TEST: Standlautsprecher Teufel Ultima 60 - Kraft, Räumlichkeit und Homogenität zum Tiefstpreis

22. Juli 2010 (cr(sw)

Einführung

Für schmale 398 EUR (Paarpreis) findet sich die Standbox Ultima 60 im Teufel-Angebot. Der Bassreflex-Vollbereichs-Standlautsprecher offeriert dank zwei Tieftönern einen kraftvollen, souveränen Bass - und man kann es ruhig forscher angehen lassen, kurzzeitig werden Belastungsspitzen von bis zu 160 Watt verkraftet - hervorragend für die Preisklasse. Zu erwerben sind die beiden "Teufelchen" nur in nußbaumfarbener Folierung. Was das verlockende Angebot tatsächlich leistet, haben wir untersucht. 

Video: Die Teufel Ultima 60 im Überblick

 

Verarbeitung und Technik

Relativ geringe, aber nicht absolut perfekte Spaltmaße

Optisch attraktive Rundung des Gehäuses, allerdings liegt die Folie bei einer der beiden Boxen nicht optimal an

2 Bassreflexports hinten

Optisch elegant integrierter Sockel

Terminals

Fürs Geld bekommt man aus optischer Sicht eine Menge geboten: Viel Masse in Form rund 18,5 kg wiegender, schick daher kommender Standlautsprecher, die sogar mit acrylummantelten Bi-Wiring-Lautsprecherkabelterminals ausgestattet sind. Auch die Belastungswerte sind sehr gut für die günstige Preisliga - Teufel verspricht 120 Watt langfristige und satte 160 Watt kurzzeitige Belastbarkeit. Optimal geeignet sind die Schallwandler für die Zusammenarbeit mit 4 Ohm Verstärkern. Der Lautsprecher hat 2 Bassreflexports aus ordentlich wirkendem Kunststoff hinten auf der Rückseite. Dies sorgt aber auch dafür, dass eine Aufstellung in direkter Wandnähe im Hörraum nicht möglich ist, es sei denn, man möchte einen unsauberen, aufgedunsenen Bass in Kauf nehmen. Wir raten, ca. 50 cm Platz zwischen Box und Hörraumwand zu lassen. Für den Kaufpreis ist die Konstruktion sehr aufwändig. Dreiwegelautsprecher sind nicht unkritisch, oftmals stimmt das Timing nicht und die Basslaufzeiten sind zu lang und hinken hinterher. Daher waren wir skeptisch, ob Teufel zu einem so niedrigen Preis eine entsprechend praxistaugliche Dreiwegekonstruktion auf die Beine stellen kann. Unsere zahlreichen Klangtestreihen haben aber bewiesen, dass dies sogar sehr gut funktioniert. Als Bestückung fungieren gleich zwei 160 mm Basschassis, die parallel laufen. Hinzu kommen ein 160 mm messender Mitteltöner und eine 25 mm Gewebekalotte für die Hochtonwiedergabe. Das Gehäuse weist eine ordentliche Dicke auf, die Folierung aber könnte im Detail sorgfältiger sein - an einer der beiden Boxen saß die Folie im oberen Bereich auf einer Seite nicht richtig straff. Gut gefallen haben uns die runden Formen, es gibt keine spitzen Ecken. Die schwarz-hochglänzende Schallwand wirkt edel, für die Preisklasse ist die Materialqualität gut. Auch sind die Chassis ordentlich eingepasst. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet.

Schallwand mit herausgenommenem Tieftöner

Ausgebauter Tieftöner

Dicker Magnet

Bassreflexrohr von Innen

Innen herrscht eine akkurate Verarbeitung vor

Technische Daten
  • Belastbarkeit nach IEC-Norm Long Term 120 Watt
    Belastbarkeit nach IEC-Norm Short Term 160 Watt
    Empfohlene Mindest-Verstärkerleistung 20 Watt
    geeignet zum Anschluss an Verstärker
    mit einer Impedanz von 4 Ohm
    Gehäuseaufbau Bass-Reflex
    CE-konformes Teufel-Anschlussfeld
    mit vergoldeten Schraubklemmen Ja
    Sonstiges BiWiring/BiAmping
    Maße Stereo-Lautsprecher UL 60
    Abmessungen (BxHxT) 21.30 x 102.70 x 31.70 cm
    Gewicht 18.50 kg

Testequipment
Klang

Disco Nation, Kick da Disco Nation:

Vehement geht es voran mit den Ultima 60, nie kommt auch nur im Anflug die Idee auf, dass es sich um so preiswerte Standlautsprecher handelt. Schnell sind die Kritikpunkte mit dem nicht ganz optimalen Finish vergessen – was der Lautsprecher hier leistet, ist mehr als nur eine Rechtfertigung des Kaufpreises: Der Bass besitzt Wucht und Volumen sowie Härte, der Mitteltonbereich gliedert sich prima ein, und die Hochtonwiedergabe ist nicht zu schrill, sondern sehr ausgewogen, Teufel-untypisch minimal warm, extrem angenehm und überzeugt mit gekonnter Raumausleuchtung. Der Sound löst sich überdies sehr gut vom Lautsprecher. 

