TEST: Changhong L32F726 - Preisgünstiger TV für den Alltagsgebrauch?
19.07.2011 (phk)
Einführung
Der Hersteller für Unterhaltungselektronik Changhong ist aktuell
Marktführer im Bereich TV in China und möchte mit dem in Tschechien
produzierten L32F726 in den europäischen Markt stoßen. Für 299 EUR bietet
Changhong einen sehr preisgünstigen HDTV mit 32" Bilddiagonale und DVB-T
sowie DVB-C Tuner an. Der L32F726 bietet 4 HDMI-Anschlüsse, eine Auflösung von
1366x768 Bildpunkten und zwei USB-Slots für die Wiedergabe von Medieninhalten
und die Aufnahme digitaler TV-Sendungen. Der Changhong TV ist im Handel bei
Conrad und Euronics verfügbar. Ob der günstige HD ready TV im preisgünstigen
Einsteiger-Segment überzeugen kann, lesen Sie im Testbericht.
Verarbeitung
Seitliche Bedienelemente
Glas-Standfuß
Rückseite Standfuß
Nicht allzu geringe Bautiefe
Rückseite
Gesamtansicht Anschlüsse
Die Verarbeitung des Changhong TVs ist bezüglich der Geräte-Preisklasse im
Einsteigerbereich als gut und ordentlich zu bezeichnen. Der Changhong weist
allerdings eine nicht allzu geringe Bautiefe auf und die Anschlüsse könnten
etwas besser eingepasst sein, sitzen aber fest und wirken relativ robust. Der
aus Glas gefertigte Standfuß verhilft dem L32F726 zu einem hochwertigen und
angenehm optischen Look und wird lediglich mit vier Schrauben direkt an der
Unterseite des TVs befestigt. Die Fernbedienung überzeugt durch gute Haptik,
ein solides Layout und sauberen Tastendruckpunkt. Gesamtnote in Relation zur
Preisklasse: Gut - sehr gut.
Anschlüsse
Rückseitige Anschlüsse
HDMI, VGA- und PC-Audio via Klinke
Zwei weitere HDMI-Anschlüsse seitlich
USB-Slots und CI-Modul
Rückseite
HDMI 2x
Komponenten-Video-Eingang 2x
VGA + PC Audio
Scart-AV 2x
Stereo-Cinch Eingang 2x
RF Eingang
Seite
HDMI 2x
FBAS Video + Stereo Cinch Eingang
Common Interface
USB 2x
Der Changhong L32F726 entspricht mit 4 HDMI-Eingängen dem
aktuellen Standard und bietet sogar zwei Komponenten-Video-Eingänge. Seitlich
finden sich zwei USB-Eingänge für die Wiedergabe von Mediadateien. Gesamtnote
in Relation zur Preisklasse: Sehr gut - ausgezeichnet.
Menüs und Konfiguration
Sender-Menü
Bildeinstellungen
Toneinstellungen
Timer-Settings
Grundeinstellungen
Das Multimedia Center
Video-Equalizer
Farbtemperatur
Bildformat auswählen
Das Menü des Changhong L32F226 wirkt optisch durchaus
ansprechend und überzeugt mit durchschaubarem Layout. Die verschiedenen
Unterpunkte sind logisch untergliedert und sorgen für komfortable Bedienung.
Etwas negativ fällt das Ansprechverhalten auf, stellenweise reagiert der TV auf
Eingabebefehle etwas langsam. Positiv ist der relativ umfangreiche, integrierte
Video-Equalizer mit Einstellungsmöglichkeiten zu Kontrast, Helligkeit,
Farbsättigung, Bildschärfe, Farbton und Farbtemperatur zu bewerten, selbst
eine digitale Rauschunterdrückung ist mit an Bord. Verschiedene Presets sind
bei den Toneinstellungen zu finden sowie ein virtueller Surround-Modus.
Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut.
Netzwerk und Multimedia
Mediencenter
Der Changhong L32F726 öffnet nach Anschluss eines USB-Mediums
automatisch das Mediencenter, allerdings werden lediglich FAT32-Formatierte
Medien vom Changhong TV erkannt, das NTFS-Dateiformat wird nicht unterstützt.
Das Mediencenter kann im Hauptmenü oder direkt mit der Taste "DMP"
auf der Fernbedienung aufgerufen werden. Im Foto-Betrieb werden JPEG und
erfreulicherweise auch Bitmap- und PNG-Dateien wiedergegeben, bei großen
Bitmap-Dateien kann der Bildaufbau schon mal eine Sekunde dauern. Bei Musik
spielt der Changhong TV MP3-, AAC- und WMA-Dateien kompromisslos ab.
