TEST: Denon AVR-1912 - Flexible Netzwerk-Eigenschaften und herausragende akustische Performance für 549 EUR?

6. Juli 2010 (cr/phk/sw)

Einführung

Denon offeriert mit dem AVR-1912 in der unteren Mittelklasse einen leistungsfähigen und flexiblen AV-Receiver für 549 EUR UVP. Die von Denon als "Everyceiver" titulierte AV-Schaltzentrale bietet umfangreiche Netzwerk-Eigenschaften wie Zugriff auf Internetradio und last.fm/Napster, DLNA-Streaming, iPod-Direktanschluss, integriertem Airplay und mehr, zudem sorgt eine 7-Kanal Endstufe mit 125 Watt pro Kanal für ausreichenden Schub am angeschlossenen Lautsprecher-System. Mit Audyssey MultEQ-XT ist ein solides Einmess-System an Bord, ein Compressed Audio Restorer poliert komprimiertes Material auf. Selbstverständlich bietet der AVR-1912 HDMI 1.4-Anschlüsse mit ARC-Support und eine grafische Benutzeroberfläche. Ein weiteres Benefit des Denons ist der geringe Standby-Verbrauch, selbt bei Netzwerk-Standby soll der AVR weniger als 2 Watt benötigen. Akustische Qualitäten und Flexibilität liegen beim AVR-1912 im Fokus, wie sich der AV-Receiver in der Praxis schlägt, lesen Sie im Testbericht.

Key-Features in der Übersicht

  • Volldiskrete 7-Kanal-Endstufe mit 125 Watt (6 Ohm, DIN) pro Kanal und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten 
  • HDMI 1.4 mit 3D-Unterstützung und Audio Return Channel 
  • Pure Direct-Modus für optimale Klangqualität
  • Auto Setup und Auto Room EQ mit Audyssey MultEQ-XT inklusive verbesserter ALFC-Subwoofer-Korrektur für gleichzeitige Entzerrung von bis zu 8 Hörpositionen
  • Audyssey Dynamic EQ für knackigen Sound bei allen Pegeln 
  • Audyssey Dynamic Volume für optimale, sofortige Pegelanpassung unterschiedlicher Materialien oder Quellen
  • Dolby ProLogic IIz für den Anschluss zusätzlicher Höhen-Lautsprecher 
  • HDMI-Repeater mit 6 Eingängen und 1 Ausgang
  • Dolby TrueHD und DTS-HD 
  • Unterstützung von Deep Colour (30, 36 Bit) und xvYCC 
  • CEC-Protokoll
  • Compressed Audio Restorer für optimale Klangqualität von datenreduziertem Material
  • Digitale HDMI-Video-Konvertierung erlaubt die Verbindung zum TV mit nur einem HDMI-Kabel 
  • Ethernet-Schnittstelle: Streaming von MP3, WMA, AAC, FLAC, FLAC-HD und WAV-Audio-Dateien vom PC (DLNA Server), Internet-Radio mit mehr als 12.000
  • Stationen (MP3, WMA), Zugriff auf Flickr, Zugriff auf Online-Dienste Napster und Last.FM (Abonnements erforderlich), Steuerung/Setup des Receivers vom PC,
  • PDA, iPod, Firmware-Updates und –Upgrades
  • Denon Remote App für iPhone, iPod touch und iPad (im AppStore erhältlich)
  • Airplay-Musikstreaming integriert
  • USB-Schnittstelle zum Anschluss portabler USB-Massenspeicher, und vom iPod sowie iPhone und iPad* inkl. Digital Direct Play 
  • Unterstützung für eine zweite Hörzone (via zuweisbarer Surround Back-Endstufe)
  • Graphische Benutzeroberfläche (GUI) in 3 Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) für einfache Installation und Bedienung inkl. Überlagerung auf HDMI-Bild
  • Setup Wizard (Einrichtungsassistent)
  • Sleep Timer
  • Benutzerfreundliche Fernbedienung mit GLO-Keys
  • Extrem geringer Stromverbrauch in allen Standby-Modi: < 0,1 Watt (Normal) , < 1,5 Watt (CEC-Standby, ohne Signal), < 2 Watt (Netzwerk-Standby)
  • Lieferbar in Schwarz
  • Preis 549 EUR
Video-Überblick

