TEST: Regallautsprecher Magnat Quantum 553 - kompakte, preiswerte Universaltalente

23. Juli 2010 (Frank Querfurth)

Einführung

Laut den Marktpreisen führender Anbieter gibt es das Regallautsprecher-Paar für knapp unter 200 € in den Farben Schwarz, Nussbaum oder Kirsche. Das ist ein enorm günstiger Preis, für Einsteiger aber doch ein gutes Stück Geld, das nicht unüberlegt angelegt werden soll. Beim zeitgemäß gestalteten Schallwandler fällt die sich nach vorn verjüngende Delta-Gehäuseform sofort ins Auge, welche laut Hersteller stehende Wellen reduzieren soll, was zur Verbesserung der Klangqualität beiträgt. Optimiert wurde die Gesamtkonstruktion mit einem „Impulse-Distortion-Analyser“, dem sog. Klippel®-System, das laut Hersteller am PC reale Klangbedingungen simuliert. Wir haben überprüft, ob man die Quantum 553 für den Stereo-Einsteiger empfehlen kann. 

Video: Die Quantum 553 im Überblick

 

 

Verarbeitung

Passungen im Detail - hier der Tiefmitteltöner, sehr gut...

...und hier der Hochtöner, nicht ganz perfekt

Nicht ganz penibles Finish bei den Gehäuseecken

Gummifüße

Terminal

Das trapezförmige Gehäuse besteht aus hochwertigen MDF-Holzplatten die mit den jeweiligen Design-Folien beklebt sind, welche sich beim Auspacken samtig geschliffen und für die Preisliga sehr hochwertig anfühlen. Die beiden Treiber sind gut, aber nicht perfekt eingepasst, wie man bei genauem Hinschauen feststellen kann. Hier wird eben doch ersichtlich, dass man für den geringen Preis keine qualitative Sensation erwarten kann. Das zeigen auch die etwas spitzen Gehäusecken. Prima gefallen uns die vergoldenten Bi-Wiring-Terminals, hier allerdings stellt sich die Frage nach dem praktischen Nutzen. Auch, wenn die hübschen Regalboxen sicherlich mit ordentlichen Belastungswerten aufwarten können, so ist es wohl kaum von Nöten, für Tiefmitteltöner und Hochtöner jeweils eine Endstufe eines entsprechend gerüsteten Verstärkers zur Verfügung zu stellen. Dies wäre nur dann auch bei diesem Schallwandler sinnig, wenn die eingebaute Frequenzweiche außergewöhnlich schlecht wäre - was sie aber keinesfalls ist, im Gegenteil: Die aus Bauteilen ordentlicher Qualität bestehende Frequenzweiche macht einen vernünftig dimensionierten Eindruck. 

Der empfohlene Abstand von der Hörraumwand zur Rückwand der Box sollte mindestens 20 cm, zur Seitenwand mindestens 30 cm betragen. Hierdurch soll laut Hersteller eine übertriebene, unpräzise Basswiedergabe verhindert werden, typisch für Bassreflexboxen. Wir raten nach umfangreichen Testreihen, Abstände von mindestens 30 bzw. 50 cm einzuhalten, damit sich der Lautsprecher bestens entfalten kann. Wichtig für eine souveräne Wiedergabe ist ferner, dass sich der Hochtöner auf Ohrhöhe befindet. Damit man den Lautsprecher auch gut aufstellen kann, befinden sich resonanzdämmende Gummifüße unter dem Gehäuse. Einfach, aber in der Praxis wirkungsvoll. 

Der Tief-Mitteltöner hat einen Durchmesser von 170 mm, seine verwindungssteife Aluminium-Membran ist umhüllt von einem faserverstärkten Kunststoffgusskorb (ABS). Die spezielle Materialwahl ermöglicht eine effiziente Raumnutzung ohne auf wichtige Eigenschaften wie Zug- oder Biegefestigkeit zu verzichten. So kann im Design besonders die Belüftung der Schwingspule für maximale Belastbarkeit bedacht werden.
Die Hochtonkalotte ist mit einer Teteron®- Kunstseidenmembran bestückt. Die sogenannten Airflex-Ports mit gerundeter Reflexöffnung zur Reduzierung von Strömungsgeräuschen befinden sich auf der Rückseite der Hochtonkalotte.In der Praxis bleibt die Quantum 553 wirklich auch bei hoher Lautstärke ruhig und produziert keine die akustische Harmonie störenden Strömungsgeräusche. 

