TEST: Harman Kardon AVR-460 - kraftvoller Klang trifft auf durchdachtes Bedienkonzept

14. März 2011 (th)

Einführung

Lange Zeit war es ruhig um Harman Kardon und Fans der Marke haben sehnsüchtig auf neue, zeitgemäße AV-Verstärker gewartet. Der amerikanische Konzern hat die Bitten seiner "Fanboys" erhört und eine Linie neuer AV-Receiver eingeführt, aus der wir uns den AVR 460 im Test näher betrachten wollen. Nominell wartet der 999,- € kostende AV-Amp mit einer Leistung von gerade einmal 7x60 Watt auf, was in Anbetracht Harmans vergangener Angaben wohl sehr viel eher der Wahrheit entspricht als die deutlich höheren Werte der Konkurrenz. Harman Kardon hat den sicheren Weg gewählt und die essentiellen Eigenschaften eines AV-Verstärkers fortentwickelt, anstatt auf einen Schlag alles erstmalig zu implementieren, weshalb die Ausstattung mager erscheint: Neben einem HDMI-Signale bearbeitendem Videoprozessor von Faroudja finden sich lediglich vier HDMI1.4a Eingänge sowie ein Ausgang. Front-High, PLIIz oder ein zweiter Subwoofer wird nicht unterstützt genauso wie man eine Netzwerkschnittstelle vergeblich sucht und der USB-Anschluss ausschließlich Firmware-Updates dient. Wir möchte eruieren, ob der Harman Kardon dennoch sein Geld wert ist.

Video-Übersicht

 

Verarbeitung

Frontansicht in der typischen Optik des Hauses

Fronteingänge mit Abdeckung

Beleuchteter Lautstärkedrehregler

Display mit Punktmatrixauflösung

Fuß

Von unten 

Der Harman Kardon AVR460 greift die Formen- und Designsprache aktueller Produkte des Hauses auf und bietet optisch derart einen hohen Wiedererkennungswert. Die zweigeteilte Front besteht in der unteren Hälfte aus Kunststoff, welcher eine gute Haptik bietet und gebürstetes Aluminium gekonnt imitiert. Der obere Teil besteht aus schwarz hinterlegtem, Tiefenwirkung bietendem transparenten Kunststoff, was in der hier gewählten Zusammenstellung einen nobleren Eindruck erweckt als die Materialauswahl vermuten lässt. Die Rundung der Gehäuseecken verleiht dem Gerät eine ungewohnte Leichtigkeit und kaschiert gekonnt die wahre Größe. Die Einpassung der beiden Frontplattenelemente am Übergang zum Korpus könnte etwas Feinschliff im Detail vertragen, so dass Spaltmaße geringer ausfallen und die Materialecken bündiger liegen würden. Die geschickt platzierten Bedienelemente sind optisch unauffällig und bieten einen klaren Druckpunkt. Der Drehregler verweigert sich klassischer Design-Konventionen und ist in interessanter Weise illuminiert, ordentlich gerastert und mit klassenüblichen Spiel integriert. Der Gehäusedeckel besteht aus steifen Blech, dessen Faltungen minimale Grate aufweisen und ist fest mit dem Chassis verschraubt. Die Gerätefüße, unorthodox geformt, bieten einen rutschfesten Stand. Die Rückseite bietet einen klaren und äußerst praxisgerechten Aufbau, so dass die diversen Kabel einfach und übersichtlich angeschlossen werden können. Die Buchsen für die Signalkabel sitzen äußerst fest im Korpus, wohingegen bei den Lautsprecherterminals leichtes Spiel herrscht. Der innere Aufbau gefällt mit seiner Übersicht, sauberen Verkabelung und durchdachten Luftwegen: In unserem Test war der Lüfter selbst nach längeren Volllastsessions nicht einmal zu hören. Die Verarbeitungsqualität der einzelnen Baugruppen und Platinen gefällt ebenso wie die Güte deren Zusammenbaus. Die große Fernbedienung liegt gut in der Hand, rutscht dank entsprechender Beschichtung der Rückseite nicht und besticht durch die vorbildliche Beleuchtung. Die Tastenanordnung ist logisch und die Druckpunkte sind gut definiert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Harman Kardon AVR 460 eine stattliche Erscheinung in eigener, design-orienterter Verpackung darstellt. Die Verarbeitung liegt im Inneren auf einem sehr guten Niveau, außen hingegen sollte man nicht zu sehr aufs Detail achten. Gesamtnote: Sehr gut. 

