fernbedienungsbefehle angemessen und erfreulicherweise wird
das Menü in jedem Betriebszustand eingeblendet, ohne dass Bild- und/oder
Tonwiedergabe unterbrochen werden.
Die Einrichtung des Lautsprechersystems erfolgt entweder automatisch per Messung
mittels EzSet/EQ oder auf manuellem Wege. Nach der automatischen Messung kann man direkt
sämtliche Werte einsehen und gegebenenfalls in der zur händischen Justage
identischen Maske korrigieren. Die Einmessung hat in unseren Testläufen 3min
45sek gedauert und überzeugend funktioniert. Die Entfernungsrasterung in
30cm-Schritten ist nicht mehr Stand der Technik wie auch der Pegelabgleich in
1dB-Steps. Die zur Verfügung gestellten Werte für die gruppenbezogene
Übernahmefrequenz liegen im Klassenschnitt. Leider ist es nicht möglich
einzusehen, was der EQ misst und in welcher Art er korrigierend eingreift,
wodurch er zu einer Blackbox mutiert, die man nur ein und ausschalten kann. In
unserem Testraum hat der EQ die eine merkliche Mode gut gefiltert, ohne dem
Bass/Grundton in seinem Charakter sonderlich zu beschneiden. Die Auswirkungen im
übrigen Frequenzband halten sich zurück - etwas vordergründigerer und minimale
höherer Klangeindruck - und dürften vielen Nutzern in nicht optimierten Räumen
kaum auffallen. Der Klassenprimus, MCACC von Pioneer gerät allerdings nicht in Bedrängnis.
Automatische oder manuelle Kalibrierung
5.1 oder 7.1
Start des Auto-Setups
Fertigstellung
HK-typisches Einmessmikrophon in schicker Optik - aber es
arbeitet auch gut
Manuelle Lautsprechereinrichtung
Übernahmefrequenzen
Time Alignment
Die zweite große wie wichtige Rubrik innerhalb des OSD ist der Bereich "Quelle
einrichten". Hier lässt sich kanalselektiv nahezu jeder relevante
Betriebsparameter einstellen. Unter Audioeffekte ist Dolby Volume, der
klassische Bass-/Treble-EQ, der LFE Trimm, die MP3-Aufwertung und der EzSet/EQ
zu justieren, bzw. zu aktivieren. Die Sektion Videoeffekt verbirgt vorgefertigte
Bildmodi, die Format- und Overscanwahl sowie den Video-EQ, bestehend aus
Helligkeit, Kontrast, Farbe, Schärfe, Rauschreduzierung, MPEG-Rauschreduktion,
Cross Color Suppressor, Hautton-Verbesserung, Schwarzpegel, De-Interlacing inkl.
Moduswahl. Es lassen sich folgend noch die gewünschten Klangmodi in Abhängigkeit
des Eingangssignals, die gewünschte Audio- und Videoquelle für den Kanal, die
Videoausgabeauflösung, Name im Display und die Lippensynchronisation einstellen.
Diese Anordnung der Funktionen hat ihren Reiz und wird sehr vielen in der Praxis
mehr zusagen als die verschachtelte, arg verteilte Anordnung bei anderen
Herstellern.
Sehr sinnvoll und übersichtlich angeordnet
Praxisgerecht
Viele Informationen
Audioeffekte
Video-EQ
Teil 2
Die "Systemeinstellungen" fallen relativ übersichtlich aus und bieten an
relevanten Optionen für den Betrieb recht wenig: HDMI Audio-TV Out, Funktionsstärke
von Dolby Volume werden neben der Displayhelligkeit die Justagen
mit dem meisten Einfluss auf den täglichen Betrieb sein. Darüber hinaus lassen
sich noch Menü-Einblendzeiten und -Transparenz, Maße, Sprache und
Einschaltlautstärke regeln. Wir hätten uns hier noch ein Submenü für die
vielfältigen HDMI-Funktionen gewünscht.
Systemeinstellungen
Bilanzierend ist festzuhalten, dass Harman mit dem neuen Menü ein großer Wurf
gelungen ist. Es ist weder überfrachtet noch zu verschachtelt. Die Anordnung und
Logik mag Profis überraschen, der normale Konsument wird sich
aber schneller als in anderen OSDs zurecht finden. Das Fehlen gewisser sehr
spezieller Funktionen wird auch nur dem Profi auffallen und die noch zu
findenden leichten Schwächen treten in der ersten Generation einer neuen
Bedienoberfläche überall auf. Daher: Chapeau! Mission gelungen! Überragend!
