SPECIAL: Multimediale Möglichkeiten und neue Verbindungswege bei modernen AV-Komponenten

22.06.2011 (cr)

Einführung

Das multimediale, vernetzte Zuhause ist längst Realität. Aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten, wie man Komponenten multimedial interagieren lassen kann, verlieren viele Anwender den Überblick. Wir haben viele der Möglichkeiten in diesem Special kurz zusammen getragen, damit Sie wissen, was heute bei der Gerätevernetzung möglich ist.

HDMI

Pioneer SC-LX73

Panasonic TX-L32DT30E 

Die moderne AV-Anlage im HD-Zeitalter wird in wesentlichen Zügen über HDMI verkabelt. Nur über HDMI gibt es 1080p/24 und (ab Standard 1.4/1.4a) den Audio Return Channel sowie die Möglichkeit, 3D-Signale weiter zu reichen. Vorsicht – man sollte zu den HDMI 1.4 Schnittstellen an TV/Beamer, AVR und TV auch HDMI 1.4 zertifizierte Kabel einsetzen. Gängiger Weg: Spielekonsole, Blu-ray-Player und HD-Satreceiver (sofern nicht im TV integriert) werden über HDMI am AV-Receiver angeschlossen und per HDMI-Monitorausgang zum TV oder Beamer transportiert.

HDMI mit neuen Möglichkeiten

 Dual Core 4 Zoll-Smartphone LG P990 Optimus Speed

Durch die Einführung des Micro HDMI-Ports sind nun auch Smartphones in der Lage, direkt HDMI-Signale auszugeben. Man kann oft im Menü die Auflösung des auszugebenden Signals einstellen. Moderne Hightech-Smartphones wie das LG Optimus Speed geben bis zu 1080p aus. So ist großes Bildvergnügen beim Direktanschluss an die Anlage garantiert. Vorsicht – manche Smartphones brauchen einen (meist kostspieligen) Adapter und haben keinen dedizierten Micro HDMI-Port (z.B. Adapter erforderlich beim HTC Sensation).

TV und Blu-ray-Player mit neuen Möglichkeiten

Der Fernseher von heute ist mehr als nur Fernseher. Er kann über viele aufregende, interessante Features verfügen – und auch moderne BD-Player haben eine Vielzahl von Funktionen.

Viera Cast bei Panasonic

Qriocity bei Sony - hier der Music on Demand Dienst

Samsung Smart Hub

Philips Net TV

• Gerade teurere Flachbildschirme oder BDPs können nicht nur kabelbasiert, sondern auch wireless ins Netzwerk eingebunden werden. Oft wird der aktuellste WLAN Standard n neben den älteren Standards b und g unterstützt. Einige TVs oder BDPs bringen für eine besonders einfache Verbindung zum Router sogar WLAN-Module mit WPS (WiFi Protected System) mit. Dann wird durch Drücken einer Taste am Router (der dann auch WPS supporten muss) oder durch Eingabe eines kurzen Zahlencodes die Verbindung hergestellt.
• Besteht eine Netzwerkverbindung mit Internetanschluss, kann die Firmware per Internet-Update auf den neuesten Stand gebracht werden
• Besteht eine Netzwerkverbindung mit Internetanschluss, kann der Anwender auf vordefinierte Internet-basierte Dienste zugreifen, z.B. auf Nachrichtenportale, Wetterportale, Internet radio-Applikationen Musikvideos, YouTube und mehr.
• Besteht eine Netzwerkverbindung mit Internetanschluss, bieten manche TV-Hersteller Download- oder Cloud-basierte Video-On-Demand-Dienste an. Während man z.B. bei Philips Filme nach Bezahlung herunterlädt, ist Sonys Qriocity bei Video- und Musikmaterial Cloud-basiert, das heißt, alles spielt sich auf dem Sony-Server ab.
• Besteht eine Netzwerkverbindung mit Internetanschluss, bietet z.B. Philips die Möglichkeit, ins freie Internet zu gehen.

Streaming bei MEDION

Media Player-Wiedergabemöglichkeiten bei Toshiba

WLAN-Einbindung - hier bei Toshiba


• Viele TVs und BDPs sind in der Lage, Dateien, die von einem Server oder PC im selben Netzwerk stammen, wiederzugeben. Man spricht hier vom „Streaming“. Allerdings kann beileibe nicht jede Datei, die auf PC oder Netzwerk als Audio-, Video- oder Fotodatei abgelegt ist, auch wiedergegeben werden. Gängige Formate sind MP3 (Audio), jpeg (Foto) und MPEG1/MPEG2/TS/MPEG1/DivX-avi (Video). Immer mehr TVs und BDPs kommen auch mit MKV (Containerformat) und WMV zurecht. Bitmap-Fotos und png-Bilder werden manchmal abgespielt, auch AAC- oder WMA-Audiodateien. Dass FLAC und Ogg Vorbis (Audiodateien) oder Quicktime (Videodateien) wiedergegeben werden, ist bei TVs und BDPs eher selten. Dass das Streamen auch klappt, dafür sorgt die DLNA 1.5 Zertifizierung, auf die man beim Kauf achten sollte.