Video-seitig werden DiVX-Avi Dateien, MP4-Dateien und sogar MKV-Dateien
wiedergegeben. Der Changhong zeigt grundsätzlich die gesamte Ordnerstruktur und
alle auf dem Stick befindlichen Dateien an, bei nicht unterstützten Formaten
erscheint eine Fehlermeldung. Das Menü-Layout des Mediencenters ist zwar nicht
das optisch ansprechendste, aber leicht durchschaubar, Bilder und Videos werden
allerdings lediglich in einem Popup-Fenster angezeigt, ein Strecken des Inhalts
auf den ganzen Bildschirm ist uns im Testbetrieb nicht gelungen. Gesamtnote in
Relation zur Preisklasse: Sehr gut.
Bild
Casino Royale, Kapitel 2
Das zugespielte native 1080p24-Signal ruckelt erwartungsgemäß leicht am
Changong L32F726, anfälligen Zuschauern wird dies schnell auffallen. Die
eigentliche Bildpräsentation aber gelingt - relativ betrachtet - scharf und
detailreich. Die vielen zitternden Hände auf den Zuschauerrängen werden sauber
und ohne Mängel abgebildet. Bezogen auf die Plastizität bietet der Changong TV
keine sehr ausgeprägte räumliche Tiefe, zeigt aber im Hinblick auf die
verschiedenen Bildebenen schon Differenzierungsvermögen aus. Gut gelingt die
Detail- und Kantenschärfe besonders in Nahaufnahmen, selbst der Kontrast wirkt
ordentlich. Klar ist der Schwarzwert verbesserungswürdig und die inhomogene
Helligkeitsverteilung macht dem videophilen Zuschauer zu schaffen, bezogen auf
die Preisklasse bietet der L32F726 aber eine sehr solide und angenehm scharfe
Darstellung. Die Farbgebung ist sehr dynamisch und stellenweise zu intensiv,
hier können aber mit dem Video-EQ Verbesserungen vorgenommen werden.
Tuner DVB-C, DVB-T
In das 720p50 Signal der öffentlich-rechtlichen Sender muss der Changhong
nur geringfügig eingreifen und es auf seine native Auflösung von 1366x768
Pixeln skalieren. Die Bildruhe scheint hoch und Rauschen hält sich sehr
bedeckt, die Farbgebung wirkt dynamisch und auch im DVB-T Betrieb nicht
zurückhaltend. Die Bildschärfe ist nicht auf höchstem Niveau, dafür sind
auch nur geringfügig Treppenstufen oder sonstige Artefakte zu sehen. Die
Durchzeichnung und Strukturierung wirkt im Fokus sauber, im Bildhintergrund aber
etwas weicher und nicht ganz so ausgeprägt. Bei schwacher Materialqualität ist
obligatorisch Blöckchenbildung zu sehen. Insgesamt macht der Tuner aber einen
sehr soliden Eindruck, der sich bis über die Grenzen der Preiskategorie
behaupten kann.
Gaming
Der Changhong TV bietet ein stabiles und bewegungsscharfes Bild bei der
flotten Fahrt über die Rennstrecke. Die Farben gelingen recht dynamisch, wirken
aber nicht so poppig und intensiv wie man sie häufig von Videospielen kennt.
Der Input-Lag ist hier allerdings spürbar, bei schnellen Gas-Brems-Wechsel und
zügigen Lenkeinschlägen reagiert der Changhong erst nach einem Bruchteil einer
Sekunde. Oft wird dies nur geringfügig in den Spielfluss eingreifen, bei einem
reaktionsschnellen Spiel kann dies aber zu Nachteilen führen.
Star Wars Episode III, Upconversion Filmmaterial 576i -> 1080p:
Die Laufschrift zu Beginn der dritten Episode der Star Wars-Saga läuft in
satter Farbgebung ruhig nach hinten ab. Treppenstufen um die Buchstabenkanten
sind erkennbar, ab etwa der Bildschirmmitte wirkt die Darstellung etwas
unruhiger und einzelne Buchstaben beginnern zu zittern, insgesamt aber eine
scharfe und vergleichsweise ruhige Darbietung. Im hinteren Bildbereich bleicht
das satte Gelb ein wenig aus. Nicht wegzudiskutieren ist erhöhtes
Panelrauschen, im Sternenhimmel klar zu sehen. Die Vielzahl der Sterne kommt gut
heraus, der Schwarzwert ist in Ordnung, stellenweise fällt aber die inhomogene
Helligkeitsverteilung auf. Der Sternzerstörer beim Wechsel auf Kapitel 2 wird
scharf abgebildet und steht plastisch im Raum, die obere Objektkante zittert
zunächst und kommt auch in den folgenden Sekunden nicht gänzlich zur Ruhe.