Harman Kardons AVR 460 ist ganz unverkennbar ein Produkt dieses Herstellers und
hat zeitgleich eine neue Evolutionsstufe bestritten. Die Tonalität des
AV-Receivers ist markentypisch geprägt von einem kräftigen Bass- und
Fundament-Bereich sowie von nicht aggressiven, samtigen Höhen. Im Gegensatz zu
früheren Produkten sind die Mitten weniger stark zurück genommen und der Klang
hat deutlich an Klarheit gewonnen. Die Höhen gleichberechtigt im wiedergegebenen
Frequenzspektrum vertreten und vermitteln einen angenehmen, offenen Charakter,
ohne dabei vordergründig oder bedeckt zu klingen. Der Bass ist die
althergebrachte Domäne amerikanischer Hersteller, mit kleinen aber signifikanten
Änderungen im konkreten Fall: Der AVR 460 spielt kräftig und sicherlich nicht
neutral im highendigen Sinne, aber im Gegensatz zu früheren Geräten hat die
Geschwindigkeit und Präzision zugenommen, wodurch der vormalige "fette", weiche
Eindruck nicht mehr gegeben ist. Der Ober- wie Kickbass werden passend zu dem
kräftigen Grundton knackig in den Raum getragen, was nahtlos an den merklichen
wie tief hinabreichenden Tiefbass anschließt. Stimmen werden dank der nach vorne
geholten, klareren wie neutraleren Mittendarstellung sehr geschmeidig,
detailliert, prägnant und charakterstark vermittelt. Ob das Timbre einer tiefen
Männerstimme oder die Eigenschaften einer zierlichen Sängerin: Es wird in
gekonnter und richtig portionierter Weise die jeweilige Eigenheit in ein Ganzes
eingebettet und an der richtigen Position vor der akustischen Bühne platziert.
Dies führ sich gen höheren Frequenzen fort und es ist auch hier zu merken, dass
die Grundcharakteristik des AVR 460 neutraler ausfällt.
In diesem Zuge erscheint
die Darstellung kleiner Nebenaspekte feiner und die gesteigerte Auflösung kommt
dank einer neuen Spitzigkeit beim Hörer an. Die Kombination aus hoher Auflösung,
detaillierter aber samtiger Spielweise ohne auch nur im Ansatz dumpf oder
verdeckt zu sein, ist eine, die zum einen hohe Pegel unangestrengt genießen
lässt und zum anderen den Nerv vieler "Geschmackshörer" treffen dürfte. Die
räumliche Abbildung liegt absolut auf Klassenniveau. Die Breite Bühne löst sich
schön von den Lautsprechern und vermittelt zeitgleich eine authentische Tiefe.
Die Anordnung eines Symphonieorchesters ist ebenso glaubwürdig wie die
Staffelung eines Studiomixes einer klassischen Rockband. Dieser realistische
Eindruck, die Glaubwürdigkeit ist zu einem nicht unerheblichen Teil von der
famosen Dynamik getragen: Im feinen spielt der AVR 460 analog zu seinen oberen
Mitten und den Höhen geschmeidig und integrativ, in grobdynamischen packt er
richtig zu und lässt die Konkurrenz mit einer Lässigkeit hinter sich, dass es
beeindruckt.
Selbiges gilt auch für die Pegelfestigkeit, die an vorderster Front
in dieser Güteklasse steht. Wie in der Einleitung angedeutet, zieht Harman Kardon
realistische Angaben marketing-wirksamen vor und wird so den einen oder
anderen Zahlengläubigen überraschen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der
AVR 460 ein AV-Receiver mit sehr guten Stereoeigenschaften ist. Der Klang ist
firmentypisch mittels betontem Bass und leicht zurückgenommenem Mittenbereich,
auch despektierlich Badewanne genannt. Dem aktuellen Markttrend folgend fällt
der Bass nun aber deutlich präziser, schneller und straffer aus, der
Mittenbereich präsenter, neutraler und die Höhen klarer, feiner aus. Ein schöner
Bühnenaufbau, eine sensationelle Dynamik und eine enorme Pegelfestigkeit lassen
den AVR 460 als potenten Charakterkopf am Markt auftreten.
