SPECIAL: Standards der digitalen AV-Kompression - Formate, Codecs &
Container
19. April 2010 (phk)
Einführung
Die Blu-ray ist ein digitales optisches Speichermedium mit
Kapazitäten von 25 GB bis hin zu theoretischen 10 TeraByte. Ein 405 nm
blauvioletter Laser sorgt für diese riesigen Speichergrößen und öffnet dem
High-Definition Content Tür und Tor in unsere Heimkinos. Neben der Blu-ray und
natürlich der viel zu kurzlebigen HD DVD gibt und vor allem gab es bereits
vorher einige Ansätze das hochauflösende Material zum Endkonsumenten zu
bringen. Die in den USA bekannten DTheater-Tapes waren schon 2002 mit HD-Inhalt
bespielt und glänzten teilweise mit DTS-Sound. Welcher Datentrager auch
verwendet wurde, alle unterstützen eine oder mehrere Formen der Video- und
Audiokompression. Ein HD-Video in Rohform ist in seiner Größe auf optischen
Medien sonst gar nicht erfassbar, die riesige Datenmenge muss durch hoffentlich
geringe Abstriche in puncto AV-Qualität in ihrer Größe so reduziert werden,
dass sie auf die durchschnittlich 50 GB Speicher überhaupt passt. Für diese
Methode stehen verschiedene "Codecs" zur Verfügung, dieser Codec
komprimiert den gewünschten Inhalt in der Regel verlustbehaftet (lossy data
compression). Wichtig ist nun, diesen entstandenen Verlust möglichst klein zu
halten um eine maximale Repräsentation des ursprünglich aufgezeichneten
Materials zu erhalten. In diesem Bericht möchten wir einen kleinen Einblick in
die verschiedenen Kompressionsmöglichkeiten und ihre Eigenschaften geben.
Vorher noch ein ganz kurzer Blick zurück.
HD vor der Blu-ray Disc
Wie in der Einführung erwähnt gab es auch schon vor der
Scheibe mit dem blauen Laser High-Definition Inhalt für Konsumenten. Nachdem um
~1998 und vorher besonders in den USA durch den Start des öffentlichen
HD-Fernsehen das HDTV immer verbreiteter wurde, gab es natürlich auch Nachfrage
bezüglich HD-Material für den Heimanwender. DTheater, hierzulande kaum
bekannt, war der Brandname von vorgefertigten Film-Kassetten des ursprünglichen
D-VHS Mediums. Entwickelt von JVC, Hitachi, Panasonic und Philips benutzt dieses
Format dieselben physischen Dimensionen wie VHS, kann aber im Gegenzug sowohl
SD- und HD-Material aufzeichnen. DTheater-Kassetten verfügen über 720p- oder
1080i Content und mindestens einem Dolby Digital Audiotrack, später aber auch
DTS-Spuren. Die DTheater Kassetten waren auch mit einem Region Coding versehen,
allerdings sind außerhalb der USA nirgends Discs erschienen. Aufgrund der
Übernahme des Marktes durch die DVD und dem HDD-Recording ist DTheater nie
über einen Nischenstatus hinausgekommen. Der letzte, auf DTheater erhältiche
Film war FOXs "I, Robot."
Ein weiteres, nicht allzu bekanntes Format ist HDCAM. Die
hochauflösende Variante der "Digital Betacam" in ähnlicher
physischer Dimension ist eigentlich ein professionelles Aufnahmeformat, das in
verschiedenen Produktreihen aus Sony's CineAlta Reihe Anwendung findet.
Beispielsweise wurde die zweite Star Wars-Episode mit der Sony HDW-F900 komplett
digital abgedreht. Im Consumer-Bereich fand HDCAM bzw. das etwas neuere HDCAM SR
keinen Fuß. Trotzdem ist das Format nicht gerade unwichtig auch für
Otto-Normalverbraucher, oft wird HDCAM SR von TV-Stationen als Master-Medium
verwendet. Master im Sinne von der 1. Kopie des ursprünglichen Materials und
als Vorlage für den eigenen internen Encodiervorgang in HD oder SD. Das Studio
schickt die Kassetten nach Fertigstellung direkt an die Broadcast Stations und
verteilt so ihren HD-Content an sie und uns.
