SPECIAL: Premiere des Philips 56 Zoll Cinema 21:9 Cinemascope LCDs 

19.01.2009 (cr)


Einführung

Wie wir bereits vor einigen Tagen berichteten, hat Philips die Markteinführung eines LCD-Flachbildschirms im originalen Kino-Widescreenformat von 21:9 (für die formatfüllende Wiedergabe des 2:35:1 Cinemascope Formats) für das 2. Quartal 2009 angekündigt. Bei einem Produkt-Preview Ende vergangener Woche in München hatten wir die Gelegenheit, einen Prototypen dieses Flatscreens, der eine Bildschirmdiagonale von 56 Zoll sowie eine Panelauflösung von 2560 x 1080 Pixel aufweist, in Aktion zu erleben. Unsere Eindrücke schildern wir in diesem Special.

Potentiale des Cinema 21:9 am Markt

Komplette Lösung für ein intensives Kino-Erlebnis: 21:9 Cinema und 7.1-Soundsystem plus AV-Receiver und Blu-ray-Spieler

Zunächst stellt sich die wichtige Frage, wo Philips Potentiale für das 21:9-Gerät auf dem Markt sieht. Nach Aussagen aus der Philips PR-Abteilung soll das Gerät kein subventionierter Imageträger sein, sondern Profit bringen - man ist sich allerdings der Tatsache bewusst, dass der Cinema 21:9 natürlich kein Garant für enorme Stückzahlen ist. Zu einer möglichen unverbindlichen Preisempfehlung wollte man sich bei Philips nicht äußern. Wir gehen davon aus, dass der Preis für den Kino-Flachbildschirm Ende Februar bekannt gegeben wird. Welche potentiellen Käufer kommen für den Cinema 21:9 in Frage? Zunächst der klassische Early Adopter und High Tech-Liebhaber. Dieser zugegebenermaßen eher kleinen Zielgruppe liegt es am Herzen, zu Hause grundsätzlich das Aktuellste bezüglich High Tech in den eigenen vier Wänden zu haben. Als zweites kommt derjenige Anwender in Frage, der nicht die Motivation hat, sich einen Projektor nebst Leinwand aufzustellen und die komplexen Einstellarbeiten durchzuführen. Gerade, wenn das Wohnzimmer auch der Heimkinoraum ist, gestaltet sich die Aufstellung und die Inbetriebnahme des Cinema 21:9 wesentlich einfacher. Zudem ist zu bedenken, dass im Wohnzimmer meist ein deutlicher externer Lichteinfall vorhanden ist. Der helligkeitsstarke 21:9 Cinema kommt damit problemlos zurecht, ein für den Betrieb im komplett abgedunkelten Heimkino konzipierter Beamer nicht. Kein Beamer bietet zudem aktuell die direkte Wiedergabe in 21:9 ohne schwarze Balken. Philips bietet im Übrigen immer ein breites Sortiment an Einstellmöglichkeiten im Video EQ, aber auch ein gutes "Out Of the Box" Bild und ausgezeichnete Justage-Hilfen sowie effiziente ab Werk voreingestellte Bildprogramme (Lebendig, Natürlich, Film....). Wir gehen davon aus, dass der Cinema 21:9 ebenfalls diese Möglichkeiten bieten wird. Daher wird derjenige, der alle Einstellarbeiten möglichst schnell erledigt haben möchte, ebenso glücklich mit dem 21:9 Flatscreen wie derjenige, der sogar mittels Colour Facts präzise kalibrieren möchte. Schon bislang war es z.B. möglich, den Weißpunkt individuell einzustellen.