Usura, Open Your Mind, DJ Quicksilver Remix: 

Bei diesem enorm bassstarken Titel stoßen die Ultima 60 an ihre Grenzen: Bei hohem Pegel reicht der Membranhub nicht mehr aus, um eine störungsfreie Wiedergabe zu gewähren. Allerdings liegen diese hier erwähnten Lautstärken in Regionen, die kaum ein Käufer dieses Lautsprechers in der Praxis je aufsuchen dürfte. Bei Pegeln sehr deutlich über der klassischen Zimmerlautstärke geht es noch mächtig voran mit den beiden „Gehörnten“: Der Bass verteilt sich intensiv und lebendig im Raum, die sehr gut eingebundene Hochtonwiedergabe punktet erneut. Es ist überragend, was der Berliner Direktvertreiber hier für den kleinen Geldbeutel an Klangpower bereit hält. 

Koala, Australia:

Auch hier wieder ein Track, der nur mit Lautsprechern, die richtig Gas im Bassbereich geben, Freude bereitet. Und die Ultima 60 sind ohne Umschweife impulstreu zur Stelle und dürften auch hartnäckige Kritiker, die die Auffassung vertreten, dass man für knapp 400 EUR/Paar keine ordentlichen Standlautsprecher bekommt, vom Gegenteil überzeugen. Die Räumlichkeit ist fürs Geld kompromisslos, die Klarheit bei hoher Lautstärke immer noch ausgezeichnet. Kleine Effektanteile werden gut eingebunden und vom Timing her stimmig in den Hörraum geworfen. Der gute Wirkungsgrad sorgt dafür, dass man kein teures Leistungswunder als Verstärker benötigt, sondern auch mit kleiner dimensionierten Einheiten ohne Schwierigkeiten arbeiten kann. 

Moti Special, Don’t be so shy:

Der 80er Jahre Dancefloor-Evergreen wird vortrefflich von den Ultima 60 behandelt, um das Flair der Zeit vollends wieder aufleben zu lassen – dynamisch, kräftig, räumlich dicht geht es voran. Die Stimme des Sängers geht nicht unter, steht aber auch nicht zu weit vorn – die Einarbeitung ist rundherum gelungen. Der angenehme, sich nicht in den Mitteltonbereich einblendende und homogene Hochtonbereich spült weitere Punkte aufs teuflische Konto. Der Klang löst sich wiederum sehr gut vom Lautsprecher und verteilt sich auch im 25 Quadratmeter-Hörraum mit intensiver Wirkung. 

Jan Hammer Project feat. TQ, Crockett’s Theme:

Harter, impulstreuer Bass mit sehr gutem Tiefgang, Volumen, Dynamik, Kraft – niemand würde vermuten, dass es sich bei unseren Testkandidaten um Einsteigerlautsprecher handelt. Nur die leichte Zurückversetzung der Stimme des Sängers und die Tatsache, dass im Gegenzug die Backgroundsängerinnen etwas zu dominant erscheinen, lassen den erfahrenen Hörer vermuten, dass nicht gänzlich aus dem Vollen geschöpft wurde. Der Klang breitet sich auch hier sehr gut im Hörraum auf. Dass in den letzten Ebenen etwas Details verloren gehen, dürfte die Klientel, die Lautsprecher dieser Preisliga kauft, kaum stören. 

Robbie Williams, Bodies:

Mit Verve und Nachdruck managen die Ultima 60 bereits den zackigen Beginn. Die kurzen, sehr zielgenauen Rhythmusfolgen binden die Berliner Boxen sehr gut aneinander und brillieren erneut mit Impulstreue und einem auch bei hoher Lautstärke angenehmen Klangbild. Die Stimme von Robbie wird zwar nicht mit der letztmöglichen vokalen Ausprägung in den Hörraum geschickt, aber das kann man von einer solchen doch unter deutlichen Kostenaspekten getätigten Konstruktion wie der Ultima 60 auch nicht verlangen. Die Stimme steht fest im Raum und ist allzeit gut zu orten, das ist schon mehr als genug für die günstige Preisliga. Kleine Dynamikunterschiede könnten noch ausgeprägter herausgestellt werden – auch das ein Tribut, das man an die Preisklasse zahlt. 