Innenaufbau

Elkos

Platinenlayout

Weitere Blick aufs Platinenlayout

Ansicht aus seitlicher Perspektive

Fernbedienung

Anschlüsse

    Übersicht

Maßstäbe setzt die Anschlusssektion nicht - es sind zu wenig HDMI-Terminals für die Preisklasse vorhanden

Kaltgeräte-Netzsteckeranschluss

A-Bus für Multiroom nach Art des Hauses Harman Kardon

Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

Rückseite:

  • 4x HDMI Eingang, 1x HDMI Ausgang (HDMI 1.4)

  • 2x YUV Komponenten Eingang, 1x Ausgang

  • 3x FBAS Composite Eingang, 1x Record Ausgang, 1x Zone2 Ausgang

  • 2x koaxialer Digitaleing S/PDIF, 1x Ausgang

  • 3x optischer Digitaleingang TOSLINK

  • 5x analoger Stereo-Chinch Eingang, 2x Record Ausgang

  • 1x 7.1 Mehrkanal analog Eingang

  • 1x 7.1 Mehrkanal analog Vorverstärkerausgang (Pre-Out)

  • 1x Bridge Anschluss

  • 1x A-BUS IR Out Ausgang

  • 1x IR Carrier Out Ausgang

  • 1x IR Eingang

  • 1x Remote Eingang, 1x Ausgang

  • 1x Antenne 75 Ohm Anschluss, 1x Antennen AM Loop Anschluss

Fronteingänge

Vorderseite:

  • 1x koaxialer Digitaleingang S/PDIF
  • 1x optischer Digitaleingang TOSLINK
  • 1x FBAS Composite Eingang
  • 1x analoger Stereo-Chinch Eingang
  • 1x 3,5mm Klinke Kopfhörerausgang (=Messmikrofoneingang)
  • 1x USB (nur für Software-Updates)

Die Anschlussbestückung lässt erkennen, dass Harman Kardon den Fokus nicht auf multimediale, vernetzte Funktionen gesetzt hat: Kein Medien-tauglicher USB-Eingang, kein Netzwerkanschluss. Die Anzahl klassischer Anschlüsse liegt lediglich auf dem Niveau aktueller Einsteiger-Geräte und lässt das Verwalten eines größere Geräteparks schwer werden und den Anschluss eines Plattenspielers unmöglich. Der Verzicht auf einen zweiten HDMI-Ausgang bei lediglich vier Eingängen ist der Klasse nicht angemessen, wohingegen die verwendete Variante 1.4 mit einhergehender 3D-Fähigkeit etwas milder stimmt. Eingedenk des Preises ist diese Rubrik lediglich mit einem "befriedigend" zu bewerten.

Konfiguration, Setup, Menü und Bedienung

Neu entwickeltes GUI

Wie bei aktuellen AV-Komponenten üblich lässt sich eine vollständige Konfiguration nur am Bildschirm über das Setup-Menü durchführen. An dieser Stelle tritt die erste große wie positive Überraschung zu Tage: Harman Kardon hat das antiquierte On Screen Display (OSD, oder auch Graphic User Interface GUI genannt), einer kompletten Neugestaltung unterzogen. Nach Drücken der Setup-Taste erscheint ein hochauflösender, übersichtlich wie erklärend gestalteter Startbildschirm. Das Design orientiert sich an bekannten wie gelobten Konkurrenten und fasst deren spezifische Vorzüge gekonnt zusammen. Die Gliederung ist sinnvoll und durchdacht, die Bedienung weißt sehr gute, praxisgerechte Ansätze auf, hakt aber noch im Detail . Die Geschwindigkeit der Navigation ist in Ordnung, die Reaktionszeit auf Fernbedienungsbefehle angemessen und erfreulicherweise wird das Menü in jedem Betriebszustand eingeblendet, ohne dass Bild- und/oder Tonwiedergabe unterbrochen werden.

