TEST: Mirage MX 5.1 Home Theater System - Klangkünstler im Nano-Format?
11.08.2010 (phk)

Einführung
Mirage heißt der kanadische Lautsprecherhersteller des enorm
raumökonomischen Surround-System MX 5.1. Das elegant schlichte Heimkino-Set
der kleinsten Reihe kommt für Anwender mit problematischen
Platzierungsmöglichkeiten für 899 Euro vom Direktvertrieb in die eigenen vier
Wände. Die omnipolaren Satelliten sollen jeden erdenklichen Hörplatz in einen
Sweet Spot verwandeln und dabei großen Klang im Kleinpaket liefern.
"Minimum eXposure, MaXimum eXcitement" lautet die Devise und bedeutet
frei übersetzt ein Maximum an Spaß bei einem Minimum an Belastung (des Raumes,
des WAF). Der Wahrheitsgehalt des zweiten Parts ist auf erstem Blick sofort
erkennbar, wir haben die substantiellen Qualitäten der Kanadier genauer
überprüft.
Verarbeitung

Satellit

Offen

Speaker

Tweeter

Geschlossenes LS-Gitter am Satellit

LS-Klemmanschlüsse

Vorbereitet für die Wandaufhängung

Gerundetet Kanten am Subwoofer

Feste Aufhängung der Sub-Membran

Rückseite des MM-6

Hochwertige Cinch-Anschlüsse

Einstellungen am Sub

Lautsprechergitter
Die Materialqualität des Mirage Systems überzeugt auch bei
genauerem Hinsehen. Das Hochglanz-Finish sitzt tief an allen Komponenten, Kanten
und Grate sind nirgends zu entdecken. Sauber gerundete Kanten finden sich an
Subwoofer sowie den Satelliten. Lautsprechergitter sind an den
Surround-Komponenten mit Magneten befestigt, aus Kunststoff gefertigt und sitzen
perfekt. Die Lautsprecherkabel werden zwar nur mittels Klemmen befestigt, sind
aber aus Metall gefertigt und wirken hochwertig. Die Anschlüsse liegen auf der
Rückseite der Lautsprecher, geöffnet werden sie aber durch Druck auf die
Klemmen auf der Unterseite, die hinter einer Gummiabdeckung versteckt liegen.
Alle Surround-Speaker sind für die Wandhalterung vorbereitet. Gumminoppen auf
der Unterseite könnten etwas größer dimensioniert sein um etwas mehr
Auflagefläche zu bieten. Der Subwoofer ist etwas besser vom Boden entkoppelt
und verrutscht nicht. Das Lautsprechergitter ist aber konventionell anzubringen
und wirkt ein wenig lapidar. Auf der Rückseite finden sich Lautstärke-,
Phasen- und Crossovereinstellungen, die Cinchanschlüsse sind hochwertig.
Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - Hervorragend.
Testequipment
Klang
HD-Tonformate
2L - The Nordic Sound - Mozart Streichquartett, Sonate für Cello &
Piano, Recitative Arie/Tone Wik
Die Streicher in unserer ersten Testsequenz gelingen den kleinen Mirage
Omnipolen überraschend gut, etwas deftig in den Spitzen wirken die Violinen
ansonsten weich und angenehm. Die Auflösung im Hochton- und Mittenbereich ist
ordentlich, in puncto Feingeistigkeit geht aber noch mehr, die letzte
charakteristische Prägnanz bspw. bei der Anschlagdynamik fehlt ein wenig. Die
Stimmwiedergabe während der Arie, gesungen von Tone Wik, gefällt uns ganz gut,
passend weich werden dynamische Sprünge nahtlos gemeistert. Das Zusammenspiel
mit dem Subwoofer ist ebenfalls sehr gut, dezent, aber bei Bedarf ausdrucksstark
bindet sich der LFE ein. Die Bühnenstaffelung geht unserer Ansicht nach leider
etwas verloren, Piano & Violine sitzen beide zentral, während des
Streichquartetts gelingt dies zwar etwas besser, dennoch wirkt die Bühne
insgesamt etwas klein.
Tiesto - Elements of Life, Live in Copenhagen, Back in Your Head & Adagio for Strings, DTS-HD
MA 5.1
Der Subwoofer des Mirage bietet bei Tiestos harten Kickbässen eine mehr als
solide Performance. Mit perfekter Geschwindigkeit hämmert uns die kleine Box
die tiefen Frequenzen um die Ohren, gleichzeitig bleibt die Präzision auf
absolut stimmigen Level. Große Boliden schaffen eine noch etwas voluminösere
Grundstruktur und etwas mehr Tiefgang, wir sind trotzdem von der Brutalität des
Mirage MM 6 begeistert. Eine sehr gute räumliche Atmosphäre mit nicht ganz
fülligem Volumen bieten auch die Surround-Komponenten, Frequenzverläufe
Front-Surround verlaufen nahtlos, lediglich das sonst lautstarke Publikum wirkt
etwas zurückhaltend. Teagans Stimme hebt sich gut von den Lautsprechern und
steht zentral im Raum. Etwas einschränken müssen wir bei den effektlastigen
Synthesizer-Einspielungen, leicht stumpf wirken die sonst klaren melodischen
Motive.
Batman - The Dark Knight, Kapitel 1, Dolby TrueHD 5.1