 

Verarbeitung

Frontansicht

AVR-1912 Seitenansicht

Punktmatrix-Display an der Front

Lautstärke-Drehregler

Gerasterter Regler für die Quellenwahl

Saubere Passungen am Gehäuse

Rückseite gesamt

Unterseite

Standfuß im Detail

Innenansicht

Trafo

Elkos

Passiver Kühlkörper

Videoplatine

Beiliegende Fernbedienung

Audyssey-Messmikrofon

Schon beim günstigen Einsteigermodell Denon AVR-1312 wurden wir von der überzeugenden Materialqualität und Verarbeitungsgüte in den günstigen Preisklassen überzeugt. Der AVR-1912 ist mit 549 EUR UVP etwas teurer und enttäuscht keinesfalls. Die Frontblende aus einem Guß wirkt hochwertig und besitzt tadellose integrierte Bedienelemente. Die Druckknöpfe verfügen über einen ausgezeichneten Druckpunkt, sowohl der Lautstärke- als auch der Quellenwahlregler sind gerastert und bieten guten Lauf, der Quellenwahlregler ist ein wenig schwergängiger. Das Punktmatrix-Display löst sauber auf und ist auch aus einigem Abstand noch problemlos ablesbar, der Power-Button zeigt - wie von Denon gewohnt - mittels LED den Betriebszustand an. Die Passungen am Gehäuse sind sauber verarbeitet, das Spaltmaß ist gering und gleichmäßig. Auf der Rückseite befinden sich sauber integrierte Anschlüsse, die auch mehrmaligem Umstecken problemlos Stand halten, erwartungsgemäß finden sich für alle Lautsprecher Schraubanschlüsse, die auch für Bananenstecker geeignet sind. Rund um das Gerät finden sich für eine bessere Luftzirkulation Lüftungsschlitze, auch an der Unterseite, zudem großzügig dimensionierte Standfüße für exzellenten Stand im AV-Rack. Die mitgelieferte Fernbedienung wirkt nicht überfrachtet, bietet ein sehr gutes Layout und Tasten mit gutem Druckpunkt.

Anschlüsse

HDMI-Anschlüsse

Komponenten-/FBAS- und S-Video sowie der Subwoofer Pre Out

Analoge Cinch-Anschlüsse, FM/AM-Antenne

Lautsprecher-Schraubanschlüsse

Front AV-Eingänge und Setup-Mikrofonanschluss

  • 6 HDMI-Eingänge, 1 Ausgang

  • Komponenten-Video-Eingang

  • 2 FBAS-Videoeingänge, 1 Ausgang

  • S-Video-Eingang

  • 5 Stereo Cinch-Eingänge

  • Front AV-Eingang (FBAS/Stereo Cinch)

Menü, Setup und Konfiguration

Erstkonfiguration "Setup Wizard"

