TEST: Sony AV-Receiver STR-DA3600ES - Mehrkanal- und Multimediaexperte mit Ethernet-Hub

22.09.2010 (phk/cr)

Einführung

Für 1299 EUR beginnt bei Sony mit dem nagelneuen, auf der IFA präsentierten AV-Receiver STR-DA3600ES der Einstieg in die gehobene Klasse. Natürlich gewährleistet der mit HDMI 1.4-Eingängen und HDMI 1.4 Ausgang ausgestattete 3600er vollen 3D-Support. Der AV-Receiver ist DLNA-zertifiziert und ermöglicht das Streaming von Dateien, die auf PCs und Servern abgespeichert sind, die sich im Heimnetzwerk befinden. Auch nimmt der STR-DA3600 Kontakt mit den vielen Stationen des Internet Radio auf. Verschiedene DSP-Programme sowie die Fähigkeit, analog eingehende Videosignale auf bis zu 1080p hochzurechnen, sind weitere Ausstattungsmerkmale. Wir haben Sonys Angriff auf die angehende Oberklasse bereits im Test gehabt. 

Verarbeitung

Sauber geführter Eingangs- und Lautstärkeregler

AV-Eingang hinter Blende

Display

Verarbeitung Oberseite

Gerätestandfuß

Übersicht Innen

Kühlkörper

Trafo

Elkos

Kleine Zweit-Fernbedienung

Hauptfernbedienung

Video Front+Rückseite

 

Das massive Gehäuse des STR-DA3600 ES verfügt über solide Verarbeitungsqualität. Sauber verschraubt, fallen die Spaltmaße am Sony Receiver sehr gering aus. Die Bedienelemente sitzen sehr gut und wirken durch einen ausgezeichneten Druckpunkt hochwertig, der schwergängige Lautstärkeregler ist sauber geführt und eiert nicht. Der Power-Knopf sorgt nur beim größeren Modell für ein komplettes Abschalten des Geräts, am 3600ES wird der AVR lediglich in den Standby-Modus versetzt. Die Frontblende ist aus geschliffenem Aluminium und verpasst dem AVR ein zeitloses, elegantes Auftreten. Großzügig bemessene Gerätestandfüße sorgen für einen standfesten Platz im AV-Rack. Die verschiedenen Platinen im Inneren des Sonys sind ähnlich den Vorgängermodellen übersichtlich angeordnet, könnten aber über eine noch geordnetere Kabelführung verfügen. Kühlkörper plus Nutzung des Kamineffektes sorgen für eine effektive Kühlung des Gerätes. Das Layout der Hauptfernbedienung ist übersichtlich und bereitet keine Probleme, das obere Drittel ist beleuchtet, die Zweitfernbedienung ist zwar nicht beleuchtet aber ebenfalls zur Bedienung der wichtigsten Funktionen sehr gut geeignet. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet.

Anschlüsse

Anschlussübersicht

Wenig HDMI-Eingänge, dafür Ethernet-Hub

  • HDMI Eingang 4x
  • HDMI Ausgang 1x
  • Komponenteneingang 3x
  • Komponentenausgang 2x (1x Zone2)
  • FBAS Video Eingang 4x
  • FBAS Ausgang 2x (1x Zone2)
  • Coaxial Digital Audio Eingang 3x
  • Optical Digital Audio Eingang 3x
  • Analog Stereo Cinch Eingang 8x
  • Analog Stereo Cinch Ausgang 4x (1x Zone2/1x Zone3)
  • Multichannel Audio Input 7.1
  • Multichannel Audio Pre-Out 7.1
  • Ethernet-Hub 4x
  • FM/AM Antenne
  • DMPORT
  • RS232

Eine solide Auswahl an Anschlüssen bietet der Sony, Komponenten- und FBAS-Eingänge sind in absolut ausreichender Anzahl vorhanden. Wem die vier 3D-fähigen HDMI-Eingänge nicht reichen, muss zum größeren 5600ES greifen, dieser verfügt auch über einen zweiten HDMI-Ausgang. Beides sollte man auch schon in der Preisklasse des STR-DA3600ES erwarten können. Schon mancher 500 EUR AV-Receiver hat mehr HDMI-Eingänge. Durch den Zone 2 FBAS-Ausgang ist auch im Zimmer nebenan Video-Ausgabe möglich. Eine weitere Besonderheit der Sony AMPs ist der integrierte 4-fach Ethernet Hub, da die in der HDMI 1.4 Spezifikation festgelegte Ethernet-Unterstützung bisher von keinem Chip-Hersteller realisiert wurde, hat Sony schlichtweg einen internen Netzwerkverteiler eingebaut, bis zu drei zusätzliche Geräte können nun auf diese Weise mit Internetzugriff ausgestattet werden. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut.