Kein schlechter Beginn im ersten Kapitel. Zwar steht die feindynamische
Differenzierung im LFE-Bereich beim Aufschießen des Fensters im Bürokomplex
etwas in der Leistung des Subwoofers hintenan, der MM 6 zeigt aber für seine
Größe eine beachtliche Performance. Sogar das unterschwellige, wellenartige
Grummeln schafft der Sub mit authentischer Fülle. Die Stimmcharakteristik der
Clowns mit Maske geht etwas verloren, die nur mäßige Wiedergabe fällt auch
bei William Fichtner auf, die Aggressitivität und Wut in der Stimme wird nicht
tadellos ausgeformt. Die Räumlichkeit und Loslösung der Geschehnisse ist
wiederum ausgezeichnet, die MG-Schüsse bei Betreten der Bank sind klar und
fliegen nach oben hin weg. Auch das Aufschwingen bei Öffnung der Safe-Tür, in
der sich der LFE erneut nahtlos einbindet, wirkt sehr räumlich. Leichter und
beinahe einziger Tadel unsererseit gegenüber des Subwoofers ist beim letzten
Pumpgun-Schuss Fichtners zu vermelden, der Tiefgang reicht nicht ganz an die
eigentlich abgemischte Ausprägung heran.
Harry Potter and The Order of The Phoenix, DTS-HD MA 5.1
Bei Harry Potter gelingt unserem Empfinden nach die Loslösung von den
Komponenten, insbesondere während der Stimmwiedergabe, nicht so gut. Sowohl
Bellatrix Lestranges als auch Voldemorts Stimme hängt zu sehr am Center fest.
Gerade der dunkle Lord steht eigentlich etwas erhöht und sehr zentral, beinahe
über dem Kopf des Hörers. Der gewollte Hall ist zwar noch erkennbar, kommt
aber auch nicht ganz ausgeprägt zur Geltung. Grundsätzlich fehlt es etwas am
Grundton und Volumen, auffallend bei der Ankunft Dumbledores durch das Floo
Network wirkt das Auflodern zu flach. Bindet sich der Subwoofer mit ein, wie
z.B. bei der Erhebung des Feuerdrachens ist der negative Eindruck deutlich
schwächer ausgeprägt. Die Räumlichkeit ist weiterhin ausgezeichnet: durch den
Raum zuckende Blitze und rundum splitterndes Glas lösen Gefallen aus, trotzdem
empfinden wir diese Testsequenz als schwächste Performance, man fühlt sich als
Zuhörer nicht zentral in ein massives Klanggebilde eingebunden, wie es sonst
sehr oft im 29. Kapitel der Fall ist.
CD - Stereo
Vivaldi - Die vier Jahreszeiten, Jan Hammer - Crockett's Theme
Mit wenig Einschränkungen lässt sich das Mirage MX Set auch mal im
Stereobetrieb verwenden. Dank der exzellenten Subwoofer-Einbindung ist sowohl im
klassischen, als auch elektronischen Musikbereich keine schlechte Performance
geboten. Wie schon erwähnt ist die Bühnenstaffelung nicht unbedingt die
Stärke des Systems, bedingt durch die auf Raumreflexionen abgezielte
Technologie muss der Raum für eine perfekte Bühnendarstellung ebenso perfekt
abgestimmt sein. Mit leicht gedämpften Einschlag vernehmen wir das
"Crockett's Theme". Angenehm weibliche Humming-Parts, gute Dynamik und
ein durch die Bank starker Subwoofer fahren dem MX Punkte im letzten Sample ein.
Eigenschaften im Kurzüberblick
- Tonalität: Etwas spitz bei effektlastigen Spektakeln, ansonsten stimmig
angenehm im Hochtonbereich, zurückhaltend in den Mitten mit wenig
ausgeprägtem Charakter, dafür sauber, schnell und kräftig im Tiefton.
- Räumlichkeit: Ausgezeichnet. Bezüglich der Räumlichkeit haben wir wenig
auszusetzen. Partiell fehlt zwar etwas die Fülle, durch die homogene
Verteilung sind aber Frequenzlücken nicht vorhanden und eine
Surround-Kulisse sauber abgebildet.
- Grobdynamik: Mit guter Geschwindigkeit setzt das Mirage Set
Dynamiksprünge sauber um und glänzt in Relation zur Lautsprechergröße
mit einem breiten Frequenzspektrum.
- Feindynamik: Die Feindynamik ist erwartungsgemäß eher schwach
einzuschätzen. Feine Charakteristika in Stimmen als auch bei diffizilen
Strukturen im Tieftonbereich gehen verloren.
- Tiefgang: Der Tiefgang ist beinahe unser einziger Kritikpunkt am Subwoofer
MM 6. Mit Kraft, Präzision und hoher Geschwindigkeit stellt er das
Glanzstück der Kanadier im Mirage MX Set dar.
- Pegelfestigkeit: Hier steht das System sehr gut da, Verzerrungen bei hoher
Club-Lautstärke ist nicht zu vernehmen, zumal das Set ohnehin nicht in
allzu groß bemessenen Räumen zum Einsatz kommen sollte.
- Wirkungsgrad: Tadellos. Um die kanadischen Surroundkomponenten ohne
Einschränkungen betreiben zu können, ist keinesfalls ein Muskelpaket
erforderlich.
Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Sehr gut - Ausgezeichnet.
Fazit

Mit sehr guten Klangqualitäten, ansprechendem Design und
ausgezeichneter Verarbeitung schmeicheln sich die Kanadier bei Ästheten mit
hohem Anspruch an geringem Platzbedarf ein. Trotz des Nanoformats werden
klangliche Qualitäten weiterhin berücksichtigt, mit einem exzellenten
Subwoofer hebt sich der Tieftonbereich mit sehr soliden Leistungen in den
Vordergrund. Omnipolare Surround-Komponenten überzeugen besonders bezüglich
Räumlichkeit und einer homogenen Surround-Kulisse. Leichte Abzüge für eine
zurückhaltende Charakteristik in der Stimmwiedergabe und keiner ausgeprägten
Feindynamik handeln dem Mirage MX 5.1 HGB ein immer noch ausgezeichnetes
Gesamtergebnis ein.
Surround-System mit exzellentem Subwoofer, wenig Platzbedarf
und ausgezeichneter Verarbeitung
Mehrkanal-Lautsprechersysteme Obere Mittelklasse
Test: 11. August 2010
+ Design
+ Unproblematische Aufstellung
+ Hochwertige Verarbeitung und Materialqualität
+ Kräftiger und präziser Subwoofer
- mäßige Stimmcharakteristik
- keine besonders ausgeprägte Bühnenstaffelung
Test: Philipp Kind
11.08.2010
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|