TEST: Apple iPhone 4S - bestes Smartphone aller Zeiten?

31.10.2011 (cr)

Zuerst war die Enttäuschung groß - anstatt einem "richtigen" iPhone 5 kam "nur" eine Evolution von Bestehendem (iPhone 4) in Form des iPhone 4S. Für das abendliche Posing in der Bar ist das iPhone 4S gänzlich ungeeignet, denn es sieht exakt gleich aus wie der enorm verbreitete, weiter gebaute und nun auch in 8 GB verfügbare Vorgänger. Das in weiß oder schwarz lieferbare 4S ist etwas schwerer, aber das merkt niemand. Ab 629 EUR ist es zu haben und somit teuer, auch das ist nichts Neues. Die Mängel der Vorläufer sind Apple-Kult und somit auch nicht verschwunden. So ist der Akku immer noch fest eingebaut und eine nachträgliche Möglichkeit zur Speichererweiterung gibt es auch nicht. Dafür kann der Kunde, sofern er 849 EUR übrig hat, zu einer 64 GB Version greifen, die neu dazu gekommen ist und auch Speicher-Fanatikern zumindest vorerst genügen dürfte. Was also ist neu am iPhone 4S, laut Apple "dem besten iPhone, das es je gab?" (auch dieser Slogan ist übrigens nicht wirklich neu) ? Das Betriebssystem iOS5 ist es auch nicht, dieses haben wir bereits ausführlich vorgestellt und darauf gehen wir in diesem Bericht nur noch am Rande ein. Wirklich neu und iPhone 4S-exklusiv ist zunächst der Dual Core A5-Chip, der eine deutlich höhere Arbeitsgeschwindigkeit zulassen und dafür sorgen soll, dass die versammelte asiatische Smartphone-Elite nicht mehr links und rechts am zwar auch in Asien gebauten, aber in den USA entwickelten Imageträger vorbeizieht. Und damit das iPhone richtig auftrumpfen kann, wurde ihm in der 4S-Version ein "Siri" genannter, mit weiblicher Stimme sprechender Assistent spendiert, der auf mündlich gegebene Befehle reagiert: Spricht man "Wettervorhersage", kommt gleich die Wettervorhersage inklusive Prognose ("Regenschirm mitnehmen") oder wer "Börsenkurse" sagt, bekommt das Neueste von den Aktienmärkten serviert. Auch kann man "Notizen" aufrufen - dann ist Siri bereit, Sprache in Text zu verwandeln. Außer Siri ist die 8 MP Kamera neu, die zwar keine im Trend liegende Doppellinsenoptik für die 3D-Aufnahme besitzt, dafür aber laut Apple enorm hochwertig sein soll. Videos nimmt das 4S nun standesgemäß in 1080p mit 30 Frames/Sekunde auf - das ist allerdings keinesfalls ein revolutionäres neues Feature, sondern war dringend nötig, um nicht den Anschluss zu verlieren.

In der Store-App gibt es einen Überblick über die Hauptmerkmale des iPhone 4S

Die Preise sind deftig - unter 629 EUR geht nichts, aber das sind wir von Apple gewohnt. Im Test: Die weiße 32 GB Version für üppige 739 EUR

Besser geworden: Fotokamera

Wurde beibehalten - das Retina Display. Bezüglich der Darstellung nach wie vor gut, wir denken aber, es gibt vom Stromverbrauch her deutlich sparsamere Displays

Was hat sich nun in der Praxis getan? Wir freuen uns ersteinmal über den schnelleren Prozessor. Er sorgt in allen "Lebenssituationen" des iPhone 4S für spürbar zügigeres Arbeiten. Ganz gleich, ob man im Netz surft oder ein Spiel spielt, alles geschieht schneller, nahtloser, flüssiger. Gerade beim Gaming merkt man: Wo es früher noch ruckelte, herrscht jetzt eitel Sonnenschein, was den Spielspaß merklich steigert. Wer viele Apps auf seinem iPhone hat, wird sehen, dass das iPhone nicht mehr wie früher langsamer wird. Multitasking geht flüssiger, das Aufmachen von Programmen geht deutlich flotter. Kaum ist der Befehl gegeben, schon hat das 4S ihn umgesetzt. Videos, die man betrachten möchte, werden deutlich schneller geladen und in exzellenter Qualität wiedergegeben, wir kennen hier kaum ein Smartphone, das so wenig Ruckelneigung zeigt und gleichzeitig ein so scharfes sowie detailreiches Bild präsentiert. Im Weg ist dem iPhone nur sein nach heutigen Maßstäben zu kleines Display - hier haben Konkurrenten wie das HTC Sensation oder das LG Optimus 3D P920 dann die Nase vorn, denn auf 4,3 Zoll ist der Spaß, Videos zu betrachten, einfach größer - wobei das LG zeigt, dass schiere Größe allein auch nicht reicht, denn die schmale 800 x 480er Auflösung sorgt für wenig Begeisterung. Das Display des iPhone 4S beeindruckt nach wie vor mit Farbbrillanz, Schärfe, Detailtreue und einem guten Blickwinkel. Stromsparer Nummer 1 ist es allerdings nicht und dürfte auch mit für die nach wie vor sehr bescheidene Akkulaufzeit sein: Nach einem Tag ist spätestens eine neue Ladung fällig, nutzt man das iPhone 4S so, wie es eigentlich auch genutzt werden möchte - intensiv. Das hilft auch das steife Gehäuse und die hochwertige Materialanmutung, die immer noch einen deutlichen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz erkennen lässt, wenig: Der Akku ist leistungsschwach. Übrigens, da wir gerade beim Meckern sind: Nach wie vor ist das Grundmenü nur im Hoch- und nicht im Querformat verfügbar. 

