SPECIAL AVR/AV-Verstärker alt gegen neu - ältere Performance-Asse gegen
moderne Modelle
12.04.2011 (cr)
Einführung
Oft werden wir von unseren Lesern gefragt: Wie schneiden ältere, damals im
Test hervorragende AV-Receiver gegen aktuelle, erst kürzlich erschienene
Modelle ab? Anhand verschiedener, umfangreicher Vergleiche sind wir dieser Frage
im folgenden Special auf den Grund gegangen.
AV-Receiver

Susano SC-LX90
Es ist noch gar nicht so lange her, da sorgte der Pioneer AV-Verstärker Susano SC-LX90
für Furore im Testraum. Mit den bärenstarken digitalen Endstufen konnte er
neue Bestwerte bezüglich Pegelfestigkeit bei AV-Vollverstärkern/Receivern
erzielen. Grobdynamisch weit über dem Durchschnitt, entpuppte er sich als eine
Heimkino-Powermaschine reinsten Wassers. Auch den Boliden-Kollegen erteilte er
in den beiden genannten Disziplinen eine teils heftige Lektion. Die todschicke
Optik und die exzellente Verarbeitung waren weitere Pluspunkte, ebenso das
ausgezeichnete automatische Einmess- und EQ-System MCACC, damals in neuester
Ausbaustufe. Einen direkten Nachfolger hat Pioneer bislang nicht präsentiert
und unserer Meinung nach wohl auch nicht geplant. Wahre "AV-Boliden"
der 6000 bis 7000 EUR-Liga sind offensichtlich eine aussterbende Rasse. Aktuell
markiert von den neuen Modellen der Pioneer AV-Receiver
SC-LX83 die Speerspitze - ein toller AV-Receiver mit moderner
Ausstattung.

Pioneer AV-Receiver
SC-LX83
Wie also verhält es sich? Lohnt es sich noch, vielleicht sogar relativ
günstig als Gebrauchtgerät, einen SC-LX90 einzukaufen, oder aber nimmt man
besser das neuere, aber kleinere Modell? Wie in den meisten Fällen kann man
auch hier keine allgemein gültige Antwort geben. Der neuere SC-LX83 ist fürs
3D-Zeitalter gerüstet, er hat HDMI 1.4. Damit kann der SC-LX90 nicht dienen.
Was macht also der Anwender, der die Kombination SC-LX90 und 3D unbedingt
realisieren möchte? Er benötigt einen BD-Player mit 2 simultan arbeitenden
HDMI-Ausgängen wie den neuen Panasonic DMP-BDT310 oder dessen Vorgänger, den Panasonic
DMP-BDT300. Dann geht eine HDMI-Leitung zum Bildwiedergabegerät und eine
zum AV-Receiver. So kann man auch mit einem AVR ohne HDMI 1.4 eine akkurate
3D-Wiedergabe realisieren. Eines im Übrigen eint die beiden Pioneer - die
Videosektionen sind zwar gut, setzen aber keine Maßstäbe. Spielte der SC-LX90
damals noch weit vorn mit, gibt es mittlerweile Besseres vor allem bezüglich
des De-Interlacings, der SC-LX83, obwohl aktuelles Modell, setzt aber auch keine
Glanzlichter. Besser bestellt ist es um die multimedialen Qualitäten des neuen
Modells - allerdings lediglich wegen der Internet Radio Option, die dem Susano
fehlt. Streamingfähig und für den iPod geeignet ist auch der SC-LX90 bereits.
Akustisch ist der SC-LX83 "milder" geworden, er tritt sensibler auf
als der SC-LX90, der mehr Härte und Nachdruck im Klangbild platziert. Von
seiner Faszination hat der SC-LX90 nichts eingebüßt, und bis auf die fehlende
HDMI 1.4 Unterstützung ist er auch noch absolut zeitgemäß. Wer also z.B.
gebraucht in sehr gutem Zustand günstig an einen SC-LX90 kommt, kann
zuschlagen. Wer einen hochmodernen, klanglich sehr talentierten und exzellent
ausgestatteten HDMI 1.4 AVR sucht, greift zum SC-LX83.