Nicht ganz so ausgeprägt wirkt die Tiefenstaffelung und Plastizität in den
hinteren Ebenen beim Abknicken der kleinen Raumjäger auf Coruscant, hier
gelingt die Differenzierung der verschiedenen Ebenen nur schwach und die
Planetenoberfläche ist durch das Bildrauschen nicht so scharf auszumachen. Die
Farbgebung ist recht intensiv und dynamisch, aber noch in sich stimmig und nicht
zu strahlend. Die Bildschärfe ist insgesamt hoch und fördert den guten
Eindruck, muss aber aufpassen nicht zu überzogen zu wirken und dann
Treppenstufen und unschöne Artefakte auszubilden, dennoch wirkt die
Detaillierung bei den Nahaufnahmen in den Cockpits an Gesicht und
Kleidungsstücken sehr gut. Durchweg fällt das MPEG-Rauschen auf. Bezogen auf
die Preisklasse eine sehr gute Performance.
AVEC Professional TEST DVD, Upconversion Videomaterial 576i -> 1080p
Laufschriften vor farbigem Hintergrund: Die Laufschriften laufen noch gut
ablesbar vor allen verschiedenen Hintergründen ab, kommen aber schon in der
ersten Geschwindigkeit nicht völlig ohne Zittern aus. Nachzieheffekte
bleiben fast und bereits häufiger gesehene Artefakte komplett aus, auch die
Farbtrennung gelingt gut.
Schwingendes Pendel: Das Pendel zeigt zur Pendelspitze hin ausgeprägtere
Nachzieheffekte, auch die Linie über die das Pendel gleitet bleibt nicht
völlig stabil. Die Balken lassen sich aber der Mitte nicht mehr klar
differenzieren, insgesamt eine noch ordentliche Darstellung.
Stadtbild Esslingen, bewegt: Esslingen gelingt mit vergleichsweise hoher
Bildruhe und nur gering ausgeprägtem Scalingrauschen an den Hausdächern,
auch Struktur und Detail an Rasen, Pflastersteinen und Bäumen ist gut
ausgeprägt. Die Farben, besonders das Grün, ist aber zu intensiv und
verschluckt stellenweise Struktur.
Klang
Der Changhong LCD-TV schlägt sich akustisch nicht schlecht und zeigt im
alltäglichen TV-Gebrauch bei der Sprachwiedergabe mit gelegentlicher
Musik-Einlage kaum Schwächen auf. Selbst bei etwas höherem Pegel sind noch
keine Verzerrungsgeräusche oder eine Überforderung der intergrierten
Lautsprecher zu hören. Im Filmbetrieb fallen dann die üblichen Mankos eines
TV-Gerätes schnell auf, geringe Dynamik, wenig Differenzierungsvermögen und
ein matter Hochtonbereich. In dieser Beziehung ähneln sich aber der Großteil
der aktuellen Flachbildschirme und können allein aufgrund ihrer Bauweise keine
bessere Performance bieten. Bilanzierend eine durchschnittlich gute Leistung.
Fazit
Der Changhong L32F726 ist eine enorm preisgünstige Alternative für all
diejenigen Anwender, die noch nicht höchsten Wert auf Blu-ray Wiedergabe und
FullHD-Auflösung legen. Die fehlende 1080p-Auflösung und 24p-Wiedergabe macht
sich beim videophilen Anwender natürlich negativ bemerkbar, im alltäglichen
TV-Gebrauch fällt dies aber kaum negativ ins Gewicht. Die multimedialen
Features sind natürlich aufgrund fehlender Netzwerk-Features etwas begrenzt,
gut und mit hohem praktischem Nutzen ist aber die PVR-Funktion, mit der sich
TV-Inhalte auf einem USB-Medium aufnehmen lassen.
Preisgünstiger Alltags-TV mit einfacher Handhabung
LCD-TVs Einsteiger
Test 19. Juli 2011