Lautsprecher-Konfiguration nach der Sprachauswahl

Messkonfiguration

Audyssey-Einmesssystem

Quellenkonfiguration

Anschluss des Netzwerkkabels

Überprüfen, ob das Netzwerk korrekt eingerichtet wurde

Menü

Hauptmenü

Sub-Menü Audio-Einstellungen

+

Manueller Audio-EQ

Pegel verschiedener Frequenzbänder

Compressed Audio Restorer

Information des gewählten Eingangs

Der Denon AVR-1912 bietet eine grafische Benutzeroberfläche am angeschlossenen Bildwiedergabegerät via HDMI. Das OSD ist optisch noch relativ einfach gehalten, bietet aber im Vergleich zum Vorjahresmodell, das noch komplett in Schwarz-Weiß und ausschließlich in Englisch gehalten war, eine hübschere Aufmachung und deutsche Sprache. Die Übersetzung der einzelnen Menüpunkte ist gut gelungen. Bei der ersten Inbetriebnahme öffnet sich zur ersten Konfiguration der Installations-Assisten "Setup Wizard", hier wird zunächst die Sprache eingestellt und dann entweder eine automatische Audyssey-Einmessung oder ein manuelles Einpegeln der Lautsprecher mit Test-Ton vorgenommen. Auch das Netzwerk-Setup kann hier schon vorgenommen werden, bei aktiviertem DHCP-Server im heimischen Netzwerk ist der AVR flott verbunden und stellt zur Überprüfung Verbindung zu einem Internetradio-Sender her. Im Hauptmenü können dann weiterführende Funktionen wie eine Eingangszuweisung, Einstellungen zum Audio Delay etc. vorgenommen werden. Insgesamt bietet das OSD des 1912 relativ umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten und ist dank der überarbeiteten optischen Aufmachung angenehm zu bedienen. Der Zugriff auf verschiedene DSP-Schaltungen ist auch über die Fernbedienung möglich.

Netzwerk & Multimedia-Features

USB

Bei Anschluss eines USB-Sticks muss die Formatierung des Mediums im FAT32-Format sichergestellt sein, NTFS-formatierte Medien werden nicht erkannt. Mit der Taste USB/iPod auf der Fernbedienung wird eine Übersicht der vorhandenen Netzwerkfunktionen geöffnet und "USB" kann ausgewählt werden, nun wird die Ordnerübersicht am angeschlossenen Display sowie am Front-Display angezeigt. Der Denon reagiert zügig auf Befehlseingaben und spielt auch Musik- und Fotodateien ohne Verzögerung kompromisslos ab. MP3, AAC, WMA und FLAC-Dateien in hoher Bitrate gibt der Denon wieder, außerdem JPEG-Bilddateien aber keine PNG- oder Bitmap-Dateien. Video-Dateien werden nicht wiedergegeben, dennoch sehen wir die Formatvielfalt im Musikbereich sehr positiv.

DLNA-Streaming & Airplay

Um zur DLNA-Funktion zu gelangen wird beim Eingang USB/iPod "Media Server" gewählt. Es öffnet sich eine Übersicht der im Netzwerk vorhandenen DLNA-Server und der gewünschte wird ausgewählt. Nun wird wie üblich in die Kategorien Musik, Photo und Video unterteilt, Musikdateien können dann weiter in Album/All Tracks/Artist/Folder/Genre und Playlists unterteilt werden, unter All Tracks findet sich eine Gesamtübersicht. Wie im USB-Betrieb werden hier MP3, AAC, WMA und FLAC-Dateien wiedergegeben, ebenso unter Photo JPEG-Dateien.

Um Airplay nutzen können muss der Denon Receiver sowie der die iTunes Mediathek beheimatende Rechner sich im selben Netzwerk befinden. In iTunes muss unter Bearbeiten/Einstellungen/Geräte die Optionen "Bedienen von iTunes von entfernten Lautsprechern aus zulassen" für Windows bzw. iTunes/Einstellungen/Geräte die Optionen "Bedienen von iTunes von entfernten Lautsprechern aus zulassen" für Apple aktiviert werden. Nun lässt sich über den Denon auf die Mediathek zugreifen. Wer zusätzlich einen iPod/iPhone oder iPad besitzt, diesen mit der Mediathek verbunden hat, kann mittels der App "Remote" auch bequem von der Couch aus seine Inhalte durchstöbern und abspielen ohne am Rechner zu sitzen. Obwohl unser Software-Stand einer Vorabversion entspricht gestaltete sich der Betrieb stabil und problemlos. Der Komfortgewinn und das Einsparen weiterer Geräte um seine iTunes Mediathek im Heimkino nutzen zu können sowie das Verwalten von nur einem Musikserver überwiegen unserer Meinung nach den Nachteil der Notwendigkeit, dass der Mediathek-Rechner permanent zu laufen hat und so konstant Strom verbraucht.