Blu-ray
Viel interessanter nach den eher unbekannten, teilweise
veralteten Technologien wollen wir uns das neue optische Medium, die Blu-ray
Disc und vor allem ihren eigentlichen Inhalt ansehen. Dank der Fortschritte im
PC-Bereich und der DVD können wir die Blu-ray etwas genauer unter die Lupe
nehmen als beispielsweise noch eine D-VHS. Im Großen und Ganzen kann man sich
eine Blu-ray ähnlich einer DVD-Iso mit besonderer Datenstruktur vorstellen, sie
besteht aus drei Teilen!
-
Videospur (*.h264, *.mpg)
-
Audiospur (*.dtshd, *.truehd, *.dts, *.ac3)
-
Untertitel (PGS, *.sup)
Selbstverständlich gibt es nicht nur den Hauptfilm auf einer
Blu-ray, sondern auch Menü, Extras und vielleicht sogar Bild-in-Bild Features
auf der Disc. Das heißt es befinden sich natürlich mehrere Video- und
Tonspuren angeordnet in der speziellen Blu-ray Datenstruktur. Alle Film-und
Extradateien (auch Menü etc.) findet man im "STREAM"-Ordner, direkt
abgeleitet von ihren Containerdateien "M2TS" = BDAV Transport Stream.
In diesen Containerdateien liegen die oben angesprochenen AV- und
Untertitelspuren in ihren entsprechen Kompressionsformaten vor. Die Videodaten
in MPEG2, VC1 oder H.264/AVC, Audio in TrueHD, DTS-HD, DD und DTS und
letztendlich die Untertitel in PGS. Die Untertitel liegen also in Bildern, nicht
als Text, vor. Alle eben genannten Abkürzungen sind Codecs bzw.
Kompressionsstandards, viele haben Vor- und manche haben Nachteile. Alle führen
aber zu einer mehr oder weniger effizienten Größenreduzierung der
ursprünglichen AV-Daten und werden in der Blu-ray Spezifikation erwähnt und
unterstützt, sie machen eine Speicherung auf Blu-ray von hochauflösendem
Material erst möglich.
Codecs
Während Audiocodecs wie Dolby TrueHD und DTS-HD Master
verlustfrei, also völlig ohne Eingreifen der Kompression auf die Qualität,
arbeiten müssen wir uns im Videobereich noch mit verlustbehafteten Optionen
begnügen. Die zu überwindenden Datenmengen sind einfach noch zu groß um
absolut frei von Verlusten bleiben zu können. Jedoch ist bezüglich der
benötigten Datenrate in Relation zur erreichten Qualität ein großer
Fortschritt gemacht worden. Wir wollen und können hier nicht die genaue
Funktionsweise von Kompressionsverfahren beschreiben oder gar genau vergleichen,
sondern Ansatzpunkte liefern und Vergleichsansätze wagen.
MPEG-2
MPEG-2 ist der hier älteste Codec den wir vorstellen. In Zeiten
der DVD war dieser Kompressions-Standard unangefochten die Nummer 1 und im
TV-Bereich findet MPEG-2 auch heute noch sehr viel Anwendung, während die
HDTV-Sender in Europa größtenteils in h.264 senden, wird in Amerika noch mit
einer deutlichen Mehrheit auch in HD in MPEG-2 gesendet. Klar, dass die
modernsten Errungenschaften bei dieser Form der Kompression noch am wenigsten
ausgeprägt sind. Es muss nicht grundsätzlich der Fall sein, dass ein in AVC
oder VC-1 codiertes Videofile generell besser aussieht als ein in MPEG-2
codiertes. Man kann aber durchaus sagen, dass die nötige Bitrate (Datenrate x
mb/s) bei gleichbleibender Qualität im MPEG-2 Format deutlich höher ausfallen
wird, als beispielsweise bei AVC. Ein weiterer Minuspunkt auf dem Konto MPEG-2
ist das etwas erhöhte Bildrauschen im Gegensatz zu den anderen Formaten. Auch
wenn, wie eben erwähnt, eine MPEG-2 codierte Videospur sehr gut aussehen kann,
so sind wir klar gegen weitere und vor allem neue Discs mit diesem Codec. VC-1
und AVC bieten die deutlich höhere Effizienz und lassen so mehr Platz auf der
Disc für konstante Audio-Bitraten oder Extras. Viele der ersten Blu-rays wurden
noch in MPEG-2 encodiert, noch dazu auf kleinen BD-25 Discs, so dass der höhere
Speicherplatz gegenüber einer HD DVD überhaupt nicht ausgenutzt werden konnte.
