HighEnd: Doch mehr als analoges Stereo ...
10. Mai 2010 (th)
Der Slogan der High End 2010, "Der beste Ton - das beste Bild"
täuschte darüber hinweg, dass das Bild und der Mehrkanalton weniger Präsenz
hatten als in den Jahren zuvor. Aber es waren durchaus Firmen und Produkte zu
finden, die sich der Synthese aus Bild und Ton, dem gemeinschaftlichen
audiovisuellen Erlebnis verschrieben haben. Einer dieser Firmen ist die
kanadische Anthem. Anthem wird den Blu-ray-Player BLX 200 für ca. 800,- EUR auf
den Markt bringen. Das Gerät hinterlässt mit seiner massiven, gebürsteten
Aluminium-Frontplatte einen gediegenen Eindruck und zeugt von einer
selbständigen Design-Sprache der Kanadier. Der Player wird mit HDMI 1.3 Buchse,
12 Bit / 192 kHz Video-D/A-Wandlern und einer USB-Schnittstelle bestückt. Über
die Netzwerkanbindung können BD-Live (Profile 2.0) Inhalte aufgerufen werden,
für deren Verarbeitung 1 Gigabyte interner Speicher zur Verfügung steht. Laut
Aussagen des deutschen Product-Managers soll der BLX 200 schnelle Lade- und
Zugriffszeiten bieten. Eine Anfrage für ein Test-Sample haben wir
selbstverständlich gestellt, um Ihnen, werte Leser, sobald wie möglich das
Gerät im Praxistest vorstellen zu können.

Unter dem Blu-ray-Player BLX 200 ist der Prototyp des Surround-Verstärkers
MRX 500 zu sehen. Anthem arbeitet an einer Reihe von AV-Verstärkern, welche die
Produktpalette unterhalb der Vor-/Endstufenkombinationen ergänzen und neue
Marktsegmente erschließen soll. Genaue Informationen zur jeweiligen
Ausstattung, Markteinführungstermine oder ähnliches war nicht in Erfahrung zu
bringen. Einzig die Implementierung des hauseigenen Einmesssystems ARC-1 und ein
preislicher Richtwert wurden uns genannt: Die Preisspanne der Serie wird wohl
auf dem amerikanischen Markt 1.400,- USD bis ca. 3.500,- USD betragen.
Ein Einmesssystem nebst Korrektur der individuellen Ergebnisse bietet
Audiodata mit dem AudioVolver II. Hierbei handelt es sich um einen
Audioprozessor, der aktuell die Stereo-Performance einer Gesamtkette analysiert
und korrigiert. Bei der Installation des AudioVolver II wird die Wiedergabekette
unter Einbeziehung des Hörraums von einem Mitarbeiter Audiodatas eingemessen
und entsprechende Korrekturdaten im Prozessor abgelegt. Das Besondere in der
Bearbeitung stellt die Abstufung der Frequenzen in 0,6Hz-Schritten und die
zeitliche Genauigkeit von 22 Mykro-Sekunden dar. Ein Verzicht auf eine
Abtastratenwandlung, eine interne Rechentiefe von 64 Bit und ein
Ausgangsmastering in 24 Bit tragen dafür Sorge, dass das originale Nutzsignal
nicht beeinträchtigt wird. Unter Einbeziehung des Laufzeitverhaltens der
einzelnen Chassis eines Lautsprechers und der individuellen Raumgegebenheiten
wird nun eine komplexere wie zeitlich differenziertere Anpassung vorgenommen als
bei gängigen Verfahren alá Audessey. Wann eine Mehrkanalvariante verfügbar
sein wird ließ sich nicht heraus finden. Audiodatas Ansatz hat unser Interesse
geweckt und wir hoffen Ihnen bald einen Test des 5.250,- EUR (4.750,- EUR
Gerät, 500,- EUR Einmessung) kostenden AudioVolver II anbieten zu
können.

