TEST: Stereo-Standlautsprecher Klipsch Reference RF-7 II - US-Lautsprecherbau neu definiert?

22.11.2010 (cr/sw)

Einführung

Für einen Stückpreis von 1900 EUR kann man sich das Topmodell der neuen Reference MkII Serie aus dem Hause Klipsch ins heimische Wohn- oder Musikzimmer holen: Die RF-7 II wiegt satte 40 kg pro Stück, ist 1,23 Meter hoch, 30 cm breit und 40 cm tief. Kein Lautsprecher für "Warmduscher" und Mittelspurfahrer also, sondern für die sprichwörtlichen "ganzen Kerle", hart gesotten, cool und im Leben auf der Überholspur. Damit man mit der Reference auch ordentlich Druck machen kann, sorgt ein Top-Wirkungsgrad von 101 dB (2,83 V/ 1m). Kurzzeitige Spitzen von bis zu 1000 Watt und eine langfristige Belastbarkeit von 250 Watt sind eindrucksvolle Werte. Die Bassreflexbox mit 8 Ohm-Kompatibilität bringt zwei großformatige 25,4 cm Basstreiber und für die Hochtonwiedergabe das bewährte und immer wieder verfeinerte Tractrix-Horn mit, das seinen Teil zum exzellenten Wirkungsgrad beiträgt. Der Frequenzgang des Schallwandler-Boliden geht von 30 Hz bis 24 kHz (bei +/- 3 dB). Was die neuen Klipsch-Akustiker leisten, haben wir überprüft.

Video-Überblick

 

Verarbeitung und Technik

Hochwertige Standfüße, hier mit Spikes

Etwas spitze Kanten

Bi-Amping-fähige Terminals von gewöhnlicher Qualität

Sauber ausgeführte Löchern zur Aufnahme des Schutzgitters

Etwas billig wirkendes, aber einwandfrei sitzendes Lautsprecherschutzgitter

Bassreflexöffnung

Gleich 2 Bassreflexöffnungen finden sich auf der Gehäuserückseite

Typisch Klipsch - Hochtöner mit Hornvorsatz

Mächtige Basstreiber mit Cerametallic-Membran

Ausgebauter Hochtöner

Lautsprecheranschluss des Hochtöners im Detail

Sehr saubere Innenverarbeitung. Hier ein Blick auf die beiden Bassreflexrohre

Üppig dimensionierter Magnet des Basstreibers

Tieftöner im Detail 1

Tieftöner im Detail 2

Kompletter ausgebauter Tieftöner aus seitlicher Perspektive

"Doppelstöckige" Frequenzweiche



Sicht von Oben

Im Detail

Die ausladende Klipsch RF-7 weist optisch alle Merkmale einer klassischen Lautsprecherbox auf: Eckig, massiver Auftritt, große Chassis. Enorme verarbeitungstechnische Raffinesse darf der Anwender von der RF-7 II nicht erwarten. Die Gehäusekanten wirken etwas zu spitz, sind aber ordentlich gearbeitet. Die rückwärtigen Bi-Amping-fähigen Lautsprecherkabelanschlussterminals sind von normaler Qualität und ragen weder positiv noch negativ hervor. Die Chassis sind ebenso ordentlich eingepasst wie die beiden Bassreflexöffnungen auf der Rückseite. Die Oebrflächenqualität ist gut. Das Innenleben der RF-7 II sieht gut aus - hier passt das Finish, auch die Innenverkabelung ist sauber geführt. Mit massiven Belastungswerten und erprobter, immer weiter verfeinerter Technik macht die Klipsch ebenfalls eine sehr gute Figur. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet. 

Testequipment
Klang

Material: 

  • Unheilig – Geboren Um zu Leben
    Marusha – Go Ahead
    Koala – Australia
    Blank&Jones – Flying to the Moon
    Prodigy – Out of Space
    Basshunter – Russia Privjet
    Loft – Hold On
    Lady Gaga – Bad Romance
    Nightwish – Over the Hills and Far Away
    Andrea Bocelli, Dell’Amore Non Si sa
    Hurts, Wonderful Life
    Stella Starlight Trio, Tainted Love

Wie leistungsfähig sind die RF-7 II?

Bei allen Songbeispielen begeistern Kraft und Grobdynamik, die die Reference bereit hält. Beim Raveklassiker „Go Ahead“ verwundert es, wie enorm schnell die US-Boxen trotz der recht großen Chassis agieren. Der sehr räumliche Aufbau der Effekte ist ebenso hervor zu heben. Auch im großen Hörraum werden sie schnell und doch sorgfältig verteilt. Trotz der grobdynamischen Bestleistung – wie immer typisch für Klipsch – wurden, und das ist neu, auch andere Faktoren nicht vernachlässigt. So nimmt die Feindynamik spürbar zu, was sich in einem sensibleren Aufbau kleiner Effektsequenzen zeigt. 