Die Einrichtung des Lautsprechersystems erfolgt entweder automatisch per Messung mittels EzSet/EQ oder auf manuellem Wege. Nach der automatischen Messung kann man direkt sämtliche Werte einsehen und gegebenenfalls in der zur händischen Justage identischen Maske korrigieren. Die Einmessung hat in unseren Testläufen 3min 45sek gedauert und überzeugend funktioniert. Die Entfernungsrasterung in 30cm-Schritten ist nicht mehr Stand der Technik wie auch der Pegelabgleich in 1dB-Steps. Die zur Verfügung gestellten Werte für die gruppenbezogene Übernahmefrequenz liegen im Klassenschnitt. Leider ist es nicht möglich einzusehen, was der EQ misst und in welcher Art er korrigierend eingreift, wodurch er zu einer Blackbox mutiert, die man nur ein und ausschalten kann. In unserem Testraum hat der EQ die eine merkliche Mode gut gefiltert, ohne dem Bass/Grundton in seinem Charakter sonderlich zu beschneiden. Die Auswirkungen im übrigen Frequenzband halten sich zurück - etwas vordergründigerer und minimale höherer Klangeindruck - und dürften vielen Nutzern in nicht optimierten Räumen kaum auffallen. Der Klassenprimus, MCACC von Pioneer gerät allerdings nicht in Bedrängnis.

Automatische oder manuelle Kalibrierung

5.1 oder 7.1

Start des Auto-Setups

Fertigstellung

HK-typisches Einmessmikrophon in schicker Optik - aber es arbeitet auch gut

Manuelle Lautsprechereinrichtung

Übernahmefrequenzen

Time Alignment

Die zweite große wie wichtige Rubrik innerhalb des OSD ist der Bereich "Quelle einrichten". Hier lässt sich kanalselektiv nahezu jeder relevante Betriebsparameter einstellen. Unter Audioeffekte ist Dolby Volume, der klassische Bass-/Treble-EQ, der LFE Trimm, die MP3-Aufwertung und der EzSet/EQ zu justieren, bzw. zu aktivieren. Die Sektion Videoeffekt verbirgt vorgefertigte Bildmodi, die Format- und Overscanwahl sowie den Video-EQ, bestehend aus Helligkeit, Kontrast, Farbe, Schärfe, Rauschreduzierung, MPEG-Rauschreduktion, Cross Color Suppressor, Hautton-Verbesserung, Schwarzpegel, De-Interlacing inkl. Moduswahl. Es lassen sich folgend noch die gewünschten Klangmodi in Abhängigkeit des Eingangssignals, die gewünschte Audio- und Videoquelle für den Kanal, die Videoausgabeauflösung, Name im Display und die Lippensynchronisation einstellen. Diese Anordnung der Funktionen hat ihren Reiz und wird sehr vielen in der Praxis mehr zusagen als die verschachtelte, arg verteilte Anordnung bei anderen Herstellern.

Sehr sinnvoll und übersichtlich angeordnet

Praxisgerecht

Viele Informationen

Audioeffekte

Video-EQ

Teil 2

Die "Systemeinstellungen" fallen relativ übersichtlich aus und bieten an relevanten Optionen für den Betrieb recht wenig: HDMI Audio-TV Out, Funktionsstärke von Dolby Volume werden neben der Displayhelligkeit die Justagen mit dem meisten Einfluss auf den täglichen Betrieb sein. Darüber hinaus lassen sich noch Menü-Einblendzeiten und -Transparenz, Maße, Sprache und Einschaltlautstärke regeln. Wir hätten uns hier noch ein Submenü für die vielfältigen HDMI-Funktionen gewünscht.

Systemeinstellungen

Bilanzierend ist festzuhalten, dass Harman mit dem neuen Menü ein großer Wurf gelungen ist. Es ist weder überfrachtet noch zu verschachtelt. Die Anordnung und Logik mag Profis überraschen, der normale Konsument wird sich aber schneller als in anderen OSDs zurecht finden. Das Fehlen gewisser sehr spezieller Funktionen wird auch nur dem Profi auffallen und die noch zu findenden leichten Schwächen treten in der ersten Generation einer neuen Bedienoberfläche überall auf. Daher: Chapeau! Mission gelungen! Überragend!