HbbTV - hier bei MEDION 

HbbTV - Mediathek

• Viele TVs und BDPs haben USB-Eingänge. An diesen kann zum einen ein USB-Stick mit neuer Firmware angeschlossen werden (wenn der TV keinen direkten Access zum Internet hat), oder aber, die identischen Formate, die auch beim Streaming akzeptiert werden, können von einem USB-Stick eingelesen werden. Manchmal werden auch USB-Festplatten akzeptiert. Vorsicht – mit anderen Formatierungen als FAT32 kommen die wenigsten Geräte zurecht. 
• Es gibt eine Vielzahl an BDPs und Flachbildschirmen - und auch Heimkino-Komplettsysteme - die einen SD-Kartenslot mitbringen. In der Regel ist die Größe auf normale SD-Karten zugeschnitten und nicht auf MicroSD. Akzeptiert werden manchmal nur Fotos, manchmal auch die selben Formate wie beim Streaming oder bei der USB-Wiedergabe. 
• Neu bei TVs ist HbbTV. Hinter der kryptischen Bezeichnung verbirgt sich sozusagen Videotext 2.0. Neu ist die Verschmelzung von TV-basierten Inhalten mit internetbasierten Diensten. So kann man z.B. bei der ARD bei der HbbTV-Nutzung auf ein großes Online-Sendungsarchiv zurückgreifen und sich Sendungen, die man verpasst hat (in bescheidener Qualität, da aus dem Netz und man möchte ja keine langen Downloadzeiten bzw. haben nur wenige Anwender eine extrem schnelle Internerverbindung), anschauen. Auch gibt es ausführliche Programminformationen und einen modern sowie schick gestalteten Videotext mit vielen, aber sehr sinnvollen und übersichtlichen Einstellmöglichkeiten für den Anwender.
• Personal Video Recording (PVR): Vorbei ist die Zeit, als man im TV oder Satreceiver eingebaute Festplatten zwingend benötigte. Heute kann man an verschiedene TVs (z.B. von Samsung oder Panasonic) ein USB-Speichermedium anschließen. Wichtig – auf diesem darf in der Regel nichts anderes enthalten sein, man sollte es für den Einsatz als PVR-Aufnahmemedium komplett neu formatieren, sonst läuft nichts. Auch zu beachten ist, dass die erstellten Aufnahmen meist auch nur am entsprechenden TV und nicht z.B. auf dem PC betrachtet werden können.

AV-Receiver mit neuen Features

Wiedergabe von FLAC-Dateien, hier bei Pioneer

Internet Radio, hier bei Yamaha

• AVRs werden meist kabelbasiert eingebunden. Werksseitig eingebaute WLAN-Module oder mitgelieferte WLAN-Dongles sind hier selten anzutreffen und haben sich bislang nicht durchgesetzt. 
• Viele AV-Receiver sind mittlerweile streamingfähig, besonders bei Audiodateien. Video- und Fotoformate werden, wenn überhaupt, aktuell noch im eher geringen Umfang akzeptiert (z.B. bei Sony). Hier ist aber Besserung zu erwarten.
• Internet Radio: es gibt verschiedene Plattformen wie z.B. vTuner oder last.fm, von denen aus man kontrolliert und bequem auf nach Land und/oder Genre geordnete Sender des Internet Radio zugreifen kann. Vorsicht – manche dieser Plattformen sind kostenpflichtig (Napster), meist ist aber auch ein kostenloser Plattformdienst integriert. Nur sehr einfache AVRs haben eine geringe vorprogrammierte Senderauswahl, für mehr Sender muss der User die Adresse selber eingeben.
• USB-Medium: Viele AVRs haben USB-Anschlüsse. An diese kann aber nicht nur ein USB-Stick, sondern immer öfters auch direkt ein iPhone oder iPod angeschlossen werden. Teure optionale Docks, die über Systemanschluss Kontakt zum AVR aufnehmen und in die der iPod eingelegt wird, gibt es kaum noch. Bei Blu-ray-Receivern (Komplettgeräten) sind des Öfteren Docks integriert oder mitgeliefert. Ist das iPhone oder der iPod angeschlossen, können die für die Musikwiedergabe (selten auch Videowiedergabe) des iPods/iPhones erforderlichen Steuerungsvorgänge über die Fernbedienung des AVRs abgewickelt werden, inklusive GUI-Einbindung. 
• Firmware-Update: Auch AVRs können übers Internet oder aber mittels USB-Stick upgegradet werden.
• Steuerung über den Internetbrowser: Verschiedene Geräte können auch unter Eingabe der IP mittels des Internet Browsers vom PC aus konfiguriert und gesteuert werden. 

