Special: Telekom "Entertain" - Internet-Fernsehen in HDTV-Qualität?
30.08.2011 Autor: Karsten Serck
Einleitung
Nachdem jahrelang bei der Wahl des Fernsehempfangs eigentlich nur die Wahl
zwischen Satellit und Kabel bestand und auch DVB-T aufgrund der geringen
Senderauswahl und mäßigen Qualität in Deutschland nur eine eingeschränkte
Alternative darstellt, bietet die Deutsche Telekom mit "Entertain"
seit ein paar Jahren über das Internet eine zusätzliche Möglichkeit für den
Fernsehempfang an. Voraussetzung dafür ist ein 16 Mbit/s DSL-Anschluss der
Telekom. Wer auch das stetig wachsende HDTV-Angebot
empfangen möchte, benötigt zusätzlich einen VDSL-Anschluss. Ein solcher wird inzwischen nicht nur in den Großstädten
angeboten sondern ist teilweise auch in
einigen Ausbaugebieten kleinerer Städte verfügbar.

Preise & Konditionen
Entertain wird von der Telekom ausschließlich zusammen mit einem Telefon
bzw. Telefon/DSL-Anschluss vermarktet. Die Mindestvertragslaufzeit für das
Basis-Paket liegt zunächst bei zwei Jahren. Zusammen mit einem DSL-Anschluss
inklusive Telefon-Flatrate kostet das Basisangebot "Entertain Comfort"
44,95 EUR pro Monat bzw. 54,95 EUR mit VDSL-Anschluss. In der Praxis sorgen
wechselnde Aktionen aber für etwas günstigere Konditionen zumindest im ersten
Jahr und auch ein Online-Rabatt in Höhe von 10 % senkt nochmals den Preis. Der
für den Empfang und die Aufnahme des "Entertain"-Angebots
erforderliche Media Receiver MR303 mit 500 GB-Festplatte wird von der Telekom
für einmalig 299,99 EUR verkauft oder für 4,94 EUR pro Monat vermietet. Auch
diesen bekommt man im Rahmen von Aktionen oft zumindest für einen begrenzten
Zeitraum etwas günstiger. Für den VDSL-Anschluss empfiehlt die Telekom zwar
ausschließlich ihre eigenen Router der Speedport-Reihe. Zumindest mit den
neueren "Fritz!Boxen" Fon WLAN 7390 und WLAN 3370 ist die Nutzung aber
ebenso möglich - AVM ist auch Hersteller einiger Speedport-Router.

Hardware
Für den Empfang von "Entertain" können ausschließlich die "Media
Receiver" der Telekom genutzt werden. Einzige Ausnahme bilden die TV-Programme
der Öffentlicht-Rechtlichen TV-Sender. Da diese unverschlüsselt ausgestrahlt
werden, lassen sie sich auch auf einem PC z.B. mit dem VLC-Player abspielen.
Eine Senderliste mit den Multicast-Streaming-Adressen steht auf der ARD-Website
zur Verfügung.
Der aktuelle Media Receiver 303 ist in schwarzer oder weißer
Gehäuseausführung erhältlich und verfügt über eine HDMI-Schnittstelle.
Über diese kann das Bild auch in 720p oder 1080i ausgegeben werden. Bei der
Erstinstallation wird der Receiver gegebenenfalls auf die neuste
Firmware-Version aktualisiert was mehrere Minuten und einige Neustarts dauert.
Anschließen präsentiert sich der Receiver mit der aktuellsten Senderliste. Die
Programmplätze können in der Reihenfolge verändert und auch eine
Favoritenliste angelegt werden. Dabei lassen sich Sender, die nicht
abonniert sind auch komplett aus der Liste entfernen.