Recht übersichtliche Fernbedienug

Mit Beleuchtung - vorbildlich!

Testequipment
Klang

Stereo

Harman Kardons AVR 460 ist ganz unverkennbar ein Produkt dieses Herstellers und hat zeitgleich eine neue Evolutionsstufe bestritten. Die Tonalität des AV-Receivers ist markentypisch geprägt von einem kräftigen Bass- und Fundament-Bereich sowie von nicht aggressiven, samtigen Höhen. Im Gegensatz zu früheren Produkten sind die Mitten weniger stark zurück genommen und der Klang hat deutlich an Klarheit gewonnen. Die Höhen gleichberechtigt im wiedergegebenen Frequenzspektrum vertreten und vermitteln einen angenehmen, offenen Charakter, ohne dabei vordergründig oder bedeckt zu klingen. Der Bass ist die althergebrachte Domäne amerikanischer Hersteller, mit kleinen aber signifikanten Änderungen im konkreten Fall: Der AVR 460 spielt kräftig und sicherlich nicht neutral im highendigen Sinne, aber im Gegensatz zu früheren Geräten hat die Geschwindigkeit und Präzision zugenommen, wodurch der vormalige "fette", weiche Eindruck nicht mehr gegeben ist. Der Ober- wie Kickbass werden passend zu dem kräftigen Grundton knackig in den Raum getragen, was nahtlos an den merklichen wie tief hinabreichenden Tiefbass anschließt. Stimmen werden dank der nach vorne geholten, klareren wie neutraleren Mittendarstellung sehr geschmeidig, detailliert, prägnant und charakterstark vermittelt. Ob das Timbre einer tiefen Männerstimme oder die Eigenschaften einer zierlichen Sängerin: Es wird in gekonnter und richtig portionierter Weise die jeweilige Eigenheit in ein Ganzes eingebettet und an der richtigen Position vor der akustischen Bühne platziert. Dies führ sich gen höheren Frequenzen fort und es ist auch hier zu merken, dass die Grundcharakteristik des AVR 460 neutraler ausfällt. 

In diesem Zuge erscheint die Darstellung kleiner Nebenaspekte feiner und die gesteigerte Auflösung kommt dank einer neuen Spitzigkeit beim Hörer an. Die Kombination aus hoher Auflösung, detaillierter aber samtiger Spielweise ohne auch nur im Ansatz dumpf oder verdeckt zu sein, ist eine, die zum einen hohe Pegel unangestrengt genießen lässt und zum anderen den Nerv vieler "Geschmackshörer" treffen dürfte. Die räumliche Abbildung liegt absolut auf Klassenniveau. Die Breite Bühne löst sich schön von den Lautsprechern und vermittelt zeitgleich eine authentische Tiefe. Die Anordnung eines Symphonieorchesters ist ebenso glaubwürdig wie die Staffelung eines Studiomixes einer klassischen Rockband. Dieser realistische Eindruck, die Glaubwürdigkeit ist zu einem nicht unerheblichen Teil von der famosen Dynamik getragen: Im feinen spielt der AVR 460 analog zu seinen oberen Mitten und den Höhen geschmeidig und integrativ, in grobdynamischen packt er richtig zu und lässt die Konkurrenz mit einer Lässigkeit hinter sich, dass es beeindruckt. 

Selbiges gilt auch für die Pegelfestigkeit, die an vorderster Front in dieser Güteklasse steht. Wie in der Einleitung angedeutet, zieht Harman Kardon realistische Angaben marketing-wirksamen vor und wird so den einen oder anderen Zahlengläubigen überraschen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der AVR 460 ein AV-Receiver mit sehr guten Stereoeigenschaften ist. Der Klang ist firmentypisch mittels betontem Bass und leicht zurückgenommenem Mittenbereich, auch despektierlich Badewanne genannt. Dem aktuellen Markttrend folgend fällt der Bass nun aber deutlich präziser, schneller und straffer aus, der Mittenbereich präsenter, neutraler und die Höhen klarer, feiner aus. Ein schöner Bühnenaufbau, eine sensationelle Dynamik und eine enorme Pegelfestigkeit lassen den AVR 460 als potenten Charakterkopf am Markt auftreten.