Dies merken wir auch bei „Flying to the Moon“: Nicht nur, dass der Bass mit sehr gutem Tiefgang und Nachdruck präsentiert wird – auch kleinere Details gehen nicht unter. Stimm- und Instrumentaltrennung sind ausgezeichnet. Mit Verve wird auch „Russia Privjet“ wiedergegeben – die Musikauswahl ist kein Zufall: Gerade für denjenigen, der Dance- und Technomusik schätzt, ist die Reference ein toller Spielpartner. Es dürfte schwer werden, in der gleichen Preisklasse einen Lautsprecher zu finden, der gerade bei diesen Genres so viel Faszination verbreitet. Auch Eurodance Klassiker wie Lofts „Hold On“ klingen überragend: Der treibende Beat, die vokalen Sequenzen und der Aufbau des Songs gelingt der Reference enorm gut. Stets löst sich der Sound herausragend vom Lautsprecher und verteilt sich mitten im Raum. 

Leichte Probleme treten nur beim Breakbeat-Hit „Out of Space“ auf: Hier klingt der Bass etwas zu hohl und schlägt nicht so massiv zu, wie es mit exzellenten Boxen prinzipiell geht. Bei „Bad Romance“ hingegen läuft die Reference erneut zu Großform auf: Sie bietet einen hervorragenden Tiefgang, eine hohe Impulstreue und eine im Vergleich zu älteren Reference Modellen hörbar verbesserte, weil charismatischere Stimmwiedergabe. Auch die Übergänge zwischen Hoch- und Mitteltonbereich sowie zwischen Mittelton- und Bassbereich sind fließender geworden. 

Mit diesen Tugenden gelingt den Reference Schallwandlern auch eine überzeugende Wiedergabe des Superhits der diesjährigen Bambi-Preisträger von „Unheilig“. Die sehr charakteristische Stimme des Grafen kommt nuancenreich heraus und wirkt räumlich sauber – das kannten wir von der alten Reference-Serie nicht in diesem Ausmaß. Etwas fade erscheint die Nightwish-Adaption von „Over the Hills and Far Away“: Hier wirken die Vocals etwas flach, dem gesamten akustischen Ereignis fehlt es an Tiefe. Die schnellen Schlagzeugsoli halten sich zu sehr im Hintergrund. Beim Charthit „Wonderful Life“ von Hurts, die 80er Jahre Stil geschickt mit modernen Elementen verbinden, schlägt aber wieder eine Glanzstunde für die Reference. Die vielfältigen Nuancen kommen exzellent heraus – wieder begeistert die vokale Präsentation, zudem sammeln sich viele Punkte durch die enorme Stabilität der Bühne an. Tiefe und Breite wirken stimmig, der Aufbau ist facettenreich, die teils abrupt endenden Basseinlagen werden ohne Nachschwingen bereit gestellt.

„Dell‘ Amore Non Si Sa“ wird von den Reference überraschend ausdrucksvoll zum Hörer getragen. Die im Vergleich zur letztenGeneration geschliffenere, feinere Stimmwiedergabe sowie die gestiegene Feindynamik sind für diese Eindrücke verantwortlich. Die Reference kann noch mit weiteren Vorzügen dienen, zu denen ganz im Speziellen der hervorragende Wirkungsgrad gehört. In Verbindung mit unserem Onkyo TX-NR1008 konnten bereits enorme Pegel bei gleichzeitig enormer Souveränität erzielt werden. Dies liegt nicht nur an den wirklich sehr pegelfesten Endstufen des TX-NR1008, sondern auch am beeindruckenden Wirkungsgrad, der kaum von einer anderen Konstruktion, gerade in dieser Preisklasse, offeriert wird. So kann man selbst dann gepflegt laut hören, wenn man keine Endstufen in der Gewichtsklasse ausgewachsener Sumo-Ringer sein Eigen nennt. Zudem sind die großen Lautsprecher sehr flexibel, was die Hörraumgröße angeht. Stellt man sie nicht direkt an der Wand auf (dies sollte aufgrund der rückseitigen Bassreflexöffnungen tunlichst vermieden werden), kann sie auch im kleineren Hörraum ab 20 Quadratmeter für enorme Freude beim Zuhörer sorgen. 