Marketing wurde aber nach dem Motto "Bigger is better" betrieben, dies
führte noch zu Beginn des nun schon beinahe vergessenen Formatkrieges zu
Unstimmigkeiten im BD-Lager.
VC-1
VC-1 ist den meisten bekannt als von Microsoft entwickelter
Videokompressionsstandard. Unterstützt von noch etwa 15 anderen Unternehmen
wird VC-1 mittlerweile als Videostandard für Blu-ray, WMV9 und Microsofts
SilverLight verwendet. Der Kompressionsstandard ist ähnlich effizient wie der
h.264/AVC-Standard und wird mittlerweile von vielen Studios angewandt. Unter
privaten Videophile-Foren wird AVC immer noch, größtenteils begründet aus der
besseren Erhaltung der Filmkörnung, bevorzugt aber einen sauberen A/B-Vergleich
haben wir noch nicht entdeckt. Die ursprüngliche Zurückhaltung bezüglich der
Verwendung des Codecs der BDA ist wohl auf Lizenzkosten zurückzuführen.
H.264/AVC
oder auch MPEG-4 Part 10 ist der wohl am meisten genutzte und
somit erfolgreichste Videocodec bezüglich des HD-Standards. Ob Blu-ray, DVB,
Youtube oder iTunes - alles ist h.264. Der Codec scheint die Maximen erreicht zu
haben, wofür er entwickelt wurde. Ein Video-Standard mit guter Qualität, hoher
Flexibilität aber keine problematische Komplexität. Bis zu 50% weniger
Datenrate im Vergleich zu MPEG-2 Broadcasts wurde angepeilt und verwirklicht.
Zur Vereinfachung ist der H.264 Standard nochmals in "Profile"
unterteilt, das sind voreingestellte Presets für bestimmte Ziele: Das Baseline
Profile beispielsweise ist vorgefertigt für Mobile Anwendungen, hier ist nicht
die Qualität sondern die Robustheit der Daten wichtig. Ganz anders das
"High Profile", dass spezifisch für Blu-ray Discs bzw. Broadcast
Applikationen definiert wurde. Innerhalb der h.264 Spezifikationen gibt es
verschiedene Varianten, die unterschiedliche Ausprägungen aber gleiche
Grundsteine haben. So ist beispielweise AVCHD, ein von Sony und Panasonic
genutztes Aufnahmeformat dass konform zu h.264 aber mit gewissen
Einschränkungen arbeitet, Mitglied dieser Standard-Familie. Wie im oberen
Absatz erwähnt gilt AVC meist als der beste der drei in der Blu-ray
Spezifikation definierten Videokompressions-Standards, auch wir glauben dass AVC
wahrscheinlich das größte Potenzial in sich birgt. x264, ein freier
Encodierungsstandard schöpft hier beispielsweise schon aus dem Vollen. Trotzdem
bedeutet ein ordentlicher Codec nicht gleich eine super Bildqualität, geht das
Studio mit Digital Noise Reduction und Edge Enhancement usw. zu radikal an das
Master hilft auch der beste Videocodec nichts.
Fazit
Mittlerweile werden wir erfreulicherweise fast komplett mit
schlecht umgesetzten Blu-ray Discs verschont. Die Zeiten, in denen auf Blu-ray
MPEG-2 Video erscheint sind zweifelsohne vorbei, auch wenn bestimmte Vertriebe
wie Alliance Canada uns ab und an immer noch mit solch Glanzleistungen
beglücken. Trotzdem ist mit der Wahl des richtigen Codes nicht automatisch eine
Top Qualität gegeben, wir haben schon MPEG-2 HDTV Aufnahmen gesehen, die
stellenweise nicht unbedingt schwächer waren als ihr Blu-ray Äquivalent in
AVC. Dank der fortschrittlichen Technik ist also meist die Aufwendung von Zeit
und Geld durch das jeweilige Studio für die Digitalisierung eines Filmes
ausschlaggebender als die Form der Datenkompression. Abgesehen vom Technik-Freak
wird den Filmfreund es ohnehin nicht interessieren in welchem
Kompressionsstandard sein Videomaterial encodiert ist, wir hoffen trotzdem etwas
Interesse geweckt zu haben und wollen das Special bei Bedarf noch auf kompatible
Audioformate ausweiten.
Text: Philipp Kind
19. April 2010
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