Menüs, Setup und Konfiguration

Zuweisung der Eingänge

Übersicht des Menüs

Das Menü des STR-DA3600ES ist eine vereinfachte Form der bekannten Xcross-Media-Bar. Das übersichtliche Layout ist auch für Laien sehr einfach zu durchschauen und der Receiver so sehr einfach zu installieren und an die gegebenen Parameter anzupassen. Für einen AVR der Elevated Standard (ES)-Reihe finden wir es aber dennoch etwas simpel und vor allem bezüglich des Designs wirkt der Schwarz-Weiß-Kontrast wenig ansprechend. Ebenso negativ finden wir, dass ausschließlich die englische Sprache im Menü verwendet werden kann. Viele Heimkino-Anwender sind zwar der englischen Sprache mächtig, gerade bei Fachbegriffen fällt die Bedienung aber dann doch etwas schwer.

Ausgabe-Auflösung einstellen

Manuelle Einstellungen der Lautsprecher

Settings -> Network Settings zur Verbindung mit dem Heimnetzwerk

Systemeinstellungen für den Netzwerk-Standby und der Software-Aktualisierung

Firmware-Update via Internet

Unter Settings->Video-Settings kann die Ausgabe-Auflösung bei der Zuführung von analogen Eingangssignalen gewählt werden, digitale Signale werden ohnehin nur durchgeschleift, einen Video-Equalizer gibt es nicht. Soundfelder werden im Punkt "Surround" gewählt, im Gegensatz zum "alten" 3500ES Modell sind im 3600ES nun auch Pro Logic II Music/Neo 6: Music und Pro Logic IIz für den Betrieb von Front High-Lautsprechern integriert. Selbstverständlich sind die üblichen DSPs sowie HD-D.C.S mit den differenzierten Einstellmöglichkeiten Theater, Dynamic und Studio mit an Bord. Auch die Digital Linear Ligato-Schaltung ist jetzt schon im 3600er Modell verfügbar. Die manuellen Lautsprechereinstellungen funktionieren problemlos, in übersichtlichem Layout kann die Konfiguration, Pegel und Distanz eingestellt werden. Auf die die automatische Kalibrierung gehen wir im Bereich "Klang" genauer ein. Gesamtnote Menü in Relation zur Preisklasse: Sehr gut.

Netzwerk und Multimedia

GUI Mode - Network Setup

Wie schon im Bereich Anschlüsse angesprochen, ist im STR-DA3600ES ein 4x Ethernet Hub integriert. Einer der Slots dient dem Anschluss des Receivers an den Router im eigenen Heimnetzwerk, die drei übrigen können für andere Geräte im Heimkino/Wohnzimmer verwendet werden. Zur problemlosen Nutzung kann die Ethernet-Funktion auch im Standby-Modus des Receivers genutzt werden, zur Aktivierung wird im Menü unter Settings->Network->Network Standby auf "ON" gesetzt. Unter Network wird auch das Netzwerk-Setup durchgeführt, bei deaktivierter automatischer Adressvergabe (DHCP) kann eine manuelle Konfiguration vorgenommen werden, zudem ist hier eine Einstellung eines Proxy-Servers möglich.

DLNA-Zugriff

Der DLNA-Netzwerkclient entspricht größtenteils den bereits im STR-DA5500ES integrierten Funktionen. Im Home-Menü können direkt die verschiedenen Medienformate angewählt werden, alternativ über die Taste "Network" auf der Fernbedienung. Das Ansprechverhalten des Netzwerkclienten ist immer noch vergleichsweise langsam, sowohl im Videobereich als auch bei Musikdateien und Photos. Videoseitig spielt der Sony MPEG1/2 und WMV-Videodateien in SD-Auflösung ab, zusätzlich MPEG 4 Dateien bis 720p, den MKV Container kennt der Sony allerdings noch nicht, DivX Codecs werden nicht angenommen.

Im Photobereich werden JPEG, Bitmap und PNG-Bilddateien mit kurzer Verzögerung wiedergegeben, in der Musiksektion WAV- und MP3 Dateien bzw. AAC ohne DRM.

Auswahl an SHOUTCast Internetradiostationen

Neben dem DLNA-Klienten ist der 3600ES bereit für den Internetradio-Empfang mit SHOUTCast. Mit über 35.000 verschiedenen Stationen stellt der kostenfreie Dienst eine riesige Auswahl an Musikgenres zur Verfügung. Im Sony AVR können die Sender alphabetisch geordnet durchsucht werden. Zudem gibt es für Direktzugriff auf Lieblingssender eine Preset-Liste mit 30 Speicherplätzen.

Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet.

Testequipment
Klang

Lautsprechereinmesssystem:

Mitgeliefertes Messmikrofon

Das automatische Einmesssystem des Sony AVRs kann Abstand, Pegel und Frequenzeinstellungen an drei verschiedenen Hörpositionen vornehmen. Innerhalb von etwa 35 Sekunden à Position dauert der Vorgang je nach Lautsprecherkonfiguration. Wie schon beim Vorgängermodell kann eine grobe Einstellung durch verschiedene EQ-Kurven mit unterschiedlichen Charakteristika vorgenommen werden:

  • Front Reference: Fokussierung auf die beiden Front-Lautsprecher

  • Flat: Insgesamt verhaltene Dynamik, nicht zu empfehlen.

  • Engineer: Klar stärkere Präsenz des Tieftonbereichs und Pegelanhebung im Surroundbereich. Kann gefallen, dennoch wenig authentisches Gesamterlebnis

Insgesamt wirkt das Klangbild bei aktiviertem D.C.A.C. etwas harmonischer und dynamischer als im letztjährigen Modell, trotzdem kommt die Kalibrierung noch nicht an Ergebnisse von Audyssey oder MCACC heran, so tritt ein Absenken des Hochtonbereichs und eine schwächere Grobdynamik noch in Erscheinung. Fehlermeldungen, wie wir sie noch beim STR-DA5500ES feststellen mussten, ergaben sich keine. Wir empfehlen trotzdem weiterhin ein manuelles Einmessen der Lautsprecherkomponenten. 

Blu-ray, G.I. Joe, Tonspur Englisch, DTS-HD Master Audio, ab Filmbeginn

Schon der Music Score gleich am Anfang wird nachdrücklich und raumfüllend wiedergegeben. Das Kettenrasseln und das Wiehern der Pferde kommt hervorragend heraus. Die Stimmen wirken authentisch und vielschichtig - Sony hat hier erneut klare Fortschritte gemacht, der 3600er klingt charismatischer als der STR-DA3500ES. Das dynamische Wesen hat er von seinem Vorgänger übernommen - auch der 3600er langt beim Thema Grobdynamik mächtig hin und gehört zum Besten, was man in der Preisliga bis 1500 EUR kaufen kann. Im nächsten Kapitel, als Mc Callum seine neue Superwaffe vorstellt, beweist der 3600, wozu man nochmals deutlich teurere AVRs braucht: Hier werden die vorderen akustischen Ebenen zwar gut heraus gearbeitet, die hinteren Ebenen aber wirken nicht tief und nicht klar umrissen genug. Als die neuen gefährlichen Wunderwaffen in den Koffer verpackt werden, ist die Detaillierung sehr gut, es gibt auch nicht weitere, parallel stattfindende akustische Ereignisse in dieser kurzen Sequenz. Kurze Zeit später donnert der Helikopter durch die Luft, mit Präzision und Energie ertönen die Fluggeräusche. Das aggressive Drehen des Rotors kommt gut heraus. Als sich die beiden Soldaten im Konvoifahrzeug unterhalten, sind die Stimmen sehr gut umrissen, die weiteren kleineren Geräusche hätten wir aber gern noch eine Spur prägnanter heraus gearbeitet. Die Funksprüche zwischen Konvoi auf dem Boden und der Hiubschrauber-Begleitung in der Luft sind tadellos dargestellt. Als plötzlich das unbekannte Flugobjekt am Himmel auftaucht, werden dessen Fluggeräusche und das abrupt beginnende Feuergefecht sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt. Der sehr pegelfeste Sony lässt die Effekte auch bei hoher Hörlautstärke exakt definiert durch den Hörraum krachen. Die verschiedenen Explosionen haben Gehalt und Struktur, die Schüsse aus den Waffen wirken sehr dynamisch und kraftvoll. Die verzweifelten Schreie der angriffenenen Soldaten arbeitet der 3600 prima ein. Auch kleine Nebengeräusch nach den Explosionen wie fallende Trümmerteile kommen gut heraus. Den Music Score bindet der Sony AVR gekonnt ein, es entsteht ein Gefühl intensiv empfundener Räumlichkeit, die jederzeit echt und nie oberflächlich in Erscheinung tritt. Das hochspritzende Geröll nach den Schüssen fliegt quer durch den Hörraum, auch während der Gefechtsszenen zwischen Cobra und G.I. Joe vergisst es der 3600er nicht, den Music Score auf ansprechende Art und Weise mit einzubeziehen. 

Blu-ray, Andrea Bocelli, "Vivere - Live in Tuscany", PCM-Multichannel (5.1)

Vor dem Concerto ist kurz die Stimme des berühmten blinden Sängers zu hören, wie er sich über seine Heimat, die Toskana, äußert - hier zeigt sich erneut, dass der Sony STR-DA3600 hinsichtlich der Stimmwiedergabe Fortschritte gegenüber dem Vorläufer gemacht hat. Die Stimme klingt charismatischer, vielschichtiger - und die kleinen Umgebungsgeräusche wie das Läuten der Kirchenglocken im Hintergrund und das Zwitschern der Vögel baut der Sony auch ausgezeichnet ein. Dann beginnt das Konzert - und der 3600 meistert den Dynamiksprung mit Bravour. Mit lebendiger Entfaltung auf allen Kanälen werden die Beifallsbekundungen des Publikums wiedergegeben. Auch das Piano wirkt sehr authentisch, teilweise schafft es der Sony sogar, die Anschlagdynamik der Tasten herauszustellen. Die Ansteuerung des aktiven Subwoofer ist exzellent - der Sony legt viel Wert auf Punch und Kraft im Bassbereich, was das Gerät für Anwender prädestiniert, die gern eine dynamische, mitreißende Wiedergabe genießen möchten. Sensiblere Naturen dürften sich hingegen nicht ganz so angesprochen fühlen. Bei "Melodramma" überzeugt die harmonische, klare Stimmwiedergabe, die sehr gute Impulstreue spricht ebenfalls für den 3600. Die vorderen musikalischen Ebenen arbeitet der AV-Receiver detailreich heraus, erst weiter hinten, bei kleinen instrumentalen Einzelheiten, lässt das Auflösungsvermögen etwas nach. 

Blu-ray, Baraka, DTS-HD Master Audio 5.1, ab Beginn

Die subtilen Nuancen zu Beginn des ungewöhnlichen, interessanten Werks von Ron Fricke gibt der STR-DA3600 prima wieder - gerade in dieser Preisklasse dürfte es nur wenig Kontrahenten geben, die ihm etwas vormachen können. Die Geräusche des Windes könnten vielleicht noch eine Idee sorgfältiger eingebunden werden. Der Basseinsatz (Kapitel 2) kommt tief und satt zur Geltung. Der gesamte klangliche Aufbau während der Sequenz in Lhasa ist akkurat, dynamisch und weitläufig. Ein kraftvolles Klangbild, das urplötzlich durch enorme Bassdynamik seine Ausprägung zeigt, ist Kennzeichen des 5. Kapitels, das der STR-DA3600ES beherzt und gekonnt wiedergibt. Der eindringliche, massive Rhythmus kommt ausgezeichnet heraus und fesselt den Zuhörer. Seine Fähigkeit zur energiegeladenen Wiedergabe sorgt hier für eine enorme Imposanz.  

Klang Dolby Pro Logic IIx/DTS Neo:6

Im Dolby Pro Logic II Music Modus punktet der 3600 mit einer räumlich gekonnten Wiedergabe, die eine lebhafte Surroundklangkulisse gewährleistet, die aber nie künstlich aufgeblasen wird. Bei "We come" und "God is a DJ" von Faithless erscheint die Akustik gleichmäßig und breitet sich auch im größeren Hörraum intensiv aus. Die sehr gute Ansteuerung des aktiven Subwoofers und die gute Impulstreue sind ebenfalls zu loben. Unnatürlichen Hall addiert der Sony nicht zum Signal hinzu. DTS Neo:6 Music agiert im direkten Vergleich mit einem ebenfalls präzisen, aber weniger ausgeprägten Bass. Insgesamt wirkt DTS Neo:6 etwas feiner, bringt aber weniger Volumen mit. Das Surroundklangbild ist zwar präzise, es fehlt aber an Weite. 

Klang Stereo

Sehr gut gefällt uns der STR-DA3600ES auch im Stereobetrieb. Filigran und klar agiert der AVR im Hochtonbereich mit lediglich kleiner Einschränkung bei der Ausformung der letzten feindynamischen Details bei Vivaldis Vier Jahreszeiten. Eine ausgezeichnete Loslösung des Geschehens von den Lautsprecherkomponenten garantiert eine breite, gut gestaffelte Bühne, die den Zuhörer in die erste Reihe eines Violinkonzertes versetzt. Die Angliederung des Tieftonbereichs fällt ordentlich bis gut aus, etwas mehr Präzision und gleichzeitig weniger Muskelkraft würde der Darbietung noch mehr Authentizität verleihen. Bei Prodigys Spitfire haben wir gegen diese Auslegung nichts einzuwenden.

Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Hervorragend.

Video

Up-Conversion eingehender analoger 576i-Signale auf HDMI 1080p:

Star Wars - Episode III, Die Rache der Sith

Der Faroudja DCDI Chip im STR-DA3600ES zeigt ordentliche, aber nicht unbedingt exzellente Leistungen. Der Sternenhimmel wirkt mit vielen Sternen vor dem schwarzen Hintegrund sehr sauber, nach Beginn der Laufschrift sind aber schnell diverse Schwächen zu erkennen. Ab der mittleren Bildschirmhälfte beginnen Buchstabenkanten zu zittern und das satte Gelb etwas auszubleichen. Das Video-Processing scheint dem Bildgeschehen nicht ganz hinterherzukommen, zeitweise steht die Laufschrift ruhig am Bildschirm, schnell stellt sich aber wieder Flackern an den Kanten ein, im oberen Drittel des Displays sind auch leichte Wellenbewegungen auszumachen. Beim Schwenk auf den imperialen Zerstörer wirkt die lange, diagonale Linie und die Kommandobrücke vergleichsweise stabil, auch Farbrauschen im roten Streifen ist keines zu erkennen. An den Objektkanten der schnell manövrierenden Raumjäger sind dann aber wieder Treppenstufen zu erkennen, auch etwas Ghosting ist dem Sony nicht ganz abzusprechen. Die Plastizität der über dem Planeten schwebenden Raumschiffe ist ausgezeichnet, es klebt nichts auf der Oberfläche Coruscants. Auch die Aufnahmen in den Cockpits liefern sehr gute Gesichtsdetails und saubere Farbdarstellung, die Schwächen liegen bei Gesamtbildruhe und Kantenschärfe. Schlecht gelingt die Upconversion des Filmmaterials nicht, wiederum schneiden aber gerade die Sony Blu-ray Player in dieser Disziplin deutlich besser ab, wer also über einen solchen verfügt, sollte die Upconversion dem Player überlassen.

AVEC Professional Test DVD

  • Laufschriften: Die Schriften vor verschieden farbigem Hintergrund laufen mit konstanter Geschwindigkeit über das Display. In allen Geschwindigkeiten ist die Ausprägung kleiner, punktförmiger Artefakte zu erkennen, die Buchstaben bleiben aber problemlos ablesbar. Die Farbtrennung wirkt gut, gelingt im roten Bereich aber etwas schwächer. 
  • Schwingendes Pendel: Die Differenzierung der Balken ist hier bis in den unteren, schnellsten Bereich ausgezeichnet. Pendelmitte bis hin zur Spitze zeigen aber Nachzieheffekte
  • Stadtbild Esslingen: Die Mauerlinie bleibt beim Kameraschwenk stabil, die oben aufliegenden Dachziegel verschwimmen aber leicht und zeigen nicht jegliches vorhandene Detail. Scaling-Artefakte an den Hausdächern sind nicht übermäßig ausgeprägt, aber sichtbar. Rasen- und Pflastersteinstruktur ist sehr gut, das Grün aber minimal zu intensiv.

Fazit Video

Der Sony konvertiert lediglich analog eingehende Videosignale auf 1080p hoch. Schlecht schneidet der integrierte Chip nicht unbedingt ab, trotzdem konnten wir unsere oft geprüften 576i-Signale schon in deutlich höherer, und vor allem stabilerer Qualität sehen. Besonders die Bildruhe ist nicht auf optimalem Level. Das Durchschleifen von 24p Signalen, auch in 3D, müssen wir nicht beanstanden. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Gut.

Konkurrenzvergleich
  • Sony STR-DA3500ES: Mit HDMI 1.4 Anschlüssen und der daraus resultierenden 3D-Tauglichkeit, mehr Feindynamik, einem verbesserten Einmesssystem, Dolby Pro Logic IIz und Ethernet-Hub lässt der 3600 den Vorgänger hinter sich. Wer den ebenfalls dynamischen und kräftigen STR-DA3500ES aber als preiswertes Auslaufmodell kauft und weder PLIIz noch HDMI 1.4 braucht, wird auch mit dem 3500 sehr zufrieden sein. 
  • Denon AVR-3311: Der Denon AVR-3311 ist der aktuelle Klassenprimus in der Liga bis 1500 EUR, was in seiner hohen Ausgewogenheit begründet liegt. Eine hervorragende Audio- und eine ausgezeichnete Videoperformance, ein durchdachtes Bedienkonzept, eine hochsolide Verarbeitung und die sinnvolle Anschlussbestückung sprechen für den Denon. 
  • Onkyo TX-NR1008: Der ebenfalls sehr pegelstabile TX-NR1008 wirft gegen den STR-DA3600ES viele schlagkräftige Argumente in die Waagschale: THX Select 2 Lizenz, 9 Endstufen, Audyssey DSX, jede Menge HDMI 1.4-Eingänge, 2 HDMI 1.4 Ausgänge und einen enorm samtigen, feinen Hochtonbereich plus extrem angenehmer Gesamtwiedergabecharakteristik. Was hat der Sony diesen Pluspunkten des Onkyo entgegen zu setzen? Noch mehr Grobdynamik, erweiterte Streamingmöglichkeiten, einen Ethernet-Hub, die hochwertigere Fernbedienung und enorme Wucht im Bassbereich. Bei beiden AVRs entspricht die Videosektion nicht mehr dem letzten technischen Stand.  Letzten Endes ist es eine Frage des Geschmacks und der Ausstattungspräferenzen, der STR-DA3600ES zeigt auf jeden Fall, dass Sony wieder an der Spitze im AVR-Business zu finden ist. 
Fazit

Der Sony STR-DA3600ES kann aus klanglicher Sicht nahezu voll begeistern und befindet sich hier auf Augenhöhe mit den Besten. Ginge es nur um die Akustik, wäre dem bärenstarken, dynamischen Sony ein Referenz-Prädikat sicher. Doch leider sind AV-Receiver mittlerweile Schaltzentralen für die ganze Audio-/Video-Anlage, so dass wir noch mehr Eigenschaften mit in die Bewertung einbeziehen müssen. Und da scheinen Schwächen durch, die die Klassifizierung als Referenz verhindern: Zu wenig HDMI-Anschlüsse, eine Videosektion mit veraltetem Faroduja-Chip, die zudem nur analog eingehende Signale hoch konvertiert, und eine zu geringe Formatvielfalt beim Streaming. So löblich es ist, dass Audio-, Video- und Fotodateien von PCs und Home Servern übertragen werden können - es wäre wünschenswert, wenn der 3600 mehr Formate akzeptieren und darstellen könnte. Die Verarbeitung des Sony AV-Receivers ist tadellos, die Bedienung relativ einfach. 

Solide verarbeiteter, extrem dynamischer und kraftvoller AV-Receiver mit Ethernet-Hub

AV-Receiver Obere Mittelklasse
Test 22. September 2010

+ Solide Verarbeitung
+ Pegelfest
+ Grobdynamisch sehr überzeugend
+ Gute Feindynamik
+ Enorme Räumlichkeit
+ Streaming von Audio-, Video- und Fotodateien
+ Ethernet-Hub erweitert Einsatzmöglichkeiten
+ Einmesssystem verbessert

- keine Upconversion digitaler Eingangssignale
- Zu wenig HDMI-Eingänge und nur 1 Ausgang
- Zu geringe Formatvielfalt beim Netzwerk-Streaming


Text: Carsten Rampacher, Philipp Kind
22.09.2010

Technische Daten: www.sony.de

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