Durch räumliche Ausbreitung und Pegelfestigkeit aber ist es auch keine Schwierigkeit, einen knapp 60 Quadratmeter messenden Hörraum ansprechend zu beschallen. Wer deutsche Pop-Classics liebt, wird die Reference ebenfalls lieben: Bei „Ohne Dich schlaf ich heute Nacht nicht ein“ von der Münchner Freiheit verbinden sich die positiven Eigenschaften der Klipsch erneut zu einem sehr emotionalen Gesamtergebnis. Kraftvoll und massiv, gleichzeitig aber impulstreu und schnell, mit feiner Trennung aller Ebenen sowie fundierter vokaler Präsenz kann sich der große Standlautsprecher bestens in Szene setzen. Keine Probleme gibt es auch bei gepflegter Lounge Music: Die Version des Stella Starlight Trios von „Tainted Love“ wird sehr ausdrucksvoll aufbereitet. Wir kennen diese klare, wohltemperierte Wiedergabe des Pianos gar nicht von Lautsprechern aus dem Hause Klipsch. 

Die Reference RF-7 hat hier alles Grobmotorische ihrer Vorläufer abgelegt und agiert mit gekonnt ausbalanciertem Feingefühl. Das Schlagwerk im Hintergrund wird sehr schön eingeflochten – eine tolle, lebendige Präsentation, die auch davon lebt, dass die für viele US-amerikanische Lautsprecher typische „Badewanne“ zwar noch existent ist, aber eine weitaus geringere Tiefe aufweist – mittlerweile ist sie auch für Nichtschwimmer geeignet. 

Gesamtnote Klang in Relation zur Preisklasse: Ausgezeichnet - hervorragend. 

Konkurrenzvergleich

  • Klipsch Classic RF-7: Der schiere Wahnsinn - dieser brachial agierende Schallwandler ist in jeder Hinsicht eine Wucht, auch wenn es sozusagen der Vorläufer der hier getesteten RF-7 II ist. Was der "Alte" an Grobdynamik, Räumlichkeit und Pegelfestigkeit bietet, ist nahezu unglaublich - und diesen Boxen-Hammer gibt es derzeit für 849 EUR/Stück! (Aktionspreis). Hier heißt es einfach - sofort zugreifen. Die neue RF-7 II agiert kultivierter und geschliffener, bietet die identische Pegelfestigkeit und Dynamik, kostet aber deutlich mehr.  
  • Heco Celan XT 901: Deutlich günstiger als die RF-7, agiert die sehr gut verarbeitete XT 901 sehr samtig und geschmeidig. Die geballte Dynamik und Schnelligkeit der RF-7 aber kann sie nicht aufbieten, auch nicht die Pegelfestigkeit. 
  • Magnat Quantum 1005: Blitzsauber verarbeitet, fein detaillierend, mit viel Strahlkraft im Hochtonbereich: Die Quantum 1005 ist für erfahrene Hörer sehr empfehlenswert. Sie ist aber nicht ganz so pegelfest und bietet etwas weniger Tiefgang und Räumlichkeit als die Klipsch RF-7 II. 
Fazit

Insgesamt stellt die neue RF-7 nicht nur eine spürbare Weiterentwicklung des Vorläufers dar – sie ist zudem eine der besten Offerten in ihrer Preisklasse. Man muss bei Optik und Opulenz der Verarbeitung zwar nach wie vor Abstriche machen, aber dafür erhält man einen Lautsprecher, der auf eine ungemein geschickte Art und Weise interpretatorische Emotionalität mit klanglicher Authentizität verbindet. Die RF-7 ist ungemein pegelfest und bleibt auch bei enormer Lautstärke stets souverän. Durch den erstklassigen Wirkungsgrad kann der großformatige Schallwandler auch mit weniger üppig dimensionierten Verstärkern zusammenarbeiten. Räumlichkeit, Lösung des Sounds vom Lautsprecher, Feindynamik und Bühnenaufbau sind ebenso wie die tonale Auslegung hörbar verbessert und verändert worden. Die „Badewanne“ ist abgeschwächt und macht sich auch für Hörer, die eine authentische Auslegung bevorzugen, kaum noch bemerkbar. 

Enorm pegelfest, spielfreudig und deutlich kultivierter, empfiehlt sich die Reference RF-/ II für anspruchsvolle musikalische Aufgaben

Stereo-Standlautsprecher obere Mittelklasse
Test 22. November 2011

 

+ Extrem pegelfest
+ Hervorragender Tiefgang
+ Exzellente Grobdynamik
+ Gute Feindynamik
+ Ausgezeichnete Räumlichkeit
+ Sehr guter Wirkungsgrad

- Eher einfaches Finish des Boxengehäuses in Anbetracht der Preisklasse
- Ausladende Abmessungen


Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
22. November 2010

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