Nightwish, Wish I Had an Angel:

Teufel auch – mit Heavy Metal gehen die beiden Berliner Schallwandler hörbar gern um. Hier helfen die sehr gute Gesamtdynamik und der ausgezeichnet getimte Bass wieder auf dem Weg zu einem sehr respektablen Testurteil weiter. Wir kennen keine andere preiswerte Standbox, die hier auch nur annähernd an die Performance der Ultima 60 herankommt. Locker und souverän schlägt der Schallwandler Konkurrenten aus dem Feld, bei denen bereits eine Box locker 400 EUR kostet. Der aggressive Gesang des Sängers wird von der Teufel-Konstruktion ebenfalls ausgezeichnet eingearbeitet, auch die zweite musikalische Ebene ist nahezu komplett vorhanden, erst bei Einzelheiten wie der exakten Ausformung der E-Gitarre müssen die beiden Ultima-Schallwandler dann Federn lassen. 

Ludwig van Beethoven, 9. Symphonie:

Nun war es an der Zeit, den beiden Ultima 60 mal klassisches Gut zuzuführen. Hier zeigt sich gleich zu Beginn, dass die beiden Boxen es sogar verstehen, zumindest in Ansätzen eine gute Feindynamik zu realisieren. Mit dem prim Aufbau des Orchesters jedenfalls dürften die meisten Anwender sehr glücklich werden. Durch die gekonnte tonale Auslegung wirken Streicher nicht zu spitz oder hohl, sondern angenehm, aber gleichzeitig gut durchzeichnet. Die Räumlichkeit ist sehr gut, nur der Bassbereich wirkt bei Klassik etwas zu plump und lässt es etwas an Differenzierungsvermögen missen. Insgesamt aber sind die Ultima 60 auch bei klassischem Material keinesfalls deplatziert. 

Konkurrenzvergleich

  • Magnat Quantum 555 Standlautsprecher: Ein durchaus harter Konkurrent, der aber ohne die Unterstützung eines aktiven Subwoofers nicht so souverän aufzuspielen vermag wie die Ultima 60. Der Bass hat nicht so viel Punch und Durchsetzungskraft. Zudem wirkt der Lautsprecher bei erhöhtem Pegel etwas angestrengter. 
  • Nubert Regallautsprecher nuJubilee 35: wer wenig Platz hat und keine Standboxen stellen kann, findet hier die passende Alternative - pegelfest und neutral spielend. Mit optionalem ATM-Modul lässt sich sogar der Tiefgang erweitern - höchst erstaunlich, was da in Anbetracht der Gehäuseabmessungen und des Volumens geht. Zaubern kann aber auch Nubert nicht - an den Tiefgang einer ausgewachsenen Standbox wie der Ultima 60 können die nuJubilee nicht ganz herankommen. Der Hochtonbereich bei beiden Kontrahenten ist sehr gut - wenn auch ganz unterschiedlich: Leicht samtig, harmonisch bei der Ultima 60, sehr strahlend und brillant, schon in der Schalterstellung "linear", bei der Nubert-Box. Hier kommt es auf den persönlichen Geschmack an. 
  • Quadral Platinum M4: Im Test hat uns die M4 ausgezeichnet gefallen - für 699 EUR/Stück wird hier viel geboten, nämlich ein sehr dynamischer, neutraler, detaillierter Klang. Es hat uns sehr erstaunt, wie gering die Ultima 60 aber nur zurück liegt - sie detailliert nicht so aufwändig und besitzt nicht die Strahlkraft im Hochtonbereich, mit dem angenehmen Klang und dem tollen Tiefgang aber ist sie für Preis-/Leistungsbewusste eine überragende Alternative. 

Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Hervorragend

Fazit

Teufel stellt mit der Ultima 60 erneut seine Kompetenz beim Bau preislich ausgesprochen fair kalkulierter Lautsprecher unter Beweis. Zwar zeugen gewisse Verarbeitungsschwächen im Detail von der partiell vorherrschenden Sorglosigkeit der Verarbeitung, die in günstigen Preisklassen vorhanden ist, elementar wichtige Dinge wie einwandfreie Technik im Inneren der Box sind davon aber in keinster Weise betroffen - denn akustisch stellt die Ultima 60 ein hochtalentiertes Sonderangebot dar. Bassstark, dynamisch, impulstreu, angenehm klingend - kaum einer vermutet, dass ein Paar dieser gepflegten Akustiker weniger als 400 EUR kostet. Durch den ordentliche Wirkungsgrad können die Standboxen auch ohne Probleme mit weniger leistungsfähigen Verstärkern betrieben werden. Insgesamt beeindruckt uns die Ultima 60 mit beispielhafter Leistungsfreude zum kleinen Preis - große Kaufempfehlung. 

Optisch schicke, enorm klangstarke Standlautsprecher zum unschlagbaren Discountpreis

Stereo-Lautsprecher Einsteigerklasse 
Test 22. Juli 2010

+ Enorm kräftiger Bass
+ Sehr angenehme und doch spritzige Klangcharakteristik
+ Erstaunlich gute Räumlichkeit
+ Guter Wirkungsgrad
+ Für den geringen Kaufpreis gelungene Detailarbeit
+ Stimmiges Group Delay

- Folie saß bei einer Box nicht perfekt
- Nur eine Gehäusefarbe lieferbar

Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
22. Juli 2010

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