Mehrkanal

Der Mehrkanalklang ist in seiner tonalen Charakteristik absolut identisch zum Stereobetrieb, was auch für die Teildisziplinen Stimmdarstellung, Pegel- und Dynamikverhalten gilt. Der räumliche Aufbau eines Mehrkanaltracks erfolgt wenig effekthaschend und fokussiert minimal auf die akustische Bühne. Der Schluss zwischen Front- und Rearsektion ist nahtlos, zwischen den Lautsprechern wandernde Ereignisse werden flüssig, harmonisch und ohne Bruch im Raum virtuell abgebildet. Der Klang hüllt einen umfassend, geschlossen ein, man fühlt sich hineingezogen in das dichte akustische Geschehen. 

Der Harman-Receiver profitiert dank seiner enormen Dynamikfähigkeit deutlich von der Zuspielung hochauflösender Tonformate und birgt das Potential, für das ein oder andere Erschrecken auf der Couch verantwortlich zeichnen zu müssen. Gerade im Kinobetrieb ist der Vorteil der gewählten Abstimmung im Hochtonbereich zu erkennen: Die sehr fein auflösende, aber dennoch samtige Wiedergabe ohne aggressive Spitzen ermöglicht entspanntes Genießen enormer Pegel, bei denen viele andere Verstärker schon im unangenehmen bis hin zu gefährlichen Clipping wären, mit massiven Verzerrungen den Hörer drangsalieren. 

Eine faszinierende Eigenart des Harman Kardon ist sein Desinteresse an "spezieller Fütterung". Ihm ist es gleichgültig, was er wiedergeben soll. Ob ein Action-Blockbuster, ein ruhiger Film mit subtilen Umgebungsgeräuschen, das Klassik- oder auch das Rockkonzert, er spielt mit seiner eigenen Charakteristik in gleichbleibender Art. Dies macht den AVR 460 in Summe zu einem ungemein vielseitigen Verstärker, der speziell Freunde des kräftigen Basses in jeder Lebenslage zufrieden stellen kann. 

Bei "Avatar" schafft er jederzeit eine ausgezeichnete Trennung zwischen dem eindrucksvollen Soundtrack und den verschiedenen Effekten, er malt den Flug des Helikopters über und durch die fremdartige Flora reichhaltig aus, ohne zu dick aufzutragen - dies unterscheidet den 460 von früheren Modellen. Er wirkt ausgewogener und stellt Stimmen besser dar. Vokale Elemente zeigen sich sehr integrativ, was dazu führt, dass sie nicht aufgesetzt erscheinen. Dies merkt man z.B. bei Stirb Langsam 4.0 in der Sequenz, als Matthew Farrells Wohnung komplett verwüstet wird: Die Elemente der Konversation zwischen McLane und Farrell sind aufgrund der Lautstärke der erbitterten Schusswechsel kaum zu hören, was auch der Realität absolut entspricht. Mancher AVR macht hier den Fehler, die Stimmen unpassend in den Vordergrund zu stellen, was zu einer Verschiebung der klangdynamischen Verhältnisse führt, die nicht der Realität entspricht. Bei "Star Wars Episode 3" in klassischem Dolby Digital 5.1EX stellt der HK die zu Beginn stattfindende Raumschlacht oberhalb vom Coruscant sehr nachdrücklich dar. Den Explosionen fehlt es auch nicht an Struktur. Nach wie vor ist festzustellen, dass die Bereitstellung eines extremen Detailreichtums nicht die große Stärke des AVR-460 ist. Beim Beginn von Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" in DTS-HD High Resolution Audio bringt der AVR den orchestralen Gesamteinsatz zwar nachhaltig und mit toller Raumwirkung zum Auditorium, die Ausprägung Instrumenten-spezifischer Charakteristika könnte aber noch deutlicher ausfallen. Bei "Back in Your Head" (DTS-HD Master Audio) von DJ Tiesto bringt der AVR die Bassstruktur sehr gut zur Geltung und verteilt die Effekte nachdrücklich im Hörraum. Die Stimme kommt trotz des Effektreichtums gut heraus. 

