SPECIAL: Kurzer Einblick in die erschwingliche Display-Kalibration
13.08.2010 (phk)

Einführung
Wer heutzutage für einen nicht unerheblichen Kaufpreis einen TV erwirbt,
sollte eigentlich ein gutes und stimmiges Bild out-of-the-box erwarten können.
Leider sieht der Regelfall meist etwas anders aus. Die Displays sind für den
Demobetrieb im Geschäft optimiert und produzieren überzogene, knallige Farben
und extreme Kontrastwerte. Dem etwas entgegen wirken kann der Laie zuhause erst
einmal mit der Wahl eines "Kino"- "Film-" oder zumindest
"Normal"-modus im Gegensatz zu der im Einzelhandel häufig verwendeten
Wahl "Dynamisch". Enthusiastischen Kino-Freunden wird aber ein
Unterschied zum Silver Screen immer noch auffallen und die voreingestellten
Werte nicht ausreichen, leicht sichtbare Erkennungsmerkmale sind ein poppiges
Rot oder ein Grünstich des Gesamtbildes. In der Tat sind perfekte
Farbeinstellungen in Displays extrem selten bis gar nicht zu finden, selbst
Geräte mit Presets wie "6500K" bieten nur annähernd eine
kino-gemäße Abbildung. Kalibration von einem Profi kann hier Abhilfe schaffen,
gerade billig wird dies aber nicht. Wir wollen einen kleinen Einblick geben wie
mit probaten Mitteln, bei einem schon hochwertigen Display, eine gute
Farbdarstellung ohne tiefen Griff in die Brieftasche möglich ist.
Graustufen-Kalibration mit einem Colorimeter
Was brauche ich?
- Colorimeter (Eye One/Spyder3)
- Eine DVD/BD mit Testbildern (Bsp. AVS HD 709)
- PC mit spezieller Software (HCFR)
- Geduld und Zeit
Kostenpunkt: ~ ab 130 Euro. Abgesehen vom Colorimeter, dem Mess-Sensor, sind
unsere verwendeten Materialien alle kostenlos im Internet erhältlich. Lediglich
Zeit und Geduld müssen noch aufgebracht werden.

Sensor unter Schutzabdeckung, Saugnapf
Da wir mit diesem Bericht nur einen Blick durchs Schlüsselloch in die
komplexe Welt der Farbkalibration riskieren möchten, führen wir lediglich eine
Graustufen-Kalibration an unserem Panasonic Z1 Display durch. Eine
weiterführende Messung und Kalibration der Primär- und Sekundärfarben bleibt
außen vor. Der Panasonic beispielsweise verfügt gar nicht über ein CMS
(Colour Management System) und lässt keine weitere Veränderung an seinen
Primär- und Sekundärfarben zu. Mit der Kalibration der Graustufen wird aber
schon ein großer Schritt in Richtung kino-gemäßer Farbdarstellung gemacht.
Entgegen des vielleicht irreführenden Namens wird Rot, Grün und Blau (RGB) in
jeder Stufe zwischen Schwarz (0 IRE) bis Weiß (100 IRE) auf ein gleichmäßiges
Level und damit auf 6500K Farbtemperatur im CIE-Diagramm (Industriestandard)
gebracht. Nach einer korrekten Einstellung der Graustufen wird also das eigene
Display, neben einem Step bezüglich des Kontrasts, der korrekten
Farbdarstellung schon deutlich näher sein. Ob dem wirklich so ist, sehen wir
gleich.
Los gehts! Zunächst muss der Sensor am TV angebracht werden. Das
funktioniert im Gegensatz zu einem Projektor sehr einfach, der Sensor muss
lediglich mittig am Bildschirm befestigt werden. Unser Spyder verfügt wie jedes
andere Colorimeter über einen Saugnapf, der für das abschließende Anliegen
fest ans Display gedrückt wird. Aufpassen müssen wir nun dennoch: Im Gegensatz
zu Besitzern eines LCD-TVS können wir mit unserem Plasma nicht sofort mit der
ersten Messung loslegen. Da sich das Panel eines Plasmas mit der Zeit etwas
erwärmt, sollte man ein Minimum von 30 Min. Warm-Up abwarten. Der Sensor bleibt
währenddessen am Display, auch er muss sich an die Temperaturveränderung
gewöhnen.
Während der Wartezeit öffnen wir die kostenfreie Software ColorHCFR und
öffnen eine neue Datei. DVD Manual ist die korrekte Auswahl, da wir unsere
eigene DVD, die AVS HD 709, für unsere Testsequenzen nutzen. Nun muss noch der
passende Sensor ausgewählt werden und der Modus "xyY" unter Display
ausgewählt werden. x, y, und Y entsprechen Koordinaten im CIE-Farbdiagramm (Y =
Helligkeit lassen wir außen vor), unser Ziel ist es den D65 Punkt also 6500K
bei allen Graustufen zu erreichen, die Koordinaten sind x = 0,313 und y = 0,329.