Der Media Receiver ist nach der Erstinstallation und mehrminütigem
Bootvorgang im Quasi-Dauerbetrieb. Der Druck
auf die Aus-Taste der Fernbedienung schaltet lediglich die Bildausgabe und
einige weitere Funktionen aus -
trotzdem liegt die Leistungsaufnahme des Geräts noch bei rund 12 Watt (ca. 17 Watt im normalen
Betrieb). Der Receiver hält
auch weiterhin die Internetverbindung um z.B. aus der Ferne programmiert
werden zu können. Dafür bietet die Telekom unter http://programm-manager.telekom.de
den Programm-Manager an, einen 14 Tage EPG mit erweiterten
Programminformationen, Suchfunktion und Serien-Aufnahme-Option. Kurzfristige
Änderungen im Programm der Sender werden auch berücksichtigt sofern diese ihre
Programminformationen entsprechend aktualisieren. Eine Änderung der
Aufnahmezeiten ähnlich wie beim analogen VPS wird hingegen nicht berücksichtigt. Dafür ist es aber möglich,
Nachlaufzeiten vorzudefinieren, die in den meisten Fällen ausreichen,
um Verzögerungen auszugleichen. Über den
Programm-Manager kann auch die Senderliste online bearbeitet werden. Den
Programm Manager gibt es auch als App für das iPhone - eine iPad-optimierte
Version fehlt hingegen und leider lässt sich die Web-Version wegen den Flash-Inhalten
des Programm Managers auch generell nicht über den Browser von iOS-Geräten nutzen.
Wer den Receiver nicht
für Timer-Aufnahmen verwendet, kann den Media Receiver auch über den
Netzschalter auf der Rückseite komplett ausschalten. Allerdings benötigt der
auf Microsofts "Mediaroom"-Plattform basierende Receiver anschließend
wieder mehrere Minuten zum Booten weswegen in der Praxis kaum jemand die Geduld
aufbringen dürfte, den Receiver immer neu zu starten.
Während Pay TV-Anbieter via Sat und Kabel zur Nutzung ihres Angebots eine
Smartcard einsetzen erhält der "Entertain"-Kunde nur den Media
Receiver und sichert den Zugang direkt über das Internet ab. Denn ganz ohne Internetverbindung lässt sich der Receiver überhaupt nicht nutzen. Für den
Betrieb ist es erforderlich, dass dieser mit den Zugangsdaten des registrierten DSL-Anschlusses mit dem
Internet verbunden ist. Auch Aufnahmen, die bereits auf der Festplatte
gespeichert sind lassen sich ansonsten nicht abspielen, da vor dem Start der
Wiedergabe die Internetverbindung geprüft wird.
Weniger zimperlich reagiert der Receiver indes auf kurzzeitige Störungen der
Internetverbindung. Zieht man z.B. das Netzwerkkabel während einer laufenden
Aufnahme, so wird diese bei wieder bestehender Verbindung anstandslos
fortgesetzt und auch bei der späteren Wiedergabe gibt es einfach nur einen
kurzen Sprung für die Aufnahmepause. Andererseits wäre im Gerätedisplay auch
zumindest ein Warnhinweis wünschenswert, der auch auf Fehler in der
Netzwerkinstallation aufmerksam machen könnte, da alleine die Anzeige des roten
Aufnahmesymbols noch keine Gewährleistung dafür gibt, dass der Receiver auch
wirklich etwas aufnehmen kann.

Während bei klassischen DVB-Receivern für die parallele Aufzeichnung oder
das Betrachten mehrerer Programme jeweils ein eigener Tuner erforderlich ist,
benötigt der Media-Receiver lediglich eine ausreichende Bandbreite. Mit einem
VDSL 50-Anschluss lassen sich problemlos zwei HDTV-Programme und zwei
SD-Programme parallel aufnehmen/betrachten. Alternativ können auch maximal vier
SD-Programme parallel aufgenommen werden.
Programmangebot
Ähnlich wie beim Kabelfernsehen ist man grundsätzlich auch bei "Entertain"
von der Senderauswahl abhängig die der Anbieter offeriert. Wenn neue Sender
starten ist zunächst eine Vereinbarung zwischen Sender und Telekom über die
Einspeisung erforderlich und auch diese muss nicht für die Ewigkeit halten wie
das Beispiel Sky (seit 2009 nicht mehr im Angebot) und zuletzt auch der Wegfall
der ProSiebenSat.1-Sender Sat.1 Comedy und Kabel Eins Classics zeigt.
Die Telekom bietet mit dem Basistarif "Entertain Comfort" eine
Senderauswahl die weitgehend mit dem digitalen Senderangebot der Basispakete im
Kabel vergleichbar ist und auch einen Großteil des deutsch- und
englischsprachigen Senderangebots enthält, welches via Satellit Astra 19,2 Grad
Ost empfangen werden kann. In englischer Sprache werden im Basispaket die Informationssender
CNN International, BBC World, CNBC, Bloomberg, France 24 und Al Jazeera
International angeboten.
Entertain-Kunden mit VDSL-Anschluss empfangen ohne Aufpreis folgende Sender
in HDTV:
- Das Erste HD
- ZDF HD
- Nickelodeon HD / Comedy Central HD
- Sport1 HD
- arte HD
- Anixe HD
- Servus TV HD
- VIVA HD
- MTV Live HD
"MTV Live HD" war lange Zeit exklusiv bei Entertain zu empfangen
und ist ein spezieller Musikkanal auf dem neben Clips auch Konzerte laufen.
Trashige Reality-Shows sind bei "MTV Live HD" nicht im Programm.
Gegen Aufpreis (9,95 EUR im Monat) lassen sich im Programmpaket
"HD" folgende weitere HDTV-Sender zubuchen:
- AXN HD
- SyFy HD
- TNT Film HD
- TNT Serie HD
- MTV HD
- Classica HD
- Planet HD
- Sport1+ HD

Zwar gibt es bei Entertain derzeit keine Filmsender mit topaktuellen
Spielfilmen in HD. Neuere Filme
in HDTV stehen nur via "Videoload" per Einzelabruf
zur Verfügung. Gerade für Film- und Serien-Fans, die die neusten Filme ohnehin
auf Blu-ray Disc und DVD betrachten ist das HD-Paket aber dennoch äußerst
interessant. TNT Film HD zeigt viele Klassiker neueren und älteren Datums in
HDTV, die oftmals noch nicht auf Blu-ray Disc veröffentlicht wurden. Leider
kommt es aber auch immer wieder einmal vor dass ein Film nur hochskaliert
gezeigt wird und auch Widescreen-Filme im Letterbox-Format gibt es vereinzelt zu
sehen.
Neben TNT Film HD zeigen auch AXN HD und SyFy HD einige Spielfilme, der
Schwerpunkt liegt bei diesen Sendern aber bei Action-Serien (AXN HD) und Science
Fiction (SyFy HD).
Außerdem gibt es für 19,95 EUR im Monat "LIGA total! HD" mit neun
Kanälen für Bundesliga-Spiele, einem Konferenz-Kanal und einem 3D-Kanal in HD.
Für Fans von Borussia Dortmund oder dem Hamburger SV gibt es gegen Aufpreis von
5 EUR die Sender BVB total! bzw. HSV total! (auch in HD). Einzeln kosten diese
Sender 14,95 EUR im Monat.
Seit kurzem gibt es mit "3D - The Channel" bei Entertain auch einen
3D-Sender. Bislang ist auf diesem praktisch eine Art Demo-Programm zu sehen.
Richtig interessante Filme oder Dokumentationen, die zum längeren Verweilen
einladen, gibt es aber nicht. Die Übertragung erfolgt im derzeit üblichen Side by Side-Verfahren
wodurch die nutzbare Auflösung auf 960 x 1080 Pixel reduziert wird.
Im Unterschied zum klassischen Pay TV wie man es von Sky kennt gibt es bei
Entertain keine lange Mindestvertragslaufzeit für die Pay TV-Pakete. Diese
lassen sich komfortabel online zubuchen und werden direkt nach Auftragserteilung
freigeschaltet. Die
Mindestlaufzeit liegt dann bei einem Monat. Anschließend können die Pay
TV-Sender innerhalb von sechs Werktagen auch wieder gekündigt werden.
Eine Komplette Senderliste mit den genauen Konditionen für die einzelnen
Programmpakete gibt es hier hier als PDF
zum Download.

Wer mehr als einen Media-Receiver in seinem Haushalt benötigt kann sich
zusätzlich zum Media Receiver 303 noch einen Media Receiver 102 als Zweitbox
zulegen. Dieses Modell für 169,99 EUR bzw. 3,95 EUR pro Monat ist allerdings
mangels Festplatte nicht für Aufnahmen geeignet. Er kann aber über das Heimnetzwerk auf die
Aufnahmen zugreifen, die auf einem Media Receiver 303 gespeichert sind.
Allerdings lassen sich auf dem Media Receiver 102 keine HDTV-Aufnahmen vom Media
Receiver 303 abspielen womit diese Kombination für Abonnenten des HD-Pakets
leider kaum Nutzen bringt.