Vorzüge und Nachteile bei der 21:9 Darstellung

21:9 entfaltet viel Faszination durch das original Kino-Format 2,35:1

Großer Vorteil der aktuellen Full HD Flachbildschirme mit 1920 x 1080 Pixeln Auflösung ist es, dass eingehende Full-HD-Signale von einer Blu-ray nativ, das heißt pixelgenau, dargestellt werden. Es wird kein Scaling innerhalb der Kette durchgeführt. Dies hat ein detailgetreues, enorm scharfes und plastisches Bild als sichtbare Folge. Da die auf der Blu-ray gespeicherten 2:35:1 Bilder in der üblichen Adaption für ein 16:9 Bildwiedergabegerät ausgegeben werden, d.h. im Format 1.920 x 1080 Pixeln mit schwarzen Balken oben und unten, muss der Philips TV skalieren - seine Auflösung liegt mit 2560 x 1080 Pixeln in der Horizontalen auch deutlich höher. Gleichzeitig ist das Sehen in 21:9 aber besonders geeignet bezüglich der natürlichen menschlichen Wahrnehmungsweise. Nicht umsonst hat sich dieses Format im Kino durchgesetzt. Das angenehm breite und nicht zu hohe Bild ermöglicht einen ungemein entspannten Filmgenuss. Dieser wird vom eingebauten Philips Ambilight Spectra III, welches in der Lage ist, an jeder Seite sich mittels der Darstellung mehrerer Farben an den Bildinhalt anzupassen, noch unterstützt. Grundsätzlich liegt der Erlebnis-Faktor beim Cinema 21:9 höher als bei einem 16:9 Gerät. Der Einsatz als herkömmlicher Fernseher ist selbstverständlich möglich, die Frage ist aber, wie sich ein 4:3 Signal aufpoliert auf 21:9 macht. Natürlich kann man TV-Signale auch in 16:9 betrachten, dann aber sind links und rechts schwarze Balken zu sehen. Sehr interessant wäre beim 21:9 Modell die Möglichkeit zur Einbindung in Hausnetzwerke, damit man sich auf dem PC gespeicherte HD-Videos, z.B. mit dem Camcorder gedreht, und jpeg-Bilddateien anschauen kann. Auch ein USB-Anschluss zur Einbindung eines USB-Sticks oder einer USB-Festplatte wäre gerade beim 21:9 Cinema sehr sinnvoll. Da Philips diese Features bei anderen Flachbildschirmen bereits verbaut, gehen wir davon aus, dass auch der Cinema 21:9 in den Genuss solcher Ausstattungsmerkmale kommen wird. Der gezeigte Flachbildschirm war im Übrigen kein LED Backlight Modell, sondern arbeitete mit dem konventionellen CCFL-Backlight. Hier kann im Gegensatz zu LED Backlight, wo einzelne LEDs komplett abgedunkelt werden können (daher entsteht an den abgedunkelten Punkten ein wirklich schwarzes Bild) nur das komplette Hintergrundlicht (welches bei CCFL mittels Leuchtstoffröhren realisiert wird) gedimmt werden. Ein 21:9 LED Backlight Flatscreen wäre eine weitere hoch interessante Evolutionsstufe, da die Kombination aus LED Backlight und 21:9 Kinoformat das Gerät gerade für Filmliebhaber noch verlockender machen würden.

Der Aufbau

Neue Philips-Kombi aus Blu-ray-Player und AV-Receiver

Elegant gestaltetes 7.1-Soundsystem

Philips zeigte beim Preview nicht nur den 2:9 Cinema Flachbildschirm, sondern auch den Prototypen eines 7.1 Lautsprechersystems. Angetrieben wurde dieses von einem ebenfalls neu von Philips entwickelten 7.1 AV-Receiver. Im Design passend dazu war auch der Prototyp eines Blu-ray-Spielers zu bewundern. Philips plant, diese Komponenten ergänzend zum 21:9 Cinema einzuführen, so dass der Anwender die Möglichkeit hat, sich ein komplettes Home Theatre-System mit Philips Geräten einrichten zu können. Damit man "live" den Vergleich mit einem konventionellen 16:9 Flatscreen erleben konnte, war ein 42 Zoll Full-HD Gerät aus der aktuellen Product Range direkt neben dem 21:9 Cinema aufgehangen worden. Die Wahl fiel auf 42 Zoll, weil der 42-Zöller in etwa gleich hoch ist wie der 56 Zoll 21:9-Flachbildschirm.