Software ColorHCFR
Die Wartezeit sollte langsam verstrichen sein, bevor wir uns aber endlich an
die Messung und Kalibration machen, sollten wir noch ein für uns am
authentischsten erscheinendes Video-Preset unseres Displays wählen. Klar, dass
wir nicht im Modus "Dynamisch" starten. Der Panasonic hat zu unserem
Vorteil das Bildfeld "THX", ein eigentlich vorkalibrierter Bildmodus,
der aber trotzdem weiterhin genauere Einstellungen zulässt. Uns erscheint
dieser bei geringer bis keiner Hintergrundbeleuchtung am besten und wir wählen
ihn an.
Die erste Messung

Erste Graustufen-Messung
Eigentlich könnten wir nun sofort losstarten, in 10% Schritten verschiedene
Graustufenbilder anzeigen lassen und beginnen, die Werte anzupassen. Für einen
ersten Überblick lassen wir aber erst einmal einen kompletten Messvorgang
durchlaufen, um herauszufinden a) wo die Schwächen liegen und b) wie gut die
Leute von THX gearbeitet haben.
Wir starten die Graustufen-Messung und werden von der Software aufgefordert
nacheinander die verschiedenen Patterns in 10% Schritten am Display aufzurufen.
Nach der Messung können wir uns erst einmal an verschiedenen Diagrammen
austoben und sehen, wie weit wir von unserem Ziel entfernt sind. Mit einem Blick
auf die Helligkeitskurve (Luminance) kommt Freude auf, hier sind wir abgesehen
von Werten ab 80% Weiß sehr nahe an der Referenzlinie.

Luminance-Kurve vorher
Bei einem weitaus größeren Abstand nach oben oder unten ist zu überlegen
die Helligkeitseinstellung am TV etwas abzusenken oder zu erhöhen. Da die
Luminance-Kurve aber nicht nur von der Helligkeit, sondern ebenfalls von den von
uns später genutzten RGB Einstellungen beeinflußt wird, ändern wir bei
unserem vergleichsweise sehr nahen und guten Ergebnis nichts. Wir öffnen das
Diagramm "RGB Levels".

RGB Levels

deltaE-Kurve
Wir konzentrieren uns auf die obere Hälfte des Diagramms und lassen die
untere Linie vorerst außer acht. Hier ist sehr schnell zu erkennen, dass trotz
des guten Ergebnisses eine perfekte Farbdarstellung noch nicht gegeben ist. Das
Grün liegt konsequenz über den gewünschten 100%, bei gleichzeitigen zu
niedrigen Werten von Blau und besonders Rot (In der Praxis ist der Grünstich
etwa bei Hauttönen zu erkennen, ein spezifisches Beispiel sind auch die
beiden Menü-Buttons unter dem Totenkopf im Hauptmenü von "Fluch der
Karibik"). Die untere Linie ist das sogenannte "DeltaE", diese
beschreibt sozusagen die Nähe bzw. Entfernung zu unserem Zielpunkt im
Koordinatensystem (x=0.313, y=0.329). Wissen muss man eigentlich nur, dass in
jeder Stufe ein Wert von 3.0 oder weniger erreicht werden sollte, feinere
Abweichungen sind vom menschlichen Auge quasi nicht erfassbar.
Die Kalibration
Jetzt ist es an der Zeit, eigene Anpassungen vorzunehmen. Wie
heißen überhaupt die Einstellungen im TV? Grundsätzlich, in jedem Display
anders. Von RGB Bias/Offset und Gain, über RGB LowEnd/HighEnd bis zu Namen wie
Weißabgleich/Grauabgleich in unserem Panasonic NeoPDP.
Der eigentliche Vorgang ist simpel. Bei Einstellung der RGB
Highend bzw. dem Weißabgleich wählt man ein Pattern aus dem oberen Bereich
(IRE 50 bis IRE 100) und startet eine kontinuierliche Messung. Im
Startbildschirm des HCFR wird nun die RGB-Verteilung in Balkenform bzw. die
Koordinatenpunkte im oberen Diagramm angezeigt. Am Z1 sehen wir bei der
Balkenanzeige etwa 95% Rot, 102% Grün und 97% Blau. Ziel ist nun die Balken auf
gleichen Level von etwa 100% zu bekommen. Hier gilt es nun mithilfe logischen
Verstands zu experimentieren, sprich Blau und Rot in der Form anzuheben bis sich
die Werte auf gleichem Level einpegeln. Sehr schnell fällt auf dass jede
Einstellung einer Farbe Auswirkungen auf die andere hat. Ist ein Wert um die
100% aller Werte erreicht, wird ein IRE Pattern aus dem unteren Bereich, bspw.
30% angewählt und die RGB LowEnd bzw. Grauabgleich-Einstellungen angepasst und
wiederum auf ein gleiches Level der RGB-Farben geachtet. Neben der Balkenanzeige
können natürlich auch direkt die x- und y-Werte verwendet werden, allerdings
ist es fast unmöglich in jeder Graustufe die perfekten Werte zu erhalten. Auf
diese Weise wird nun die gesamte Grautreppe durchgegangen und auf den
bestmöglichen Mittelwert gebracht.
Die eigentliche Kalibration in diesem Bereich hat ein wenig mit
Experimentieren und viel mit Sisyphus-Arbeit zu tun. Dies hängt hauptsächlich
mit der Problematik der gegenseitigen Beeinflussung der verschiedenen
Einstellungen und Werte zusammen. Verändert man die RGB Einstellungen im oberen
Bereich, üben diese partiell großen Einfluss auf die Werte im unteren Bereich
aus, andersrum läuft dies genauso. Zwar üben Veränderungen im unteren Bereich
weniger Einfluß auf Veränderungen im oberen Bereich aus, dennoch wird man sehr
oft zwischen den verschiedenen Stufen hin- und herspringen müssen um ein
solides Ergebnis zu erhalten.
Aufgrund des schon sehr gut kalibrierten Displays des Z1 haben
wir es uns natürlich sehr einfach gemacht und starten nach einer Abschwächung
des Grünanteils in den Graustufen 30 IRE und 80 IRE eine weitere Messung.