DLNA-Streaming
der Aufnahmen wird leider nicht unterstützt so dass nicht einmal unverschlüsselte Aufnahmen
in einem Heimnetzwerk auf beliebigen Geräten abgespielt werden können und auch
ein Export von Aufnahmen ist nicht möglich. Zumindest der VLC Media-Player
bietet aber die Möglichkeit, das Öffentlich-Rechtliche TV-Angebot nicht nur
live zu betrachten sondern auch auf einem Rechner zu speichern.
Neben den TV-Sendern bietet "Entertain" auch ein Radioangebot.
Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von weltweiten Sendern durch
"Phonostar". Leider bietet der Media-Receiver aber keine
Sendernamen-Anzeige so dass eine gezielte Senderauswahl nur mit eingeschaltetem
Fernseher möglich ist.
Auch der direkte Aufruf des Radio-Menüs über die Fernbedienung ist nicht
möglich - in der Bedienungsanleitung findet man dazu nur den Hinweis "in
Vorbereitung" - ebenso übrigens für die USB- und eSATA-Schnittstellen,
die bislang noch ohne Funktion sind.
Alternativ zu "Entertain" bietet die Telekom seit kurzem auch ein
Paket "Entertain Sat" an. Dieses besteht aus einem Satellitenreceiver
(Media Receiver 300 Sat) mit dem sich die frei empfangbaren Satelliten-Sender
(neben Astra 19.2 Grad Ost auch z.B. Astra 28.2 Grad Ost) und zusätzlich die
HD+ Sender empfangen lassen, die ebenso wie beim Kauf eines einfachen HD+
Receivers für die ersten 12 Monate kostenfrei nutzbar sind. Zusätzlich lassen
sich "On Demand" Inhalte von Videoload nutzen. Die Premium-Sender von
"Entertain" sind allerdings bei "Entertain Sat" nicht
nutzbar - es gibt auch keine entsprechende Download-Option für einzelne
Programme sondern lediglich Zugriff auf Videoload und das TV-Archiv. Außerdem lässt sich auch der Programm-Manager im Internet nutzen. In erster Linie ist
"Entertain Sat" für Haushalte gedacht, bei denen die Bandbreite für
Entertain nicht ausreicht - bereits mit einer 3 Mbit/s-Leitung ist man dabei.
Leider ist es auch nicht möglich, den Media Receiver 300 Sat als
Hybrid-Receiver an einem VDSL-Anschluss zu nutzen um Bandbreite zu sparen, indem
nur die "Entertain"-exklusiven Sender über die VDSL-Leitung gestreamt
werden.
Praxis
Sämtliche TV-Sender (auch in PAL-Auflösung 720 x 576) werden bei "Entertain"
mit dem
H.264-Video-Codec komprimiert. Die vom DVB-Fernsehen via Antenne, Satellit oder
Kabel bekannten Tonspuren sind auch im MPEG Audio-Format vorhanden, ebenso je
nach Sender eine zusätzliche Dolby Digital-Tonspur. Auch Videotext-Informationen können
mit übertragen werden. Im Unterschied zum Free TV bieten viele der Pay TV-Film-
und Serienkanäle bei "Entertain" auch eine zweite Tonspur für den Originalton an. Allerdings
gibt es auch auf diesen vereinzelt Sendungen über die auch über die zweite
Tonspur nur der deutsche Ton zu hören ist. Prinzipiell werden aber auch bei
Aufnahme alle Tonspuren mit aufgezeichnet und können bei der Wiedergabe
angewählt werden. In den Grundeinstellungen kann der Media Receiver auch so
eingestellt werden, dass automatisch die englische Tonspur bei der Wiedergabe
gewählt wird. Z.B. bei "AXN HD" funktioniert dies aber leider nicht, da dort
die Tonspur mit "Originalton" statt "Englisch" als Sprache gekennzeichnet ist.
Dolby Digital-Ton wird sowohl über die HDMI-Buchse als auch den optischen
Digitalausgang ausgegeben. Die Umschaltung Bitstream/PCM gilt für beide
Anschlüsse so dass ein via HDMI angeschlossener Fernseher ohne Dolby
Digital-Decoding stumm bleibt wenn er eine Dolby Digital-Tonspur wiedergibt.