Unsere Eindrücke

Filmbeispiele: Casino Royale, I'm legend, The Fifth Element, zugespielt von Blu-ray

Vergleichsaufbau mit 42-Zöller aus der aktuellen Philips-Produktfamilie

Mehr Kinoerlebnis in 21:9, mehr Schärfe in 16:9

Die Zuspieler für den 21:9 Cinema, links die neuen Philips AV-Komponenten

Der Center in klassischem Layout sorgte für einen erstaunlich guten Klang

Der von uns in Augenschein genommene 21:9 Cinema war noch ein Prototyp - die neu entwickelte Bild-Engine war noch nicht fertig entwickelt, verschiedene Funktionen waren daher noch nicht verfügbar. Sehr positiv ist uns schon die farblich relativ neutrale Auslegung aufgefallen. Farben erschienen sehr realistisch und nicht zu knallig. Das Bild war von einer gleichmäßigen Helligkeitsverteilung geprägt. Deutlich sichtbar war aber auch ein Schärfeverlust im direkten Vergleich mit dem 42 Zoll Ful-HD. Dieser hat seine Ursache im Scaling - wie schon beschrieben, muss der Cinema 21:9 das eingehende Bildsignal skalieren, um es bildschirmfüllend darzustellen. Der Kontrast war beim Prototypen schon auf einem guten Level. Dadurch, dass es keine schwarzen Balken beim Betrachten von Kinofilmen im 2,35:1-Format gibt, sind die Schwarzwert-Probleme eines CCFL-LCDs nicht so offensichtlich. Im Übrigen war der Schwarzwert auf einem Level, der für ein CCFL-basiertes Panel wirklich ordentlich zu nennen ist. Probleme traten beim Prototypen noch bei der Bewegungsdarstellung auf, leichte Ruckler und leichte Treppenstufen bei diagonalen Linien waren sichtbar. Wir gehen aber davon aus, dass diese Mankos beim Seriengerät längst behoben sind. Der Erlebnisfaktor überzeugt schon jetzt - ein entspanntes, gleichzeitig emotional tief gehendes Betrachten von Filmen ist mit dem 21:9 Cinema möglich. Ambilight wirkt gerade bei diesem Gerät wie ein zusäzliches Wohlfühl-Pushing, denn so hat man die Möglichkeit, komplett in ein intensives Filmerlebnis einzutauchen und alles sonst um sich herum zu vergessen. 

Auch interessant sind die klanglichen Eindrücke, der AV-Receiver-Prototyp zeigte bereits jetzt eine gute Zusammenarbeit mit dem 7.1-Lautsprechersystem. Der Bass erschien homogen und kräftig, der Raumeindruck war authentisch und dicht. Effektkombinationen wurden impulsschnell umgesetzt. Verbesserungspotential gibt es noch bei der Ausgestaltung des Hochtonbereiches. Dieser spielte bei den Prototypen noch nicht frei genug auf und erschien etwas bedeckt. Auch an der Wiedergabe vokaler Konturen sollte noch etwas gefeilt werden. Insgesamt aber präsentierte sich das Philips Surround-Soundsystem schon auf einem beachtlichen Standard.

Unser Fazit

Couragiertes Projekt: Philips 21:9 Cinema

Bravo - Philips hat Mut bewiesen. Sich in den momentan schwierigen Zeiten mit einem solchen Projekt auf den Markt zu wagen, ist wahrhaftig lobenswert. Richtige Kino-Expierience mit einem Flachbildschirm, das ist ein sehr guter Ansatz. Wir wünschen dem 21:9 Cinema viel Glück. Mit einem leistungsstarken "Film" Bildprogramm versehen, welches ein augenfreundliches, leicht abgedunkeltes Bild mit natürlicher Bildschärfe und minimal warmer Farbgebung kombiniert, dürfte der 21:9 Cinema für Furore sorgen. Natürlich ist alles auch eien Frage des Preises - sollte die UVP nicht allzu extrem ausfallen, sind die Chancen des Flatscreens im 21:9 Format noch höher. Nähere Informationen werden voraussichtlich Ende Februar verfügbar sein. 

Text: Carsten Rampacher
19. Januar 2009

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