Mehrkanal
Der Mehrkanalklang ist in seiner tonalen Charakteristik absolut identisch zum
Stereobetrieb, was auch für die Teildisziplinen Stimmdarstellung, Pegel- und
Dynamikverhalten gilt. Der räumliche Aufbau eines Mehrkanaltracks erfolgt wenig
effekthaschend und fokussiert minimal auf die akustische Bühne. Der Schluss
zwischen Front- und Rearsektion ist nahtlos, zwischen den Lautsprechern
wandernde Ereignisse werden flüssig, harmonisch und ohne Bruch im Raum virtuell
abgebildet. Der Klang hüllt einen umfassend, geschlossen ein, man fühlt sich
hineingezogen in das dichte akustische Geschehen.
Der Harman-Receiver profitiert
dank seiner enormen Dynamikfähigkeit deutlich von der Zuspielung hochauflösender
Tonformate und birgt das Potential, für das ein oder andere Erschrecken auf der
Couch verantwortlich zeichnen zu müssen. Gerade im Kinobetrieb ist der Vorteil
der gewählten Abstimmung im Hochtonbereich zu erkennen: Die sehr fein
auflösende, aber dennoch samtige Wiedergabe ohne aggressive Spitzen ermöglicht
entspanntes Genießen enormer Pegel, bei denen viele andere Verstärker schon im
unangenehmen bis hin zu gefährlichen Clipping wären, mit massiven Verzerrungen
den Hörer drangsalieren.
Eine faszinierende Eigenart des Harman Kardon ist sein
Desinteresse an "spezieller Fütterung". Ihm ist es gleichgültig, was er
wiedergeben soll. Ob ein Action-Blockbuster, ein ruhiger Film mit subtilen
Umgebungsgeräuschen, das Klassik- oder auch das Rockkonzert, er spielt mit
seiner eigenen Charakteristik in gleichbleibender Art. Dies macht den AVR 460 in
Summe zu einem ungemein vielseitigen Verstärker, der speziell Freunde des
kräftigen Basses in jeder Lebenslage zufrieden stellen kann.
Bei "Avatar" schafft er jederzeit eine ausgezeichnete Trennung
zwischen dem eindrucksvollen Soundtrack und den verschiedenen Effekten, er malt
den Flug des Helikopters über und durch die fremdartige Flora reichhaltig aus,
ohne zu dick aufzutragen - dies unterscheidet den 460 von früheren Modellen. Er
wirkt ausgewogener und stellt Stimmen besser dar. Vokale Elemente zeigen sich
sehr integrativ, was dazu führt, dass sie nicht aufgesetzt erscheinen. Dies
merkt man z.B. bei Stirb Langsam 4.0 in der Sequenz, als Matthew Farrells
Wohnung komplett verwüstet wird: Die Elemente der Konversation zwischen McLane
und Farrell sind aufgrund der Lautstärke der erbitterten Schusswechsel kaum zu
hören, was auch der Realität absolut entspricht. Mancher AVR macht hier den
Fehler, die Stimmen unpassend in den Vordergrund zu stellen, was zu einer
Verschiebung der klangdynamischen Verhältnisse führt, die nicht der Realität
entspricht. Bei "Star Wars Episode 3" in klassischem Dolby Digital
5.1EX stellt der HK die zu Beginn stattfindende Raumschlacht oberhalb vom
Coruscant sehr nachdrücklich dar. Den Explosionen fehlt es auch nicht an
Struktur. Nach wie vor ist festzustellen, dass die Bereitstellung eines extremen
Detailreichtums nicht die große Stärke des AVR-460 ist. Beim Beginn von
Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" in DTS-HD High Resolution
Audio bringt der AVR den orchestralen Gesamteinsatz zwar nachhaltig und mit
toller Raumwirkung zum Auditorium, die Ausprägung Instrumenten-spezifischer
Charakteristika könnte aber noch deutlicher ausfallen. Bei "Back in Your
Head" (DTS-HD Master Audio) von DJ Tiesto bringt der AVR die Bassstruktur
sehr gut zur Geltung und verteilt die Effekte nachdrücklich im Hörraum. Die
Stimme kommt trotz des Effektreichtums gut heraus.