Internetradio, Last.fm, Napster & Flickr

Auf das Internetradio wird ebenfalls in der Auswahl USB/iPod zugegriffen. Der Denon AVR-1912 greift auf das Internetradio-Portal vTuner zu und bietet daher Zugriff auf über 12.000 Musiksender. Zunächst wird nach Land und empfohlenen Sendern unterteilt, aber auch "Kürzlich abgespielte Sender" können gewählt werden oder nach Stichworten gesucht werden. Mit einem Druck auf die "Memory"-Taste unten auf der Fernbedienung wird der gewünschte Sender einer Favoritenliste hinzugefügt.

Der AVR-1912 bietet neben dem kostenlosen Zugriff auf vTuner auch den Direktzugriff auf die kostenpflichtigen Inhalte von Last.FM und Napster, hier muss obligatorisch zunächst der eigene Nutzer-Zugang eingegeben werden und der Anwender authentifiziert. Sollte man noch über kein Konto verfügen, lässt sich auch mit dem Denon eines erstellen. Ebenfalls möglich ist ein Zugriff auf das Photo-Portal "Flickr", hier ist auch ohne Konto-Anmeldung Zugriff auf interessante Bilder-Galerien möglich, zudem ist eine Anmeldung kostenlos.

Direktanschluss iPod

Mit einem konventionellen iPod-Kabel kann ein iPod/iPhone und sogar iPad direkt am AVR-1912 angeschlossen und zur Musikwiedergabe genutzt werden. Die Steuerung kann mit der Fernbedienung erfolgen, die Titelliste erscheint sowohl am iPod als auch am angeschlossenen Bildwiedergabegerät. Auf Wunsch kann aber auch der iPod zur Steuerung genutzt werden.

Steuerung via PC

Steuerung via PC mit dem Browser

Bedienung der Multimedia-Features

Senderwahl

Titelauswahl am DLNA-Server

Bereits in dieser immer noch günstigen Preiskategorie bietet den Denon eine Steuerung des AVR-1912 mittels dem Web-Browser eines PCs, PDAs oder Smartphones an. Ist die IP-Adresse des Gerätes bekannt, wird diese einfach im Browser-Fenster in die Adresszeile eingegeben, alternativ kann die Seite auch über den Windows-Explorer unter Netzwerk geöffnet werden, hier erscheint ein Symbol mit der Kennzeichnung "DENON:AVR-1912", das nach einem Doppelklick zum Steuerungs-Menü hinführt. In der Praxis stellte sich die Bedienung noch ein wenig träge dar, der Seitenaufbau dauert stellenweise 1 bis maximal 2 Sekunden. Dennoch sind die Einstellungsmöglichkeiten überraschend komplex, neben essentiellen Funktionen wie der Eingangswahl und der Einstellung des Lautstärkepegels können verschiedenen Eingängen auch DSPs zugewiesen werden, selbst Pegeleinstellungen der verschiedenen Lautsprecher sind möglich. Zudem kann die gesamte Multimedia-Sektion inklusive Senderwahl bei Internetradio oder das DLNA-Streaming gesteuert werden, besonders in Kombination mit einem Smartphone wird hier ein klarer Benefit erzielt, die Steuerung mit einem Mobile Webbrowser gelingt identisch wie am PC. Selbstverständlich ist auch eine Bedienung mit der im iTunes-Store erhältlichen DENON Remote App möglich, diese ist allerdings lediglich für iPod touch, iPhone und iPad erhältlich.

Testequipment
Klang

Misst man den 1912 mit Audyssey ein, so stellen wir fest, dass sich auch dieses Einmesssystem im Vergleich zu älteren Generationen verbessert hat. Der Klang ist nicht mehr so langweilig und fade, sondern wirkt direkter und frischer. Sehr gut, das ist aber schon seit geraumer Zeit Audyssey-typisch, gefällt uns die sehr ausgewogene Front-Rear-Balance.