Denon AVC-A1HDA
Wie sieht es bei Denon aus? Hier beeindruckte uns der AV-Vollverstärker Denon AVC-A1HDA mit Denon Link 4th
zutiefst. Mit sehr gutem Einmesssystem, herausragender akustischer
Gesamtharmonie und, in Verbindung mit einem entsprechenden Denon BD-Player, mit
dem hervorragenden Denon Link 4th für jitterfreie Signalübertragung schnürte
Denon ein beispielhaftes Gesamtpaket. Und es geht noch weiter, denn wie vor
kurzem bekannt gegeben wurde, offeriert Denon auch ein Update auf HDMI 1.4 - und
noch mehr: Zusätzlich zu der 3D-Pass-Through-Unterstützung für 3D-Blu-ray
Disc-Player enthält das Upgrade auch die Surround-Sound-Erweiterung Dolby
ProLogic IIz. Damit können zwei weitere Lautsprecher in der frontalen Höhe
angesteuert werden. Audyssey DSX bietet noch zwei zusätzliche Lautsprecher in
der Breite für die Wiedergabe von Musik und Filmen. Das Hardware-Upgrade
beinhaltet zudem das Audyssey MultEQ XT32 Raumeinmesssystem, welches die
Eigenschaften des Raumes misst und klanglich optimiert – laut Denon 32-mal
genauer als das MultEQ XT-System, welches durch das Upgrade ersetzt wird. Frage
ist lediglich, ob aufgrund der schrecklichen Ereignisse in Japan das Upgrade
pünktlich verfügbar sein wird - Entschuldigung an unsere darauf wartenden
Leser, aber das Allerwichtigste ist erst einmal, dass die unvorstellbar
grausamen Zustände in Japan schnellstmöglich abgeändert werden.
Zurück zum AVC-A1HDA. Mit Top-Verarbeitung, feiner akustischer Verteilung
und nach wie vor tadelloser Videosektion empfiehlt sich der AV-Vollverstärker
für Heimkino-Enthusiasten, die höchste Ansprüche stellen und zugleich Wert
auf ein schlüssiges Bedienkonzept legen. Lediglich die Fernbedienung weiß
nicht in letzter Konsequenz zu begeistern, hier merkt man mittlerweile, dass es
neuere Konzepte gibt.

Denon AVR-4311
Vergleichen wir diesen Boliden mit einem vor kurzer Zeit neu erschienenen,
ebenfalls exzellenten Denon: Der Denon AVR-4311
dürfte - sorry, AVC-A1HDA - für die meisten Einsatzzwecke mehr als ausreichen.
Er klingt derartig gut, dass selbst erfahrene Anwender sich durchaus vorstellen
könnten, dass ein reinrassiger Bolide am Werk ist. Die Ausstattung ist
umfassend und zeitgemäß, Apple AirPlay lässt sich gegen Aufpreis integrieren.
Die Videosektion ist mindestens auf dem Level des AVC-A1HDA - der Fortschritt
kennt eben keine Gnade. Natürlich klingt der "Große" noch reiner,
detailreicher und räumlich dichter, zudem ist er pegelfester - für denjenigen,
der den Begriff "HeimKINO" wörtlich nimmt, lohnt sich die hohe
Investition zweifellos.

Onkyo TX-NR5008
Wir beginnen vor langer Zeit, in den Anfangszügen von HDMI - damals mischte
der Onkyo TX-NR5000E als neue
"Krone der Modellpalette" massiv das Marktsegment der AV-Boliden auf.
Doch leider nagt der "Zahn der Zeit" massiv am ehemaligen Flaggschiff:
Veraltete HDMI-Version, keine Upgrades, klanglich nicht mehr auf der Höhe der
Zeit, die Videosektion nicht mehr auf der Höhe der Zeit - es sollte ein Upgrade
vorgenommen werden, und es gibt bei Onkyo zwei exzellente Wege, dies zu tun: Zum
einen mit dem Onkyo TX-NR5008,
der preislich sehr fair kalkuliert ist und ein hohes Leistungsniveau bietet. Er
klingt detailreicher, klarer und räumlich als der 5000er, er geht dynamischer
und schwungvoller an seine Arbeit. Die tolle Videosektion begeistert mit
reichhaltigen Einstelloptionen inklusive ISF-Modi. Multimedial kokettiert der
TX-NR5008 mit seiner Internet Radio-Funktion und der Streaming-Möglichkeit für
Musikdateien.

Onkyos THX Ultra 2 Kombi, bestehend aus PA-MC5000 und
PR-SC5508
Wer es richtig wissen möchte, kann aber auch einen anderen Weg beschreiten
und sich die Onkyo Neunkanal-Endstufe PA-MC5500
und die AV-Vorstufe PR-SC5508 kaufen. Dann erhält man eine modern
ausgestattete, HDMI 1.4-bestückte AV-Schaltzentrale und eine geschmeidig
agierende Mehrkanalendstufen mit sehr guten Leistungsreserven - nur absolute
Pegelliebhaber werden hier nicht vollauf zufrieden sein. Insgesamt reißt die
Onkyo-Kombination noch nicht einmal ein extrem großes Loch ins Budget - und
macht dafür über Jahre glücklich, auch durch die tolle Verarbeitung.

TX-NR5000
Es lohnt sich also im Falle Onkyo, auf ein neueres Modell zu setzen, die
Möglichkeiten des TX-NR5000E sind mittlerweile arg beschränkt, auch das Fehlen
jeglicher HD-Tonformat-Decoder ist in unserer heutigen Zeit ein Manko, gerade
für versierte Anwender.