Besonderheit
Harman Kardon scheint in allen Belangen die Usability in den Vordergrund
gerückt zu haben. Die Gestaltung des Menüs war das erste Anzeichen, die
Auslegung der Decodersektion ist das nächste: Im Gegensatz zu den Mitbewerbern
bleibt es dem Kunden erspart, für jede eingehende Signalart einen Hörmodus
festzulegen. Im Falle das AVR 460 legt man eine favorisierte Variante für
Stereo, Film und Musik fest und diese wird dann konsequent auf das
angeschlossene Lautsprecher-Ensemble angewendet. Puristen werden in diesem
Kontext bemängeln, dass in einem 7.1 Setup immer auf 7.1 aufgeblasen wird (außer
bei Wahl "Stereo"), dem Normalverbraucher wird dies hingegen leidige
Formatumschaltungen dauerhaft ersparen. Dies ist sicherlich eine Frage der
Philosophie und des Geschmacks, aber auch eine der Komplexität und des
notwendigen Verständnisses um die Materie. Gesamtnote Klang: Sehr gut -
ausgezeichnet.
Video
Der AVR-460 ist mit deinem Faroudja DCDi-Videoprozessor ausgestattet und
erlaubt die Bearbeitung von HDMI-Signalen. Es ist ein Video-EQ implementiert,
der analog zu oben beschriebener Philosophie nicht im technisch korrekten Sinne
beschriftet ist, dafür praxisgerechte wie wirkungsbezogene Titulierungen
aufweist.
In der Bearbeitung von SD-Filmen, am Beispiel von Star Wars, EP III, zeigt
der AVR 460 ein leichtes Zeilenflimmern an horizontalen Kanten, besonders
deutlich zu sehen an der erklärenden Schrift und den Flügeln des großen
Sternenzerstörers. Die Grundsätzliche Bewegungsdarstellung ist ruhig und flüssig
und die Farbwiedergabe ist authentisch. Der Kontrast ist hoch und der
Schwarzpegel vorbildlich. Dem erwähnten Zeilenflimmern gesellt sich ein
merkliches Rauschen hinzu, was beides zu Detailverlust und Unruhe führt.
Beides lässt sich durch die Aktivierung der "Videosektion" in den
Kanalkonfiguration vermindern. Die Schrift läuft nun wie in Stein gemeißelt durch das Bild und
der De-Interlacer schaltet nun dauerhaft in den Filmmodus.
Grundsätzlich sind die dynamischen Parameter im Bild wesentlich gefälliger. Die
Aktivierung der "Videosektion" bringt allerdings einen massiven Eingriff in den
Gammaverlauf, das Kontrastverhalten und das Schärfeniveau mit sich, was zu
übersteuernden, bzw. absaufenden und überschärfsten Bildern mit Doppelkonturen
führt.
Im SD-Videobetrieb hingegen zeigt der Faroudja-Chip seine Stärke und
präsentiert die Laufschriften der AVEC Professional in sensationeller Weise:
Ruhig, klar, gut lesbar und das alles auch bei der schnellsten Zeile, die nur
mit minimalen Doppelkonturen dargestellt wird. Auch das Pendel wird in seiner
Struktur erhalten und ohne sonderliches Schmieren auf den Schirm gebracht. Das
Stadtbild von Esslingen offenbart dem Profi leichtes Zeilenflimmern und ein
gewisses Rauschen, vollbringt aber dennoch den Spagat hin zu einer beeindruckend
ruhigen und detaillierten Wiedergabe. Die Farben werden nicht übersättigt und
eine Überschätzung ist nicht fest zu stellen, Bewegungen sind flüssig sowie fein
gezeichnet.
Bilanzierend ist zu sagen, dass in den meisten Konstellation eine Berechnung
des Filmbildes besser im Player oder Fernsehen/Projektor stattfinden sollte, da
im Falle des AVR 460 merkliche Schwächen zu sehen sind. Bei der Aufbereitung von
SD-TV-Signalen hingegen wird selbst der ambitionierte Hobbyist begeistert sein
von der stabilen, ruhigen Hochrechnung des Bildes. Gesamtnote: Befriedigend -
gut.