Der AVR-1912 verfolgt die aktuelle, sehr gefällige akustische Linie des Hauses weiter und schafft den schwierigen Spagat, nicht langweilig, aber gleichzeitig sehr harmonisch zu klingen. Die gekonnte und überlegte Auslegung zeigt sich z.B. bei „A New Day“, der Celine Dion-BD mit der Show aus Las Vegas. Die Dolby TrueHD 5.1 Tonspur begeistert mit einer natürlichen Räumlichkeit beim Titelsong, schon zu Beginn, als der Spiegel symbolisch zersplittert, ist die Ausbreitung der Scherben sehr gut gelungen. Im Gegensatz zu manchem Kontrahenten klingt der 1912 auch bei hohem Pegel nicht spitz oder überschärft, trotzdem ist das Geräusch authentisch wahrnehmbar und nicht unnatürlich abgeschwächt. Celines Stimme arbeitet der Denon sehr stimmig ein: Die instrumentalen Anteile gehen nicht unter, gleichzeitig aber erscheint die vokale Präsenz groß genug, dass sie den Hörer fesselt. Kleine Nuancen lässt der 1912 nicht aus, sondern arbeitet sie sogar in hinteren klanglichen Ebenen noch gut ein. Bei „Because You Loved Me“ können wir identische Eindrücke notieren - die feine instrumentale Ausarbeitung und die sehr plastische Integration der Stimme sorgen für ein kultiviertes und erwachsenes Hörvergnügen. Vergleichen wir bereits hier mit namhaften Konkurrenten – der Pioneer VSX-921 ist grobdynamisch noch etwas aktiver, der zerspringende Spiegel bringt noch mehr Verve und Schwung mit. Gleichzeitig aber wird der Pioneer auch tonal schärfer, er bringt mehr Unruhe ins Spiel und detailliert in den hinteren Ebenen nicht so versiert wie der 1912. Der Yamaha RX-V771 klingt neutraler, der Denon agiert minimal wärmer und milder und bringt mehr Punch im Bassbereich mit. Der Onkyo TX-NR609 klingt in den Höhen noch eine Spur samtiger, dafür gestaltet der Denon den Übergang Mitten-Bassbereich noch homogener aus. Wenden wir uns der „2L – the Nordic Sound“ Blu-ray-Audio zu. Hier beginnt die eindrucksvolle Vorstellung mit zwei Stücken von Wolfgang Amadeus Mozart – in beiden spielen diffizile Instrumente eine wichtige Rolle, nämlich Streicher und Klavier. Der Denon schafft es, den Instrumenten stets einen charismatischen Klang mit auf den Weg zum Hörer zu geben, gleichzeitig aber ermöglicht er ein ganzheitliches Hörerlebnis, aus dem nicht einzelne Anteile mit zu hoher Gewichtung herausragen. Der 1912 sorgt auch bei diesen beiden Musikstücken wieder für Furore, weil er im Vergleich zu älteren Generationen nochmals besser Kleinigkeiten heraus modelliert, gleichzeitig aber agiert er nochmals eine Idee harmonischer. Dass der AVR-1912 auch mit sehr nachdrücklicher Musik bestens zurecht kommt, zeigt sich dann bei „Back In Your Head“ von Tiesto, enthalten auf der BD „Elements Of Life – Copenhagen“ auf der 2. Disc. Die DTS HD Master Audio Tonspur punktet mit druckvollem Bass und einem sauberen sowie schnellen Effektaufbau. Hier hat Denon aufgeholt – besonders reaktionsschnell waren Denon AVRs früher nicht, seit den letzten Generationen aber hat sich viel getan und der AVR-1912 präsentiert sich wiederum als gekonnt weiter entwickelt. Die verschiedenen Bassstrukturen sind nicht einfach konturlos zusammen gelegt, sondern brillieren durch ihre ausgeprägte Differenzierung.