DSP-Z7
Yamaha offerierte mit dem DSP-Z7 ein
reichhaltig ausgestattetes AVR-Modell mit sehr reichhaltiger DSP-Ausstattung und
tadelloser Anschlussbestückung - die neutrale, feine Auslegung begünstigt den
Einsatz der DSP-Programme, deren Wirkung kann sich dann richtig gut entfalten.
Nochmals leistungsfähiger und vom Aufbau her üppiger ausgelegt ist der Yamaha DSP-Z11,
der ungemein flexible Konfigurationsmöglichkeiten bietet und mit seiner
überragenden Fein- und Grobdynamik für sehr anspruchsvolle Anwendungen
geeignet ist. Beide Yamahas offerieren eine Internet Radio-Funktion und haben
USB-Terminals. Musikdateien von USB-Sticks können wiedergegeben werden. Vor
nicht allzu langer Zeit wurde ein zwar von der Geräteklasse her kleinerer, aber
dafür hochmoderner AVR präsentiert - der
Yamaha RX-V3067, im Gegensatz zu DSP-Z7/11 uneingeschränkt 3D-fähig durch
HDMI 1.4. Bei den beiden älteren Modellen braucht man für die 3D-Wiedergabe
einen BDP mit 2 HDMI-Ausgängen.

Yamaha DSP-Z11
Der 3067 hat ein sehr komfortabel bedienbares Bildschirmmenü und eine sehr
schöne, edle neu entwickelte Fernbedienung. Im Videobetrieb erfolgt die
Hochrechnung von 576i auf 1080p extrem präzise, hier stellt er den DSP-Z7 in
den Schatten. Bei Filmmaterial hingegen herrscht ein "Patt". Immer
noch brillant - der DSP-Z11, der zwar keinen Video-EQ hat, dafür aber superb
hochkonvertiert. Die Multimediaqualitäten des RX-V3067 umfassen ähnliche
Features wie bei den älteren Modellen. Klanglich präsentiert sich der 3067 als
pegelfest und neutral, hier verfolgt er einen ähnlichen Weg wie DSP-Z7 und
DSP-Z11. Er kann sich im Bassbereich mit ausgezeichnetem Tiefgang und tadellosem
Nachdruck so gut in Szene setzen, dass viele Anwender gar nicht mehr brauchen.
Das gilt im Übrigen auch für die sehr umfangreiche Anschlussbestückung.

Yamaha RX-V3067
Insgesamt liefert der auch noch preislich sehr faire RX-V3067 eine so gute
Vorstellung ab, dass man sich fragen muss: Wer braucht mehr? Denn durch das
clevere Konfigurations-Management sind trotz nur 7 eingebauter Endstufen unter
Zuhilfenahme externer Endstufen Set-Ups bis 11.2 möglich.

Harman Kardon AV-Receiver AVR-355
2008 überzeugte der AVR-355
beinahe auf der ganzen Linie bei uns im Test. Die Ausstattung war zwar nicht
sehr üppig, aber die kraftvollen Endstufen und der runde Sound brachten viele
Punkte auf das Harman-Konto. Auch die recht übersichtliche Bedienung fand
unsere Zustimmung. Vor kurzem hatten wir den Harman Kardon AVR-460
im Test - er bringt an Pluspunkten die nochmals verbesserte Bedienung und, wie
beim 355, den sehr runden, gefälligen Sound mit. Da das Thema 3D 2008 beim Test
des 355 noch keine Rolle spielte, verfügte der AVR auch nicht über HDMI 1.4
Anschlüsse - diese bringt der AVR-460 natürlich mit. Wem dies nicht elementar
wichtig ist, der fährt auch mit dem AVR-355 noch erstaunlich gut - das
harmonische Zusammenspiel mit vielen Lautsprechersets, die schicke Optik und die
einfache Bedienung sorgen dafür, dass kaum der Wunsch nach einem Upgrade
aufkommt. Wer neu in die Harman Kardon Welt einsteigt, macht mit dem AVR-460
aber sicher einen "guten Fang" und ist zudem gerüstet für die
3D-Welt. Nicht ganz up to date ist das Einmesssystem, welches einer "Black
Box" gleicht und dem User Einblicke in seine Arbeit verwehrt.

Harman Kardon AVR-460
Fazit
Unser Special zeigt deutlich - es fällt schwer, ein allgemein gültiges
Urteil zu fällen, ob es auch ein älteres, ausgereiftes Gerät sein darf, oder
ob man sich für das Neueste entscheiden sollte. Mancher Hersteller geht auch
ganz eigene Wege und hält ältere Konstruktionen durch hochklassige Upgrades
aktuell. Was wir aber auch beobachten können - die AVRs der oberen Mittelklasse
und Oberklasse sind extrem gut geworden, sie bieten bereits ein so hohes
Potential, dass man sich fragen darf: Brauche ich leistungsmäßig noch mehr?
Ist der sehr aufwändige Aufbau und die strenge Bauteilselektion für mich und
meine praktischen Anforderungen von Relevanz? Hier muss jeder nach gründlicher
Überlegung für sich eine Entscheidung fällen.
Text: Carsten Rampacher
Datum: 12.04.2011
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