Audiodata AudioVolver II - Audiokorrektur unter Einbeziehung
des Raumes und Zeitlaufverhaltens der Lautsprecher

Der AudioVolver II zeigt sich kontaktfreudig
Audiodata hat sich einen Ruf als Hersteller aufwendig konstruierter
Lautsprecher erarbeitet. In Zusammenarbeit mit dem anerkannten Lieferanten SEAS
wurde ein Dual-Coax Chassis entwickelt, das Homogenität, Zeitrichtigkeit und
die Räumliche Abbildung auf obersten Niveau bieten will. Von dem
Regallautsprecher Partout über die ausgewachsene Avancé konnte sich dieser
Treiber schon vielfache Aufmerksamkeit sichern. Audiodata bietet nun dem
Interessierten einen dedizierten Center Namens Allongé, welcher die
Design-Sprache und Schallwandgestaltung beider vorgenannten aufnimmt. Mit dem
bei 4.450,- EUR startendem Center-Lautsprecher bietet ein weiterer Hersteller
die Option Mehrkanal-Sets auf höchstem Niveau zu realisieren. Wir begrüßen
diesen Schritt ausdrücklich, da es schließlich dem Kunden überlassen bleiben
soll, ob Stereo oder Surround das richtige für ihn ist.
Audiodata Avancé, ab 8.700,- EUR / Stück und Bassmoduk
Soutien

Es handelt sich bei der ausgestellten Stück um die Teilaktive
Variante der Avancé

Neben der kleinen Standbox Jolie die Audiodata Partout in
einer Sonderlackierung - Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Ein Center mit Gardemaß - Audiodatas Allongé startet bei
4.450,- EUR / Stück

Besonderheit: Aufgesetzte Schallwand mit Dual-Coax-Chassis

Um die LS-Terminals ist die Stärke des Gehäusecorpus zu
erkennen - windig ist was anderes.
Novum und Leckerbissen zugleich - Crestron stellt erstmalig auf der High End
aus. Crestron ist bekannt für ausgefeilte, komplexe Haussteuerungssysteme, die
sich der Reichweite normaler Konsumenten entziehen. Bisher. Die Prodigy
Produktfamilie startet nun mit dem Mediencontroller PMC2 und der Fernbedienung
PLX2. Diese Kombination ist erweiter- und integrierbar in sämtliche Setups die
Crestron nach oben hin bietet. Genauso ist dieses Set aber auch ein ernst zu
nehmender Kontrahent für Pronto und Nuevo bei einem Preis von 1.000,- EUR. Die
Konfiguration des Systems erfolgt über die Composer Software am Rechner und
ermöglicht neben der Bedienung komplexer Heimkino-Systeme auch die Integration
weiterer Elemente der Gebäudetechnik. Die Steuerung kann neben Webinterface,
iPhone oder iPod auch über die Fernbedienung PLX-2 erfolgen. Die beleuchtete,
mit vielen Hardkeys versehene Fernbedienung verfügt über ein LCD-Display und
liegt gut in der Hand.

Mit der Kombination Controller PMC2 und Fernbedienung PLX2 (mitte
und rechts) für 1.000,- EUR will Crestron neue Kundenfelder erschließen.

Crestron-Systeme sind skallier- und erweiterbar.
Kompatibilität untereinander garantiert und damit auch einer schrittweisen
Erweiterung nicht abgeneigt.
Zugegeben - 1.000,- EUR für eine "Fernbedienung" ist sehr viel
Geld und stellt zudem keine wirkliche, funktionale Neuerung für Crestron dar.
Etwas anders sieht es bezüglich der Komponenten AMS-AIP, ADMS BR und ADC-200BR
aus. Hinter diesen kryptischen Bezeichnungen verstecken sich drei sehr
interessante Geräte, wie sie Crestron in der Art noch nicht kommuniziert hat
und die dem einen oder anderen klassischen High Ender Kopfschmerzen bereiten
dürften. AMS-AIP stellt eine Vorstufe da, die sich komplett in ein
Crestron-System einbinden lässt. Auch ohne dieses System ist es trotzdem eine
der wenigen AV-Vorstufen, die 7.3 Setups unterstützt, HDMI 1.3 mitbringt und
voll netzwerkfähig ist. In der Installations-Software ist ein vollständiger
Zugriff auf den EQ integriert, was nach Aussagen des Messestand-Personals wohl
einem Audessey-Pro entspräche. Genaueres werden wir Ihnen im Rahmen eines
ausführlichen Tests erläutern - vielversprechend erscheint das Paket, auch
wenn der angedachte Preis von ca. 12.000,- EUR nicht als Schnäppchen zu werten
ist. Die ergänzende 7-Kanal-Endstufe war auf der High End noch nicht
ausgestellt. Eine genauer Markteinführungstermin und -Preis war nicht zu
ermitteln. Crestron versteht ADMS BR als perfekte Ergänzung zur hauseigenen
Vorstufe: Hierbei handelt es sich um einen Medienserver mit eingebautem Blu-ray
Laufwerk. Das optisch massiv wie solide auftretende Gerät ist in der Lage
nahezu jedwedes digitales Medium wieder zu geben. So kann auch auf den 200'er
BD-Wechsler ADC-200BR zugegriffen werden. In einem Crestron-Netzwerk ist es
mittels Medienserver möglich, HDCP geschützt, überall im Wechsler befindliche
Blu-rays zu betrachten. Dieses und andere Features werden nicht günstig sein -
wir versuchen bald zu klären, ob die Leistungen die Investition wert sind.