Die Innenverarbeitung ist recht gut, das Gehäuse ist relativ dick und ordentlich mit Dämmwolle ausgekleidet. 

Insgesamt gutes Finish, auch Innen

Ausgebauter Tiefmitteltöner

Detailbild

Hochtöner auseinander gebaut

Bassreflexport ausgebaut

Frequenzweiche

Technische Daten:

• Belastbarkeit RMS / max.: 90 / 160 Watt
• Impedanz: 4 – 8 Ohm
• Frequenzbereich: 30 – 55 000 Hz
• Übergangsfrequenz: 3 300 Hz
• Empfohlene Verstärkerleistung: 30 – 160 Watt
• Wirkungsgrad (1 Watt / 1 m): 91 dB
• Maße (BxHxT): 216x360x300 mm
...mit B wie Breite ist die größere Rückseite gemeint.
• Gewicht: 7,6 kg
• Gehäuseausführung Kirsche, Nussbaum, Schwarz

Insgesamt machen Verarbeitung und Technik für diese günstige Preisklasse einen ausgezeichneten Eindruck, Perfektion und enormer Aufwand kann bei diesem Kaufpreis nicht verlangt werden. Gesamtnote in Relation zum Kaufpreis: Ausgezeichnet. 

Testequipment
Klang

Antonin Dvorak: Aus der Neuen Welt (Allegro con fuoco), Cleveland Orchestra, SACD:

Ein Quantum aus der Neuen Welt könnte der Titel dieses Hörerlebnisses lauten. Ein feinfühliger Mitteltonbereich und eine enorme Dynamik zeichnen die Boxen bei diesem Stück aus. Besondere Freude macht uns das für die Preisklasse erstaunlich hohe Auflösungsvermögen. Bei hohem Pegel liefern die Pulheimer einen überraschend guten orchestralen Klang, der mit Räumlichkeit glänzt. Der Tief-Mitteltöner eignet sich herrvorragend für den Genuß klassischer Musik, der Hochtöner kann bei erhöhter Lautstärle nicht ganz überzeugen und hat einen für Klassik übertrieben hellen Touch.

Smetana: Die Moldau, Cleveland Orchestra, SACD:

In der Schlussszene laden Blechinstrumente und Trommeln zum Naturschauspiel ein. Die Quantums übertragen Blitz und Donner dynamisch und kraftvoll – ein richtiger Genuss, man mag hier kaum glauben, dass die Box einen Marktpreis von unter 200 EUR (bezogen auf das Paar) hat.  Einzig der Hochtonbereich könnte für unseren Geschmack etwas dezenter klingen. Er schiebt sich teilweise etwas zu prägnant in den Vordergrund, was dazu führt, dass gerade bei größerer Lautstärke das Gebotene etwas spitz erscheint. Die Quantum 553 arbeiten natürlich nicht alles so gekonnt heraus wie es die doch sehr anspruchsvolle Moldau verlangt, so hört man Feinheiten des Pianos nur mit Wohlwollen und es klingt auch nicht so geschwungen dynamisch. Bilanzierend aber ist das Gebotene aber ausgezeichnet für diese Preisklasse. Im Hochtonbereich erklangen die Triangel zunächst differenziert und bleiben im Takt. Erklingen sie in kürzeren Zeitabständen, kommt es zu kleineren unerwünschten Resonanzen.

Kings of Convenience: Know How feat. Feist, CD:

Bevor Feist mit ihrer Stimme zum Einsatz kommt, erklingt eine weitere Gitarre, sowohl diese Gitarre wie auch Feists Stimme und die des Sängers werden ordentlich getrennt. Wenn Feist dann Ihre Stimme erklingen lässt, hört es sich zwar wie gewohnt räumlich an, allerdings nicht idealer Weise harmonisch, sondern bezüglich der Wiedergabeachse leicht verzerrt. Zugegeben fehlt es auch hier etwas an Tiefe und Volumen. Festzustellen ist aber, dass für diese Preisklasse der Tieftonbereich durch erstaunliche Eleganz bei diesem Titel überzeugt, er ist die sonstigen tonale Gefüge betreffend passgenau und sehr ausgewogen. 

Paul Kalkbrenner: Sky and Sand, Square 1, CD:

Hier glänzt die Quantum 553 mit einem sanften, aber exakten „Passspiel“. Plötzlich spielt der Höchtöner auch hervorragend mit und die Boxen liefern ein rundum dreidimensional überzeugendes Klangerlebnis. Für Freunde elektronischer Musik haben die Pulheimer Audiospezialisten ins Schwarze getroffen, der im Hochtonbereich bewusst forsche Stil wird prima zur Geltung gebracht. 