Der AVR-1912 präsentiert sich also als Harmoniespender und kultivierter Akustiker, diese Linie führt er auch im Filmtonbetrieb fort. Die tobende Menge in der Madagaskar-Sequenz von „Casino Royale“ besitzt eine klar definierte und als intensiv empfundene Räumlichkeit. Der Spannungsbogen, als 007 und sein Mitarbeiter den Bombenleger inmitten der Zuschauer ausmachen, wird auch musikalisch transportiert – und der Denon gibt den Music Score sehr lebendig wieder. Als der Bombenleger dann flüchtet und sich als Fluchtweg ausgerechnet eine Großbaustelle aussucht, nimmt 007 tollkühn und mit viel Tatendrang, teils aber etwas grobmotorisch die Verfolgung auf. Beginnend mit der Szene, als der große Radlader mit einem lauten Krachen in die Betonwand fährt, über kurze Schusseinlagen mit Handfeuerwaffen bis zur Gasexplosion managt der Denon alle Arten von Effekten souverän. Der Pioneer VSX-921 lässt es mit noch etwas mehr Nachdruck voran gehen, dies gleicht der Denon durch feinere Strukturen aus. Der Yamaha 771 klingt insgesamt zurückhaltender und schlanker, dafür tonal neutral und frisch. Der Onkyo TX-NR609 letzten Endes kleidet den Hochtonbereich des Music Scores samtiger aus und erreicht einen ähnlichen Nachdruck wie der Denon, der aber im Bassbereich noch eine Idee runder klingt. So hat jeder der Konkurrenten seine Vor- und Nachteile: Der Grobdynamikliebhaber nimmt den Pioneer, der HiFi-Freund den Yamaha, der Harmoniebefürworter den Denon und der Ästhetiker, der die Schönheit samtigen Klangs schätzt, den Onkyo. Diese Einschätzung bestätigt sich auch bei „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (Dolby TrueHD): Die Räumlichkeit, welche der 1912 in der weitläufigen Halle der AREA 51 erzeugt, ist für diese Preisklasse überragend, auch feine Geräusche wie das Verteilen des Pulverstaubs in der Luft zur Ortung magnetischen Materials gelingen ausgesprochen gut. Hier verbreitet der 1912 gekonnt das Flair höherer Preisklassen. Die kurz darauf folgende massive Auseinandersetzung, die mit der Flucht des Titelhelden aus der Halle endet, kommt sehr gut zur Geltung, die Fahrgeräusche und die heftigen Faustschläge sowie die durch die Halle donnernden Schüsse kommen sehr gut heraus. Aufgrund seiner Spezifikation und der klanglichen Auslegung arbeitet der 1912 mit einer Vielzahl von Lautsprechersystemen sehr gut zusammen. Um die Vorzüge bei Räumlichkeit und Bassbereich voll nutzen zu können, raten wir aber mit Nachdruck zum Kauf eines hochwertigen Lautsprechersystems – sehr gut passen hier z.B. Canton (Chrono-Serie, GLE) oder auch Nubert (nuBox, nuLIne). Bei Teufel können wir das System 5 THX Select 2 sowie das Theater 3 empfehlen. Da sich der Denon als solide pegelfest erwiesen hat, ist es auch kein Problem, wenn das ins Auge gefasste LS-Set kein Wunder bezüglich des Wirkungsgrades ist. Dass der 1912 ohne übertrieben heiß zu werden hohe Pegel schafft, beweist er uns bei „Iron Man 1“ – die Flucht von Robert Downey jr. alias Tony Stark Aus der Gefangenschaft mit dem ersten, eher provisorischen Iron Man Anzug wird akustisch eindrucksvoll dargestellt. Die erbitterten Feuergefechte wirken gerade aus räumlicher Sicht sehr realistisch, im Detail bietet hier der Pioneer VSX-921 mehr Nachdruck. Dafür löst sich beim 1912 der Sound besonders gut von den Lautsprechern und verteilt sich gleichmäßig im Hörraum. Mit seiner Performance kann man den 1912 auch in größeren Hörräumen ohne Probleme verwendet werden. Knapp unter 30 Quadratmeter können es sein, ohne dass beim normalen und auch beim anspruchsvolleren Hörer berechtigte Ängste aufkommen, das Gerät könnte am erhöhten Pegelaufkommen scheitern.