Konkurrenzvergleich
Onkyo TX-NR1008: Der Onkyo
klingt neutraler und frischer. Die Videosektion des 1008 ist auch nicht mehr
auf dem neuesten Stand. An Audiofeatures hat der 1008 dafür nahezu alles
mit an Bord, was zeitgemäß ist.
Yamaha RX-V1067: Mit
kräftiger Auslegung und toller Räumlichkeit ist der Yamaha ein sehr
verheißungsvoller Kandidat. Seine attraktive Optik, die gute Videosektion
und die hervorragende DSP-Bestückung sind ebenfalls sehr zu loben.
Denon AVR-3311: Sehr homogen und
auch detailreich klingend, überzeugt der 3311 mit typischen Denon-Tugenden.
Die Videosektion ist prima, die Optik klassisch gehalten. Sehr gut gefällt
auch die Multimediasektion.
Sony STR-DA3600ES: Mit
Ethernet-Hub und Audio/Foto/Videostreaming-Fähigkeit ist der 3600 die erste
Wahl für Multimediaanwender. Weniger überzeugt, wie beim HK AVR 460, die
Anzahl der HDMI-Anschlüsse. Der Klang ist enorm dynamisch, die Videosektion
ist durchschnittlich.
Fazit
Kraftvoller Klang und schickes Design - der AVR-460
Harman Kardon hat mit dem AVR 460 begonnen die entstandene
Lücke zur Konkurrenz zu schließen. Hierbei wurden drei sehr weise Entscheidungen
getroffen: "Lieber Elementares gut, als vieles schlecht" - Die Implementierung der
neuen Tonformat und die Neuentwicklung des GUI/OSD, des neuen
Menüs sind hervorragend gelungen. "Usability" - Puristen und Profis mögen die
gegebenen Optionen zu beschränkend sein, der normale Nutzer hingegen wird sich
an der verständlichen und intuitiven Bedienung des AV-Verstärkers freuen. Es sind viele Hürden für Laien niedergerissen und den Ergebnissen der
Marktforschung konsequent wie zielführend Rechnung getragen worden. "Klang" -
für den Großteil der Anwender ist das Wichtigste an einem Verstärker immer noch der Klang, was Harman
Kardon berücksichtigt hat. Der AVR 460 ist ein klar erkennbarer Vertreter seines
Hauses mit einem sehr kräftigen Bass, etwas zurückgenommenen Mitten und enormen
Dynamik- wie Pegelreserven. Der gut gewählte Evolutionsschritt besteht in einer
präziseren, schnelleren Tiefton-, einer neutraleren Tiefton und einer
frischer-spritzigeren Hochtonwiedergabe. Mit diesem Ergebnis hat Harman das
Potential viele neue Kunden zu finden, denen der aktuelle Trend zu absoluter
Neutralität etwas zu nüchtern ist. Wo Licht ist, da ist meist auch Schatten: Der
Funktionsansatz der Videosektion ist im Sinne der normalen Allgemeinheit
vorbildlich, nur die technische Umsetzung im Filmbetrieb mag hier noch nicht
mithalten - was bei SD-TV schon wieder anders geartet ist. Die nicht existente
multimediale Ausstattung entspricht nicht mehr dem Stand der Zeit - halb so
teure AV_Receiver sind häufig schon mehr Schaltzentrale - und wird mitunter eine
Hürde bei der Kaufentscheidung sein. Dennoch: Lieber nichts einbauen als eine
Implementierung, die dem Kunden in den Frust treibt. Dies, zusammen mit der
geringen Anschlussbestückung und der verbesserungswürdigen Verarbeitung, im
Kontext des Kaufpreises, verhindern eine bessere Bewertung des AVR 460.
Kräftiger Klang und enorme Pegelfestigkeit trifft auf
einfache Bedienung. Die Ausstattung fällt schmal aus
AV-Receiver Mittelklasse
Datum: 14. März 2011
+ gefälliger, kräftiger Klang
+ hohe Leistungsreserven
+ gelungene Neugestaltung des OSD
+ clevere Bedienungslogik
+ OSD-Aufruf ohne Ton- und Bildunterbrechung
+ Elegantes Design
+ Tadelloser innerer Aufbau
+ Sehr gute Fernbedienung mit Beleuchtung
- Videosektion im Filmbetrieb
- EQ entspricht einer Black Box
- Keine multimedialen Talente