Aquagen presents Schubkrakft, Vol.2, CD1 Full Lenght Versions:

Auch hier fügt sich der Hochtöner tadellos ins gesamte tonale Geschehen ein. So kann der klare Toncharakter durchaus in Anbetracht der geringen Investition als bestechend bezeichnet werden. Dynamisch und nachdrücklich geht es voran, die gute Räumlichkeit und die gekonnte Staffelung haben uns überzeugt. Nur bei hoher Lautstärke driftet der Lautsprecher hörbar ins Schrille ab, der Mitteltonbereich verliert an Kontur. 

Basshunter, Russian Privjet:

Die Bassreflexöffnung hält sich mit Strömungsgeräuschen vornehm zurück

Kraftvoll und lebendig wird dieses Stück übertragen, der Bass hat Energie, reicht verständlicherweise aber nicht sehr tief hinunter. Die verschiedenen Effekte ertönen mit Verve und verteilen sich prima im Raum. Das tadellose Impulsverhalten sorgt für eine zeitgleiche Bass- und Mittel-/Hochtonwiedergabe.

Konkurrenzvergleich

Magnat Quantum 553 vs. Teufel Ultima 60 (Test folgt): Im Kreise der elektronischen Musik sollten sich die Pulheimer nicht verstecken, verglichen mit dem großen Volumenunterschied wirkt der Bass der Quantum großartig. Allerdings haben die Teufel LS eindeutig den höheren Wirkungsgrad. Die kleinen Boxen von Magnat sind aber wesentlich leichter und haben ihren eigenen Klangcharakter, der heller und puristischer klingt als sein wärmer abgestimmter großer Konkurrent. Mit feinerer Detaillierung und flüssigeren Übergängen spielen die Ultima 60 ihre Vorteile aus - sie sind allerdings auch doppelt so teuer, wobei sie mit den gezeigten Qualitäten auch manchem Boxenpärchen für 800 EUR  massiv Konkurrenz machen. 

Magnat Quantum 553 vs. Nubert nuJubilee 35: Die etwa doppelt so teuren Jubiläums-Regallautsprecher von Nubert haben uns bereits im Test mit einer brillanten Feindynamik und einem exzellenten Bassverhalten überzeugt und schaffen ein Klangerlebnis an das die Quantums nicht herankommen - aber: Setzt man den Kaufpreis in Relation zum Gebotenen, kann man auch den Quantums ein großes Lob und eine dicke Empfehlung aussprechen

Magnat Quantum 553 vs. Klipsch Reference RB-81: Dier Klipsch, deutlich teurer, hat mehr Bassstärke und den besseren Wirkungsgrad. bezüglich Dynamik und Detaillierung spielt die viel preisgünstigere Magnat in der selben Liga - Kompliment!

Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet. 

Fazit

Magnat Quantum 553 - große Leistung zum kleinen Preis

Die Quantum 553 sollten vom preisbewussten Stereoliebhaber bei der Wahl eines Stereo-Regalboxenpaares unbedingt mit in Betracht gezogen werden. Sie liefern aber grade im nicht-klassischen Musikbereich ein überzeugendes Hörerlebnis - mehr Klangtiefe und mehr Ebenen kann man von einem 2-Wege System in dieser Preisklasse fast nicht erwarten. Wünschenswert wäre dennoch ein etwas harmonischerer Hochtonbereich bei größerer Lautstärke.  Der Bass ist gut gelungen und kräftig genug. Wer jedoch besonders Wert auf enormen Tiefgang legt, sollte sich noch zusätzlich einen aktiven Subwoofer anschaffen und die Quantum in einer 2.1 Anordnung betreiben. Prima sind Mitteltonbereich mit guter Stimmverständlichkeit und Impulstreue. Die Bassreflexöffnung stört nicht durch Strömungsgeräusche.

Attraktiv gestalteter Regallautsprecher mit dynamischem und kräftigem Auftritt

Stereo-Lautsprecher Einsteigerklasse 
Test 23. Juli 2010

+ Hübsche Optik
+ Dynamisches Klangbild
+ Tadelloses Impulsverhalten
+ Sehr günstiger Preis

- Hochtonbereich bei großer Lautstärke etwas spitz

Test: Frank Querfurth
23. Juli  2010

  ZURÜCK
Copyright © AREA DVD 1998-2013