AV-Prozessor mit ausgefeilter Netzwerkfunktionalität in
schickem Gewand

Medienserver mit integriertem BD-Laufwerk, Fernbedienung
TPMC-3X und 4TB-Netzwerkspecher

AV-System und Steuerung für Anspruchsvolle
High End gleich unbezahlbar? Dieser Schluss liegt nahe, stimmt aber nicht zur
Gänze. Auf der Münchner Messe sind durchaus auch Firmen und Produkte zu
finden, die preislich in bürgerlichen Gefilden angesiedelt sind. Neben den
großen und bekannten Marken wie Nubert und Denon trifft dies auf Phonar zu. In
der Veritas-Serie ist der 3-Wege Standlautsprecher p7 mit 1.249,- EUR das Top-
Modell. Neben zwei weiteren Standlautsprechern bietet Phonar den
Regallautsprecher m3, den Subwoofer s7 und den Center Veritas c3 an, wodurch der
individuellen Zusammenstellung eines Mehrkanal-Sets keine Hürde gestellt ist.
Sehr löblich.
Das Phonar Veritas Ensemble - nur der Subwoofer s7 fehlt auf
dem Bild.

Sowohl die Verarbeitung des Gehäuses wie die des Lacks
gefällt - Standlautsprecher Veritas p5
Grün, giftig grün, mag sich manch Traditionalist beim Anblick von Naims
Messestand denken. Die Innovationsfreude der Briten muss in den Augen vieler
High Ender gerade zu ketzerisch wirken. Naim versteht es wie wenig andere
Vollsortimenter mehrerlei unter einem Hut zu vereinen: Da ist der Anspruch eine
eigene Philosophie umzusetzen, es ist altes und gutes zu bewahren und
fortzuführen und neues zum richtigen Zeitpunkt aufzugreifen und zu
implementieren. Die Philosophie Naims ist zu hören - überzeugen Sie sich am
besten selber bei einem Händler in Ihrer Nähe. In Naims Sortiment hat Venyl
nach wie vor eine gleichberechtigte Stellung und zeitgemäße Trends werden nach
Beendigung von Formatstreitigkeiten und -Unsicherheiten aufgegriffen und in Form
von AV-Vorstufe und Netzwerkplayer umgesetzt. Das Angebot hauseigener
Lautsprecher und Raksysteme rundet das Bild ab.

Der Vorführraum ist optisch in der Firmenfarbe gehalten

Der kompakte All-in-One-Netzwerkplayer UnitiQuote wurde in
einem 2.1-Setup vorgeführt

UnitiQuote - Neben dem WLAN-Modul ist auch ein DAB-Tuner
integriert
Der Festplatten-Player HDX-SSD fungiert als Streaming-Client
und auch als Server

Die Rückseite zeigt es: Weitere USB-Speicher lassen sich
anschließen

Dass Naim seinem eigenen Qualitätsdenken auch in der
Digitaltechnik treu bleibt zeigt ein Blick ins Gehäuse des HDX-SSD
Text: Thomas Hermsen
10. Mai 2010
HOME
> HARDWARE-TESTS > ZURÜCK
<
|