Im Unterschied zum Internet-Fernsehen wie man es vom PC kennt, gibt es bei
den für Entertain bereit gestellten Multicast-Streams keine Wartezeiten und
Zwischenpuffer. Entertain ist selbst für schnelles Zapping tauglich. Der
Bildaufbau beim Senderwechsel erfolgt selbst bei HDTV-Sendern ohne merkbare Verzögerung in einer Geschwindigkeit die
selbst viele DVB-S/T/C-Receiver nicht erreichen.
Ebenso wie bei Sky wird auch bei Entertain eine Jugendschutz-PIN eingesetzt,
die für Sendungen mit Altersfreigabe ab 16 Jahren abgefragt wird sofern die
Altersfreigaben höher sind als die freigegebenen Sendezeiten. Die
PIN-Eingabe ist bei solchen Sendungen erforderlich sobald ein Sender gewechselt
wird, aber auch wenn eine Aufnahme programmiert oder abgespielt wird. Etwas
unnötig erscheint die zweite Abfrage nach Eingabe der PIN zur Bestätigung,
dass die Sendung
wirklich freigegeben werden soll - insbesondere weil der Cursor auch zunächst
auf "nicht freigeben" voreingestellt ist. Die Abfrage lässt sich zwar
auch auf Sendungen mit niedrigerer Freigabe ausweiten aber nicht komplett
deaktivieren selbst wenn gar keine Jugendliche im Haushalt sind - ein Mangel,
der aber alle Pay TV-Anbieter betrifft und durch eine fehlende Ausnahmeklausel im
Rundfunkstaatsvertrag begründet wird.
Die Benutzeroberfläche des Media-Receivers wirkt sehr schlicht und fällt
vor allem durch den üppigen Kontrast zwischen dem schwarzen Hintergrund und der
Magenta-Farbe der Bedienungselemente auf. Aufgrund der sauberen
Schriften sind die Menüs auch aus größerem Betrachtungsabstand gut lesbar. Wer bereits
Erfahrung mit DVB-Receivern gesammelt hat, dürfte die Benutzerstruktur
zunächst etwas gewöhnungsbedürftig empfinden. Gerade die EPG-Darstellung
erscheint etwas ungewohnt. Immerhin ist es aber möglich, auch gezielt ein
einzelnes Programm für die nächsten Tage zu durchsuchen. Die
Timer-Programmierung lässt sich direkt durch Druck auf die Aufnahmetaste
starten - sofern nicht noch eine Jugendschutzabfrage erfolgt. Für
Serienaufnahmen muss auf dem Receiver in ein Menü gehen - der
Online-Programm-Manager bietet für jede einzelne Sendung die Option
"Einzelaufnahme" bzw. "Serienaufnahme". Etwas ungewöhnlich
ist die Vergabe eines eigenen Video-Kanals für das Aufnahmearchiv. Beim Wechsel auf
diesen Kanal bekommt man neben der gestarteten Aufnahme durch die
Cursorbewegung links und rechts auch direkten Zugriff auf die vorherigen und
späteren Aufnahmen.
Zum Zappen gibt es neben der Möglichkeit, direkt von Sender zu Sender zu
wechseln auch
die Option, zunächst nur für die Vorschau einen Kanalwechsel vorzunehmen. Dann
erscheint am unteren Bildschirmrand ein kleines Bild und als Text Informationen
zur laufenden Sendung. Wenn die Sendung gefällt, lässt sich der Wechsel durch
Druck auf die OK-Taste bestätigen. Die Geschwindigkeit der Navigation durch die
Menüs ist meist passabel. Bei einzelnen Funktionen macht sich aber doch ab und zu eine
leichte Trägheit bemerkbar, insbesondere wenn zusätzliche Infos aus dem
Internet geladen werden müssen. Richtige Hänger oder Abstürze des Receivers
konnten wir aber nicht beobachten. Die Festplatte des Media Receivers 303 ist im Betrieb kaum hörbar. Selbst
das Starten einer Aufnahme oder Wiedergabe nimmt man kaum wahr.