Neue Spezies: iPhone/iPod Touch/Android Smartphone-Apps

App bei Pioneer

Pioneer Air Jam

Mit diesen Apps, meist kostenlos vom Hersteller angeboten, können iPhone oder der iPod Touch die Steuerung der Heimkinoanlage übernehmen. Je nach Hersteller, sind die Steuerungsmöglichkeiten allumfassend oder eher rudimentär. Es gibt Apps für AV-Receiver, Blu-ray-Player, Streamingplayer, TVs und mehr. Da sich Android-basierte Handys und Smartphones immer besser verkaufen, ist davon auszugehen, dass es auch hier immer mehr Apps im Android Market gibt. Philips bietet z.B. auch seit kurzem eine Android-App an. Mehr und mehr gibt es auch iPad-taugliche Apps (z.B. von Pioneer oder Philips), die die höhere Auflösung des Tablets nutzen. Neu sind auch Apps für mehrere Teilnehmer - jeder kann sich hier einloggen, um seine Musik zu präsentieren (Pioneer Air Jam).

App bei Denon

App bei Sony 

Mediaplayer

Netzwerk-Player Western Digital TV Live Hub mit 1 TB HDD 

 Teufel MediaStation 6 mit 1 TBB HDD und DVB-T-Tuner

Wer einen TV ohne Netzwerkfunktion hat, aber trotzdem gern streamen möchte, greift zu einem ab rund 90 EUR erhältlichen Mediaplayer. Dieser wird über HDMI eingebunden (Eingangsseitig an den AVR), über dessen Monitor-HDMI-Ausgang kann dann das Signal bei Anwahl des entsprechenden Eingangs an den TV geschickt werden) und ist meist in der Lage, deutlich mehr Formate zu erkennen und wiederzugeben. Auch Mediaplayer können kabelbasiert oder per WLAN (entweder USB-Stick oder eingebaut) ins Netzwerk eingebunden werden. Per Netzwerkupdate kommt die neueste Firmware in den Mediaplayer. Immer mehr Mediaplayer unterstützen auch vorkonfigurierte internetbasierte Dienste wie YouTube. Teurere Geräte haben oft eine eingebaute Festplatte (HDD) mit 500 oder gar 1000 GB. Manche Geräte weisen sogar DVB-T-Tuner auf (Teufel Mediastation 6 z.B.)

Smartphones und das Thema Streaming

Streaming hier bei HTC

Wer ein DLNA 1.5-zertifiziertes Smartphone sein eigen nennt, kann bezüglich der Streamingoptionen richtig Gas geben. Bis zu drei Möglichkeiten gibt es:
1. Das Streaming von Dateien (Musik, Video, Foto) vom Smartphone zum TV oder BDP
2. Das Streaming von Dateien vom Netzwerkserver oder PC aufs Smartphone

Das Smartphone bezieht Dateien vom PC oder vom Server und weist diese einem kompatiblen Mediaplayer (TV, BDP…) zu. Das Smartphone fungiert in diesem dritten Fall sozusagen als „Mittler“. 

Komplette Netzwerk-Audiosysteme – Musik in jedem Raum

Philips Streaming/Netzwerkplayer

Aufwändige Multiroom-Systeme braucht man nicht mehr – vielmehr ist es möglich, einen zentralen Server mit Audiodateien aufzustellen, der dann verschiedene angeschlossene Streaming-Clients mit Musikdateien, meist wireless, bedient. Mehrere Räume können so unterschiedlich beschallt werden 
Und zwar ohne großen Konfigurations- oder Installationsaufwand. Teufel bietet mit Raumfeld by Teufel beispielsweise solche Lösungen. Sonos ist ebenfalls für Multiroom-Netzwerkmusikplayer bekannt, und Philips drängt mit seinen Streamium-Produkten in den Markt. 

High-End und das Netzwerk – audiophile Netzwerk-Musikplayer

Yamaha Musik-Netzwerkplayer NP-S2000

Es muss nicht immer stark komprimiert und billig sein, es geht auch verlustfrei komprimiert (z.B. FLAC) oder gar nicht komprimiert (WAV.) und teuer. High-End-Musik-Netzwerkplayer (z.B. von Yamaha oder Audionet) sind „in“. Meist werden diese Geräte, ausgestattet mit feinsten Baugruppen, nur für die Einbindung ins kabelbasierte Netzwerk angeboten, damit man eine optimale Übertragungsqualität realisieren kann. Kostenpunkt ist meist ab rund 1500 EUR, es gibt aber auch Mittelwege aus Kosten und Qualität (neuer Denon Netzwerkplayer für die Stereo-Komponentensysteme, vorgestellt auf der High End 2011. 

Fazit

Die Möglichkeiten sind riesig, und meist ist die Konfiguration deutlich einfacher, als man es sich ausgemalt hat: Dank einer stetigen Weiterentwicklung der Internet- und Netzwerktechnologien kann man sich heute ohne größere Probleme ein leistungsfähiges multimediales Netzwerk zu Hause aufbauen, dem Umfang und der Güte sind kaum Grenzen gesetzt.

Text: Carsten Rampacher
Datum: 22.06.2011

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD