TEST: Quadral Argentum 390 & 370 - Die Stereo-Standlautsprecher der neuen Argentum Serie

17.01.2011 (phk)

Einführung

Die neuen Standlautsprecher-Modelle 390 und 370 der bewährten Argentum Serie von Quadral sind zu Stückpreisen von 459 und 349 Euro UVP erhältlich. Die Neuauflage bietet neu konstruierte, verlustarme Magnetsysteme in den Chassis und eine verbesserte Frequenzweiche und soll durch ausgeglichene, neutrale Tonalität den anspruchsvollen Hörer begeistern. Ob Klassik, Jazz oder elektronischer Musik der schnelleren Gangart, die Argentum Serie will in jedem Genre überzeugende Arbeit leisten und sich so als vielseitiger Allround-Lautsprecher präsentieren. Die beiden 3-Wege-Bassreflexlautsprecher weisen eine Nennbelastbarkeit von 140 bzw. 100 sowie eine Musikbelastbarkeit von 200 bzw. 150 Watt auf mit einem angegebenen Wirkungsgrad von 89db bzw. 88db. Die Chassis-Bestückung umfassen zwei 170mm Tieftöner, eine 25mm Hochtonkalotte und einen zusätzlichen 135mm Mittentöner im Paar der 390, in der 370 übernimmt der zweite Tieftöner Bereiche der mittleren Frequenzen. Wir möchten uns im Praxistest von den Stereoqualitäten der beiden Standlautsprecher der neuen Argentum Serie überzeugen.

Verarbeitung

Front- und Rückansicht

Gehäuseverarbeitung

Argentum 370 und Argentum 390

Video

 

Quadral Argentum 390

Hochtöner

Detail am Mittentöner

im ausgebauten Zustand

Gehäusekanten Rückseite

LS-Anschlüsse

Detailansicht Standfuß

Quadral Argentum 370

Argentum 370

Gehäuseverarbeitung Front Argentum 370

Kantenverarbeitung

Die Argentum Komponenten wirken edel, schlicht und solide verarbeitet. Die Schallwand in Hochglanz bietet saubere Kanten und einen geschliffenen Materialübergang zum folierten Gehäuse. Etwas spitze Gehäusekanten ordnen auch die größeren Vertreter der neuen Argentum Serie ihrer Preisklasse zu. Die Chassis sitzen sehr sauber und sind fest im Gehäuse eingepasst. Für guten Halt sorgen Standfüße aus Kunststoff auf der Unterseite. Die Lautsprecheranschlüsse auf der Rückseite sind für die Preisklasse gut. Die große 390 ist mit zwei 170mm Tieftönern, einem 135mm Mittentöner und einer 25mm Hochtonkalotte ausgestattet und mit einem Übertagungsbereich von 28 - 45.000 Hz angegeben. Mit Abmessungen von 1060 x 185 x 345 mm bringt der Standlautsprecher 17,77 kg auf die Waage. Der etwas kleineren 370 fehlt der 135mm Mittentöner, so muss der zweite 170mm Tiefmittentöner auch die etwas höher liegenden Frequenzen übernehmen, dafür ist der zweite Tieftöner in einer separaten Gehäusekammer mit eigenem Bassreflexrohr untergebracht, so dass sich keine gegenseitigen Beeinflußungen ergeben. Die Maße der 370 sind 960 x 185 x 290 mm bei einem Gewicht von 13,95kg. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - Hervorragend.

Testequipment
Klang

CD, Vivaldi - Vier Jahreszeiten

Dynamisch und schwungvoll geht die Argentum 390 an unser erstes klassisches Testsample heran. Die Violinen klingen wunderbar an und stehen sauber gestaffelt auf breiter Bühne. Der Hochtonbereich erfreut sich neutraler Auslegung. Sehr differenziert empfinden wir die detaillierte Ausstaffelung, dank sehr guter Durchhörbarkeit entgeht den Argentum keine Feinheit. Auch die 370 macht hier eine außerordentlich gute Figur, wenn auch die Kulisse nicht identisch transparent wirkt. Hohe Geschwindigkeit wird bei den Violin-Tiraden im Presto-Abschnitt des Konzerts in g-Moll an den Tag gelegt, gleichzeitig bleibt die Harmonie in den verschiedenen Frequenzbereichen erhalten. Auch die niedrigen Frequenzen schließen sich nahtlos an und bieten ein fundiert, geschliffenes Klangbild, gerade der nüchtern empfundene Tieftonbereich empfiehlt sich in diesem Genre und trägt zu einer authentischen Bühnenkulisse bei. Dabei wirken die tiefen Frequenzen nicht aufgedickt sondern bieten ein präzises Komplement zu den seidigen Klängen der höheren Frequenzen.

CD, Andrea Bocelli - De'll amore non si sa, L'attesa, Un nuovo Giorno

Glaubhafte Stimmcharakteristik können wir der Argentum 390 attestieren. Mit hoher Authentizität lassen die Quadral die Feinheiten und Details der Stimme Bocelli's erkennen und lassen einen ausgezeichneten Bühneneindruck entstehen. Die Stimme löst sich elegant von den Komponenten und steht zentral vor dem Hörer. Wohl temperiert erklingt das Piano in L'attesa. Ein harmonisches, dichtes Klangbild umschließt den Hörplatz, die übrigen Instrumente wirken gekonnt in Szene gesetzt und werden von Bocelli's starker Stimme nicht verdrängt, lediglich der einsetzende Paukenschlag scheint etwas hintergründig. An Kraft und Tiefgang mangelt es den Argentum Lautsprechern in diesem Sample empfundenermaßen nicht, ohne zu starke Betonung gliedern sich die tieferen Anteile gekonnt in die Kulisse. Die Finesse und das Detailvermögen, mit der die neuen Argentum Komponenten in den eher klassischen Musikgenres herangeht, ist beeindruckend. Hier stellt sich besonders die große 390 in den Vordergrund, die 370 stellt zwar markante Charakteristika von Andrea Bocelli's Vokalklängen dar, zeigt aber nicht die große Detailverliebtheit und tadellose Konturierung der großen Schwester. Das zeigt sich auch bei den Piano-Klängen, der feine Anschlag ist schwerer herauszuhören. Bühnenaufbau und Instrumentalstaffelung beherrscht auch die 370 ausgezeichnet.

Blu-ray, Celine Dion - A New Day

Nicht weniger begeisternd erklingen die weiblichen Vokalklänge Celine Dions. Der leicht gehauchte Gesang der französischen Diva ist exakt getroffen, feine Charakteristika gehen nicht verloren. Das nicht nur in der Stimmwiedergabe, auch Feinheiten der umgebenden Instrumente werden erfasst und tadellos in das Bühnenbild eingebunden. Ausgezeichnet gelungen empfunden wir auch das Schlagwerk im zweiten Track des Las Vegas-Konzertes, mit präzisen Drum-Anschlägen und stimmig kräftigen Bässen wird Authentizität im ganzen Frequenzspektrum hoch gehalten. Beide Paare bieten hier solide Leistungen, wenngleich die 390 noch differenzierter und feinfühliger daherkommt. Die sensationelle Transparenz und die penible Berücksichtigung Celines Stimmcharakteristika der 390 in ihrer Preisklasse sticht die hausinterne Konkurrenz aus. 

CD, Jan Hammer Project feat TQ, Crockett's Theme

Langsam werden uns die neuen Argentum Standlautsprecher unheimlich. Beim laid-back, easy-going Track des Jan Hammer Projects entwickelt die 390 eine wahnsinnige Spielfreude und wirkt lebendig und dynamisch. Die knackigen Bässe werden absolut trocken und präzise wiedergegeben. Man muss zugeben, die Argentum ist nicht für Anwender konzipiert, die es untenrum gerne etwas "dicker" haben. Absolut trockene Nüchternheit wird hier geboten - und das ist genau nach unserem Geschmack. Hier stimmt fast alles: ein balanciertes, harmonisches Klangbild mit begeisternder Lebendigkeit, hohem Detailvermögen und fundierter Dichte. Bis auf etwas geringere Dichte und Fundament in den mittleren Frequenzbereichen müssen wir auch der 370 keine Einschränkungen attestieren.

CD, The Prodigy - The Good, Spitfire

Ihre Pegelfestigkeit müssen die Argentum Komponenten auch unter Beweis stellen - und was ist diesbezüglich besser geeignet als eine ordentliche Runde Breakbeat mit Prodigy. Verstecken muss sich besonders die 390 keinesfalls, höchste Pegel können hier gefahren werden ohne großzügig an Harmonie einbüßen zu müssen, selbst der Hochtonbereich wirkt nicht allzu aggressiv. Wie schon angesprochen, wird dem ein oder anderen Bass-Fanatiker die sehr nüchterne Auslegung der tiefen Frequenzen etwas zu asket sein. Für noch mehr Tiefgang und kräftigeren Bässen liefert steht der Subwoofer 63 DV als passende Komponente bereit. Unbedingt nötig ist dieser im Stereobetrieb selbst bei den kleineren Argentum 370 keinesfalls, präzise und schnell agieren die Tieftöner in beiden Paaren. Lediglich in extremen Pegelbereichen gleitet der Hochton beim kleineren Vertreter flotter in den unangenehmen Bereich ab.

Blu-ray, DJ Tiestö - Elements of Life, Traffic & Back in Your Head, DD 2.0

Gute räumliche Atmosphäre, hohe Pegelfestigkeit und ausgezeichnete Lösung des Klanggeschehens von den Komponenten zeichnen hier die große 390 aus. Der Kickbass kommt stimmig aggressiv, etwas mehr Tiefgang und größeres Volumen wünscht sich hier der audiophile Techno-Begeisterte. Ein solides untergründiges Bass-Fundament zeigt sich dennoch beim zweiten Track "Back in Your Head". Wieder beglückt uns das transparente Klangbild mit vielen Details und feiner Konturen in der Stimme Teagans & Saras. Die schnelle Frequenzsprünge meistern die Argentum Schallwandler tadellos, eine längere Hörsession bei höherer Lautstärke ist dank der guten Balance problemlos möglich. Der Hochton ist zwar klar, wird aber nicht schrill und unangenehm. Die kleinere 370 liefert hier eine ebenso solide Performance ab, mit beinahe ebenbürtiger Pegelfestigkeit wird eine räumlich dichte Kulisse gebildet und die harten Kickbässe in den Raum geschleudert. Ist der eigene Hörraum also nicht allzu groß, beschallt auch die kleine Schwester ohne Harmonie-Einbußen bei hohem Pegel. Das Klangbild wirkt aber nicht ganz so fein konturiert und transparent wie der Aufbau der 390, auch die Stimmwiedergabe beim zweiten Testbeispiel ist zwar gut, aber nicht im gleichen Maße mit charakteristischen Zügen versehen.

Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Hervorragend.

Konkurrenzvergleich

Heco Metas XT-501: Mit etwas ausgeprägterem Tieftonbereich und zurückgenommener Brillianz verfügt die Metas XT501 über eine etwas andere Auslegung wie die Quadral Argentum. Die Argentum löst im Hoch- und Mittenbereich feiner auf und detailliert vokale Charakteristika genauer. Insgesamt wird die Argentum mit ihrer feindynamischeren Differenzierung und neutraler Auslegung den Stereo-Hörer eher ansprechen.

Magnat Quantum 657: Die Quantum 657 bestechen in der Preisklasse ebenfalls durch solide Verarbeitungsqualität und Flexibilität. Räumlicher Bühnenaufbau und stimmige Instrumentalstaffelung zeichnen beide Schallwandler aus. Die Quantum wirkt untenrum etwas runder, im Mitten- und Hochtonbereich sind die neuen Argentum Modelle filigraner und lösen feiner auf.

Teufel T 400: Die Teufel T 400 treten noch etwas schlanker auf als die Argentum 390 und 370, zeigen ähnlich elegant schicke Optik und bieten trotz des geringen Preises sogar etwas hochwertigere LS-Anschlüsse. Akustisch spielen beide Komponenten lebendig und dynamisch auf. Die Teufel Lautsprecher verfügen im insgesamt über eine sehr angenehme Auslegung, die Argentum spielen hingegen etwas neutraler und wirken in der Stimmwiedergabe feiner detailliert. Wie bei den Quadral Komponenten sollte auf einen vergleichsweise leistungsstarken AVR zurückgegriffen werden.

Fazit

Die Standlautsprecher der Neuauflage der Quadral Argentum Serie bieten zu einem sehr fair kalkulierten Kaufpreis dynamischen, differenzierten und harmonischen Klang. Bedenkt man die Preisklasse der Stereo-Komponenten von 459 bzw. 359 Euro UVP Stückpreis für die 390 und 370 begeistert insbesondere die hohe Transparenz und das Detailvermögen der gebotenen Klangkulisse. Geradezu pedantisch werden feine Charakteristika und filigrane Differenzierungen bedacht - und das bei jeglichen Musikgenres. Feine Instrumentalklänge, markante Stimmwiedergabe in authentischem Bühnenaufbau im klassischen Bereich oder schnelle, hochdynamische Frequenzsprünge im elektronischen Genre - die Argentum Standlautsprecher geben sich keine Blöße. Eine neutrale Auslegung in den Frequenzbereichen beschert authentischen Hörgenuss. Wem der nüchterne Tieftonbereich etwas zu schmal ist, kann sich im selben Hause nach einem DV 63 Subwoofer umsehen, gerade im Musikbetrieb garantieren die Argentum Lautsprecher im Solo-Betrieb aber tolle Harmonie und Balance. Abgesehen von Pegelfestigkeit und einem nicht ganz so prägnanten und detailfreudigen Mittenbereich ist auch die Argentum 370 bedenkenlos einzusetzen und begeistert mit den identischen Qualitäten ihres großen Geschwisterpaares. Beide Schallwandler verdienen sich durch ihr exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis unser Prädikat "Überragend".

Stereo-Standlautsprecher mit hoher akustischer Detaillierung und Transparenz

Stereo-Standlautsprecher untere Mittelklasse
Test: 17. Januar 2010

+ Exzellente Feindynamik für die Preisklasse
+ Hohe Transparenz
+ Ausgezeichnete Lösung des Klanggeschehens
+ Sauberer Bühnenaufbau
+ Faire Preisgestaltung

- durchschnittliche LS-Anschlüsse

Text: Philipp Kind
Fotos: Thomas Hermsen
17. Januar 2011

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