Die Fernbedienung wirkt sehr elegant ist in der Handhabung allerdings recht
unkomfortabel. Das dezente dunkle Design sorgt dafür, dass Tasten weder optisch deutlich genug
voneinander abgegrenzt sind noch präzise gefühlt werden können was gerade im
Dunkeln die Handhabung erschwert. Aufgrund ihrer Länge ist der Schwerpunkt der
Fernbedienung auch etwas zu weit vorne. Zum Glück verwendet die Telekom auf der
Fernbedienung überwiegend Standard-Tasten so dass ein Wechsel auf eine programmierbare
Fernbedienung einfach gemacht wird. So gibt es z.B. für die
Logitech Harmony-Fernbedienungen eine vorprogrammierte Vorlage der Media Receiver
Fernbedienung, die nur ganz leicht ergänzt werden muss.

Wer sein Heimnetzwerk um einen
Switch erweitert an den auch der Media-Receiver angeschlossen wird, sollte darauf
achten, dass der Switch die Multicast-Streams eindeutig nur an den Anschluss des
Media-Receivers verteilt (IGMP), ansonsten wird dieser nämlich an alle aktiven
Anschlüsse des Switch ebenfalls weitergegeben und kann das Netzwerk
überlasten. Das ist daran zu erkennen, wenn die LED-Leuchten an den
Netzwerkbuchsen des Switches im Gleichtakt flackern. In Anbetracht von modernen
Gigabit-Netzwerken sind die Kapazitäten zwar mehr als ausreichend und das
"Flooding" des Netzwerks sorgt auch nicht automatisch dafür, dass der
Media Receiver nicht nutzbar wird. Doch gerade beim Umschalten ließen sich im
Test
leichte Störungen beobachten wenn der Media-Receiver an einem Switch ohne IGMP
hängt. Positive Erfahrungen haben wir mit dem Netgear-Switch GS108E gemacht, der knapp 50 EUR kostet und
auch über ein Konfigurationstool angepasst werden kann. Die Probleme mit den
Multicast-Streams lassen sich auch vermeiden indem der Media Receiver direkt
über eine eigene Leitung an den Router angeschlossen wird.
Bildqualität
Die frei empfangbaren HDTV-Sender von ARD und ZDF werden laut Anzeige im VLC-Player mit einer
Bitrate zwischen 8-9 MB/s komprimiert. Das ist rund ein Drittel weniger als beim
via Satellit ausgestrahlten HDTV-Signal. Bei den Sendern in Standard-Auflösung
liegt die Bitrate bei rund 3 MB/s.
Trotz der etwas starken Kompression bieten die HD-Sender überwiegend ein sehr sauberes und scharfes
Bild solange das Ausgangsmaterial keine übermäßigen Herausforderungen an die
Encoder darstellt. Schwächen zeigen sich gelegentlich in Flächen durch leichte Rauschmuster, insbesondere bei verrauschtem
Ausgangsmaterial. So überfordert z.B. das häufiger zu beobachtende digitale Rauschen der Serie "Rescue Me" die Encoder ziemlich und auch Szenen mit sehr viel gleichzeitiger Veränderung wie z.B. Wasseroberflächen sorgen
für ein leichtes Auseinanderlaufen des Bildes. Insgesamt ist die Qualität
neuerer Filme und Serien aber so hoch, dass auch auf einem Videoprojektor nur wenige Störungen auffallen.
"Entertain" erreicht dennoch nicht ganz die hohe Detailschärfe von
Blu-ray Discs oder mit höherer Bitrate ausgestrahlten HDTV-Sendern via
Satellit. Das fällt aber selbst auf einem 50 Zoll-Fernseher nur in geringem
Maße auf und die im Vergleich zu MPEG2 sauberer wirkende H.264-Kompression
sorgt dafür, dass auf dem Fernseher selbst so manch ein Film, der nur
hochskaliert ausgestrahlt wird, erst auf den zweiten Blick auffällt. Leider
kommen nicht durchgängig HD-Master zum Einsatz was bei den Serien zum Teil auch
damit zusammenhängt, dass die Film- und Seriensender des HD-Pakets keine
speziellen HDTV-Programme sondern nur die HD-Variante eines SD-Senders sind und
daher bei der Programmplanung auch Serien wie z.B. "Stargate"
eingeplant werden, die noch nicht in HDTV produziert wurden. Aber es gibt auch immer wieder
positive Überraschungen: "Magnum" auf AXN HD wirkt trotz des
4:3-Formats sehr plastisch und detailreich.