RGB & deltaE Kurven nach einem ersten Tuning

Koordinatenwerte direkt ablesbar
Exzellent! Nach diesem geringen Aufwand lohnt es sich schon fast
(!) nicht mehr weiter anzupassen. Abgesehen von den ersten 20% IRE liegen wir in
allen Bereichen in einem deltaE von unter 3.0 und verfügen über ausgezeichnete
RGB-Levels. Brett-eben sind die Linien zwar noch nicht, dennoch liegen allesamt
im Gegensatz zur vorherigen Messungen sehr viel näher am gewünschten Ziel.
Generell sollte man aber von einem deutlich höheren Zeitaufwand ausgehen, um
solche Werte zu erlangen. Im unteren Bereich 0-20 sieht es noch nicht so
grandios aus, allerdings liegen in diesem Bereich auch die größten Schwächen
bei niedrig preisigen Colorimetern. Oft wird sogar empfohlen, die sehr niedrigen
Bereiche mit bloßem Auge einzustellen.
Nach einer penibleren und feineren Einstellung der Graustufe
folgt, wie oben angesprochen, in der Regel die Justierung der Primär- und
Sekundärfarben. Eine absolut perfekte Reproduktion von Filmproduktionen wird
dadurch endgültig möglich. Das zu kalibrierende Gerät muss dadurch aber
zwingend über ein Color Management System CMS verfügen und einen Eingriff auf
Primär/Sekundärfarben ermöglichen. Da der Panasonic dies nicht zulässt,
endet unser sehr kurzer Streifzug in diesen Themenbereich.
Fazit
Am Schluss noch ein paar Anmerkungen. Anspruch dieses Berichts
soll es nicht sein, eine genaue Anleitung der Graustufen- und Farbkalibration zu
sein oder gar einen besonders tiefen Einblick in die Materie zu schaffen. Eine
genaue Erläuterung aller nötigen Begriffe und Vorgänge würde die Länge und
vielleicht auch die Aufmerksamkeitsspanne sprengen. Unser Ziel war es, Interesse
am Thema der bezahlbaren Kalibration zu wecken. Weiterführende und deutlich
komplexere Informationen sowie umfangreiche Tutorials gibt es frei im Internet
(bei Interesse bitte direkt bei phk@areadvd
melden). Als letztes bleibt zu sagen, dass trotz der mittlerweile erreichbaren
Ergebnisse der "billigen" Colorimeter eine professionelle Kalibration
einen absoluten Mehrwert bietet. Wie schon kurz angesprochen ist besonders in
dunklen Bildbereichen noch ein Step nach vorne möglich. Dennoch sind teilweise
die Werkseinstellungen von Fernsehern so weit unter par, dass selbst für
Filmliebhaber ohne riesige Brieftasche eine Einstellung des eigenen Displays
klare Vorteile bietet.
Text: Philipp Kind
13. August 2010
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