Besonderheit

Harman Kardon scheint in allen Belangen die Usability in den Vordergrund gerückt zu haben. Die Gestaltung des Menüs war das erste Anzeichen, die Auslegung der Decodersektion ist das nächste: Im Gegensatz zu den Mitbewerbern bleibt es dem Kunden erspart, für jede eingehende Signalart einen Hörmodus festzulegen. Im Falle das AVR 460 legt man eine favorisierte Variante für Stereo, Film und Musik fest und diese wird dann konsequent auf das angeschlossene Lautsprecher-Ensemble angewendet. Puristen werden in diesem Kontext bemängeln, dass in einem 7.1 Setup immer auf 7.1 aufgeblasen wird (außer bei Wahl "Stereo"), dem Normalverbraucher wird dies hingegen leidige Formatumschaltungen dauerhaft ersparen. Dies ist sicherlich eine Frage der Philosophie und des Geschmacks, aber auch eine der Komplexität und des notwendigen Verständnisses um die Materie. Gesamtnote Klang: Sehr gut - ausgezeichnet. 

Video

Der AVR-460 ist mit deinem Faroudja DCDi-Videoprozessor ausgestattet und erlaubt die Bearbeitung von HDMI-Signalen. Es ist ein Video-EQ implementiert, der analog zu oben beschriebener Philosophie nicht im technisch korrekten Sinne beschriftet ist, dafür praxisgerechte wie wirkungsbezogene Titulierungen aufweist.

In der Bearbeitung von SD-Filmen, am Beispiel von Star Wars, EP III, zeigt der AVR 460 ein leichtes Zeilenflimmern an horizontalen Kanten, besonders deutlich zu sehen an der erklärenden Schrift und den Flügeln des großen Sternenzerstörers. Die Grundsätzliche Bewegungsdarstellung ist ruhig und flüssig und die Farbwiedergabe ist authentisch. Der Kontrast ist hoch und der Schwarzpegel vorbildlich. Dem erwähnten Zeilenflimmern gesellt sich ein merkliches Rauschen hinzu, was beides zu Detailverlust und Unruhe führt.

Beides lässt sich durch die Aktivierung der "Videosektion" in den Kanalkonfiguration vermindern. Die Schrift läuft nun wie in Stein gemeißelt durch das Bild und der De-Interlacer schaltet nun dauerhaft in den Filmmodus. Grundsätzlich sind die dynamischen Parameter im Bild wesentlich gefälliger. Die Aktivierung der "Videosektion" bringt allerdings einen massiven Eingriff in den Gammaverlauf, das Kontrastverhalten und das Schärfeniveau mit sich, was zu übersteuernden, bzw. absaufenden und überschärfsten Bildern mit Doppelkonturen führt.

Im SD-Videobetrieb hingegen zeigt der Faroudja-Chip seine Stärke und präsentiert die Laufschriften der AVEC Professional in sensationeller Weise: Ruhig, klar, gut lesbar und das alles auch bei der schnellsten Zeile, die nur mit minimalen Doppelkonturen dargestellt wird. Auch das Pendel wird in seiner Struktur erhalten und ohne sonderliches Schmieren auf den Schirm gebracht. Das Stadtbild von Esslingen offenbart dem Profi leichtes Zeilenflimmern und ein gewisses Rauschen, vollbringt aber dennoch den Spagat hin zu einer beeindruckend ruhigen und detaillierten Wiedergabe. Die Farben werden nicht übersättigt und eine Überschätzung ist nicht fest zu stellen, Bewegungen sind flüssig sowie fein gezeichnet.

Bilanzierend ist zu sagen, dass in den meisten Konstellation eine Berechnung des Filmbildes besser im Player oder Fernsehen/Projektor stattfinden sollte, da im Falle des AVR 460 merkliche Schwächen zu sehen sind. Bei der Aufbereitung von SD-TV-Signalen hingegen wird selbst der ambitionierte Hobbyist begeistert sein von der stabilen, ruhigen Hochrechnung des Bildes. Gesamtnote: Befriedigend - gut. 