Zusätzlich kann man bei Mehrkanal-Filmen kann man auch PLIIz nutzen, dann hat man noch 2 Effektlautsprecher oberhalb der Frontlautsprecher, um die vertikal Effektebene zu weiten. Dies geschieht aber nicht mit dem Vorschlaghammer, sondern recht subtil. Bei „Star Wars Episode III“ erscheint uns die PLIIz Integration des 1912 als sehr gelungen, denn man merkt schon einen Gewinn an frontaler Effektkulisse, dieser drängt sich allerdings nicht auf. Auch Tonalität und Präzision verändern sich höchstens minimal. Dafür wirkt die Raumschlacht oberhalb von Corusant noch weitläufiger, gerade in dieser Sequenz kann man die Vorzüge von PLIIz genießen. 
Wenn wir Signale von Stereo aufpolieren, bietet sich entweder DTS Neo:6 oder auch Dolby Pro Logic an. Uns gefällt die PLII Integration besser, da die Räumlichkeit ausgeprägter ist und der Bass mehr Nachdruck besitzt. DTS Neo:6 wirkt der eigentlichen Auslegung des 1912 eher entgegen, der Klang wirkt weniger gehaltvoll und etwas indifferent sowie hoh. DTS Neo:6 ist weit davon entfernt, als schlecht eingestuft zu werden – ist aber im Detail eben nicht so ausgewogen wie PLII.

Im Stereobetrieb bietet der Denon einen fundierten Klang, der es, ebenso, wie wir es im Multichannel-Einsatz herausgehört haben, nicht an Räumlichkeit missen lässt. Der 1912 gefällt mit stabilem Bühnenaufbau, in Weite und Tiefe werden realistische Werte geboten. Durch die kultivierte Spielweise wirkt der Denon sehr erwachsen, der minimal warme Einschlag sorgt dafür, dass auch lange Hörsessions mit erhöhtem Pegel ohne Schwierigkeiten möglich sind.

Für stark komprimierte Musik (z.B. MP3- Files) steht der Compressed Audio Restorer zur Verfügung, der einen guten Job macht – den oftmals matten und emotionslosen Hochtonbereich gestaltet das DSP so gut „neu“, dass man manchmal gar nicht denkt, es mit einer MP3-Datei zu tun zu haben. Auch der Bass gewinnt an Gestalt, er wird voluminöser und kräftiger und legt zudem an Präzision zu.

Konkurrenzvergleich
  • Onkyo TX-NR609: Der Onkyo ist mittlerweile bereits zu sehr günstigen Marktpreisen zu ergattern und bietet Upscaling auf eine Auflösung von 1920x1080. Der Denon bietet zwar eine Analog-Digital Konvertierung und gibt zugeführte Signale via HDMI aus, deInterlaced das Signal aber lediglich. Der Onkyo kann ebenfalls eine iPod-Direktverbindung vorweisen und gibt Zugriff auf vTuner und verfügt über DLNA-Streaming, allerdings lediglich Musikdateien. Auf eine Steuerung mit Web-Browser müssen Besitzer eines Onkyo 609 verzichten, ebenso auf Audyssey Mult EQ XT, das im 1912 bereits integriert ist. Der 609 bietet eine dynamische Akustik mit ausgeprägter Räumlichkeit, besitzt aber nicht ganz die Detailfreude und Finesse eines Denon AVR-1912, im Hochtonbereich wirkt er noch etwas wärmer ausgelegt.

  • Denon AVR-1911: Während im letztjährigen Modell noch ein leistungsfähiger Video-Chip integriert war, setzt der aktuelle AVR-1912 die Prioritäten auf akustische Qualität und höhere Flexibilität. Neben nun 6 HDMI-Eingängen wurden auch die Netzwerk-Eigenschaften deutlich erweitert. Der 1912 verfügt über DLNA-Streaming, Internetradio-Zugriff und eine Steuerungsmöglichkeit über einen Web-Browser sowie Airplay-Integration. Ein iPod-Direktanschluss und Wiedergabe von einem USB-Medium ist natürlich ebenfalls möglich. Wenn es auch am OSD des 1912 noch Verbesserungspotential gibt, ist es optisch schon deutlich ansprechender als noch die Schwarz-Weiß Version des 1911, das lediglich in Englisch gehalten war. Bereits das letztjährige Modell bewies eine harmonische, angenehme Akustik, besonders in der Detaillierung und Feinzeichnung legt das aktuelle Modell aber zu.