Bei den SD-Sendern bleibt die Bildqualität hingegen etwas auffälliger hinter dem zurück
was man vom TV-Empfang via Satellit gewohnt ist. Kompressionsartefakte sind zwar
eher selten. Die Detailschärfe fällt aber trotz PAL-Auflösung geringer aus
als via Satellit und der Unterschied ist auch deutlicher als bei den HD-Sendern.

Fazit
Wer über das frei empfangbare HDTV-Angebot hinaus weitere HDTV-Sender
empfangen möchte ohne sich wie bei Sky an lange Vertragslaufzeiten binden zu
müssen, bekommt mit Entertain ein zwar derzeit noch etwas kleines aber von der
Auswahl doch feines HDTV-Angebot präsentiert welches auch einige Sender
enthält, die bei Sky noch nicht in HDTV angeboten werden. Voraussetzung dafür
ist allerdings auch ein VDSL-Anschluss, idealerweise VDSL 50 damit auch bei der
Aufnahme zweier HDTV-Sender noch genügend Bandbreite für den restlichen
Internet-Traffic bleibt. Zwar erkennt man bei genauem Hinsehen schon die
stärkere Kompression der HD-Sender im Vergleich zum Satellitenempfang, bis auf
eine erst bei sehr großen Bilddiagonalen erkennbar werdende leicht geringere
Detailschärfe bleibt das Bild bei gutem Ausgangsmaterial meist aber sehr gut.
Kritisches Material mit viel Rauschen bringt die Kompression aber zum Teil doch
an die Grenzen. Leider zeigen auch die Premium HD-Sender noch nicht wirklich
durchgängig natives HD-Material sondern teilweise auch hochskalierte Filme und
Serien.
"Entertain" ist von der Handhabung mit normalem Fernsehen via
Satellit und Kabel vergleichbar. Man merkt gar nicht, dass es sich um Video aus
dem Internet handelt da die vom PC bekannten Livestream-Wartezeiten oder
Bildaussetzer bei Entertain nicht vorkommen. Die komfortable
Aufnahmeprogrammierung über das Internet erleichtert außerdem die Suche nach
gewünschten Sendungen, die direkt programmiert werden können. Die recht
unergonomische Fernbedienung erschwert allerdings die Handhabung des Receivers,
da selbst nach längerer Eingewöhnung aufgrund der einheitlichen Tasten ohne
auffällige Markierung keine "blinde" Bedienung möglich ist. Auch der
Quasi-Dauerbetrieb des Receivers geht mit immerhin rund 12 Watt
Leistungsaufnahme in ökologisch-korrekten Zeiten etwas zu sehr auf die
Stromrechnung.
Es bleibt zu hoffen, dass die Telekom insbesondere das HDTV-Angebot von
"Entertain" weiter ausbaut um mit der Pay TV-Konkurrenz mitzuhalten.
Auch die Verknüpfung mit dem Internet zur Programmierung und dem Heimnetzwerk
bietet noch viele Möglichkeiten, um die Nutzung von Entertain noch
vielfältiger zu gestalten. Da keine Smartcard benötigt wird und die
Legitimation für die Nutzung bereits über den Internetanschluss erfolgt,
ließen sich z.B. Streaming-Apps für Tablets oder auch die Verknüpfung mit dem
Heimrechner einfacher umsetzen als z.B. bei Sky - nicht zuletzt weil Microsoft
bereits die Plattform für den Media Receiver bereit stellt und somit auch eine
Integration in das Windows Media Center relativ einfach möglich sein dürfte.
Auf der Microsoft-Website
wird zumindest bereits für die Verwendung von "Mediaroom" auf PCs,
Windows Phone 7-Smartphones und der Xbox 360 geworben und in den USA auch
bereits teilweise von einigen Anbietern genutzt.
Pro
- Gute bis sehr gute Bildqualität der HD-Sender
- Parallele Aufnahme von zwei HD/vier SD-Sendern
- Timer-Programmierung via Internet
- Pay TV-Pakete mit kurzer Vertragslaufzeit
- Öffentlich-Rechtliche TV-Programme auch als Live-Stream am PC nutzbar
Contra
- Mäßige Bildqualität der SD-Sender
- Hoher Stromverbrauch des Receivers wegen fehlendem echten "Standby"-Modus
- Unkomfortable Fernbedienung
- Keine Sendernamenanzeige im Receiver-Display
Karsten Serck 30.08.2011
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