In den "Allgemein" Einstellungen kann Siri aktiviert werden

Siri-Einstellungen

Klappt super - Aktienkurse werden auf sprachlich geäußerten Wunsch gleich angezeigt

Klappt auch gut - die Wettervorhersage erscheint nach mündlicher Anforderung

Kurze Notizen werden korrekt von Sprache in Schrift umgewandelt

Bei längeren Texten hapert es noch etwas an der akkuraten Umsetzung. Auch wenn man gleichmäßig und klar spricht, ist nicht automatisch alles richtig

Kommen wir zu Siri, dem Assistenten - entweder hält man das iPhone ans Ohr oder hält die Home-Taste gedrückt, dann startet Siri durch. Sprachliche Wünsche wie "Wettervorhersage" und "Aktienkurse" versteht Siri ebenso wie richtige Sätze: "Brauche ich einen Schirm?" wird dann, sind die Ortungsdienste für die Ortung des iPhones aktiviert, gleich beantwortet: "Ich glaube nicht, dass du an Ort XY einen Schirm brauchst". Als "Beweismittel" kommt die Wettervorhersage für die nächsten Tage. Auch wenn man eine Erinnerung erstellen möchte, kann man zu Siri sagen: "Erinnere mich am 21. September an Philipps Geburtstag" - und Siri erstellt eine Erinnerung. Auch kurze, gesprochene Notizen versteht Siri oft korrekt, während es bei längeren gesprochenen Texten noch zu teils etwas ulkigen Fehlern kommt - siehe oben. Insgesamt aber ist Siri eine Bereicherung und erleichtert gerade das Erledigen alltäglicher Aufgaben. Die Fähigkeiten von Siri reichen sehr deutlich über das hinaus, was mit bislang bekannten, konventionellen Sprachsteuerungen möglich ist. 

Bildqualität mit 8 MP Kamera: Natürliche Farben, gute Schärfe, kaum Rauschen

Immer noch tadellos: Ausschnittsvergrößerung aus Foto 1

Sehr gute Plastizität, sehr gute Detaillierung - das können viele kompakte Digitalkameras bei weitem nicht so gut, und auch der Großteil der Smartphone-Konkurrenz muss sich hinten anstellen

Foto mit maximalem Zoom, Beispiel 1

Foto mit maximalem Zoom, Beispiel 2

Unscheinbar - hinter dieser kleinen Linse verbirgt sich leistungsstarke Technik im Kleinformat

Ohne Blitz und bei gedämpftem Licht: Sehr gute Qualität, tadellose Lichtempfindlichkeit

Kaum noch Licht vorhanden, aber immer noch  ist das Motiv zu erkennen

Auch auf diesem Bild zu sehen - nochmals ein Sprung vom iPhone 4 aufs 4S hinsichtlich der Bildqualität

Ganz weit nach vorn katapultiert sich das iPhone 4S mit der 8MP Kamera und der 1080p/30 Frames/s Videoaufnahme. Die Fotos überzeugen auf der ganzen Linie. Bei Tageslicht erscheinen Aufnahmen draußen und drinnen gestochen scharf und farbecht. Das Bild hat eine sehr gute Tiefenwirkung und rauscht praktisch nicht. Kleine Details, auch in hinteren Bildebenen, werden exzellent heraus gearbeitet. Stark konstrasierende Motive werden ohne Überstrahlungseffekte eingefangen. Bei gedämpftem Kunstlicht am Abend werden auch ohne Blitz noch hervorragende Bilder ermöglicht. Stets geht das Fokussieren schnell, verwackelte Bilder gibt es kaum noch, sofern man eine einigermaßen ruhige Hand hat. Auch das Heranzoomen von Objekten mit anschließender Aufnahme gelingt gut. Selbst dann, wenn kaum noch Licht vorhanden ist, wird das fotografierte Objekt noch gut sichtbar präsentiert. Sehr zu loben ist auch das geringe Rauschverhalten. Rauschen ist bei weniger Licht zwar sichtbar, hält sich aber im absolut erträglichen Rahmen. Der Blitz ist für ein Smartphone relativ leistungsstark und ermöglicht eine gute, gleichmäßige Ausleuchtung, sogar wenn man einen kleinen Raum nachts mit Blitz fotografiert, ist alles sehr gut zu erkennen. Die Videoaufnahmen hinterlassen einen exzellenten Eindruck - so gut waren vor 2 Jahren hochpreisige Consumer-Camcorder nicht aufgestellt. Scharf, mit flüssigem Bewegungsablauf, farbecht und auch bei Kunstlicht am Abend noch prima zu erkennen - wieviel Camcorder im iPhone 4S steckt, ist schon sehr erstaunlich. Hier kann man getrost selbst auf teure kompakte Digitalkameras verzichten und sich nur mit dem iPhone 4S bestücken. Sogar bearbeiten kann man Fotos und Videos gleich auf dem iPhone, hierbei helfen. Für die Videobearbeitung ist iMovie zu empfehlen, eine kleine Fotonachbearbeitung gibt es gleich in der Fotovorschau. 