  • Pioneer VSX-921: Der VSX-921 bietet mit toller Grobdynamik, kraftvollem Antritt und sehr klarem Sound bewährte Pioneer-Tugenden, doch auch der Denon AVR-1912 präsentiert sich pegelfest und mit feiner Durchzeichnung verschiedener akustischer Ebenen. Insgesamt legt der Denon etwas mehr Wert auf harmonische Balance und zeigt sich im Hochtonbereich etwas samtiger. Beide Geräte bieten umfangreiche Netzwerk-Eigenschaften mit Zugriff auf Internetradio, DLNA-Musik-Streaming sowie Airplay-Integration. Der Pioneer punktet mit ausgezeichneter Video-Upconversion, bietet aber lediglich 4 HDMI-Eingänge.

Fazit

Der Denon räumt bezüglich der akustischen Darbietung in der Preiskategorie der unteren Mittelklasse buchstäblich auf. Eine solch präzise, durchdifferenzierte und detaillierte akustische Kulisse konnten wir in diesem Preisklassen-Segment bisher kaum genießen. Der Denon setzt auf eine tonal eher harmonische und balancierte Auslegung und ist für längere Hör-Sessions bestens geeignet, das nötige Spektakel im Filmbetrieb muss man aber nicht vermissen. Pegelfest und mit ausgeprägter Räumlichkeit geht es in dichter Atmosphäre antrittsschnell und mit der nötigen Präzision zur Sache. Der Tieftonbereich wird kräftig und voluminös ausgeschmückt, ohne viel Kontur und Struktur zu lassen, Stimmen sind sauber integriert und auch der Hochtonbereich - mit leicht warmem Touch - gliedert sich gefällig in die Gesamtkulisse, kein Frequenzbereich wirkt zu präsent oder spielt sich zu hintergründig ab. Ebenso positiv können wir die Flexibilität im Multimedia-Bereich bewerten, abgesehen von der Wiedergabe von Video-Dateien bringt der Denon AVR-1912 alle wichtigen Features mit. DLNA-Streaming, Internetradio, iPod-Direktanschluss und sogar das früher kostenpflichtige Airplay ist out-of-the-box integriert. Ein weiterer Benefit stellt die Steuerung des Receivers über einen Web-Browser dar, so lassen sich ohne Bildwiedergabegerät beispielsweise die Netzwerk-Funktionen noch sehr komfortabel bedienen. Die mangelnde Scaling-Funktion im Video-Bereich ist sicherlich als negativer Punkt zu bemängeln, die Schwerpunkte wurden beim AVR-1912 aber schlichtweg anders gesetzt und aufgrund der überragenden Leistungen möchten wir dem Denon-Gerät unser Referenz-Prädikat nicht verweigern.

Flexible AV-Schaltzentrale mit umfangreichen Multimedia-Features und hervorragenden akustischen Leistungen

AV-Receiver untere Mittelklasse
06. Juli 2011

+ Hochwertige Verarbeitung
+ Harmonische Auslegung
+ Für die Preisklasse überraschend hohe Detaillierung der Klangkulisse
+ Ausgeprägte Räumlichkeit
+ 6 HDMI-Eingänge
+ OSD via HDMI mit Einrichtungs-Assistent
+ Flexible Multimedia-Eigenschaften
+ Formatvielfalt Multimedia
+ Steuerung über Web-Browser
+ i*-App
+ Geringer Standby-Verbrauch, auch im Netzwerk-Standby

- kein Video-Upscaling, lediglich DeInterlacing

Text: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Bilder + Video: Sven Wunderlich

Datum: 06. Juli 2011

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