Konkurrenzvergleich

  • Onkyo TX-NR1008: Der Onkyo klingt neutraler und frischer. Die Videosektion des 1008 ist auch nicht mehr auf dem neuesten Stand. An Audiofeatures hat der 1008 dafür nahezu alles mit an Bord, was zeitgemäß ist. 
  • Yamaha RX-V1067: Mit kräftiger Auslegung und toller Räumlichkeit ist der Yamaha ein sehr verheißungsvoller Kandidat. Seine attraktive Optik, die gute Videosektion und die hervorragende DSP-Bestückung sind ebenfalls sehr zu loben. 
  • Denon AVR-3311: Sehr homogen und auch detailreich klingend, überzeugt der 3311 mit typischen Denon-Tugenden. Die Videosektion ist prima, die Optik klassisch gehalten. Sehr gut gefällt auch die Multimediasektion.
  • Sony STR-DA3600ES: Mit Ethernet-Hub und Audio/Foto/Videostreaming-Fähigkeit ist der 3600 die erste Wahl für Multimediaanwender. Weniger überzeugt, wie beim HK AVR 460, die Anzahl der HDMI-Anschlüsse. Der Klang ist enorm dynamisch, die Videosektion ist durchschnittlich. 
Fazit

Kraftvoller Klang und schickes Design - der AVR-460

Harman Kardon hat mit dem AVR 460 begonnen die entstandene Lücke zur Konkurrenz zu schließen. Hierbei wurden drei sehr weise Entscheidungen getroffen: "Lieber Elementares gut, als vieles schlecht" - Die Implementierung der neuen Tonformat und die Neuentwicklung des GUI/OSD, des neuen Menüs sind hervorragend gelungen. "Usability" - Puristen und Profis mögen die gegebenen Optionen zu beschränkend sein, der normale Nutzer hingegen wird sich an der verständlichen und intuitiven Bedienung des AV-Verstärkers freuen. Es sind viele Hürden für Laien niedergerissen und den Ergebnissen der Marktforschung konsequent wie zielführend Rechnung getragen worden. "Klang" - für den Großteil der Anwender ist das Wichtigste an einem Verstärker immer noch der Klang, was Harman Kardon berücksichtigt hat. Der AVR 460 ist ein klar erkennbarer Vertreter seines Hauses mit einem sehr kräftigen Bass, etwas zurückgenommenen Mitten und enormen Dynamik- wie Pegelreserven. Der gut gewählte Evolutionsschritt besteht in einer präziseren, schnelleren Tiefton-, einer neutraleren Tiefton und einer frischer-spritzigeren Hochtonwiedergabe. Mit diesem Ergebnis hat Harman das Potential viele neue Kunden zu finden, denen der aktuelle Trend zu absoluter Neutralität etwas zu nüchtern ist. Wo Licht ist, da ist meist auch Schatten: Der Funktionsansatz der Videosektion ist im Sinne der normalen Allgemeinheit vorbildlich, nur die technische Umsetzung im Filmbetrieb mag hier noch nicht mithalten - was bei SD-TV schon wieder anders geartet ist. Die nicht existente multimediale Ausstattung entspricht nicht mehr dem Stand der Zeit - halb so teure AV_Receiver sind häufig schon mehr Schaltzentrale - und wird mitunter eine Hürde bei der Kaufentscheidung sein. Dennoch: Lieber nichts einbauen als eine Implementierung, die dem Kunden in den Frust treibt. Dies, zusammen mit der geringen Anschlussbestückung und der verbesserungswürdigen Verarbeitung, im Kontext des Kaufpreises, verhindern eine bessere Bewertung des AVR 460.

Kräftiger Klang und enorme Pegelfestigkeit trifft auf einfache Bedienung. Die Ausstattung fällt schmal aus

AV-Receiver Mittelklasse
Datum: 14. März 2011

+ gefälliger, kräftiger Klang
+ hohe Leistungsreserven
+ gelungene Neugestaltung des OSD
+ clevere Bedienungslogik
+ OSD-Aufruf ohne Ton- und Bildunterbrechung
+ Elegantes Design
+ Tadelloser innerer Aufbau
+ Sehr gute Fernbedienung mit Beleuchtung

- Videosektion im Filmbetrieb
- EQ entspricht einer Black Box
- Keine multimedialen Talente

Test: Thomas Hermsen
14. März 2011

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