Zeitungskiosk

Stetig wachsendes Angebot

iCloud

Was gibt es ansonsten zum iPhone 4S zu sagen? Die Erstkonfiguration ging auch mit alter, zurechtgeschnittener und nicht nativer MicroSIM problemlos, in kurzer Zeit war das iPhone 4S - ohne jede Fehlermeldung bei der Wiederherstellung aus dem Komplett-Backup eines iPhone 4 - einsatzklar. Das leidige Antennenproblem mit Gesprächsabbrüchen etc. - von diesem war bei unserem Testgerät nichts mehr zu merken, wir haben keinen Gesprächsabbruch verzeichnen müssen, auch scheint im Gesprächs-  und Datenverkehr die Empfangssensitivität gestiegen zu sein - wenn auch nicht so hoch, wie wir es gern gehabt hätten, aber bei schwächerem 3G-Signal springt das iPhone 4S nicht mehr sofort von 3G nach Edge und sorgt so oft für Abbrüche bei Internet-Ladevorgängen. Dank schnellerem HSPA kann man im 3G Betrieb und in der Großstadt nun noch effektiver im Netz surfen und freut sich gerade bei komplex gestalteten Internetseiten oder bei Videos über deutlich gesunkene Ladezeiten. Zusammen mit dem schnellen Prozessor konnte so eine deutliche Performance-Steigerung erzielt werden. Dass iOS 5 viele neue Möglichkeiten bietet, haben wir schon erläutert, das gilt natürlich auch in Verbindung mit dem iPhone 4S. Besonders zu nennen wären iCloud und der neue Zeitungskiosk. 

So bleibt ein insgesamt positiver Gesamteindruck zurück - mit herausragender Kamera, die zeigt, dass eine rundherum erstklassige Foto- und Videoqualität mehr Wert ist als der 3D-Hype, den niemand braucht, und der tollen Assistentin Siri, die zwar im Detail noch Schwächen zeigt, aufs Ganze bezogen aber eine kleine Revolution ist und den Weg in die Zukunft weist. Dank modernem Doppelkernprozessor arbeitet das iPhone 4S nun schneller und effektiver, dazu passen auch neue schnelle Übertragungsstandards wie HSDPA mit bis zu 14,4 Mbit/s (ob die Geschwindigkeit tatsächlich erreicht wird, ist von Aufenthaltsort, Handyvertrag und Anbieter abhängig) und Bluetooth 4.0 (3.0 wurde von Apple übersprungen). Gaming, Videos anschauen und Multitasking - auch hohen Anforderungen wird das iPhone 4S nun gerecht. Apropos hoch - das ist nach wie vor der Preis, aber auch das ist nichts neues, und niedrig, auch hier keine Revolution, ist nach wie vor die Akku-Performance. Hier schwächeln aber auch ein Großteil der Konkurrenten deutlich. Ob ein Hype um das iPhone 4S gerechtfertig ist - diese Frage möchten wir an dieser Stelle nicht beanworten. Enttäschung ist aber keinesfalls angesagt: Nüchtern ausgedrückt ist das iPhone 4S ein sehr teures, sehr gutes, enorm leistungsfähiges, hochwertig verarbeitetes Smartphone mit unterdimensioniertem Akku, das auf ein extrem üppiges App- und Zubehörangebot zurückgreifen kann.

Das iPhone 4S ist optisch nicht verändert worden, brilliert aber technisch mit Dual Core-Prozessor, erstklassiger Kamera und der talentierten Siri

Smartphones Luxusklasse
Test 30. Oktober 2011

+ Extrem schnell und leistungsfähig
+ Bluetooth 4.0 und schnelles HSDPA
+ Siri
+ Erstklassige 8 MP Kamera
+ Überragende 1080p Videoaufnahmen
+ in 3 Speichergrößen bis zu 64 GB lieferbar
+ Hervorragende Verarbeitung
+ Riesiges App-Angebot
+ Gigantisches Zubehörangebot

- Hoher Preis
- Akkuleistung
- Nach heutigen Maßstäben kleines Display

Technische Daten: http://www.apple.com/de/iphone/specs.html

Test: Carsten Rampacher
Datum: 31.10.2011

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